Was taugt Bang & Olufsen wirklich?

Diskussion über aktive Schallwandler

Was taugt Bang & Olufsen wirklich?

Beitragvon NNEU » 02.10.2015, 21:30

Hallo zusammen,

Ich bin grade wieder auf Bang & Olufsen gestossen. Am Anfang meiner Hifi Karriere habe ich mir damals ein Paar gebrauchte Beolab 6000 gekauft, damals befanden sich für mich alle anderen Lautsprecher von B&O in einer unerreichbaren Preisregion.

Nun wo ich mich halbwegs an die Preise von Silbersand, B&M und Co. gewöhnt habe, wirken die B&Os wie richtige Schnäppchen.

B&O wird ja normalerweise im Hifi-Bereich eher verpönt, meistens jedoch ohne Begründung.

Nun frage ich mich; Was taugt B&O wirklich?

Eine Firma mit so viel Erfahrung, Know-How und Möglichkeiten kann doch garnicht sooo viel falsch machen, oder?

Mich würden die Erfahrung mit B&O von Aktiven Hörern interessieren, besonders mit den top Modellen Beolab 5, 9 und 20.


Grüsse,

Noel
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Beitragvon aktivator » 03.10.2015, 08:03

Hallo Noel
Danke dieses Thema wollte ich auch schon öfter anstoßen. Wobei 2 Foristen hatten schon oder haben noch in ihrer Hifilaufbahn B&O besessen. Vieleicht können sie Ihre Erfahrung mit uns teilen. Bei uns in Hannover ist ein gut sortierter Highender und gleich nebenan befindet sich B&O Vollsortimenter. Aber außer von außen die Nase platt gedrückt ist noch nicht mehr passiert. Ja und du hast völlig recht B&Ospielt Öhren im Forum keine große Rolle (zu Unrecht)
Grüße Andreas
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Beitragvon Schöngeist » 03.10.2015, 09:37

Hallo,

für das, was die Geräte sollen, taugen sie hervorragend. Ich kenne ein Designmöbelhaus, das die gesamte B&O Palette neben seinen Möbeln im Programm hat. Das genau ist die Zielgruppe für B&O Audio und Video.

B&O hatte m.W. nie die Absicht, Highend im herkömmlichen Sinne zu produzieren.

Gruß Alfons
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Beitragvon NNEU » 03.10.2015, 10:38

Hallo Alfons, Hallo Andreas,

Mein allererstes Zusammentreffen mit B&O war mit ca. 8 Jahren bei dem Vater von einem Freund. Ich war schon damals an Technik interessiert, kannte die Marke jedoch noch nicht.
Das Design spiele damals für mich eine untergeordnete Rolle, die Overture fand ich sogar ziemlich hässlich.
Was mich sofort begeistert hat war der Klang. Ich hatte damals natürlich noch keine Erfahrungen mit Hifi, aber das war auf jeden fall das Beste was ich bis zu dem Zeitpunkt gehört habe.

Vor zwei Jahren war ich nochmal bei einem B&O Händler und habe mir die Beolab 3 und die neuen Beolab 17 angehört.
Da die Lautsprecher dermassen schlecht aufgestellt/präsentiert wurden kann ich jedoch keine verwertbare Aussage zum Klang machen.


Dass B&O seine Produkte hautsächlich an reiche Leute als Statussymbol verkauft ist durchaus richtig. Dann meist in Kombination mit dem sogenannten BeoLiving. Ich war mal in so einer Villa. Da wird einem sofort verständlich wieso die Wahl auf B&O fiel.

Ich glaube jedoch nicht dass es B&O nur ums Design geht. Nehmen wir mal Beolab 5 als Beispiel.
Besagter Lautsprecher kam im Jahre 2003 raus. Das Projekt lief zu einer Zeit wo bei B&O ein CEO Wechsel anstand. Der neue CEO hatte aber andere Prioritäten als Beolab 5 weswegen Beolab 5 einen relativ schwachen start in den Markt hatte.
Beolab 5 war jedoch (meines Wissens nach) der erste Lautsprecher mit einer digitalen Raum-korrenktur /Einmessung.
Ich habe gelesen dass die Leute die dieses System entwickelt haben nachher zu Lyngdorf gewechselt sind da die die Raumkorrektur auf Grund mangelhafter Vermarktung wenig populär war.


Ich denke dass B&O Lautsprecher oft falsch eingeschätzt werden da sie falsch aufgestellt werde, grade bzw. sogar beim Händler.
Mich würde interessieren wie B&O Lautsprecher klingen wenn man sie tatsächlich zu klingen bringen will.

Grüsse,

Noel
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Beitragvon Hans-Martin » 03.10.2015, 16:59

NNEU hat geschrieben:B&O wird ja normalerweise im Hifi-Bereich eher verpönt, meistens jedoch ohne Begründung.

Nun frage ich mich; Was taugt B&O wirklich ?

Eine Firma mit so viel Erfahrung, Know-How und Möglichkeiten kann doch garnicht sooo viel falsch machen, oder ?

Mich würden die Erfahrung mit B&O von Aktiven Hörern interessieren, besonders mit den top Modellen Beolab 5, 9 und 20 .

Hallo Noel
Meine erste Begegnung mit B&O war das SP6 Tonabnehmersystem,
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welches in meinem PE-Plattenpieler deutlich besser klang als das Pickering XV15/625, mit dem ich den PE gekauft hatte... Das war 1971. Ich hatte auch B&O Endstufen, die ständig abrauchten, wohl weil die Kühlsterne auf den RCA Treibertransistoren zu knapp bemessen waren. B&O hatte keinen guten Ruf hinsichtlich Servicehäufigkeit und -freundlichkeit. Hmm, mein Bruder hat sie ohne Probleme über 30 Jahre problemlos betrieben. Klanglich sehr transparent bis zum Entsorgen...
Der Beogram 4004 war der erste Tangentialplattenspieler, der mir begegnete (etwa Mitte der 1970er).
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Man beachte die Lagerung der Schallplatte auf den Gummirippen, die maximal Schall unter die Platte ließen, um sie rückkopplungsärmer zu machen, wie ein Mikrofon mit 8-Charakteristik bei seitlichem Besprechen.
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ein Telefon mit klanglich guten Kapseln und schickem Design Mitte der 1980er.
In den 1980ern kam Dolby HX-pro, das auf eine B&O Entwicklung von 1981 zurückgeht. Die Vormagnetisierung wurde bei hochtonreichem Programm bei der Bandaufzeichnung zurückgenommen, um die beste Aussteuerung zu erzielen.
Das Beocenter 2300 war zum an die Wand hängen und die Glastüren fuhren auf Knopfdruck zur Seite
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ein Eyecatcher, wie so viele Produkte mit diesem klaren und nahezu zeitlosen nordischen Design.
Klangliche Befriedigung stand da gewiss nicht ganz oben auf der Prioritätenliste, und da gibt es einige Lifestyle-orientierte und zugleich sehr erfolgreiche Produkte, die mit anderen Attributen bestechen, nur nicht mit dem Klang.
Die Beolab 5 etc. haben vorrangig Klangaspekte, die Form folgt der Funktion.
Form follows function, ein klassischer Designer-Spruch.
Ice-Power Class D-Verstärker sind IIRC eine B&O-Entwicklung.

Schöngeist hat geschrieben:B&O hatte m.W. nie die Absicht, Highend im herkömmlichen Sinne zu produzieren.

Hallo Alfons
ich glaube du tust B&O Unrecht, ja, es grenzt fast schon an Verunglimpfung ernsthaft bemühter Ingenieure, die B&O zu einer Weltmarke gemacht haben, und sich nicht auf das kleine Dänemark im Wettbewerb beschränkten.
Technologie auf der Höhe der Zeit, gepaart mit visionärer, auch zeitloser Optik und eigenen Entwicklungen, die technologisch der Zeit durchaus voraus waren oder sind.
Das kann man von Grundig, Telefunken, Saba und vielen anderen mittlerweile verschwundenen national einst dominanten großen Marken der deutschen Unterhaltungselektronik kaum sagen.
Grüsse Hans-Martin
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Beitragvon NNEU » 03.10.2015, 23:10

Folgenden Neuigkeiten habe ich eben auf der offiziellen B&O Facebook Seite gefunden:

Your furniture should stop remixing your music. Imagine a sound technology that automatically adapts to any home environment #futureofsound


‘Active Room Compensation technology’ means you’ll never have a bad audio experience again, no matter where it plays in your home. It is coming. Audio is changing on October 6th. #futureofsound


Mal sehen, vielleicht geht (the)futureofsound ja ein Schritt in Richtung Klang.
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Beitragvon NNEU » 06.10.2015, 11:51

Das sind also die neuen B&O Lautsprecher...
Vom Design her mMn sehr enttäuschend.

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Die Verwendung von ScanSpeak chassis plus digitale Raumkorrektur lassen jedoch darauf hoffen dass diese Lautsprecher auch aus unserer Sicht "High-End" Lautsprecher sind.

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Grüsse,

Noel
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Beitragvon MichaNRW » 06.10.2015, 12:09

B&O ist für viele nur "ein Design-Objekt".
Dass dem nicht so ist, durfte ich bei einem Tontechniker in Frankreich hören.
Die B&O Marketingabteilung weiß genau, wo die Menschen leben, die durch B&O eher angesprochen werden können. Deutschland und deren Geschmäcker zählt nicht zu den ersten ;)
Wer es noch nicht kennt, schöne Infos gibts zB auf B&O Tech

Grüße
Michael
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Beitragvon uli.brueggemann » 06.10.2015, 12:31

Wenn man sich dazu dann aber mal das Whitepaper anschaut, dann sieht man, dass da doch hohe Ansprüche erfüllt werden sollen.
Siehe z.B. den Polar Plot (Fig. 3.13) und vergleiche das mal mit den Diskussionen zur Charakteristik der Kii im niederfrequenten Bereich.

Wenn das denn alles so der Realität entspricht, was da so mitgeteilt wird, dann alle Achtung !
Interessant auch, wie offen man über so manches spricht, z.B. ADC oder DAC, Chassistypen etc.

Grüsse
Uli

PS: zum Design wird das Statement vertreten: Form follows function.
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Beitragvon aktivator » 06.10.2015, 12:41

Hallo Noel
Ok für Leute die die Sargoptik lieben (ist nicht böse gemeint)ist das Design schon gewagt.Aber anhand der Chassianordnung warum nicht. Ok ok bin sowieso für alles offen erstmal auf einen wirken lassen 2-3 Nächte überdenken und dann das Hirn entscheiden lassen.
Gruß Andreas
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Beitragvon NNEU » 06.10.2015, 12:58

Hallo Uli,

Danke für das verlinkte Paper, das hab ich noch nicht gesehen.

Ich hab das kurz überflogen.. Sehr beeindruckend.

Interessant auch, wie offen man über so manches spricht, z.B. ADC oder DAC, Chassistypen etc.


Das kannte ich bisher von keinem Hersteller, schon garnicht von B&O.
Ich denke damit soll eine andere Zielgruppe angesprochen werden. Mich freut es zumindest sehr dass ScanSpeak Chassis verwendet wurden.

Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher ob es nicht auch schon früher eine Zusammenarbeit zwischen B&O und Scanspeak gegeben hat. Der Woofer der Beolab 5 sieht auch sehr nach ScanSpeak aus.


Grüsse,

Noel


Nachtrag:

Hier ist noch ein ausführlicher Bericht zur Beolab 90 vom Tonmeister:
http://www.tonmeister.ca/wordpress/2015 ... he-scenes/
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Beitragvon uli.brueggemann » 06.10.2015, 13:17

Zum Beolab 5 gibt es auch Aufsätze, die interessant sind, einer davon ist von David Moulton, der an der Entwicklung beteiligt war. Siehe auch noch hier

David Moulton hat übrigens auch mal die empfehlenswerten "Golden Ears" herausgebracht, ein Satz von CDs zum Hörtraining. Oder das Buch Total Recording. Man kann nie genug lernen.

Grüsse
Uli
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Beitragvon uli.brueggemann » 06.10.2015, 17:26

Mir geht so grad durch den Kopf, wie sich mit den Zeiten auch die Ziele ändern.

Beim Beolab 5 war das Design des Hochtöners mit der akustischen Linse speziell darauf ausgelegt, möglichst horizontal und dann 180° nach vorn abzusrahlen.

Beim Beolab 90 ist es hingegen das Ziel, mit der beam width control vor allem beim definierten Hören in der Einstellung narrow dafür zu sorgen, dass auch möglichst wenig Seitenwandreflektionen stattfinden.

Grüsse
Uli
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Beitragvon NNEU » 06.10.2015, 19:32

Hallo Uli,

Da kann ich dir nur bedingt Recht geben .

Bei allen B&O Lautsprechern ist nämlich die "Constant Directivity" das Ziel.
Für mich (und anscheinend auch für B&O, sowie Geoff -aka. der Tonmeister- es in einem seiner Videos erklärt) heisst constant directivity dass auch ausserhalb der Bezugsachse eine tonale Balance herrscht d.h. Bass, Mittel und Höhen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinader existieren.

Das erreicht man mit dem neuen (Bündeln) und dem Alten Konzept (Hochton Linse). Natürlich sind das andere Wege, das Ziel bleibt jedoch ähnlich.

Was mir an dem neuen Konzept gut gefällt ist dass man das Bündelungsmaß selber bestimmen kann.
Egal wieviele Vorteile eine grosse Bündelung bring, wenn mehrere Personen das Musikgeschehen geniessen wollen -eventuell sogar eine Gruppe an Leuten in form von einer Party- ist ein grosse Bündelung nicht immer von Vorteil insbesondere dann wenn manche Frequenzbereiche mehr bündeln als andere.


Grüsse,
Noel
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Beitragvon Hans-Martin » 06.10.2015, 20:42

uli.brueggemann hat geschrieben:Beim Beolab 90 ist es hingegen das Ziel, mit der beam width control vor allem beim definierten Hören in der Einstellung narrow dafür zu sorgen, dass auch möglichst wenig Seitenwandreflektionen stattfinden.

Hallo Uli

das ist auch kein Wunder, wenn der Referenzraum so aussieht:

Bildvon http://www.tonmeister.ca/wordpress/2015/10/06/beolab-90-behind-the-scenes/

Dann ist das eben der letzte Schrei.
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Früher musste man auf der Hut sein und nach allen Seiten (frühe Reflexionen) aufpassen:

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Grüsse Hans-Martin
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