Mercury - The Collector's Edition

Klangperlen und künstlerische Leckerbissen

Mercury - The Collector's Edition

Beitragvon Melomane » 04.02.2012, 15:12

Hallo,

heute mal wieder eine Empfehlung für eine Box mit alten Bekannten, hier ein link für genauere Infos:

http://www.deccaclassics.com/cat/single ... ation=flow

Die Mercury-Box ist etwas für diejenigen, die sich einen Eindruck von einer puristischen Aufnahmetechnik machen wollen. Lohn der Mühe: Durchsichtige, brillante, frische Einspielungen. Mercury hat mit einem ( für Mono) bzw. drei Mikros gearbeitet, keine Stützmikros. Orchestrale Balance wurde erzielt durch Positionierung von Mikros und Orchestergruppen. Die dreikanaligen Aufnahmen sind übrigens auf den SACDs enhalten.

Die CD-Box lohnt sich vor allem, wenn man keine Lust hast, sich mit Unzulänglichkeiten der LPs rumzuschlagen. Damit meine ich zum einen den im allgemeinen nicht gerade taufrischen Erhaltungszustand der originalen Pressungen, dann die nicht immer allerbeste Vinylqualität und die Nachteile des Schnittvorgangs. George Piros, der Cutter, wollte seinerzeit das Optimum an Dynamik herausholen ohne sonderliche Rücksicht auf die Fähigkeiten der Abspielgerätschaften. Also wurde bis nahe ans Label geschnitten mit der bekannten Folge von Verzerrungen im Innenbereich. Auf der Habenseite stehen allerdings in der Tat ungewöhnlich dynamische Platten. Muss man sich eben entscheiden - oder Platte und CD kaufen. ;)

Ich hatte eigentlich gehofft, bei der CD-Box ein neues Mastering vom Team der Decca-Box vorzufinden (die Box erscheint nämlich - wie auch schon der obige link verrät - unter Decca-Label). Aber es ist nur das Mastering der 1990er Jahre, immerhin noch begleitet von Wilma Cozard-Fine, der ehemaligen Mercury-Produzentin.
Und dieses Mastering ist - soweit ich bislang gehört habe - durchaus anhörenswert.

Kleine Warnung noch zum Schluss: Die ersten beiden CDs sind Monoeinspielungen aus den Jahren 1951/52. Aber auch hier ist schon der für mein Empfinden typische offene, frische Klangeindruck von Mercury zu vernehmen.

Wohl bekomm's...

Gruß

Jochen

Edit: Thread-Titel korrigiert.
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Beitragvon Hans-Martin » 04.02.2012, 16:22

Hallo Jochen
ich habe 5 solcher Mercury Living Presence (Deutschland unter Philips 1992) und kann aus einem anderen Forum folgende Information beisteuern:

Tom Fine, the son of Wilma Cozart Fine and
Robert Fine, telling us that during many years it was a Neumann U47 in
the middle with two Telefunken M201, which is more correctly the Schoeps
M201, on each side of the U47.

Having been born into the Mercury way of doing things he is an
encyclopedia of everything Mercury and knows in intimate details how
things were run by his father and Robert Eberenz.

Very little of what is stated on records as regards how, why and using
what gear is entirely correct.

If one knows how/what to listen one can also hear that there is extra
spot microphones used when necessary too.

This despite the claims that "Only three mics used"!

BTW, Tom Fine has stated that his mother was very satisfied that the
CD´s represented the sound that is on the master tapes as heard in the
transfer studio.

--
Best,

G. F.
The Mastering... R... AB


No. The "Telefunken" 201M microphone was actually made
by Schoeps. It was Bob Fine's favorite microphone, and
became Wilma Cozart Fine's favorite also. Some Mercury's
were made with 3 U-47s, other with 1 201M in the middle,
and a U-47 on each side ... still other with a 201M in
the middle and Neumann KM-56s on each side, until they
finally were able to obtain two more 201Ms, which they
used exclusively thereafter.

See "The Winged Champion: Mercury Records and the Birth
of High Fidelity", by Michael Gray, The Absolute Sound,
Part 1: issue 60, pp. 47-60; Part 2: issue 61, pp. 46-57.


Und hier noch ein interessanter Link
http://www.soundfountain.com/amb/mercury.html
Bild

die 3 Neumann U-47 sind etwa 2m auseinander, ähnlich wie beim DECCA-tree.
Frequenzgang U-47:
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Noch ein Bild findet sich hier: http://www.telefunken-elektroakustik.co ... 14k_sm.png
Der magere Bass unter 200Hz, zusammen mit einem Präsenzbuckel und zu den 10kHz ansteigenden Frequenzgang, danach Abfall, und die sich noch durch die Laufzeitstereophonie ergebenden unschönen Klangverfälschungen (z.B. bei Bläsern) muss unter historische Aufnahmen der Stereofrühzeit verziehen werden.
Die legendären Mercurys umgibt ja ein sagenhafter Ruf, begründet durch Vergleiche mit anderen Labels dieser Ära.
Orchesterklang kenne ich heute anders, und mit Hilfe eines Equalizers kann man es hinkriegen, ist zumindest einen Versuch wert.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Melomane » 04.02.2012, 16:32

Hallo Hans-Martin,

gibt es irgendwo belegbare Infos zur Frage der Stützmikrophone? Mich hat schon immer ein wenig verwundert, dass damals ein/drei Hauptmikros ausgereicht haben sollen. Legenden sind dazu da, dass man sie auf ihren wahren Kern hin abklopft. ;)

Und der Orchesterklang ist in der Tat anders als heute. Letztlich zu verbuchen unter Geschmacksfrage oder historischen Forschungen. Ob die Unterschiede allein der alten Technik zuzuschreiben sind? Decca konnte ja zu der Zeit auch schon anders. Bei mancher Mercury-Stereoaufnahme (gerade aus dem eher populären Segment) deucht mich, dass es auch um Demonstration der neuen Technik ging.

So oder so: Ich finde es interessant, in diese alten Aufnahmen reinzuhören, die eben noch nicht aus einer vielkanaligen Aufnahme am Mischpult zusammengemischt wurden, sondern noch ein Reflex des ursprünglichen Raumeindrucks sind.

Viele Grüße

Jochen
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Beitragvon Melomane » 06.04.2013, 16:58

FYI: Es gibt mittlerweile die Fortsetzung:
https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail ... um/2920773
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Beitragvon Melomane » 06.04.2013, 18:48

Erste Kontaktaufnahme:

Umfassende Infos zu den einzelnen Aufnahmen im Beiheft bis hin zur verwendeten Bandmaschine und zu den eingesetzten Mikrophonen. :cheers:

Die CDs verwendenden wieder das Mastering der Ausgaben aus den 90ern, also von Wilma Cozart-Fine angefertigt. Ausnahme sind zwei Bonux-Cds, für deren AD-Transfer Paschal Byrne verantwortlich zeichnet, der mir schon in der Decca-Box positiv aufgefallen ist.
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Beitragvon B. Albert » 12.03.2015, 11:42

Tach,

alle guten Dinge sind drei:

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https://www.jpc.de/jpcng/classic/detail/-/art/mercury-living-presence-vol-3/hnum/6731009

Ab heute im Angebot. Ich habe sie schon bestellt.

VG Bernd
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Beitragvon Melomane » 12.03.2015, 12:29

Danke für den Hinweis,

interessant daran erscheint die Produktinfo bei jpc: "Das Remastering wurde in den Abbey Road Studios vorgenommen und führte zu spektakulären Ergebnissen dieser Aufnahmen aus den 1950er und 60er Jahren: Einige der Bänder waren seit damals nicht mehr angefasst worden und wurden nun in einem speziellen Verfahren remastered".

Denn das klingt doch so, als sei die digitale Zwischenstufe aus den 90er Jahren zumindest bei einem Teil der Einspielungen übersprungen worden. Schreib doch gelegentlich, welchen Eindruck dieses "spezielle Verfahren" macht. Hoffentlich ist darunter nicht heftige Kompression zu verstehen.

Gruß

Jochen
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Beitragvon B. Albert » 12.03.2015, 20:16

Hallo Jochen,

noch die Box nicht eingetroffen, aber ich werde berichten.

Viele Grüße

Bernd
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Beitragvon Melomane » 08.06.2015, 11:11

Hallo Interessenten und Besitzer der Box/Aufnahmen:

ich habe mir Vol. III nun auch kommen lassen und bin des öfteren unangenehm enttäuscht von der Klangqualität. Beispielhaft sei von CD 4 die Ouvertüre der Royal Fireworks genannt: Das Orchester im Tuttispiel präsentiert sich verzerrt und undurchsichtig - zum Weglaufen. Hat man da beim "Umschnitt" auf CD mieses Bandmaterial gehabt, einfach nur geschlafen, das unbeaufsichtigt quasi in der Mittagspause durchlaufen lassen? Oder - und das sei eine Frage an die Besitzer einer originalen LP/eines solchen Tonbands - ist die Aufnahme ab Werk verdorben?

Solche schlecht klingenden Aufnahmen kommen in den ersten CDs des öfteren vor (alle habe ich noch nicht gehört). Wenn nicht alle meine Wiedergabegeräte und/oder meine Ohren gerade völlig aus der Form sind, dann möchte ich fast annehmen, dass sich in dieser Box nur der Rest vom Fest versammelt hat, das, was man in den ersten beiden nicht wieder zu veröffentlichen wagte. Immerhin aber sind die Aufnahmen ja nun keine, die nicht in den alten Tagen auf dem Markt waren.

Also noch einmal die Frage: Ist bei der Digitalisierung etwas schief gelaufen oder sind die alten Originalaufnahmen einfach missraten? Wisst ihr etwas darüber?

Ich hoffe für mich und andere Interessenten, dass sich die Ausfälle in dieser Box nicht häufen.

Gruß

Jochen
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Beitragvon B. Albert » 08.06.2015, 18:31

Tach,

leider kann ich da nicht weiterhelfen. Die Box lag schon im Warenkorb, aber dann habe ich mir noch mal genauer angesehen, welche Aufnahmen darin sind und das fand ich eher unspannend.

Produktinfo bei jpc.de:

...

Diese außergewöhnliche limitierte Edition enthält 53 Aufnahme, remastered wurde dabei von teilweise bereits fragilen Bändern, um auch diese Schätze von Mercury Living Presence zugänglich zu machen. Das Remastering wurde in den Abbey Road Studios vorgenommen und führte zu spektakulären Ergebnissen dieser Aufnahmen aus den 1950er und 60er Jahren: Einige der Bänder waren seit damals nicht mehr angefasst worden und wurden nun in einem speziellen Verfahren remastered, um den besten Sound zu erlangen.

Die Resultate übertrafen alle Erwartuntgen: Fehler und Verzerrungen wurde komplett eleminiert ohne den originalen, hellen, klaren Sound zu zerstören, der das Label so berühmt gemacht hat.

...


VG Bernd
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Beitragvon Melomane » 08.06.2015, 19:28

Tja, möglicherweise ist nicht nur Papier, sondern sind auch Webseiten geduldig. ;)

ich habe zwar nicht wirklich noch etwas zur Klärung beizutragen, aber einige Beobachtungen:

1. Der Händel klingt als rip auch nicht besser. Der unangenehme Eindruck geht also wahrscheinlich nicht auf Unzulänglichkeiten des CDP zurück.

2. Die CD 9 mit Werken von R. Strauss habe ich zumindest in Auszügen als originale Mercury SR90334. Auf der CD klingt es an einer Stelle so, als habe das Band kurzzeitig eine Schlaufe gebildet. Das mag also dem "fragilen" Bandzustand geschuldet sein.

3. Beim Till Eulenspiegel findet sich in den dynamisch extremen Passagen wieder diese Tendenz zur Unsauberkeit. Besonders in der Gerichtsverhandlung wirken die Paukenschläge wie ein ins Wasser geworfener Stein - der Rest des Orchesters verliert die Contenance und hüpft sozusagen vom Stuhl. Dieser Effekt ist auf der LP deutlich geringer ausgeprägt. Allerdings fährt die einen geringeren Pegel, weil diese Passagen auf der Innenbahn zu finden sind und bei höherem Pegel die Nadel wohl ganz und gar die Krise bekommen hätte.

4. Generell wirkt die LP-Wiedergabe davon abgesehen auf dem Rest der Seite aber deutlich sauberer. Die CD habe ich fast im Verdacht, möglicherweise mit einer ordentlichen Portion Jitter gesegnet zu sein. Aber da mag auch mein CDP nicht ganz unschuldig sein.

Summa summarum: Wir sind so schlau wie zuvor. Aber ich zumindest lege mir dann doch lieber die LP auf.

Edit: Auf der Rückseite der SR90334 ist aber wieder Schluss mit lustig - der Tanz der sieben Schleier ist auch wieder so ein tendenziell verwaschenes Ding...

Gruß

Jochen
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Beitragvon Melomane » 08.06.2015, 21:06

Nachtrag und ggf. Abbitte an Till Eulenspiegel:

Zumindest in seinem Fall ist wohl tatsächlich mein ach einst so gelobter Music Hall cd25.2 nicht so ganz unschuldig an dem Elend. Der Eulenspiegel-rip über den Linn Majik kommt deutlich unauffälliger und sauberer daher. Entweder schaut also der CDP zu genau hin und findet die Haare in der digitalen Suppe und der Majik lässt Fünfe gerade sein - oder der Majik ist im Besitz der digitalen Wahrheit und der CDP muss sich fragen lassen, was er denn da so treibt.

Gruß

Jochen
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