Thomas Beckmann & Johannes Cernota: "Oh - That Cello"

Klangperlen und künstlerische Leckerbissen

Thomas Beckmann & Johannes Cernota: "Oh - That Cello"

Beitragvon beltane » 14.04.2017, 17:57

Hallo zusammen,

auf dieser CD aus dem Jahre 1986 interpretieren Thomas Beckmann am Cello und Johannes Cernota Musik von Charlie Chaplin.

Sie berühren mit ihrer unaufgeregten Spielweise und lassen innerlich ruhig werden.

Eine Hörprobe ist zu finden unter:

https://www.jpc.de/jpcng/jazz/detail/-/ ... um/6034451

Viele Grüße

Frank
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Beitragvon Peter Ruhrberg » 16.04.2017, 10:54

Hallo Frank,

Danke für die kleine Auffrischung meiner Erinnerung!

Zufälligerweise war ich Aufnahmeleiter und Tonmeister bei dieser Produktion und den später folgenden:

"Play that Cello" (1988)
"Thomas Beckmann - Charlie Chaplin" (1989)

Diese beiden wurden zusammen mit Thomas' Frau Kayoko Beckmann (geb. Matsushita) eingespielt. Hier ein PR-Foto ihrer damaligen Plattenfirma von 1984:

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Kayoko spielte 1997 noch zwei Soloproduktionen mit impressionistischen und japanischen Klavierstücken, von denen m.W. nur eine veröffentlicht wurde:

"Nami no Otó" (Klang der Wellen)
http://www.kayoko.de/kayoko/information0.htm

Bei mir liegt auch das Master für die zweite geplante CD mit folgendem Programm:
MICHIO MIYAGI – Haru no Umi
DEBUSSY – Estampes 1-3
MINORU HARADA – Fünf alte japanische Kinderlieder:
MAURICE RAVEL – Oiseaux tristes
TOSHIYA SUKEGAWA – San sui Zu (Landschaft)
SABURO TAKATA – Komoriuta (Wiegenlied)

Eine Anmerkung zu "Oh! That Cello":

Bei dieser ersten Produktion mit Thomas Beckmann und Johannes Cernota war ich ziemlich unglücklich sowohl über den Klang des Aufnahmeraums (Aula Gesamtschule Wuppertal-Ronsdorf) als auch des dort vorhandenen Flügels.

Daraus haben wir gelernt: Für "Play that Cello" hatten wir einen sehr guten Steinway C zur Verfügung, für "Beckmann-Chaplin" zusätzlich den Aufnahmeraum gewechselt (Stadthalle Erkrath). Für die Solo-CD mit Kayoko sind wir dann noch einmal umgezogen (Bürgerhaus Bergisch-Gladbach). Diese Produktionen gehören klanglich gesehen zu meinen besten Würfen.

Ostergrüße,
Peter Ruhrberg
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Beitragvon Peter Ruhrberg » 16.04.2017, 12:20

Die vier CD-Booklets habe ich auch gerade aufgetrieben ...

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Beitragvon beltane » 17.04.2017, 18:05

Hallo Peter,

vielen Dank für die Informationen. Das aus erster Hand zu erfahren finde ich klasse. Ich werde dann bei Gelgenheit auch noch einmal in die anderen CDs reinhören, wenn sie beschaffbar sein sollten.

Deine Hinweise zum Raum und Flügel kann ich nachvollziehen. Der Flügel klingt im Vergleich zu anderen Instrumenten flach mit wenig Körper, wenig Resonanz beim Ausschwingen von Tönen. Das Cello kommt da schon besser rüber. Insgesamt aber bleibt trotzdem unter dem Strich ein wunderbares Musikerlebnis - auch wenn klanglich vielleicht nicht das Optimum erreicht wird. Dafür auch Dir vielen Dank.

Viele Grüße

Frank
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Beitragvon Peter Ruhrberg » 17.04.2017, 19:33

Hallo Frank,

beltane hat geschrieben:Der Flügel klingt im Vergleich zu anderen Instrumenten flach mit wenig Körper, wenig Resonanz beim Ausschwingen von Tönen. Das Cello kommt da schon besser rüber.

Die Situation war für einen Tonverantwortlichen unerfreulich: Die Flügelmechanik war reichlich heruntergespielt, die Hämmer abgeflacht, verhärtet, mit tiefen Saitenabdrücken, was zur merklichen Ungleichheit der Tonlagen und oberhalb mezzoforte streckenweise zu einem "Herausknallen" einzelner Töne beitrug. Zudem war sein Nachklang relativ kurz, etwa so wie bei kleineren Bechstein-Typen (sein tatsächliches Fabrikat habe ich längst vergessen). Wegen seiner zu hohen Lautstärke – und weil Johannes Cernota nicht ständig nur piano spielen mochte – mussten wir für die Aufnahmen den Flügeldeckel fast komplett schließen, was zu einem gewissen Mangel an Deutlichkeit und klanglicher Definition führte.

Der Raum selbst war viel zu niedrig (Deckenhöhe kaum 5 Meter) und wirkt dadurch auf der Aufnahme eher klein, dumpf und wenig lebendig, kurzum: uninteressant. Solche Charakteristika sind mit keinem Mittel der Welt zu kaschieren, solange der Raum überhaupt abgebildet werden soll (wozu es bei dieser Aufnahme keine Alternative gab).

Insgesamt klang die Flügel-Raum-Kombination ziemlich "bollerig" und der Flügel trotz aller Gegenmaßnahmen weiterhin viel zu wuchtig und vor allem matschig. Abhilfe brachten zwei sehr nah aufgestellte Druckempfänger als Stützmikrofone, die mit sehr geringem Anteil zugemischt wurden, um den Flügel etwas klarer, heller und schlanker erscheinen zu lassen, ohne dass sein Raum- und Entfernungseindruck ruiniert wurde.

Damit das Cello in der Klangfülle des Flügels nicht "absoff", sondern im Zweifelsfall eher führen bis dominieren konnte (was die Anlage der Kompositionen Chaplins nahelegt), musste dafür ein Stützmikrofon ebenfalls relativ nah aufgestellt werden. Ich wählte ein spezielles Exemplar mit einer für Studiozwecke eher unüblichen freifeldentzerrten Halbzoll-Druckkapsel (Brüel & Kjaer Typ 4145), damit das Cello trotz der bei Aufnahmen ungewöhnlichen Nähe zum Mikrofon (kaum 20 cm) einen möglichst weichen Klang mit viel "Schmelz" erhielt.

Heute würde ich dafür eher eine Kapsel mit deutlich geringerem Durchmesser und entsprechend höherer Grenzfrequenz wählen, um den für Verfärbung besonders empfindlichen Celloklang noch "reiner" über die Rampe zu bekommen. (So habe ich es auch bei den beiden Folgeproduktionen gehandhabt, die vom Aufbau her sich wesentlich unproblematischer gestalteten.)

Falls du weiteres Audiomaterial benötigst, welches als CDs nicht aufzutreiben ist, bin ich gerne bereit, mit entsprechenden flac-Dateien auszuhelfen.

Grüße, Peter
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Beitragvon Peter Ruhrberg » 18.04.2017, 09:29

Drei Sachen noch vergessen:

1) Die erwähnte CD "Play! That Cello" ist seit Jahren auch unter dem Namen "Short Pieces for the Cello" erhältlich. Damals nannten wir sie kurz "Farben-CD", wegen ihres Reichtums an Spieltechniken, welche die klanglichen Möglichkeiten des Instruments so ausreizten, wie es für das Repertoire möglich und sinnvoll war. Deswegen war bei dieser CD auch die Aufnahmetechnik von entscheidender Bedeutung.

2) Bei der CD "Das Berlin-Konzert live" (2000) habe ich als Mastering-Engineer mitgewirkt.

3) Thomas Beckmann feiert heute (18.4.) seinen sechzigsten Geburtstag!

Grüße, Peter
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Beitragvon Piano Pianissimo » 18.04.2017, 12:06

Moin moin,

das erinnert mich sehr an

herbst
Sylt
steife Brise
Damen in allem was warm hält mit Schal und Mütze am Strand
Wasser 13°
und wir, die Männer, kernig, 10 bis 15 Min. in der bewegten Nordsee
da fühlte sich der Körper wonnig warm an. Nur die Nase durfte nicht aus dem Wasser kukken.
das fühlte sich dann saukalt an.
raus aussem Wasser
in warme Decken gehült nach Hause
unter die Dusche
einen schönen Malt noch
und dann ab ins Witthues (gibts das eigentlich noch?)
ne schöne Tasse Tee und ein Stück Qualle auf Sand.
und im Hintergrund Beckmann & Cernota
So ließ es sich prima aushalten und man konnte in Ruhe den Abend Planen.
Was für ein Nachmittag !
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Beitragvon B. Albert » 18.04.2017, 13:11

Tach,

sehe ich das richtig, dass Kayoko 2002 eine zweite Solo-CD herausgebracht hat mit dem Titel "Nami no Otó - Volume 2".

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Bei mir liegt auch das Master für die zweite geplante CD mit folgendem Programm:
MICHIO MIYAGI – Haru no Umi
DEBUSSY – Estampes 1-3
MINORU HARADA – Fünf alte japanische Kinderlieder:
MAURICE RAVEL – Oiseaux tristes
TOSHIYA SUKEGAWA – San sui Zu (Landschaft)
SABURO TAKATA – Komoriuta (Wiegenlied)


Das dürfte auch das Programm der 2. CD sein.

Beide CDs und die von Thomas Beckmann sind auch bei Spotify zu hören.

VG Bernd
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Beitragvon Peter Ruhrberg » 18.04.2017, 13:34

Hallo Bernd,

Danke für den Hinweis! Ja, das ist tatsächlich die zweite CD aus derselben Produktion.

Wir wussten zwar bei der Aufnahme, dass das Programm für zwei CDs reichen würde, es war nur noch nicht klar, in welchem Abstand sie erscheinen sollten.

Überraschend für mich nur, dass auf Kayokos Webseite nur die erste CD erwähnt ist:
http://www.kayoko.de/kayoko/information0.htm

An Spotify hatte ich mal wieder als letztes gedacht - daran sieht man, wie oft ich noch im vorigen Jahrhundert lebe ...

Grüße, Peter
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