Grenzen der digitalen Audiotechnik (Ralf Koschnicke)

Player, Streamer, Wandler, Vorverstärker usw.

Beitragvon Hans-Martin » 24.07.2015, 09:24

(*) Sollte Hans Martin jedoch Recht damit haben, daß aus Nachlässigkeit im Versuchsaufbau tatsächlich in 44.1 Khz /18 Bit gewandelt wurde anstatt in 44.1 Khz / 16Bit (CD Redbook Standard), dann wäre die gehörmäßige Transparenz nur für 44.1 Khz /18 Bit durch die Ergebnisse nahegelegt und nicht für den CD Standard.


Heute weiß ich, dass ich nicht Recht hatte.
Ich habe gestern das Schaltbild des HHB CDR-850 aus Einzelbildern zusammengesetzt, um einen besseren Überblick zu bekommen, und habe nochmal gründlicher bei den ICs nachgesehen:
DAC-Chip: Pioneer PE8001A (pinkompatibel mit PCM1716, der ist 16-, 20-, 24-Bit-fähig), der PE8001A findet sich in vielen Pioneergeräten mit dem Legato-Link. Im HHB CDR-850 ist die Beschaltung der Filterstufe nach dem DAC weitgehend identisch mit dem Pioneer, bis auf C432, der 3300pF anstelle von 1500pF (bei Pioneer) hat.
Der AD-Wandler, ein AK5340VS ist ein 18-Bit Chip.
Aber das Nadelöhr, welches das Format bestimmt, ist der Sanyo EFM-Encoder LC 89585 für CD-Recorder mit angeschlossener Clock 16,9344MHz. Ich habe das Datenblatt gefunden und sein Blockschaltbild. Der Encoder erledigt auch die Eingangswahl und hat benachbart einen Abtastratenwandler AD1893JST als Partner, auf digitaler Ebene geschieht die Aussteuerung und dort ist der Ausgang zum DAC, abgezweigt vom Signalweg zum Brennen mit EFM-Kodierung und so weiter.

Blicken wir historisch zurück, dann ging SPDIF über anfänglich 16Bit, später 20Bit und heute 24Bit.
Ein Digitaleingang muss heute mindestens 20Bit annehmen können. Meine Erfahrung mit dem Marantz CDR-640 Recorder war allerdings, dass die Wahl zwischen Abtastratenwandler- (SRC, 34,44,48kHz) und CD-Format-Eingang beim Kopieren von CDs zu Ungunsten des SRC ausfiel, auch wenn beiden 44,1/16 geliefert wurden.

So war mir von vornherein klar, dass ein halbwegs aktueller CD-Recorder am Digitaleingang mehr als nur 16Bit annehmen können muss, ebenso andere Samplerates als 44,1kHz. Dass man einen höherauflösenden AD-Wandler nimmt, und ihn per SRC auf 44,1/16 herunterrechnen lässt, ist eine Option, für die die sich der Entwickler wohl gern entschieden hat, weil das mMn die beste Linearität verspricht.
Aber am LC 89585 ist ein externer SRC AD1893JST angedockt, der nur die Digitaleingänge, nicht aber das Signal vom ADC umsampelt, schenkt man dem Blockschaltbild Gauben.

Selbst wenn ADC und DAC für höhere Bitraten ausgelegt sind, bestimmt letztlich der Fader und sein nachgeschaltete Umsampler mit Dithering, dass es sich tatsächlich um 44,1kHz und 16Bit handelt, was hier durchkommt. Damit der Auflösungsverlust sich an dieser Stelle in Grenzen hält, ist es gut, wenn der ADC eine Reserve hat, also 18Bit oder höher. Digitale Lautstärkeregelung verlangt eine größere Bitmenge, damit das Ergebnis nicht grauslich ausfällt.

Ich stelle anhand der vorliegenden Unterlagen fest, dass die Architektur im Pioneer PDR 609 mit 24Bit Ausstattung und 33,8688MHz Clock am EFM-Encoder mit integriertem SRC auf mich einen erheblich besseren Eindruck macht als der HHB CDR-850, was sich auch in sichtlich besseren technischen Daten niederschlägt.
In einem Punkt aber haben beide wohl etwas gemeinsam: Die Daten, die beim Durchschleifen zum DAC gelangen, werden hinter dem Fader ausgekoppelt, sie sind auf 44,1kHz / 16Bit reduziert.

In diesem Punkt muss ich meine bisherigen Beiträge zu diesem Thema korrigieren.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon dietert » 24.07.2015, 09:40

Hallo Uli,

ein Rechenbeispiel: Auf dem Umfang eines Plattentellers mögen 1 mm breite optische Markierungen sein, die mit einer Lichtschranke abgetastet werden und zur Motorregelung benutzt werden. Die Lichtschranke liefert dann 500 Hz oder so als Messsignal. Ein typisches SPDIF-Signal enthält einen Takt von mindestens 44,1 KHz x 64 = 2,8 MHz. Und der DSP eines typischen CD-Player vernichtet mit einem kleinen FIFO-Puffer systematisch alle Gleichlaufschwankungen des CD-Laufwerks, was bei Analog nicht möglich ist. Dieses FIFO wurde von Sony damals für tragbare CD-Player eingeführt. Die Grundgenauigkeit der Synchronisation ist jedenfalls im Fall von SPDIF von Anfang an 5600-fach besser (2,8 MHz / 500 Hz).

Solange also hier Leute verkünden "Analog ist besser", möchte ich von Jitter und Synchronisationsfehlern bei digitalem Audio nichts hören. Klar, wenn jemand mit digitalem Audio Probleme hat, soll er von mir aus auf Analog ausweichen, kein Problem. Und wir haben ja gelesen, dass so alte Platten teilweise weniger Kompression haben - unbegreiflich, weil auch der Dynamikumfang bei digitalem Audio größer ist.

Grüße,
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Beitragvon O.Mertineit » 24.07.2015, 12:20

dietert hat geschrieben:Solange also hier Leute verkünden "Analog ist besser", ...


Hallo Dieter,

das ist in diesem Thread, so glaube ich, derzeit gar nicht das Thema.

Wir haben m.E. hier vielmehr noch die konkrete Frage offen, inwieweit die im zuvor thematisierten Meyer/Moran Test mit einer ADDA Wandlerkette (dort war eine gemeinsame Platine und augenscheinlich gleiches Taktsignal für AD- und DA-Wandler vorhanden) im CD-Standard erreichbare Qualität auch mit üblichen Konfigurationen d.h. mit verteilter Kette zur AD- und DA-Wandlung für den Endverbraucher erreichbar ist.

Dabei sollte jeweils gleiches Format angenommen werden, wenn man "verteilte" und "nicht verteilte" (gemeinsames Clock Signal) Lösungen bzw. Konfigurationen miteinander vergleicht.


@Uli und @Hans Martin:

Ich hoffe ich habe die m.E aktuell "übriggebliebene" Fragestellung zumindest für uns passend zusammengefasst ?


Grüße Oliver
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Beitragvon h0e » 24.07.2015, 12:29

Hallo Oliver,

die Fragestellung hier war eigentlich:
"Grenzen der digitalen Audiotechnik"

Der unsägliche Meyer/Moran Test wurde als Beispiel angeführt, dient aber m.E. nach nicht zur Erhellung.
Eher noch Haralds Versuche mit der ADDA Kette.
Es ging auch nicht um Redbook oder nicht.
Die Schlußfolgerungen von Ralf waren verkürzt wie ich es verstanden habe,
dass eben 16/44 im Sinne des Abtasttheorems eben nicht reichen.
Das ist die theoretische Betrachtung, zu der dann noch die praktischen Probleme durch konkrete Geräte kommen.

Grüße Jürgen
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Beitragvon O.Mertineit » 24.07.2015, 12:43

Hallo Jürgen,

bezüglich des übergeordneten Thread-Themas hast Du Recht.

Ich bin hier jedoch diesbezüglich ausschließlich noch an dem o.g. Unterthema
(ADDA Wandlerkette, Grenzen der Präzision bei "verteiltem" vs. "nicht verteiltem" Aufbau) interessiert.


@Uli @Hans Martin:

Euer Interesse vorausgesetzt: Sollen wir mit dieser Fragestellung in einen anderen Thread "umziehen" ?

Ich wäre an einer themenzentrierten und von daher "ungestörten" Diskussion interessiert, möglichst ohne allzuviel Grundsatz Fragen (wie "Analog vs. Digital" bzw. "Relevanz von HiRes Formaten").



Grüße Oliver
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Beitragvon Hans-Martin » 24.07.2015, 12:49

Eine schwere Aufgabe für die Moderatoren, die entsprechenden Beiträge zu entflechten und zu verschieben.
Einiges spräche dafür, zumal dieser Thread im Thread sehr ausgeweitet war. Ich würde es begrüßen, vielleicht auch mit Blick auf meine späte Korrektur.

Andererseits hängt doch Alles mit Allem irgendwie zusammen...
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Funky » 24.07.2015, 14:35

Servus Jürgen,

noch eine Anmerkung zu deiner Anmerkung:

"Die Schlußfolgerungen von Ralf waren verkürzt wie ich es verstanden habe,
dass eben 16/44 im Sinne des Abtasttheorems eben nicht reichen.
Das ist die theoretische Betrachtung, zu der dann noch die praktischen Probleme durch konkrete Geräte kommen."

In meiner aktuellen Kette wird exemplarisch auch AD DA vorgenommen und obwohl ich leidenschaftlicher Vinylhörer bin und erst am Wochenende zusammen mit einem Freund einigen CDs versucht habe zu lauschen , was wir nach 8 Minuten einfach bleiben liessen - CPE Bach und doch wieder auf Vinyl schwenkten - wird das Signal von meinem PS zunächst AD gewandelt (24 bit 196 Khz,) dann in ein Echtzeit Protokoll (hochtransformiert auf 35 bit / 384 Khz) - Linn Link zu den Lautsprechern gesendet, dort in einer Digital Engine auf 6 Wege aufgetrennt. Jeder der 6 Zweige hat seinen eigenen DA Wandler und wird danach mit einer eigenen Leistungsverstärkung an das jeweilige Chassis gesandt.

Dieser AD DA Weg ist wesentlich zeitlich kohärenter als ich es je in einem rein analogen Setup hören konnte. Ich kann das deshalb sagen, weil ich den gleichen LS und die gleiche Elektronik zuvor nur in rein analoger Form und im gleichen Raum hatte.

Insofern kann digitale Technik auch analoge Quellgeräte aufwerten. Linn hat das Thema aber erst auf den Markt gebracht als sie sich in der Lage sahen a) eine extrem verlustarme AD Wandlung vorzunehmen - eben mit Minimum 192 / 24 - alles darunter sagen sie klipp und klar führt zu hörbaren Verlusten sowohl klanglich wie vor allem vom Timing und b) über eine eigene Engine - also kein normale DAC, sondern ein FPGA - mit selbst entwickelten Algoritmen die Verluste auf der DA Seite, ebenfalls zu minimieren.

Das Upsampling auf die hohen Bitwerte (35 bit) ist der verlustfreien Bearbeitung und Lautstärkeregelung geschuldet.

Warum nun trotzdessen die allermeisten digitalen Klassikaufnahmen so bescheiden daher kommen,(auch viele von Linn) ist mir weiterhin ein Rätsel.

funky
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Beitragvon Hans-Martin » 24.07.2015, 15:13

Funky hat geschrieben:Warum nun trotzdessen die allermeisten digitalen Klassikaufnahmen so bescheiden daher kommen,(auch viele von Linn) ist mir weiterhin ein Rätsel.

Hallo Funky
Mein üblicher Hinweis auf die invertierte Polarität bei der Mehrheit der Klassikaufnahmen passt hier nicht, weil Linns Aufnahmen, die ich aus dem Adventskalender herunterlud und geprüft habe, korrekt gepolt waren.

Vielleicht hat Peter M. Pfleiderer Recht:
Peter M. Pfleiderer, unter >AKUSTIK< hat geschrieben:Die Aufgabe der elektroakustischen Übertragungskette

Die Grundfrage, die sich zu Beginn der HiFi-Ära stellte lautete:
1. soll es die Aufgabe der elektroakustischen Übertragungskette sein, dem Hörer den Eindruck eines in seinen Hörraum hineinproduzierten Klangkörpers aus Stimmen, Instrumenten, Orchester etc. zu vermitteln oder
2. soll ihm neben dem Klangkörper auch noch die Originalakustik der musikalischen Aufführung geboten werden, damit er die Illusion erhält, am Ort des ursprünglichen Klanggeschehens, z.B. im Konzertsaal, zu sein?

Zum damaligen Zeitpunkt waren die akustischen Voraussetzungen gar nicht vorhanden, um abschätzen zu können, welcher Weg sich überhaupt verwirklichen ließ. Außerdem gab es noch keine Tonaufnahmestudios, die die zweite Fragestellung schon von Anfang an als absurd hätten entlarven können.
Beide Wege werden heute verwirklicht. Bei Jazz und Popmusik hat man sich für die erste Lösungsmöglichkeit entschieden. Diese Aufnahmen lassen sich heute als überwiegend gut bis sehr gut bezeichnen. Bei klassischer Musik hat man sich für für die zweite Lösungsmöglichkeit entschieden. Diese Aufnahmen sind heute meist weniger gut - wirklich gelungene Aufnahmen sind selten.
Bereits die Eingangsbeispiele zeigen, daß es eigentlich gar nicht möglich ist, die Original-Akustik eines Aufnahmeraums zu erfassen und mit Hilfe von Lautsprechern wiederzugeben, ohne dabei schwerwiegende Qualitätsverluste in Kauf zu nehmen. Daß die Tonmeister dies trotzdem so lange versucht haben und sogar heute noch versuchen, dürfte wohl mit an ihrer Ideologie liegen, wonach dies möglich sein müßte.


Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Melomane » 24.07.2015, 15:17

Ein Grund könnte sein, dass vielfach im Studio eben nicht mit den hohen Auflösungen gearbeitet wurde/wird. Denn rein theoretisch reichen ja die 44, da ist man mit den vielfach üblichen 48/24 locker drüber. Und selbst wenn in der endgültigen Abmischung 96/24 zum Einsatz kommen, weiß der Verbraucher in der Regel nicht, welche Flaschenhälse bis dahin schon im Weg waren.

Aber da gibt es ja noch viel mehr Ansatzpunkte, z.B. die Mikrofonierung etc. ppp.

Gruß

Jochen
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Beitragvon O.Mertineit » 24.07.2015, 15:27

Ich frage mich gerade, welche Themen man in diesem Tread außerdem noch besprechen könnte, denn von HiRes Formaten über ADDA und Jitter bis zu den Thesen Peter Pfleiderers über Akustik und Aufnahmetechnik kommt hier schon ein schöner bunter Strauß zusammen ... :wink:

Im Vergleich dazu hat man bei Markus Lanz fast schon eine echte Themenzentrierung ... :cheers:

Der Thread zeigt m.E. keine "Grenzen der digitalen Audiotechnik" mehr auf, sondern allenfalls die Grenzen einer sinnvollen Diskussion.


Grüße

Oliver
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Beitragvon dietert » 24.07.2015, 16:08

Hallo Oliver,

ja, vielleicht sollte man noch dazuschreiben, dass zur Zeit eine enorme Hitzewelle allen Beteiligten zu schaffen macht und die Konzentration auf solche Dinge wie AD-DA und DA-AD erschwert...

Grüße,
Dieter T.
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Beitragvon O.Mertineit » 24.07.2015, 16:09

Hallo Dieter,

mit dem Erklärungsansatz bin ich einverstanden ... :wink:

Bekomme die Auswirkungen am eigenen Leib auch mit.

Grüße Oliver
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Beitragvon O.Mertineit » 25.07.2015, 08:55

funky hat geschrieben:Dieser AD DA Weg ist wesentlich zeitlich kohärenter als ich es je in einem rein analogen Setup hören konnte.


Hallo Funky,

ohne zu bezweifeln, daß Du dem o.g. digitalen Übertragungsweg Deiner Anlage eine hohe Qualität bescheinigst, frage ich mich bezüglich unserer Begriffswahl hier gelegentlich schon, wie ein Mensch "zeitliche Kohärenz" (eines vormals digital codierten Audiosignals ?) überhaupt wahrnehmen kann ...

Für solche und/oder ähnliche Begriffe auf dieser Ebene würde ich eine messtechnische Auswertung bevorzugen und keine gehörmäßige.

Immerhin greifen gehörmäßig Summenlokalisation Präzedenzeffekt im Bereich von Millisekunden, die zwischen Direktschall und Rückwürfen vergehen und führen trotzdem dazu, daß wir solch komplexe und "zeitlich zerfledderten" akustischen Phänomene als "ein Ergeignis" wahrnehmen.

Das Gehör arbeitet ständig in einer wesentlich "unperfekteren" (und gleichzeitig vieldimensionaleren) Welt, als sie durch "digitalen Jitter" üblicherweise hervorgerufen werden kann und dieser würde üblicherweise auch als zeitliche Fluktuation zw. Stereokanälen in der Lokalisationsunschärfe "untergehen". Sicher ist eine Vergrößerung der Unschärfe ab einer gewissen Gradation denkbar ...

Jedoch kommt mir das oft so vor, als ob man darüber redet, Bakterien oder Erkältungsviren tatsächlich "sehen zu können". Unbestritten kann man jedoch von unsichtbaren Mikroben krank werden und so mag es "Krankheiten" (Defizite) im Klangbild geben, die von Artefakten fehlerbehafteter digitaler Signalübertragung kommen können, wenn bestimmte (Fehler-) Schwellen überschritten werden.

Trotzdem frage ich mich, ob bei Diskussionen über die techn. "Nicht Perfektheit" von digitaler Signalübertragung - oft geht es hier derzeit um "Jitter" - Ausdrücke auf Hörebene wie "zeitlich korrekt", "zeitlich kohärent", "rythmisch präzise" etc. wirklich passend sind: Ich persönlich halte sie für völlig unpassend.

Ich finde für "mangelhafte" digitale Signalüberragung, dort wo sie vorkommt, häufig den Ausdruck "digitale Rauhigkeit" auch in der Literatur, damit kann ich persönlich sehr viel mehr anfangen.


Für mich auf subjektiver Ebene übersetzt:

Es ist für mich eher ein Gesamtphänomen, welches je nach Ausprägung verschiedene Ebenen des Musikerlebens beeinträchtigen kann. Das kann sich für mich in einem subjektiven Mangel von "Durchhörbarkeit", "Transparenz" evt. auch "räumlicher Plastizität" wiederfinden, evt. auch ähnlich wie etwas "das Glänzen könnte" (auch "Tiefe haben") "aber "stumpf" (evt. auch "flach") erscheint. Auch eine Form von "Ruhe" kann z.B. vermisst werden, was evt. sogar in Richtung "Langzeithörtauglichkeit" einer Kette weisen mag.

Ich muss jedoch sagen, daß für mich "ordentliche" (digitale) Ketten üblicherweise keine "digitale Rauhigkeit" aufweisen, und dazu muss ich üblicherweise nicht einmal Studio-, Militär- oder gar Raumfahrtequipment erwerben: Einwandfrei konfiguriertes ("Consumer Grade" ...) Qualitätsequipment reicht dafür m.E. aus.

Ich höre meist eher mehr oder weniger subtile tonale Unterschiede zwischen Ketten, die man in vergleichbarer Form auch in einem (rein) analogen Umfeld haben kann, wenn man z.B. Verstärker tauscht ...

Dafür ist mein persönlicher Sammelbegriff, wenn es unterhalb einer gewissen Schwelle bleibt, "Peanuts".

Damit mache ich mich nicht bei allen beliebt und sicher wird dann oft auch ein Qualitätsanspruch an sich angezweifelt ...

Der ist bei mir allerdings recht hoch und ich würde deshalb immer wieder Lautsprecher und deren Interaktion mit dem Hörraum in den Vordergrund stellen, bevor man sich in der "Mikrowelt" gänzlich verliert.

Ich höre selten bei Bekannten Anlagen, die für mich diesbezüglich so ausgewogen, so durchhörbar und frei von Eigenklang oder auch Schärfe wären, daß es sich lohnen würde, in die "Mikrowelt" hinabzusteigen und/oder dort sogar Ursachen für bestimmte subjektiv empfundene Defizite zu suchen.

Trotzdem bin ich dafür, stets alles im Blick zu behalten ... auch ich betreibe PC und DAC (als Beispiel) gelegentlich gern im Batteriebetrieb, auch wenn ich das, was ich dadurch evt. subjektiv wahrnehme nicht beschwören würde.


Grüße Oliver
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Beitragvon nihil.sine.causa » 25.07.2015, 09:34

O.Mertineit hat geschrieben:
funky hat geschrieben:Dieser AD DA Weg ist wesentlich zeitlich kohärenter als ich es je in einem rein analogen Setup hören konnte.


[...]

Trotzdem frage ich mich, ob bei Diskussionen über die techn. "Nicht Perfektheit" von digitaler Signalübertragung - oft geht es hier derzeit um "Jitter" - Ausdrücke auf Hörebene wie "zeitlich korrekt", "zeitlich kohärent", "rythmisch präzise" etc. wirklich passend sind: Ich persönlich halte sie für völlig unpassend.

Ich finde für "mangelhafte" digitale Signalüberragung, dort wo sie vorkommt, häufig den Ausdruck "digitale Rauhigkeit" auch in der Literatur, damit kann ich persönlich sehr viel mehr anfangen.


Für mich auf subjektiver Ebene übersetzt:

Es ist für mich eher ein Gesamtphänomen, welches je nach Ausprägung verschiedene Ebenen des Musikerlebens beeinträchtigen kann. Das kann sich für mich in einem subjektiven Mangel von "Durchhörbarkeit", "Transparenz" evt. auch "räumlicher Plastizität" wiederfinden, evt. auch ähnlich wie etwas "das Glänzen könnte" (auch "Tiefe haben") "aber "stumpf" (evt. auch "flach") erscheint. Auch eine Form von "Ruhe" kann z.B. vermisst werden, was evt. sogar in Richtung "Langzeithörtauglichkeit" einer Kette weisen mag.


Hallo Oliver,

könnte durch die Digitalisierung nicht gerade ein Verlust an Kohärenz der Wellen L vs. R entstehen, was die Interferenzfähigkeit und damit die räumlich Abbildung beeinflussen würde? Von Kohärenz zu sprechen, halte ich jedenfalls nicht für abwegig.

O.Mertineit hat geschrieben:Ich muss jedoch sagen, daß für mich "ordentliche" (digitale) Ketten üblicherweise keine "digitale Rauhigkeit" aufweisen, und dazu muss ich üblicherweise nicht einmal Studio-, Militär- oder gar Raumfahrtequipment erwerben: Einwandfrei konfiguriertes ("Consumer Grade" ...) Qualitätsequipment reicht dafür m.E. aus.


Na dann mal Butter bei die Fische: wie sieht eine solche Kette aus?

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon O.Mertineit » 25.07.2015, 11:40

nihil.sine.causa hat geschrieben:[

Hallo Oliver,

könnte durch die Digitalisierung nicht gerade ein Verlust an Kohärenz der Wellen L vs. R entstehen, was die Interferenzfähigkeit und damit die räumlich Abbildung beeinflussen würde? Von Kohärenz zu sprechen, halte ich jedenfalls nicht für abwegig.
...



Hallo Harald,

ich habe diese Möglichkeit auch nicht als abwegig bezeichnet, sondern weiter oben eine Ausweitung der durch eine bestimmte LS/Raum/Hörer Anordnung gegebenen Lokalisationsunschärfe bei erheblichem "Phasenrauschen" ebenfalls in Betracht gezogen.

Aber wir sollten zunächst klären, was Du mit (Kohärenzverlust) "durch die Digitalisierung" oben genau meinst:

"Verlust an Kohärenz der Wellen L vs. R" (*)

- "prinzipieller Natur", nur durch Digitalisierung an sich ?

Hier wäre meine Antwort: Nein.

- durch "Phasenrauschen", etwa Jitter auf digitaler Ebene als techn. Artefakt "realer" Geräte ?

Hier wäre meine Antwort: Prinzipiell ja, aber wir sollten eine relevante Größenordnung zumindest versuchen einzuschätzen. Diese "potentiell relevante Größenordnung" wäre grundsätztlich in Relation zu Schwingungsdauern im Hörfrequenzbereich zu bemessen und wäre daher sicher kein absolutes Zeitintervall als Schwankungsbreite.

@Harald: Darauf werden wir uns wahrscheinlich noch einigen können.

Ich sehe jedoch jetzt schon voraus, daß wir uns bei der Einschätzung einer Schwelle, unterhalb derer Jitter unkritisch sein möge, nicht werden einigen können.

Denn jetzt käme es zusätzlich bei Jitter darauf an, um welche Art von Jitter es geht:

Oft wird "Sampling Jitter" mit höherfrequentem Wechsel von einem "Interface Jitter" unterschieden, der eher eine langsame Drift darstellt.

Der niederfrequentere Jitter wird als "harmloser" angesehen insofern, als daß er größere Werte annehmen kann, bevor er auffällt.

Beide Jitterformen bewegen sich aber bei Taktung auf dem Stand der Technik in Größenordnungen, wo ein "nennenswerter" Einfluss auf die Form des (hörfrequenten) Schallfeldes nicht gegeben ist, aufgrund der in Relation großen Schwingungsdauern bzw. Schallwellenlängen.

Ich nehme an Du hast hierzu selbst schon einmal Beispiele anhand üblicher Toleranzwerte für Jitter bei Taktfrequenzen gerechnet ?


Grüße Oliver
_____________

(*) Die Wellenfronten aus der Abstrahlung zweier LS in Stereo Anordnung sind nicht kohärent, selbst bei identischen LS und identischen Signalen L+R nicht, denn die bilden ein Interferenzmuster. Aber es ist m.E. klar was gemeint ist: Volle Addition (+6 db) des Schalldrucks L+R an einem Hörplatz in der Medianebene.
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