Nicht geschirmte, symmetrische Kabel

Player, Streamer, Wandler, Vorverstärker usw.

Nicht geschirmte, symmetrische Kabel

Beitragvon nihil.sine.causa » 27.05.2016, 19:04

Hallo zusammen,

heute komme ich mit einer ganz einfachen Frage: Welche nicht geschirmten symmetrischen Kabel (Meterware) könnt Ihr empfehlen?

Hintergrund: Die meisten Mikrofonkabel sind geschirmt. Das nicht geschirmte Kabel müsste 3 Adern haben: Plus, minus und 0V / Signalmasse.

Dass eine nicht geschirmte Verbindung Vorteile haben kann, weiß ich aus eigener Hörerfahrung beim Vergleich zwischen einem Vovox sonorus direct (nicht geschirmt) und einem Vovox sonorus protect (geschirmt), jeweils XLR.

Eine interessante Disussion über die Vorteile von nicht geschirmten Leitungen habe ich bei Stagetec gefunden.

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon Hans-Martin » 27.05.2016, 21:53

Hallo Harald,
das setzt einen guten Eingangsübertrager voraus, der perfekte Gleichtaktunterdrückung bewirkt, Phantomspeisung und Dielectric Bias System sind hingegen ausgeschlossen.
Kannst du da mithalten:
Stagetec hat geschrieben:der Ausgangswiderstand liegt bei nur etwa 8 Ohm
?

Ich befürworte symmetrische 2-Drahttechnik mit verdrillten Leitungen ohne Schirm, wenn die Eingangsstufe eine gute Gleichtaktunterdrückung CMRR hat. Zieht man darüber einen Isolierschlauch oder gar ein Schirmgeflecht, kann man die Unterschiede hören. Triboelektrizität oder Mikrofonieeffekte überlagern die Signalübertragung.
Je weniger Angriffsfläche dem Schall geboten wird, umso besser, zusätzliche Masse hat Trägheit, die verzögert wirkt, angeregt durch Beschallung schwingt sie noch nach - und wie bei Schwingungen auf Resonanzfrequenz üblich, verfärbt.

Wie lang sollen die Mikrofonkabel sein? Ist Phantomspeisung im Spiel?
Ich habe PTFE-ummantelte CuAg Litzendrähte als Einzelleiter, aber da spielt schon die Laufrichtung der Produktion mit rein. Und, schwupps, schon hat man eine 8-adrige Leitung, die allen Kriterien gerecht werden könnte, gleiche Stromdichte, Doppelleiter, antiparallel geschaltet - bleibt noch die Frage, wie die einzelnen Leiter angeordnet werden, abwechselnd (hohe Kapazität zur Masse, aber gute Schirmwirkung) oder in welchen Gruppen (schlechtere Störunterdrückung), und dann noch die Entscheidung, ob geflochten oder verdrillt, wenn letzteres, gibt es links- und rechtsgewendelt zur Wahl. Eine neue Büchse der Pandora ist geöffnet...
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon nihil.sine.causa » 27.05.2016, 23:20

Hallo Hans-Martin,

Hans-Martin hat geschrieben:Wie lang sollen die Mikrofonkabel sein? Ist Phantomspeisung im Spiel?

Ich gehe von "normalen" Verbindungen zwischen Quellgeräten und Vorverstärker sowie Vorverstärker und Lautsprechern aus. Keine Mikrofonkabel, keine Phantomspeisung (zunächts einmal). Die Länge liegt typischerweise bei 1m bis 3m, maximal auch mal 5m.

Hans-Martin hat geschrieben:Ich habe PTFE-ummantelte CuAg Litzendrähte als Einzelleiter, aber da spielt schon die Laufrichtung der Produktion mit rein. Und, schwupps, schon hat man eine 8-adrige Leitung, die allen Kriterien gerecht werden könnte, gleiche Stromdichte, Doppelleiter, antiparallel geschaltet - bleibt noch die Frage, wie die einzelnen Leiter angeordnet werden, abwechselnd (hohe Kapazität zur Masse, aber gute Schirmwirkung) oder in welchen Gruppen (schlechtere Störunterdrückung), und dann noch die Entscheidung, ob geflochten oder verdrillt, wenn letzteres, gibt es links- und rechtsgewendelt zur Wahl.

Eigentlich wollte ich kein Kabel flechten oder drillen sondern war an fertigen Kabeln interessiert. Allerdings schon an Meterware. Wenn ich mir die üblichen Sommer- oder Cordialkabel ansehe, haben die aber alle einen Schirm. Vielleicht habe ich es ja auch übersehen.

Das (nicht geschirmte) Vovox sonorus direct S beteht aus 3 verdrillten solid core Einzelleitern

Bild
Quelle: Apke Tontechnik

Allerdings scheint dieses Kabel nicht als Meterware erhältlich zu sein.

Wenn ich dann aber doch an die Kabelkonfektionierung gehen würde, welche CuAg Litzendrähte verwendest Du?

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon Hans-Martin » 28.05.2016, 04:17

Hallo Harald,
ich hatte Gelegenheit, aus der Konkursmasse von Dornier Flugzeugbau verschiedene Rollen eimadriger Kabel in guter Industriequalität zu kaufen. Viel zu spät begriff ich, welches Potenzial darin steckte, sonst hätte ich mich besser bevorratet. Ich habe viele Varianten von Audiokabeln damit erstellt und die Auswirkungen verschiedener Verknüpfungen vergleichen können.
Allerdings ist dabei immer eine Besonderheit entscheidend gewesen, nämlich die Stereoübertragung von Gerät zu Gerät, wo an jedem Kabelende eine jeweils gemeinsame Signalmasse sich auf getrennte Kabelzüge aufsplittet, und am Ende treffen die getrennten Wege wieder auf eine gemeinsame Masse.
Das unterscheidet sich von einzelnen Quellen. Meine Triebfeder ist Neugier und ich fand, dass auch antiparallele Anordnung von Kabel eine Laufrichtungsabhängigkeit nicht aufhebt, wohl aber das Verhalten verbessert. Bei 2-poligen Verbindungen ist Symmetrie bei Strömen noch überschaubar, aber bei phantomgespeisten Mikrofonen wird es sehr komplex. Zugrunde liegt die These, dass ein verlustfreies Kabel nach außen kein magnetisches Streufeld abgeben darf, alle Wechselströme enge Drahtschleifen vorfinden.
Symmetrische Leitungen sind hier im Vorteil, aber die Phantomspeisung macht für mich die Sach unübersichtlich, 2+, 2- und genausoviele Masseleiter, macht 8 auf 3 Pins. Um anwendungsbezogene Vergleiche kommt man nicht herum
Welche Länge?
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon nihil.sine.causa » 28.05.2016, 08:11

Hallo Hans-Martin,

danke zu Deinen Ausführungen, das ist schon interessant. Wegen der Länge der Kabel zitiere ich einfach mal:

nihil.sine.causa hat geschrieben:
Hans-Martin hat geschrieben:Wie lang sollen die Mikrofonkabel sein? Ist Phantomspeisung im Spiel?

Ich gehe von "normalen" Verbindungen zwischen Quellgeräten und Vorverstärker sowie Vorverstärker und Lautsprechern aus. Keine Mikrofonkabel, keine Phantomspeisung (zunächst einmal). Die Länge liegt typischerweise bei 1m bis 3m, maximal auch mal 5m.


Viele Grüße
Harald
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Beitragvon Hans-Martin » 28.05.2016, 09:47

Hallo Harald,
schnell kommt man in das umstrittene Kabelklang-Thema, welches schon immer sehr kontrovers diskutiert wurde. Ich scheue diese Diskussion zwar nicht, möchte aber aus guten Grund einige Erkenntnisse noch für mich behalten, sei es, dass sie noch nicht vollständig abgesichert sind, oder aber sie sind so einfach, dass man sie nicht glauben mag.

Um das Thema abzukürzen (Rest gern per PN): Bei vielen Herstellern kann man feststellen, dass bei ihren Top-Kabeln spezielle Stecker verwendet werden. Fancy-Quality aus Marketing Gründen sagen die einen, wer viel Geld verlangt, schuldet dem Auge und der Haptik einen angemessenen Gegenwert. Dass dahinter auch Wirbelstromarmut, konstanter Kontaktdruck, Wellenwiderstand, Resonanzverhalten, Begünstigung der Ausbreitung des elektrischen Feldes entlang der Stromflussrichtung, usw. stehen, darf auch gesehen werden. Und wie man den Übergang der Meterware auf die Steckerkontakte schafft, ob gelötet, gecrimpt, kaltverschweißt, ob das Kabel anschließend cryogenisiert wird, das sind alles Aspekte, die ein Kabeldesigner ernst nimmt. Die Sorten Lötzinn unterscheiden sich, vermutlich auch unter der Einwirkung des Flussmittels.
Ich gebe der Steckverbindung gefühlte 35%, dem Kabel selbst 65% Anteil am Klangergebnis.

Da ich das Thema Laufrichtung seit bald 30 Jahren beobachte und immer wieder darauf zurückkomme, entsteht bei RCA eine einfache Möglichkeit, das fertige Kabel in beiden Richtungen im Hörvergleich zu bewerten, bei XLR Steckern ist dieser Weg verbaut und man braucht 2 Sets, die man nicht vertauschen /vermischen sollte. So kam ich darauf, Doppelstränge anzulegen, die an der Quelle mittig aufgelötet sind und dann antiparallel weiterverarbeitet werden und schließlich doch noch eine Laufrichtungspräferenz behalten.
So kommen Erkenntnisse zusammen, die nicht den Anspruch haben, Kabel herzustellen, die ganz vorn mitspielen, sondern das Verständnis für die Zusammenhänge fördern.
Denn die Unterschiede sind hörbar, wann einem die Erklärung dafür über den Weg läuft, steht in den Sternen. So gesehen habe ich mehr akademisches als pragmatisches Interesse, bin aber gern bereit, dir Muster anzufertigen, die bei Reinsilber/Teflonmantel und Neutrik XLRs und 1m Länge enden.
Mudra vergießt (so war es vor 10 Jahren zumindest) seine Übergänge mit Silber, mir steht nur WBT Silberlot (4%Ag) zur Verfügung, mein Wondersolder (damals 10% Ag) ist aus.
Da sind wir bei German HighEnd, die sich mit einlaminierten und eingeschäumten langkristallinen Solidcore Silberdrähten und eigens angefertigten Steckern ungeschirmt im Markt bewegen, Mudra Akustik lässt seine Silberdrahte gleich aus der Schmelze kommend in Teflon ummanteln. Ich habe Reinsilberdrähte, die in Teflonschläuche geschoben wurden, das dafür unvermeidbar erforderliche Spiel ist nicht optimal, aber wie ich bei Fadel (soweit ich gehört habe lebt der Meister nicht mehr und die Produktion ist eingestellt) sehen konnte, geht auch ein Reinsilberdraht in Luft im Teflonschlauch, der allerdings dann dicht abgeschirmt ist und somit deinen Anforderungen nicht gerecht würde. Auch ist bei Fadel das Kästchen obligatorisch, in dem sich ein Ferritring als Mantelstromfilter und HF-Stopper befindet.

Damit sind wir beim nächsten Thema, nämlich der Anforderung der nachfolgenden Komponente, auf HF eingangsseitig immun zu sein. Uns so können dieselben (ungeschirmten) Kabel in verschiedenen Umgebungen zu unterschiedlichen Klangeindrücken führen.
Wer gegen ein Mittelwellenradio (ich wollte nicht MW abkürzen, damit kann die heutige Jugend ja gar nichts mehr anfangen, sucht sich bei den Web-Acronymen dumm und dusselig :wink: ) geklopft hat und die Mikrofonieempfindlichkeit von HF-verarbeitenden Geräten kennt, wird verstehen, dass ein neuer Schwierigkeitsgrad hinzukommt, auch welcher Art die Gegenkopplung im Gerät ist, wie sie mit HF umgeht usw. Eingangsübertrager sind da vorteilhaft, kosten ein Heidengeld, wenn sie gut sein sollen.

Meine Frage nach der Kabellänge sollte ein Angebot sein, die etwas zur Verfügung zu stellen, aber ohne Anspruch, mit den besten Herstellern konkurrieren zu wollen.
Ich denke, die beiden oben erwähnten Markennamen sind ein Fingerzeig, Muster mit Rückgabemöglichkeit anzufordern und einen Vergleichstest durchzuführen.
Sorry, I got carried away, war nun doch wieder lang... :cheers: :cheers:
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon SolidCore » 28.05.2016, 14:23

Hallo zusammen

Man kann erkennen, Hans-Martin ist mit Leib und Seele dabei. Manchmal erkenne ich mich in seinen Ausführungen wieder. Die Idee mit dem "Flugzeugdraht" kenne ich, vergleichbare bekommt man meist unter "MiL" - Spezifikationen gekauft. Findet sich dieser Draht doch in den ersten Versionen meines USB-Kabels wieder. Verwundert war ich, das er im Vergleich zu Reinsilberleitern einen "helleren" Klangcharakter hat. Man könnte auch "Schlanker" sagen. Von daher ist es richtig, im XLR für + 2, und Minus die doppelte Menge zu nehmen. So kompensierst du den fehlenden Tieftonanteil. Das geht bei Cinch natürlich auch, grob geschätzt hat sich ein Verhältnis von 2:3 als gut herausgestellt. Nun könnte man ebenfalls den Querschnitt erhöhen, läuft aber in Gefahr, durch Skineffekt eine Höhendämpfung einzubauen. Diese Tips beziehen sich nur auf den erwähnten Draht, und nicht allgemeingültig.

Eine Frage habe ich. Wieso muss es unbedingt ungeschirmt ein ? Meine ersten Versuche dahingehend waren nachteilig. Mit der Schirmung verlor ich marginal an freiem Klangbild, Dynamik und Luftigkeit.
Nach einigen Versuchen konnte ich dies aber mit einem sehr dicken, reinem, ungebleichtem Baumwollmantel, der als "Abstandshalter" der Schirmung zu den Signaldrähten liegt, stark reduzieren. Ich denke die dadurch deutlich kleinere Kapazität bewirkt diesen Effekt.

Leider habe ich keinen Tip für ungeschirmte, 3-Adrige Meterware. Zumindest keinen, den ich klanglich mag.
(Bin kein Freund von Kimber, Sommer, van de Hul).

Also wäre Hans-Martins Vorschlag eine ernstzunehmende Alternative.

Gruss
Stephan
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Beitragvon Hans-Martin » 28.05.2016, 15:07

Hallo Stephan,
wer mit Drähten experimentiert, kommt bei vergleichbaren Aufbauten zwangsläufig zu ähnlichen Klangergebnissen. So ist Physik. Allerdings kann die Interpretation der Ursachen durchaus unterschiedlich ausfallen. Nun, schließlich zählt, was gefällt.

Baumwollgewebe hat viel Luft (nahe Vakuum, dem besten Isolator), geringe dielektrische Absorption, Reibungselektrizität eher weniger und "von Natur aus" Piezoelektrizität wohl gar nicht. Interessant wäre zu wissen, welche mechanische Dämpfung BW auf den darübergezogenen Schirm ausübt.
Hier Ullis Schlag auf ein Koaxialkabel:
Bild
aus: Betreff: Kabelklang
Interessant finde ich, wieso immer derselbe Frequenzbereich betroffen ist, es gibt viele industrielle Kabel, bei denen deutliche Nachschwinger auftreten.

Der Verzicht auf den Schirm bringt eine stärkere Orientierung der elektrischen Felder auf den Leiter und seinen Gegenspieler, ohne die Kapazität zum Schirm, ohne dessen Feldlinieneinfluss auf den Signalleiter, der beim Rückleiter (wenn Masse, dann gleiches Potential wie Schirm) anders ausfällt. Schon ist der Stromfluss auf beiden Leitern nicht mehr symmetrisch.
Da hilft nur noch mehr Baumwolle für mehr Abstand. Bei meinen Experimenten war aber schon ein Kunststoffschlauch (flexibles Leerrohr) schon hörbar einschränkend.

Andererseits habe ich auch schon Verstärker gemessen, wo ein erhöhtes Rauschen aus dem Ausgang kam, nachdem ein ungeschirmtes Kabel am Eingang war.
Grüße Hans-Martin

NB. Es ist nicht meine Absicht, das Forum mit Kabeln zu versorgen (bin krankheitsbedingt momentan sowieso außerstande), bei Harald mache ich ggf. eine Ausnahme, aber das hat eine lang vorausgegangene private Historie. Mich interessieren vielmehr die Zusammenhänge von Klangeindruck und Kabelaufbau.
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Beitragvon SolidCore » 28.05.2016, 15:56

Hallo Hans-Martin

Harald sollte eigentlich wissen, das ich verschiedene Kabel anbiete. Nun ist das natürlich immer eine Preis- und Gütefrage, und möchte mich auch nicht aufdrängen.
Der Threat bezieht sich ja auf Meterware, und eventuellem Selbstbau. Auch mich selbst interessieren die Zusammenhänge von Klangeindruck und Kabelaufbau, daraufhin habe ich mich beteiligt. Etliche Versuche dahingehend habe ich wie du auch hinter mir. Das thema ist riesig, trotzdem würde ich einige Regeln verallgemeinern.
- Die Materialgüte ist sehr entscheidend. Höchste Reinheit oder auch monokristalin bewirken immer eine entspannte, saubere Wiedergabe
- Mit dem Aufbau eines Kabels gleichen Drahtes kann man sowohl die Ausgewogenheit, als auch die Dämpfung stark beeinflussen. Und genau da wirds schwierig. Der Querschnitt der Leiter variiert mit dem Aufbau. Nun sind wir aber auf einem Niveau, auf dem Industriekabel bald 4-stellige Preise erheben.
Das man sich irgendwo trifft, erklärt sich von selbst. Es gibt kein Wundermittel oder Zaubertrick.

Die Idee, Meterware zu nehmen, um etwas zu sparen, ist eine gute Idee. Habe leider kein ungeschirmtes 3Adriges gefunden, welches ich als klanglich empfehlenswert kenne. Der Markt bietet diese zumindest an,
was klanglich dabei heraus kommt, ist eher ein Glücksspiel. Vieleicht hat der ein oder andere Forenuser einen Tip.

Gruss
Stephan
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Beitragvon Hans-Martin » 28.05.2016, 16:40

Meterware, um zu sparen? Wohl eher Einzeldraht in guter Qualität (Massivdraht oder Litze, Isolation gut ausgesucht), um daraus nach eigenen Vorstellungen etwas zu "drehen" und Ideen einzusetzen, über die die Industrie aus bestimmten Gründen nicht verfügt. Guter (D)raht ist teuer!
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Kawumm » 09.07.2016, 17:21

Für mich habe ich eine sehr einfache Abhörsituation geschaffen .

Mein Mac bedient das ifi USB 3.0 mit einem HiFi Industrie Kabel der gehobenen Klasse und das ifi USB 3.0 bediente zwei ifi iDSD Dac , einen Kabelstrang in Standard den anderen bis hoch zum Wire World Platinum Starlight USB 2.0 .
Das Wire World hatte für mich das Nachsehen gegen ein angefertigtes 2 Wege Data/Power Kabel , wobei das Power Kabel einen anderen Aufbau wie das Data Kabel hat.

Es ist ein einfaches , jeweils die Kabel vom Mac zu USB 3.0 und zu den DAC,s zu tauschen . In Sekunden erfolgt und über die Quellenwahl am VV , speziell die Verbindung USB 3.0 zum Dac , auszuwählen
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Beitragvon Hans-Martin » 09.07.2016, 18:37

Hallo Otto,
wie geht es bei dir nach dem DAC weiter? Reinsilber hattest du in deinem Vorstellungsthread geschrieben, viel DIY. Hast du da einen bestimmten Kabelaufbau gewählt?
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon nihil.sine.causa » 17.07.2016, 13:24

Liebe Freunde hochwertiger Kabel,

nachdem mir nun niemand von Euch hochwertige, nicht geschirmte Meterware empfehlen konnte für meine symmetrischen Verbindungstests, habe ich mich dazu entschlossen, eben selbst Kabel zu bauen.

Ermutigt wurde ich darin von Hans-Martin, der ja schon einige Hinweise weiter oben gegeben hat. Dass es grundsätzlich möglich sein müsste, mit vertretbarem Aufwand hochwertige Kabel herzustellen, weiß ich aber auch von Frank (frankl), dessen Hörkette ich einmal gehört habe und der mich mit seiner Akribie und Fertigungstiefe immer wieder beeindruckt. Schließlich gab es auch Hinweise im Netz und so habe ich mich entschlossen, mich ans Werk zu machen.

Ziel ist es, symmetrische, nicht geschirmte Kabel herzustellen zur Verbindung unterschiedlicher Geräte in der Hörkette wie Bandmaschine, Dolby-Dekodierer, Vorverstärker, Streamer, und Aktivlautsprecher. Ich möchte – wenn es sich bewährt – aber auch hochwertige Kabel haben für die Verbindungen zwischen Mikrofonen, Mikrofon-Vorverstärker und AD-Wandler.


Vorüberlegung

Die grundsätzliche Idee ist, aus Einzeladerleitern die drei Verbindungen zwischen den Pins 1 bis 3 herzustellen und die Einzeladern dabei zu verdrillen bzw. zu verflechten. Wenn man damit so anfängt, sieht man erst einmal gewaltig viele Stellschrauben:
  • Querschnitt der Leiter
  • Anzahl der Leiter je "Pin"
  • Material des Leiters (z.B. Cu, versilbertes Cu, Silber)
  • Leiter als Massivdraht oder aus einzelnen Litzen bestehend
  • Material des Isolators (z.B. PVC, Teflon)
  • Wandstärke des Isolators
  • Drill- und Flecht-Technik
  • Material und Art der Stecker

Hinzu kommen die Randbedingungen:
  • Länge des resultierenden Kabels
  • Art der zu verbindenden Geräte

Wenn man sich auch nur einige wenige Optionen je Stellschraube vornimmt und das ausmultipliziert, ist man schnell bei unangenehm vielen Kombinationsmöglichkeiten. Das ist etwas frustrierend. Und man „verbraucht“ ja viel Material dabei. Ich habe mich daher dazu entschlossen, mit möglichst einfachem Material zu starten und von Versuch zu Versuch immer nur einen Parameter zu verändern.


Testkette

Mir ist klar, dass es bei Kabeln sehr darauf ankommt, welche Geräte man miteinander verbindet, wie diese Geräte aufgebaut sind und wie die Gesamtkette beschaffen ist (insbes. Masseführung). Daher vorweg eine kurze Beschreibung meiner Kette, damit Ihr meine Ergebnisse besser einschätzen könnt. Die Gehäuse der Geräte sind mit der Schutzerde über die Kaltgerätestecker verbunden. Dabei habe ich 2,5 mm² auf dem „letzten“ Meter. Davor habe ich eine Erdungsschiene die mit 24mm² mit der Unterverteilung und damit mit der Fundamentalerde verbunden ist. Von dieser Erdungsschiene gehen alle Kaltgeräteverbindungen ab (ausgeführt als kleine Unterverteiler mit Schaltschranksteckdosen).

Quelle für die Kabel: Telefunken M15A mit gertifizierten Wiedergabeverstärkern. Die Maschine läuft in Bezug auf das Laufwerk normgerecht. Die M15A macht standardmäßig über einen sehr massiven Bügel eine Verbindung zwischen Gehäusemasse und Signalmasse. In dieser Standardkonfiguration betreibe ich sie zur Zeit. Die XLR-Ausgänge besitzen – wie bei Studiogerätschaften aus den 70er Jahren üblich – Übertrager im Signalweg.

Abgespielt werden immer die gleichen Stücke aus den besten mir zur Verfügung stehenden Bändern in Stereo (Bandgeschwindigkeit 38,1 cm/s). Darunter auch eine selbst erstellte Flügelaufnahme. Vorteil bei der Flügelaufnahme: Hier kenne ich den Originalklang. Wenn zwei Konfigurationen beim Abspielen unterschiedlich klingen, habe ich einen gewissen Anhaltspunkt dafür, was näher am Original sein könnte. Da ich aber auch die Eigenschaften meiner Mikrofonierung höre, verwende ich immer auch anderes Testmaterial (z.B. Masterbandkopien von Streichquartettaufnahmen) um den Klangeindruck abzusichern.

Ziel für die Kabel: Oppo G-HA1 als Vorverstärker. Der G-HA stellt ebenfalls eine Verbindung zwischen Signalmasse und Gehäusemasse her.

Hinter dem Vorverstärker kommen dann die AGM 5.4 Lautsprecher an deren Gegenbass-Ausgang ein Behringer DCX2496 hängt, der wiederum meine Gegenbässe speist.

Bei den Hörvergleichen zwischen den Kabeln war meist auch wieder Winfried (darwols) mit dabei.


Erster Versuch: Trikolore 1

Beim Einzeladerleiter habe ich einfache Schaltdrähte genommen, Kupfer massiv, mit ca. 0,20 mm² Querschnitt. Der Außendurchmesser liegt bei gerade mal 1 mm und das Isolationsmaterial ist einfaches PVC. Um mir das Leben leichter zu machen (und damit Ihr sehen könnt wie's gemacht ist) habe ich diese Leiter in drei Farben beschafft.
  • weiß bzw. hellgrau für die Signalmasse Pin1
  • rot für „hot“ + Pin2
  • blau für „cold“ - Pin3
Dann habe ich diese drei Drähte zum Zopf verflochten.

Bild

Nun wie klingt es, wenn dieses armselig aussehende Kabel zwischen der M15A und dem Vorverstärker spielt? Ich habe es mit meinem bisherigen Referenz-Kabel dem Vovox Sonorus direct XLR in gleicher Länge verglichen. Das Vovox dickt im Vergleich den Klang auf und verschmiert Details. Besonders Pizzicati klingen verhangen ebenso Transienten beim Diskant des Flügels.

Das Trikolore Nr. 1 ist dagegen bei den Transienten ganz erstaunlich präzise und hier deutlich genauer als das Vovox. Hinsichtlich Räumlichkeit und Dynamik fehlt dem Trikolore einiges. Wir haben gesagt, dass es wie eine präzise Bleistiftskizze ist aber noch kein fertiges akustisches Erlebnis ermöglicht.


Trikolore 2

Ich hatte mir ja vorgenommen, zwischen den verschiedenen Kabelversuchen jeweils nur einen Parameter zu verändern. Das Trikolore 2 ist daher aus dem gleichen Material wie Trikolore 1. Nur diesmal habe ich die drei Leiter doppelt genommen. Ich habe dazu längere Stücke abgeschnitten, in der Mitte abisoliert, gebogen und die V-förmigen Kabelstränge angelötet. Danke Hans-Martin für diesen Tipp! Dann habe ich sie paarweise verdrillt u.z. weiß mit weiß, rot mit rot und blau mit blau. Die resultierenden drei Kabelstränge habe ich wieder zu einem Zopf verflochten.

Bild

Im klanglichen Resultat ist das Trikolore 2 deutlich besser hinsichtlich Dynamik als das Trikolore 1. Bei den Transienten sind beide in etwa gleich präzise.


Trikolore 3

Beim nächsten Test wollte ich wissen, wie sich Leiter mit größerem Querschnitt klanglich auswirken. Wieder habe ich Aderleitungen verwendet, wieder aus massivem Kupfer und mit PVC als Isolator. Diesmal aber hatten sie einen deutlich größeren Querschnitt von 0,5 mm² [bei Trikolore 1 und 2 waren es 0,2 mm²] und einen Außendurchmesser von 2 mm.

Bild

Im Hörtest war das Trikolore 3 das beste der bisher hergestellten Kabel. Was die Transienten betrifft, ist es in einer Linie mit den anderen Trikolore-Kabeln und sehr gut. Es ist auch was die Feindynamik betrifft, deutlich ansprechender - neudeutsch "fetter" - als die Kabel, die aus den dünneren Leitern gemacht sind.

Allen Trikolore gemeinsam ist aber, dass ihnen eine gewisse räumliche Finesse abzugehen scheint. Das Vovox hatte ich zwar schon hinter mir gelassen (das Trikolore 3 war dann mein Lautsprecherkabel anstelle des Vovox Sonorus direct XLR) aber da konnte vielleicht noch etwas gehen? ... Fortsetzung folgt

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon Takler » 17.07.2016, 14:35

Hallo,

schon mal nach Kimber Kabel geschaut? Die bieten genaus solche geflechteten Kabel ohne Schirm an.
http://www.kimber.com/

Zu bekommen auch als Meterware zB. bei Die Nadel
https://www.dienadel.de/kimber-kable-pb ... 353632127/

Gibt es auch als Digital und LS Kabel.

Gruß
Andreas
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Beitragvon Hans-Martin » 17.07.2016, 16:16

Hallo Andreas,
bei Kimber kann man von dem PBJ über die auch preislich aufgestuften darüberliegenden Kabel eine Klangsteigerung feststellen. Der typische Aufbau ist das 3er Zopfgeflecht - bis man bei der Select Serie ankommt, wo (beim single-ended) 4 Reinkupferdrähte mit rechteckigem Querschnitt (bedeutet mehr Oberfläche, weniger Skin-Effekt) um einen Blindkern gewendelt sind, überzogen von einem Schirm aus leitfähigem Kunststoffgeflecht.
Offenbar spielt der Schirm wohl eine Rolle, um ganz oben anzukommen, aber die mechanischen Eigenschaften, wenn Kabel komprimiert werden, können kontraproduktiv wirken, wenn sie die Mikrofonie fördern.
Wenn man sich Leiter guter Materialreinheit beschafft, die von besten Isoliermatierialien umgeben sind, kann man sich einen einfachen Zopf flechten und mit brauchbarer Zeiteffizienz ein ordentliches Kabel erstellen, welches im Vergleich nicht schlecht wegkommt, und den Vergleich mit kommerziell erhältlichen Kabeln der Klasse um 100 Euro nicht scheuen muss, mit einem Materialeinsatz, der natürlich preislich deutlich geringer ausfällt, um nicht zu sagen, nur einen Bruchteil ausmacht, von unumgänglichen guten Steckern abgesehen.
Aber es gibt komplexer aufgebaute Leiter als den 3er Zopf, und dann kommt die Frage nach der Zeiteffizienz im DIY, wo man sich eine Maschine wünscht, die die Leiterstränge gleichmäßig nach dem richtigen Schema zusammenfügt, dabei keine Fehler einwebt, während man selbst nur die Kurbel drehen braucht, und sich hauptsächlich darum kümmert, dass die verbleibenden Stränge unverheddert zugeführt werden.
Aber ich will Harald nicht vorgreifen, die Fortsetzung folgt gewiss!
Grüße Hans-Martin
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