Knifflig: Ansteuern elektrostatischer Kopfhörer

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Knifflig: Ansteuern elektrostatischer Kopfhörer

Beitragvon Rebe » 30.05.2017, 19:10

Hallo Forenten,
nach einer Ewigkeit ist mein Kopfhörer-Museumsstück Jecklin Float PS2 wieder zum Leben erweckt worden und soll natürlich auch zum Einsatz kommen.

Erstes Problem: es fehlt eine externe Endstufe (meine sind komischerweise alle in Boxen verbaut :-)). Der Anschluss der Kopfhörer erfolgt über eine Übertragerbox und Lautsprecherkabel an eine Endstufe. Da brauche ich schon mal eine Empfehlung - aber: siehe unten.

Zweites Problem: ich würde natürlich auf meine digitale Musiksammlung zugreifen wollen. Die rufe ich derzeit über einen gertifizierten Linn Majik DS ("G-MDS") ab. Zur Verfügung steht im Notfall noch ein Restek MDAC+.

Am liebsten wäre mir aber eine räumlich unabhängige Ansteuerung, weg vom Majik oder Restek (ggf. Wifi-Vollverstärker?).

Kniffelfrage: was gibt es da, passt zum Jecklin (für die älteren Forenten, die ihn noch kennen), klingt, funktioniert und ist preislich im Rahmen?

Ich bin gespannt!
Reinhold
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Beitragvon wgh52 » 30.05.2017, 19:33

Hallo Reinhold,

ohne ratgebenden Beiträgen hier im Forum vorgreifen zu wollen... In Charlys, mit unserem AH Forum befreundeten, "Open End Music" Forum sind viele Kopfhörerfachleute und -fans aktiv. Vielleicht stellst Du Deine Frage parallel auch dort, denn da wird viel über Kopfhörerverstärker, deren Kombination mit Kopfhörern nebst Quellenanbindung und Streaming diskutiert.

Grüße,
Winfried

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Beitragvon Hans-Martin » 31.05.2017, 20:54

Hallo Reinhold,
welche Eingänge brauchst du, analog oder digital oder beides?
Ein Verstärker mit mehr als 8 Watt sollte prinzipiell ausreichen, ich habe einen AVA (nur digital>PWM) mit 25Watt.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Hornguru » 31.05.2017, 21:09

Hust hust. 8 Watt?

Wenn das ein rein passiver Übertrager für Elektrostaten ist kann das uU viel Saft brauchen.
Ich hab einen SR5 mit passiv Übertrager an einer 120 Watt Technics (Sea1000m2) und die reicht gerade so aus.
Hab ich auch große Augen gemacht! :shock:
Kurz bevor die VU Meter anschlagen verzerrt der Kopfhörer leicht. Gut das ist dann auch schon laut.
Nur halt das Transen kurz vor der Leistungsgrenze garnicht mehr so schön klingen...

Gruß
Josh
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Beitragvon Hans-Martin » 31.05.2017, 23:18

Hallo Josh,
ich berief mich auf die Stax Angaben, die 8 W nennen, z.B. beim SRD6 oder 7. Wenn du den SR5 Hörer hast, ist ein SRD6SB dabei im Set gewesen. Datenblatt und Schaltbild des SRD7 mit Netzanschluss und Hochspannungskaskade
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Maximum peak power wird mit 30W angegeben

Und die Verstärker mit Röhren setzen General Electric 6FQ7 ein , das Datenblatt nennt bei der Doppeltriode 5,8W Anodenverlustleistung, also 2,9W pro System.
Zum Vergleich: eine EL84 Röhre hat 12W Anodenverlustleistung, im SE-/Class-A-Betrieb sind damit 3,5W rms und 5W Musikleistung realisiert worden.

Beim Jecklin Float werden mit 10 Watt Verstärkerleistung 104 dB am Ohr erzeugt, als Maximum sind 40W genannt.
Die Übertrager sind sichtlich nicht so groß wie die von 30W Röhrenverstärkern (Gegentakt).

Zur Ansteuerung der Übertragerkästchen sind gute Endstufen erforderlich, die mit dieser Last zurechtkommen müssen. Übertragerlose Ansteuerung hat für mein Ohr klanglich deutliche Vorteile
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Hornguru » 01.06.2017, 11:32

Moin Hans Martin

Die sind aber trotzdem alle DC gespeist oder?
Das hieße ja auch dass es kein passiver Übertrager ist, und dass der KH push pull statoren hat.

Der rein passive SR5 ohne DC kann so kein push pull haben und wird wahrscheinlich nur ein Gitter am Trafo hängen haben. Das würde den schwachen Wirkungsgrad erklären.

Oder ausgelutschte Folienbeschichtung die nicht mehr leitet. Dann würde aber der Hochton auch rapide abnehmen und alles dumpf klingen, was nicht der Fall ist.. :?
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Beitragvon Hans-Martin » 01.06.2017, 14:15

Hallo Josh,
voll-elektrostatische KH (in Abgrenzung gegen Elektret), die ich kenne, haben 2 Lochbleche oder stabile Gitter (Statoren), auf denen die Wechselspannung (Größenordnung bis zu mehreren hunderten Volt) des Übertragers anliegt. Eine Mittelanzapfung des Übertragers bekommt den Minuspol der Hochspannungskaskade, der Pluspol geht über bei Berührung schützende Widerstände auf die zwischen den Statoren gespannte Membran (beim SR5 320V, bei heutigen STAX 580V, bei Jecklin Float 1200V). Kunststoffrahmen isolieren die Membran zu beiden Statoren. Bei Stax ist eine dünne Folie als Staub- und Feuchtigkeitsschutz und ein weiteres Gitter als mechanischer Schutz außen vor.
Die Übertrager haben eine Primärwicklung und eine doppelte Sekundärwicklung (oder 1 Wicklung mit Mittelanzapfung).
Die Übertrager haben keine große Belastbarkeit.
Kommt es zu Spannungsüberschlägen, kann an der Entladungsstelle die leitfähige Schicht verloren gehen. Dann reduziert sich die Antriebskraft auf die verbleibende Fläche. Beim Jecklin war das Problem, dass die 3 kleinen Kondensatoren in der Kaskade hintereinandergeschaltet waren, nach den Gesetzen der Phüsik verteilen sich die Spannungen reziprok zur jeweiligen Kapazität, und bei knapper Auslegung und Exemplarstreuung schlagen einzelne durch, die Polarisitionsspannung kommt zu gering und der Hörer wird leiser.
Speist man einen Stax statt mit 580V mit nur 320V, wird er deutlich leiser, geschätzt mehr als 3dB Differenz.
Ich meine, dass im SR5 parallel zum Hörersystem ein Widerstand oder Varistor unter einem Schrumpschlauch liegt.
Wenn der Hörer auffällig leise ist, kann es viele Ursachen haben.
SR5 wurde mit dem SRD6SB kombiniert, SB= Self Bias, die Hochspannung wird aus dem Audiosignal kaskadiert.
Hat man kurze Zeit etwas lauter gespielt, sollte die Hochspannung ausreichen. Fehlt es an Polarisationsspannung, sind beide Hörer leiser.
Ist eine der Zuleitungen zu den Statoren gebrochen, fällt der Pegel auf dieser Seite um 3dB ab.
Sind die Membranen beschädigt: entsprechend leiser.
Zieht man den 6-poligen Stecker etwas aus der Buchse, kann man an den Stiften die Wechselspannung mit einem hochohmigen Vielfachmessinstrument messen, muss bei der Polarisationsspannung allerdings berücksichtigen, dass die Kaskade recht hochohmig ist und die Schutzwiderstände noch hinzukommen, beim Anschluss des Messgerätes ist mit einer Senke zu rechnen. Da es anders als bei den Stax-Verstärkern beim Stax Übertragerkästchen keinen Massebezugspunkt gibt, misst man die Polarisationsspannung gegenüber einem der 4 Statorpins, die Übertrager sind für Gleichstrom recht niederohmig.
Dann gibt es noch den praktischen Hinweis von mir, den Schutzwiderstand im Kaskadenabgang zu prüfen, denn ich habe schon allgemein gesprochen einige Widerstände über 1MOhm erlebt, die im Laufe der Jahre sehr viel hochohmiger geworden sind, da wurden aus 2,2MOhm mal eben 15MOhm. Wo es der Platz zulässt, ersetze ich die dann mit einer Reihenschaltung von Einzelwiderständen, die jeweils 1Mohm nicht überschreiten.
Der GAU wäre eine gerissene Folie.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Boromier » 01.06.2017, 20:30

Hallo Reinhold,

diese Seite kennst Du ja bestimmt schon:

http://www.quad-musik.de/html/float.html


Gruß
Thomas
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