OpenDRC von MiniDSP: ein Hardware-Portrait

Mess- und Korrektursysteme

OpenDRC von MiniDSP: ein Hardware-Portrait

Beitragvon planetti » 28.08.2015, 14:52

Das Gerät ist ein DSP mit FIR-Filtern, zusammengebaut aus den minidsp Modulen miniSHARC-kit, Vol-FP und je nach Ausführung AN-FP, DA-FP oder DIGI-FP (jeweils frontplate austauschbar, passende Metallabdeckung auf Nachfrage nachbestellbar) in einem Gehäuse.
Es kostet ca.250.- + Fracht 30.- + Zoll/Mwst. 4%+19% + Plugin 10.- (ca. Gesamtkosten als Direktimport aus Hong-Kong in €), zusätzlich benötigt man ein kalibriertes Mikrofon, und einen PC und Software zum Erstellen der FIR-Filter, z.B. Rephase, AcourateDRC (€96.-).

Technische Daten:

- Chip Analog Devices Sharc ADSP21369/333MHz DSP mit 32bit floating point Berechnungen bei internen 48 kHz, 24bit akustische Auflösung
- Eingangskonverter Chip SRC4382 (Texas Instruments)
- FIR-Filterlänge von 6144 taps je Kanal mit dem Plugin 2x2 für 2 Kanäle (max 2048 taps je Kanal mit dem Plugin miniSHARC 48k/96k für max 8 Kanäle, aber nur insgesamt ca 10000 taps verfügbar) und 6 PEQ-IIR-Filter
- IIR-Weichen (zwei Weichenflanken je Kanal einzeln konfigurierbar in 6-48dB mit RL,BW,Bessel)
(IIR-Parameter können auch mit insgesamt 14 Biquad-Parametern je Kanal belegt werden)
- Delay, Kompressor

Ausführungen:

- OpenDRC-AN (analog in - analog out) beinhaltet AN-FP mit chipset CS4272, max input level (clipping threshold) 2Vrms or 8Vrms (jumper configurable), input impedance 40kOhms, max output level 2Vrms, output impedance 560Ohms, je 2x Balanced Analog IN/OUT, einfacher XLR-Cinch-Adapter möglich
- OpenDRC-DA (digital in -analog out)beinhaltet DA-FP mit DAC-chipset ES9023, AES-EBU/SPDIF/TOSLINK Input, 2x Balanced Analog OUT, einfacher XLR-Cinch-Adapter möglich
- OpenDRC-DI (digital in -digital out), beinhaltet DIGI-FP, AES-EBU/SPDIF/TOSLINK Input und Output

Bedienung:

- ohne PC lauffähig (die Filtererstellung braucht PC), 2 Sekunden Bootzeit
- 4 Setups definierbar (z.B. andere Quelle als Input, leiser mit Loudness, Kopfhörer), umstellbar über Remote Funktion oder am Druck-Dreh-Knopf,
- der Druck-Dreh-Knopf dient der Lautstärkeregelung (gefühlte 10 Umdrehungen pro dB) und der Setupauswahl und der Inputauswahl (nur bei -DA und -DI)

Vorteile:

- flexible Softwareanwendungen: AcourateDRC, Acourate, Rephase, align2, PORC (Python Open Room Correction), REW (Room EQ Wizard)
- preiswerteste FIR-Korrektur (Phasenkorrektur)
- 4 Setups und Lautstärke über sehr viele fremde Fernsteuerungen ansteuerbar
- als Aktivweiche nutzbar

Nachteile:

- Verarbeitung ist mäßig, minderwertige Qualität der Schaltkreise (Abschirmung, Umschaltknacken, Memory-Overflow beim Übersteuern),
- ASRC (SRC4382) sampelt alle Eingangssignale auf die internen 48 kHz, (aber ohne hörbare Verluste bei 44,1 kHz)
- durch die gleichmäßige Unterteilung auf 6144 Taps/48kHz ist die FIR-Auflösung nicht sehr fein (bestenfalls 7.8125 Hz/Tap), so dass die Korrektur bei tiefen Frequenzen etwas grob ist
- bei Verwendung des 2x2 Plugins (für OpenDRC mit 6144taps) ist kein Abgreifen eines I2S-Signals von der Platine möglich
- bei Verwendung für Echtzeitanwendungen die Verzögerung bei FIR-Filtern durch die Berechnung und das Filter selbst beachten

Was bringt's, wie klingt's?

Sehr preiswerter FIR-DSP ohne PC. Die Möglichkeiten der Software-Anwendungen sind enorm. Die Qualität der Korrektur hängt mehr vom Benutzer und der Software ab als vom Gerät. Deshalb bitte bei der Anwendung der Software genauer nachhaken.
AN: rauscht leicht, unabhängig von der Netzteilqualität, ADC-DAC klingt neutral und ok, aber nur gut, lautes Umschalten
DA: zischelt (wie Radioempfang) aber leiser als das Rauschen vom AN, DAC ist brauchbar, aber nicht highend, leises Umschalten
DI: hat keine Nebengeräusche, highend tauglich, leises Umschalten

Sonstiges:

Auf der Homepage von Minidsp sind einige Anregungen über die Anwendungen und Projekte zu finden. Uli Brüggemann bietet für die Raumkorrektur AcourateDRC an, weist aber immer auf die Limitierungen des Geräts hin. Bob Katz hat den Weg des OpenDRC verlassen, da der SRC nicht die notwendige Auflösung für seinen Studiobetrieb bietet. Viele Setups bis 48kHz werden aber sehr zufrieden betrieben. Es gibt auch viele User, die über Rephase die FIR-Möglichkeiten des OpenDRC nutzen, z.b. FIR-Weichen oder manuelle Frequenz- und Phasenkorrektur.

Über den Tellerrand:

Aus dem gleichen Hause MiniDSP gibt es auch die DDRC-Reihe, die die gleiche Hardware benutzt und somit auf die gleichen elektrischen Eigenschaften limitiert ist. Durch eine andere Firmware und die Dirac-Software arbeitet das Gespann auf 96kHz und ist nicht mehr zum OpenDRC/miniShark und dessen Softwaremöglichkeiten kompatibel. Bei Mehrkanalanwendungen und weniger FIR-Auflösung ist der Betrieb mit dem minisharc-Plugin möglich. Audiovero / Abacus bietet den Preamp14 an, der mit der Acourate-Vollversion ausgestattet ist und 65000taps/Kanal bietet. Er sieht elektrisch solide aus und im Analogbetrieb rauschärmer, eine Weichenfunktion geht wohl nur über FIR-Filter.

Der Beitrag ist nach bestem Wissen und Gewissen erstellt und ist natürlich immer bisserl subjektiv, aber mit dem Ziel, möglichst neutral zu bleiben.
Bild
planetti
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 59
Registriert: 29.04.2014, 21:17
Wohnort: Olching, nähe München

Links

Beitragvon planetti » 30.08.2015, 00:27

Bild
planetti
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 59
Registriert: 29.04.2014, 21:17
Wohnort: Olching, nähe München

Beitragvon planetti » 30.08.2015, 00:30

Gut zu wissen:

Eigenheiten des OpenDRC

Erstellte FIR-Filter und weitere Einstellungen sendet man über ein USB-Kabel von einem PC (auf dem das Plugin-Programm läuft) zum OpenDRC. Die Verwaltung und Speicherung von Setups in .xml-Files geschieht ebenfalls über das Plugin.

Im Normalbertrieb steckt man das Gerät ein, es dauert 2 Sekunden und es läuft ohne Ein-Aus-Schalter. Man sollte eine Einschaltverzögerung am Verstärker haben, da es zu einem Einschaltknack kommen kann. Das Umschalten zwischen Setups dauert eine gute Sekunde (mit der Gefahr des Umschaltknacks beim -AN).

Sehr komfortabel ist die Remote-Learn-Funktion, bei der beliebige Fernsteuerungen zum Umschalten der Setups und Lautstärkeregelung angelernt werden können.

Die jeweiligen Filter sollten den Pegel an keiner Stelle über 100% bringen, da sonst internes Clipping auftritt. Wenn die Verzerrung zu stark wird, fällt ein Kanal aus und es muss ein Reset durchgeführt werden. Allein deshalb hat man einen Pegelverlust. Bei über das gesamte Spektrum ausgleichenden FIR-Filtern (z.B. Acourate) erleidet man weitere Einbußen in der Laustärke.

Das leichte Rauschen beim -AN sowie das zarte Zischeln beim -DA können durch ungeeignete 5V Netzteile verstärkt werden. Batterien oder Supernetzteile verbessern dies nach User-Erfahrungen allerdings auch nicht merklich.

Wenn man zu den digitalen Eingängen der Ausführungen DA oder DI einen analogen benötigt, ginge das über ein externes AD-Konverterkästchen (z.B. http://www.gefen.com/kvm/gtv-aaud-2-dig ... od_id=5278, leider keine Erfahrungsberichte).
Bild
planetti
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 59
Registriert: 29.04.2014, 21:17
Wohnort: Olching, nähe München

Beispielanwendungen (Auswahl)

Beitragvon planetti » 30.08.2015, 00:32

OpenDRC als Raumakustik-Korrektur:

Dazu benötigt man eine Software zum Messen und Erstellen der Filter. Als sehr brauchbar dafür hat sich AcourateDRC (ca. 100€) von Uli Brüggemann erwiesen, das extra für den OpenDRC angepasst ist (siehe eigener Thread viewtopic.php?f=40&t=2900&start=0). Die Bedienung der Software ist so einfach wie Dirac beim DDRC, AcourateDRC weist aber zusätzliche Optimierungsmöglichkeiten auf. Wer Experte ist, kann passende Filter (mit noch umfangreicheren Optmierungsmöglichkeiten) auch mit Acourate als Vollversion erzeugen. Manuell kann man mit z.B. REW als Messsoftware und rePhase zur FIR-Filtererstellung arbeiten, allerdings ist die Korrektur auf eine Hand voll Parameter beschränkt und nie so exakt.
PORC und align2 habe ich nicht ausprobiert. Es scheint schwierig zu sein, ein gutes Ergebnis damit hinzubekommen.

Mehrere OpenDRC als digitale Aktivweiche und Raumakustik-Korrektur:

Durch die Art- und Hertz-genau einstellbare IIR-Weichenfunktion können 2 oder mehrere OpenDRC (mit 2x2 Plugin) parallel aufgebaut werden. Die FIR-Filter und 6 PEQ-IIR können für die Raumkorrektur genutzt werden z.B. durch AcourateDRC.
Alternativ mit einer Messsoftware (z.B. REW) und rePhase kann man FIR-Frequenzweichenfilter erzeugen und manuell voneinander unabhängig ein paar Filter-Parameter für die Frequenz- und Phasenkorrekturen einstellen. FIR-Weichen sind derzeit nicht mit AcourateDRC realisierbar oder kombinierbar (mit Acourate und dessen Vorfiltern theoretisch machbar).

OpenDRC/Minisharc als aktive Frequenzgang-Phasen-Korrektur am Lautsprecher:
Als speziellere Anwendung ist dies interessant für Aktivbastler. Für einen 2 Wege-Lautsprecher geht ein miniSHARC-kit (mit dem 2x2 Plugin des OpenDRC), für bis zu 8 Wege nur als minisharc und I2S-DACs (extern oder dem miniDAC8). Ebenfalls mit einer Messsoftware und rePhase kann man gleich FIR-Frequenzweichen erzeugen und manuell voneinander unabhängig ein paar Filter-Parameter für die Frequenz- und Phasenkorrekturen einstellen, und so ein charakteristisches Profil für einen zeitrichtigen Lautsprechertyp erzeugen. Infos über solche Projekte im minidsp-Forum.

OpenDRC als Kopfhörer-Equalizer:
Als Nebenprodukt kann man auch den Klang eines Kopfhörers verbessern. Wieder mit einer entsprechenden Messanordnung (Messkopf, Messwürfel), Messsoftware und rePhase kann man manuell einige Frequenz- und ggf. Phasenkorrekturen vornehmen.
Bild
planetti
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 59
Registriert: 29.04.2014, 21:17
Wohnort: Olching, nähe München

OpenDRC-DA8

Beitragvon planetti » 21.09.2015, 22:15

Seit September gibt es eine weitere Ausführung, die insbesondere für Aktivisten interessant ist:

- OpenDRC-DA8 (digital in - 8x analog out) http://www.minidsp.com/products/opendrc ... pendrc-da8 , beinhaltet das miniSHARC-Kit und miniDA8-Stack mit DAC-chipset AKM4440 und Anschluss-Rückplatte in einer Box, mit nur 1xSPDIF Input (RCA), 8x Analog OUT (RCA), max output level 2Vrm.

Möglich ist der Betrieb über das miniSHARC 4x8-Plugin, das derzeit ein FIR-Filter bis zu 9600 Taps auf 48 kHz, 3400 bis zu Taps auf 96 kHz bereitstellt, frei konfigurierbar mit Mindestbelegung 6 Taps pro Kanal aber maximal 2048, sowie pro Kanal 10 IIR-Filter, 2 IIR-Weichenflanken, Delay und Kompressor. Interessant ist das Gerät dann, wenn man mit der Software rePhase FIR-Filter als Aktiv-Weichen und Phasenkorrektur erstellt, jedoch ist die Anzahl an Taps für eine Korrektur im tieffrequenten Bandbereich etwas gering, wenn man die Taps auf mehrere Kanäle verteilt.

Bitte um Hör-Erfahrungen insbesondere des AKM4440 DAC-Teils ...
Bild
planetti
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 59
Registriert: 29.04.2014, 21:17
Wohnort: Olching, nähe München

Beitragvon planetti » 31.10.2016, 00:09

Ein Tuning-Tip für zumindest OpenDRC-AN Besitzer:
Da ich ein zweites Netzteil 5V von minidsp zur Verfügung hatte, habe ich spaßeshalber dieses als Stromversorgung für das AN-Modul (analog, ADC-DAC) separiert von der miniSHARC-Platine angeschlossen. Und wow :shock: ! So eine Verbesserung hatte ich nicht erwartet: das Rauschen ist geringer und alle Störgeräusche, insbesondere das Brummen vom DSP, sind verschwunden. :D Die zweite Versorgung ist nun fest installiert. Ob das bei den anderen Typen ebenfalls zu Verbesserungen führt, kann ich nicht beurteilen.
Bild
planetti
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 59
Registriert: 29.04.2014, 21:17
Wohnort: Olching, nähe München

Beitragvon Hornguru » 31.10.2016, 01:10

Merci für den Bericht!!

Hat mich immer mal interessiert wie sich das Gerät in der Praxis schlägt.
Scheint wohl etwas am China Schaltnetzteil zu sparen.

Das Rauschen tritt wie auf? Hängt der direkt an den Endstufen?
Wie ist denn die Empfindlichkeit der Amps&LS ?

Lustig dass er auf 48k resampelt. Das wurde so aber garnicht offen kommuniziert.

Gruß
Josh
Bild
Hornguru
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 843
Registriert: 08.02.2016, 13:13
Wohnort: Trier

Beitragvon wgh52 » 31.10.2016, 10:57

Hallo Josh,

Hornguru hat geschrieben:...Lustig dass er auf 48k resampelt. Das wurde so aber garnicht offen kommuniziert...

Dein Eindruck stimmt nicht ganz, die Info ist zugegebenermaßen etwas verklausuliert...

In Prospekt und Bedienungsanleitung steht:
- ASRC für Resampling 20-216 kHz Input
- ASRC wird auch in den Hardware Spezifikationen unter Dig. Audio Inputs erwähnt
- Template FIR Capabilities in den Hardware Spezifikationen beschreibt dass je nach gewünschter Sampling Rate verschiedene Plug Ins zu verwenden sind.

Im Prospekt für das OpenDRC Plug In steht:
- unter Sampling Frequency: 48 kHz

Ein OpenDRC Plug-In für 96 kHz gibt es nicht, wohl aber eines das 96 kHz kann und dann "selbst" mit Filtertaps programmiert wird. Die Anzahl möglicher Filtertaps für FIR Filter ist bei 96 kHz dermaßen sinkt, dass man nur recht beschränkt convolven kann. Und dann wird halt immer auf 96 kHz resampled . Es gibt halt bei OpenDRC (wie auch bei allen mir bekannten anderen miniDSP Produkten) keine keine Samplerateumschaltung je nach Quell-Sample-Rate sondern nur SRC auf eine :roll:

Obwohl die miniDSP OpenDRC Produkte zunächst auch mir sehr verlockend erschienen, waren sie für mich dann genau wegen mangelnder FIR DSP Leistung und der unbedingten sample rate conversion auf eine Rate, hier 48 kHz keine Option: Ich will z.B. CD 16/44 (das mit weitem Abstand meistverbreitete Format!!) ohne ASRC hören und dass ich HD Audio ohne heruntersamplen hören will braucht kaum zu Erwähnung. Das Preis/Leistungsverhältnis ist schon toll, aber eben nicht für alle... :wink:

Gruß,
Winfried

3895
Bild
wgh52
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 4317
Registriert: 25.01.2008, 15:17
Wohnort: Schweitenkirchen

Beitragvon Mattias » 01.11.2016, 08:46

Hallo in die Runde,

also mit "Billignetzteil" hat das eher wenig zu tun. Werden die AN-Komponenten über das openDRC-Board mitversorgt, so wirken alle "Laststöße" des DSP auf die Versorung der AN-Module mit. Da zwischen Netzteil und openDRC eine Leitung liegt, kommt es zu Spannungseinbrüchen, die dann die AD/DA-Komponenten mitmachen und mit Brumm/Sirr/Rauschen weiterreichen. Da hilft selbst das brettharteste Netzteil nix, die Leitung mit ihren Eigenschaften (Laufzeit und vor allem Induktivität) sorgt dafür, daß es zu Einbrüchen und Überhöhungen kommt.

Dies kann mehr oder weniger gut durch Stützkondensatoren auf den Boards kompensiert werden. Eine getrennte Versorgung ist da sehr hilfreich, oder eine Filterrung bei Nutzung ein und derselben Versorgung.

Um das Problem mal etwas anschaulich zu machen, stellt euch vor, ihr wolltet einen elektrischen Verbraucher auf dem Mond von der Erde aus mit Strom versorgen. Schöne lange Leitung, ca 300 000 km. Benötigt nun der Verbraucher auf dem Mond richtig Leistung (sprich Strom), so kommt diese erst nach 1 sek von der Erde dort an. Inzwischen ist die Spannung am Verbraucher auf dem Mond merklich in die Knie gegangen (quasi die Leitung leergelutscht), erst wenn der benötigte Strom ankommt, steigt die Spannung wieder. Schaltet der Verbraucher auf dem Mond nun "ab", fließt weiterhin der angeforderte Strom von der Erde durch die Leitung und "endet" am auf dem Mond. Das führt dann dort zu einer Spannungsüberhöhung.

Was kann man dagegen machen? Ganz einfach, einen Speicher auf dem Mond installieren, der liefert bei erster Anforderung den Strom direkt vor Ort und puffert nach Abschaltung den weiter hereinkommenden Strom.

Ja, ist ein stark vereinfachtes Denkmodell, aber das entspricht ungegähr den Laststößen in einer Elektronik. Darum finden sich oftmals die vielen kleinen und großen Kondensatoren auf den Schaltungen und wenns besonders gut sein soll, getrennte oder getrennt gefiltete Versorgungen einzelner Schaltungsgruppen (und dann gibts darüber hinaus noch Einstrahlungsprobleme, Masseführung ...).

Natürlich muß ein Netzteil einigermaßen sauber sein. Die Schaltnetzteile können u.U. ein Sirren/Rauschen verursachen, mit den alten Trafonetzteilen landet man u.U. bei Brummproblemen.

Grüße
Mattias
Bild
Mattias
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 35
Registriert: 19.01.2016, 15:42

Beitragvon planetti » 02.11.2016, 00:37

Hallo Mattias,

hast Du zufällig eine Idee, was für ein Kondensator in der Stromversorgung zwischen dem AN-Modul (bzw. einem DA-Modul) und der miniSHARC-Platine Störgeräusche aller Art verhindern kann? Oder ist eine getrennte Stromversorgung immer der beste Weg?
Bild
planetti
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 59
Registriert: 29.04.2014, 21:17
Wohnort: Olching, nähe München

Beitragvon Mattias » 02.11.2016, 08:44

Hi,

getrennnte Versorgung ist meist das Beste. Nur ein Kondensator wird u.U. nicht reichen, es muß eigentlich ein Filter her. Dazu müßte ich mehr über die Module wissen (was die an Strom schlucken, welche Last die treiben können ...)

ggfs machen wir das mal per pn und stellen vor, wenns funzt (sonst müllt sich das hier mit vielen Zwischenschrittern voll).
Bild
Mattias
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 35
Registriert: 19.01.2016, 15:42

Beitragvon Hans-Martin » 02.11.2016, 10:25

Hallo Uli,
mit einem PeakTech Labornetzteil hast du die Moglichkeit, die benötigte Spannung einzustellen und den realen Strom abzulesen. Warum nicht gleich 2 getrennte Netzteile einsetzen? Die billigsten CD-Player irgendwelcher Markenanbieter haben schon mehrere Spannungsregler, die von getrennten Trafowicklungen die unterschiedlichen Funktionsbereiche individuell versorgen.
Erst wenn man die Spannungs- und Stromverhältnisse kennt, kann man eine Aussage für den Kondensator machen. Mit 1000 uF liegst du vermutlich nicht falsch. Ob das Schaltnetzteil solche Puffer-Cs mag, wird sich zeigen. Chinesen sind oft Meister in Sparsamkeit bei der Ausführung.
Auf der Suche nach dem Optimum ist die billigste Lösung gelegentlich weniger hilfreich...

Üblich sind bei DACs 5V für den Digitalpart und +/- 12V für die Analog-OPs. Die Versorgung mit nur einer Betriebsspannung lässt 12V vermuten, aus denen dann per Spannungsregler 5V abgezweigt werden. Der Qualität dieses Reglers käme dann eine Schlüsselrolle zu, auch der Entkopplung seiner Rückwirkungen von der Analogversorgung.
Getaktete (effiziente) Schaltregler verhalten sich an dieser Stelle anders als ihre analogen (verlustbehafteten) Alternativen.
Eine genaue Schaltungsanalyse wäre sinnvoll, aber Mattias hat da zwischenzeitlich schon gepostet, dass er über Detailwissen verfügt...
Grüße Hans-Martin
Bild
Hans-Martin
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 5036
Registriert: 14.06.2009, 14:45

Beitragvon planetti » 03.11.2016, 18:54

Danke für Eure Beiträge. Das einfachste dürfte ein zweites Netzteil sein, das den DAC separat bedient.
Meine mitgelieferten miniDSP-Netzteile (Stand 1/2015) sind von E-Tek, Switching Power Supply ZDD050200, 5V, 2000mA, siehe
http://etek.bossgoo.com/ac-dc-adapters/ ... 45101.html .
Es scheint, dass die miniDSP-Filter darauf abgestimmt sind, da ich mit (einfachen) fremden Netzteilen keine besseren Ergebnisse erzielt habe. Wieviel ein Superduper-5V-Netzteil nur für das ADC-DAC-Teil bringt, kann ich nicht sagen, schätzungsweise ähnliches wie mit den üblichen Netzteil-Tuning-Maßnahmen.
Bitte beachtet bei der Auswahl fremder Netzteile, dass nur das miniSHARC-Kit zwar mehr als 5V vertragen würde, aber die Vol-FP, AN-, DI-, DA-Module nicht!
Bild
planetti
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 59
Registriert: 29.04.2014, 21:17
Wohnort: Olching, nähe München

miniDSP 2x4 HD

Beitragvon planetti » 03.11.2016, 20:01

Seit Mitte des Jahres gibt es eine weitere Entwicklung, die zwar nicht direkt der OpenDRC-Linie zugeordnet ist, aber Ähnlichkeiten mit dem OpenDRC-DAC8 aufweist und ebenfalls für Aktivisten interessant ist:

- miniDSP 2x4 HD (digital/analog in - 4x analog out) https://www.minidsp.com/products/minids ... dsp-2x4-hd , beinhaltet einen SHARC-Prozessor upgrade (ADSP12489 auf 400MHz) in einer mini-Box, mit nur 1xTOSlink Input, 1xdigital USB Input, 1xstereo-analog Input (RCA), 4x Analog Output (RCA), max output level 2Vrm, interne Taktfrequenz 96kHz, 12V Netzteil. Es gib keinen digitalen Output und die Qualität des ADC und DAC-Teils ist nicht explizit angegeben, dürfte aber dem Preis entsprechend sein.

Möglich ist der Betrieb über das miniSHARC 2x4HD1-Plugin, das derzeit ein FIR-Filter insgesamt bis zu 4096 Taps auf 96 kHz bereitstellt, auf die 4 Kanäle verteilbar mit Mindestbelegung 6 Taps pro Kanal aber maximal 2048, sowie pro Input-(2) und Output-Kanal(4) je 10 IIR-Filter, 2 IIR-Weichenflanken pro Output-Kanal(4), Delay und Kompressor. Interessant ist das Gerät dann, wenn man mit der Software rePhase FIR-Filter als Aktiv-Weichen und Phasenkorrektur erstellt, jedoch ist die Anzahl an Taps für eine Korrektur im tieffrequenten Bandbereich etwas gering, wenn man die Taps gleichmäßig auf alle Kanäle verteilt. Wenn man andererseits die Taps bedarfsgerecht für eine lineare FIR-Weichentrennung verteilt, hat jedes FIR-Filter eine andere "Taplänge" und somit einen anderes "timing of middle peak", das man erst wieder in einem eigenen Schritt über die Delay-Funktion übereinanderbringen muss.

Als Vergleich: Der OpenDRC kann konfiguriert über das 4x8 Plugin/96kHz max 3400 Taps verarbeiten.
Bild
planetti
Aktiver Hörer
 
Beiträge: 59
Registriert: 29.04.2014, 21:17
Wohnort: Olching, nähe München


Zurück zu Raumakustik

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: alexfra und 4 Gäste