Floyd Toole - Sound Reproduction

Mess- und Korrektursysteme

Beitragvon O.Mertineit » 03.11.2015, 09:27

pschelbert hat geschrieben:Ist der Lautsprecher nun mal fertig, dann muss der Kunde eben seinen Hörraum auch präparieren und sicher nochmals den Raum rausrechnen (mit einer Raumkorrektur), was eine wesentliche Verbesserung ergibt, aber nur wenn der Raum auch schon gut ist.


Hallo Peter,

wenn man den Raum z.B. oberhalb 400Hz wirklich "rausrechnen" kann (auch bezüglich des Rundstrahlverhaltens des LS), warum muss der Raum dann bereits "gut" sein (z.B. auch im Mittel-Hochton) (*) ?

Wie korrigiert man mit einer Raumkorrektur z.B. Auffälligkeiten im Energiefrequenzgang eines LS im Mittel-Hochton, wenn der Achsenfrequenzgang (Direktschall) bereits weitgehend ausgewogen ist ?

Wie differenziert "eine Raumkorrektur" z.B. im Mittel-Hochton zwischen vertikalem und horizontalem Schalleinfall (hohe interaurale Korrelation des Raumanteils im ersten Fall, geringe jedoch im zweiten Fall) ?

Ist es bei Einsatz einer Raumkorrekur dann auch egal, ob. z.B. Bändchenhochtöner (in einer Richtung ausgedehntere Membran, Richtwirkung bei Einbau "hochkant" typischerweise in der Horizontalen sehr viel geringer als in der Vertikalen) hochkant oder quer eingebaut werden ?


(Der Raumanteil würde nach Deiner Aussage ja "rausgerechnet" ...)

> Falls nein: Was ist es in Wahrheit genau, das mit einer "Raumkorrektur" im Mittel-Hochton korrigiert werden kann ?


Sind Räume an sich z.B. für stereophone Wiedergabe grundsätzlich in allen Aspekten "schädlich", so daß man sie "rausrechnen" muss ?

> Falls ja: Wäre ein guter Raum zum Musikhören dann in Konsequenz ein reflexionsarmer Raum ("RAR") ?


Grüße Oliver

__________________________

(*) Man stelle sich in Analogie ein aktives Federungssystem an einem Fahrzeug vor, von dem ein Hersteller oder ein Tester sagt:
"Dieses System gleicht Bodenunebenheiten automatisch aus und hält das Fahrzeug ruhig. Die Straße muß dazu allerdings zuvor schon sehr gut sein ...."

Würde man bei einer solchen fiktiven Ausage über eine Fahrwerkstechnik wohl eher lachen oder eher weinen ?
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Beitragvon pschelbert » 03.11.2015, 10:16

Hallo FoLLgoTT

ja , ich habe da nur teilseise zitieren wolle und nicht den ganzen Text, dabei gelöscht und offenbar ist es dann mit den Steuerzeichen so durcheinander geraten dass Dein Text meiner ist und umgekehrt, sorry.

Gruss

Peter
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Beitragvon pschelbert » 03.11.2015, 10:45

Hallo Forenten

meiner Meinung nach ist der Raum schädlich, muss weg, da ja schon in der Aufnahme der Raum beinhaltet ist.
Dies setzt voraus dass man die Aufnahme so hören willl wie sie war.
Man kann natürlich einn anderen Standpunkt einnehmen und sagen man will die Aufnahme verschönern. Ist Geschmacksache.

Daher soll der Raum trocken sein (akustisch). Ich habe einen Raum, Plattenboden, Glasflächen, wenig Möbel, keine Büchergestelle, der ist sehr hallig, reflektiv, mies zum hören, der Raum der Aufnahme kommt nicht rüber.
Ein anderer Raum mit an einer Wand Absorberschrankwand, sonst Büchergestelle und weiteres diffusierendes material. Recht trockenener Raum. Da hört man sofort den Raum der Aufnahme, ob Hall beigemischt wurde, kleiner Raum für Jazz war etc. natürlich nur wenn die Aufnahme auch erstklassig ist.

Wie gesagt, man kann nicht alles rausrechnen mit Raumkorrektur, daher muss der Raum gut sein (wenig reflektiv).
Auch klar, dass wegen der beschränkten Raum-Korrektur eben aus einem Dipolstrahler kein Horn wird.

Guter Raum:
Wände und Decken diffus streuend und etwas absorierend. Wand hinter dem Hörer soll stark gedämpft sein, voll absorbierend (geht natürlich für Bass nicht, aber oberhalb schon).
Bass: Absorber praktisch unmöglich, daher nur mit Aufstellung und etwas Raumkorrektur machbar, aber immer stark positionsabhängig. Optimierung gelingt generell nur für einen eingeschränkten Bereich, z.B. 1x1m bei 2.5-3m Hörabstand.

Keine der Massnahmen ist alleine gut genug. Die richtige Kombination ist die Kunst.

Gruss

Peter
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Beitragvon Bernd Peter » 03.11.2015, 11:06

Hallo Oliver,

es wäre mMn notwendig, die Überschrift dem eigentlichen Thema anzupassen, um zielführend weiter zu diskutieren.

Du schreibst:

..worauf es bei Lautsprechern und Musikwiedergabe in Räumen ankommt...

Und genau hier liegt m.E. das Salz in der Suppe:

Es gibt üblicherweise doch gar kein Mittel, um das frequenzabhängige Rundstrahlverhalten sinnvoll an den Raum anzupassen, obwohl dies doch die hauptsächliche Ebene ist, welche über die Lautsprecher-/ Raum Interaktion entscheidet.

..daß wir eigentlich schon lange über Lautsprecherdesign für die Zeit nach Toole's Untersuchungen diskutieren müssten.


Gruß

Bernd Peter
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Beitragvon pschelbert » 03.11.2015, 11:41

Hallo

die Analogie mit dem Federsystem ist sicher richtig, nur gerade dieses Beispiel hat sehr hohe Einschränkungen.
Nur schon Schotterstrassen können mässig ausgeglichen werden. Fährt man aber mal eine Strasse mit Löchern, dann versagt das Fundementalste, heisst das gesamte System wird total beschädigt und Aus ist es mit Fahren. Sagen wir mal Löcher bis 5cm gehen noch, aber 50cm liegen nicht drin. Und ja, ich habe grosse Lastwagen gesehen denen die Achse weggerissen war.... nur mit so kleinen Löchern, und das Rad war gross!

Daher, mit Raumkorrektur kann nur beschränkt korrigiert werden.
Wie Toole gezeigt hat, muss das Rundstahrerhalten relativ gleichmässig sein über den Frequenzbereich, das lässt sich nicht mit Raumkorrektur korrigieren, das ist korrekt.
Wenn das Rundstrahlverhalten aber mal "gut" ist, dann ist der nächste Schritt: Raumkorrektur(Software).
Offenbar spielt es nicht eine sehr grosse Rolle wie das Rundstahlverhalten ist, sofern es nicht aprupt ändert oder überhaupt stark ändert über den Frequenzbereich. Dies allerdings scheint praktisch nicht realisiert zu sein, oder man weiss es als Kunde nicht...(ausser man misst selber).


O.Mertineit hat geschrieben:
pschelbert hat geschrieben:Ist der Lautsprecher nun mal fertig, dann muss der Kunde eben seinen Hörraum auch präparieren und sicher nochmals den Raum rausrechnen (mit einer Raumkorrektur), was eine wesentliche Verbesserung ergibt, aber nur wenn der Raum auch schon gut ist.


Hallo Peter,

wenn man den Raum z.B. oberhalb 400Hz wirklich "rausrechnen" kann (auch bezüglich des Rundstrahlverhaltens des LS), warum muss der Raum dann bereits "gut" sein (z.B. auch im Mittel-Hochton) (*) ?

Wie korrigiert man mit einer Raumkorrektur z.B. Auffälligkeiten im Energiefrequenzgang eines LS im Mittel-Hochton, wenn der Achsenfrequenzgang (Direktschall) bereits weitgehend ausgewogen ist ?

Wie differenziert "eine Raumkorrektur" z.B. im Mittel-Hochton zwischen vertikalem und horizontalem Schalleinfall (hohe interaurale Korrelation des Raumanteils im ersten Fall, geringe jedoch im zweiten Fall) ?

Ist es bei Einsatz einer Raumkorrekur dann auch egal, ob. z.B. Bändchenhochtöner (in einer Richtung ausgedehntere Membran, Richtwirkung bei Einbau "hochkant" typischerweise in der Horizontalen sehr viel geringer als in der Vertikalen) hochkant oder quer eingebaut werden ?


(Der Raumanteil würde nach Deiner Aussage ja "rausgerechnet" ...)

> Falls nein: Was ist es in Wahrheit genau, das mit einer "Raumkorrektur" im Mittel-Hochton korrigiert werden kann ?


Sind Räume an sich z.B. für stereophone Wiedergabe grundsätzlich in allen Aspekten "schädlich", so daß man sie "rausrechnen" muss ?

> Falls ja: Wäre ein guter Raum zum Musikhören dann in Konsequenz ein reflexionsarmer Raum ("RAR") ?


Grüße Oliver

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(*) Man stelle sich in Analogie ein aktives Federungssystem an einem Fahrzeug vor, von dem ein Hersteller oder ein Tester sagt:
"Dieses System gleicht Bodenunebenheiten automatisch aus und hält das Fahrzeug ruhig. Die Straße muß dazu allerdings zuvor schon sehr gut sein ...."

Würde man bei einer solchen fiktiven Ausage über eine Fahrwerkstechnik wohl eher lachen oder eher weinen ?
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Beitragvon dietert » 04.11.2015, 10:42

Hallo miteinander,

Dinge ändern sich. Was in den 90ern modern und high tech war, muss es 20 Jahre später nicht mehr sein. Sogar wissenschaftliche Erkenntnisse bedürfen immer wieder der Überprüfung.

Neulich habe ich einen interessanten Diskurs zum Thema gelesen. Dort wurden die geänderten Anforderungen an Lautsprecher damit begründet, dass die Thematik "Hausstaub" und "Milben" im allgemeinen Bewusstsein angekommen ist, was wiederum dazu führt, dass Wohnräume heute weniger Teppichböden haben und tendenziell halliger geworden sind. Außerdem sind Wohnräume heute tendenziell größer als noch vor 20 Jahren. Vielleicht sind das die Gründe für ein Umdenken bezüglich des Bündelungsmaßes.

Und zum Thema DRC: Was heute preiswert realisierbar ist, war vor 20 Jahren nur großen PA-Installationen in Konzertsälen vorbehalten. Wer darüber mitdiskutieren möchte, sollte einige Tage für eigene Experimente investieren. Das ist mit Computerlautsprechern und mit frei verfügbarer Software möglich, es lohnt sich. Kann mich noch gut erinnern, wie ich das erste Mal eine Musik von Udo Jürgens mit der Akustik einer Kathedrale gefaltet habe. Und genauso wie man etwas hinzufügen kann, kann man auch etwas kompensieren, nämlich den eigenen Raum und bestimmte Eigenheiten der eigenen Lautsprecher. Das funktioniert recht gut. Ob man es nun gerade "Acourate" nennen muss, weiß ich nicht, weil die Kompensation nie perfekt wird, sondern nur "so ungefähr".

Grüße,
Dieter T.
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Beitragvon O.Mertineit » 04.11.2015, 10:58

Zum Thema "DRC" ...

dietert hat geschrieben:...
Und genauso wie man etwas hinzufügen kann, kann man auch etwas kompensieren,
...



Hallo Dieter,

es gibt in einigen Konzertsälen z.B. eine künstliche Verlängerung der Nachhallzeit mit elektroakustischen Mitteln.

Gibt es (z.B. dort oder woanders) auch eine wirksame "elektronische Nachhallzeitverkürzung", d.h. bei mittleren und höheren Frequenzen im "statistischen" Frequenzbereich von Räumen ?

Hättest Du wirklich Belege aus wirksamen raumakustischen Anwendungen dafür ?

Dann wäre es m.E. sehr interessant, solche Quellen zu benennen. Dies gälte besonders dann, falls diese Anwendungen z.B. mit einem Paar Stereo-Lautsprechern oder anderen (einfachen/üblichen) Konfigurationen zur Musikwiedergabe bzw. Raumbeschallung funktionieren würden.

Eine Suche im www z.B. nach

"electronic prolongation of reverberation time"

vs.

"electronic reduction of reverberation time"

liefert hier m.E. sehr schnell und einfach erste Hinweise.


Grüße Oliver
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Beitragvon pschelbert » 04.11.2015, 18:41

Hallo

hier noch ein AES Paper von Floyd Toole zum Thema, publiziert dieses Jahr (2015).
Ev. noch nicht allerseits bekannt.

http://www.aes.org/tmpFiles/elib/20151104/17839.pdf

Gruss

Peter
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Beitragvon dietert » 04.11.2015, 19:12

Hallo Oliver,

nun, soweit ich es verstehe, tut eine DRC genau dies im niederfrequenten Bereich, wo passende Absorber für einen Wohnraum ein Problem sind. Im ersten Abschnitt meines Beitrags ging es ja um Nachhall im höherfrequenten Bereich, den man mit Absorbern oder mit bündelnden Lautsprechern in den Griff bekommen muss. In meinem Hörraum habe ich an der Wand hinter meinem Rücken eine 2,50 x 2,25 m große Bettdecke von etwa 5 bis 6 cm Stärke in einem dekorativen Bezug aufgehängt, was den Raum im Hochtonbereich ausreichend dämpft. Den Bezug kann man gelegentlich wechseln und waschen, so ist die Hygiene gewährleistet.

Die Grenze zwischen den beiden Frequenzbereichen ist eben durch das binaurale Hören bzw. die erforderliche Größe des sweet spots gegeben. Ich glaube, das wird hier schon verstanden, dass eine DRC bei Wellenlängen unter etwa 1 m keinen Sinn hat, weil der sweet spot dann kleiner als 25 cm wird (etwa 1/4 Wellenlänge). Übliche DRC-Programme arbeiten nur bei größeren Wellenlängen und beschränken sich bei kleineren Wellenlängen auf die Kompensation von Lautsprecherfehlern.

Ich habe mir irgendwann 20 kleine Breitbänder bestellt, um bei Gelegenheit eine Anlage zu aufzubauen, wie man sie z.B. auf der Seebühne Bregenz findet, wo eine DRC-artige Software jeden einzelnen Kanal differenziert ansteuert. Erinnere mich an Beiträge hier im Forum, wo jemand sowas untersucht hat, ich glaube Nils/Follgott, mit sehr schönen PDF-Ausarbeitungen. Auch sowas wird vielleicht irgendwann in Wohnzimmern stehen. Das wäre dann eine Anlage, bei der man zumindest den Bündelungsgrad digital konfigurieren kann.

Es ist wirklich erstaunlich, was Digitaltechnik heutzutage vermag. Wer sich einmal mit Rauschminderung auf der Basis von Mediantechniken befasst hat, weiß, dass man mit einem DSP quasi den Maxwellschen Dämon erschaffen kann.

Grüße,
Dieter T.
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Beitragvon O.Mertineit » 04.11.2015, 19:33

dietert hat geschrieben:...
soweit ich es verstehe, tut eine DRC genau dies im niederfrequenten Bereich,
...



Hallo Dieter,

hier ist ein schnelleres Abklingen unter bestimmten Bedingungen möglich, auf jeden Fall kann durch Absenken der Schalldruckmaxima am Hörplatz die gehörmäßige Verdeckung durch Moden verringert werden. "Quasi modenfreie" Wiedergabe ist trotzdem nur mit geeigneten Subwoofersystemen möglich (z.B. Quelle/Senke Konfigurationen).

Im modalen Bereich des (akustisch kleinen) Raums (Tiefton) hat man auch noch keinen "Nachhall", eine echte Verkürzung von Nachhallzeiten (ab Mittelton) geht tatsächlich nur über Absorption.

Aber ich sehe, wir sind uns bei grundsätzlichen Grenzen von DRC etwa einig, das ist m.E. beruhigend :wink:


Beste Grüße

Oliver
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Beitragvon dietert » 08.11.2015, 21:57

Hallo Oliver,

ich verstehe zwar nicht genau, was du meinst. Aber wenn ich in Ruhe darüber nachdenke, bin ich eigentlich der Meinung, dass eine DRC das tut, was zu tun ist. Mindestens bis etwa 100 Hz, wo das menschliche Gehör die Einfallsrichtung von Schall nicht erkennen kann, finde ich die Messung des Schalldrucks mit einem Messmikrofon mit Kugelcharakteristik angemessen, und diese Messung wird durch eine DRC gut bereinigt, egal wie der Raum beschaffen ist. Das ist ja der große Vorteil dieser Methodik, dass sie so universell anwendbar ist.

Zwischen 100 und 400 Hz wäre dann natürlich noch eine Lücke, wo das Gehör mehr leistet als das Messmikrofon. Da müsste ich auch die Schallschnelle als 3D-Vektor messen. Klar stellt sich die Frage, wieviele Lautsprecher ich eigentlich brauche, um zwischen 100 und 400 Hz mit einem entsprechend programmierten DRC auch die korrekte Einfallsrichtung von Schall zu simulieren, indem ich signifikante Reflektionen kompensiere. Vermute, dass man dafür drei Lautsprecher braucht (wegen 3D), und dass man mit zwei Lautsprechern mindestens den Vektor der Schallschnelle in der horizontalen Ebene hinkriegt. Vielleicht weiß Uli, ob aktuelle DRC-Systeme Stereosignale so verarbeiten.

Grüße,
Dieter T.
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Beitragvon O.Mertineit » 09.11.2015, 09:34

dietert hat geschrieben:...
Mindestens bis etwa 100 Hz,
...


Hallo Dieter,

hier sprechen wir jedoch nicht von Nachhall, das ist der modale Bereich des Raums.

dietert hat geschrieben:Zwischen 100 und 400 Hz wäre dann natürlich noch eine Lücke, wo das Gehör mehr leistet als das Messmikrofon.


DRC Systeme nennen sich jedoch auch von 100-400Hz oder von 400Hz - 20Khz "Raumkorrektur" und viele Anwender glauben , daß sie genau dies auch bei höheren Frequenzen leisten würden.
Für mich ist das erklärungsbedüftig ...

OK, machen wir's kurz: Dieser Thread wird für mich wieder interessant, sobald er zum Thema zurückfindet. Ansonsten lasse ich ihn von meiner Seite aus "sterben".

Es kann doch nicht sein, daß in einem HiFi-Forum alle Themen, die "irgendwie" mit Klangqualität zu tun haben irgendwann bei "thematischen Attraktoren" wie "Jitter" oder "DRC" landen.


Beste Grüße

Oliver
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Beitragvon Hans-Martin » 09.11.2015, 11:33

O.Mertineit hat geschrieben:DRC Systeme nennen sich jedoch auch von 100-400Hz oder von 400Hz - 20Khz "Raumkorrektur" und viele Anwender glauben , daß sie genau dies auch bei höheren Frequenzen leisten würden.
Für mich ist das erklärungsbedüftig ...

Hallo Oliver
Für mich ist die Erklärung naheliegend: Derjenige, der das erste System dieser Art entwickelt und in Umlauf gebracht hat, durfte oder musste dem Kind auch einen Namen geben. Mit dem Aufkommen der Nachahmer und Mitbewerber konnte eine Anpassung der Namensgebung nicht beobachtet werden, man hielt sich an den bereits geprägten Begriff.

Wenn der Hersteller in der Bedienungsanleitung den Anwender nicht auf sinnvolle Grenzen aufmerksam macht, bleibt es beim Anwender, dies selbst zu merken.
Beim Umgang mit Werkzeugen jeglicher Art spielt das Geschick des Anwenders auch eine entscheidende Rolle, Zweckentfremdung oder missbräuchlicher Einsatz sind nicht ausgeschlossen.
Das gilt eigentlich für alle Gegenstände des täglichen Gebrauchs.

Ich habe 2001 angeregt, dass der Arbeitsbereich des TacT RCSystems anpassbar gestaltet wurde, was dann auch geschah. Uli hat in GoodVibrations, seiner Bearbeitungs-Software zum TacT RCS2.2X, ein halbautomatisiertes Feature eingebaut, welches die Zielkurve perfekt der Messung anpasst, womit die Korrektur in diesem Bereich ausgesetzt wird. Später hat er mit der weiteren Entwicklung namens Acourate sich auch von der TacT Hardware unabhängig gemacht.

Man kann mit Unverständnis reagieren, wenn ein Entwickler angesichts 96kHz/24Bit ein aufwändiges Konstrukt auf Bereiche bis 400Hz beschränkt, weil es dem sachkundigen Benutzer andere Möglichkeiten vorenthält, die er vielleicht gern nutzen möchte.
Das KRK Ergo enthält ein gewissermaßen "halbiertes" RoomPerfect, welches auf die obere Hälfte des Spektrums verzichtet, dafür kann man Argumente finden.

Sean Olive hat offenbar mit dem Gebrauch dieser Nomenklatur keine Probleme:
Sean Olive hat geschrieben:Three of the five room corrections (RC1-RC3) were strongly preferred over no room correction
"
the most preferred room corrections produced the smoothest, most extended amplitude responses measured at the primary listening seat. The largest measured differences among the different room corrections occur below 100 Hz and around 2 kHz where the loudspeaker had a significant hole in its sound power response. The room corrections that were able to fill in this sound power dip received higher preference and spectral balance ratings.

Wie man sieht, hat er offensichtlich auch keine Probleme mit einer Korrektur, die über 400Hz hinausgeht, sofern sie sachdienlich ist.
Dass falscher Umgang (unangemessene Zielkurve) mit einem solchen Tool allerdings zu einem weniger beglückenden Ergebnis führt, beschreibt er auch, es sickerte später dann durch, dass Audyssey die geringste Zustimmung (Ablehnung wegen Verschlechterung) erhielt, RoomPerfect die höchste Präferenz.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon O.Mertineit » 09.11.2015, 12:24

Hans-Martin,

sorry, es geht hier doch um Sachfragen, nicht etwa darum, ob irgendwer irgendwelche "Probleme" mit irgendeiner "Marketing Begrifflichkkeit" hat.

U.a. auf Seite 3 des Vortrags

"The Subjective and Objective Evaluation of Room Correction Products"
von Sean E. Olive, John Jackson, Allan Devantier, David Hunt, Sean M. Hess

https://drive.google.com/file/d/0B97zTR ... l=en&pli=1

finden sich auf Seite 3 folgende zusammenfassenden Aussagen über den denkbaren Gegenstandsbereich von DRC-Systemen (Zitat):


"
Low frequencies (< 500 Hz): room modes, solid angle gain/boundary effects

Higher frequencies (> 500 Hz); room reflections are dominant effect but room correction cannot fix this; this is mostly “loudspeaker correction” - not “room correction”



Meine Empfehlung an dieser Stelle: Kurz mal innehalten und Luft holen ...

Daß eine Grenze von "500Hz" im o.g. Vortrag willkürlich gewählt ist und eher für kleinere Räume anzusetzen ist, daß die Grenze in größeren Räumen mit entsprechender Ausstattung auch deutlich tiefer liegen kann, daß die Grenze i.d.R. nicht "hart" zu definieren ist, ... das alles (auch zum 100sten Mal schon ...) geschenkt, weil hinlänglich bekannt.

Aber Leute, mal ganz im Ernst:

Hört doch endlich damit auf, ständig zu versuchen - als kleine Minderheit in einem kleinen deutschen Forum - anerkannten Wissenschaftlern im Bereich Elektroakustik/Raumakustik akzeptierte Begrifflichkeiten und Resultate "im Mund herumzudrehen". Es gibt noch mehr Leute, die zumindest des Lesens mächtig sind.

Und wie oben schon gesagt: Auch dieser Thread hatte einmal ein relevantes Thema ...

Tut doch bitte nicht so als ob die Auffassung "Raumkorrektur oberhalb des Tiefton- bzw. unteren Mittelton ist 'Lautsprecherkorrektur' " eine isolierte "Minderheitsmeinung" hier im Forum sei, die man "gutmütig belehren" müsse: Das genaue Gegenteil ist der Fall.

Es handelt sich um die mehrheitlich akzeptierte Auffassung der Sachlage. Die Autoren des o.g. Vortrags unterscheiden sich vom durchschnittlichen HiFi-Forenteilnehmer sehr deutlich:

Sie müssen vor "Marketing Begrifflichkeit" nicht geschützt werden, weil sie wissen, wofür "Raumkorrektur" Systme oberhalb des Mittelton sinvoll eingesetzt werden können.

Für diejenigen, die bis zur dritten Seite eines "leichgewichtigen" Vortrags lesen können bzw. wollen, erschließt es sich hier berseits auf der 3. Seite.

Die Welt ist nicht so kompliziert und man muss auch nicht über Alles grundlos streiten. Wenn man aber schon streiten möchte, dann sollte man Stimmen bzw. Autoren zitieren, die auch wirklich den eigenen "Standpunkt" stützen könnten ...


Grüße Oliver
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Beitragvon O.Mertineit » 09.11.2015, 14:21

Als Egänzung:

Ein großer Teil der Thematik "Einsatzgebiet und Grenzen von DSP-Korrektur", auch was Frequenzbereiche und "korrgierbare" bzw. "adressierbare" Phänomene innerhalb der jeweiligen Frequenzbereiche betrifft, wurde auch in diesem Thread

viewtopic.php?f=28&t=6919&start=0

unlängst schon "durchgekaut".

Wieviele Threads sollen denn dafür zusätzlich - unter ständiger Wiederholung der immer gleichen Argumentationsketten - jetzt noch herhalten ?


Grüße

Oliver
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