Modenkorrektur unter Berücksichtigung der Hörempfindlichkeit

Mess- und Korrektursysteme

Beitragvon L_Hörer » 30.11.2015, 19:18

Joerghag hat geschrieben:Beim leisen Musikhören ertappe ich mich immer wieder dabei, gerne auch mal über den Yamaha zu hören, statt über meine rein digitale Hifi-Kette....

Hallo Jörg,

bei mir gilt dasselbe. Ich höre mit Ulis AcourateConvolver, der praktisch wie früher die Braun-Geräte zwei Knöpfe bietet für den Pegel und die Loudness. Für Leise-Hörer (Nomen est Omen) unverzichtbar!

Gruß Heinz
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L_Hörer
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Braun und Yamaha waren schon gut

Beitragvon musikgeniesser » 09.12.2015, 17:53

Liebe Forenten,

wenn Ihr mir in Anbetracht des Themas hier eine Anmerkung zur Loudness-Idee -- also der Idee von der gehörrichtigen Lautstärkeregelung -- gestatten möget.

Die von Braun und Yamaha (an Denon kann ich mich in diesem Zusammenhang nicht mehr erinnern) angebotenen Loudness-Lösungen waren die einzigen zu Ende gedachten. Hatte Quad nicht auch sowas oder war das ein einstellbares Nadelfilter für Phono? Weiß nicht mehr so genau. Zurück zu Braun und Yamaha. Dieses Reglerpaar (die beiden Pegelregler von Braun jetzt mal als ein Regler [plus Balance-Regler] betrachtet) ist sinnvoller als alle Klangregelnetzwerke und natürlich sinnvoller als ein einfacher Loudness-Umschalter.

  • nehmen wir an, die Hörkurven aller Menschen sind soweit ähnlich, dass man nicht noch einen dritten Regler für die Abbildung der menschlichen Bandbreite vorsehen muss
  • dann ist die Vorgehensweise klar: man stellt seine Anlage einmal ein, indem man den Loudness-Regler rausdreht, also auf rechten Anschlag dreht, und danach (!) mit dem Volume-Regler bei laufendem Programm auf Naturlautstärke (wenn ich es so nennen darf) einstellt, egal (!), wie groß die Lautsprecher sind
  • danach fasst man den Volume-Regler nie wieder an und schreibt sich die Stellung auf (für Staubwisch-Unfälle und Partys etc.); in der heutigen Zeit: man fotografiert die Einstellung mit seinem Smartphone
  • fortan regelt man die gewünschte Lautstärke ausschließlich über den Loudness-Regler
  • Fingerzeig: die Tatsache, dass der Volume-Regler bei Yamaha größer als der Loudness-Regler war, zeigt, dass den Ingenieure oder Marketing-Leuten klar war, dass dies keinem Kunden vermittelbar, sondern viel zu kompliziert war. Da ein fetter Volume-Drehknauf eine prestigeträchtige Angelegenheit war, hat man sich wohl nicht getraut, dem fettesten Knauf die Loudness-Regelung zuzuordnen, obgleich das richtig gewesen wäre.

Ein einfacher Loudness-Schalter darf keinesfalls als ein Hinweis auf ein nicht variables Netzwerk missverstanden werden, im Gegenteil. Er schleifte üblicherweise ein ebenfalls variables Loudness-Regelnetzwerk ein, nur nützte einem das viel weniger, da dies bedeutete, dass damit der Volume heißende Regler lediglich zwischen der Funktion "Volume" und "Loudness" wechselte, eine -- zum sinnvollen Einsatz erforderliche -- Pegelanpassung somit leider nicht möglich war. Damit verpuffte ein nicht unerheblicher Teil der Wirkung, genauer, wurde mit einem zufälligen -- Abhängig von Raumgröße, Verstärkerleistung und Boxenwirkungsgrad -- Faktor überlagert. Angewendet auf das Zweiregler-Konzept hieß hier Loudness, dass statt einer Einstellung der Naturlautstärke der Volume-Regler einfach auf rechten Anschlag gedreht wird. Also auf halbem Weg steckengeblieben. Blöd.

Möge es nützen

Peter
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Beitragvon O.Mertineit » 12.01.2016, 11:26

Hallo Andree,

(ich verlinke Deinen Beitrag nochmal anstatt zu zitieren, denn ich will es "am Stück lassen")

viewtopic.php?p=109849#p109849

M.E. sind/wären Deine Überlegungen zur "Loudness Korrektur" bezogen auf einen Zustand, in dem frequenzabhängige Nachhallzeiten von Produktionsumgebung (Mastering Raum) und Wiedergaberaum (Hörraum) vergleichbar wären, in Ordnung (*).

Am besten sei bei dieser Betrachtung die Basswiedergabe auf beiden Seiten (Mastering, Wiedergabe) dazu noch "quasi modenfrei" und es gäbe eine konstante Nachhallzeit auch für den Tiefton mit einer Schröderfrequenz evt. am unteren Ende des Hörbereichs ...

Jetzt klingelt jedoch m.E. der Wecker und der (schöne) Traum endet, denn das dürfte in den weitaus meisten Fällen nicht zutreffen:

Das "deutsche Durchschnittswohnzimmer" hat Nachallzeiten um 0.5s und erhebliche Anstiege zu tiefen Frequenzen sind ebenso üblich wie Schröderfrequenzen z.B. oberhalb 100Hz.

Eine Bildersuche zu "RT60 living room REW" liefert einige Nachhallkurven, in denen sogar überproportional viele amerikanische Vorstadt Wohnräume (groß, oft üppiger ausgestattet, oft Holzwände ...) auftauchen dürften und nicht nur "deutsche Steinzimmer" ...

https://www.google.de/search?q=Decay+ti ... g+room+REW

(Selbst) bei diesen anschaulichen Einzelbeispielen als "Behelfsdaten", ist eine sinngem. Empfehlung wie
" heb' den Tiefbass um 5dB an, wenn Du daheim 10dB leiser als beim Abmischen im MasteringRaum hörst."
eher fragwürdig, zumindest trifft das m.E. zu, wenn man diese Empfehlung verallgemeinert.

Der "gewöhnliche" HiFi-Hörer "ersäuft" daheim im (schlechten) Tiefton (Gründe dafür sind mannigfaltig und sprengen diesen Thread), d.h. der Tiefton ist meist noch sehr unausgewogen und trägt so insgesamt oft erheblich zur Verdeckung des Mittel-/Hochtonbereiches bei.

Das ganze Thema könnte daher in "allgemeiner Draufsicht" ein echtes "Scheinproblem" (denn viele Hörer haben in Wahrheit andere und vor allem größere Wiedergabe-Probleme) sein ... zumindest für alle, die nicht "extrem leise" hören.

Viele Hörer mögen evt. sogar deshalb "leiser" hören, weil sie die Verdeckung in ihren Hörumgebungen ganz bewusst "herunterfahren" wollen ... und keine "High-Ender" sind, die mit gezielter Investition in

- Lautsprechertechnik
- Gestaltung der Hörumgebung, Raumbehandlung
- Korrektursysteme

intensiv an einer möglichen Überwindung dieses Zustands arbeiten möchten.


Grüße Oliver
____________

(*) Strengenommen müsste beide Räume dazu noch der gleichen Größenklasse angehören.
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Beitragvon nihil.sine.causa » 14.01.2016, 12:42

Hallo zusammen,

Hinweis seitens Moderation: Leider musste ich in diesem Thread ungewöhnlich viele Beiträge aussortieren. Hier geht es um "Modenkorrektur unter Berücksichtigung der Hörempfindlichkeit". Was sich entwickelt hat, war off topic. Ich bitte Euch doch sehr, in einem Thread nur solche Beiträge zu bringen, die sich auf das jeweilige Thema beziehen.

Viele Grüße
Harald
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