Ein Vorschlag für eine "gutmütige" Raumkorrektur?

Mess- und Korrektursysteme

Ein Vorschlag für eine "gutmütige" Raumkorrektur?

Beitragvon Daihedz » 26.05.2016, 16:54

Hallo Raum- und LS-Korrektoren

Lautsprecher- resp. Raumkorrekturen, welche aus einer Messung an einem einzigen Raumort (=Hörplatz) abgeleitet werden, können an einem anderen Hörplatz im Raum die Wiedergabe verschlechtern. Das wurde im Forum schon, u.a. bei den Aspekten der Raummoden, aisgiebig diskutiert.

Um diesen Nachteil zu vermeiden, könnte man eine Korrektur anwenden, bei welcher feststeht, dass über mehrere Raumorte (Hörplätze) nirgends solche "Verschlimmbesserungen" auftreten. Bei einer solchen Korrektur müsste z.B. sichergestellt werden, dass keine Raummoden an den in die Messungen miteingeschlossenen Hörplätzen durch die Korrektur intensiver angeregt werden, als sie es durch das unkorrigierte LS-Signal ohnehin schon werden.

Eine solchermassen "gutmütige" Korrektur könnte folgendermassen abgeleitet werden:
1. Es werden mehrere Messorte (=möglichst alle Hörplätze) im Raum durchgemessen und daraus wird
2. eine Korrektur gerechnet, welche ausschliesslich gleichläufige F-Gang-Anomalien einschliesst.

Falls also z.B. bei 5 Raummessungen 3 Messungen bei 560Hz eine Delle aufweisen, 2 Messungen hingegen einen Buckel, dann wird bei 560Hz nicht korrigiert. Denn wenn die Delle korrigiert würde, dann wäre anderso der Buckel umso heftiger, und umgekehrt. Die Korrekturkurve eines "gutmütigen" Filters verläuft bei 560Hz also dementsprechend gerade. Falls hingegen z.B. bei allen 5 Raummessungen bei 1230Hz eine Senke auftritt, dann wird diese Senke korrigiert. Dito z.B. ein Buckel in sämtlichen Messungen bei 230Hz, auch der kann durch die Korrektur abgesenkt werden, ohne anderso Unheil anzurichten.

Nehmen wir nun an, dass die beispielhafte Senke bei 1230Hz an den verschiedenen Messorten ca.
-1.2dB, -2.3dB, -2.4dB, -3.8dB und -5.1dB
beträgt, dann könnte man wahlweise z.B. minimal (Peak +1.2dB @ 1230Hz), mit dem Mittelbetrag aller Werte (+3.0dB), maximal (+5.1dB) oder mit einem anderen sinnvollen Betrag zwischen +1.2dB ... +5.1dB kompensieren. Damit ergeben sich mit der Korrektur fallweise für alle Raumorte folgende Anomalien bei 1230Hz:
Minimal kompensiert 0dB, -1.1dB, -1.2dB, -2.6dB und -3.9dB
Maximal kompensiert +3.9dB, +2.8dB, +2.7dB, 1.3dB und 0dB

Jede Korrektur ist ein Kompromiss. Dieser vorgeschlagene Kompromiss wäre immerhin etwas besser als die Ausgangssituation ganz ohne Korrektur, und darüber hinaus fände vom Ansatz her keinerlei "Verschlimmbesserung" an den gemessenen Hörorten statt.

Ich fände es spannend zu wissen, was Ihr Mitforenten zu diesem Soft-Korrekturvorschlag zu sagen habt.

Ich hätte sonst immerhin schon mal eine hochtrabende Bezeichung dafür: IMMTRC. Die IsoMorphic Multiple Targets Room Correction :D

Grüsse
Simon
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Beitragvon KlausR. » 26.05.2016, 17:25

Hallo Simon,

etwas ähnliches wurde schon mal vorgeschlagen:

http://www.aes.org/e-lib/browse.cfm?elib=13742
http://www.aes.org/e-lib/browse.cfm?elib=14319

Wie immer kann ich die papers bei Interesse schicken, PN mit 'ner email-Addresse genügt.

Klaus
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Beitragvon Hans-Martin » 26.05.2016, 17:52

Hallo Simon,
wenn es nur so einfach wäre...
Das Lyngdorf RoomPerfect scheint ein solches Verfahren zu verwenden, wo die Messungen an verschiedenen Orten im selben Raum jeweils übereinandergeschrieben werden, dabei werden die Raumresonanzen allein schon wegen der Zeitdauer im eingeschwungenen Zustand an Intensität an jedem Punkt (außer Noden) zugenommen haben.

Mach mal folgendes Experiment: gehe den Raum auf der (Stereo-)Mittelachse ab und finde den besten Klang ohne Korrektur, es wird recht eindeutig ein Punkt in einem engen Toleranzbereich zu finden sein, dafür errechnest du eine Korrektur (Nr. 3) für spätere Vergleiche.
Dann gehe etwa 50cm vor, markiere ebenfalls diesen Punkt und rechne dafür eine vermeintlich perfekte Korrektur als Referenz (Nr. 2).
Dann wende dein Verfahren auf den Raum an (Nr. 1).
Außerdem gäbe es die Möglichkeit, vor dem Lautsprecher das Messmikro zu platzieren, das gilt besonders für Koaxialsysteme (Nr.4)
Als Nr. 1b schlage ich vor, auf der Mittelachse vor der Wand (bei Einzelkanalmessung geht auch die zum LS diagonal gegenüberliegende Raumecke), bei Raummitte, bei 2/3 und 3/4 Raumlänge zu messen, wo jeweils die Mode ausgeprägt erfassbar ist.
Nun kannst du von beliebigen Plätzen aus vergleichen, welche am besten klingt.

Dann gehe zu dem zu 3. zugeordneten Punkt und vergleiche wieder.
Für mich ergibt sich daraus (aus meiner Wahrnehmung nach einem vergleichbaren Experiment) die
1. Frage: Warum sollte man woanders sitzen als am besten Punkt?
2.Frage: Kann man es gut finden, wenn beide Boxen unter unterschiedlichen Winkeln auf den Hörer strahlen, wie es außerhalb der Stereoachse geschieht?
Daraus 3. Frage: Kann das durch Korrektur befriedigend kompensiert werden (Pegel- und Laufzeitanpassung neben der FG-Korrektur)?

Es ist bekannt, dass das Ohr für FG-Einbrüche nicht so empfindlich ist wie für Hervorhebungen. Deshalb darf man eine Gewichtung machen, die Einbrüche von der Korrektur ausnimmt. Ich gehe immer so vor, dass ich zu jedem Einbruch nach der Ursache suche, meist wird man bei 1/4 Wellenlänge Abstand zur Rückwand oder bei 1/2 Wellenlänge zusätzlichem Signalumweg durch Reflexion fündig.
Und die Phasendrehungen, wie sie mit Auslöschungen einhergehen sind dann besonders negativ, wenn kein kanalgleiches Verhalten vorliegt. Die Abbildung leidet dann kolossal, Raumtiefe geht verloren.
Das zwingt quasi wieder zur symmetrischen Anordnung des Stereodreiecks im Raum.
Es zwingt auch dazu, bei dem Messort darauf zu achten, dass er keine Node, sonderen eher eine Mode erfasst. Damit wird schon meist die Verschlechterung an einem anderen Hörort vermieden, denn die korrigierten Raummoden sind raumabmessungsbezogen und das ergibt überall Vorteile, wenn auch unterschiedlich ausgeprägt.
Und beim Abgehen des Raums wird man selten in einer Node stehen bleiben, auch wenn gesagt wird, dass man einen FG-Einbruch weniger deutlich hört, es sind wohl noch andere hörbare Aspekte im Spiel.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Fujak » 26.05.2016, 17:59

Hallo Simon,

das ist sicher kein Problem, dies durch Mittelung mehrerer Messungen z.B. mit Acourate zu realisieren. Allerdings kann man die Bedingung, dass es an keinem Ort des Raumes zu Verschlechterungen führen sollte, sicher nur in engen Grenzen umsetzen. Das Verfahren einzusetzen, um einen größeren korrigierten Hörbereich am bevorzugten Hörplatz zu erreichen (z.B. eine Sitzgruppe, auf der >2 Personen in den Genuss einer korrigierten Musik kommen), halte ich dagegen für praktikabel und manchmal sinnvoll. Vor ein paar Wochen gab es hier auch mit Acourate einen sinnvollen Vorschlag, wie man das praktisch umsetzen kann.

Den größten Nachteil Deiner Methode sehe ich für mich persönlich darin, dass am bevorzugten Hörplatz die Korrektur deutlich unterhalb ihrer Möglichkeiten bliebe.
In meinem Hörraum kann ich feststellen, dass eine direkt auf den Hörplatz abgestimmte Korrektur auch in allen anderen relevanten Bereichen des Raumes (also wo ich ebenfalls Musik höre - z.B. am Schreibtisch) positive Auswirkungen hat, die für mich völig ausreichend sind. Vor allem frequenzselektiv Energie aus dem Bassbereich herauszunehmen, ist auch in anderen Raumbereichen ausreichend positiv.

Wenn ich aber am Hörplatz sitze, um bewusst Musik zu hören, dann muss dort auch das Optimum geboten werden; lieber nehme ich eine fehler- und kompromissbehaftete Korrektur in anderen Bereichen des Hörraumes in Kauf als im Sweetspot meines bevorzugten Hörplatzes.

Grüße
Fujak
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Beitragvon freezebox » 26.05.2016, 20:14

Hallo Simon,

ich stimme meinen beiden Vorrednern zu. Für mich ist es vor allem die zeitliche Korrektur, die Hans-Martin schon erwähnt hat, die es für mich überflüssig macht über eine raumweit funktionierende Korrektur nachzudenken. Bei mir ändert sich schon das eingestellte delay zwischen den Treibern abhängig vom Hörabstand zu den Lautsprechern. Von einer Korrektur im Zeitbereich (außerhalb der Mittelachse) kann bei einer solchen Herangehensweise keine Rede mehr sein.
Ich habe beim intensiven Musikhören meinen festen Stammplatz. Für Hintergrundbeschallung an anderen Plätzen tut es auch die auf den Stammplatz optimierte Einstellung, die meist auch im gesamten Raum eine Verbesserung bewirkt.

Grüße,
Jörn
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Beitragvon wgh52 » 26.05.2016, 21:56

Mein Ansatz ist etwas anders, geht aber auch eher in Richtung "gutmütig" oder "moderat". Ich gehe in drei Schritten vor:

● Moderate FIR Linearisierung von Frequenz- und Phasengang des Lautsprechers (Sweep-Messung wird auf Reflektionsfreiheit gefenstert) ab 300-400 Hz
● Raummessung am Hörplatz (oder den Hörplätzen) und Behandlung der (dröhnenden) Moden mit (schmalbandigen) parametrischen IIR Filtern bis max. 300 Hz
● Abstimmung auf bevorzugte Tonalität am Hörplatz mit (breitbandigen) parametrischen IIR Filtern.

Damit bekomme ich überall guten Klang, mit Optimierungsfokus auf den Hörplatz. Alternativ habe ich die Möglichkeit neben dieser Abstimmung weitere Abstimmungen, z.B. für einen anderen oder grösseren Sweetspot, per Fernbedienung abrufbar abzuspeichern (noch nicht im Einsatz).

Gruß,
Winfried

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Beitragvon uli.brueggemann » 27.05.2016, 09:16

So man denn unbedingt an mehreren Punkten im Raum messen möchte, gibt es mit Acourate folgende Lösungen (Voraussetzung: die Messungen mit aktivem Freeze Gain im LSR durchführen):

- Laden der Messkurven und Berechnung einer mittleren Amplitude mit FD-Functions - Amplitude Average

- Laden der Messkurven und Berechnung einer oberen Hüllkurve mit FD-Functions - Amplitude max. Envelope

Bei letzterer Berechnung wird eben eine Hüllkurve aus den maximalen Amplitudenwerten gerechnet und somit alle Peaks stärker bewertet.
Im übrigen ist dies der psychoakustischen Berechnung in Macro1 ähnlich, die aber nicht im Frequenzbereich sondern im Zeitbereich rechnet.

Sofern man dann eine Rechnung nach obigen Verfahren durchgeführt hat, daraus dann mit Macro1 die Pulsantworten Pulse48Lmp und Pulse48Rmp bestimmen und diese dann in den Workspace der Hörplatzmessung kopieren und dann die Korrekturfilter bestimmen.

Ob es hilft? Es ist ja nun einmal ein Vorteil, dass Acourate mit der psychoakustischen Berechnung eben mit einer Messung auskommt und es trotzdem an anderen Plätzen immer noch gut klingt.
Ein Sweet Spot bleibt eben immer ein Sweet Spot, auch wenn man an zig Punkten misst und mittelt.
Insofern bevorzuge ich die Messung am Hörplatz.

Best Grooves
Uli

PS: die vor kurzem hier im Forum diskutierte Mehrfachmessung gemäß Beamforming ist aber definitiv lohnenswert. Hierbei werden dann aber nicht Berechnungen im Frequenzbereich = z.B. Mittelung von Frequenzgängen durchgeführt, sondern Mittelungen im Zeitbereich = Addition von n Pulsen / n. Dabei werden seitliche Reflektionen weniger bewertet, das Gewicht liegt mehr auf dem Direktschall.
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Beitragvon FoLLgoTT » 27.05.2016, 13:57

Hallo Uli,
uli.brueggemann hat geschrieben:PS: die vor kurzem hier im Forum diskutierte Mehrfachmessung gemäß Beamforming ist aber definitiv lohnenswert. Hierbei werden dann aber nicht Berechnungen im Frequenzbereich = z.B. Mittelung von Frequenzgängen durchgeführt, sondern Mittelungen im Zeitbereich = Addition von n Pulsen / n. Dabei werden seitliche Reflektionen weniger bewertet, das Gewicht liegt mehr auf dem Direktschall.


Was meinst du damit genau? Quasi eine 3D-Messung (also an minimal versetzten Positionen), um die Richtung der Reflexionen zu bestimmen und zu bewerten? Also eine Art Triangulation, die dank nur einem Mikrofon zeitversetzt durch mehrere Messungen erzeugt wird?
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Beitragvon uli.brueggemann » 27.05.2016, 14:00

FoLLgoTT hat geschrieben:Was meinst du damit genau?

Zu faul um in der Suche Beamforming einzutippen ? :wink:
Siehe viewtopic.php?p=118369#p118369

Grüsse
Uli
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Beitragvon FoLLgoTT » 27.05.2016, 14:02

uli.brueggemann hat geschrieben:Zu faul um in der Suche Beamforming einzutippen ? :wink:
Siehe viewtopic.php?p=118369#p118369


Nein, ich habe über Google gesucht, aber da ist es anscheinend noch nicht im Cache. Ich lese es mir mal durch. :wink:
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Beitragvon Daihedz » 27.05.2016, 19:41

Hans-Martin hat geschrieben: ... die Phasendrehungen, wie sie mit Auslöschungen einhergehen sind dann besonders negativ, wenn kein kanalgleiches Verhalten vorliegt. Die Abbildung leidet dann kolossal, Raumtiefe geht verloren.
Das zwingt quasi wieder zur symmetrischen Anordnung des Stereodreiecks im Raum.
Es zwingt auch dazu, bei dem Messort darauf zu achten, dass er keine Node, sonderen eher eine Mode erfasst. Damit wird schon meist die Verschlechterung an einem anderen Hörort vermieden, denn die korrigierten Raummoden sind raumabmessungsbezogen und das ergibt überall Vorteile ...

Fujak hat geschrieben: ... In meinem Hörraum kann ich feststellen, dass eine direkt auf den Hörplatz abgestimmte Korrektur auch in allen anderen relevanten Bereichen des Raumes (also wo ich ebenfalls Musik höre - z.B. am Schreibtisch) positive Auswirkungen hat, die für mich völig ausreichend sind. Vor allem frequenzselektiv Energie aus dem Bassbereich herauszunehmen, ist auch in anderen Raumbereichen ausreichend positiv.

Wenn ich aber am Hörplatz sitze, um bewusst Musik zu hören, dann muss dort auch das Optimum geboten werden; lieber nehme ich eine fehler- und kompromissbehaftete Korrektur in anderen Bereichen des Hörraumes in Kauf als im Sweetspot meines bevorzugten Hörplatzes.

uli.brueggemann hat geschrieben: ... die vor kurzem hier im Forum diskutierte Mehrfachmessung gemäß Beamforming ist aber definitiv lohnenswert. Hierbei werden dann aber nicht Berechnungen im Frequenzbereich = z.B. Mittelung von Frequenzgängen durchgeführt, sondern Mittelungen im Zeitbereich = Addition von n Pulsen / n. Dabei werden seitliche Reflektionen weniger bewertet, das Gewicht liegt mehr auf dem Direktschall.

Welch superwertvolle Infos und Inputs! Ich werde mir in der Folge noch sehr gerne interessehalber die AES-Papers anschauen, welche Klaus erwähnt. Das alles wird mein bisheriges Prozedere sicherlich verändern: Ich werde die ersten Schritte der LS-Entwicklung mittels Beamforming messen, danach die LS zur Hörprobe streng symmetrisch aufstellen und bevorzugt auf ein bloss bescheidenes Volumen im Raum hin (z.B. Würfel von 50cmx50cmx50cm) optimieren, in welchem der Kopf dann beim gepflegten Hören stubenfliegenmässig in der Bewegung der Musik herumhovern darf. Was dann zwei Meter daneben geschieht, darf ich gemäss Eurer wertvollen Erfahrung beruhigt als gut genug besorgt wissen.

Bereicherte Grüsse
Simon
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Beitragvon Hans-Martin » 27.05.2016, 21:59

Hallo Simon,
dein Vorschlag heißt bei Lyngdorfs RoomPerfect "Global" und nach Fujaks Beitrag sitzplatzbezogen "Focus" und bei der neuen Generation von RP kann man den Shark Prozessor sogar 2 Korrekturen für 2 SetUps rechnen lassen, also auch für eine 2. Hörposition seitlich im Raum mit manuell eingestellten Abständen der beiden LS zum Sitzplatz, die die Laufzeitunterschiede ausgleichen.

Um meinen nicht zuende geführten ersten Beitrag zu vervollständigen, möchte ich das Thema "Global" noch einmal aufgreifen, wo an verschiedenen Stellen gemessen die wesentlichen Raumresonanzen erfasst und korrigiert sind, Der unterschiedliche Abstand zwischen LS und Mikrofon verlangt natürlich jeweils nach Normalisierung des Pegels.
Aber es gibt noch eine andere Schwierigkeit, die sich aus dem Phasenverhalten ergibt, welches sich zwischen den Boxen und dem aus der Mitte gerückten Erfassungsort ergibt, wenn beide Boxen gleichzeitig spielen (wie es bei Stereo nun mal die Regel ist). Wie gewichtet man die Einzelkanäle mit ihrem Verhalten gegenüber dem gleichzeitigen Betrieb beider Boxen? Denn seitlich gemessen ändert sich das Pegelverhalten durch den hinzugekommenen Lautsprecher. Viele Aufnahmen haben traditionell den Bass zur Mitte gemischt, um bei Schallplatten den Tiefenschnitt zu vermeiden, und bei Livemitschnitten in Stereo bleibt es nicht aus, dass der dominante Bass beide Mikrofone erreicht. Bei Stereowiedergabe kommt also natürlich Bass aus beiden Boxen, und das Zusammenspiel ist anders als das Einzelverhalten. Wer hat schon Aufnahmen, bei denen Bassignale völlig unkorreliert auf den Kanälen erscheinen?
Wenn man beim Musikhören den Raum seitlich abgeht, hört man mit zunehmender seitlicher Entfernung vom Sweetspot eine Veränderung im Bass, besonders deutlich, wenn der Abstand zur Boxenebene klein ist. Ob mit oder ohne Korrektur, auf der Stereoachse ist der Bass eher richtig als an der Seite. Naheliegend, dass von einer Seite-Messung abgeleitet die Korrektur am Mittelplatz verkehrt erscheinen wird.

Naja, um auf den Punkt zu kommen: Wenn man den Raum auf der (Stereo-)Mittelachse abgeht und den Punkt für besten Klang ohne Korrektur findet, wird er auch nach einer Korrektur für einen oder andere Punkte wiedererkennbar sein, außer es gäbe einen Zeitausgleich für die unterschiedlichen Abstände zu den Boxen wegen eines seitlichen Messplatzes. Damit käme nun alles durcheinander.
Direkt am LS gemessen offenbart sich dieselbe Raumresonanzproblematik wie beim Hörplatz, ist ja schließlich derselbe Raum, derselbe zeitliche Aufbau bei den Resonanzfrequenzen.

Daihedz hat geschrieben:Jede Korrektur ist ein Kompromiss. Dieser vorgeschlagene Kompromiss wäre immerhin etwas besser als die Ausgangssituation ganz ohne Korrektur, und darüber hinaus fände vom Ansatz her keinerlei "Verschlimmbesserung" an den gemessenen Hörorten statt.

Wo könnten realistische Hörorte wohl sein? Entweder auf demselben Sofa neben dem SweetSpot - oder vor/hinter dem besten Hörplatz, oder sowohl als auch.

Ausgehend von identischen Boxen-Rückwandabständen -alles andere wäre wohl indiskutabel für gutes Stereo, auch wenn man immer wieder diese dümmlichen Vorschläge liest, den Abstand zu variieren,und auch, wenn CARA es vorschlägt, bedeutet es praktisch nichts anderes als den unüberhörbaren Zusammenbruch der Fokussierung der Phantomschallquellen- ergibt sich eine Wellenfront, die nebeneinander angeordnete Sitzplätze zeitgleich erreicht, also recht gleichartig, gleichwertig bei Korrektur. Tonal recht ähnlich, ist seitlich vom SweetSpot die Fokussierung der Phantomschallquellen nicht mehr so gut.

Schwieriger sind Hörplätze, deren Abstand von der Bezugswand hinter den Boxen variiert. Aber wenn anstelle der Mode bei der Node gemessen wurde, ist das unpassende Ergebnis vorprogrammiert.

Ich mag die wiedergekäuten Argumente der Korrekturgegner nicht mehr hören.
Sie stammen aus den Anfängen der "Raumkorrektur" und erfolgreiche Korrektursysteme haben Lösungen gefunden, die die genannte Problematik weitgehend eliminieren. Wer sowas konstruieren kann, ist schließlich nicht blöd, was ich aber bei den Gegnern nicht immer erkennen kann, denn wer selbst konstruktiv damit umgegangen ist, entwickelt schnell eine bessere Meinung. Eine Verschlechterung bei Korrektur zeugt von falschem Einsatz der Mittel.
"Wer morgens beim Kaffeetrinken ein stechendes Gefühl im Auge hat, sollte den Löffel aus dem Kaffeepott nehmen."

Beim Frühstück habe ich angefangen zu schreiben, und inzwischen ist noch so manche Anregung gepostet worden. Das Thema ist sicherlich noch nicht vollständig durchdrungen.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Diskus_GL » 07.07.2016, 12:49

Hallo,

ich hab den Beitrag erst jetzt gesehen...vielleicht liest es ja der Fragesteller (unbd es hilft ihm).

Eine Möglichkeit wäre ja auch für mehrere Hörplätze sich entsprechende Korrekturfilter zu ertsellen und dann bei jedem Platzwechsel auf den jeweilgen Filter umschaltenIch habe in meinem Wohnraum auch für drei Hörzonen Filter erstellt, die auch mit unterschiedlicher Gewichtung mal einen engeren Bereich (Einzelplatz) als auch eine grössere Hörzone (4-Sitzer Sofa) beeinhalten.
Mein DRC-System (DIRAC) erfasst sowieso mit 9 Messungen (9 Positionen innerhalb der Hörzone) einen grösseren Bereich und mittelt dann entsprechend einem bestimmten Allgorithmus.
Meine Erfahrung ist auch, das eine grössere Hörzone (mit entspr. weiter auseinanderliegenden Messpositionen) auch im Rest des Raums eine Verbesserung bringt - wenn auch auf Kosten des Einzelplatzes...aber dafür hab ich ja eine Korrektur nur für diesen einen Platz...

DIRAC ist auch ein System, das viel mit Zeitkorrekturen arbeitet und die Raummoden über den Zeitbezug korrigiert. das verbessert die Wiedergabe vor Allem im Bassbereich im ganzen Raum.
Eine schöne Erklärung warum dem so ist findest sich hier: http://bohmeraudio.com/J345/index.php/8 ... eadmore-b3

Böhmer Audio bzw. Legacy habe da auch ein sehr schönes System (Vorverstärker mit DRC und DSP und ADC und DAC.etc...)

Grüsse Joachim
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Beitragvon chriss0212 » 07.07.2016, 15:44

Ich habe ja am "Beam Foarming Experiment" teilgenommen und bin noch immer sehr angetan vom Ergebnis.

Ich würde sagen das sollte jeder der mit Acourate arbeitet mal ausprobieren ;)

Ich kann eigentlich durch die gesamte Wohnung laufen (ist ja eh fast alles nur ein Raum) und finde es überall ziemlich "in Ordnung" ;)

Ich habe noch nie so lange gerne Musik gehört ohne das Setup zu verändern ;)

Klar gibt es wie Uli auch schreibt noch immer einen Sweep Spot... aber wie soll das auch anders sein. Wichtig ist ja, dass der Rest nicht kompletter mist ist ;)

Viele Grüße

Christian
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Beitragvon Diskus_GL » 07.07.2016, 20:16

Hallo Christian,

gibt es hier (oder woanders) infos zum Beam Foaming Experiment? Auf die Schnelle hab ich hier nichts gefunden.
Was verbirgt sich dahinter?

Gruss Joachim
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