Wohnzimmer oder Keller?

Mess- und Korrektursysteme

Beitragvon shakti » 02.04.2018, 11:29

Alwin spricht etwas sehr wichtiges an!, was ist da Ziel?
Studionorm oder gut klingender Wohnraum?
Ich habe mich persönlich fuer eine gute Wohnraum Akustik entschieden,
so dass ich mich auch noch gut und ohne Anstrengung unterhalten kann.

Die Erfahrung von Alwin, bzgl Bassfallen und Platten kann ich hinsichtlich Messungen bestätigen, ich habe in Relation zum verwendeten Material keinen signifikanten Effekt "messen" koennen.

Rein vom Hoeren war der Effekt aber so gut, dass die Bassfallen und Plattenabsorber geblieben sind.

Nach dieser Erfahrung mag ich empfehlen, die gemachten Maßnahmen nicht nur zu messen sondern auch gegenzuhoeren, ob es in die richtige Richtung geht.

Noch eine Anmerkung zum verwendeten Basotects, die Reduzierung der Dicke hat auch einen Einfluss auf den gedämpften Frequenzbereich, dh ist die Wahl fuer das dünnere Produkt eine weitreichendere , als vielleicht bedacht.

Hier ein Beispiel ueber notwendige Materialdicken im Bassbereich:
Ich habe bei mir im Raum eine Resonanz zwischen 60 und 70hz, wenn ich diese mit Bassfallen auch nur ansatzweise angehen will, muss ich zumindest die 1/4 Welle bedaempfen, was einen Bassabsorber mit nahezu 80cm Dicke bedeutet. Da kommt man mit dem Standard 30 oder 40cm Durchmesser Bassfallen nicht weit, diese habe bei 60 bis 70 hz keinen nennenswerten Effekt.

So sind zB auf der Hofa Seite mit gezeigten Beispielen die dreier oder vierer Gruppen von Bassfallen in den Ecken zu erklären. Ich habe nun in einer Ecke eine 4'er Gruppe der Hofa Bassfallen auf dem Boden stehend gehe nur mit der Ecksäule bis zur Decke.

Dies hat der Basswiedergabe auch im tieferen Bereich geholfen.


Viel Spass weiterhin beim konfektionieren!

Gruss
Juergen
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Beitragvon h0e » 02.04.2018, 11:56

Hallo Ralf,

meines Erachtens sind Studionorm und Wohnzimmer nicht zwingend Gegensätze, denn es kommt eben drauf an, wie man das macht und wie man die Maßnahmen "versteckt".
Mit Basotec muss man aufpassen, dass an keine Höhenüberbedämpfung bekommt.
Basotec ist im Bass fast unwirksam im Höhenbereich aber extrem wirksam.
Es gibt m.E. nach zwei große Baustellen:
- frühe Reflektionen (,die da Ohr nicht vom Direktschall unterscheidet und die daher sehr stören) z.B. Boden und Decke oder nahe Wände
- Raummoden, der aufgedickte und oder dröhnende Bass überdeckt alle Details

Für diese beiden Punkte gilt es m.E. nach Maßnahmen zu treffen.
Wenn man den Nachhall auf Studionorm drücken kann ist das zwar toll, aber nicht so zwingend, wie die beiden oberen Punkte.

Grüsse Jürgen
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Beitragvon shakti » 02.04.2018, 12:30

100%
danke Juergen :-)
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Beitragvon schoko-sylt » 02.04.2018, 15:29

shakti hat geschrieben:Alwin spricht etwas sehr wichtiges an!, was ist da Ziel?
Studionorm oder gut klingender Wohnraum?
Ich habe mich persönlich fuer eine gute Wohnraum Akustik entschieden,
so dass ich mich auch noch gut und ohne Anstrengung unterhalten kann.

Lieber Juergen (shakti),

ich glaube, dass Deine o.g. Aussage "so dass ich mich auch noch gut und ohne Anstrengung unterhalten kann" sich nicht verallgemeinern lässt und Du da vielleicht einem Irrtum unterliegst, denn die einschlägige Literatur mit DIN-Normen zu Nachhallzeiten, Sprach-, Silben- und Satzverständlichkeit und die persönliche Erfahrung einschließlich vieler Messungen der sich verändernden Nachhallzeiten (nach Her- und Aufstellung von etlichen Absorbern und Diffusoren) und u.a. auch der Energy Time Curve (ETC) sowie des Modenverhaltens zeigen etwas anderes: Die Sprachverständlichkeit nimmt in Räumen, die eine verkürzte Nachhallzeit bis hin zum Studionormbereich haben, nicht ab, sondern wird besser. Das hat sicherlich auch derjenige schon erlebt, der versucht hat, seinen Raum nach akustik-technischen Kriterien zu verbessern: Stimmen werden wesentlich deutlicher, die Verständlichkeit von einzelnen Wörtern wird erheblich besser, mitunter werden diese das erste Mal überhaupt nach Jahren verstanden (z.B. Wörter in fremdsprachlichen Songtexten). Ältere Menschen, die schlecht hören können und mit Hörgeräten versorgt sind, nehmen plötzlich wieder an Gesprächen teil, weil das Führen und Wahrnehmen von Gesprächen in Räumen mit optimierter Akustik leichter ist.

Natürlich führt eine zu starke Absenkung der Nachhallzeit insbesondere ab dem Mitteltonbereich aufwärts zu steriler Musikdarstellung, die keinen Spaß mehr macht, hingegen zum Mastern gut geeignet wäre. Aber das ist ja bereits geschehen :wink: . Eine zu starke Absenkung der Nachhallzeit im Tieftonbereich hingegen gibt es meines Wissens nicht, hier gilt, je kürzer, desto besser (siehe auch http://www.sengpielaudio.com/DasVernach ... dament.pdf). Feinste Verästelungen der Musik, aber leider auch Störgeräusche wie Aufnahme- oder Masteringfehler tauchen plötzlich auf, die vorher Jahr(e)zehnte unentdeckt blieben.

Natürlich müssen auch andere Einflußfaktoren (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) stimmen, wie:
- die Unterbindung von Moden
- die Energy Time Curve (ETC), die Auskunft gibt über den Direktschall, frühe störende Reflektionen (je nach Literaturstelle meist innerhalb der ersten 20ms auftretend) und spätere nicht störende Reflektionen, die dem diffusen Nachhall zugeordnet werden
- der allgemeine Störgeräuschpegel
- etc.

Folgende Links aus einer ganzen Flut von Beiträgen zur Sprachverständlichkeit u.a. von Anselm Goertz helfen hier weiter:

http://www.ifaa-akustik.de/files/zvei-e ... goertz.pdf

oder: https://www.professional-system.de/basi ... r-din18041

oder auch: https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q= ... WnHcPmv_US

Ich zitiere auszugsweise (Es geht hier in erster Linie um die Sprachverständlichkeit in Klassenzimmern, andere Räumlichkeiten u.a. für Musikunterricht, - darbietung werden aber ebenfalls erwähnt. - Mir ist natürlich schon klar, dass Du nicht in einem Klassen-, sondern Wohnzimmer lebst, aber das Thema Sprachverständlichkeit hat dort genauso Gültigkeit.):

Danach sollten Klassenräume in der üblichen Größe von ca. 250 m³ Nachhallzeiten im Bereich von 0,4 bis 0,6 s aufweisen (s. auch [8]). Verschiedene Studien empfehlen für Grundschulen und Vorschulen noch geringere Nachhallzeiten von ca. 0,3 s [10].

Kürzere Nachhallzeiten sind in beiden Fällen als förderlich für die Verständlichkeit von Sprache einzustufen. Dies berücksichtigt die Kategorisierung der A-Räume – also der Räume, in denen über einige Entfernungen kommuniziert wird. Von A1 bis A4 wird die Nachhallzeit immer kürzer, und mit der Kennzeichnung „inklusive“ wird jeweils die Kategorie mit der kürzeren Nachhallzeit als geeignet für höreingeschränkte und nicht muttersprachliche Zuhörer eingestuft.

Weiterhin muss immer ein ausreichender Grad der Diffusität im Verhältnis zur Schallabsorption gewahrt bleiben, der schwierig zu erreichen, geschweige denn a priori vorherbestimmbar ist (siehe Hamburger Elbphilharmonie). Auch hierzu gibt es unendlich viele Untersuchungen mit Verfechtern des LEDE-Prinzips (u.a. der geschätzte Eberhard Sengpiel), also Absorption vorn im Bereich der Monitore, Diffusität hinter dem Hörer, aber auch renommierten Autoren, Masteringingenieuren und Akustikern, nach deren Meinung es gerade anders herum sein sollte. Hier sollte jeder den für sich geeigneten Weg ins audiophile Nirvana finden.

Lieben Gruß
Holger


h0e hat geschrieben:Es gibt m.E. nach zwei große Baustellen:
- frühe Reflektionen (,die das Ohr nicht vom Direktschall unterscheidet und die daher sehr stören) z.B. Boden und Decke oder nahe Wände
- Raummoden, der aufgedickte und oder dröhnende Bass überdeckt alle Details.

Für diese beiden Punkte gilt es m.E. nach Maßnahmen zu treffen.
Wenn man den Nachhall auf Studionorm drücken kann ist das zwar toll, aber nicht so zwingend, wie die beiden oberen Punkte.

Lieber Jürgen (h0e),
vielleicht geht ja auch alles? :wink:

Liebe Grüße
Holger
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Beitragvon Eusebius » 02.04.2018, 16:36

Hallo!

Zur Sprachverständichkeit: Ja, sie nimmt mit steigender Bedämpfung des Raumes zu. Gleiches gilt für Feinheiten der Wiedergabe, die damit deutlicher werden.
Allerdings wird die Sprache auch gerichteter: Wenn zwei Leute in meinem Raum Rücken an Rücken zu einander sprechen, hören sie sich leiser als sonst.
Starke Absenkung der Nachhallzeit führt NICHT zu steriler Wiedergabe - jedenfalls dann nicht, wenn man die Nachhallzeiten gleichmäßig senkt.
Je mehr Direktschall ich mitbekomme, desto klarer wird es und desto näher bin ich am auf dem Tonträger gespeicherten "Original".
Im Umkehrschluss würde deine Aussage ja bedeuten, dass Aufnahmen von sich aus "steril" sind - denn sie sind das Signal abzüglich Hörraum.
Moden- und Reflexionsbekämpfung sind natürlich unstrittig.

Der Vergleich mit der Elbphilharmonie zeigt einen immer wieder anzutreffenden Trugschluss in der Argumentation:
AUFNAHME- und WIEDERGABE-Raum haben nichts (!) mit einander zu tun und sind absolut nicht vergleichbar.
Wenn ich den natürlichen Nachhall eines Konzertsaals oder einer Kirche bei mir zu Hause wiedergeben will, wird das umso echter, je weniger Hall mein eigener Raum dazu gibt.

Was immer unterschlagen wird:
Je mehr zufälligen Diffusschall ich wegnehme, desto gleichmäßiger wird der Frequenzgang am Hörplatz, weil damit der vom Hersteller konzipierte - ja wohl möglichst glatte - FG auch am Hörplatz immer weniger verbogen wird.

Gruß!
Rainer
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Beitragvon music is my escape » 02.04.2018, 18:15

Hallo an alle,

Die von Rainer geschilderten Erfahrungen entsprechen auch den meinigen.

Die in gut bedämpften Räumen oftmals verspürte geringere Sprachverständlichkeit bezieht sich zumeist auf mehr oder minder indirekte Kommunikation - stehen sich die Labertaschen jedoch Auge in Auge gegenüber, klingt es umso besser. Der Lautsprecher muss natürlich dann zu so einem Raum passen und gut bündeln, Konzepte, welche das nicht tun bzw. u.U. sogar bewusst den indirekten Schall mit einbeziehen, funktionieren hier nicht sonderlich gut.

Grüße,
Thomas
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Beitragvon Eusebius » 02.04.2018, 18:26

Hallo Thomas!
Ist klar. Da hast du recht.

Noch ein Aspekt, der auch selten genannt wird:
Eine Absenkung der Nachhallzeiten führt zu einer Steigerung der Dynamik.
Der zeitlich nacheilende Diffusschal in wenig bedämpften Räumen legt sich wie eine Bodensatz in die Dynamik-"Löcher" und ebnet die dynamischen Unterschiede etwas ein.
Die gesteigerte Dynamik in stark und richtig bedämpften Hörräumen erhöht daher auch die Spritzigkeit der Wiedergabe - ganz im Gegenteil zur oft behaupteten "Müdigkeit" des Klangs.

Rainer
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Beitragvon schoko-sylt » 02.04.2018, 22:02

[quote="Eusebius"]Hallo!

Hallo Rainer,

aus Deiner Anrede geht leider nicht hervor, wen Du mit "Hallo" meinst. Ich dachte eigentlich, dass sich in diesem Forum die Teilnehmer aus Höflichkeitsgründen mit Vornamen ansprechen. Es wurde ja schon häufiger bemängelt, dass jemand seinen Namen nicht unter seinen Beitrag gesetzt hat. Das kann ich hier aber nicht erkennen, und da Du dich meines Erachtens auf den davor stehenden Beitrag beziehst, antworte ich mal stellvertretend für "Hallo".


Holger schrieb: "Natürlich führt eine zu starke Absenkung der Nachhallzeit insbesondere ab dem Mitteltonbereich aufwärts zu steriler Musikdarstellung, die keinen Spaß mehr macht, hingegen zum Mastern gut geeignet wäre."
Rainer schrieb: "Starke Absenkung der Nachhallzeit führt NICHT zu steriler Wiedergabe - jedenfalls dann nicht, wenn man die Nachhallzeiten gleichmäßig senkt."
Holger meint: Eine zu starke Absenkung der Nachhallzeit in gut präparierten Abhörräumen führt letztendlich zu einem Verlust an Reflexionen und damit Diffusität und damit zu weniger Freude an der Musik, egal, wie gleichmäßig sie auch immer erfolgt. Dafür gibt es Normbereiche nach DIN. Deiner Aussage zufolge könnte man ja die Nachhallzeit bis auf wenige ms senken und dabei viel Spaß an der Musik haben. Hast Du schon einmal mit Freude in einem reflexionsarmen Raum Musik gehört? Dort kannst Du zwar Lautsprecher abstimmen und Tonaufnahmen für Hörspiele machen, die von der Akustik wie "draussen im Freifeld aufgenommen" klingen sollen, aber nicht mit Vergnügen Musik hören. Außerdem schrieb "Holger", dass eine zu starke Absenkung ab dem Mitteltonbereich ... keinen Spaß mehr macht, aber zum Mastern gut geeignet wäre. Nicht zum Abmischen, sondern zum Mastern! Noch ein Zitat aus der Neumann Homepage "Wie lässt sich die Raumakustik im Home Studio günstig optimieren? Wie wir in der letzten Folge gesehen haben, sind die akustischen Anforderungen für Aufnahme und Mixing sehr unterschiedlich: Die meisten Instrumente klingen am besten mit der richtigen Prise Raumklang – „acoustic support“, wie der legendäre Toningenieur Bruce Swedien es nennt. Fürs Mixing brauchen wir jedoch einen Raum, der möglichst wenig Eigenklang besitzt, d. h. einen akustisch eher „toten“ Raum, damit wir bei der Wiedergabe die aufgenommenen Signale unverfälscht beurteilen können. Die große Frage ist, wie können wir beide akustischen Anforderungen in einem Raum erfüllen?"


Rainer schrieb: "Je mehr Direktschall ich mitbekomme, desto klarer wird es und desto näher bin ich am auf dem Tonträger gespeicherten "Original"."
Aber nur, wenn Dein Abhörraum dem Originalaufnahmeraum exakt entspricht. Das dürfte in den meisten Fällen schwierig werden.


Rainer schrieb: "Im Umkehrschluss würde deine Aussage ja bedeuten, dass Aufnahmen von sich aus "steril" sind - denn sie sind das Signal abzüglich Hörraum."
Aufnahmen sind meiner Ansicht nach das Signal plus den Informationen des Aufnahmeraumes. Dass diese manchmal steril oder totkomprimiert sind, ist heute leider allzu häufig der Fall, siehe DRM-Debatte.


Rainer schrieb: "Der Vergleich mit der Elbphilharmonie zeigt einen immer wieder anzutreffenden Trugschluss in der Argumentation:AUFNAHME- und WIEDERGABE-Raum haben nichts (!) mit einander zu tun und sind absolut nicht vergleichbar.
Wenn ich den natürlichen Nachhall eines Konzertsaals oder einer Kirche bei mir zu Hause wiedergeben will, wird das umso echter, je weniger Hall mein eigener Raum dazu gibt."
Holger meint: Den natürlichen Hall eines Konzertsaales oder einer Kirche kannst Du bei Dir gar nicht wiedergeben, weil Du in einem kleinvolumigen Raum abhörst. Dass Aufnahme- und Wiedergaberaum nichts miteinander zu tun haben, war mir auch ohne Dein Ausrufezeichen vorher klar.
Holger schrieb: "Weiterhin muss immer ein ausreichender Grad der Diffusität im Verhältnis zur Schallabsorption gewahrt bleiben, der schwierig zu erreichen, geschweige denn a priori vorherbestimmbar ist (siehe Hamburger Elbphilharmonie)."
Die Dir wahrscheinlich nicht bekannten Nachhallzeiten der Elbphilharmonie lassen die Schwierigkeiten der Abstimmung eines Saales (besetzt, unbesetzt etc.) in Bezug auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Absorption und Diffusität erkennen. - Ich möchte das an einem Beispiel erläutern: Anläßlich eines Konzertes 6 Monate nach Eröffnung der Elbphilharmonie setzte sich in der Pause eine Bassistin des Philharmonischen Staatsorchesters zufälligerweise neben meine Frau und mich und erklärte, dass bedingt durch die unterschiedlichen Nachhallzeiten und nicht ausreichende Diffusität des Raumes die Kohärenz des Orchesters erst wieder mühsam erarbeitet werden müsste. Wenn alles so genau berechenbar gewesen wäre, hätte der als einer der weltweit führenden Akustiker geltende Japaner Yasuhisa Toyota sicher alles richtig gemacht und es dem Orkester erleichtert, die Balance schnell wieder zu finden. Hat er aber nicht, wie unzählige Kommentare kompetenter Menschen behaupten (siehe öffentlich geäußerte Kritiken an der Akustik des Saales).
Wenn nun in der Elbphilharmonie eine Musikaufnahme gemacht wird, ist der Wiedergaberaum des Orchesters der "Aufnahmeraum" des Tontechnikers, also der Raum, in dem mit den Mikrophonen das Signal aufgenommen wird. Das das Mischen in einem Nebenraum erfolgt, ist bekannt. Nach Aufnahme und Mastering wird die Aufnahme dann letztendlich beim Konsumenten in dessen Abhörraum wiedergegeben und kann ungeachtet aller Diskussionen über Nachhallzeiten, Sprachverständlichkeit und Diffusität aus den oben genannten Gründen niemals dem Original entsprechen.

Grüße :cheers:
Holger
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Beitragvon music is my escape » 03.04.2018, 08:24

Hallo Holger,

Du schreibst:

"Rainer schrieb: "Je mehr Direktschall ich mitbekomme, desto klarer wird es und desto näher bin ich am auf dem Tonträger gespeicherten "Original"."
Aber nur, wenn Dein Abhörraum dem Originalaufnahmeraum exakt entspricht. Das dürfte in den meisten Fällen schwierig werden."

Dieser Satz ist für mich einer der Knackpunkte Deiner Argumentation und darüber zu philosophieren beinahe müßig, zu verschieden sind einerseits die Erwartungen/ Definitionen von "Original" und andererseits die zuvor erfolgten Produktionen.

Geht man stark vereinfachend davon aus, dass die Aufnahme mit neutralem Equipment in einem neutralen Raum erstellt wurde, benötigt man tatsächlich nicht viel mehr als eine neutral aufspielende Kette in einem nicht großartig auffälligen Raum, um das zu hören, was der Toni bei der Produktion gehört hat und in den meisten Fällen von zumindest ansatzweise anspruchsvoll aufgenommener Musik fährt man damit auch am besten, da es den kleinsten gemeinsamen Nenner darstellt.

Praktisch ist man damit dennoch u.U. weit entfernt davon, jede Aufnahme so zu hören, wie es beim Toni klang und noch weiter davon, wie er es sich vorgestellt hat, dass es beim Konsumenten klingt - vom eigentlichen Konzert o.ä. garnicht zu sprechen.

Nur mal exemplarisch und kurz die reine Abhörseite betrachtet: Die meisten Aufnahmen werden auf versch. Monitoren gecheckt, Kopfhörer kommen zum Einsatz, das obligatorische Küchenradio spielt eine Rolle und der Assi, der mit dem Tape kurz zum Auto rennt, um die Aufnahme dort zu checken und anschließend ggfs. anzupassen, ist auch kein erfundenes Klischee.
Jede Aufnahme ist ein kleinerer, oftmals größerer Kompromiss aus physischen (Un)Abwägbarkeiten und dem, was sich der Mischer vorstellt, wie es beim Kunden klingt, dieser es sich vermutlich wünscht und des Mixers eigenen Vorstellungen. Dazu kommen die der Künstler/ Interpreten, deren Manager, die des Produzenten, Finanziers etc... und zum Schluss hat man erstaunlicherweise dennoch zumeist immer noch etwas, was man sogar auf guten Anlagen genießen kann.

Wenn man dann zuhause über einen neutralen Raum und transparentes Equipment verfügt, hört sich das u.U. und mit etwas Glück auch noch nach ziemlich genau dem Kompromiss an, den sich die versammelte Baggage entschieden hat, als final auf CD zu brennen... :mrgreen:

Ob das dann aber auch tatsächlich so rüberkommt, wie gehofft - geschweigedenn in der Lage ist, das Konzert/ Geschehen im eigentlichen Aufnahmeraum glaubwürdig zu simulieren, steht leider wieder auf einem ganz anderen Blatt.

Grüße,
Thomas

:cheers:
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Beitragvon Eusebius » 03.04.2018, 09:09

Hallo Thomas!

Mein Bestreben ist in der Tat, möglichst genau das zu hören, was auf dem Tonträger gespeichert ist.
In wieweit das dem "Original" entspricht, wird oft und gerne diskutiert und infrage gestellt.
Meine eindeutige Erfahrung ist aber: Fast immer sind die Tonträger weit besser, als bei der Wiedergabe in üblichen Wohnräumen gezeigt werden kann.

Als Klassikliebhaber, Konzertgänger und selbst Musizierender habe ich durchaus eine genaue Erwartungshaltung, was den Klang von Orchestern, Sängern, Ensembles, Klavier etc betrifft.
Je radikaler ich mich der reinen Stereo-Phonie genähert habe (3x60 Grad-Dreieck, radikale, aber gleichmäßige Bedämpfung des Raums, sauber wiedergebende Komponenten etc), desto besser klingt jede (!) Aufnahme.
Das oft zu hörende wohlfeile Argument "Je besser das Setup, desto gnadenloser werden die Fehler der Aufnahme aufgedeckt", ist nur die halbe Wahrheit: Üblicherweise liegen die Fehler vor allem bei der Wiedergabe.
Werden die minimiert, bleiben im Prinzip nur die "Fehler" oder "Schwächen" der Aufnahme übrig.
Und die sind weitaus weniger stark ausgeprägt, als oft angenommen wird.

Da wird es z.B. zum Erlebnis, ein Streichquartett in voller Origniallautstärke zu hören, weil nichts mehr aggressiv oder scharf klingt, weil Klangfarben und Proportionen stimmen etc.

Gruß!
Rainer
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Beitragvon Thomas K. » 03.04.2018, 13:24

Eusebius hat geschrieben:Je radikaler ich mich der reinen Stereo-Phonie genähert habe (3x60 Grad-Dreieck, radikale, aber gleichmäßige Bedämpfung des Raums, sauber wiedergebende Komponenten etc), desto besser klingt jede (!) Aufnahme.
Das oft zu hörende wohlfeile Argument "Je besser das Setup, desto gnadenloser werden die Fehler der Aufnahme aufgedeckt", ist nur die halbe Wahrheit: Üblicherweise liegen die Fehler vor allem bei der Wiedergabe.
Werden die minimiert, bleiben im Prinzip nur die "Fehler" oder "Schwächen" der Aufnahme übrig.
Und die sind weitaus weniger stark ausgeprägt, als oft angenommen wird.

Da wird es z.B. zum Erlebnis, ein Streichquartett in voller Origniallautstärke zu hören, weil nichts mehr aggressiv oder scharf klingt, weil Klangfarben und Proportionen stimmen etc.

Gruß!
Rainer


Hallo Rainer, hallo Thomas und der illustre Rest,
obengennantes kann ich voll und ganz unterschreiben. Wobei mein Ansatz auch dem von Rainer sehr ähnlich ist,
trotz des anderen Equipments.
Was mir aufgefallen ist, ist die tatsache, daß hier ein Dissenz besteht, bezüglich der Bedämpfung.
Mir geht es wie Rainer, meine Anlage hat an Dynamik zugenommen, seit ich den Raum stärker bedämpft habe.
Allerdings waren da ein paar Versuche nötig.
Die erste Maßnahme ging in die Hose. Ich hatte Basotect Profile an der Seitenwand aufgestellt, welche mir freundlicher weise von unserem Forenkollegen "Heule" (Oliver) zur Verfügung gestellt wurden.
Sie sollten dem Zweck dienen die seitlichen, frühen Reflektionen zu verhindern.
Dabei konnte man mühelos feststellen, daß man mit Basotect schnell übers Ziel hinausschießen kann.
Mit mehreren Elementen klang es wirklich bald sehr müde.
Ein voller erfolg waren dann diese Elemente
https://www.thomann.de/de/eq_acoustics_ ... _black.htm
Ich habe sie aber nicht in den Ecken platziert, sondern links und rechts im 60 Grad Winkel gestaffelt an der Seitenwand vor gefüllten Regalen
Ergebnis: rasante knackscharfe Wiedergabe.
So etas sieht im Wohnzimmer natürlich bescheuert aus, allerdings sind die Teile so leicht, daß man sie problemlos dazustellen, bzw. entfernen kann.
Mit den Einschränkungen bezüglich Sweetspot, wie von Rainer beschrieben muß man dabei natürlich leben können.

Viele Grüße
Thomas
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Beitragvon AktivMike » 08.04.2018, 14:38

Ralf77 hat geschrieben:Hallo zusammen,
Ich starte jetzt einfach mal mit einem Versuch.
Werde aber mein 12qm Deckensegel dann erst mal auf 9qm reduzieren.
Parallel werde ich aber anstelle einer 10mm starken Platte auf 2x 7mm wechseln (6mm gibt es im Shop nicht).

Hallo Ralf,

hast Du schon ein Versuch gemacht?
Eigentlich dürften die Genelec 8351A dem nach, nicht so anspruchsvoll auf Akustikmaßnahmen reagieren. Ist also recht einfach eine gut klingende Raumakustik zubekommen. ;)

Gruß
Mike
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Beitragvon Rudolf » 08.04.2018, 14:41

Liebe Freunde,

ich habe einige Beiträge wegen mangelnden Themenbezugs aussortiert. Bei Bedarf bitte ich diese Diskussionen in anderen Threads fortzuführen.

Viele Grüße
Rudolf
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Beitragvon Ralf77 » 08.04.2018, 20:31

Hallo Mike,
Ich habe Basotect bestellt und warte auf die Lieferung. Letztendlich wird es ein 9qm Deckensegel mit 14mm Stärke. Aufgebaut wird das Segel mit 100x50x70 Platten. Dadurch kann ich dann etwas mit der Dicke spielen.

Zudem habe ich mit ein Mikrofon bestellt. Damit werde ich dann mit REW Messungen machen und versuchen zu verstehen, was durch die Änderungen passiert ist.

Zusätzlich habe ich noch 4qm Vicoustic.
Zudem warte ich noch auf den Teppichboden und die Heizungn.
Es ist fast unmöglich einen Handwerker zu bekommen. Die haben Wartezeiten von 6 Monaten... :shock:

Grüße,
Ralf
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