Kalibrierung von Messmikrofonen

Mess- und Korrektursysteme

Beitragvon FoLLgoTT » 10.07.2015, 13:36

Hans-Martin hat geschrieben:Was passiert mit der Wahrnehmung der Deckenreflexion, die bei senkrecht nach oben gerichtetem Mikrofon oberhalb 1kHz betont wird, weil sie irgendwo zwischen 90° und 0° kommt? Auch unser Ohr ist in dieser Richtung Höhen-sensitiver (HRTF) im doppelten Sinne.

Das Problem ist doch, dass ein zu den Höhen hin bündelndes Mikrofon immer falsch misst, egal, wie es ausgerichtet wird. In jeder Richtung werden andere Reflexionen über- oder untergewichtet. Von daher kann ich auch die Argumentation von HSB nicht nachvollziehen.

HSB hat geschrieben:Die meisten dieser energiereichsten Reflexionen finden also in der horizontalen Ebene statt - und da misst das unter 90° kalibrierte und senkrecht ausgerichtete Mikrofon ja per Definition richtig, also werden diese Reflexionen energetisch richtig gewichtet!

Denn das ist nicht allgemeingültig. Es kommt erheblich auf die Raumgeometrie und die Positionen der Lautsprecher und des Hörers an, welche Reflexionen den größten Pegel aufweisen. Bei mir sind es z.B. die von Boden und Decke. Die sind um ein vielfaches stärker als die seitlichen. Ganz einfach deswegen, weil die Seitenwände weiter entfernt sind.

Abgesehen davon, dass ich über 10 kHz sowieso nichts entzerre, kann dieser Messfehler nur durch eine sehr kleine Kapsel verringert werden. Ich benutze ein Audix TM 1, das kleiner ist als die üblichen Behringer & Co und dementsprechend weniger stark bündelt. Zudem ist es sehr pegelfest und somit für die Messung von nichtlinearen Verzerrungen geeignet. Dafür taugen die Billigmikrofon in der Regel auch nichts (die Messungen von HSB mit deren ECM8000 zeigen z.B. alle viel zu hohen Klirr).

Ich messe im Raum immer nur einen Lautsprecher und immer direkt ausgerichtet. Beide gleichzeitig zu messen, ist nur im Bass und Grundton sinnvoll, weil hier das Musiksignal in der Regel zunehmend monaural abgemischt ist und die Modenverteilung mit zwei Schallquellen eine komplett andere ist.

Gruß
Nils
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Beitragvon Hans-Martin » 12.07.2015, 20:58

frankl hat geschrieben:
Ich kann Dir versichern, dass ich bei mir nicht mit angenageltem Kopf höre. Es ist schon so, dass das Klangbild regelrecht einrastet, wenn man sich an den vorgesehenen Sweetspot setzt, übliche Bewegung, sagen wir 20 cm vor oder neben dem gemessenen Platz, sind aber klanglich kein Problem.

Hallo Frank

Es ging nicht um Zweifel an deiner Darstellung, auch bei mir war das klangliche Ergebnis auf den ersten Eindruck überragend, aber der Sweetspot war bei mir beim genaueren Hinhören sehr sehr klein. Ein Dilemma.

Die Frage nach dem Korrektursystem war eigentlich die Frage nach der vorgegebenen oder selbstgestalteten Zielkurve. Es ging auch nicht um 20cm, sondern erstaunlicherweise um 2cm Kopfbewegung. Die Wahrnehmung fand ich eindeutig - und ich habe nach Erklärungen und Lösungen gesucht. Ein Dilemma zwischen Perfektion und praktischer Ohrhabkarkeit, das nach Lösung sucht.

Eine einfache Lösung ist die Deaktivierung der Korrektur oberhalb 2kHz, wobei ich auch schon in anderen Fällen bis unter 600Hz* gegangen bin. Ich möchte aber hier ab 2kHz betrachten. Zufällig (?) divergiert ab dieser Frequenz die Kalibrierkurve auf Achse und unter 90°. Zufällig (?) verlangt man bei Lautsprechern ein höheres Bündelungsmaß ab dieser Frequenz, weil sonst die Seitenwandreflexionen Überhand nehmen und den Klang verfärben. Zufällig (?) hat das Außenohr eine stärkere Ausrichtung zur Seite ab dieser Frequenz. Vielleicht lassen sich noch mehr Aspekte auflisten. Die Deaktivierung der Korrektur oberhalb 2kHz scheint mir ein probates Mittel, unbeherrschte Aspekte vor falscher, weil pauschaler Korrektur zu bewahren.

Bei der Korrekturberechnung geht die Zielkurve und die Kalibrierung rechnerisch gleichermaßen mit ein, die Messung wird als Grundlage stillschweigend als gegeben ohne Einschränkung akzeptiert. Die Frage nach dem Korrektursystem war eigentlich die Frage nach der Messauswertung, wie das Zeitfenster gesetzt ist, wie geglättet wird.

Die Frage nach dem Korrektursystem war eigentlich die Frage nach der Zahl der Filtertaps bei der Korrektur. Ich meine, dass eine optimale Kalibrierdatei dem Rechnung trägt, wie die Glättungsalgorithmen der Messauswertung auch.

Eigentlich weiß ich nicht, was ich gemessen habe (früher habe ich immer geschrieben: wir wissen nicht, was wir wirklich messen, aber das ist nicht angemessen). Wenn jemand mehr darüber weiß - er sei hiermit aufgefordert, sein Wissen hier einzubringen.

Wenn schon eine ergänzende Kalibrierdatei zur unabdingbaren axialen Kalibrierung mitgeliefert wird, dann doch bitte auch eine bezogen auf 30°. Dann könnte man an einem Punkt messen, ausgerichtet auf die Stereomitte, und hat die Kalibrierung für die Boxenposition. Das hat einen Vorteil, die erste Seitenwandreflexion würde schon etwas ausgeblendet.

Diskutiert werden sollte die Beschrängung auf einen Messpunkt gegenüber 2 Punkten, den Ohrpositionen entsprechend. Letztere wird bei Kopfbewegung hinfällig. Erstgenannte ist sowieso irrelevant, weil da kein Ohr ist, schon gar nicht gleichberechtigt beide. Ein Dilemma, das nach Lösung sucht. Die Messung an 2 Punkten führt zur Korrektur dieser Punkte. Nicht zur Korrektur der Nachbarschaft. Die Bewegung in diesem Bereich verlagert die Hörposition beider Ohren um einen gleichen Schwenkwinkel bei Neigung und/oder um einen gleichen seitlichen Versatz.

Da bei Stereowiedergabe viele Phantomquellen zwischen den Boxen möglichst scharf geortet werden sollen, und Raumkorrektursysteme dieses idR deutlich verbessern, der Protagonist, Solist, Mittenposition von Gleichphasigkeit und Pegelgleichheit dominiert wird, bringt eine Verschiebung der Hörposition vom Sweetspot weg eine Menge von geänderten Interferenzmustern im realen Schallfeld von 2 kohärenten Quellen (Lautsprecher, Gleichphasigkeit bei der Abstrahlung, nicht gemeint mögliche Phasendifferenzen in der Aufnahme) und deren Wandreflexionen.

Ich meine nun nach meiner Beobachtung, dass die Messung an 2 Punkten eben diese lokalen Interferenzmuster korrigiert, was sich als kontraproduktiv erweist (meine Wahrnehmung), weil die natürliche Bewegung des Hörers im Schallfeld unbewusst vollzieht, um besser zu orten, hier aber neben den raumbezogenen Mustern noch die auf den anderen Punkt bezogenen Korrekturen lasten, die zum neuen Locus nicht passen. In den Interferenzmustern gibt es Minima und Maxima. Misst man an einem Punkt auf Stereomitte, also identischem Abstand zu beiden Boxen, ist der Abstand des Mikrofons zu den reflektierenden Flächen des Raum identisch. Bei der 2-Punkt-Messung kommen an dieser Stelle Abweichungen zwischen den Kanälen hinzu, die die Korrekturen dekorrelieren.

Und da sind es gerade die lästigen Zischlaute, bei denen eine seitliche Bewegung zum Auf beim einen Ohr, zum Ab beim anderen führte, wie ich es von der Messung am gemeinsamen Mikrofonstandort nicht kannte. Dann lieber oberhalb 2kHz nicht korrigieren, sage ich.

Da mit digitaler Raumkorrektur vorrangig der Bassbereich vorausentzerrt wird, erreicht man eine schlankere Basswiedergabe. Da fällt eine Höhenanhebung der Korrektur zunächst nicht so sehr auf. Weil die Messung, mit Mikro auf Stereoachse (und nicht auf den jeweiligen Lautsprecher) ausgerichtet, tatsächlich nicht mehr die Linearität wie auf 0°enthält. Der Höhenabfall am Mikrofon wird bei Korrektur (über-)kompensiert, wenn man die Zielkurve nicht entsprechend abknicken lässt. Dann lieber oberhalb 2kHz nicht korrigieren, sage ich.

Die Frage nach dem Korrektursystem war eigentlich die Frage nach dem Korrekturfrequenzbereich, es gibt Systeme, die sich auf den Grundtonbereich beschränken.

Auch wenn dieser Thread den Schwerpunkt Mikrofonkalibrierung hat, sind die anderen Aspekte unmittelbar damit verknüpft, wie Ausrichtung des Mikrofons und damit verkoppelte Probleme, Messauswertung / Glättung, Korrekturbereich/Zielkurve und Richtwirkung des Lautsprechers mit den reflektierten Schallanteilen, die das Mikrofon erreichen und die Messung anders beeinflussen als die Ohrausrichtung des Hörers bewertet. Kugelcharakteristik gilt bei (bis)1kHz, darüber hat das Mikrofon eine eigene Charakteristik. Will man bis 20kHz korrigieren, wird man sich zwangsläufig im Detail mit der Mikrofonmesstechnik beschäftigen müssen, um eine überzeugende Korrektur erreichen.

Grüße Hans-Martin

*) Ich habe immer wieder festgestellt, dass ab einer Frequenz * aufwärts von beiden Lautsprechern sehr ähnliche FG gemessen wurden. Unterhalb * divergierten Raum-/LS-Platzierungs-bedingt die Frequenzgänge. Warum bei einer Mikrofonposition am Sitzplatz der Hochtonbereich beider Kanäle sich so (relativ zum Bass/Mitteltonbereich) gleichartig verhält, obwohl der Schall aus verschiedenen Richtungen (eben von den beiden LS) eintrifft, entspricht nicht der landläufigen Erwartung. Wenn hier keine große Verbesserung hinsichtlich Kanalgleichheit zu erwarten ist, kann man auch darauf verzichten. Man könnte auch die Frage stellen, was die Messung am Sitzplatz so dominiert, wie eine solche Gleichheit beider Kanäle zustande kommt. Wo man doch etwas Dämpfungsmaterial im Signalweg sofort hört ...
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Beitragvon uli.brueggemann » 13.07.2015, 09:46

Hans-Martin,

ein langer Text, den Du da ...

Es macht manchmal Sinn, das Ganze von einer anderen Seite zu betrachten. Und schon wird es einfacher. :D

Nimm mal einen perfekten LS an, gleichbedeutend mit: am LS selbst gibt es keine Notwendigkeit zu korrigieren. Eine Messung wird also das Raumverhalten offenbaren inkl. der Feststellung, dass ab einer gewissen Frequenz der Frequenzgang abfällt. Was wohl der Tatsache geschuldet ist, dass sich die Hochtonenergie rascher abbaut.
Wo nun die Frequenz beginnt, sei mal dahingestellt. Sicher gleitend. Du schreibst selbst aber von ca. 1 kHz und das passt im Prinzip wieder zusammen mit den Beobachtungen anderer.

Nehmen wir mal idealisiert an, dass der Raum nichts ändert, dass also die Messung glatt horizontal bis 1 kHz verläuft und dann bis 20 kHz auf -6 dB abfällt.
Und nun machen wir eine Zielkurve für die Korrektur die genauso ausschaut. Dann ist die Korrektur mit
Korrektur = Zielkurve minus Messkurve = horizintal glatt mit 0 dB
Das Ergebnis bedeutet, dass eben KEINE Korrektur wirksam ist. Man akzeptiert mit der Zielkurve das gemessene Istverhalten.
Der Standpunkt betrachtet das Geschehen also aus dem Blickwinkel der Korrektur.

Aus dieser Rückwärtsbetrachtung erschliessen sich Schlussfolgerungen:
- wenn die Zielkurve der Messung entspricht, wird nicht korrigiert
- wenn die Zielkurve in der Tendenz der Messung entspricht, werden nur lokale Abweichungen im Frequenzgang korrigiert
- wenn das Mikrofon unter 0° verwendet wird ist bei entsprechender Zielkurve die Korrektur dieselbe wie bei einer 90° Messung mit dazu entsprechender Zielkurve

Dass eine Kalibrierung des Mikros trotzdem sinnvoll ist, ergibt sich im wesentlichen weniger aus der Neigung des Frequenzgangs bei 0°, 30° und 90° als aus Eigenheiten des Mikros, die sich lokal im Frequenzgang bemerkbar machen (z.B. ein typischer Hochtonbuckel). Wer will schon jedesmal diese Eigenheiten mit der Zielkurve nachbauen, um dann keine falsche Korrektur zu bekommen.

Mit dem nun im AcourateConvolver integrierten tilting EQ lässt sich das nun je nach Hörempfinden nachjustieren.

Zuvor gehe ich bei der Erstellung der Zielkurve immer her und überprüfe die Inverse auf Plausibilität. Eine steigende Tendenz betont Höhen, eine fallende bewirkt das Gegenteil. Lokale Korrekturen akzeptiere ich in ALLEN Frequenzbereichen. Es sind ja nun einmal nicht alle LS perfekt. Da die Auswertung den Schwerpunkt auf den Direktschall legt, wird somit auch ein realer LS mitkorrigiert.

Ein langer Text, den ich da ... :D

Grüsse
Uli
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Beitragvon frankl » 13.07.2015, 22:37

Hans-Martin hat geschrieben:Die Frage nach dem Korrektursystem war eigentlich die Frage nach der vorgegebenen oder selbstgestalteten Zielkurve. Es ging auch nicht um 20cm, sondern erstaunlicherweise um 2cm Kopfbewegung. Die Wahrnehmung fand ich eindeutig - und ich habe nach Erklärungen und Lösungen gesucht. Ein Dilemma zwischen Perfektion und praktischer Ohrhabkarkeit, das nach Lösung sucht.


Hallo Hans-Martin,

bei meinem Filter, den ich mit DRC erstelle, wird über den gesamten Frequenzgang von 15 bis 22000 Hz korrigiert. Das ist bei mir auch unbedingt nötig, weil ich meine Breitbänder auf den Hörplatz ausrichte und diese auf Achse in den Höhen sehr laut spielen.

Ich erstelle Filter für ein (gegebenenfalls hochgesampletes) 192000 Hz Signal mit 512 kTaps, also schon sehr hoher Frequenzauflösung. Meine Zielkurve ist ein glatter Frequenzgang von 22 bis 20000 Hz, wobei ich auch schon mal mit einem leichten Abfall zu den Höhen (zwischen 1.5 und 3dB über den Bereich von 200 bis 20000 Hz experimentiert habe, was bei manchen Aufnahmen besser klingt).

Ich bin kein Experte in den Details des Algorithmus, der in DRC benutzt wird. Aber ich verstehe das so, dass im hohen Frequenzbereich hauptsächlich ein geglätteter Frequenzgang der Zielkurve angepasst wird. Mir gefällt das Ergebnis jedenfalls sehr gut, auch in den Höhen wird eine hohe Präzision und bei vielen Aufnahmen faszinierende Lokalisation erreicht, wobei-wie ich schon gesagt hatte-bei normalen Kopfbewegungen das Klangbild nicht leidet.

Ich will gar nicht theoretisch argumentieren, warum das Ausrichten des Mikros auf die Lautsprecher mit Kopfbreite Abstand zwischen den Messungen links und rechts grundsätzlich besser sein sollte. (Außer vielleicht, dass so die Kalibrierung am genauesten angewendet werden kann.) Aber vielleicht probiert es ja mal jemand aus und bekommt auch gute Ergebnisse.

Viele Grüße,
Frank
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Beitragvon totti1965 » 13.01.2017, 22:31

Meine Frage an die Experten zu Frequenzgangunterschieden bei (unkalibrierten) Messmikrofonen für eine Lautsprechereinmessung:
Angenommen meine Messung mit dem EUR 1.000,-- Mikrofon, das als Referenzmikrofon gelten kann sei perfekt und eine entsprechende Raumkorrektur würde am Hörplatz ein schönes, stimmiges Ergebnis gemäß der üblichen, ab 2000 Hz leicht fallenden Zielkurve ergeben.

Wenn ich jetzt für die Messung statt dieses tollen Mikrofons eines verwende, dessen Frequenzgang im Hochtonbereich sagen wir um 5 db ansteigt (wobei man natürlich Fragen kann, was ist schon der Frequenzgang eines Mikros? Eigentlich kann man ja nur vom Frequenzgang einer Wiedergabe eines akustischen Ereignisses reden, oder?), wie sieht dann mein faktisches Hörergebnis bei gleicher Zielkurve an so korrigierten Lautsprechern aus?

Würde der somit "schlecht" korrigierte Lautsprecher 5 db Höhenanstieg oder 5 db Höhenabfall haben, gegenüber dem oben genannten "stimmigen" Ergebnis???

Gruß,

Thorsten
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Beitragvon Hans-Martin » 13.01.2017, 22:45

Ja, Thorsten,
dafür kalibriert man Mikrofone, um der Korrektursoftware eben solche Abweichungen mitzuteilen.
5 verschiedene Mikrofone sollten anhand der Kalibrierdatei zu denselben Messergebnissen führen, genau betrachtet tun sie das aber nicht. Aber für den Hausgebrauch reicht es, eine deutliche, teilweise radikale Verbesserung zu erzielen. Die macht Lust auf mehr. Irgendwann landest du dann bei Acourate, wie viele hier im Forum.
Und dann begegnest du noch Detailfragen, wenn es darum geht, noch ein bis zwei Stufen höher zu steigen.
Schau die Ulis Beiträge an,z.B. über den klirr- und rauscharmen Mikrofonverstärker oder andere beteiligte Hardwarekomponenten.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon totti1965 » 13.01.2017, 23:03

Hm, ja...
aber angenommen ich korrigiere meine Lautsprecher nun mit Ulis Acourate und einem NICHT kalibrierten Messmikro mit Hochtonanstieg 5 db ("Hochtonbuckel") -wird das Ergebnis der fertigen Korrektur bei gleich aussehender Zielkurve (und auch sonst gleichen Messbedingungen) dann dumpfer oder heller als bei einem EUR 1.000,-- Earthworks? War einfach eine Verständnisfrage - und eine Logikfrage wahrscheinlich....
Vielleicht bin ich einfach etwas zu vernagelt....

Gruss,

Thorsten
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Beitragvon KSTR » 14.01.2017, 00:00

Dumpfer, weil dann Acourate denkt es wäre zuviel Hochton, der eben 5dB zu hoch gemessen wurde als er tatsächlich ist.
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Beitragvon Hans-Martin » 14.01.2017, 01:17

Hallo Thorsten,
wenn du mit einem Mikrofon misst, dessen Eigenschaften du nicht kennst, hilft vielleicht der Verzicht auf Korrektur in dem Bereich, in dem diese auf 1/4 Zoll Elektretkapseln basierenden Messmikrofone ihre größten Abweichungen haben, nämlich oberhalb 7kHz und unterhalb 20 Hz (indem man die Zielkurve der Messung nachzeichnet, wird die Korrektur deaktiviert).
Von 50Hz bis 3kHz sind fast alle Messmikrofone hinreichend linear. Unter 40Hz fallen sie zunehmend ab, oberhalb 3kHz steigen sie leicht an, um irgendwo zwischen 10kHz und 20kHz eine mehr oder weniger ausgeprägte Resonanz zu haben, deren Abfall zu höheren Frequenzen immer noch genug Pegel bei 20kHz liefert, somit diese Frequenzen nennenswert erfassbar macht.
Wir haben auch das Thema Messen unter 90° diskutiert, eine Forumssuche nach Messmikrofon wird den Thread aufzeigen.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon totti1965 » 15.01.2017, 01:11

Vielen Dank Hans-Martin, für die Hinweise. Auch Harald (nihil sine causa) bestätigte mir bei unserem Treffen gestern, dass das Thema Messmikrofone und Kalibrierung spannend bleibt. Ich selbst habe seit ein paar Jahren ein schönes Rational Acoustics RA 420 in der Schublade und hatte es mir damals geholt, weil auf der Seite von Charly Oehlrich (definiteaudio) ein ausführlicher Report über eine Messung und Mikrofonkalibrierung von drei Messmikrofonen gedruckt war. Da das RA 420 deutlich schneller Ausschwang als das EUR 1.000,-- Referenzmikro von Earthworks, also imho ein deutlich geileres Verhalten bei Transienten und Impulsen an den Tag zu legen schien, hatte ich mich schon damals gefragt, warum eigentlich nicht das Eathworks auf das RA 420 kalibriert wird, sondern es umgekehrt gemacht wird. Vielleicht erklärt das ja auch die Notwendigkeit einer doch recht deutlich fallenden Zielkurve bei der Verwendung von Acourate in Verbindung mit dem Earthworks Mikrofon oder eines auf das Earthworks kalibrierten Behringer 8000 Billigmessmikrofons. Setze ich nämlich ein "schnelles" RA 420 als Referenz ein, fällt ein teures Earthworks im oberen Hochtonbereich doch ein wenig ab, ist dort schlicht zu unempfindlich. Das Ergebnis einer Korrektur mit flater Zielkurve wäre dann natürlich deutlich zu grell und hätte einen entsprechenden Höhenanstieg. Bei Verwendung eines RA 420 könnte die Kurve weniger fallend sein, denke ich. Das war meine Vermutung. Die abstrakte Frage nach dem Ergebnis einer Korrektur mit im Hochtonbereich zu unempfindlichen Mikro (und dafür halte ich das Earthworks) wurde mir auch so von Harald (und auch von KSTR, vielen Dank auch Dir!) bestätigt. Frequenzgangabfall des Mikros = Zu helles Endergebnis der Korrektur. Frequenzganganstieg des Mikros = zu dumpfes Klangergebnis der Korrektur bei flacher Zielkurve.

Gruss,

Thorsten
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Beitragvon Hans-Martin » 15.01.2017, 11:39

totti1965 hat geschrieben:Da das RA 420 deutlich schneller Ausschwang als das EUR 1.000,-- Referenzmikro von Earthworks, also imho ein deutlich geileres Verhalten bei Transienten und Impulsen an den Tag zu legen schien, hatte ich mich schon damals gefragt, warum eigentlich nicht das Eathworks auf das RA 420 kalibriert wird, sondern es umgekehrt gemacht wird.

Hallo Thorsten,
ich habe diesen nativen FG eines RA420 gefunden, der sieht für mich so aus, wie ich typische Messmikrofone (vermutlich mit Panasonic WM61A Elektretkapsel) immer wieder beschreibe: unter 50Hz allmählicher Abfall 40Hz <-1dB, 30Hz <-2dB, 20Hz -3dB, oberhalb 3kHz zu 7kHz leichter Anstieg, dann oben bei 13-16kHz die ausgeprägte Resonanz, die bei vielen Mikros "nur" +6dB, bei manchen +12dB betragen kann. Das schreit nach passender Kalibrierdatei.

Bild
http://www.audiomeasurements.com/?p=4549
Frage: wenn eine Resonanz so ausgeprägt ist, sprich, eine hohe Güte hat, die von geringer Dämpfung geprägt ist, wie kann da das Ein/Ausschwingen besser sein?
Eine andere Frage ist das Verhalten bei 90°Messung. Wie stark weicht das Mikrofon mit "Kugelcharakteristik" bei dieser Winkeländerung ab?
Vielleicht erklärt das ja auch die Notwendigkeit einer doch recht deutlich fallenden Zielkurve bei der Verwendung von Acourate in Verbindung mit dem Earthworks Mikrofon oder eines auf das Earthworks kalibrierten Behringer 8000 Billigmessmikrofons. Setze ich nämlich ein "schnelles" RA 420 als Referenz ein, fällt ein teures Earthworks im oberen Hochtonbereich doch ein wenig ab, ist dort schlicht zu unempfindlich.

Ich sehe nicht, dass das RA420 "schneller" ist als das Earthworks M30
Bild
So sieht ein beeindruckender FG aus, finde ich zumindest.

Das Ergebnis einer Korrektur mit flater Zielkurve wäre dann natürlich deutlich zu grell und hätte einen entsprechenden Höhenanstieg. Bei Verwendung eines RA 420 könnte die Kurve weniger fallend sein, denke ich. Das war meine Vermutung.

Der Begriff Zielkurve gehört zur Korrektur und beschreibt das gewünschte Endergebnis.
Die Messung mit einem nicht linearen Mikrofon zeigt die Höhenanhebung durch die Mikrofoncharakteristik, die durch die Mikrofonkalibrierung korrigiert wird.

Die abstrakte Frage nach dem Ergebnis einer Korrektur mit im Hochtonbereich zu unempfindlichen Mikro (und dafür halte ich das Earthworks) wurde mir auch so von Harald (und auch von KSTR, vielen Dank auch Dir!) bestätigt. Frequenzgangabfall des Mikros = Zu helles Endergebnis der Korrektur. Frequenzganganstieg des Mikros = zu dumpfes Klangergebnis der Korrektur bei flacher Zielkurve.

Das gilt nur, wenn keine Kalibrierkurve kompensierend eingreift.
Also Messung minus Kalibrierkurve = korrigierte Messkurve. Zielkurve minus Messkurve = Korrektur.
Eine andere Überlegung ist das Verhalten um die Resonanzstelle. Oberhalb der Resonanzfrequenz fällt das Übertragungsverhalten des Mikrofons stetig ab. Bei der Resonanz hat man idR phasengedrehtes Verhalten, unterhalb der Resonanz ist das Übertragungsverhalten weitgehend linear wie gewünscht, die Membran folgt dem Schall praktisch phasengleich.
Deshalb soll die Resonanzstelle fs möglichst hoch, und die Dämpfung möglichst optimal bemessen sein- nicht zu wenig, nicht zuviel. Das ist die Kunst des Mikrofonbaus.
Dass Schall, der quer zur Membran einfällt, anders umgesetzt wird als der senkrechte, ist naheliegend, deshalb die 2. Kalibrierkurve.

Das Mikrofon mit der höheren Resonanzfrequenz und richtigter Bedämpfung (Selektion der Kapseln aus größerer Fertigungsmenge nach diesen Kriterien) ist weniger auf eine Kalibrierkurve angewiesen, um ein ordentliches Ergebnis zu bekommen.

Beim Vergleich qualitativ verschiedener Mikrofone mit jeweiliger Mikrofonkalibrierung beschränkt sich der Unterschied auf den Bereich um die Resonanzfrequenz und darüber. Der Bereich über 10kHz hat Wellenlängen unter 3cm.
Eine Verschiebung im Raum macht für wenige cm schon einen Unterschied, da kommt die Frage, welche einzelne Messung für welches Ohr relevant ist.
Und bei Darstellung der Messung wird ein Glättungsalgorithmus angewandt, wie genau ist dann die Korrektur in dem Bereich möglich, wo allein durch Glättung der Pegel der Messung angehoben wurde.
Es bleibt die Frage, welche gröberen Fehler unberücksichtigt bleiben, während man mit Akribie Einzelaspekte über Gebühr zu optimieren versucht.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon pschelbert » 15.01.2017, 21:36

Hallo

ich letzhin mal zwei Berhinger ECM8000 kalibirieren lassen bei Hifishop. Sehr gut relativ kalibiriert. Ich habe das mit einem B&K amtlich geprüften (ja, ja das Eichmatt...) nachgemessen. Der BK Kalibrator kann nur 6 Frequenzen, die haben sehr genau gepasst.
Einzig der absolute Schallpegel war nicht richtig um 7dB. Das kann aber daran liegen dass ich einen anderen MikroVV betrieben haben (48V Phantom RME UFX).
Wenn man messen will muss man unbedingt kalibireren bzw. ein Messmikrophon verwenden das mit Kalibierprotokoll geliefert wird.

Peter
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pschelbert
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