Idealer Frequenzgang für Rock/Pop?

Mess- und Korrektursysteme

Idealer Frequenzgang für Rock/Pop?

Beitragvon Rainair » 10.03.2017, 19:07

Hallo miteinander,

...jetzt hab ich mich längere Zeit mit REW und RePhase für mein Najda-DSP und meine 4-Weg-Boxen "gespielt" und komme damit nun endlich einigermaßen klar. Denn die Kunst beim Najda-DSP-Board ist es, mit nur max. 1023 tabs / Kanal auszukommem. Schlußendlich hab ich herausgefunden, wie es geht:
Erste Versuche mit IIR-Filtern haben mir gezeigt, daß mir die weichenbedingten Phasenverschiebungen von IIR gehörmäßig nicht gefallen, es müssen also schon linearphasige FIR-Weichen sein. Und zwar ohne Gain- und Phasenkorrektur der einzelnen Chassis, sonst werden es zu viele Gesamt-tabs. Die Korrektur (auch FIR) mach ich dann im Eingang, links und rechts, das geht nämlich auch.
Herausgekommen ist ein, wie ich finde, sehr ansprechender Frequenzgang, auch die Impulsantwort sieht ganz gut aus. (Das Phasenbild ändert sich mit jedem cm, also lass ich es.)

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Nur: Es klingt irgenwie nicht so, wie ich mir das vorgestellt hatte: Zu korrekt, zu neutral. Da reißt mich nichts mehr mit. Vorher (d.h. analoge Aktivweichen, danach mit Pfleid-TPS-Entzerrung) hatte ich bei weitem keinen so geraden Frequenz- und Phasengang, aber die LS hatten mir mehr Spaß gemacht !
Vermutlich hat es auch mit der Hörgewohnheit zu tun, wer weiß ?

Jetzt meine Frage: Wie sieht eigentlich der beste Frequenzgang für Rock- und Pop-Musik aus ?
Eines ist mir aber jetzt schon klar: Die "gerade Linie" wird es wohl eher nicht sein.

Vielleicht kann mir ja einer von euch weiterhelfen ?

Vielen Dank schon mal,
Rainer
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Beitragvon Buschel » 10.03.2017, 19:33

Hallo Rainer,

was fehlt dir denn? Hörst du leise oder laut? Wie sah es der FG vorher aus?

Viele Grüße,
Andree
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Beitragvon wgh52 » 10.03.2017, 19:53

Hallo Rainer,

den "besten Frequenzgang für Rock/Pop" kenne ich auch nicht, wüsste nicht oder bezweifle auch ob es mit einem bestimmten F-gang (für alle) getan wäre. Persönliche Präferenz und Hörraumeinfluss spielen hier gewichtig mit!

Einen Anhaltspunkt sollte eigentlich das Set-Up bilden, mit dem Du vorher besseren emotionalen Zugang zu Deiner Musik "erzeugen" konntest. Falls Du davon auch Messungen hättest, könnte das doch ein Startpunkt sein.

Immerhin scheinst Du ja eine bestimmte Zielkurve programmiert zu haben, wohl eher möglichst linear. Wenn Dir das nicht gefällt, braucht die Box/Raum Kombi meiner Erfahrung nach eine persönliche "Geschmacksanpassung". Ich mache solche Geschmacksabstimmungen mit einigen parametrischen Equalizern niedriger Güte (Q= 0,3...0,5) und kleiner Verstärkung bzw. Dämpfung und verstelle während Musik spielt solange bis es mir gefällt 8) Auf diese Weise kann man bestimmte Bereiche etwas betonen oder dämpfen, auch z.B. einen zu hohen Frequenzen leicht fallendes Verhalten erzeugen usw.

Die ersten Fragen, die sich mir bei Neuabstimmung stellen, sind: "Was ist zu viel?" "Was nervt?" "Was fehlt?" "Was ist schon gut?"
Danach kommt erst die Frage: "Was ist zu tun?"

Bei Dir könnte das auch sein: "Was ist anders als vorher?"
Also ein Messwertevergleich könnte Anhaltspunkte geben, aber genauso wichtig ist die rein subjektive Antwort.

my 2 cents worth

Grüße,
Winfried

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Beitragvon Melomane » 10.03.2017, 20:04

Hallo Rainer,

Grundton rulez. Schieb die Musik von unten an, dann sollte das was werden. Natürlich nicht im Übermaß. Justier das nach Gusto. ;)

Gruß

Jochen
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Beitragvon Diskus_GL » 10.03.2017, 20:06

Hallo,

die Bilder sind leider nur sehr grob (an der Impulsantwort kann gar nichts ablesen - ist aber in diesem Zusammenhang auch unwichtig).

Prinzipiell ist in den meisten Räumen ein abfallender F-Gang "gefälliger" - also von ca. +3db bei 60Hz bis ca. -3db bei 16kHz.
Der in Deinem F-Gang erkennbare Hochtonanstieg ergibt meist ein unausgewogenes Klangbild, das sich natürlich auch auf die Wahrnehmung von Dynamik, Transparenz echt. auswirkt.

Der Vergleih mit dem vorherigen F-Gang könnte natürlich auch hilfreich sein..sofern sie vergleichbar sind (gleicher Messplatz etc. ... und vor Allem gleiche Skalierung).

Gruss Joachim
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Beitragvon OpenEnd » 10.03.2017, 20:59

Hallo Joachim,

das ist schonmal ein guter, allgemeiner Tipp.

Grüssle vom Charly
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Beitragvon Hans-Martin » 11.03.2017, 11:10

Diskus_GL hat geschrieben:Prinzipiell ist in den meisten Räumen ein abfallender F-Gang "gefälliger" - also von ca. +3db bei 60Hz bis ca. -3db bei 16kHz.
Der in Deinem F-Gang erkennbare Hochtonanstieg ergibt meist ein unausgewogenes Klangbild, das sich natürlich auch auf die Wahrnehmung von Dynamik, Transparenz echt. auswirkt.

Hallo Joachim, Rainer,
wenn man den Berich jenseits 12kHz anhebt, steigt mMn die Transparenz und Räumlichkeit, nervt jedoch schnell.
Einen linealgeraden FG am Hörplatz im Wohnraum halte ich für nicht erstrebenswert, und er zeugt eher von einem Anfängerfehler im Umgang mit Raumkorrektursystemen.

Ein abfallender FG am Hörplatz im Hörraum ist normal, Floyd E. Toole hat beschrieben, wie sich der Eindruck aus (im reflexionsfreien "schalltoten" Raum gemessenen linearem) Direktschall und reflektierten Schallanteilen zusammensetzt und dortzu den Höhen hin abfällt. Auch das Messmikrofon hat seine besonderen Eigenheiten im Diffusfeld, für das es nicht konstruiert wurde (sondern für das Freifeld ohne Reflexionen und Nachhall).
Dass der Lautsprecher von sich aus seinen FG beliebig ändert, ist nicht zu erwarten. Dass der Raum seinen Einfluss nimmt, ist bekannt und nicht zu vernachlässigen.
Das macht den Einsatz eines Korrektursystems so schwierig, denn die entscheidenden Fragen lauten, was korrigiert werden kann und was darf. Oder vereinfachend, was man besser nicht versucht.
Oder die Frage, wo machbare Korrektur auf den Raum, und wo auf den Lautsprecher bezogen ist.
Wenn die Modenfrequenzen unterdrückt werden, erscheint der Bass zu mager, zum Ausgleich habe ich den Bereich zwischen 50-80 Hz um 3dB angehoben, zu 150Hz abfallend. Ob man nun bis 1kHz gerade und zu 10kHz abfallen lässt oder von 150Hz zu 10kHz den Abfall stetig gestaltet, ist diskutabel, vielleicht Geschmackssache, vielleicht begründet, ich habe dazu noch keine Meinung. Mir gefällt am besten, wenn ich die Zielkurve ab dem Punkt, wo die Messungen beider Kanäle schön parallel verlaufen, den Messungen nachzeichne, was die Korrektur in diesem Bereich deaktiviert. Wenn man den Freifeld-FG des LS kennt, kann man darüber eine LS-Korrktur vornehmen.

Der FG-Schrieb zeigt Buckel bei 35Hz, 70Hz, 140Hz, typisch für einen Raum mit 4,90m Länge, wo der LS bei 0,82m steht und die 3.Mode bei 105Hz nicht angeregt wird - oder weist das auf den Mikrofonstandort hin? Sollte der leichte Einbruch bei 105Hz dem Bass den Drive nehmen? Ich vermute, es ist der ungewohnt schlange Bass ohne Room Gain.


Auf jeden Fall lesenswert: Seite 7 von Floyd E. Tooles AudioScience zum Thema LS-FG und persönliche Präferenzen und ab S. 13 folgen die Zusammenhänge von Direktschall und dem am Hörplatz eintreffenden Mix mit reflektierten Schallanteilen, die vom LS außerhalb der Achse abgestrahlt wurden.
Da sieht man sehr schön, wie der FG zu den Höhen hin abfällt, gewissermaßen zwangsläufig.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Diskus_GL » 11.03.2017, 13:05

Hallo Hans-Martin,

Du hast es gut erläutert - sehe ich prinzipiell auch so.
Ich nutze Dirac und bin froh, das es einen recht guten Auswerteallgorithmus hat der aus den 9 Messungen recht gut ermittelt, was vom Raum und was vom System kommt und hier die entsprechenden Filter setzt.
Da muss ich mich nicht allzuviel mit Raumakustik und der Funktionsweies des DRC-Programms bzw welcher Filtertyp wo sinnvoll ist auseinandersetzten - das war für mich der Grund hier Eine kostenpflichtige Lösung zu wählen...
Mit der Zielkurve kann man dann durchaus "Geschmacksabstimmungen" machen (kann man ja nach Belieben umschalten).
Auch ich habe eine Basssanhebung bei ca. 100Hz. Im Bereich ab ca.5kHz hab ich früher auch nur den gemessenen Systemverlauf nachgezogen. Seit ich die Stromversorgung meiner Anlage optimiert habe, kann ich hier aber auch eine - moderate- Angebung machen ohne das es nervt.
Interessanterweise komme ich langsam auf eine Kurve, die von 200Hz bis ca. 14kHz eine Gerade mit nur ca. 4db Abfall ist.. vorher war das im HT- Bereich nicht ohne "Nervigkeit" möglich...

Gruss Joachim
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Beitragvon KlausR. » 11.03.2017, 16:17

Hallo,

Rainair hat geschrieben:Jetzt meine Frage: Wie sieht eigentlich der beste Frequenzgang für Rock- und Pop-Musik aus ?


Da gibt's eigentlich nur eine Antwort: der beste Frequenzgang ist der, der DIR am besten gefällt!

Bei einer Untersuchung zu dieser Frage kam heraus, dass die von den Teilnehmern persönlich bevorzugten Frequenzgänge im Bass eine Spannweite von 17 dB, in den Höhen von 9 dB hatten:

http://www.aes.org/e-lib/browse.cfm?elib=17042

Bei Interesse kann ich das pdf schicken, PN mit einer email-Adresse genügt.

Klaus
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Beitragvon Rainair » 24.03.2017, 19:15

Hallo miteinander,

...jetzt hab ich ihn wieder, den (für mich) idealen Frequenzgang:

Beim Bass war es so, dass die limitierte Anzahl von tabs bei RePhase zu diesen merkwürdigen Wellen im Tiefbass geführt hat, nicht der Raum. Jetzt hab ich wieder vollen Pegel bei bis zu 16 Hz hinunter, doch mit einer Anhebung um ca. 6 dB, das hatte ich schon mal vermisst. Und bei den Höhen ist es schlicht meinem doch schon fortgeschrittenen Alter zuzuschreiben, dass mir ein gerader F-Gang nicht mehr so gut gefällt. Die oberen Mitten und Höhen dezent um ein paar dB angehoben und schon passt alles wieder.

Und ein (ziemlich) gerader Phasengang durch DSP, der hat schon was. Ich möchte jedenfalls nie mehr zu IIR oder Analogweichen zurück.

LG, Rainer
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Rainair
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