Systematischer Audio-PC Vergleich

Musikwiedergabe über PC und Mac

Systematischer Audio-PC Vergleich

Beitragvon nihil.sine.causa » 28.05.2017, 10:01

Liebe kritische Unterschiedshörer,

gestern hatten Chrisoph (taggart), Winfried (darwols) und ich einen denkwürdigen Besuch bei Ralf Koschnicke. Es ging um die Frage nach den Einflüssen bei Audio-PC Wiedergabe. Auf dem letzten Forumstreffen hatten wir am Ende leider keine Gelegenheit mehr, dieser Sache nachzugehen.

Die Idee: drei ganz unterschiedliche Audio-PCs spielen unter möglichst gleich gehaltenen Bedingungen. Das Clocking besorgt ein afi(s)-USB. Die Ausgabe aller PCs entspricht nachweislich bitgenau dem Original. Die PCs spielen im werden paarweise verglichen durch Umschalten am afis. Die beiden Probanden laufen dabei ohne weitere Eingriffe im Loop. Frage: klingen dann unterschiedliche PCs immer noch signifikant unterschiedlich?

Um den Test auf die Spitze zu treiben, habe ich mir den Spaß erlaubt ein einfaches Trekstor Tablet (TrekStor SurfTab wintron 10.1) mitzubringen (aus Jux habe ich es in eine Munitionskiste verpackt). Besonders effektiv abgeschirmt wurde das Tablet dadurch nicht, denn es war stets per WLAN erreichbar. Ich habe es so aus dem Nebenraum auch fernsteuern können mit Teamviewer.

Christoph hat seinen neuesten Audio-PC mitgebracht. Hierzu sollte Christoph besser etwas schreiben.

Und schließlich hatten wir einen Musik-Server-Prototypen von Ralf Koschicke am Start.

Abspielkette:
  • Zwei parallel laufende Audio-PCs (Probanden für den paarweisen Vergleich) jeweils ausgestattet mit einem USB-LWL-Modul
  • arfis mit zwei LWL Eingängen (also umschaltbare afi-USB Funktion)
  • arfi-dac mit adäquater Stromversorgung und aktiver Vorverstärkung
  • Tannoy Lautsprecher in Ralfs Studio
Am Anfang hörten wir deutliche Unterschiede zwischen meinem Tablet und den beiden anderen PCs. Aber das lag an einer fehlerhaften Konfiguration der Abspielsoftware in Verbindung mit dem für den afi-USB notwendigen XMOS Treiber (mea clupa, aber ich habe auch keinen afi-USB bei mir zu Hause, so konnte ich diesen Punkt vorher nicht testen). Durch eine Aufzeichnung des gestriemten Materials konnte Ralf diese Fehlerursache schnell herausfinden und wir haben das entsprechend korrigiert. Bei dieser Gelegenheit hat Ralf den digitalen Output aller Konfigurationen mitgeschnitten und mit dem Original verglichen. Dann war auch alles bitgenau.

Und dann haben wir verglichen und mussten uns echt die Ohren brechen. Und zwar auf sehr hohem Niveau. War da ein Unterschied? Ja ein kleiner, war dies nicht etwas straffer? Genauer? Nochmal hören … eigentlich nicht … oder doch?

Also substanzielle Unterschiede zwischen den drei PCs gab es bei diesem Setup keine. Ich bilde mir ein, dass mein Tablett einen Tick schlechter spielte, der PC von Christoph einen Hauch genauer und runder und der PC von Ralf einen Hauch straffer. Aber, liebe Forumsfreunde, das war definitiv kein Unterschied mehr, für den ich viel Geld hätte hinlegen wollen.

Dann kamen wir auf folgende Fragestellung: Angenommen einer der PCs macht Störungen, die die anderen beeinflussen. Dann müssten wir eine Verbesserung wahrnehmen können, wenn ein solcher Störenfried ausgeschaltet wird, während die anderen weiterspielen.

Die Wahl fiel schnell auf mein Tablet. Während Christoph, Winfried und Ralf aufmerksam Christophs PC-Spiel zuhörten, deinstallierte ich mein Tablet. Als erstes zog ich das kleine Schaltnetzteil (denn das Tablett läuft ohne externe Spannung nicht allzu lange und und wurde daher durch das kleine Schaltnetzteil versorgt). Ralf zuckte regelrecht zusammen, als sich das Klangbild schlagartig verbesserte. Und noch einen Tick besser wurde das Klangbild, als das Tablett heruntergefahren war.

Klar, wir wissen das ja, dass solche Netzteile HF-Müll produzieren. Aber in so hohem Maße? Wir schauten uns an. Hat nicht jeder von uns doch das eine oder andere Schaltnetzteil im Hörraum in Betrieb (und sei es nur in irgendeiner LED-Leuchte)? Unsere Erklärung: das Schaltnetzteil mit seiner langen ungeschirmten Verbindung zum laufenden Tablet hat HF-Müll aus dem Tablet übertragen und den Rest der Kette entsprechend negativ beeinflusst. Direkt und sehr deutlich hörbar.

Dann haben wir die beiden Audio-PCs von Christoph und Ralf unabhängig voneinander laufen lassen. Der eine lief, während der andere abgeschaltet war. Diesen Teil des Tests habe ich selbst nicht mehr so genau verfolgt, aber vielleicht wollen Christoph, Winfried und Ralf etwas dazu schreiben.

Lasst mich abschließend noch ein Setup beschreiben, das wir auch noch getestet haben. Alle bisherigen Tests liefen ja über den afis-USB. Ralf hat aber in seinem Systembaukasten noch eine andere Option. Das abgespielte Signal wird unter Verwendung eines RME Digiface (das in Ralfs PC prototypisch integriert war) per Lichtleiter an den arfi-adc2 geliefert. Der adc gibt den Takt vor und liefert das aufbereitete Signal an den dac. Im Vergleich zum arfis-USB war diese Option einen Tick besser, etwas straffer und mit etwas mehr Feintextur. Nachteil dieser Konstruktion: die Samplingrate muss man am ADC von Hand einstellen. Vorteil aber: man gelangt auf ein super hohes Niveau für eine DAW-Anwendung. Ich würde mir so sehr wünschen, dass unsere Tonleute beim Mischen und Mastern auf diesem Niveau arbeiten würden, dann hätten wir mit Sicherheit noch mehr Freude an den Resultaten.

Insgesamt ein großartiger Tag. Danke an Ralf für seine Gastfreundschaft und dass er dieses Treffen möglich gemacht hat. Danke an Christoph, Winfried und Ralf für die Unterstützung, die (Ergebnis-)Offenheit und die vielen wundervollen Gespräche.

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon cantusfirmus » 28.05.2017, 10:39

Danke Harald,
das klingt nach einem sehr spannenden Nachmittag. Ich freue mich noch auf die Berichte der Mithörerschaft.
Herzliche Grüße, Horst
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Beitragvon FraKtiv » 28.05.2017, 10:46

Hallo zusammen,

da hier und da die Rede von Ralfs zukünftigen Musikserver und Streamer die Rede ist, hätte ich eine Bitte: könntet vielleicht jemand das ein oder andere zu dem Gerät berichten? Ich möchte demnächst einen neuen Streamer / Server kaufen. Und bevor ich nun jetzt viel Geld ausgebe, finde ich Ralfs Ansatz interessant. Nur was ist das eigentlich?

Viele Grüße,
Frank
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Beitragvon h0e » 28.05.2017, 11:33

Hallo Frank,

ich hatte Ralfs Prototy auch schon gehört, quasi ein Windows Audio PC mit integriertem Afi LWL Übertrager.
Ich weiß nicht, wie weit seine Produktidee gereift ist, vor 2 Monaten war er sich noch unschlüssig,
wie er das gute Stück anbieten will.
Es klang auf jeden Fall sehr gut, Formformat passend zu anderen Artistic Fidelity Geräten.

Grüsse Jürgen
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Beitragvon Ralf77 » 28.05.2017, 11:41

Hallo Harald,

Vielen Dank für den Bericht. Ich getraue es mich ja kaum zu sagen und schiebe es immer (zu meiner eigenen Rechtfertigung) auf meine Holzohren...aber ich höre meist auch sehr geringe Unterschiede. Meist nur im Bereich des Hoffens, dass die neue Komponente eine Verbesserung bringt, da es ja Geld gekostet hat.

Gerade heute habe ich einen kleinen Vergleich mit leider nur geringen Unterachieden gemacht...aber immerhin gab es einen (geringen) Unterschied.

Kette 1:
G-Sonos digital in den Afis. Vom Afis dann digital in die Genelec 8351.
Der Sonos hängt per LAN mit einem Artistic Fidelity LAN Isolator galvanisch getrennt
Der Afis hängt an einem ZeroZone Netzteil (12V, 2,3A).
Alle Komponenten hängen an 2 Stück Furman AC210.

Kette 2:
Oppo 105D analog per XLR direkt in die Genelec 8351
Der Oppo ist per LAN direkt an der Büchse angeschlossen.

Musikzuspielung:
Musik wird bei beiden Ketten mit FLAC Dateien gespielt und per USB-Festplatte versorgt die am Router hängt.

Was sind die Unterschiede? Geringer als ich erhofft habe. Ich würde sagen, dass die Kette 1 etwas agiler/mit mehr Druck spielt (oder bilde ich mir das ein?). Die Kette 2 spielt etwas schlanker. Eventuell etwas nervender. Dafür aber im Bass nicht ganz so aufgebläht.

Im Endeffekt muss ich noch mal etwas länger hören. Wenn ich aber die 2 Ketten vergleiche, dann Bin ich doch etwas verblüfft, dass die ganzen Investitionen letztendlich so wenig bewirken.

Wenn ich da im Oppo 205 Thema lese, dass der neue klanglich auf dem Niveau des G-Oppo spielt, dann mach ich mir so meine Gedanken...

Grüße,
Ralf
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Beitragvon RS.schanksaudio » 28.05.2017, 12:08

Ralf77 hat geschrieben:Im Endeffekt muss ich noch mal etwas länger hören. Wenn ich aber die 2 Ketten vergleiche, dann Bin ich doch etwas verblüfft, dass die ganzen Investitionen letztendlich so wenig bewirken.


Hallo Ralf,

danke für offenen Worte.

Das deckt sich mit meinen Erfahrungen, da ich die 8351 nach fast 2 Jahren sehr gut kenne und viele Konstellationen über lange Zeit gehört habe, teilweise verblindet. Aufgrund der Integration in meine Kette, bin ich letztendlich bei der analoger Ansteuerung geblieben, trotz der theoretischen Nachteile von zwei zusätzlichen Wandlungsstufen (DA-AD). Ich weiß, das Thema ist strittig, aber für mich bedeutet dies, das man auch mehrmalige Wandlungsstufen akustisch transparent gestalten kann, insbesondere bei hoher Integrationsdichte (Wegfall von Schnittstellen). Diese Philosophie verfolgend war auch bei unseren eigenen DSP-Boards, die wir ja selbst designen und dann gegen Modelle wie beispielsweise die Genelec benchmarken.

Viele Grüße
Roland
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Beitragvon shakti » 28.05.2017, 12:12

Danke für den Bericht!, der mich darin bestaetigt, dass analog am besten klingt, wenn möglichst alle digitalen Geraete ausgeschaltet sind!

Gruss
Juergen
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Beitragvon nihil.sine.causa » 28.05.2017, 12:14

Hallo Roland,

RS.schanksaudio hat geschrieben:Ich weiß, das Thema ist strittig, aber für mich bedeutet dies, das man auch mehrmalige Wandlungsstufen akustisch transparent gestalten kann, insbesondere bei hoher Integrationsdichte (Wegfall von Schnittstellen). Diese Philosophie verfolgend war auch bei unseren eigenen DSP-Boards, die wir ja selbst designen und dann gegen Modelle wie beispielsweise die Genelec benchmarken.

Das ist in der Tat strittig. Ich habe - trotz groß angelegter Versuchsreihe - bisher keine transparente ADDA-Kette vor die Ohren bekommen. Voraussetzung ist allerdings eine hervorragende Analogquelle als Ausgangspunkt.

Ich möchte jedoch anmerken, dass eine Diskussion um das Thema ADDA in diesem Thread off topic wäre. Hier wäre ein besserer Ort:

viewtopic.php?f=23&t=6156&start=0

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon darwols » 28.05.2017, 12:41

Ja! Es war auch für mich ein wundervoller Tag in Ralfs Studio in Wöllenstein. Kein Wunder, denn ich konnte als Technik-Laie mit drei so versierten Audiotechnikern wie Christoph, Harald und Ralf in einer großartigen Gesprächsatmosphäre sehr viel lernen. Danke Euch dafür! :cheers:

Meine Höreindrücke: Auf jeden Fall keine signifikanten Unterschiede zwischen den zwei unterschiedlichen Ansätzen folgenden ausgeklügelten Audio-PCs von Christoph und Ralf mit dem Tablet von Harald. Ich versuchte kleinste Unterschiede auszumachen. Aber es blieb für mich ein stochern im Nebel!

Sehr überraschend und erklärungsbbedürftig für mich. Denn auf dem letzten Forumstreffen hatte ich wie viele andere auch einen gänzlich anderen Hördruck. Bei einem Vergleich verschiedenster Digitalquellen in Haralds Vorführung, deren Signale alle durch einen afi + usb geleitet wurden, war Christophs Audio-PC für mich und andere der klare Klanggewinner! Außerdem hat Christoph von verschiedenen Hörtests berichtet wo die verschieden konfigurierten Audio-PCs in verschiedenen Forums-Anlagen mit afi + usb klare Klangveränderungen gezeigt hatten.

Da kommen Fragen auf die auf eine Beantwortung warten. Worin sind die unterschiedlichen Höreindrücke begründet? Klar ist, das es weitere Einflußfaktoren geben muss. Aber welche sind es? Kandidaten sind HF-Müll, Stromversorgung und Massekonzept. Gibt es noch andere?

Da bleibt noch einiges zu klären für die forschenden Spezialisten hier im Forum. Ich bin schon sehr gespannt und freue mich auf Eure Erkenntnisfortschritte.

Viele Grüße

Winfried
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Beitragvon bugatti66 » 28.05.2017, 12:44

nihil.sine.causa hat geschrieben: ... ein einfaches Trekstor Tablet (TrekStor SurfTab wintron 10.1) mitzubringen (aus Jux habe ich es in eine Munitionskiste verpackt. Besonders effektiv abgeschirmt wurde das Tablet dadurch nicht, denn es war stets per WLAN erreichbar. Ich habe es so aus dem Nebenraum auch fernsteuern können mit Teamviewer...

Hallo Harald,
ich nehme an, die Munitionskiste ist aus Metall, und alle Metallteile sind leitend verbunden?
Das reicht aber alleine nicht genügend zur Abschirmung, man muss sie auch Erden!
Grüße Bugatti
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Beitragvon nihil.sine.causa » 28.05.2017, 13:03

Hallo Bugatti,

bugatti66 hat geschrieben:ich nehme an, die Munitionskiste ist aus Metall, und alle Metallteile sind leitend verbunden?
Das reicht aber alleine nicht genügend zur Abschirmung, man muss sie auch Erden!
Grüße Bugatti

In diesem Setup war das die Kiste, wie gesagt, nur aus Jux mit dabei. Sie war immer auf die gleiche Weise ungeerdet.

Aber Du wirst lachen, wenn ich Digitalisierungen mache, dann kommt der ADC in diese Kiste und dann wird auch die Kiste über eine dicke Erdleitung geerdet. Das bringt in der Tat eine minimale Verbesserung.

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon Ralf Koschnicke » 28.05.2017, 17:33

Hallo zusammen,
erst nochmal herzlichen Dank an Harald, Christoph und Winfried für euren Besuch und dass ihr die weite Anreise aus Köln/Bonn auf euch genommen habt. Das war auch für mich ein sehr interessanter Tag.

Die Fragestellung, wie weit denn nun das Afi+USB-Konzept trägt, beschäftigt mich ja, seit erste Berichte über den Einfluss von USB-Kabeln auftauchten. Meine eigenen Tests liefern seither zwar immer das gleiche Ergebnis: wenn trotz Afi+USB noch Klangunterschiede, dann sind es externe Faktoren. Aber dann gibt es eben solche Ergebnisse wie beim letzten Forentreffen, die bei genauem Hinschauen zwar nicht im Widerspruch dazu stehen, aber wohl gerne erst einmal so gesehen werden. Das wollten wir hier, wie Harald bereits schrieb, eben mal auf eine Art und Weise näher untersuchen, die diese externen Faktoren aus der Bewertung quasi heraus mittelt. Und siehe da, es ergab sich eigentlich genau das Ergebnis: Wenn die zu vergleichenden Zuspieler gleichzeitig laufen und somit quasi das Noise-Profil das sie abgeben immer abgeben wird, egal welche Audioausgabe denn nun gerade tatsächlich am DAC gewählt ist, klangen die Zuspieler identisch. Damit ist dann gezeigt, dass der Einfluss über die digitale Audioverbindung tatsächlich aufgehoben wird. Denn sonst hätten die Zuspieler immer noch unterschiedlich klingen müssen.
Nicht beeinflussen kann Afi+USB das was die Quellgeräte selbst tun und das ist eben der weiterhin wirksame Mechanismus, warum verschiedene Setups und verschiedene Quellgeräte trotz Afi+USB immer noch unterschiedlich klingen können, auch wenn man sich sicherlich so bereits auf einem deutlich höheren Einstiegsniveau befindet. Insofern war es auch umso nützlicher, Haralds 0815-Tablet inkl. Steckernetzteil dabei gehabt zu haben.

Das Steckernetzteil sehe ich außerdem quasi als Kontrollprobe dafür, dass wir hier Unterschiede hören konnten. Das von Harald bereits erwähnte LWL-Modul für den ADC ist allerdings umso mehr noch Kontrollprobe, denn der Unterschied dort im Vergleich zum üblichen USB-Modul in Afis bzw. Afi ist wirklich sehr fein. Das konnte die Abhörkette des gestrigen Tages durchaus auflösen. Ja, wie bereits eingeworfen, es kann viele Gründe dafür geben, warum man keine Unterschiede hört. Bei DSP-Lautsprechern würde ich persönlich erst einmal hinterfragen, ob das nicht daran liegt... Aber für die Abhörkette hier möchte ich schon den Anspruch ergeben, dass die durchaus sehr feine Details aufzeigen kann. Die Kette ist immerhin wichtigste Basis bei der Entwicklung und es gäbe sicher weder ADC noch DAC auf diesem herausragenden Qualitätsniveau, wenn ich hier nichts hören könnte ;-) Die Tauglichkeit der Abhörkette haben wir eben auch mit den zusätzlichen Tests absichern können und genau das ist für die Aussagekraft des Haupttests auch wichtig.

Ergänzen zu Haralds Beschreibung möchte ich allerdings noch, dass ich persönlich den Wirkmechanismus der mutmaßlichen HF-Abstrahlung eher auf der analogen Seite vermute. Ich glaube nicht, dass der Klangunterschied durch beispielsweise das kleine Steckernetzteil durch Rückwirkung auf die Rechner erfolgte. Aus meiner Sicht ist Abstrahlung vom DC-Kabel und auch der Netzleitung vor dem Steckernetzteil Richtung Analogseite der Anlage deutlich wahrscheinlicher. Auch soll das parallel Laufen lassen der diversen Rechner nicht eine ständige gegenseitige Beeinflussung der Rechner unter sich generieren. Die mag stattfinden, aber die würde ja durch Afi+USB ausgefiltert werden. Aus meiner Sicht soll immer der gleiche Einfluss der Quellen auf die ganze Abhörkette, vor allem die Analogseite, gegeben sein. Erst wenn das immer stabil ist, kann man beurteilen, was denn noch auf der Digital-Audio-Verbindung passiert.

Bis hierher ist der Test aber zugegeben eher akademischer Natur. Wir haben gezielt eine stabile „Grundlast“ erzeugt, um der Frage nachzugehen, inwieweit der Rechner Einflüsse macht, trotz Isolation der Digitalverbindung per Afi-USB. In der Realität zu Hause ist hingegen eher die absolute Gesamtperformance relevant. Deshalb haben wir dann auch nochmal Christophs PC und den „arfi-muse“ jeweils separat beurteilt, ohne dass sonst noch etwas lief. Ich denke wir hatten hier nur jetzt eben zwei Maschinen, die das zwar auf sehr unterschiedliche Weise erreichen, aber dennoch sehr frei von Rückwirkungen auf ihre Umwelt waren. Deshalb haben sich die vorherigen Ergebnisse auch bestätigt. Beide sehr ähnlich bis identisch und ohne signifikanten Unterschied zu vorher. Das Stecknetzteil zeigte jedoch recht eindrucksvoll, wie es auch sein kann, und solche Dinge sollte man eben bei jedem Quellgerät erst einmal erwarten. Je spezieller für Audio optimiert, umso weniger, hoffentlich. Aber stets besser diese sekundären Wege im Blick behalten. Das führte mich dann eben auch zu der neuesten Entwicklung.

Musikserver "arfi-muse"
Auch weil jetzt bereits viel danach gefragt wird, ein paar Worte zum neuen Musikserver „arfi-muse“: Offizieller Serienstart ist derzeit noch nicht abschließend terminiert, aber das im Test verwendete Exemplar war auf dem für die Serie gesetzten Stand. Die Idee dahinter ist eben, das Afi+USB-Konzept noch eine Stufe weiter zu treiben, um eben auch diese externen Faktoren zu minimieren. Wie man ja auch anhand Haralds Tablet hören konnte, kann man mit Afi+USB durchaus auch mit recht einfacher Computerausstattung ein ganz beachtliches Niveau erreichen, wenn man ein paar flankierende Maßnahmen beherzigt. Aber genauso haben wir eben auch gehört, das Tablet braucht Strom, und bereits die Stromversorgung kann dann die Falle sein.
Christoph hat bei seinem Rechner das Thema Stromversorgung durch Akkubetrieb umfassend erschlagen. Die sonstigen Einflüsse des Rechners auf seine Umgebung reduziert er hauptsächlich durch Minimalismus auf Software-Seite – bitte korrigiere mich, wenn noch mehr dazu zu sagen ist – Christoph. Auf jeden Fall erreicht er damit ein Niveau, wo auch das externe USB-Kabel zum USB-Modul unauffällig bleibt.
Beim „arfi-muse“ habe ich allerdings ganz gezielt einen Ansatz aus ganz anderen Richtung verfolgt. Das war ja im Prinzip Antriebskraft schon für die Afi+USB-Entwicklung: All die „Klangeinflüsse von Software“ (wenn bit-echt) müssen durch Hardware-Design auszuschließen sein. Der Afi+USB kommt damit bekanntermaßen bereits sehr weit. Was drumherum passiert, ist allerdings eben immer noch wichtig. Beim „arfi-muse“ ist das LWL-Modul, das üblicherweise in dem kleinen externen Kästchen ist, fest im Gehäuse integriert, d.h. der „arfi-muse“ hat die drei LWL-Anschlüsse für in Richtung Afi oder Afis am Gehäuse. Damit entfällt der Einfluss der USB-Verbindung zwischen Rechner und USB-Modul sowie auch der Stromversorgung des USB-Moduls. Ebenso wurde penibel darauf geachtet, dass das Gehäuse des Rechners sehr dicht geschirmt ist. Die Stromversorgung ist integriert und der Netzspannungseingang ist so üppig gefiltert wie es auf dem Markt vermutlich sonst nicht zu finden ist. Außerdem ist ein sehr schlanke Hardware-Plattform gewählt, die bereits dadurch möglichst wenig Noise produziert. Die Leistung reicht sicher satt für Musikabspielbetrieb, auch inkl. etwas DSP, beispielsweise Raumkorrektur, aber es ist eben keine „Hochleistungsrechenmaschine“ mit entsprechend heftigem „Betriebsgeräusch“.
Außerdem war mir in Verlängerung dieses Ansatzes wichtig, die Maschine mit möglichst wenig Peripherie betreiben zu können, weil potentiell wieder jede Kabelverbindung HF-technisch ein Problem darstellen kann, externe Komponenten ohnehin. WLAN ist per Miniatur-Stick in einem der beiden USB-Ports integriert und der „arfi-muse“ kann darüber völlig autark, ohne weitere Netzwerkinstallation, mit einem Tablet, Laptop o.ä. kommunizieren. Bedient werden kann dann der mitgelieferte J.River Mediacenter sehr komfortabel per Jremote. Verwaltungsaufgaben o.ä. können auf dem gleichen Wege per Remote-Desktop erledigt werden. Das ist eine Windows-eigene Funktion, über die man den Desktop eines Rechners im Netz auf einen anderen Rechner holen kann, quasi als ob es dieser wäre. Es ist zwar ein Displayport vorhanden. Tastatur und Maus sind per USB möglich. Es hat sich aber gezeigt, dass WLAN wesentlich weniger kritisch in Sachen Klangeinflüsse ist als diverse Kabelverbindungen. Ganz zu vermeiden ist aus meiner Sicht ein Monitor per HDMI. Das ist i.d.R. die größte Strahlungsquelle. Die Netzwerkschnittstelle ist wiederum eher unauffällig. Zumindest konnte ich keine Klangeinflüsse wahrnehmen. Somit sehe ich eine Netzwerkverbindung zu einem bestehenden Netzwerk noch am ehesten akzeptabel. Aber im Prinzip kann eine HDD bis 5TB eingebaut werden, dazu gibt es ein internes CD/DVD-Laufwerk. Man braucht also außer einem Bediengerät (Laptop, Tablet, Smartphone) keine Peripherie. Man hat am „arfi-muse“ einen Netzeingang und die LWLs zu Afi oder Afis, sonst keine Kabel, aber trotzdem einen vollwertigen Windows 10 Rechner mit allem Komfort ohne irgendwelche Einschränkungen minimalistischer Lösungen, aber dennoch auf hohem Klangniveau.

Viele Grüße
Ralf
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Beitragvon Bernd Peter » 28.05.2017, 17:55

Hallo Ralf,

wie schaut es bei Dir mit der Netzspannungsversorgung aus, ist das eine einfache Hausinstallation oder mehr?

Wie ist es mit der Erdung?


Gruß

Bernd Peter
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Beitragvon lukivision » 28.05.2017, 19:52

Interessanter Vergleich. Besonders, weil sich (wieder einmal) zeigt, daß eine Akkuversorgung wie bei Christophs PC viele Probleme gar nicht erst entstehen läßt.
Ich werde mittelfristig darauf hinzielen, einen starken Akku zu basteln, der verschiedene Spannungen bereit stellt und sich bei Nicht-Gebrauch selbsttätig auflädt. Vielleicht eine einfache Batterie aus 1,2 V-Zellen...

Danke Euch für die Inspiration!

Luki
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Beitragvon FraKtiv » 28.05.2017, 19:56

Hallo Ralf,

die Idee mit dem Streamer klingt interessant. Wird das Gerät immer mit Windows ausgeliefert oder wäre auch ein "nacktes" Gerät denkbar, bei dem man sich bspw. Daphile aufspielt.Das ganze klingt für mich ein wenig wie die Innuos-Geräte. Nur stellt sich dann generell die ganz große Frage nach dem angepeilten Preis. Vielleicht kann man da schon etwas verraten.

Viele Grüße,
Frank.
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