Materialklang! Gibt's den ... oder nicht?

Lautsprecherbau und -tuning

Beitragvon O.Mertineit » 19.08.2015, 09:49

BigKahhonabob hat geschrieben:Da die Materialeigenschaften von Metall (hier Berryllium) und Gewebe sich, insbesondere in der Steifigkeit, deutlich unterscheiden, bricht eine Metallmembran später auf, schwingt also zu höheren Frequenzen länger kolbenförmig – dieses Verhalten bestimmt maßgeblich das Abstrahlverhalten am oberen Übertragungsbereich und damit den in den meisten Räumen hörbaren Effekt.

Hallo,

ich hatte ja nach dem konkreten "wie" gefragt:

D.h. wie macht sich das - angeblich - frühere "Aufbrechen" der Gewebekalotte Deiner Meinung nach messtechnisch im konkreten Fall bemerkbar ?

M.E. wiederholst Du hier nur Gemeinplätze, die man ähnlich auch aus einschlägiger Werbung oder aus Consumer Zeitschriften beziehen kann. Wenn Deine Aussagen jedoch nicht weiter hinterfragt werden sollen/können, dann schreib' es doch einfach dazu: Ich werde dann künftig Deine Aussagen bzw. Tatsachenbehauptungen nicht mehr weiter hinterfragen, damit habe ich kein Problem.

Die beiden Hochtöner unterscheiden sich neben dem Membranmaterial m.E. u.a. auch in der Membranform, und nicht nur im Vorhandensein/Nichtvorhandensein eines Schutzgitters/Diffusors.

Damit ist natürlich auch die für den obersten Hochton relevante "geometrische Ausformung" der Schallquelle und ihrer Umgebung nicht mehr "identisch", denn diese Strukturen sind im obersten Hochton nicht mehr klein gegen die abgestrahlte Wellenlänge.

Interessant wäre es also, messtechnisch belegbare Hinweise zu finden, die eindeutig auf Unterschiede im Partialschwingungsverhalten der beiden Hochtönertypen hindeuten und diese von anderen Effekten auch abgrenzen können.

Deshalb hatte es mich interessiert, in welcher Weise Du solch eine Unterscheidung treffen möchtest. Deine Antwort liegt aber bisher für mich "im Rahmen des Erwarteten": Du beantwortest die Frage einfach nicht. Das ist für mich natürlich sehr schade ...

Damit ist aber auch mein Interesse an Deinem Standpunkt etwas "erloschen", denn ich müsste nun Belege für beide möglichen Standpunkte recherchieren - "Materialklang entscheident" vs. "Membranform und Umgebung entscheidend" - während der Mitdiskutant sich gänzlich auf das Aufstellen einseitiger und unbelegter Tatsachenbehauptungen beschränkt. Das ist nicht sehr attraktiv als "Diskussionsgrundlage".


Viele Grüße aus Reinheim

Oliver
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Beitragvon O.Mertineit » 19.08.2015, 10:40

RS.schanksaudio hat geschrieben:Solche Unterstellungen möchte ich eigentlich gar nicht kommentieren, ...


Hallo Roland,

ich möchte nichts unterstellen:

Wenn Du eigene Messungen Deiner beiden HT-Kalottentypen z.B.

- Freifeld Frequenzgänge unter Winkeln
- Zerfallsspektren

o. dergl. unter wirklich vergleichbaren Bedingungen gemacht hast, wäre das natürlich von Interesse. Mir waren sie hier im Thread nur bisher noch nicht aufgefallen.

Aussagefähige "Fremdmessungen" unter gleichen Bedingungen für beide Typen - etwa aus einem Hochtönertest einer Selbstbauzeitschrift - wären sicher ebenso interessant.


Ich habe nur diese herstellerseitigen PDFs aufgelesen:

D3004-660000 (Gewebekalotte):
http://www.troelsgravesen.dk/ScanSpeak- ... 660000.pdf

d3004-664000 (Metallkalotte):
http://www.scan-speak.dk/datasheet/pdf/d3004-664000.pdf

Und es würde mich interessieren, wie Du z.B. das Zustandekommen der Frequenzgänge unter Winkeln bezüglich Partialschwingungen deuten würdest, denn lt. eigener Aussage bist Du dazu ja in der Lage.


Grüße aus Reinheim

Oliver
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Beitragvon RS.schanksaudio » 19.08.2015, 11:23

O.Mertineit hat geschrieben:M.E. wiederholst Du hier nur Gemeinplätze, die man ähnlich auch aus einschlägiger Werbung oder aus Consumer Zeitschriften beziehen kann.


Dieser Diskussionsstil gefällt mir nicht, das hatte ich vorgängig klar gestellt.

O.Mertineit hat geschrieben:Die beiden Hochtöner unterscheiden sich neben dem Membranmaterial m.E. u.a. auch in der Membranform, und nicht nur im Vorhandensein/Nichtvorhandensein eines Schutzgitters/Diffusors.


Die ist eine Spekulation Deinerseits, wir wissen es beide nicht. Das ist aber auch nicht der Punkt. Ich habe klar gemacht, das die beiden genannten Treiber geeignet sind, ein unterschiedliches Verhalten aufgrund der verschiedenen Membranmertialien zu zeigen.


O.Mertineit hat geschrieben:Interessant wäre es also, messtechnisch belegbare Hinweise zu finden, die eindeutig auf Unterschiede im Partialschwingungsverhalten der beiden Hochtönertypen hindeuten und diese von anderen Effekten auch abgrenzen können.

Deshalb hatte es mich interessiert, in welcher Weise Du solch eine Unterscheidung treffen möchtest. Deine Antwort liegt aber bisher für mich "im Rahmen des Erwarteten": Du beantwortest die Frage einfach nicht. Das ist für mich natürlich sehr schade ...


Eine direkte Messung von dem was tatsächlich auf/in der Membran passiert funktioniert in der Form nur mit eine Laserabtastung (siehe Test der Neumann Monitore). Der Rückschluss vom Abstrahlverhalten auf das Partialschwingungsverhalten halte ich für kausal zulässig.

O.Mertineit hat geschrieben:Aussagefähige "Fremdmessungen" unter gleichen Bedingungen für beide Typen - etwa aus einem Hochtönertest einer Selbstbauzeitschrift - wären sicher ebenso interessant.


http://www.troelsgravesen.dk/ScanSpeak-tweeters.htm
http://www.audioexcite.com/?p=1953
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Beitragvon O.Mertineit » 19.08.2015, 11:37

BigKahoonabob hat geschrieben:Der Rückschluss vom Abstrahlverhalten auf das Partialschwingungsverhalten halte ich für kausal zulässig.


Hallo Roland,

dann nenne doch bitte konkrete Merkmale (eines wenigstens), welches im "Abstrahlverhalten" - Deiner Ansicht nach - auf Partialschwingungen schließen lässt, und diese als Ursache von anderen Effekten abgrenzt.

Wenn Du sagst, am Ende geht das nur mit Laserinterferometrie, dann hast Du Dich von Deinem Standpunkt also mittlerweile zurückgezogen ...

Das kann man aber m.E. auch mit weniger Aufwand (Länge) - und vor allem höflicher gegenüber dem Mitdiskutanten - tun.


Grüße aus Reinheim

Oliver
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Beitragvon chriss0212 » 19.08.2015, 11:55

hallo ihr beiden,

ein vorschlag: ihr klärt das per pm mail oder sonstiges...und wenn ihr euch einig seid...verkündet ihr das ergebnis mit einem paukenschlag?!

grüsse

christian
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Beitragvon uli.brueggemann » 19.08.2015, 11:59

https://www.hdm-stuttgart.de/~curdt/_Lautsprecher.pdf hat geschrieben:Welligkeit im Frequenzgang bei Abweichungen von der Hauptabstrahlachse <=> Partialschwingungen der Membran

Man vergleiche nun z.B. die Frequenzgänge aus Rolands Link für 30/45/60 Grad für den Hochtöner mit Gewebekalotte mit dem Hochtöner mit Beryllium-Kalotte oberhalb von ca. 15 kHz bzgl. der Welligkeiten

Grüsse
Uli
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Beitragvon O.Mertineit » 19.08.2015, 12:02

O.Mertineit hat geschrieben:D3004-660000 (Gewebekalotte):
http://www.troelsgravesen.dk/ScanSpeak- ... 660000.pdf

d3004-664000 (Metallkalotte):
http://www.scan-speak.dk/datasheet/pdf/d3004-664000.pdf

Hallo zusammen,

nochmal zur "Membanform" bzw. Form der unmittelbaren Umgebung ...

M.E. - und wenn meine Brille keinen "Knick" in der Optik hat - würde die Gewebekalotte eindeutig "plattgedrückt", wenn man das Schutzgitter/Diffusor aus der Metallversion dort in gleicher Weise in das Korbfenster montieren würde.

Das Zentrum der Gewebekalotte - die zudem eine andere Kontur hat - steht also wesentlich weiter aus dem Korbfenster heraus, als bei der Metallversion.

Da wir hier wirklich den obersten Hochton bis. 20Khz diskutieren, gibt es hier keine Abweichungen, die man einfach mal "links liegen lassen" kann. Denn die Durchmesser der Schallquellen entsprechen bei 20Khz mehr als einer ganzen Wellenlänge. Die Schallquellen wären also selbst bei angenommener perfekt "kolbenförmiger" Bewegung (die ich damit weder für die eine, noch für die andere Version behaupte) beider Kalottenversionen nicht als "baugleich" hinsichtlich der Geometrie (Membran, Integration ins Korbfenster, Schutzgitter/Diffusor, Sicke ...) einzustufen.


Nochmal beisammen:

D3004-660000 (Gewebe):
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D3004-664000 (Metall):
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Grüße Oliver
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Beitragvon RS.schanksaudio » 19.08.2015, 12:09

Hallo,

O.Mertineit hat geschrieben:Das kann man aber m.E. auch mit weniger Aufwand (Länge) - und vor allem höflicher gegenüber dem Mitdiskutanten - tun.

Auf Kürze und Höflichkeit Deinerseits hinzuweisen hat schon seine eigene Ironie. :wink:

--
Ich denke inhaltlich sind wir weitestgehend durch, vielen Dank für den Link Uli.


Grüße
Roland
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Beitragvon O.Mertineit » 19.08.2015, 12:23

BigKahoonaBob hat geschrieben:Ich denke inhaltlich sind wir weitestgehend durch, vielen Dank für den Link Uli.

Hallo Roland,

was zeigen denn die Links konkret ?

(Außer daß bei der Messung der Gewebekalotte noch eine Störquelle vorhanden war, was aber die Interpretation nicht beeinträchtigen sollte ...)


Grüße Oliver
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Beitragvon MichaNRW » 19.08.2015, 12:37

Es gibt doch immer wieder interessante Ansätze - da wird der Kalottentyp nebensächlich. :wink:

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Beitragvon O.Mertineit » 19.08.2015, 17:31

(Zum Beispiel zweier Versionen von Kalottenhochtönern mit u.a. unterschiedlichen Membranen aus Gewebe bzw. Metall ...)

Hallo zusammen,

(1) 00-15-22.5 Grad
660000 (Gewebe)
http://www.audioexcite.com/wp-content/u ... 2.5deg.jpg

664000 (Metall)
http://www.audioexcite.com/wp-content/u ... 2.5deg.jpg


(2) 30-45-60 Grad
660000 (Gewebe)
http://www.audioexcite.com/wp-content/u ... -60deg.jpg

664000 (Metall)
http://www.audioexcite.com/wp-content/u ... -60deg.jpg


Beim zweiten Satz der Messungen beschränke mich darauf festzustellen, daß die Frequenz, ab der eine deutliche Abweichung im Schalldruckverlauf (Steigung) bei 60 Grad ("grün") gegenüber kleineren Winkeln einsetzt (z.B. 60 Grad vs. 30 Grad oder auch 60 Grad vs. 0 Grad), bei beiden Systemen etwa gleich hoch (oder tief) liegt.

Die Frequenz ist genau genommen bei Metallversion sogar einen Tick niedriger als bei der Gewebeversion ("Knick" in grüner Kurve oberhalb ca. 15Khz). Wenn das also "ein sicheres Indiz" für Partialschwingungen sein soll, dann ist die Metallkalotte bereits bei niedrigerer oder gleicher Frequenz "beim gleichen Spiel dabei" wie die Gewebekalotte.

Daraus jedoch auf ein "deutlicheres Aufbrechen in Partialschwingungen" oder generell "größeren Einfluss von Partialschwingungen für das Rundstrahlverhalten" (was beides nicht dasselbe ist ...) bereits bei niedrigeren Frequenzen für die "Gewebe"-Version zu schließen, ist allein aufgrund dieser Messungen daher zumindest "gewagt".

Dazu sind die Winkelfrequenzgänge der Gewebekalotte im Hörbereich noch vergleichsweise (zu) ähnlich (konsistent) untereinander, und die Metallkalotte liefert hier insgesamt kein konsistenteres Bild:

Das Rundstrahlverhalten der Gewebekalotte - kontinuierlich geringererer Schalldruck zu größeren Winkeln bei steigender Frequenz wäre im "Idealfall" als Kurvenschar zu erwarten - ist in der Feinstruktur sogar bis ca. 15Khz merklich konsistenter und dadurch in dieser Hinsicht auch "näher am Kolbenstrahler". Dieser wäre ja hier auch nicht mehr klein zur Wellenlänge, und würde daher bündeln.

Es hilft bei dieser Betrachtung, wenn man den Frequenzgang auf Achse in Gedanken "auf flach" entzerrt, und und sich jeweils nur die Differenzen zu den ebenfalls in Relation dazu entzerrten Winkelfrequenzgängen ansieht.

Oberhalb ca. 15Khz werden jedoch die Winkelfrequenzgänge beider Systeme inkonsistent, wofür prinzipiell Partialschwingungen oder Interferenzen durch benachbarte Strukturen (z.B. Korbfenster) verantwortlich sein können (*).

Das muss aber nicht am Membranmaterial (allein) liegen, zumindest würde ich das aufgrund der bis dahin vorliegenden Messungen nicht behaupten.


O.Mertineit hat geschrieben:...
Ich habe nur diese herstellerseitigen PDFs aufgelesen:

D3004-660000 (Gewebekalotte):
http://www.troelsgravesen.dk/ScanSpeak- ... 660000.pdf

d3004-664000 (Metallkalotte):
http://www.scan-speak.dk/datasheet/pdf/d3004-664000.pdf
...


Bei den herstellerseitigen Messungen (s.o.) schenken sich beide Versionen übrigens auch hinsichtlich der Rauhigkeit im Frequenzgang auf Achse nicht viel in der obersten Oktave des Hörspektrums ... was ebenfalls den "idealen Kolbenstrahler" auch für die Metallversion etwas entfernter erscheinen lässt.

Woher die Effekte auch kommen mögen: Eine pauschale "Gewebe schlecht" - "Metall gut" (oder anders herum) Einteilung in Bezug auf Partialschwingungen und Rundstrahlverhalten scheint mir weder hier noch allgemein angebracht und ist m.E. durch die präsentierten Daten auch im konkreten Beispielfall nicht zu rechtfertigen.

Daß beide Hochtonsysteme auch hinsichtlich der für kleine (Luftschall-) Wellenlängen (hohe Frequenzen) relevanten Geometrie merkliche Unterschiede aufweisen, hatte ich in einem vorigen Post schon erwähnt, womit "Baugleichheit" (auch außerhalb des abweichenden Membranmaterials) im hier diskutierten Frequenzbereich ebenfalls nicht gegeben ist.



Grüße aus Reinheim

Oliver

_________

(*) Partialschwingungen verursachen ebenfalls Interferenz: Jedoch nur dann in deutlicher Form, wenn die Biegewellenlänge in die Größenordnung der Schallwellenlänge in Luft kommt oder größer wird.

Bei einem Material/einer Struktur mit "langsamer" Ausbreitung von Biegewellen (gegenüber Luftschall), werden also Strahlungskomponenten von Partialschwingungen weniger effektiv abgestrahlt.
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Beitragvon O.Mertineit » 20.08.2015, 13:07

(zu "Membranmaterial und Einbaubedingungen" aus einer länger zurückliegenden eigenen Messung)

Hallo zusammen,

hier noch ein anderes Beispiel für das Zustandekommen von "Inkonsistenzen" bei Winkelfrequenzgängen,
speziell in der obersten Oktave.

Winkelfrequenzgänge für 0 Grad - 22,5 Grad - 45 Grad

Anordnung A:
Bild

Anordnung B:
Bild

Es handelt sich hier in beiden Fällen um dieselbe "Inverskalotte" mit ca. 40mm Durchmesser als Hochtonquelle. Hier haben sich also nur die Einbaubedingungen (s.u.) geändert.

In Anordnung B erscheinen die Winkelfrequenzgänge in der obersten Oktave (10...20Khz) "konsistenter", d.h. es gibt z.B. keine Überschneidungen der Kurven von 0 ...45 Grad.

In Anordnung A war der Treiber am Ende eines freistehenden Röhrchens (*) montiert:
Bild

In Anordnung B kam zusätzlich eine konische "waveguideartige" Struktur aus perforiertem Blech hinzu:
Bild


Es geht hier nicht darum, in Bezug auf die in den vorigen Posts thematisierten Hochtönervarianten ("Gewebe" vs. "Metall") irgendetwas "nahezulegen", denn Eigenschwingungen der Membranen werden dort in der obersten Okatave sicher eine Rolle spielen.

Vielmehr geht es hier darum, auch andere prinzipiell mögliche Einflüsse - wie Einbaubedingungen speziell für hohe Frequenzen - auf die Konsistenz von Winkelfrequenzgängen bei Schallquellen zu zeigen.

Die Messungen mit dem experimentellen perforierten Waveguide wurden von mir vor einigen Jahren gemacht ...

Partialschwingungen einer Membran selbst und "Sekundärschallquellen", welche etwa durch Beugung und Reflexion an Korbfenstern oder anderen Strukturen in der Umgebung einer Membran entstehen, können sehr ähnliche Effekte auf das Rundstrahlverhalten bei hohen Frequenzen haben.

Andererseits wäre es m.E. trotz recht konsistenter Winkelfrequenzgänge in Anordnung B (mit Waveguide) kaum gerechtfertigt, für die 40mm Kalotte (**) zwischen 10 und 20Khz nun eine "perfekt kolbenförmige" Membranbewegung anzunehmen ...


Grüße Oliver
____________

(*) Innen bedämpft und nach hinten mit einem Pfropfen aus Moosgummi verschlossen

(**) Komposit Inverskalotte mit innenliegend aufgeklebtem Konus (Papier), der eine "kleiner als Kalottendurchmesser" Schwingspule trägt
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Eigenresonanz von Membranmaterialien bei "Kolbenmembranen"

Beitragvon O.Mertineit » 21.08.2015, 14:58

Zur Steifigkeit von Membranmaterialien bei "Kolbenmembranen" wie u.a. bei Kalottenhochtönern ...

Hier veranschaulicht an Rechteckplatten:

https://www.imw.tu-clausthal.de/fileadm ... AI-CHI.pdf

Aus S. 156 Gleichungen (2) und (3) geht hervor, daß die Biegesteifigkeit einer Platte mit der dritten Potenz ihrer Dicke h anwächst.

Die Eigenfrequenzen auf Platten (für eine jeweils gegebene Schwingungsmode) steigen dann etwa proportional zur Dicke einer Platte (3) (*).

Die Biegesteifigkeit einer Struktur ist also keine alleinige Materialeigenschaft, sondern hängt in erheblichem Maß von der Dicke (Wandstärke) ab.

Eigenfrequenzen - speziell von Hochtonmembranen - an das "obere Ende des Hörbereiches" oder auch in den Ultraschall zu legen, ist also im Prinzip mit allen Membranwerkstoffen möglich, indem die Dicke der Struktur erhöht wird, wenn nicht die Struktur selbst noch verbessert werden kann.

Will man z.B. die Grundmode in der Frequenz verdoppeln, so müsste man bei einer flachen Membran (als vereinfachtes Modell) etwa auch die Dicke verdoppeln und damit bei gleichem Materialtyp ebenso die Masse ... (**)

Hier kommt eine Abwägung für alternative Membranmaterialien ins Spiel:

Um einen gegebenen Wirkungsgrad zu erzielen, kann z.B. - auch kostenseitig - die benötigte Feldstärke im Luftspalt (-> Magnetvolumen, Material und Dimensionierung der Flussleitstücke) gegenüber einem alternativen Membranmaterial (etwa mit vergleichbarem E-Modul aber geringerer Dichte) abgewogen werden.

Man benötigt also keineswegs zwingend "Diamant" Hochtöner, um die Eigenresonanzen einer 25mm Kalottenmembran weit oberhalb 20Khz zu legen: Wenn man das möchte, geht dies ebenso z.B. mit

- Alu
- Balsa
- Beryllium
- Gewebe aus Fasern (Carbon, Kevlar, Seide ...)
- Keramik
- Papier
- Polypropylen
- Titan
- ...

oder auch mit einer Sandwichkonstruktion, etwa mit geschäumter Innenlage oder einem Wabenkern.

Alternativ ist ebenfalls die Verwendung kleinerer Membranen, evt. dann mit Einschränkungen in der Bandbreite "nach unten", möglich.

Inverskalotten bieten die Möglichkeit, Masse am Schwingspulenträger und seiner Verklebung einzusparen (durch kleinere Schwingspulendurchmesser ) und auch die strukturelle Steifigkeit einer Kalotte besser zu nutzen.

Membran mit Schwingspule und Sicke eines historischen Focal "T120" Hochtöners:
http://img4.hostingpics.net/pics/185112T120dos.jpg



Ich habe mir die Mühe gemacht, (ohne Gewähr) ein paar Materialien hinsichtlich ihrer Dimensionierung
(Dicke h) für gleiche Eigenresonanz bei dünnen Platten mit ansonsten gleichen Abmessungen (Fläche) zu vergleichen:


Bild

Das Augenmerk liegt hier auf einer Eignung für starre Kolbenmembranen.

Die Spalten (soweit nicht offensichtlich) am Beispiel Beryllium:

E:=POTENZ(B8/B10;1/3)
F:=WURZEL((C10/C8) * (B8/B10) )
G:=F10 * C10/C8
H:=20 *LOG(1/G10)

Die relativen erreichbaren dyn. Gesamtmassen (gedachte Kolbenmembran) beziehen sich auf modellhafte Situationen, in denen jeweils gleiche Antriebskraft für die verglichenen Membranen zur Verfügung steht, und nur die Masse des Membranmaterials selbst eine Rolle spielen würde:

Es werden also keine Schwingspulen, Zuleitungen, Teile der Sicken usw. berücksichtigt, die jede Membran in der Realität noch "mitschleppen" müsste, was die relativen dynamischen (Gesamt-) Massen sehr viel enger zusammenrücken ließe ...

Bei der hier nur bezüglich Steifigkeit und Masse für gleiche Resonanzfrequenz (das sind sicher nicht alle interessanten Kriterien) in der Verwendung für Kolbenmembranen verglichenen Materialien fällt mir u.a. auf:

- Diamant ist offenbar ein sehr gutes aber noch lange kein "Übermaterial" für Kolbenmembranen und müsste sich Beryllium und Balsa hinsichtlich erreichbarer (geringer) dynamischer Masse m.E. deutlich geschlagen geben (***)

- Beryllium wiederum spielt seinerseits in einer (ganz) anderen Liga als etwa die Metalle Titan und Aluminium. Leider trifft das jedoch auch auf Giftigkeit und Preis zu.

- Titan und Aluminium wiederum (speziell Titan) können von Materialien wie Seide in der dynamischen Masse unterboten werden: Hier sind Materialqualitäten und Verarbeitungsmethoden z.B. für Gewebemembranen entscheidend. Titan ist gegenüber Aluminium sehr viel massereicher, was in der Anwendung nicht durch das höhere E-Modul kompensiert werden kann.

- Auch bei Papier sind die Werte von Herstellung- und Verarbeitung abhängig, können jedoch Titan und evt. sogar Aluminium prinzipiell unterbieten.

- Balsa ist als Membranmaterial jedoch für alle anderen hier gelisteten Materialien vollkommen uneinholbar dasjenige, welches die geringste dynamische Masse von Membranen ermöglicht:
Allerdings ist das in Relation zur Dichte sehr hohe E-Modul nur in Faserrichtung und in ausgesuchten Qualitäten vorhanden, was einen geeigneten Aufbau von Membranen voraussetzt, und eine ebenso sorgfältige Auswahl des Rohmaterials. Bei Nachbehandlungsschritten (etwa Abdichten gegen Feuchtigkeit, Verleimen, ...) muss darauf geachtet werden, die spezifischen Materialvorteile zu erhalten.


Mein vorläufiges Fazit (auch falls mir keine groben Fehler beim Erstellen der Tabelle unterlaufen sind):

Für Membranmaterialien (speziell auch Kolbenmembranen) in der Elektroakustik gelten offenbar andere Kriterien, als für den Bau von Panzerschränken oder für die Schmuckherstellung ...


Grüße Oliver

___________________
(*) Die Zusammenhänge finden sich auch in einschlägigen Standardwerken zu Körperschall

(**) Ganz so schlimm muss es jedoch nicht kommen, denn die Schwingspule und ihr Träger inkl. Verklebungen und evt. auch die Sicke der Membran, müssen sich in ihrem Beitrag zur bewegten Gesamtmasse nicht wesentlich ändern, obwohl sie einen erheblichen Teil der bewegten Masse eines Hochtöners ausmachen. Eine "doppelt so dicke" Membran hat dann also gewöhnlich keine Verdopplung der bewegten Masse insgesamt zur Folge.

(***) Ein Umstand, der sich in der Bewerbung von Diamant als Membranmatarial jedoch selten wiederspiegelt ...
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Beitragvon Bernd Peter » 21.08.2015, 15:20

Hallo Oliver,

verwendet nicht Göbel in seinem Biegewellenwandler auch Holz?

Gruß

Bernd Peter
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Beitragvon O.Mertineit » 21.08.2015, 15:35

Hallo Bernd Peter,

ja tut er. Ob es bei den (allen) aktuellen Modellen noch so ist, weiß ich nicht.

Soweit ich weiß, wurden bei Göbel Platten aus Stirnholzstücken verwendet, die mit Epoxid versiegelt wurden.

Meine Strategie für Biegewellenwandler mit Balsa ist grundsätzlich anders, aber wir nutzen dasselbe Ausgangsmaterial ... :wink:
Der Göbel-Wandler hat auch keine Fullrange-Tauglichkeit (im Tiefton) zum Ziel.

Interessant ist jedoch, daß man aus Balsa auch konventionelle Kolbenmembranen machen könnte:
Anlass und Zielrichtung meines vorigen Posts waren ja eher die konventionellen Hochtöner wie z.B. Kalotten.

Grüße Oliver
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