Netzkabel

Lautsprecherbau und -tuning

Beitragvon chriss0212 » 01.04.2016, 22:05

Hallo stephan,

Vielen Dank für dein Feedback. Es handelt sich um 2,5mm2 solidcore Kabel.

Heller ist evtl. auch nicht ganz richtig. Stimmen wandern etwas in den Hintergrund und Becken beim Schlagzeug drängen sich etwas in den Vordergrund. Als Vergleich diente ja keine direkte Beipackstrippe sondern ein flexibles Kabel welches ich vom Händler beim Kauf eines Dacs dazugelegt bekam... Nichts high endiges aber wie ich meinen Händler kenne auch kein Schrott ;)

Vielleicht darf ich dich ja noch nach einem flecht Tipp fragen? Bisher hatte ich mit Zöpfen nicht viel am Hut ;)

Wenn ich die 3 Leiter einfach nur verdrille... Was ja ne Möglichkeit wäre habe ich die Befürchtung, dass sich diese auf Dauer wieder auflöst?!

Haha... Aber jetzt komme ich grad auf den Trichter warum du dich solidcore nennst... :cheers:

Ich wollte jetzt mal ein flexibles Kabel Flechten und mal sehen wie sich das verhält... Und werde mal googlen was es sonst noch für flechttechniken gibt ;)

Viele Grüße

Christian
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Beitragvon SolidCore » 01.04.2016, 22:22

Hallo Christian

Achte mal bei dem 2,5² Solidcore auf die obersten Höhen, oder Räumlichkeit. Sie verschwindet im Vergleich zu Litzenkabeln. Bei SolidCore musst du auf diese Eigenart achten. Zu Dick = Höhen weg. Bereits mit 4² Solid NYM meint man der Hochtöner wäre leiser. Bei Litzen den Hörtest eher auf Gezischel und Nervösität auslegen.

Es gibt keine allgemeingültige Flechttechnik. Es ist immer ein Wechselspiel zwischen Adernanzahl, Isolation, Materialstärke- und Art. Wie bei einer Hifianlage zählt das Gesammtkonstrukt. Bedenke, dass starre Einzeladern nicht VDE-zulässig sind.

Gruss
Stephan
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Beitragvon Hans-Martin » 02.04.2016, 09:06

chriss0212 hat geschrieben:Wenn ich die 3 Leir einfach nur verdrille... Was ja ne Möglichkeit wäre habe ich die Befürchtung, dass sich diese auf Dauer wieder auflöst?!

Hallo Christian
wenn die Kabel vor dir auf dem Tisch liegen und du sie im Stecker befestigt hast, von dort aus von Hand umeinander schlägst, und nicht miteinander wringst, kannst du rarauf achten, dass bei jedem Strang oben auch oben bleibt, also ohne Torsionskräfte mit den anderen gewendelt wird. Dann wird eine solche Doppel- oder DreifachHelix auch nicht auseinanderfedern, denn dadurch würden sich im Leiter Torsionskräfte speichern und der Bewegung entgegenwirken.
Das Verwendeln von Hand braucht Sorgfalt, bietet Zeit zum Nachdenken über durchgängige Homogenität bezüglich Zahl der Schläge pro Dezimeter, Orientierung der Wendelung (Rechts- oder Linksgewinde), Festigkeit des Wendels (magnetische Kraftwirkung des gegenläufigen Stroms drückt die Leiter auseinander) und schließlich die Frage, ob es oppotun ist, den unbelasteten Schutzleiter gleichberechtigt mit den beiden stromführenden Leitern zu verwendeln. Den könnte man ja auch locker neben dem verdrillten Paar in einem Schlauch mitlaufen lassen, was zudem die Flexibilität erhöht, ohne dass bei Biegung ein Leiter aus dem Verbund herausquillt. Und man kann Ferrite über das stromführende Leiterpaar legen, ohne die Schutzerde zu blocken und umgekehrt, oder beides für sich, oder alles gemeinsam.
Verwendelung und Flechten führen zu unterschiedlichen Ergebnissen, beim ersten sind die Leiter gleichsinnig von Anfang bis Ende umeinander. beim Zopf sieht man 3 nebeneinander verschobene Wellen, die sich nicht um gemeinsame Achsen drehen, folglich auch keine Magnetfeldkompensation haben. Leider ist meine LCR-Messbrücke defekt, sonst hätte ich mal den Vergleich gemessen.

Beim Hörvergleich scheiden sich dann die Geister.

Wie Stephan schon beim VDE-Aspekt ausstieg, weil Massivkabel bei Biegung früher einreißen und brechen können, dann folgen Lichtbogen und Kabelbrand, kommen nun die Klangunterschiede mehr oder wenig zum Vorschein. Wenn das Testgerät ein Netzfilter hat, wage ich zu bezweifeln, dass selbst ein Goldohr noch Unterschiede hört, die für eine Entscheidung reichen.
Aus vielerlei Gründen nehme ich einen CD-Player ohne Filter. Schon 2 Wendel um einen Ferritring kann im Player verborgen über die Eigenschaften und Eigenheiten der DIY Leitung dominieren.

Ich habe gefunden, dass Netzkabel und Lautsprecherkabel sich klanglich sehr ähnlich, wiedererkennbar verhalten. Das Lichtnetz hat einen Quellwiderstand nahe 0,4 Ohm (Verstärker z.B. 0,08 Ohm (Dämpfungsfaktor 100), bis 3 Ohm bei SET Röhre) , der LS hat 4-8 Ohm und der Netztrafo kann einen vergleichbaren Gleichstromwiderstand haben (Ringkerntrafo) oder eine Zehnerstelle darüber liegen.
So würde ich RKT und EI-Kern Trafos als unterschiedliche Lasten sehen, den mehr oder wenig fetten Siebelkos kommt auch noch eine Rolle zu. Verstärkerschaltungen unterdrücken Versorgungsspannungsschwankungen zu einem gewissen Teil. So finde ich an Verstärkern die Unterschiede schwerer zu hören als beim CD-Player.
Dazu gehört der Drehsinn im Wendel, die Festigkeit im Zusammenhalt, die Laufrichtung und Verarbeitungsrichtung. Alles ist hörbar zu unterscheiden, und das führt zu einer Vielzahl von Varianten, unter denen es eine goldene Konstellation zu finden gilt. Es lohnt sich auch, mit kleinen quadratischen Pappstücken, in der Mitte einmal gefaltet, 3 Löcher durchstochen für die Leiter, in regelmäßigen Abständen von 10cm die 3 Leiter auf konstantem Abstand zu halten und 8-10mm Abstand zwischen ihnen kostant zu halten. Der V-Falz verklemmt die Pappe in seiner Position, sonst könnte man mit Trinkhalmstücken auf der Leitung den Abstand zwischen den Pappen stabilisieren. Eine solche Leitung klingt sehr luftig aber auch kraftloser als die auf ganzer Strecke mechanisch fest fixierten Leiter. Damit könnte man die Laufrichtung des Kabelmaterials feststellen oder auch nicht.
Holzohren sind schon lange ausgestiegen...

SolidCore, also Massivdraht hat ernstzunehmende Vorzüge und ich pflichte Stephan bei: allzuviel Einzelader-Querschnitt klingt nicht, ich verwende lieber mehradrige Parallelschaltung, das Brillanzverhalten wird besser. 2 parallele 1,5qmm Leiter sind nicht schlechter als 1x 2,5qmm, aber 4qmm fällt ab.
Es ist einfacher, das 1,5qmm beim Doppeln antiparallel auszulegen, dann hat man die Fertigungslaufrichtung kompensiert. Dann würde ich immer von der Quelle zum Verbraucher flechten/verdrillen. Auch das Isoliermaterial spielt eine Rolle, es hält die Leiter mechanisch zusammen, Teflon finde ich da in allen Belangen besser als PVC, auch wenn es darum geht, Litzendrähte zusammenzuhalten, fest zu bandagieren.
Mit der Bohrmaschine würde ich nicht verdrillen, s.o.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon chriss0212 » 02.04.2016, 10:15

Vielen Dank für die Antworten ;)

Dann werde ich mal ein paar Stecker und Kupplungen bestellen und an meiner Flechtkunst arbeiten ;)

Ich werde berichten ;)

Viele Grüße

Christian
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Beitragvon chriss0212 » 02.04.2016, 22:47

mhhh..

mehrere solidcore leitungen mit nicht so grossem querschnitt.. paarweise verdrillt... ohne schirm... das hört sich doch an sich wie cat5 u/utp an oder?

http://www.extron.com/product/product.aspx?id=2833

und dann kommt mir noch etwas aus meiner alten analogen video welt in den sinn: sogenanntes skew free kabel. hierbei haben die adernpaare auch noch eine gleiche länge zueinander! es gab zeiten, wo rgb symetriert über cat5 übertragen wurde. und damit es keine laufzeitunterschiede zwischen rgb gab, musste entweder die laufzeit manuel nachgeregelt oder eben skew free kabel verwendet werden.

wäre das nicht (in einem land ohne vde vorschriften) ein versuch wert? immerhin hat ja jede ader 0,5mm2 womit in summe 2mm2 heraus käme... vorausgesetzt man legt grün/gelb einzeln ;)

viele grüße

christian
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Beitragvon Hans-Martin » 03.04.2016, 07:37

Mutig, mutig.
Ein gutes Markenkabel sollte die 350V Spsnnungsfestigkeit einhalten, und 1200V Prüfspannung liest sich beruhigend. Bei No-Name Kabeln wäre ich vorsichtiger. Speziell bei den Zugentlastungen sollte man sehr vorsichtig sein, die Isolation nicht durch Druck zu flach zu quetschen.
Erfahrungsberichte über Netzkabelanwendung habe ich noch keine gesehen. Die Verwendung als LS-Kabel kenne ich. Wenn die Freude darüber, dass das Kabel funktioniert, so groß ist, dass man keine kritischen Vergleiche mit anderen etablierten Kabeln macht, verpasst man eine gewisse Ernüchterung. Für meine Einschätzung ist das Preis/Leistungsverhältnis sehr gut, weil der Preis sehr niedrig ist und nicht, weil die Performance so überragend. Nach vielen Anleitungen zum DIY LS-Kabel habe ich das Kapitel enttäuscht abgehakt. Das Ziel, die Induktivität durch Parallelschaltung der Aderpaare deutlich zu senken, funktioniert nicht so gut, wie die Kabelkapazität erwartungsgemäß mit jedem zusätzlichen Aderpaar steigt. Was als LS-Kabel nicht überzeugt, wird sich neben den Sicherheitsanforderungen als Netzkabel ebenfalls schwertun, vermutet
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Beitragvon Funky » 03.04.2016, 10:26

Moin moin,

Erfahrungen mit Netzkabeln sind sehr anlagenspezifisch. Es hängt u.a auch davon ab ob Linear oder Schaltnetzteile die Versorgung übernehmen, ob Filterelemente noch vor dem Trafo eingebaut wurden etc

Wie unterschiedlich ein und dasselbe Netzkabel dem Klang förderlich oder hinderlich sein können kann man mit dem Naim Powerline exemplarisch feststellen.

An Naim Komponenten ist der Zugewinn an PRaT durch das Powerline sehr verblüffend - das hat schon beinahe Komponenten Charakter. Das gleiche Kabel an einem Linn VV oder Streamer nimmt den PRaT komplett raus - etwas mehr Volumen, schönere Klangfarben - aber vom Esprit bleibt wenig übrig.
Interessanterweise gilt das nicht für die NAIM Standardstrippen - gut eingespielt geben die sich nicht allzuviel gegenüber den Linn Standardkabeln.
Interessanterweise gilt diese Feststellung auch für ältere Linn Geräte mit Linearnetzteil (namentlich die Linn Klout Endstufe - auch hier konnte die Standardstrippe mit mehr Livehaftigkeit punkten, wenn auch die Klangfarben nicht mehr ganz so schön rüberkamen)

Experimente mit 1,5m2 Solid Core geflochten waren zwiespältig. Gegenüber einem Lap wirklich wesentlich besser, fielen diese gegen die Standardstrippen doch wieder ab (obwohl Einspielzeit von 5 Tagen gegönnt).

Also nicht frustriert sein, wenn es mit dem DIY Kabel dann doch nichts wird - Trial and Error mit etwas gesundem Skeptizismus gegenüber seinem eigenen Werk - wenn es klappt wunderbar, wenn nicht, so doch die Gewissheit es probiert zu haben ;-)

Just my 2 Cents

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Beitragvon chriss0212 » 03.04.2016, 12:00

Hallo Hans- Martin,

Mutig, mutig.
Ein gutes Markenkabel sollte die 350V Spsnnungsfestigkeit einhalten, und 1200V Prüfspannung liest sich beruhigend. Bei No-Name Kabeln wäre ich vorsichtiger.


Da gebe ich dir natürlich recht. Der Link galt eigentlich eher dem generellen Hinweis auf skew free Kabel... Und ob diese prinzipbedingt evtl. Vorteile bringen.

Im Industriebereich gibt es natürlich u/utp Kabel die zumindest deine Forderung in Teilbereichen erfüllen. 300-350v spannungsfestigkeit sowie 750 v -1200v Prüfspannung sind sind nicht selten.

Kapazitiven habe ich Kabel gefunden die 50pf/km angeben... Ob das nun viel oder wenig ist kann ich in diesem Zusammenhang leider nicht sagen.

Auch das Thema Feuergefahr lässt sich hier ja mit halogenfreiem Kabel in den Griff bekommen.

Hier mal ein Link zu einem kabel mit einer Prüfspannung bis 700v ac

http://www.voka.de/cms/upload/3_produktkatalog/10_Datenkabel/1_Standardanwendungen/1-3_KAT__6a/PB_PDF/VOKA-LAN%20XLAN%20500%20U-UTP%204PR%20AWG%2023-1.pdf

Viele Grüße

Christian
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Beitragvon chriss0212 » 03.04.2016, 12:48

Oh...

Wenn ich die AWG Norm richtig verstehe hat es nur 0,258mm2 pro Ader... Wohl etwas knapp dimensioniert ;)

Grüße

Christian
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Beitragvon Hans-Martin » 03.04.2016, 19:06

chriss0212 hat geschrieben:Da gebe ich dir natürlich recht. Der Link galt eigentlich eher dem generellen Hinweis auf skew free Kabel... Und ob diese prinzipbedingt evtl. Vorteile bringen.

Hallo Christian
wenn man Bündel von individuell isolierten Drahten hat, halte ich bei Lautsprecherwiedergabe gleichlange Stränge für sinnvoll, denn ich hatte bei schräger Verarbeitung den Eindruck geringerer Feinzeichnung und fühlte mich genötigt, noch einmal ordentlicher das Ende zu bearbeiten. Sogesehen könnte skew-free nicht schaden.
Bei Netzkabeln aber wird man im wesentlichen auf beste 50Hz Übertragung achten, hochfrequente Störkomponenten möchte man lieber zurückhalten, filtern. Da könnten unterschiedliche Leiterlängen evtl sogar Vorteile bieten.

Im Industriebereich gibt es natürlich u/utp Kabel die zumindest deine Forderung in Teilbereichen erfüllen. 300-350v spannungsfestigkeit sowie 750 v -1200v Prüfspannung sind sind nicht selten.

Nicht meine Forderung, sondern eine Zweckmäßigkeit oder Notwendigkeit angesichts 230V und 325V Scheitelspannung (oder 650Vpp) aus dem Netz. Die Isolation darf nicht durchschlagen, auch nicht unter Extrembedingungen wie beim Abschalten von Induktivitäten auf der Lastseite.

Kapazitiven habe ich Kabel gefunden die 50pf/km angeben... Ob das nun viel oder wenig ist kann ich in diesem Zusammenhang leider nicht sagen.

50nF auf 1km (=1000m) entspräche 50pF/m, das wäre schon recht gering für Kabel, Koaxkabel liegen meist bei 60-90pF/m.
Bei der Netzkabelanwendung spielt die Kabelkapazität selbst keine vorrangige Rolle, in alten Dual-Plattenspielern und Braun Geräten findet man parallel zum Netz einen 33nF Enstörkondensator, erst mehr als 300m Netzkabel haben diese Kapazität.

Am Ende entscheiden für mein Ohr neben dem Gesamtquerschnitt auch die Festigkeit der Verwendelung und das Isoliermaterial mit seinem Elastizitätsmodul, schließlich wird Stromstärke durch die magnetische Kraft definiert, der Wert erscheint gering bei 1m Abstand, aber wenn man auf 4mm Abstand herunterrechnet, ist er 250mal so groß. Dennoch bräuchte es erheblich mehr Strom, um einen Draht mit Strom anzuheben. Aber wenn es Bewegung nicht gäbe, müssten Litze und Massivdraht gleiche Klangeigenschaften zeigen.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon SolidCore » 03.04.2016, 22:04

Hallo nochmal ....
Ich würd es nicht zuviel theoretisieren. Bau ein paar Muster, du wirst dich wundern wie stark diese voneinander abweichen, sobald sie anders aufgebaut sind.
2 Dinge sind eigentlich die große Kunst, die man erreichen will.
Zum einen soll das Kabel ausgewogen spielen, d.h. alle Frequenzbereiche haben den gleichen Anteil.
Zum zweiten soll sich eine musikalische Räumlichkeit einstellen, ohne dabei nervös zu wirken.
Hybrid-Konstruktionen haben oft den Nachteil, ein Timing-Problem zu zeigen. Wohl durch Laufzeitunterschiede der Materialien. Schön zu hören wenn man Silber mit Kupfer kombiniert. Man hat den Eindruck, der Bass läuft der Hochtonwiedergabe hinterher. Und ja, obwohl es nur Strom ist.

Verwendest du verschiedene Querschnitte, versuche, das gleiche Material zu verwenden, und diese eng zusammenzulegen.

Die Schutzerde sollte mindestens den gleichen Querschnitt haben, und gleiches Material. Man kann damit auch den Klangcharakter des Kabels verbiegen.

Mir hat es damals Spass gemacht, all diese Dinge herauszufinden, die nicht mehr im Lehrbuch stehen.
Eine adäquate Abhöranlage und ein geübtes Ohr reichen als Vorraussetzung. Und eine neutrale Referenz als Vergleichsobjekt, um sich nicht zu verrennnen, oder Gefahr zu laufen, das es nur zu Hause und nur an diesem einem Gerät harmoniert.

Gruss
Stephan
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Beitragvon Hans-Martin » 04.04.2016, 06:54

SolidCore hat geschrieben:Mir hat es damals Spass gemacht, all diese Dinge herauszufinden, die nicht mehr im Lehrbuch stehen.
Eine adäquate Abhöranlage und ein geübtes Ohr reichen als Vorraussetzung. Und eine neutrale Referenz als Vergleichsobjekt, um sich nicht zu verrennnen, oder Gefahr zu laufen, das es nur zu Hause und nur an diesem einem Gerät harmoniert.

Hallo Stephan,
ich finde mich in dem meisten wieder, was du geschrieben hast. Allerdings sehe ich die Gefahr, dass es nur zu Hause und nur an diesem einem Gerät harmoniert, als große Chance, per Feintuning jedem Gerät die beste, angemessene, leibgeschneiderte Stromzufuhr zu verpassen. Mit der Unzufriedenheit als Triebfeder hört man erst auf zu suchen, wenn der Grad an Zufriedenheit erreicht ist - oder sich mit dieser Methode keine weitere Verbesserung erreichen lässt.
Ein Top-Kabel als Maß aller, soll bei verschiedensten Konstellationen von mit/ohne Netzfilter, den diversen Trafotypen, unterschiedlich schnellen Gleichrichtern, alten oder frischen, gro0en oder kleinen Elkos, immer ein gleichgutes Bindeglied zum Netz sein?
Ein einziges X, únbekannt, als Universallösung für jegliches Gleichungssystem?
42 (Antwort)

Mit genügend Gesamtquerschnitt (Oyaide, 6qmm) kann man offenbar per niedrigen Widerstand einige Parameter rechts überholen.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon SolidCore » 04.04.2016, 10:21

Hallo Hans Martin


Hans-Martin hat geschrieben:Ein einziges X, únbekannt, als Universallösung für jegliches Gleichungssystem?


Mit genügend Gesamtquerschnitt (Oyaide, 6qmm) kann man offenbar per niedrigen Widerstand einige Parameter rechts überholen.
Grüße Hans-Martin


Ein Referenzkabel ist keine unbekannte Größe X, sonst wärs jedes beliebige Kabel.

Beim zweiten Punkt pflichte ich eher bei, ein gewisser Gesammtquerschnitt ist Bedingung.

Ich bleibe aber bei meiner Behauptung, ein sehr gutes Netzkabel bleibt ein sehr gutes Netzkabel. Ganz gleich ob am CD, Verstäker, oder DAC eingesetzt. Natürlich bekommt man an einem DAC ein anderes Netzkabel gut zum spielen, und am Verstärker brichst dann ein. Dann ist es aber kein gutes Universalnetzkabel, sonder ein gutes DAC-Kabel.
Deinen Vorschlag ein Netzkabel dann doch für ein Einzelgerät oder Raum abzustimmen, ist natürlich machbar. Damals dachte ich aber weit voraus, bereits ein geplanter Umzug, oder der Wechsel eines Gerätes in der Kette hätte meine ganze Entwicklung wieder auf 0 gesetzt, und ich hätte von vorn anfangen müssen.

Von daher die Prämisse, es universell zu halten. Heute bin ich heilfroh darüber, kann ich es doch auch hier anbieten, und den meisten Leuten gefällt es auch an ihren Anlagen mehr als gut.

Man kann jedoch auch hingehen, und gezielt ein optimiertes Kabel für ein bestimmtes Hifigerät abstimmen.
Dazu muss man nur den Charakter des Gerätes ausloten, und entsprechend Kompensieren.
Hatte ich damals auch gemacht für meinen Emitter 1 Plus von 1993. Dieser spielt leicht schwerfällig und träge. Also bekam er ein Stromkabel mit Attacke. Man soll nicht meinen welchen Sportsgeist ein Emitter damit entwickelt. Der ganze lullige softige Schmusi-Sound verändert sich zu blumigen, präzisen Klangfarben.
Das zweite einzeloptimierte Geräte war ein Theta-DAC, der etwas zuviel amerikanisch kraftvoll spritzig klang. Man muss ihm ein wenig "Watte und Samt" einhauchen.


Könnte noch ewig in Erinnerungen schwelgen. Wie erwähnt, es macht mir einfach Spass.

Gruss
Stephan
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Beitragvon Hans-Martin » 04.04.2016, 11:56

Hallo Stephan,
es mag sinnvoll erscheinen, ein einziges Netzkabel als Ultima Ratio zu entwickeln.
"Ich will dein bestes Netzkabel, welches ist es denn?"
42!
Du bestätigst, dass ein deutscher Verstärker mit einem anderen Kabel als der amerikanische DAC jeweils optimiert spielen konnte.
Erschwerend kommt hinzu, dass in USA 110V vorgegeben sind, ein Netztrafo gleicher Leistung hat mit seiner Primärwicklung statt 2 parallelgechalteter Wicklungen diese für 220/230V in Serie, folglich den 4-fachen Innenwiderstand. Daraus folgt eine Überlegung, wenn der Hersteller den Trafo für den europäischen Markt nicht perfekt in sein Klangtuning mit einbeziehen konnte, außerdem sind in USA 60Hz, wir haben 50Hz, was hier 16,7% weniger Ladezyklen im Netzteil bedeutet, und das Trafokernmaterial schneller in die Sättigung fährt. Ein US-Originalnetzkabel wird vermutlich bei uns nicht optimal funktionieren, wenn man es als Bindeglied zwischen Netz und Gerät auffasst, mit seinem Einfluss auf den Klang.
In einer Laufwerk + D/A-Wandler Kombi britischen Ursprungs (damals in GB noch 240V, Laufwerk Philips /Portugal OEM mit 230V, EI-Kern Trafo, DAC mit RKT) bevorzugte ich eine abgeschirmte 4-adrige (4 x 1,5qmm) LCOFC-Leitung für das Laufwerk und eine 3-adrige 2,5qmm Leitung für den DAC, beides nach demselben Geschmack "gesoundet". Zweimal derselbe Kabeltyp war in beiden Fällen nicht so gut.
Später bin ich dann doch dazu übergegangen, dasselbe Kabel ab Wandsteckdose zur Steckdosenleiste und zu den Geräten, noch später dann als Netzspinne anzufertigen, um die Zahl der Steckverbinder zu minimieren, was auch die Menge Stellschrauben übersichtlicher macht.

Saschas Kopfhörerimpedanz und das Zusammenspiel mit dem Verstärkerausgang könnte dazu inspirieren, ähnliche Betrachtung auf die Netzteil zu Netzverbindung anzuwenden. Man bewegt sich ja in ähnlichen Größenverhältnissen wie bei Verstärkern/LS-Kabel/Passiv-LS.
Ich bin nicht der einzige, der den Einfluss eines diskret aufgebauten Netzfilter mit passiven Bauteilen gehört hat, wo wie bei Frequenzweichen berechenbare Spulen/Kondensatoren die Tiefpass-Arbeit erledigen. Trotz Trafo/Gleichrichter/Elko Umsetzung in Gleichspannung schlug das Filter mit 12kHz gegenüber einem auf 30kHz gerechnetem Filter hörbar durch, die Höhen weniger dynamisch-aufdringlich beim ersten. Unerwartet, nach einer Erklärung wird noch gesucht.
Russ Andrews, der britische Kimber Kable Vertrieb, hat eine umfangreiche Klangtuningzubehör-Webseite, da findet man auch Kondensator-Pakete, um sie vor dem Gerät zum Netz parallel zu schalten. In einem Testbericht wurde berichtet, dass zu jedem Gerät sich eine individuelle Optimalabstimmung vor anderen Varianten hörbar finden ließ, man schrieb von einer Art Resonanzabstimmung.

Bei genauer Betrachtung lässt sich eine Optimierung finden, die mit jedem Gerät individuell auf dessen Bedarf abgestimmt ist. Jedes Gerät enthält Parameter, das Netzkabel ist austauschbar, ist für ist das mich die Unbekannte (X) in der Gleichung.

Ein Kabel, welches alle Geräte gleichermaßen gut ergänzt, wäre mathematisch nicht möglich, aber eine überschaubare Menge Gleichungen kann man manchmal auf einen Nenner bringen, und bei 2-3 Geräten ist es durch Ausprobieren möglich, eine Steigerung mit demselben Kabeltyp überall - also in der Gesamtheit - zu erreichen, von den Beipackstrippen ausgegangen.
Teilweise ist das sofort hörbar, wenn es um die Dynamik geht, aber auch die räumliche Struktur wird beeinflusst. Klangfarbenänderungen sind manchmal gering, aber 0,75qmm Litze verspricht nicht gerade die beste Basskontrolle.
Der Erfahrungsschatz des Kabeldesigners steigt mit dessen Übung und Zahl der Hörvergleiche... und eine zielführende Messtechnik wartet wohl noch am Fuß des Regenbogens - wenn ich nur wüsste, an welchem.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon SolidCore » 04.04.2016, 14:11

Hallo Hans-Martin

Es ging mir auch eher darum, erstmal Wege und Möglichkeiten aufzuzeigen. Nun sind wir bereits schon sehr tief in der Materie versunken, und fachsimpeln. Ich glaube der Threateröffner sollte erstmal mit den Grundlagen beginnen, mal sehen wo es endet.
Natürlich hast du ebenfalls in deinen Ausführungen Recht. Man kann auch punktuell abstimmen. Ich für mich habe dann irgendwann erkannt, das sowohl der erwähnte Emitter, als auch der Theta einfach nicht das waren, was ich mir vorstellte. Die Geräte wurden zwar "besser" mit angepasstem Netzkabel, aber nicht wirklich gut, zumindest für mein Klangempfinden. Ich mag einfach lieber die musikalische Abstimmung, mit blumigen Mitten, Klangfarben, und hoher Auflösung, die aber mit entspannter Spielfreude.
Den Theta, eher gedacht für Live-Jazz, werde ich in Kürze auch hier im Forum anbieten, doch vorher bekommt er einen XMOS USB-Anschluss mit eigenem, internem 5V Netzteil. Das Gehäuse bietet genug Platz.So kann man den alten Klassiker auch mal am Lapptop oder Desktop-PC hören. Die Güte liegt immer noch deutlich über den China-Krachern (meine subjektive Meinung).

Aber zurück zu den Kabeln.
Ich finde es schon äußerst geil, das es ein Forum gibt, wo überhaupt mal über Stromkabel diskutiert wird.
Wo man nicht als Fledermausohr belächelt wird, und sich die Klangeindrücke wiederholen.

Und wenn dann jemand kommt, dessen Entwicklergeist geweckt wurde, freue ich mich darüber. Kann man doch sich selbst darin wiederfinden.


Gruss
Stephan
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