Restaurierung Backes & Müller BM 6 (Dieter)

Lautsprecherbau und -tuning

Restaurierung Backes & Müller BM 6 (Dieter)

Beitragvon dietert » 02.03.2014, 19:17

Restauriere gerade ein Pärchen BM-6, die praktisch Schrott waren. Abenteuerlich. 20 oder 25 ernste Fehler sind schon beseitigt, unter anderem vertauschte Endstufenmodule (!) und acht tote Elkos, darunter zwei große Netzteilelkos und komischerweise vier rote ROE, die ja eher selten Probleme machen. Zwei eingedellte Kalotten sind auch wieder schön und das eingetrocknete Ferrofluid aus den Hochtönern ist auch schon weg. Hoffe, dass die Mitteltöner keins haben, das wäre fatal. Habe bei beiden Boxen eine etwas unglückliche Verbindung von der Backplane zum Netzteil statt zum Masseknoten gefunden und etliche Mods, um die daraus resultierenden Probleme zu lösen. Bei den Tieftönern hat einer der Tonabnehmer 1 KOhm, der andere 1,5 KOhm, ist das normal? Signal sieht bei beiden etwas unterschiedlich, jedoch brauchbar aus.

Nun zum Thema:
Einer der beiden Mittetöner hat schon eine Gummisicke, sieht auch korrekt aus, der andere muss sie noch bekommen. Kennt hier jemand eine Bezugsquelle für die Gummisicke für einen BM-6 Mitteltöner? Es ist eine recht weiche Sicke mit breiter Rolle. Membrandurchmesser = 92 mm. Über einen Tip würde ich mich freuen.
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Beitragvon uli.brueggemann » 02.03.2014, 20:02

Frag mal nach bei Klangmeister

Grüsse
Uli
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Beitragvon Hans-Martin » 02.03.2014, 21:04

dietert hat geschrieben:Einer der beiden Mittetöner hat schon eine Gummisicke, sieht auch korrekt aus, der andere muss sie noch bekommen. Kennt hier jemand eine Bezugsquelle für die Gummisicke für einen BM-6 Mitteltöner? Es ist eine recht weiche Sicke mit breiter Rolle. Membrandurchmesser = 92 mm. Über einen Tip würde ich mich freuen.

Hallo Dieter

Ich rate, http://www.sicke.de kontaktieren.

Wenn ursprünglich eine Schaumsicke eingesetzt war, würde ich bei MTs prinzipiell wieder zu Schaum raten. Wenn aber der andere MT schon auf Gummi umgerüstet wurde, wäre eine identische Sicke sinnvoll. Es gibt nur sehr wenige Sickenhersteller, bei Gummi ist oft eine eingeprägte Nummer erkennbar.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Zwodoppelvier » 02.03.2014, 23:26

Hallo Dieter, Mitleser,

mir wurde einmal die Lautsprecher-Manufaktur in Mannheim empfohlen; dort würde mit Originalmaterial instandgesetzt.

Ein paar überholte Töner habe ich einmal zurück am Einsatzort (BM12) anschauen können, die sahen wirklich wie original aus (SR-Nummer auf der Schaumsicke, Breite u. Farbe der Sicke).

Zum Thema Ferrofluid habe ich letztes Jahr recherchiert: irgendwo (B&M-Prospekt?) fand ich die ernüchternde Info, daß leider auch die MT damit ausgerüstet wurden. :(

Von der zerfallenden Schaumsicke abgesehen, habe ich vor Jahren nicht verstanden, warum Herr Kühn (Service-Center Süd) in einem Gespräch die SHT, HT und MT als Verschleißteile nannte, die bei einer Überholung immer ausgetauscht würden. Unter Einbeziehung der Ferrofluid-Problematik leuchtet mir das inzwischen schon ein...

Viele Grüße
Eberhard

EDIT: sehe gerade erst, daß Hans-Martins Link zur selben Werkstatt führt.
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Beitragvon dietert » 26.03.2014, 18:28

Inzwischen habe ich zwar ein Angebot für die Instandsetzung eines Mitteltöners, aber keine Bezugsquelle für die Gummisicke, die auf einem der MT bereits als Ersatz eingebaut wurde, Aufdruck: "SR 116 12". Angeblich ist in der Instandsetzung auch neues Ferrofluid enthalten.

Irgendwie waren die Verstärkermodule durcheinander: Da gibt es auf jedem Modul eine Endstufe plus einen aus drei Transistoren aufgebauten OpAmp als Vorverstärker. Der Spannungteiler für die Gegenkopplung des Vorverstärkers hat jeweils 680 Ohm und 15 KOhm (beim TT), 33 KOhm (beim MT) und 10 KOhm (beim HT). Kann das jemand bestätigen?
Bei einem der sechs Module sind 10 KOhm statt des 680 Ohm bestückt. Das war dann wohl ein Fehler.

Auf einem der Module war das Widerstandselement des Potis für den Ruhestrom durchgebrochen, glücklicherweise so, dass der Ruhestrom auf Null ging. Habe alle Potis rausgenommen und jedes durch Metallschichtfestwiderstände 1 KOhm und 2,4 KOhm ersetzt. Damit kriegt man einen stabilen Arbeitspunkt, den man mit einem dritten Widerstand noch genauer abgleichen kann. Habe 50 mA angenommen, wird wohl nicht ganz falsch sein.
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Beitragvon dietert » 27.03.2014, 10:56

Inzwischen habe ich ein weiteres Angebot für die Instandsetzung, aber mit Schaumsicken. Dabei wurde behauptet, diese Mitteltöner der BM-6 hätten gar kein Ferrofluid. Die Experten widersprechen einander in dieser Hinsicht. Muss man wohl einen komplett zerlegen.
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Beitragvon Zwodoppelvier » 27.03.2014, 13:02

Hallo Dieter,

eine Vermutung: die MT einiger (=der ältesten?) BM6 hatten noch kein FF; sie verfügten über eine zusätzliche thermisch empfindliche Spule, deren Widerstandsänderung von einer Komparatorschaltung ausgewertet wurde. Diese senkt bei Erreichen des Grenzwerts den Eingangspegel der Aktivweiche um 20dB ab. Zu erkennen sind die entsprechenden MT an insgesamt sechs Anschlußdrähten, je zwei für Schwingspule, Sensorspule und Thermospule. Spätere Versionen hatten m.W. keine Thermospule mehr, evtl. weil das FF im Luftspalt hinreichenden Schutz gegen Überlastung garantierte.

Dies sind aber nur meine Vermutungen - sicherer wäre es, den Hersteller anzusprechen.

Wegen der beiden anderen Aspekte:

- Sicke: soweit mir bekannt, wurde auf Teile der Fa. Dr. Kurt Müller zurückgegriffen. Vielleicht dort einmal fragen, ob die Gummisicken-NR. "SR. xyz" von ihnen bezogen werden kann.

- die unterschiedlichen GK-Widerstände auf den Endstufenplatinen: ich müßte einmal in meine 6er hineinschauen. Sind Nextel-lackierte, die aber mehrfach im Werk gewesen sein sollen. Sie haben m.W. aber OP im Eingang, keine diskrete Transistorschaltung. Werde sie mal am Wochenende aufschrauben...

Viele Grüße
Eberhard
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Beitragvon dietert » 27.03.2014, 13:51

Unsere BM-6 hier sind dann wohl aus einer der ersten Serien. Alle OPs sind aus Transistoren, in der Weiche und in den Endstufenmodulen. Die haben definitiv keine Schaltung für die Pegelabsenkung bei Überlastung, sondern einfach nur Schmelzsicherungen für MT und HT. Ich dachte, jemand hätte ein Schaltbild.

Inzwischen habe ich eine Reihe Mods für die Boxen.

Zum Beispiel habe ich alle Endstufenrelais rausgenommen und gebrückt. Die ausgebauten Relais sind schwarze Kunststoffdinger "Rapa", die bei 12 V anziehen, 1,1 KOhm, also vermutlich 24 V-Typen. Diese Funktion mache ich nun auf einer zusätzlichen Platine mit Mosfets, mit Schutzschaltungen, die auch die Schmelzsicherungen für die MT und HT ersetzen. Hab's aber noch nicht ganz fertig.

Außerdem fände ich einen NTC oder einen Vorwiderstand mit Relais vor dem Ringkerntrafo sinnvoll, sonst kriegen die großen Elkos beim Einschalten jedesmal einen Tritt, bis zu 112 A = (220 V * 1,41 / 8,5 Ohm) * (220 V / 72 V). Für das Netzteilrelais wäre es vielleicht auch besser.
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Beitragvon dietert » 07.04.2014, 10:35

Inzwischen konnte ich passende Sicken besorgen. Diese Mitteltöner haben wohl tatsächlich Ferrofluid. Mal sehen wie man das wegkriegt, ohne die Zentrierspinne abzunehmen. Vielleicht kann man es mit Alkohol verdünnen und rauswaschen.

Meine Mod-Liste für diese alten BM6 hat inzwischen 46 Einträge, z.B. ein 1 MOhm-Bleader für die 280 V, damit die HT-Kalotte nicht tagelang unter Spannung steht und Ruß sammelt. In Wuppertal hat jemand eine Werkstatt ausgeräumt, mit einigen alten BM6 und BM12 Paaren. Er hat etliche fabrikneue Ersatzchassis (TT, MT, HT), leider fehlen aber Elektronikplatinen, z.B. Endstufen 6.263 oder ähnlich und Hochspannungsverstärker 6.32 oder 6.304 für HT und SH. Hat hier vielleicht jemand welche anzubieten oder weiß eine Quelle?

Mir ist klar, dass diese alten Dinger technisch überholt sind, aber als Experimentiermaterial wär das gut genug. Vielleicht wären sogar Leerplatinen brauchbar, sonst müsste man eben welche nachmachen.
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Beitragvon dietert » 12.06.2015, 23:23

Der Vollständigkeit halber:
Vor einigen Wochen habe ich erstmals erfolgreich bei einem Chassis die Membran einschließlich Sicke und Zentrierspinne abgenommen und später wieder eingebaut. Also hab ich mal einen meiner BM-6 Mitteltöner zerlegt. Innen war eine Menge Ferrofluid, teilweise flüssig, teilweise wie Honig, mit dicken Tropfen sogar im Magnetspalt des induktiven Sensors. Was für eine Sauerei. Habe es alles saubergemacht, mal sehen, ob ich das Ding wieder hinkriege.
Es ist ein 130 mm Mitteltöner mit Stahlkorb und eingebautem Temperatursensor 1 KOhm und 250 Ohm Sensorspule. Habe noch so einen, aber ohne Temperatursensor und noch zwei mit Gusskorb aus BM-12, die sind alle genauso schwergängig.
Ein moderner Breitbänder wird auch ohne Regelung sicherlich besser funktionieren als solche alten Chassis im beschriebenen Zustand.
Grüße,
Dieter T.
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Beitragvon cay-uwe » 13.06.2015, 06:12

Hi Dieter,

wenn ich eine Liste mit 46 Fehlern oder mehr hätte, müsste man schon fast an eine Neuentwicklung der ganze Elektronik in Betracht ziehen :mrgreen:

Das ist ja wie das Renovieren von einem alten Haus, irgendwann stellt man fest, dass es wahrscheinlich billiger gewesen wäre neu zu bauen :wink:

Trotzdem viel Spaß noch dabei und interessant finde ich das Ferrofluid im Mitteltöner. Ein paar Bilder wären auch noch schön.

Sicken, da hätte ich unter Umständen B&M selber mal kontaktiert.
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Beitragvon dietert » 13.06.2015, 07:21

Hallo Cay-Uwe,

ja, die Entwicklung ist bei B&M sicher weiter gegangen, das sind nun wirklich Uralt-Dinger.

Anbei zwei Fotos, wie gewünscht, allerdings nach der Reinigung und auch schon mit der frischen Sicke. Sicken habe ich irgendwann bei http://www.speakerrepairshop.nl bestellt, die haben eigentlich fast alles.

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Zentrierspinne und Antriebsspule.

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Die Kalotte musste ab, um die Schwingspule beim Zusammenbau im Spalt zu zentrieren. Man sieht auch Sensorspule und NTC, die innen am Spulenträger aufgeklebt sind.

Grüße,
Dieter T.
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Beitragvon Zwodoppelvier » 13.06.2015, 07:27

Hallo Dieter,
sehr eindrucksvolle Beschreibung und Bilder - vielen Dank!

Eine Frage, alldieweil ich noch zwei defekte MT habe, deren professionelle Instandsetzung in Auftrag zu geben wohl definitiv unrentabel wäre:
Wie bekommt man die Verklebungen auseinander - Lösungsmittel, Wärme ?

Würde dann auch mal einen Versuch starten wollen...

Viele Grüße
Eberhard
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Beitragvon dietert » 13.06.2015, 07:42

Hallo Eberhard,

die Kalotte war mit Heißkleber auf der Membran befestigt, die Sicke mit Kontaktkleber (ähnlich Pattex). Den Kleber an der Zentrierspinne habe ich mit Nitroverdünnung weich gemacht und dann mit einer Schraubenzieherspitze abgehoben. Eigentlich ist das mehr eine Fleißarbeit, aber man kann ja dabei Musik hören. Eine mögliche Interpretation von "aktiv Hören".

Grüße,
Dieter T.
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Beitragvon cay-uwe » 13.06.2015, 08:11

Dieter,

danke für die Bilder. Hin und wieder tauchen ja die BM6 in der Bucht auf. Persönlich würde ich auf die "neueren" Modelle gehen, die einen Mitteltöner, mit quadratischen Korb besitzen.

Ansonsten wünsche ich noch viel Spaß und hoffentlich bekommen wir noch ein paar Fotos mehr zu sehen.
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