Restaurierung Backes & Müller BM 6 (Thomas)

Lautsprecherbau und -tuning

Beitragvon Hans-Martin » 29.09.2015, 09:15

Hallo Ralph, Thomas,

hier nachträglich der Link zu Dieters Tread über seine Modifikation mit Halbleiterrelais:

viewtopic.php?f=6&t=4656&p=73740

Physikus Modmix lieferte dazu eine Rückmeldung über den Klangzugewinn durch die Umstellung.

Wenn solch ein roter Roederstein zwischen negativer Gegenkopplung und Masse sitzt, beeinflusst er die Gegenkopplung, speziell auch für die Gleichspannung. Ich kenne die BM6 Schaltung nicht, aber in anderen Verstärkern wurden gern bipolare Elkos dieses Typs eingesetzt, also in einem Gehäuse 2 in Antiserie geschaltete Elkos. Ich kenne zwar auch überwiegend Fälle von hochohmig werden, aber ich hatte auch schon Kurzschluss dabei.

Das Problem ist m.E. die ungleiche Alterung der beiden intern gekoppelten Elkos, wenn das Spannungteilerverhältnis bei der Wechselstrombelastung sich verschiebt, kann mMn die zulässige Inversspannung des schwächeren überschritten werden, dann kommt der GAU.

Gerade bei Ausfällen von Elektronik nach langer bewährter Spieldauer ist die Ursache abnormes Verhalten einzelner Bauteile, d.h. Abweichung vom Idealverhalten. Als Beispiel nenne ich einen Premiummarken-Folienkondensator mit Nominalspannung 60V in einem Nakamichi-Tapedeck, wo der Löschoszillator nicht mehr funktionierte. Betriebsspannung der Schaltung war 15 V. Kurzschluss im überdimensionierten, eigentlich langzeitstabilen Folienkondensator, da kommt man nicht gleich drauf.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Ralph Berres » 29.09.2015, 09:46

Ich habe mir genau aus dem anderen Thread diesen Transistor mal genauer angeschaut.

In dem Thread wurde unter anderen geschrieben, das im Hochtonkanal durch die Vibrationen der Kontaktwiderstand des Relais um 8mohm schwankt und deswegen bei einen 8 Ohm Lautsprecher einen Klirrfaktor von 0,1% entsteht.

Mal abgesehen, das man trefflich darüber diskutieren kann, ob man 0,1% Klirrfaktor noch hört, sollte man sich das Datenblatt des verwendeten Transistors in dem Halbleiterrelais mal genauer anschauen.

Hier der Link

http://www.irf.com/product-info/datashe ... rf4905.pdf

Leider fehlt in diesem Datenblatt eine Darstellung RDSon in Abhängigkeit von IDS

Nach Figur1 sieht die Kurve zwar ziemlich linear aus, doch ist der IDS Bereich bis 1000 Ampere aufgetragen.

Für den für einen Lautsprecher bis 5Amp interessanten Bereich kann man aus dem Datenblatt kaum was brauchbares ableiten. Jedoch dürfte der Klirrfaktor durch Änderung von RDSon in Abhängigkeit von IDS

größer sein als 8 mOhm. Zumal im Datenblatt schon ein Wert von 20mOhm angegeben ist. Gemessen bei 78Ampere.

Ich habe also nach wie vor meine Zweifel, ob ein Halbleiterrelais weniger klirrt als ein konventionelles Relais , welches in Ordnung ist.

Aber hier ging es nicht um das Thema Relais , sondern wie man Thomas bei seinen Lautsprecher helfen kann.

Ich schlage vor wieder zum eigentlichen Thema zurück zu kommen.

Da würde ich zunächst erst mal so weit wie möglich, alles so lange im Originalzustand lassen, bis der Lautsprecher überhaupt mal wieder spielt. Ver(schlimm??) bessern kann man hinterher immer noch. Dann aber mit Bedacht und vor allem Schritt für Schritt.


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Beitragvon Hans-Martin » 29.09.2015, 10:30

Ralph Berres hat geschrieben:Ich schlage vor wieder zum eigentlichen Thema zurück zu kommen.

Da würde ich zunächst erst mal so weit wie möglich, alles so lange im Originalzustand lassen, bis der Lautsprecher überhaupt mal wieder spielt. Ver(schlimm??) bessern kann man hinterher immer noch. Dann aber mit Bedacht und vor allem Schritt für Schritt.

Hallo Ralph

ich stimme da sofort zu, schrittweise vorzugehen, um nicht den Überblick zu verlieren, also erst den funktionierenden Originalzustand herstellen, bevor man mit Modifikationen beginnt.

Es ist aber mMn wider die Vernunft, eine Endstufe mit geplatzten Elko und seltenem Lautsprecher als Last in Betrieb zu nehmen. Da dieser mit dem sichtbaren Schaden sich auf der MT Platine befindet, und ausgerechnet ein Mitteltöner defekt ist, haben bei mir die Alarmglocken geläutet. Alarm war auch mein erstes Wort ...

Akuter Handlungsbedarf - da stehe ich zu meinem Wort - hinsichtlich Austausch des geplatzten Elkos. Ich würde alle Elkos diesen Typs mit der Lupe auf Risse untersuchen und ggf auswechseln, als ersten Schritt vor allen weiteren.

Da Dieter in seinem Thread keine konkrete Typenbezeichnung genannt hat, habe ich den Relaisersatz nicht ansatzweise probiert (meine Verstärker haben keine Relais im LS-Zweig) und auch nicht persönlich bewertet. Der Hinweis auf IRS 4905 kam von Uli (dessen Verstärker haben auch keine Relais im jeweiligen LS-Zweig). Alte Verstärker neigen gerade wegen Kontaktabbrand der Ausgangsrelais zu Verzerrungen am LS, die nicht innerhalb der gegengekoppelten Schaltungen entstehen, sondern danach im passiven Abgang des Signals. Diese Problematik halte ich für allgemein bekannt.

Es liegt mir fern, deine umfassende Erfahrung mit B&M in Zweifel zu ziehen, denn im Gegensatz zu dir habe ich noch nie ein Innenleben einer B&M in der Hand gehabt. Mir hat ein scharfer Blick (auf besagte Elkos) gereicht, ein Problem zu entdecken, und von der sichtbaren Rauchentwicklung kann man auf das Feuer schließen ... :cheers:

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon tegeje » 29.09.2015, 22:01

Zum Mitteltöner (den 'beweglichen'):

Das Lösen der Dustcap war nun doch mit etwas Gewalt verbunden. Lösemittel wie Nagellackreiniger oder Nitro-Verdünnung haben den Klebstoff überhaupt nicht beeindruckt. Erst ein Heißluftgebläse gefolgt von einem Cuttermesser hat die Klebenaht zum Nachgeben gezwungen.
Unter der Dustcap sieht es so aus:

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Die hözernen Stützen auf der Polplatte sind zu den Muttern hin zusammenliegend. Sind da Magnete eingebaut, die eigentlich getrennt sein sollten ? Das filigrane Gebilde aus Epoxy (?) dient welchem Zweck? Wofür sind die Drähte?

Aber viel wichtiger: Um das wieder zu richten, muss ich die Membrane wohl komplett ausbauen, also Sicke und Zentrierspinne lösen. Wie kriege ich das 'non-destruktive' hin? Wie kriege ich das ganze so justiert und wieder zusammengeklebt, wie es soll ? Welcher Kleber wäre für welche Klebung geeignet?

Ich hoffe, der eine oder andere hatte so was auch schon mal zur Reparatur in den Händen und mit positivem Ausgang gerichtet.

Besten Dank,
Thomas
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Beitragvon Ralph Berres » 30.09.2015, 06:38

Die beiden Magnete müssen senkrecht stehen, so das sie einen Luftspalt bilden, in dem sich die senkrechte Epoxydplatte reibungslos hin und her bewegen kann. Auf der Epoxydplatte befindet sich eine Spule aufgeklebt, welche aus vielen vielen Windungen eines extrem dünnen Drahtes besteht. Das ganze Gebilde ist die Sensorspule welches das Gegenkopplungssignal für die Bewegungsgegenkopplung liefert.

Vermutlich hat die Sensorspule eine Unterbrechung, weil sie durch die Brachialgewalt der zusammengeklappten Magneten zerstört worden ist. Ob es hier Spezialisten gibt die das reparieren können weis ich nicht. Ich kann nur die Elektronik reparieren.

In Ebay hat öfters jemand genau so einen Mitteltöner (aber auch andere Teile der BM6) einzeln angeboten. Mit etwas Glück kann man auf sowas zurück greifen, allerdings mit dem Risiko, das auch dieses Chassis einen Schaden hat.

Das Selbstzerlegen eines Chassis und den dann notwendigen Wiederzusammenbau wird regelmäßig in ein Desaster führen. Spätestens bei dem Sensor wird es hochproblematisch. Es sei denn du bist ein gewiefter Feinmechaniker.

Vielleicht führt auch eine Anfrage bei Backes & Müller zwecks Austausch des Chassis zum Erfolg. Da das Nachfolgemodell gänzlich anders aussieht, wirst du dann zweckmäßigerweise beide Mitteltöner tauschen müssen. Ich habe was in Erinnerung von um die 300 € pro Chassis plus Mehrwertsteuer.

Ehe ich in diese alten Schätzchen soviel Geld investieren würde, würde ich erst mal überprüfen, wie es mit den restlichen Chassis aussieht, ob diese noch OK sind. Dazu müsste man die Boxen allerdings (wenn auch ohne Mitteltöner) mal komplett betriebsbereit bekommen. Speziell beim Hochtöner gibt es außer der Endstufe noch den Hochspannungsverstärker und den Transimpendanzverstärker im Hochtöner selbst, welche noch schadhaft sein könnten. Das alles kann man zwar mit relativ wenig Materialaufwand reparieren. Fehlersuche in solcher Elektronik ist aber zeitaufwendig und bedarf einer gewissen Erfahrung.

Der Fernsehtechniker um die Ecke ist mit so was vermutlich etwas überfordert ohne der Zunft zu nahe treten zu wollen.

Mein Vorschlag wäre

1. Mit einer kleinen intakten Endstufe und eine Sinusgenerator bei mäßiger Lautstärke und keinesfalls langer Dauer mit Frequenzen, für welche die Lautsprecher gedacht sind mal die Lautsprecher zu testen, ob sie überhaupt noch verzerrungsfrei was wieder geben.

2. Bei den Tieftöner mal mit einen Ohmmeter messen, ob die Sensorspulen überhaupt noch Durchgang haben.

3. Ohne Lautsprecher die Elektronik vornehmen, und dabei als erstes feststellen, ob die Endstufen ohne Signal am Ausgang null Volt haben. Wenn die Ausgangsgleichspannung mehr als ca 20-50mV haben, ist die Endstufe mit Sicherheit defekt. Meist lieget dann ca 35V DC an. Das kann man noch mit einen hochohmigen Multimeter messen.

4. Messen ob an dem Hochspannungsausgang eine Gleichspannung von ca 280V anliegt. (Achtung, ein Kurzschluss oder niederohmige Belastung zerstört die Hochspannungsendstufe augenblicklich.)

Wenn das alles positiv verlaufen ist, kann man die Lautsprecher wieder anschließen. (Unbedingt auf die richtige Polarität der Anschlüsse achten, sonst pfeift es einmal ganz laut und dann nie wieder!)

Dann kommt Einstellung der Gegenkopplungen und Pegel. Gerade bei ersteren braucht es auch wieder Erfahrung, wo die Grenzen liegen, und Verständnis was sich Herr Müller bei der Konstruktion gedacht hat.
(Er hat sich dabei extrem viel Gedanken gemacht und Gehirnschmalz investiert.)

Wo deine Grenzen bei der Restauration dieses Lautsprechers liegen vermag ich nicht beurteilen. Das musst du selbst einschätzen, und hängt auch wohl stark von deinen Kenntnissen in Elektronik ab. Auch ist ein Minimum an Messtechnik vonnöten (Oszillograf und Tongenerator). Ohne die geht es nicht.

Der Hausfrau von schräg gegenüber würde ich von dem Versuch so was selbst zu reparieren wohl eher abraten.

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Beitragvon Hans-Martin » 30.09.2015, 09:29

Hallo Thomas

Das ist ein schöner Einblick in die Funktionsweise der Sensorik, wenn auch kein erfreulicher. Die gebrochene Klebestelle zwischen Polkern und Holz hat wohl zum Klemmen der Sensoreinrichtung geführt. Jetzt wäre interessant, ob das Chassis mit entfertem Sensor noch funtioniert, die Schwingspule unbeschädigt ist, Voraussetzung für das weitere Vorgehen.

Die Verkettung Gleichspannung am Endstufenausgang (auch defekter Elko in Gegenkopplung) oder Übersteuerung könnten zu Hitze im Schwingspulenbereich geführt haben, die den Kleber am Holz/Polkern gelöst hat, der heftige Zug der Magnete ist ja beständig quer vorhanden.

Die Aufgabe der Muttern interpretiere ich als Montagehilfe, sie halten die Klötzchen an einer abgewinkelten Montagehilfe fest und fixieren zwischenzeitlich die Magnete auf Distanz. Wenn die Vorrichung auf den Polkern geklebt ist, kann die Montagehilfe wieder entfernt werden.

2 kurze und ein längerer glatter Alu/Messing/Kupfer/Epoxystreifen können als Distanzhalter für die Magnete eingesetzt werden, der längere mit einem Loch am Ende, damit man nach der Fixierung der Schrauben ihn zwischen den beiden mit Kontakt zu den Magneten zur Entlastung herausziehen kann, dann die anderen entfernen. Die Gesamtstärke orientiert sich an der Summe der Stärken vom H-förmigen Epoxyträger, der Spule plus 2 Luftspalte.

Ein Abschnitt eines dünnwandigen Zylinders umfasst außen die abgerundeten Holzstücke, passt aber in die Schwingspule. Wenn das Holz auf den Polkern geklebt wird, muss der Zylinder verhindern, dass seitlich wegquellender Kleber über den Polkernrand hinaus quillt, in den Luftspalt gerät oder gar die Schwingspule gleich festklebt. Ein Zylinder aus Ölpapier oder Schutzpapier von doppelseitigem Klebeband kann auch in den Luftspalt innerhalb der Schwingspule geschoben werden, vor dem Kleben, danach bald herausziehen.

Bei der Produktion helfen antimagnetische passgenaue Werkzeuge, die man selbst oft nicht hat (in der Produktion wird meist der Magnet erst nach fertiger Montage definiert magnetisiert), und eine Reihenfolge bei der Montage, deren Einhaltung bei der Reparatur nicht möglich ist, weil das Risiko der Zerstörung beim Versuch der Membranentfernung zu groß ist.

Speziell die Klebestelle Zentrierspinne auf Polplatte/aufgesetztem Korb ist eine Herausforderung. Ein für beide Materialien geeigneten Extremkleber ließ mich bei anderen Chassis regelmäßig scheitern, zudem an schwer zugänglicher Stelle, weil der Korb außen umgebördelt ist und die Stege den Zugang an vielen Stellen verwehren. Wer zuerst die Sicke am äußeren Korbrand gelöst hat, freut sich vielleicht über den erfolgreichen Zwischenschritt, scheitert aber an der Zentrierspinnenverklebung. Kann man diese Verklebung nicht lösen, muss man eine Strategie entwickeln, wie man das noch fixe Holzklötzchen ablöst. ohne den Schwingspulenträger zu deformieren. Dann kommt die Entfernung der Kleberreste, die nicht in den Spalt fallen dürfen, also über Kopf arbeiten ...

Wenn aber die Schwingspule durchgebrannt ist, hat sich das sowieso erledigt. Da gibt es immerhin noch Spezialbetriebe, die Chassis wieder aufbauen, Schwingspulen ersetzen können. Wie sie die Zentrierspinne ablösen, Betriebsgeheimnis? Manchmal auch mit beherztem Skalpelleinsatz und Markierung, nachher wird einfach sorgfältig zusammengeklebt.

Ein Lautsprecherreparateur gab mir mal den Tip, bei offenem Luftspalt (ohne Dustcap) ein altes Foto zurechtschneiden und dort hineinwickeln, das schafft konstanten Abstand für die koaxiale Bewegung.

Ein Karton mit Magneten erinnert mich gelegentlich an ein Projekt, eine schwebende Gerätebasis zu bauen, mit den einzigen verwertbaren Überbleibseln gescheiterter Reparaturversuche an LS-Chassis (learning by doing).

Vielleicht ermuntern meine Erfahrungen und Denkanstöße dich zu einem Reparaturversuch, vielleicht halten sie dich ab, meine Fehler zu wiederholen (wäre ja zu schade). Ich betone an dieser Stelle, noch kein B&M Chassis in der Hand gehalten zu haben, es lassen sich aber Erfahrungen mit anderen Chassis und Situationen mit Magneten hierher übertragen.

Viel Erfolg in jedem Fall!
Hans-Martin
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Beitragvon NNEU » 30.09.2015, 12:32

Hallo zusammen,

Ich finde die alten B&M Chassis sehen irgendwie gruselig aus. Eventuell kommt mir das auch nur so vor wenn ich mir den Aufwand vorstelle den man betreiben müsste um dass wieder in Gang zu bringen.

Das Chassis auf dem Foto sieht katastrophal aus. Auch wenn ich keinerlei Erfahrung mit solchen Chassis habe, kann ich mir nicht vorstellen dass man dieses nochmal in den Originalzustand versetzen kann.

Die Magnete sind "gewandert", die Sensor-Spule rausgebrochen ggf. auch noch defekt :roll:, eventuell wirst du bei dem anderen Mitteltöner was ähnliches vorfinden. Ich gehe mal davon aus dass du den anderen MT ohne Weiche betrieben hast wenn du ein "Anstoßen" beschreibst. Jedoch denke ich nicht dass die Schwingspule/Schwingspulenträger an den Magneten angegossen ist, sondern die Platte mit der Sensorspule. Die Regelung ist schließlich auf kleine Hübe für die Mitten ausgelegt, nicht für Bass.

Die Preise für neue Chassis hast du ja schon von Ralph gehört.

Nachdem ich mir deinen Vorstellungsthread durchgelesen habe - worin du beschreibst dass du gerne mit möglichst wenig Materialaufwand reparierst - denke ich jedoch nicht dass dies eine Option für dich ist.

Ich persönlich würde versuchen die Lautsprecher möglichst verlustfrei zu verkaufen da es mir scheint als wäre dieses Projekt ein Fass ohne Boden.

Wenn auch das nicht in frage kommt, kannst du dir mal folgenden Thread zur Inspiration anschauen und dich ggf. mit dem Threadsteller in Verbindung setzen:

viewtopic.php?f=37&t=5012

Viele Grüsse,

Noel

PS: Was ist das für Knetmasse/Patafix/Kaugummi auf der Sensorspulenplatte?
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Beitragvon Zwodoppelvier » 30.09.2015, 13:36

Hallo Thomas,

nach den Ausführungen von Ralph und Hans-Martin - deren Hinweise ich zu 100% unterschreibe - scheint mir die Eigenanfertigung eines sensorbestückten Systems einfacher als die Reparatur. Zumindest ist dies nicht anspruchsvoller und es müssen nicht alte Verklebungen gelöst/gereinigt werden.

Andere Möglichkeit: MT und HT ersetzen durch ein hochwertiges Chassis, welches (ungeregelt) diese beiden zu ersetzen vermag.

Vielleicht kontaktierst Du aber erst einmal den B&M-Service, um für die endgültige Entscheidung sämtliche Optionen auf dem Tisch zu haben.

Viele Grüße
Eberhard
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Beitragvon Ralph Berres » 01.10.2015, 06:52

Zwodoppelvier hat geschrieben:Vielleicht kontaktierst Du aber erst einmal den B&M-Service, um für die endgültige Entscheidung sämtliche Optionen auf dem Tisch zu haben.

so sehe ich das auch.

Zwodoppelvier hat geschrieben:Andere Möglichkeit: MT und HT ersetzen durch ein hochwertiges Chassis, welches (ungeregelt) diese beiden zu ersetzen vermag.

Das wäre schade wenn man diesen Kompromiss eingehen würde.

Vielleicht verkauft dir Roman (RPWG) ja zwei Mitteltonchassis mit Sensorspule. Da müsste dann allerdings die Elektronik angepasst werden.

Oder schaue mal hier

http://www.ebay.de/itm/Backes-Muller-BM ... 3d047ba495

Die Delle (falls sie einen stört) bekommt man eventuell wieder raus, in dem man den Staubschutz ablöst ausbeult und wieder mit Uhu Hart aufklebt. Eventuell geht das auch mit Gaffatape, mit dem man versuchen kann die Beule so rauszuziehen.


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Beitragvon Nebusaradan » 01.10.2015, 10:46

Hallo Thomas,

mein defekter MT sah ziemlich genau so aus. Nachdem ich die Regelung entfernt hatte, stellte sich aber heraus, dass er ansonsten ok ist. Habe dann mit einem Kumpel eine Zeit lang herumgebastelt bis wir die Magnete wieder vorsichtig aufgeklebt hatten und haben dann aus einem alten Cd Laufwerk einen vergleichbare Spule eingelötet. Ist schon ein paar Jahre her, aber funktioniert seitdem. Ein Versuch ist es meines Erachtens wert. Highend wirst Du nicht erreichen, aber ich finde die alten Schätzchen spielen mehr als passabel.

Viele Grüße, Didi
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Beitragvon Hans-Martin » 01.10.2015, 11:38

Ralph Berres hat geschrieben:Die Delle (falls sie einen stört) bekommt man eventuell wieder raus, in dem man den Staubschutz ablöst ausbeult und wieder mit Uhu Hart aufklebt. Eventuell geht das auch mit Gaffatape, mit dem man versuchen kann die Beule so rauszuziehen.

Hallo

In Ergänzung zu Ralphs Vorschlägen geht eventuell auch ein kraftvoller Staubsauger, dessen Nebenluft man gefühlvoll mit dem Daumen dosieren kann. Versuche mit Klebeband waren bei mir selten erfolgreich, um nicht zu sagen: nie, die Klebekraft reichte nicht aus, die Beule war stärker. Drückt man den Kleber entsprechend an, droht die Gefahr, die Beule zu vergrößern. Die Zugkraft am Rand nützt wenig, in der Mitte müsste sie am größten sein, das kann also nur bei großfächigen Beulen funktionieren.

Wenn man die Kalotte auslöst und mit einer Stahl- oder Holzkugel, dem abgerundeten Ende eines Besenstiels oder gebrauchtem Radiergummi ausbeult, kann man sogar die Grübchen am Rande wegbekommen. Von der Arbeit mit Zylindern (Filzstift Rückende) rate ich eher ab, das hinterlässt bei Metalkalotten mehr Spuren.

Mit der Kalotte in der Hand bin ich schon durch den Baumarkt gegangen, auf der Suche nach passenden Verrundungen wurde ich auch fündig, aber gekauft habe ich dann nur noch den Kleber ...

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Ralph Berres » 01.10.2015, 12:37

Bei der Minibeule würde ich garnichts unternehmen.

Mitteltöner bei Ebay bestellen und gut ist.

Natürlich bevor man alle anderen Lautsprecher geprüft hat.

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Beitragvon uli.brueggemann » 01.10.2015, 12:41

Ralph Berres hat geschrieben:Mitteltöner bei Ebay bestellen und gut ist.
Natürlich bevor man alle anderen Lautsprecher geprüft hat.

"bevor" oder "nachdem" ? :wink:

Grüsse
Uli
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Beitragvon Ralph Berres » 01.10.2015, 12:43

Nachdem meinte ich natürlich.

MFG

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Beitragvon tegeje » 03.10.2015, 23:46

Liebe Community/Teilnehmer in diesem Thread,

vielen Dank für die vielen Anregungen. Der aktuelle Status ist:

Den zerlegten Mitteltöner habe ich jetzt weiter geprüft und soweit erst mal von Kleberesten und Dreck auf der Membran befreit. Klebereste liessen sich nach Erwärmung mit einenm alten Haarfön gut abziehen. Die Membran habe ich mit Nitro-Lösung und Wattestäbchen bearbeitet. Jetzt ist die Membran zwar nicht wieder einheitlich glänzend, aber wenigstens glatt. Die Dustcap muss ich wohl ersetzen. Wenn die echten Probleme gelöst sind, sollte das aber machbar sein. Der Mitteltöner spielt (als Breitbänder) jetzt mit ausgebautem Sensor sehr schön. Zuerst dachte ich, er hätte kein Ferro-Fluid - das ist aber drin, und normalerweise im Luftspalt verborgen. Die Schwingspule und Hub sind frei.

Ralph Berres hat geschrieben:Vermutlich hat die Sensorspule eine Unterbrechung, weil sie durch die Brachialgewalt der zusammengeklappten Magneten zerstört worden ist. Ob es hier Spezialisten gibt die das reparieren können weis ich nicht. Ich kann nur die Elektronik reparieren.

Leider hat Ralph recht. Die Sensorspule ist unterbrochen. Daher will ich versuchen, eine neue Sensorspule entsprechend dem vorhandenen Originalteil nachzubauen. Nachdem ich die Sensorspule samt Anschlusspanel ausgebaut habe und vom Gum-Gum ähnlichen Belag befreit habe, sieht das Teil so aus:

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Der 'wickelkörper' besteht aus Pertinax mit ca. 0,2 mm Dicke - weiss das jemand bestimmt? Ich habe nicht das passende Equipment um das nachzumessen. Ebenso müsste ich wissen,wie dick der Spulendraht der Sensorspule ist. Auch dessen Dicke kann ich nicht messen.

Der Widerstand der Spule soll bei ca. 130 Ohm liegen. Ist dieser Wert korrekt? Kann das jemand bestätigen? Der Spulendraht selbst ist sehr dünn. Im Handel gibt es zur Zeit Drähte bis runter zu 0,05 mm. Dicker ist dieser Draht bestimmt nicht. Ein Draht mit 0,05 mm hat einen Widerstand von 10,24 Ohm/Meter. Demnach müsste der Draht 12,7 Meter lang sein. Nach dem Wickelmuster ist eine 'Umdrehung' ca. 5 cm lang. Das würde bedeuten, dass die Spule aus ca. 250 'Umdrehungen' bestehen würde. Soviele Lagen hat die Spule aber wohl nicht. Daher befürchte ich, das der Draht noch dünner ist als 0,05 mm. Ein dünnerer Draht würde einen höheren Widerstand haben und daher weniger 'Umdrehungen' benötigen, um auf 130 Ohm zu kommen.

Ralph Berres hat geschrieben: Das Selbstzerlegen eines Chassis und den dann notwendigen Wiederzusammenbau wird regelmäßig in ein Desaster führen. Spätestens bei dem Sensor wird es hochproblematisch. Es sei denn du bist ein gewiefter Feinmechaniker.

Nun, wenn ich die Sensorspule durch einen Nachbau ersetzen kann, bin ich wohl den entscheidenden Schritt weiter. Wenn diese Hürde genommen ist, würde ich mir professionelle Hilfe aus Leipzig holen. Der Inhaber Herr Wieglepp hat mir bereits zwei Pfleid FRS20 Paare wieder hergestellt und mit dem Ersetzen der Sicke und Ferrofluid der BM6 Mitteltöner hat er Erfahrungen. Er kann sicherlich auch die Sensor-Magnethalter neu einkleben und eine neue Dustcap draufsetzen.

Ralph Berres hat geschrieben:Wo deine Grenzen bei der Restauration dieses Lautsprechers liegen vermag ich nicht beurteilen. Das musst du selbst einschätzen, und hängt auch wohl stark von deinen Kenntnissen in Elektronik ab. Auch ist ein Minimum an Messtechnik vonnöten (Oszillograf und Tongenerator). Ohne die geht es nicht.

Ich traue mir da schon einiges zu. Meine Elektronikkenntnisse würde ich als sehr gut bezeichnen, soweit es den Audio-Elektronikbereich und praktischen Umgang mit dem Lötkolben betrifft. Ein gutes Fluke DMM und einen uralten Tectronics Typ 561A Oszilloskop sowie ein selbstgebauter Funktionsgenerator gehören zu meiner Grundausstattung. Es wäre also alles vorhanden.

Meine Intention bei diesem Vorhaben ist in erster Linie, zu verstehen wie Backes & Müller ihre Ideen in die Realität umgesetzt haben, und wie gut Ihnen das gelungen ist. Beim Blick auf die Polkappe des Mitteltöner mit den gelösten hölzerner Magnethalterungen für die Sensorik kommen mir schon erste Zweifel, ob dass Konzept wirklich optimal umgesetzt wurde, zumindest soweit es die Langzeitstabilität betrifft. Die Mitteltöner sind aus dem Jahre 2005 (wenn der Stempel das Herstellungsjahr kennzeichnet), ca. 25 Jahre nachdem der Lautsprecher urpünglich entworfen wurde. Da sollte bei B&M diese Fehlerquelle bereits bekannt sein, man hat es aber nicht abgestellt.

Für mich ist DIY die Triebfeder dieses Hobbies. Ich könnte viel Geld dafür ausgeben, aber das reizt mich weniger. Da mein Budget begrenzt ist, versuche ich für wenig Geld alte Schätze zu erwerben und diese dann wieder in einen brauchbaren Zustand zu versetzen. Das kann dann durchaus länger dauern. Aber bisher habe ich mich auf diesem Wege mit Pfleid FRS20, Phillips MFB, MiniDSP, Quad 405, Quad ESL 57 und jetzt auch BM6 auseinander gesetzt und immer viel gelernt dabei.
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tegeje
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