Wiederbelebung Backes & Müller BM 12

Lautsprecherbau und -tuning

Wiederbelebung Backes & Müller BM 12

Beitragvon Erstemalaktiv » 23.12.2015, 11:38

Hallo
Ich bin neu im Forum weil mir ist ein Paar BM12 zugelaufen ist. Das ist mein Traum meiner Hifi-Jugend. Ich habe gewisse Vorkenntnisse was Elektronik und das Löten angeht, sodass ich mir vorgenommen habe, die Boxen selbst zum Leben zu erwecken. Zuerst hatte ich jedoch mit der Nutzung der Beiträge und das Einbinden von Fotos zu kämpfen. Sollte sich jemand an meinem Schreibstil oder ähnlichem stoßen, sagt bitte Bescheid.

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In Allgemeinen ist die erste Bestandsaufnahme und Arbeiten bei meinen BM12 (SN 12565 und 12566 Ausführung Teak?) gemacht:

  • Bei einem Bass ist die Sensorspule unterbrochen. Dieser ist schon in Saarbrücken bei BM zur Reparatur
  • alle anderen Lautsprecher funktionieren soweit. Bei einem Hochtöner gesellt sich zu dem leisen Rauschen (ich denke das ist normal) auch leider ein leichtes Prasseln.
  • bei beiden Mitteltönern sind die Sicken bereits gegen neue Schaumstoffsicken, soweit ich das beurteilen kann, fachgerecht getauscht.
  • habe bereits alle Elkos und Lautsprecherrelais getauscht. Ich habe lange nach einem Relais gesucht und das V23057-B0006-A401 gefunden. Das passt bei mir. Da dies für 24V ist, muss man statt einer vorhandenen Drahtbrücke einen Vorwiderstand 680 Ohm einbauen (danke BM Fan)
  • alle Spannungen überprüft, die Ruheströme aller Endstufen (25mA für ClassAB-Einstellung) eingestellt.
  • Hier wäre es toll, wenn man Schaltplänen habhaft werden könnte, aber das scheint ja ein echte Problem zu sein, oder kann jemand aushelfen?
  • die Gehäuse und Abdeckungen haben auch nach über 30 Jahren noch einen schönen Zustand

Somit ist erstmal die grundsätzliche Funktion gegeben, was bei meinem Blindkauf ja schon risikobehaftet war. Folgende Dinge sind mir aufgefallen:

  • Ich habe bei Verwendung meines Vorverstärkers und beider Lautsprecher eine Brummschleife. Ich vermute weil in den Boxen der Schutzleiter und die Masse des Verstärkereinschubs direkt miteinander verbunden sind. Damit beschäftige ich mich später, ich verwende solange 1:1-Übertrager
  • Die Elektronik in der geschlossenen Box unter Nutzung bei Zimmerlautstärke wird schon recht warm. Erstaunlicherweise ist bei den Endstufen zwischen Transistoren und Kühlschiene, sowie zwischen Kühlschiene und Kühlkörper keinerlei Wärmeleitpaste. Das werde ich beim finalen Zusammenbau nachholen.
  • leichtes Rauschen ist nahe an den Lautsprechern zu vernehmen.
  • Die IC-Bestückung ist uneinheitlich (NE5534AN, TL071, LF347N, HA4741). In einer Box ist der LF347N für alle 4-fach OP verwendet, in einer Box ist auf der MT-Endstufe der HA4741 verbaut.
  • Hat jemand Erfahrungen mit dem Ersatz der ICs? Da gibt es heute ja Besseres (TLE2071 für den TL071) (TLE2074 für den LF347N) (LME49710 für den NE5534AN). Vielleicht geht ja der LME49710 auch für die TL071 und der LME49740 für die LF347N? Das ist ja noch preislich in normalen Regionen. Die Versorgungsspannungen der ICs sind nicht üppig, daher ist bei der Auswahl des Ersatzes Vorsicht geboten. Man kann für noch bessere OP-Amps auch ganz schnell ganz viel Geld ausgeben.

Jetzt muss ich noch auf das reparierte Chassis warten, um mir einen klanglichen Eindruck verschaffen zu können. Im Januar geht es dann bestimmt noch wegen der Justage nach Lüdenscheid. Ich berichte, wie es weitergeht. Über Kommentar und Unterstützung freue ich mich immer.

An alle Mitglieder ein schönes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr. Mein Weihnachtsgeschenk habe ich mir mit meiner BM12 überraschenderweise selber gemacht.

Mathias
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Beitragvon wgh52 » 23.12.2015, 16:58

Hallo Mathias,

erstmal Gratulation zum Revisionsstand der schon erreicht ist!

Mein Rat: Bring erstmal die Schätzchen so zum Laufen wie sie sind, sieh zu, dass beide möglichst gleich abgestimmt sind und hör sie an, dann kann's schrittweise vorwärts gehen.

Zu Deinen Fragen:

Erstemalaktiv hat geschrieben:alle anderen Lautsprecher funktionieren soweit. Bei einem Hochtöner gesellt sich zu dem leisen Rauschen (ich denke das ist normal) auch leider ein leichtes Prasseln.

Du meinst sicher den Superhochtöner. Nachdem hier ca. 270 V zwischen Membran und dem hinter der Kalotte liegenden Gitter liegen, könnte es sich um einen Defekt handeln, ich hatte sowas aber noch nicht.
Es kann übrigens nötig sein, die Regelungseinstellungen "nachzuziehen", ich hab da zwar keine Anleitung für die alten BM-12en, aber hier könnte bm_fan Michael wohl helfen.

Erstemalaktiv hat geschrieben:alle Spannungen überprüft, die Ruheströme aller Endstufen (25mA für ClassAB-Einstellung) eingestellt.

25 mA kommen mir eher niedrig vor, meist sind Ruheströme an den Endtransistoren von ~ 50 mA üblich, so ist das bei den Omega und BM-8 Endstufen auch.

Erstemalaktiv hat geschrieben:Hier wäre es toll, wenn man Schaltplänen habhaft werden könnte, aber das scheint ja ein echte Problem zu sein, oder kann jemand aushelfen?

Soweit ich verstehe und aus dem Bild sehe, sind das BM-12 aus der vor-VFET Zeit, richtig? Dafür habe ich leider nix.

Erstemalaktiv hat geschrieben:Ich habe bei Verwendung meines Vorverstärkers und beider Lautsprecher eine Brummschleife. Ich vermute weil in den Boxen der Schutzleiter und die Masse des Verstärkereinschubs direkt miteinander verbunden sind.

Bei den alten B&Ms, zumindest denen, die ich gesehen habe, ist der Schutzleiter nicht angeschlossen.

Erstemalaktiv hat geschrieben:Die Elektronik in der geschlossenen Box unter Nutzung bei Zimmerlautstärke wird schon recht warm. Erstaunlicherweise ist bei den Endstufen zwischen Transistoren und Kühlschiene, sowie zwischen Kühlschiene und Kühlkörper keinerlei Wärmeleitpaste. Das werde ich beim finalen Zusammenbau nachholen.

Wärmeleitpaste ist zwar gut, macht den Wärmeübergang leichter/schneller, wird aber die Kühlkörpertemperatur im Endeffekt nicht senken.

Erstemalaktiv hat geschrieben:leichtes Rauschen ist nahe an den Lautsprechern zu vernehmen.

Das ist bei den geregelten Aktiven ja erstmal normal. Das kannte ich schon bei meinen BM-3en.

Erstemalaktiv hat geschrieben:Die IC-Bestückung ist uneinheitlich (NE5534AN, TL071, LF347N, HA4741). In einer Box ist der LF347N für alle 4-fach OP verwendet, in einer Box ist auf der MT-Endstufe der HA4741 verbaut.
Hat jemand Erfahrungen mit dem Ersatz der ICs? Da gibt es heute ja Besseres (TLE2071 für den TL071) (TLE2074 für den LF347N) (LME49710 für den NE5534AN). Vielleicht geht ja der LME49710 auch für die TL071 und der LME49740 für die LF347N? Das ist ja noch preislich in normalen Regionen.

497x0 sind die moderneren OPVs der Wahl - auch für TL-07x einsetzbar sofern ich richtig erinnere. Ich plane Austausch auch für meine Omegas.

Erstemalaktiv hat geschrieben: Die Versorgungsspannungen der IC's sind nicht üppig, daher ist bei der Auswahl des Ersatzes Vorsicht geboten. Man kann für noch bessere OP-Amps auch ganz schnell ganz viel Geld ausgeben.

Was ist an +/- 15 V nicht üppig? Wenn man OP627 nimmt kommt sicherlich schnell viel Geld zusammen :wink: , da ist LME497x0 wahrscheinlich Preis/Leistungs-Sieger. :cheers: Tipp: Möglichst nahe an den Versorgungspins mit 100 nF zwischen + und - abblocken, ist gut gegen Schwingneigung.

Eine weitere lohnende Baustelle bzw. Investition wäre der Einsatz einer 24 dB/Okt. Subtraktionsweiche, ggf. mit Laufzeitausgleich. Es könnte sein, dass in Deiner BM-12 eine 12 dB/Okt. Vierwegweiche verbaut ist, ich glaube die ersten hatten solche Weichen.

Gruß und frohe Weichnacht!
Winfried

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Beitragvon Erstemalaktiv » 23.12.2015, 17:20

Hallo Winfried

Danke für Deinen Beitrag. Zur weiteren Erläuterung der Situation

  • Meine BM12 ist ein Modell vor den VFet-Typen, aber keine uralte.
  • Das Prasseln ist am Hochtöner, die 290V Polarisatitonsspannung stehen.
  • Bei dem Ruhestrom bin ich konservativ vorgegangen. Ich werde mal 50mA ausprobieren, zumal ich einen Offset von ca. 20mV - 60mV an den Endstufen (bei abgeschaltetem Relais) gemessen habe.
  • Mit der Stauwärme meine ich, was nicht über die Kühlkörper (besser mit Wärmeleitpaste) schnellstens nach draußen abgeleitet wird, landet in der Box und heizt die Innentemperatur auf.
  • Mit nicht üppiger Versorgung an den IC's meine ich, dass die 15V-Netzteile keine ordentlichen Pufferkondensatoren haben, zur Versorung schmale Leiterbahnen verwendet sind und an den IC's wenig für eine Entkopplung der Betriebsspannung gemacht wird. Das mit den Abblockkondensatoren werde ich beherzigen.
  • Habe mal ein Bild von der Filterplatine beigefügt, vielleicht weiss ja jemand mehr dazu:
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Grüße, Mathias
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Beitragvon Zwodoppelvier » 23.12.2015, 22:41

Hallo Mathias,

das dürfte ziemlich sicher eine 24dB-Linkwitzweiche sein. So eine sitzt als Nachrüstteil in einem Paar 6er, welche ich hier noch liegen habe, nur dort eben als 3-Weg-Version. Interessehalber hatte ich mir vor längerer Zeit den Schaltplan aus dem Layout abgeleitet - so etwas ist ja eine überschaubare Fingerübung (was in variierender Komplexität für alle Schaltungsteile gilt). :wink:

Die gemischte OP-Bestückung kannst Du sicher erst einmal beibehalten, dabei nur vorzugsweise darauf achten, daß die jeweiligen Positionen im linken/rechten LS mit dem gleichen Typ besetzt sind.
In einem späteren Schritt mag eine Verbesserung der Strompfade noch etwas herauskitzeln, v.a. wenn die OP tatsächlich auf aktuelles Material umgestellt werden. Bleibt natürlich die Frage, inwieweit sich das beim Musikhören tatsächlich bemerkbar macht. :?

Möglicherweise ergibt sich ja die Gelegenheit, ein Paar aufgebretzelte 12er bei einem netten Forenkollegen zu hören - bevor Du Zeit und Geld in Maßnahmen steckst, die für Deine Wahrnehmung letztlich nur marginale Veränderungen bringen. :wink:

Beste Grüße
Eberhard

P.S. Ich mag diese alte Technik mit noch von Hand gemalten Layouts. Bis auf die uralte Netzteilplatine der 6er finde ich den Aufbau sogar durchdachter/strukturierter als bei den späteren Versionen.
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Beitragvon wgh52 » 24.12.2015, 09:39

Hallo Mathias,

bezüglich meiner 497x0 Empfehlung bekam ich gerade noch den Rat eines geschätzten Forumsfreundes, dass Alternativen auch und seiner Meinung nach besser, die JFET OPAs 1632 bzw. die bipolar OPAs 1612 sind. Ich habe diese zwar selbst noch nicht eingesetzt, gebe die Empfehlung hiermit aber trotzdem gern weiter.

Gruß und frohe Weihnacht,
Winfried

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Beitragvon Rainair » 26.12.2015, 12:03

Hallo Mathias,

schau mal hier: http://www.rock-grotto.co.uk/opamp.htm

Ich hab selbst überall die AD 823 AN in Betrieb und bin total begeistert davon. Kein Vergleich zu vorher.

LG, Rainer
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Überholung BM 12 (12.565/12.566) Modell vor der V-FET-Serie

Beitragvon Erstemalaktiv » 02.03.2016, 13:02

Hallo

Nach etlicher Zeit hier der Sachstand meiner Aktivitäten (Stand 29.02.2016):

  • Alle Elkos auf allen Baugruppen bipolar und polar gegen die Originalwerte getauscht.
  • Elkos im Netzteil von 4700uF/40V nach 6800uF/40V vergrößert
  • Die Gleichrichterbrücken gegen „fast recovery“-Dioden ausgetauscht
  • An allen Signalverstärker-IC’s über die +- der Spannungsversorgung kleine Elkos angebracht
  • Auf der Frequenzweiche alle Potis gegen Spindeltrimmer gewechselt (alle 5KOhm; SHT mit 2kOhm). Alle anderen Trimmer sind geblieben, da ohne Mängel (nicht die störungsanfälligen roten Trimmer verbaut).
  • Alle Relais der Endstufen getauscht gegen Siemens V23057-B6-A101 mit Vorwiderstand 680 Ohm (Platz ist durch eine Lötbrücke vorhanden). Eine Alternative ist das Relais TE Schrack RP510024.
  • Bei allen Endstufen den Ruhestrom mit 25mA (25mV über 2x0,47 Ohm) mit eingeschalteten Lautsprecherrelais abgeglichen
  • Leistungsaufnahme aus dem 230V-Netz ca. 36W im Leerlaufpro Box
    • Der Offset der Endstufen beträgt bei den verwendeten originalen-Operationsverstärkern auf den Endstufenplatinen zwischen 10mV und 48mV und ist leider nicht separat einstellbar. Bei Verwendung des LME49710 als Eingangsverstärker in den Endstufen steigt der Offset signifikant auf 30mV – 60mV an. Daher sind die originalen OP’s drin geblieben.
  • Auf der Frequenzweiche und am Subsonicfilter wurden die LF347N und der TL074 gegen AD713AC getauscht (je Box 4 Stück)
  • Netzfilter und Überspannungsschutz nachgerüstet
  • Schutzleiter und Elektronikmasse per Brückengleichrichter getrennt (sonst Brummschleife möglich, da Schutzklasse 1). Die 0V an der Netzteilplatine für eine Vereinfachung der Messungen auf eine Lötleiste gelegt.
  • Einstecktiefe der Platinen in die Busplatine erhöht (drei Haltewinkel der Busplatine mit Langlöchern versehen)
  • Außenkühlkörper an Aluminiumtragplatte unter Verwendung von Wärmeleitpaste neu befestigt
  • Alle Endstufenmodule mit Wärmeleitpaste befestigt
  • Alle abgeschirmten Signalkabel zu den Lautsprechern wurden am Verstärkermodul mit Schrumpfschlauch versehen und die bruchgefährdeten Schirme als Masseanschlüsse gegen flexible Leitungen ersetzt
  • Kabelbäume am Verstärkermodul zugentlastet befestigt
  • Bei den Mitteltönern wurden November 2015 bei „tuned systems“ in Frankfurt die Schaumstoffsicken erneuert. Die Mitteltöner haben nach deren Aussage kein Ferrofluid. An dem Mitteltöner von Box 12.566 hat die Kalotte leichte Eindrückspuren. An der 12.565 habe ich selber geschafft, welche herein zu bekommen. Am Ende werde ich vielleicht bei http://www.sicke.de neue Kalotten einsetzen lassen. Die alten Kalotten machen die vorher runter, etwa 50€ pro Lautsprecher.
  • Der obere Basslautsprecher von Box 12.566 hatte in der Sensorspule (alle anderen TT ca.1,5kOhm Gleichstromwiderstand der Sensorspule) keinen Durchgang mehr. Dieser wurde bei B&M repariert. Die Kosten betrugen 273 €. Die Membranbewegung der TT nach innen in die Box bei angelegter Gleichspannung (ca. 2V Plus an Endstufenausgang) ist richtig.
  • Das Gehäuse wurde mehrfach neu geölt
  • Der Hochtöner in Box 12.566 war defekt (lief nur mit Nebengeräuschen) und wurde durch einen Hochtöner aus ebay (70€) ersetzt. Dieser ist jedoch deutlich empfindlicher. Dies wurde im Pegel an der Frequenzweiche angepasst. Bei der Begutachtung der Platine in den Hochtönern wurde festgestellt, dass zwei Versionen verbaut sind. Die neuere Version hat zwei 10V-Z-Dioden zum Schutz des Gates des Feldeffekttransistors BD264B. Die Z-Dioden wurden bei dem Hochtöner von ebay nachgerüstet und der defekte FET ersetzt.
  • Bei dem Mitteltöner von Box 12.566 ist, anders als bei Box 12.565, kein Thermoaufnehmer verhanden. Daher ist natürlich auch kein Nullabgleich der Thermosicherung auf Endstufenplatine möglich.
  • Die Superhochtöner unterscheiden sich geringfügig. Der SHT von Box 12.565 hat auf der Pufferplatine am Ausgang ein Poti mit 4,7K zur Pegeljustage (eingestellt auf etwa 2/3 Pegel), die 12.566 nicht. Durch das Poti wird der Regelbereich des Potis für die Gk auf der Endstufenplatine praktikabler. Habe das Poti nachgerüstet und genau so eingestellt, der Platz war vorhanden.
  • Einstellung der Gegenkopplungsgrade:
    TT: Bei 200Hz GK-Faktor=6 (Relais aus / Relais ein)
    MT: Bei 800Hz GK-Faktor=3 (Relais aus / Relais ein)
    HT: Bei 8kHz GK-Faktor=1 (Relais aus = Relais ein). Dass sollte mit einem Pegelmaximum bei 22kHz zusammenfallen. Beide Einstellungen interativ mit P1 und P2 wiederholen bis beides stimmt.
    SHT: Pegel 10kHz bis 18kHz Pegelverdoppelung von 2Vss nach 4Vss mit GK-Poti einstellen. Bei 18kHz sollte der Pegelpeak sein, danach kontinuierlich abfallend. Mit Poti2 so einstellen, dass erster Verlauf möglich ist. Erste Einstellung überprüfen, beides wiederholen.
    Die Resonanzfrequenz liegt bei ca. 50kHz (hier maximaler Pegel 5Vss).

Offene Fragen:

  • Die Wärmeentwicklung in der Box ist recht groß. Das kommt nach meiner Ansicht durch die zwei Spannungsregler +-15V auf den Hochspannungsmodulatorplatinen. Da werden mehr als 20V in Wärme umgewandelt und in den Innenraum abgegeben. Ich überlege, diese durch an den Kühlkörper angeflanschte LM317/LM337-Spannungsregler zu ersetzen. Dann würde die Wärme über den Kühlkörper nach außen abgeführt.
  • Ich habe auch einen leisen Netzbrumm speziell in beiden oberen Basslautsprechern, aber nur wenn der Elektronikeinschub in die Boxen eingeschoben ist. Es ist denke ich eine Einstreuung der Ringkerntrafos in die Sensorleitungen/Sensorspulen der Basschassis. Klappe ich die Einschübe ein wenig raus, wird es leiser bis es ganz weg ist. Es ist auch so leise, dass man es am Hörplatz nicht hört. Ich habe mit einem regelbaren Trenntrafo die Netzspannung mal auf 200V - 210V heruntergeregelt, das ändert aber so gut wie nichts. Ich vermute die Trafos sind gar nicht geschirmt.
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Beitragvon dietert » 03.03.2016, 12:53

Hallo Mathias,

Respekt, habe hier auch noch zwei solche Schätzchen halbfertig rumstehen, die mal als Schrott bei mir gelandet sind. Habe damals ein Elektronikmodul fertig gemacht, aber dann ist das irgendwie liegen geblieben, nachdem ich beim Hantieren einen der Mitteltöner ruiniert hatte.

Wegen Brumm: Ringkerntrafos reagieren empfindlich auf Gleichstrom, d.h. ein Einweggleichrichter führt zu Sättigung und Abstrahlungen, gelegentlich sogar Brummen des Trafokerns. Die Versorgung der Endstufen ist ja symmetrisch, aber eventuell hat man so ein Problem in der HV-Versorgung der Hochtöner-Sensoren. Ist aber nur ein Verdacht.

Wegen Wärme: Allein die fünf Relais machen schon ordentlich Wärme. Soweit ich mich erinnere, haben die etwa 1 KOhm, d.h. es wären etwa (5 x 35 mA = 150 mA) x 35 V = 5 W. Bei mir habe ich Halbleiterrelais eingebaut, die arbeiten mit 20 mA und 5 V, d.h. die kann man durch eine Änderung der Backplane in Serie schalten, dann ist ein Teil der Wärme weg.

Der gewählte Ruhestrom 25 mA für die Endstufen ist schon mal gut. Achtung: Es gibt Endstufen mit und ohne Konstantstromquelle für die Eingangsstufe (long tail). Ohne Konstantstromquelle ist der Ruhestrom nicht besonders stabil.

Wegen Schaltbild: Ich habe damals über ebay Kleinanzeigen Kopien von Schaltbildern bekommen, die teilweise von BM-6 und teilweise von BM-12 stammten. Eigentlich ist die Technik aber gut erkennbar, und so ein Schaltbild kann man schnell selber zeichnen. Die Endstufen unterscheiden sich eigentlich nur bei den Bauteilwerten. Vielleicht hilft ja auch einer der Experten hier im Forum.

Inzwischen finde ich diese alten Monsterboxen nicht mehr so aufregend, habe inzwischen viel kleinere in Gebrauch, die praktisch genauso leistungsfähig sind. Heutzutage hat man eben hinterlüftete Tieftöner, digitale Weichen usw., die Entwicklung ist ja nicht stehengeblieben. Bei geregelten Tieftönern ist die Boxengröße eigentlich nicht mehr so entscheidend. Wichtiger wäre mir persönlich, dass die Tieftöner vom Boden wegkommen, wegen der Raummoden.

Weiter viel Erfolg, hoffentlich kommt bald ein Hörtest!

Grüße,
Dieter T.
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dietert
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Beitragvon Erstemalaktiv » 01.05.2016, 11:42

Hallo liebe Interessierte

Dank der vielen Anregungen aus den verschiedenen Forumbeiträgen und einem Hochtöner aus ebay laufen die Lautsprecher wieder. Der Klang ist prima, jedoch nicht endgültig, da sie noch exakt eingemessen werden müssen.

Die lautsprecher sind nun völlig brummfrei, weil ich die Tieftöner so gedreht habe, dass die Einstreuung aus dem Trafo minimal ist. Der verbliebene Brumm ist mechanischer Natur und kommt vom brummenden Trafo, der durch die Tieftönermembran abstrahlt. Ich habe die Ringkerntrafos losgeschraubt und jeweils drei kleine Anschlagpuffer aus Weichplastik (Möbelzubehör, Glaser) untergeschoben. Nach dem Festschrauben gibt es keinen Brumm mehr!

Den defekten Hochtöner habe ich nach einem Beitrag im Forum (vielen Dank!!) zerlegt, ausgebeult und das total zähe Ferrofluid entfernt. Das Justieren/Zentrieren habe ich bei 800Hz mit einer normalen Endstufe vorgenommen, bis das der Ton sauber und ohne Nebentöne oder Schnarren wiedergegeben wurde. Man müsste es mit einem Klirrfaktormessgerät machen, über welches ich leider nicht verfüge. Ist das eurer Ansicht nach ein Problem?

Habe ich durch das Entferen de Ferrofluids mir andere Nachteile eingehandelt, außer der etwas geringeren thermischen Belastbarkeit?

Zudem weiss ich nicht, mit welchem Kleber ich das Schutzgitter wieder aufkleben soll. Zweikomponeten-kleber ist mir zu entgültig. Habt ihr einen Vorschlag?

Oh Wunder, meiner Frau gefallen sie gut. Das hat mich bewogen ein zweites, jedoch total desolates Paar für kleines Geld für das Wohnzimmer zu kaufen. Diese sind noch etwas älter (120303 und 120304) und ich habe Fragen:

Die Hochspannungsverstärker sind ausschließlich mit Transistoren, ohne OP-Amp. Warum hat man später umgestellt, sind die alten schlechter?

Die Boxen haben noch die 12db-Weichen, sollte man das unbedingt ändern, oder ist das fürs Wohnzimmer mit verringertem Anspruch an die Qualität kein Problem?

Ich würde, wenn Interesse besteht, die Renovierung in einem neuen Beitrag schildern.

Liebe Grüße, Mathias
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Beitragvon Erstemalaktiv » 29.05.2016, 15:41

Hallo

Heute ist der Supergau passiert! Nach vielen Wochen der Freude über die gelungene Restauration meiner BM12 habe ich die Lautsprecherboxen im Zimmer umgestellt. Danach habe ich eine Klangveränderung festgestellt. Bei einer Box fehlten die Mitten. Großes Rätselraten! Verstärkereinschub entnommen, Messung gemacht und festgestellt, dass am Verstärkerausgang Gleichspannung anlag. Chassis geprüft, Schwingspule sitzt fest. So ein Elend! Der Grund war schnell gefunden. Ein winziges Stück Lötzinn war von irgendwo her auf die Rückseite in den Bereich des Differenzverstärkers der Endstufenplatine gelangt und hat für Gleichspannung am Ausgang gesorgt. Der Verursacher des Problems bin ich natürlich selber! Lötzinn entfernt, die Endstufe ist nicht defekt aber das Chassis! Anders herum wäre es mir lieber. Verfügt jemand für mich über ein Mitteltonchassis? Ich wäre heilfroh, wenn jemand helfen könnte!

Verzweifelte Grüße, Mathias
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Beitragvon wgh52 » 29.05.2016, 16:20

Hallo Mathias,

Leute, die solche Chassis brauchen könnten, hüten sie wie einen Schatz, falls sie sie haben :wink: . B&M MT Chassis werden auch immer mal bei eBay angeboten, ob die dann 100% OK sind ist möglicherweise so eine Sache. Aber soweit ich mitbekommen habe repariert B&M diese Chassis noch oder tauscht sie aus, was natürlich nicht ganz billig sein dürfte, aber dann hast Du was Nachhaltiges, mit guter Sicke, geprüft, usw.

Gruß,
Winfried

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Beitragvon Erstemalaktiv » 12.08.2016, 10:29

hallo Zusammen

Nach geraumer Zeit habe ich mein zweites erworbenes Paar BM12 aus ganz alter Serie in Arbeit. die Gehäuse mit erheblichem Wasserschaden sind überholt, die Elektronik mit neuen Kondensatoren und Relais bestückt, die Transformatoren entbrummt und ich werde mich in Kürze an den Zusammenbau begeben. Allerdings habe ich zwei verschiedene Superhochtöner eingebaut. Einer sieht wie ein Prototyp aus. Durch diese blöde selbstklebende Alufolie kann man nicht vernünftig daran arbeiten. Kann jemand mit einem Chassis mit dem Abschirmbecher wie rechts im Bild (gerne auch defekt) aushelfen?

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Grüße, Mathias
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Beitragvon dietert » 13.08.2016, 08:42

Hallo Mathias,

die gesuchten Teile müssten aus Opfergeräten kommen, das ist klar. Neulich habe ich über ebay Kleinanzeigen zwei SHT aus der Schlachtung von BM-20 bekommen. Die beiden sind auch unterschiedlich: der linke hat noch einen diskreten Vorverstärker, der rechte enthält schon ein IC.

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Ich würde an deiner Stelle doch versuchen, die Folie abzumachen und später durch eine selbstgemachte Haube aus Weißblech zu ersetzen, z.B. von einer Konservendose. Zum Wegschmeißen sind die Dinger eigentlich zu schade.

Andere haben auch schon die SHT durch ungeregelte Kalottenhochtöner ersetzt.

Grüße,
Dieter T.
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Beitragvon Erstemalaktiv » 13.08.2016, 14:45

Hallo Dieter
Ich habe auch noch so ein Superhochtönerpaar genau wie Du hast. Einmal mit IC, einmal mit Transistoren. Ich würde diese ja auch einsetzten, müsste allerdings bei meinem ganz alten Paar BM12 das Gehäuse ausfräsen. Das wollte ich mir eigentlich ersparen, da die alten Töner gut funktionieren. Ich hoffe noch darauf, dass ein Forumsmitglied noch so eine Leiche in seinem Bestand hat. Ich bräuchte lediglich die runde Platine und die Abschirmung.


Grüße, Mathias
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Beitragvon Erstemalaktiv » 28.03.2017, 17:13

Hallo
Die Lautsprecher, mit denen ich diesen Bericht angefangen habe, funktionieren nun einwandfrei, da ich nach langem Suchen Ersatz für den defekten Mitteltöner gefunden habe. Leider ist der Bespannstoff sehr ausgeblichen und ich würde ihn gerne ersetzen. Leider finde ich nur blickdichte Stoffe, mir gefällt allerdinge der durchscheinende Stoff besser. Kennt jemand eine Bezugsquelle? Sollte man den Stoff tackern oder besser kleben. Wer kann aus eigenen Erfahrungen berichten?

Das zweite, komplett desolate Paar läuft auch wieder. Ich habe auch einen passenden zweiten Superhochtöner gefunden. Ich habe somit aus zwei defekten SHT einen Funktionierenden machen können. das zähe Ferrofluid habe ich entfernt da ich nicht das Wissen und die Erfahrung habe dies zu ersetzen (Viskosität?, Menge?, Hinzufügen?). Die verminderte Belastbarkeit habe ich durch Reduzierung der Vorsicherung des SHT auf 1A superflink versucht aufzufangen. Da ich keine extremen Pegel fahre, sollte das in Ordnung gehen.

Ach so, Iich habe unter dem Marktplatz die Suche nach einem runden Abdeckgitter für einen Hochtöner (alte BM3, BM6, BM12) eingestellt. Wer also soetwas nooch rumliegen hat, bitte melden.

Grüße, Mathias
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