Koaxtreiber BMS4590 an JBL2360 Horn

Lautsprecherbau und -tuning

Beitragvon Hans-Martin » 16.11.2016, 23:16

Hallo Matthias,
kannst du noch einen Versuch mit dem Bild machen? Ich sehe keine Darstellung.
@Josh, ich habe nur sehr selten Hörner gesehen, die mehr als 3 Oktaven abzudecken imstande waren. Dafür wird es sicher Gründe geben.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Hornguru » 16.11.2016, 23:50

Hi Mattias

Schieb mal ein Klirrdiagramm hinterher :)
War die Messung kalibriert? Pegelverlust ist doch schon heftig.
Basotect scheint mir etwas zu böse und nicht offenporig genug, aber immerhin sehr interessant!!!

Hans Martin, das stimmt. Aber wir kochen ja hier nicht mit Wasser ;)
Der BMS schafft immerhin 6 Oktaven. Da kann ich nicht mithalten.
Will ich vielleicht auch garnicht. Es gibt Hörner die so brilliant auf 2 Oktaven abgestimmt sind...
Am liebsten hätte ich ja ein 6 Wege Horn. Wenn das im Vorstufen Bereich nicht so schwer und teuer wäre...

Mein Mitteltöner schafft immerhin fast 5, das Klipsch wenn ich fertig bin mind 4.
ich nutze die Breitbandigkeit aber lieber als Sicherheitsabstand und zur perfektionierung der Filterflanken.

Gruß
Josh
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Beitragvon dietert » 17.11.2016, 08:16

Hallo miteinander,

hier im Thread ist ja grundsätzlich die Rede von Druckkammertreibern. Das ist aber nicht zwingend. Eigentlich reicht erstmal eine "normale" Hochtonkalotte. So habe ich es jedenfalls bei den CD-Hörnern gesehen, die Klipsch in ihren Heimlautsprechern verbauen.

Neulich habe ich testweise eine 25 mm Gewebekalotte ohne Diffusor (!) an ein Eighteensound XT1086 geklemmt, das sah einwandfrei aus: Horngewinn zwischen 1 KHz und 2 KHz etwa 16 dB, keine erkennbaren Auslöschungen, Klirr von 1 KHz bis 20 KHz unter 0,1 %, anscheinend eine gute Lösung. Geht natürlich nur mit Korrekturfilter, d.h. aktiviert. Es war ohne Schallwand, passende Boxen muss ich noch machen.

Grüße,
Dieter T.
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Beitragvon FoLLgoTT » 17.11.2016, 08:39

Hallo,
wir reden hier ja auch über 2"-Hörner. Die sehen in der höchsten Oktave fast immer schlechter aus als beispielsweise 1"-Hörner (einfach mal durchklicken und vergleichen).

2" ist im Grunde Mittelton. Der Durchmesser des Hornhalses ist einfach zu groß für den Hochton. Je kleiner er ist, desto besser bekommt man den Hochton in den Griff. Ich denke daher (und wegen der Rauigkeit) auch nicht, dass der BMS-Koax die beste Wahl für Hifi ist.

Gruß
Nils
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Beitragvon Matty » 17.11.2016, 14:01

Hi Nils,

Was meinst Du mit Rauigkeit?

Gruß
Matthias
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Beitragvon FoLLgoTT » 17.11.2016, 15:10

Hallo Matthias,
Matty hat geschrieben:Was meinst Du mit Rauigkeit?


Puh, das ist schwer zu beschreiben. Es gab bei meinem Kumpel immer eine leichte "Härte" in den Höhen, die bei herkömmlichen Lautsprechern mit Kalotte (und Waveguide) so nicht vorhanden war. Das war für ihn auch ein Grund, umzusteigen. Die Hörner klangen zwar schön dynamisch und haben durch die Bündelung den Raum stark ausgeblendet, was bei Heimkinoton gut kam, bei Musik störte die besagte "Rauigkeit" aber.

Ich habe diese Rauigkeit auch schon an einem anderen eher tiefen Horn wahrgenommen. Bei einem kleineren trat das dagegen nicht auf (trotz insgesamt gleichem Abstrahlverhalten des gesamten Lautsprechers). Ich weiß nicht, woran es liegt. Möglicherweise sind es Resonanzen oder HOMs (Higher Order Modes), aber das sind nur Vermutungen.

Ich vermeide seitdem jedenfalls tief gebaute Hörner.

Gruß
Nils
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Beitragvon Hornguru » 17.11.2016, 15:38

Hi Nils

Da sprichst du was Sinniges an.
Viele Hörner haben eng um den Nutzbereich scharfe Einbrüche und lange nachklingelnde Resonanzen. Fast ein Gong-Effekt.

Kein Problem wenn man diesen nicht benutzt... Nur doof dass die Kompressionskammern Klirr erzeugen, und der klingelt dann wieder die Resonanz im Horn an. Klirr dürfte Rauhigkeit erklären.

Ein Weg ist möglichst weit weit weg davon zu bleiben. Ich verwende deswegen Hörner die mind 4-6 Oktaven machen, nutze aber maximal die Hälfte. So wie auch beim Pegel. Viel Sicherheitsabstand...
Das deckt die Hörbaren 9 Oktaven dann mit Ach und Krach auf 4 Wegen ab.

Wobei man imho oberhalb von 10k schon extreme Abstriche machen kann.
Da reichts eigentlich wenn irgendwas irgendwie irgendwoher kommt.
Und wenns ein Piezo Quäker mit 30% Klirr ist, das hörts eh nit.

Nur doof wenn die anderen Treiber ins längere Horn reinstrahlen unds dort dann rumscheppert.
Dort sehe ich weiteres Potential im Horn Bedämpfen.
Man verliert nur 2-3dB Pegel, aber reduziert die Nachschwingzeit von PingPong Resonanzen extremst radikal.
Wenn hier beim mehrfach-Durchlaufen 2-3 fehlen multipliziert sich das sehr schnell.
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Beitragvon Hornguru » 21.11.2016, 16:26

Was zu tiefen Hörnern...
Bekannter baut nur ausgesprochen tiefe Hörner mit relative kleinen Mündern und viel Kantendiffraktion.

Auch wenns komisch klingt, diesen "tiefen" Hörner, bilden die Bühne besonders "tief" ab.
Nur mit solchen können leichte Tiefeneffekte, Meter nach hinten oder vorne, gespreizt auf vorm Gesicht und 20 Meter hinter der Wand abgebildet werden.

Keine Ahnung warum, sicherlich nicht Aufnahme-Getreue Räumlichkeit... aber verdammt schön anzuhören.
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Beitragvon dietert » 21.11.2016, 23:10

Hallo Josh,

warum soll die Bühne eigentlich nicht die Akustik des Aufnahmeraums darstellen? Was ist daran falsch?

Habe aufgrund deiner Messanleitungen hier im Forum letzte Woche einige Quadratmeter "Basotect" Pyramiden 8 cm bestellt. Als ich die Teile in meinem Hörraum probeweise hinter und zwischen die JBL LSR305 Monitore gestellt hatte, war ich schwer beeindruckt. Das sind ja nun Lautsprecher, die nicht extrem bündeln, ich meine nicht vergleichbar mit den Hörnern, von denen hier die Rede ist. Zusammen mit den Absorbern hatte ich aber - glaube ich - genau den Eindruck von Tiefe, den du gerade beschrieben hast, und auch die unangenehme Nähe, wenn jemand direkt vor dem Mikrofon spricht.

Grüße,
Dieter T.
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Beitragvon Matty » 22.11.2016, 20:52

Hans-Martin hat geschrieben:Hallo Matthias,
kannst du noch einen Versuch mit dem Bild machen? Ich sehe keine Darstellung.
@Josh, ich habe nur sehr selten Hörner gesehen, die mehr als 3 Oktaven abzudecken imstande waren. Dafür wird es sicher Gründe geben.
Grüße Hans-Martin


Hallo Hans-Martin,

welchen Matthias meinst Du?
Ich sehe bei meinen Bildern und auch bei denen meines Namensvetters keine Darstellungsprobleme.

VG
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Beitragvon Matty » 22.11.2016, 21:00

Hornguru hat geschrieben:Hi Mattias

Schieb mal ein Klirrdiagramm hinterher :)
War die Messung kalibriert? Pegelverlust ist doch schon heftig.
Basotect scheint mir etwas zu böse und nicht offenporig genug, aber immerhin sehr interessant!!!

[...]

Gruß
Josh


Hi Josh,

Klirrmessung habe ich mal mit Acourate ausprobiert.
Der Klirr war auf dem gleichen Niveau mit und ohne Basotect, bei Basotect war aber auch die Klirrkurve geglättet.

Natürlich war das kein 'seriöser' Versuch, eher ein 'Proof of Concept', ob und welche Änderungen sich im Frequenzverlauf ergeben. Eine Auswirkung scheint ja da zu sein, tendenziell sogar eine positive Änderung im Bereich des Möglichen.
Um das wirklich anzuwenden, würde ich aber sicher eine ganze Menge mehr ausprobieren, messen und probehören.
Kalibriert war die Messung nicht, das Mikrophon aber exakt an der gleichen Stelle plaziert, somit also zumindest im Pegel vergleichbar.

Gruß
Matthias
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Beitragvon Mattias » 01.12.2016, 22:18

Hallo in die Runde,

mal wieder ein Lebenszeichen von mir. Zwischendrin war einiges zu überprüfen, weil sich z.T. unplausible Messdaten ergaben, z.B. zu starke Abhängigkeit des korrigierten Systems zur Entfernung Mikro/Horn. Bereits 2cm Entfernungsänderung führte zu einer deutlichen Verringerung der Ausschwingbedämpfung des Systems, was in einer Messentfernung von guten 3m nicht sein sollte.

Also galt es den Messraum bzw. die Anordnung darin zu prüfen. Zu den Schallabsorbern konnte ich keine Unterlagen finden, die den Absorptions-/ Reflektionsgrad oberhalb 400Hz in einer Kurve wiedergaben, sicher war lediglich, dass der Reflektionsgrad unter 0,1 lag.

Darum zunächst die Frequenzgänge ohne jede Korrektur in Messabständen von 1m, 1,4m, 2m, 2,5m und 3,16m (von oben nach unten). Die unteren beiden Kurven sind verschiedene Anordnungen im Messraum für 3,16m, Mikro einmal mittig ca 40cm vor Absorbern (für große Abstände muß ich dahin) und einmal Mikro in Raumecke. Hier sind recht starke Einflüsse auf den Frequenzgang bis hinauf zu 4kHz zu sehen.

Ferner fällt sehr deutlich auf, dass im Bereich < 600Hz ein übermäßiger Abfall von 2,5m Distanz zu 3,16m stattfindet. Als Entfernungsauswirkung unplausibel, da die anderen das übliche Verhalten zu 1/r aufweisen (kein Nahfeldeffekt). Hier wird der Raum in Sachen Dämpfung bei Messung dicht vor den Absorbern einen sehr starken Einfluß haben.

Die übrigen Verläufe sehen gut aus, passen relativ gut zu den Entfernungsänderungen. Es läßt sich rückrechnen, dass das akustische Zentrum ca 30-40cm tiefer im Horn liegen muß als die vordere „gerade Kante“ des Horns. Als akustisches Zentrum (pegelbezogen) kristallisiert sich ungefähr der Diffraktionsspalt heraus.
Bild
Bild: Frequenzgänge unter verschiedenen Abständen


Entscheidend, wenngleich auch etwas verdeckt, die beiden 2m Messungen in der Mitte. Hier ist ein geringer Unterschied zu erkennen (Mikroposition war zwischenzeitlich geändert), der aber so groß ist, dass es bei FIR-Korrekturen zu „Fehlern“ kommen muß, welche später im Bereich -40dB gegenüber Startzeitpunkt des Abklingens durchschlagen. U.a. folgte daraus zwingend die Notwendigkeit, über mehrere Winkelpositionen hinweg eine mittlere Korrektur anzustreben bzw. ein mittleres Verhalten des Horn zu identifizieren. Als Messpositionen legte ich folgende Winkel fest:

Horizontal: -10° ,-5° ,0° , +5° , +10° und diese jeweils unter vertikal -5° , 0° , +5° , alle in ca 2m Distanz.

Ferner warf sich gleich ein Problem auf: Mit welchem Programm mitteln (z.B. mit Excel)? Da der Umgang mit FilterHose und dem dort ständigen Rückspringen an den Eingabeanfang zu kompliziert wurde, kam nun noch FIR-Designer ins Haus. FIR-Designer hat zu den umfangreichen FIR-Filterfunktionalitäten eine Mittelungsfunktion (mit ggf einzelnen Gewichtungsfaktoren) und kann nach verschiedenen Verfahren mitteln. Gewählt wurde Magnitude mit min. Phase + excess Phase.

Randbemerkung: FIR-Designer wird sehr engmaschig gepflegt, Bugs nahezu umgehend ausgemerzt (z.B. Probs mit deutschem Zeichensatz), auch Wünsche teilweise sehr kurzfristig nachgearbeitet. Habe von Anfang an einen guten Draht zum Programmierer gefunden.

Die Möglichkeit der Gewichtung wurde genutzt, die Messpunkte auf und dicht an der Nullachse fanden eine stärkere Berücksichtigung als die weiter entfernten. Die Mittelung der insgesamt 15 Messpunkte führte als „Abfallprodukt“ zu einer merklichen Glättung des Frequenz- und Phasenganges.

Anhand des „durchschnittlichen“ Wiedergabeverhaltens wurden zunächst zwei FIR-Filtersätze generiert, einer der nur die Amplitude berücksichtigt (und als Referenz dienen soll) und einer der Amplitude und Phase, sprich das zeitliche Verhalten mit berücksichtigt. Die Amplitude wurde im Bereich 440Hz bis 15kHz korrigiert und die Phase 440Hz bis 24kHz.

Zunächst die Amplitudenkorrektur:
Bild

Um einen möglichst glatten Übergang von nicht korrigiertem (Bereich bis 440Hz mit v=0dB) zu korrigiertem Bereich in der Amplitudenkorrektur zu erreichen, wurde der „Referenzpunkt“ für die Amplitude so gewählt, dass an der Startfrequenz der Filterkorrektur für die Amplitude (im Filtersatz) kein Pegelsprung entsteht. Dies ist mittels des rechten Schiebers für „Gain“ äußerst elegant kontrollierbar.

Nun wurde etwas getrickst, um auch für die Phasenkorrektur elegantere Einsatzbedingungen zu gewährleisten.

Bild

Es wurde nicht auf Impulsmaximum zum Zeitpunkt Sample 0 optimiert, sondern das Impulsmaximum des Lautsprecherimpulses etwas nach hinten verschoben, um an der Startfrequenz der Filterkorrektur keinen Phasensprung (im Filtersatz) zu bekommen. Zielphase sollte Null sein, also wurde der Eingangsimpuls so weit verschoben, dass an der Startfrequenz der Korrektur die Eingangsphase ebenfalls 0 betrug.

Bild

Der Trick des Verschiebens des Lautsprecherimpulses bietet sich an, um einen ruhigeren Verlauf der Korrektur außerhalb des Korrekturbereiches zu erhalten. Insbesondere bei geringen angestrebten Latenzen (also keine 2048 Taps wie bei mir im Test) sondern z.B. 512 oder gar nur 256 bietet dies einen glatten Frequenzgang unterhalb der Korrektureinsatzfrequenz, hier beispielhaft mir Latenz von nur 256 Taps (5ms):

Bild

Im unteren Fenster ist der Frequenzgang des Filters zu erkennen. Hier ist eine hohe Auflösung von 4096 Taps mit geringer Latenz 256 Taps kombiniert.

Jedoch ist dies Verfahren mit Vorsicht zu nutzen. Denn das Verschieben des Eingangspulses führt zu einem zeitlichen Auseinanderdriften von korrigiertem zu nicht korrigiertem Frequenzbereich. Und zwar ist der nicht bearbeitete Frequenzbereich um den Faktor 2x Anzahl verschobener Taps (dem entsprechenden Zeitäquivalent) dem bearbeiteten nachgelagert. Dass dies geschieht ist nachvollziehbar, jedoch erschließt sich mir nicht die Zeitverdoppelung.

So, nun aber endlich zu dem, was unter Korrektur aus dem Horn herauskommt und wieviel Verbesserung erreichbar ist. Eine kleine Änderung vorweg, diese Messungen wurden mit zusätzlichem HP im Mitteltonbereich von 419Hz / 24db But durchgeführt (also nicht wie die alten ohne jedes Filter zu Tiefen hin). Ich wollte mittesten, inwieweit die untere Grenzfrequenz für den Mittenbereich Probleme macht. Faktisch hat dies aber auf das Ausschwingen keine Wirkung gezeigt.

Zunächst als Referenz, das nur in Amplitudengang korrigierte Abklingspektrum:

Bild
Bild 1a: 0° , 2m, FIR-Koeffizienten (nur Amplitude) aus gemittelten und gewichteten Messungen generiert

Und hier unter Berücksichtigung des Zeitverhaltens:

Bild
Bild 1b: 0° , 2m, FIR-Koeffizienten (Amplitude + Phase) aus gemittelten und gewichteten Messungen generiert


Nicht so perfekt wie die Korrektur nur aus Daten aus 0° , aber durchaus eine deutliche Verbesserung.

Interessanter wird es nun, wie es unter anderen Winkeln aussieht, denn da schwächelte die bisherige Korrektur, bei der nur Daten aus einem einzigen Messpunkt als Berechnungsgrundlage herangenommen wurden. Es folgen nun immer Messpaare, ein Bild nur mir Amplitudenkorrektur und danach eins mit zusätzlicher Phasenberücksichtigung.

Bild
Bild 2a: 5° , nur Amplitude korrigiert

Bild
Bild 2b: 5° Amplitude und Phase korrigiert


Bild
Bild 3a: 10° , nur Amplitude korrigiert


Bild
Bild 3b: 10° Amplitude und Phase korrigiert

Bild
Bild 4a: 20° , nur Amplitude korrigiert


Bild
Bild 4b: 20° Amplitude und Phase korrigiert

Bild
Bild 5a: 30° , nur Amplitude korrigiert


Bild
Bild 5b: 30° Amplitude und Phase korrigiert


Genug der Bilder.

Untersucht wurde, ob eine weitere Glättung der Frequenz-/Phasengänge z.B. 1/24 oder 1/48 Oktav Verbesserungen boten, dies war nicht der Fall. Die „gröbere“ Glättung mir 1/24 Oktav führt zu schlechteren Ergebnissen, weil teilweise ein schlechteres Verhalten als reine Amplitudenkorrektur zu Tage tritt. Die Glättung mit 1/48 Oktav wäre noch verwertbar, teilweise etwas besser als ohne Glättung, teilweise etwas schlechter.

Es folgte eine kurze Prüfung auf Verhalten in andern Abständen, dies war nun aber unauffällig.

Derzeitiger Wissenstand (oder Statistik auf der Menge 1): So problematische Eigenschaften wie bei diesem großen Horn sind nicht mittels eines Messpunktes und einer anschließenden Glättung zu verbessern. Es bedarf mehrerer Messpunkte und einer Überführung in ein „typisches“ Grundverhalten. Damit kann einiges gewonnen werden, ohne zu Verschlechterungen in Randbereichen zu kommen.

Allgemein sei gesagt, würde im Burst-Decay nur ein Bereich von 30dB dargestellt werden, sähe das alles sehr gut aus und einiges besser als ohne Korrektur. Hier verschwänden die meisten Reflektionen unterhalb der -30dB Schwelle und es wäre das zügigere Ausschwingen leichter zu erkennen. Aber ich wollte bewußt zeigen, dass da "unten" noch was passiert.

Gehört ist nach wie vor nix (rechtes Horn ist noch nicht gemessen), ferner mache ich noch an einem Schmankerl rum, welches die Trennung zwischen Mid-Bass und dem Horn weichenseitig berücksichtigen soll. Erste Test sind vielversprechend, dazu kommt noch was. Ob das aber akustisch Vorteile bringen wird, derzeit unklar.

Grüße
Mattias
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Mattias
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Beitragvon Mattias » 16.12.2016, 22:18

Aus der Messbude wieder aufgetaucht!

Nachdem nun in Sachen Frequenzgang einiges gemacht ist, hier endlich mal ein paar Bilder zum Klirrverhalten.

Gemessen wurde in ca. 2m Distanz zum Horn, Leistung hab ich etwas außen vor gelassen, beziehe mich nur auf den ermittelten Schalldruck. U.a. weil der Mitteltonbereich lange nicht an der Grenze ist, aber der Hochton in der letzten Messung bereits nebst üppig Klirr ein Kompressionsverhalten an den Tag legt.

Für den äquivalenten Schalldruck in 1m Distanz müssen 6dB an Pegel hinzuaddiert werden.

Kurze Erinnerung, die FIR-Filterdaten wurden aus 15 Messungen unter verschiedenen Winkeln im Bereich +-10° horizontal und +-5° vertikal ermittelt, korrigiert in Amplitude der Bereich 440Hz bis 15kHz und in Phase 440Hz bis 24kHz. Taplänge 4096, Delay 2048 Taps (geht aber kürzer).

Gemessen wurde der Klirr bei 94dB, 104dB und 114dB in 2m Distanz, diesmal MIT Trennung ab 419Hz für den Mitteltontreiberteil (zum Schutz vor Beschädigung). Beginnen wir vom niedrigen Pegel her kommend:
Bild
Bild 1: Klirr bei 94dB Schalldruck in 2m Distanz (entsprechend 100dB/1m)

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Bild 2: Klirr bei 104dB Schalldruck in 2m Distanz (entsprechend 110dB/1m)

Bild
Bild 3: Klirr bei 114dB Schalldruck in 2m Distanz (entsprechend 120dB/1m)

Im letzten Bild 3 ist bereits zu erkennen, dass hier eine geringe Kompression am HT-Treiberteil des BMS stattfindet.

Ein Vergleich zu dem Klirrverhalten mit analoger Entzerrung zeigte jedoch, dass sich hier keine Verschlechterungen einstellen (jedenfalls nicht bei gleichen Pegeln). Von dieser Seite her spricht somit nichts gegen eine recht scharfe Entzerrung der Kombination, etwas mehr Pegelluft dürfte erreichbar sein, wenn nicht ganz so stark entzerrt würde (z.B. noch mit 1/48 Oktav der Amplitudengang geglättet wird).

Einer weiteren, für mich etwas unerwarteten Beobachtung bin ich aufgelaufen, diese betrifft das Zeitverhalten des Horns unter verschiedenen Winkeln. Wird das Horn mittels des aus mehreren Messpunkten gemittelten FIR-Satzes entzerrt und schaut man sich dann die Phasengänge unter verschiedenen Winkeln an, so sind diese für mich eher recht unerwartet gleichmäßig, natürlich mit einer relativ kontinuierlichen Winkelabhängigkeit. Jedoch keine großen „Phasenwelligkeiten“. Es tritt also über Winkeländerungen kein sich stets stark änderndes Zeitverhalten auf, sondern die wesentliche Änderung liegt vielmehr im Amplitudengang (und wirkt sich deshalb mit Entzerrung im Burst-Decay ungleich aus).

Bild
Bild 4: Phasengänge mit FIR-Korrektur über 0° bis 30°

Die Winkel 20° und 30° fallen insbesondere bei den Frequenzgängen heraus, hier ist deutlich zu erkennen, dass die winkelabhängige Welligkeit in der Hornkonstruktion über so weite Bereich schwer zu kompensieren ist. Entweder verliert man „Genauigkeit“ im inneren Winkelbereich, wenn größere Winkelbereiche glatter sein sollen oder man muß mit diesen Fehlern leben (wie es z.B. bei Homeanwendungen der Fall sein dürfte, die oft nur eher kleine Winkelbereiche abdecken müssen). Ein Blick hierauf.
Bild
Bild 5: Frequenzgänge mit FIR-Korrektur über 0° bis 30°

Als weiteres Spielfeld wurde versucht, den Phasengangeinfluß der Frequenzweiche im Übergang zum Horn bei 419Hz gleich mit herausrechnen lassen. Dazu wurde folgender Aufbau (einen idealen Tieftöner simulierend) gewählt.
Bild
Bild 6: Messaufbau für simulierten Tiefton bis 419Hz zwecks „Vollbereichmessungen“

Hiermit wird der Tieftonzweig auf rein elektronischem Wege nachgebildet. Um die akustische Laufzeit Horn anzupassen, bedarf es eines geeigneten Delays im Tieftonzweig. Ferner ist natürlich der Pegel anzupassen, sodaß Tiefen und Mitten/Höhen weitgehend zueinander gleich liegen (Ansatz bei mir, 100Hz Tiefenzweig und 1kHz über das Horn/Mikro gleichgepegelt). Nun wurden alle Messpunkte in 2m Abstand neu aufgenommen (+-10°.+-5°, 0° horizontal in jeweils +-5° und 0° vertikal).
Aus den Messungen wurde eine Korrektur hinsichtlich Amplitude von 80Hz bis 15kHz und Phase von 80Hz bis 24kHz vorgenommen.
Über Winkeländerungen hinweg ergibt sich ein zunehmender Einbruch im Bereich der Übernahmefrequenz um 419Hz, dies ist dem Umstand geschuldet, daß sich die akustische Laufzeit Horn/Mikro aufgrund des gewählten Drehpunktes des Horn verändert (sprich verlängert). Die sich damit einstellende Verzögerung führt zwangsläufig zu Auslöschungen im Übernahmebereich bei anwachsenden Winkeln (in diesem Ausbauszenario).

Aber hier weil es so schön aussieht und „nur“ 512Taps Delay (10mS) benötigt, ein Abklingspektrum für „Vollbereichswiedergabe“.
Bild
Bild 7: Abklingspektrum Vollbereich unter 0°, simulierter idealer Tiefton bis 419Hz

Naja, und weils Klirrspektrum hier zwangsläufig auch etwas schöner im Übernahmebereich ist, das gleich hinterher.
Bild
Bild 8: Klirrspektrum Vollbereich

Das rechte System ist inzwischen auch schon komplett vermessen und korrigiert worden. Zunächst für mich ganz wichtig, wie unterschiedlich sind die beiden Seiten? Weil mich am meisten die leichte Unruhe im Stereobild stört (da hab ich echt ne Macke drauf). Unter Einsatz Veranstaltungstechnik dürften die Ungleichheiten kaum eine Relevanz spielen, im Sessel daheim aber wohl schon. Hier also linkes und rechtes System, natürlich unkorrigiert.
Bild
Bild 9: Frequenzgänge linke/rechte Kombi, Rot rechts

Auf die Darstellung mit Korrektur verzichte ich, da diese fast deckungsgleich zu bekommen sind.

Stellt sich nun die Frage, was das alles gebracht hat?

Den dicksten Brocken bringt der Ausgleich zwischen beiden Systemen, das Stereobild ist noch ruhiger. Ganz leicht wird das daheim noch durch eine Reflektion durch eine links näher als rechts stehende Wand gestört, ne dicke Decke hier hilft da weiter.

In Sachen verbesserters Ausschwingverhalten, tja, da wird es bereits schwer etwas herauszuhören (die Umschaltpause zwischen den Setups von ca 3s ist schon recht lang). Die reine Frequenzgangkorrektur ohne Berücksichtigung des Zeitverhaltens ist klanglich dem mit sehr ähnlich. Und das, obowhl die Messdiagramme hier ganz nette Unterschiede aufzeigen. Ob ich da sicher einem Blindtest bestehen würde, da leg ich momentan die Hand nicht für ins Feuer. Man könnt sich einreden, daß mit Berücksichtigung des Zeitverhaltens (sprich Phasengang) manch Geräusche / Instrumente einen Hauch knackiger kommen (z.B. Regentropfen). Was mir überhaupt nicht gelingt, ist einen Unterschied zwischen minimalphasiger Entzerrung und linearphasiger Entzerrung zu identifizieren.

Woran das liegt, offene Frage. Entweder sind die Quellen (sprich Instumente) dramatisch länger ausschwingend oder das Ohr hört sowas wenig (vlt weil darauf auch nicht trainiert). Aber etwas anderes schwirrt mir da als Grund auch durch den Kopf. Die stets umfangreiche und kontroverse Diskussion um die Hörbarkeit von Phase. Das Nachschwingen ist im Wesentlichen nichts anderes als Auswirkung von Phase (jedenfalls im allpassfreien System). So dies gegeben ist, wäre das eine mögliche Erklärung für die geringe Hörbarkeit.

So, aber ein paar Punkte sind auffäliger (unabhängig von Phasenberücksichtigung). Manche Stimmenaufzeichnung wird fast kurz vor die Nase gestellt, so wie es auch auf dem ein oder anderen Live-Konzert passiert. Eine gewisse Härte / Rauhigkeit kommt durch (gabs zuvor schon, würd meinen, ne Idee weniger), aber dies ist bei Gegenprobe mit Kopfhörer ebenso hörbar (nicht ganz so auffällig). Vermeintliches Gemulsche (Pre-ringing) findet sich auch stets bei Gegenhören wieder. Fast erschreckend, wie extrem Erwartungshaltungen reingehört werden können. Allgemein würde ich aber schon sagen, daß die Kombi Fehler recht deutlich aufdeckt. Ob das nun gut ist, hmm, anderes Thema. Hörpsychologie statt Hörphysiologie.

Ach ja, mir scheint daß die "Verbesserungen" bei flotteren Pegeln eher bemerkbar sind. Spaßfaktor fällt einen Tick höher aus (oder das liegt an der Abstinenz infolge Messarbeit).

Jetzt steht ne Menge Dokumentation (für mich selber) und etwas strukturierter als Doku nach außen an ...

Grüße
Mattias
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Beitragvon FoLLgoTT » 17.12.2016, 10:34

Hallo Mattias,
hmm, THD ist nicht besonders niedrig. Vor allem K2 ist ziemlich hoch. Mich wundert auch, dass er so gleichmäßig über den gesamten Bereich so hoch ist. Liegt das vielleicht am Mikrofon?

Zum Vergleich: ein 2-Wege-Hornlautsprecher bleibt bei 100 dB fast im gesamten Bereich weit unter 1%.

Gruß
Nils
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Beitragvon Hornguru » 17.12.2016, 13:30

Wieso Vorschwingen Hörbar?
Du hast doch garkeine Weiche erstellt... folglich kann nix vorschwingen.
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