Schallwandgestaltung mit D-Fins

Lautsprecherbau und -tuning

Schallwandgestaltung mit D-Fins

Beitragvon uli.brueggemann » 19.10.2017, 17:07

PMC propagiert aktuell auf der AES einen neuen Lautsprecher mit speziellem Designmerkmal um den Hochtöner = D-Fins. Also diesmal kein Waveguide.
Beschreibung siehe https://pmc-speakers.com/sites/default/files/attachments/web-result6-brochure-v2_0.pdf, speziell ab Seite 10.

Grüsse
Uli
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Beitragvon Hans-Martin » 19.10.2017, 20:58

Hallo Uli,
PMC verzichtet auf eine Grafik zum Bündelungsmaß des gesamten LS. Dabei ist doch gerade der Übergang vom BMT zum HT besonders interessant, weil er im noch deutlich hörbaren Bereich liegt.
Andere Hersteller hatten eigene Ansätze entwickelt, wie z.B.
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Mission um 1990 (Waveguide mit radial angeordneten Finnen)
Filzumrandungen um die Kalotte, nach innen gezackt ausgeschnitten hat es auch gegeben, den Namen des Herstellers habe ich vergessen.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Daihedz » 19.10.2017, 21:08

Hallo Uli

Danke für den Link

Interessant und prinzipiell gute Idee - Die Emulation der Wirkung einer Waveguide (= kontrollierte, genau berechnete Diffraktionseffekte) in die Ebene der Front zu emulieren? Um jedoch eine reale Vorstellung von der Wirksamkeit dieser C-Finnen zu erhalten, müssten vom Herstzeller zwei ETC- und/oder Impulsantworten nachgereicht werden, einmal mit den C-Finnen offen und as is, und einmal mit glatt-zugekitteten C-Finnen.

Mass- resp. messlose Grüsse
Simon
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Beitragvon Hans-Martin » 20.10.2017, 06:24

Jetzt weiß ich wieder, wieso die C-Finnen mir so bekannt vorkamen:
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:cheers: Grüße Hans-Martin
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Beitragvon uli.brueggemann » 20.10.2017, 07:00

:D :D :D :mrgreen:

:cheers:
Uli
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Beitragvon FoLLgoTT » 20.10.2017, 07:13

Hallo,
das sind nur zusätzliche Diffraktionskanten, die quasi die Schallwand "verkleinern" und damit die Diffraktion im Frequenzbereich nach oben verschieben. Das Abstrahlverhalten ist aber immer noch deutlich breiter als bei einem Waveguide und dürfte insgesamt sehr viel unstetiger sein.

Gruß
Nils
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Beitragvon Hornguru » 20.10.2017, 07:44

Naja auf Seite 15 ist da schon so eine Art Grafik :)

Was sagt denn abec dazu?
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Beitragvon freezebox » 20.10.2017, 08:56

FoLLgoTT hat geschrieben:Das Abstrahlverhalten ist aber immer noch deutlich breiter als bei einem Waveguide und dürfte insgesamt sehr viel unstetiger sein.


Ich verstehe den Ansatz eher so, das Abstrahlverhalten breiter zu machen, um dadurch den Sweet-Spot zu vergrößern. Vermutlich gibt es dann Kammfilter-Effekte in mehreren höheren Frequenzbereichen, die dann in Summe weniger auffällig sind als die Reflektion an der Gehäusekante. Eine Sprungantwort und ein Bündelungs-Sonogramm wäre hier sehr interessant.
Passt aber zumindest gut zum Design der TML-Öffnungen der twenty5 Linie, die mir auf den WDHT (da war es die twenty5.22) sehr gut gefallen haben - gerade im Hochton (jedoch ohne D-Fins).

Grüße,
Jörn
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Beitragvon FoLLgoTT » 20.10.2017, 09:34

Hallo,
Hornguru hat geschrieben:Was sagt denn abec dazu?


Wie erwartet nichts Gutes. Die rotationssymmetrische Schallwand zeigt die Probleme natürlich stärker als die rechteckige der PMC. Trotzdem halte ich das Ganze für eine Luftnummer, die im Prospekt gut aussieht. Wenn es gut funktionieren würde, hätten die ein Sonogramm abgedruckt. :wink:

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Gruß
Nils
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Beitragvon Hornguru » 20.10.2017, 09:54

Schade. Wie siehts denn ohne die Ringe zum Vergleich aus?
Und wie wenn die Schallwand absorbiert? (Schaumschicht)
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Beitragvon Hans-Martin » 20.10.2017, 10:06

Hallo Nils,
was hast du da simuliert?
Die mittleren Finnen bilden einen zur Kalotte zentrierten Kreisabschnitt, oben und unten offen. Die anderen Finnen sind identisch, einmal nach links, einmal nach rechts versetzt, also exzentrisch, der Abstand ihrer Peripherie variiert zur Kalotte.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon uli.brueggemann » 20.10.2017, 10:16

Die Finnen sind von Querschnitt her auch nicht symmetrisch.

Grüsse
Uli
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Beitragvon FoLLgoTT » 20.10.2017, 10:22

Hallo Josh,
Hornguru hat geschrieben:Schade. Wie siehts denn ohne die Ringe zum Vergleich aus?


So:

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Hallo Hans-Martin,
Hans-Martin hat geschrieben:was hast du da simuliert?


Das Modell, das ich oben gezeigt habe. Also eine kreisförmige Schallwand mit kreisförmigen Finnen.

Die mittleren Finnen bilden einen zur Kalotte zentrierten Kreisabschnitt, oben und unten offen. Die anderen Finnen sind identisch, einmal nach links, einmal nach rechts versetzt, also exzentrisch, der Abstand ihrer Peripherie variiert zur Kalotte.


Das ist mir bewusst, daher schrieb ich auch, dass das nicht direkt auf die BMC übertragbar ist. Nach meiner Erfahrung sind geringe Unterschiede aber vernachlässigbar. Die rechteckige Schallwand jedoch nicht. Ich kann das im Moment nicht nachmodellieren, da das mit den Bordmitteln von ABEC nicht geht und ich kein 3D-CAD beherrsche.

Das rotationssymmetrische Modell zeigt immer den Worst Case, da alle Diffraktionen auf dieselben Frequenzen fallen. Die Probleme werden bei der BMC geringer sein und auf andere Frequenzen fallen. Trotzdem werden diese Finnen das Abstrahlverhalten nicht so verstetigen, wie sie es uns weismachen wollen. Das kann ich rein aus Erfahrung und Intuition schon sagen.

Gruß
Nils
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Beitragvon Daihedz » 20.10.2017, 12:01

FoLLgoTT hat geschrieben: ... Trotzdem werden diese Finnen das Abstrahlverhalten nicht so verstetigen ...

Ich gehe von einem einzigen Effekt aus, den diese Finnen ausüben können:

Bei jeder Finne entsteht modellhaft als Diffraktionseffekt eine neue, kleine Sekundärschallwelle. Diese Sekundärschallwellen interferieren mit der Primärschallwelle. Das wird in einer Abbildung der hübschen Werbebroschüre ja auch so skizziert. Was nicht gezeigt wird, ist ein dabei entstehendes, vielleicht für einen hübschen Werbeprospekt möglicherweise allzu hässlich wirkendes Interferenzmuster.

Der prinzipielle Vorteil eines solchen Konstrukts mag tatsächlich unter anderem darin liegen, dass die Primärschallwelle an den Kanten der Schwallwand weniger Diffraktionseffekte erzeugt, als wenn sie auf ihrem Weg von der Kalotte an den Rand der Schallwand nicht von den Finnen gestört worden wäre: Denn jede der neu entstehenden Sekundärschallwellen entzieht der Primärschallwelle Energie. Somit schwächt sich die Primärschallwelle an jeder Diffraktionsfinne und mit jeder Sekundärschallwelle etwas ab. Im theoretisch-illustrativen Extremfall mit unendlich vielen, wirksamen Finnen hätte die Primärschallwelle am Ende ihres Weges entlang der Schallwand schliesslich gar keine Energie mehr, und würde auch keinerlei Randeffekte an der Schallwand mehr erzeugen können.

Was mir suspekt bei der hier diskutierten, konkreten Umsetzung erscheint, ist der Umstand, dass die hübsch gleichen Finnen in hübsch regelmässigen Abständen angeordnet wurden - wohl der Ästhetik und sicherlich nicht der physikalischen Sinnhaftigkeit zu liebe. Deshalb erscheint mir das an und für sich interessante Konzept von PMC auf unausgegorene Weise umgesetzt.

Vollendete Ingenieurskunst wäre, ausgehend von diesem sicherlich interessanten Prinzip sowohl die relativen Abstände, als auch die Höhen/Tiefen/Breiten der Finnen dergestalt anzulegen resp. zu optimieren, dass das resultierende Inferferenzmuster etwas funktional Sinnvolles ergeben würde. Möglicherweise sogar so etwas wie constant directivity.

Konzeptualisierende Grüsse
Simon
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Beitragvon Hornguru » 20.10.2017, 12:02

Nils, dickes Danke schon mal für deine Bemühungen.

Kann ich dich (wenn das schnell geht) noch bitten das Modell mit Schaum zu simulieren?
Kannst du den Kreis einfach auf Faktor 0,5-0,7 absorbierend stellen?
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