Rückfall zur Backes & Müller BM 6

Lautsprecherbau und -tuning

Rückfall zur Backes & Müller BM 6

Beitragvon joachimb » 18.12.2017, 09:15

Hallo

nachdem ich schon einmal eine B&M AFB 3 hatte und wieder abgegeben habe, bin ich jetzt bei einem Paar älterer BM 6 gelandet. Waren sicher seit 4 oder 5 Jahren nicht mehr in Betrieb und deswegen suche ich hier Rat. Ich habe im Forum gelesen und folgendes entnommen: Zuerst die Elektronik testen ohne dass die Lautsprecherrelais die Chassis zugeschaltet haben. Hier soll es auf der Netzteilplatine einen freien PIN geben, der auf Masse gelegt werden muss. Meine Netzteilplatine sieht so aus:

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Ich kann hier keinen freien PIN entdecken. Die Rückseite der Boxen sieht so aus:

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Der Aktiv-Einschub so:

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Welche Vorgehensweise ist jetzt am sinnvollsten?

Gruß und Danke
Joachim
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Beitragvon wgh52 » 18.12.2017, 12:41

Hallo Joachim,

da hast Du ja ein richtig altes Paar aus der vor VFET Ära erwischt! Es gibt hier im Forum einige Leute, die sich mit dieser BM-6 Generation befasst haben, ich selbst habe dazu leider recht wenig. Meine Detailinfos fangen leider erst bei der BM-6 VFET an, bei der es an der Eingangsbuchse bereits einen Fernsteuerungspin gibt. An der BM-3 mit EV4 Version, über die ich Information habe, existiert ein Stummschaltpin auf der Hauptplatine EV4, den man mit Steckbrücke nach Masse betätigen kann. Den Bildern nach zu urteilen handelt es sich allerdings um eine ganz ganz alte BM-6 handeln, wo die Steuerelektronik noch nicht auf einer Platine zusammengefasst war, sondern auf der Netzteilplatine und Steckplatinen verteilt - das macht's erstmal nicht leichter. Auf der Netzteilplatine konnte ich jedenfalls nichts entdecken was nach Stummschaltung aussieht.

Grüße,
Winfried

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Beitragvon joachimb » 18.12.2017, 12:51

Hallo

Danke für den Hinweis,auf der Hauptplatine steht nur 6036, scheinbar noch ein handgefertigtes Modell.
Gruß Joachim
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Beitragvon Zwodoppelvier » 18.12.2017, 14:52

Hallo Joachim,

ich habe hier auch noch so ein Uralt-Paar in hübsch-klebrigem grauem Nextel stehen (erworben einst für ein DIY-Projekt, aus dem erst einmal nichts wurde). Soweit erinnerlich habe ich irgendwo noch Notizen oder einen Schaltplan. Es benötigt nur etwas Sucherei, weil wegen längerer Renovierungsarbeiten im Haus viele Unterlagen verräumt sind.

Ansonsten könntest Du natürlich ein Durchschalten der Ausgangsrelais verhindern, indem Du auf den einzelnen Verstärkerplatinen die Brücke zur Relais-Spule einseitig ablötest.
Alternative: die Einspeisung der Ansteuerspannung auf der Busplatine ablöten.

Das Hauptproblem bei der Inbetriebnahme liegt aber m.E. eher darin, daß der Standby- und der Haupttrafo an derselben 230v-Einspeisung hängen.
Damit die Standby-Elektronik durchschalten kann, benötigt sie nahezu volle Netzspannung. Dann liefert aber der Haupttrafo auch sekundär gleich die weitgehend vollen Spannungen, was einem sanften Anlaufen - v.a. der Elkos - entgegensteht.

Es sei denn, ich irre mich - habe die Elektronik nur vor einigen Jahren einmal angeschaut, zuletzt an einem Exemplar einer BM7 aus dieser Fertigungszeit.

Viele Grüße
Eberhard
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Beitragvon joachimb » 18.12.2017, 15:33

Hallo Eberhard,

Danke für die Hinweise, ich werde es ausprobieren. Meine haben übrigens keine Nextel-Beschichtung sondern das ganz normale Holzfurnier. Ich werde nach dem EInschalten weiter berichten und sehen was daraus wird.
Und wenn Du noch alte Aufzeichnungen oder Schaltpläne hättest wäre es toll, wenn Du mir etwas zukommen lassen könntest.

Gruß Joachim
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Beitragvon Hans-Martin » 18.12.2017, 16:52

Hallo Joachim,
ich würde bei den LS-Chassis jeweils eine Leitung ablöten, dann kann man die Endstufen in Ruhe prüfen, merkt auch, was die Schutzschaltung macht, weil sie nicht deaktiviert ist.
Hast du ein Oszilloskop?
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon joachimb » 18.12.2017, 17:24

Hallo Hans-Martin,

Danke für den Hinweis,werde ich so machen. Oszi habe ich, auch ein ordentliches Voltmeter und einen NF-Generator. Hoffe, dass ich damit weiterkomme.

Gruß Joachim
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Beitragvon Ralph Berres » 18.12.2017, 18:00

Unten links etwas über dem grauen Kabel ist ein einzelner Lötstützpunkt. Wenn der auf Masse gelegt wird schalten die Lautsprecherrelais ab

Ralph
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Beitragvon joachimb » 18.12.2017, 18:16

Danke Ralph,
habe ich gemacht, eingeschaltet, soweit nichts verdächtiges. Offset bei Mittel und Tiefton ca. 12mV. Beim Hochtöner habe ich allerdings zwischen Gelb und Rot 14V. An den anderen Anschlüssen 250V. Ich denke die 250V sind richtig für den Hochtöner, aber die 14V zwischen Gelb und Rot erscheinen mir zu hoch?

Gruß Joachim
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Beitragvon Ralph Berres » 18.12.2017, 18:30

Ich habe jetzt die Farbenbelegung des kabels zum Hochtöner nicht im Kopf

Aber ich meine rot war +15V und blau -15V die beiden anderen Adern waren Output des Transimpedanzverstärker der vierte weis ich nicht mehr. Hochspannung wurde glaube ich über ein getrenntes abgeschirmtes Kabel zugeführt.

Am Ausgang darf eine Gleichspannung von maximal etwa 2-3V liegen. Keinesfalls 15V. Sonst sind die Fets im Transimpedanzverstärker defekt. BC264 bekommt man nicht mehr. Ich habe BF245 reingesetzt. ( Pinbelegung gegenüber dem BC264 beachten ). Die Ausgangsgleichspannung ist bei dem BF245 höher als bei den BC264.

Ist aber nicht schlimm da im Eingang der Hochtonplatine ein Koppelkondensator ist, und die überlagerte Wechselspannung 1V eff kaum überschreitet.

Die +-15 Volt werden auf der Frequenzweiche erzeugt und sind NICHT!!!!!! Kurzschlussfest. Nach Kurzschluss stehen 36V am Ausgang. Also Obbacht. Der Ausgang der Hochspannungsendstufe ist ebenfalls nicht kurzschlussfest, und geht bei Kurzschluss ebenfalls augenblicklich defekt.

Die Ausgangsspannung steigt nach dem Einschalten langsam an und sollte sich bei ca 280V einpendeln.
Der Spannungshub beträgt im Betrieb nur wenige Volt.

Du hast noch die Version mit den bipolaren Transistoren. ( Ich mag die übrigens lieber als die Mosfetversion ).
Ralph Berres
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Beitragvon dietert » 19.12.2017, 11:55

Hallo miteinander,

es ist nicht die allererste Serie BM6, denn diese hier haben schon integrierte OpAmps, erkennbar an den hellblauen Köhlkörpern. Die haben auch schon Konstantstromquellen in den long tails.

Um die +/- 15 V kurzschlusssicher zu machen, habe ich bei meinen BM6 jeweils zwei Widerstände 470 Ohm 1W in die + und - Zuleitungen auf der Backplane eingebaut. Die Leiterbahnen sind unter den Widerständen unterbrochen. Im Fall des Falles ist so ein Widerstand schnell getauscht. Die Widerstände helfen auch im Normalbetrieb, damit die Regeltransistoren weniger heiß werden.
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Um das Netzteil insgesamt "weicher" zu machen, damit beim Experimentieren nichts schiefgeht, kann man eine 100 W Glühbirne in die Netzzuleitung schalten. Die wirkt wie eine PTC-Sicherung (selbstrückstellend).

Grüße,
Dieter T.
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Beitragvon joachimb » 20.12.2017, 20:55

Hallo
vielen Dank für die guten Hinweise, habe die Elektronik laufen lassen ohne Chassis. Dazu habe ich den Hinweis von Ralph umgesetzt und den leeren Pin auf der Netzteilplatine auf Masse gelegt. Elektronik eingeschaltet, nichts ist passiert, Masseverbindung zum Pin gelöst, Musik kam aus den Chassis. Nachdem ich dies bei der zweiten Box aucg so gemacht habe, habe ich sie wieder zusammengebaut. Leider waren keine Kabel bei den Boxen dabei, daher habe ich mir ein Paar Adapter erstellt und jetzt spielen die 2 so vor sich hin. Die Höhen erscheinen ganz sauber, der Bass etwas zurückgenommen. Ich werde mich jetzt mal einhören und hoffe, dass die Beiden schön durchlaufen. Die Boxen sind übrigens wohl 2003 einmal bei Backes und Müller zur Reparatur gewesen.
Zunächst vielen Dank für die Hinweise und die Hilfe, ich werde mich wieder melden und neue Anregungen suchen und Fragen stellen.

Gruß und frohe Weihnachten für alle.
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Beitragvon wgh52 » 20.12.2017, 22:06

Hallo Joachim,

meinen Glückwunsch zur BM-6 Wiederbelebung! Nach einiger Zeit des Einspielens mal die drei Wege richtig einzupegeln dürfte dann eine kleinere Übung sein :wink: . Es könnte auch sein, dass eine Überprüfung der Elkos mal wieder angeraten ist, denn sie waren ja lange nicht unter Spannung.

Erstmal viel Spaß beim Hören!
Grüße,
Winfried

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Beitragvon joachimb » 21.12.2017, 11:43

Hallo
habe mich leider zu früh gefreut, die eine Box hat Überschläge am Hochtöner, werde mich jetzt nochmal in die diversen Beiträge hier bezüglich Renovierung und Fehlerbehebung vertiefen bzw. wäre meine Frage ob hier im Forum jemand eine Renovierung durchführen würde, wenn ich die Boxen vorbeibringe.

Gruß und frohes Fest

Joachim :(
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Beitragvon Ralph Berres » 21.12.2017, 11:48

Bitte achte darauf das die Hochspannung keinen Kurzschluss erfährt. Sonst stirbt die Hochspannungsendstufe augenblicklich einen Heldentod.

Kontrolliere mal ob das Hochspannungszuleitungskabel zum Hochtöner irgendwo gequetcht wurde.
Die Spannung am Hochtöner steigt nach dem Einschalten des Lautsprechers langsam auf ca 280V.
Viel weniger als auch viel mehr deutet auf einen Defekt in der Hochspannungsendstufe hin.

Ich selbst habe es eigentlich noch nicht erlebt das der BM6 Hochtöner selbst einen Überschlag erlitten hat.

Ralph Berres
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