Ist der Oppo HA-1 noch verbesserbar?

Gerts Modifikationen

Ist der Oppo HA-1 noch verbesserbar?

Beitragvon Fortepianus » 13.11.2014, 09:45

Liebe Oppo-Fans,

hier hatte ich ja angekündigt:

Fortepianus hat geschrieben:Als nächstes kommt der Deckel runter.

Der Deckel des Oppo HA-1 will aber gar nicht runter. Das Gerätchen wehrt sich heftig. Wie geht der denn eigentlich auf, frage ich mich ratlos, nachdem ich keine Schrauben finde, die damit in Zusammenhang stehen könnten. Irgendwie geht alles auf, tröste ich mich, und endlich dämmert's mir: Erst mal die aufgeklebten Gummifüßchen unten wenigstens zur Hälfte abheben, dann kommt man an die Schrauben der Gerätefüßchen dran. Füße weg, und siehe da, acht Schrauben liegen offen. Vier für das Gitter unten, das auch weg muss, und vier, die die massive Gehäuseschale, die einen erheblichen Anteil am Gesamtgewicht hat, mit dem Chassis verbinden. Alle raus, und das Gitter purzelt auch schon. Wie aber bitte schön geht die Gehäuseschale nun runter? Geringe logische Fähigkeiten genügen, um zu erkennen, dass man sie wohl nach hinten abziehen muss. Geht aber nicht, da ist die Rückwand im Weg:

Bild

(Das Bildchen stammt von der englischen Oppo-Homepage.) Also gut, alle Schrauben da hinten raus, sind ja nur 22 Stück :roll: . Tatsache, das Rückwandblech geht ein Stück runter und baumelt jetzt noch an einem Käbelchen, das zur Bluetooth-Antenne geht. Die Gehäuseschale rührt sich aber noch keinen mm. Mal etwas beherzter hingefasst und mit einem Ruck jetzt's plötzlich. Jetzt ist auch die Rückwand ganz weg, denn bei dem Manöver hat's leider das hauchdünne Koaxkäbelchen zur Antenne abgerissen.

Das Lehrgeld für Lektion 1 (wie geht das blöde Ding auf?) ist damit bezahlt :cheers: .

Nun kann man zwar über Bluetooth Musik an den HA-1 senden, was manchen interessieren wird, nicht aber mich. So denke ich im ersten Moment, was soll's, lass' die Antenne halt weg, bis mir einfällt, dass die Fernbedienung per iPhone, die sehr nett gemacht ist, auch über Bluetooth geht und ich darauf eigentlich nicht verzichten will. Wer schon mal diese superwinzigen Koaxkäbelchen mit schätzungsweise 1mm Außendurchmesser versucht hat, irgendwo anzulöten oder gar zu reparieren, ohne eine nenneswerte HF-Stoßstelle zu produzieren, weiß, womit ich die nun folgende Stunde verbracht habe :cheers: . Kurzfassung: Läuft wieder.

Nun will ich aber endlich die Audioabteilung unten sehen. Dazu muss allerlei Platinenmaterial in Etage 1 entfernt werden, zum Glück ist alles gut lösbar gesteckt. Die Verarbeitung im Innern ist 1a. So, endlich sehe ich die DAC-Abteilung auf der Hauptplatine. Die hätte ich aber auch gerne rausgeschraubt, sonst komme ich ja nicht unten dran. Standbytrafo raus. Ringkerntrafo raus. Unzählige Gehäuseschrauben und Bolzen raus. Noch mehr Steckverbinder abziehen. Und siehe da, die Platine, die über die gesamte Grundfläche geht, wackelt endlich.

Habt Ihr als Kinder auch diese Metall-Geduldspiele gemacht?

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Wozu dieses Training gut war, weiß ich jetzt: Es gibt immerhin genau eine Variante, die ich nach vielen Sackgassen finde, wie man die Hauptplatine zerstörungsfrei dem Chassis entwinden kann, ohne auch noch die Frontplatte komplett zu zerlegen. Voilà:

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Was sofort auffällt: Die Netzteilfraktion für die Analogabteilung ist viel dicker dimensioniert als im Oppo 105, und der diskret aufgebaute Kopfhörerverstärker in der vorderen Hälfte ist unglaublich aufwändig gemacht. So manche Leistungendstufe für Lautsprecher erblasst da vor Neid.

Aber schauen wir mal zum Herzstück des DAC, dem Sabre ESS9018:

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Im Detail mit dem USB-Mikroskop:

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Das erinnert zwar alles ein bisschen an den 105, im Detail sieht's dann aber doch anders aus. Die Versorgung der Analogspannungspins des Sabre ist aber fast gleich aufgebaut wie im 105, und die hatte ich dort mit gutem Grund ersetzt. Der Analogausgang ganz hinten kommt mir ebenfalls ziemlich bekannt vor:

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Diese dicken Elkos ohne Vorspannung im Signalweg direkt vor den Ausgangsbuchsen löte ich in Gedanken bereits aus und ersetze sie durch eine geeignete Schaltung mit BurrBrown-Buffern.

Aber wie sieht die Clockabteilung aus? Zur Erinnerung, so war das im 105er:

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54MHz, und damals hatte ich in einer kleinen Versuchreihe herausgefunden, dass das so ungefähr die schlechteste Wahl der Frequenz ist, mit der man den ASRC im Sabre betreiben kann, weshalb er im G-Oppo mit 80MHz läuft.

Im HA-1:

Bild

Schau an, mit vollen 100MHz, das ist das Maximum, was der Sabre verträgt. Die höhere Frequenz braucht Oppo schon deshalb, weil der HA-1 sonst keine 192k am Digitaleingang nehmen würde. Der DAC-Chip will nämlich mindestens 386 mal Samplingfrequenz des Eingangssignals dafür, was 74,112MHz sind für 192k. Ich vermute, dass die besser geeignete Taktfrequenz, von der insgesamt deutlich kräftigeren Spannungsversorgung abgesehen, einer der Hauptgründe dafür ist, warum der HA-1 vom Stand weg den Oppo 105 als DAC klar schlägt.

Ansonsten finden sich zwei gute alte Bekannte, nicht nur aus dem 105er, wieder:

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Bild

Der sehr gute OP LM4562 und die symmetrische Variante LM49724. Und noch eine ganze Handvoll von symmetrischen BB-OPs, die im 105 nicht drin sind:

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Jeder OP ist im HA-1 von der Hauptversorgung mit kleinen Widerständen und guten Elkos entkoppelt, das ist alles sehr schön gemacht. Ich frage mich, warum eigentlich der HA-1 digital angesteuert so viel besser klingt als am Analogeingang. Ich habe da ein steile Arbeitshypothese, aber dazu muss ich erstmal ein paar Messungen machen.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon Fortepianus » 14.11.2014, 09:45

Liebe Oppo-Fans,

zuletzt hatte ich die Frage gestellt:

Fortepianus hat geschrieben:Ich frage mich, warum eigentlich der HA-1 digital angesteuert so viel besser klingt als am Analogeingang. Ich habe da ein steile Arbeitshypothese, aber dazu muss ich erstmal ein paar Messungen machen.

Die Messungen ergaben, dass meine Arbeitshypothese falsch war. Aber der Reihe nach: Gut gefallen hat mir beim HA-1, dass die Stellung des analogen Lautstärkestellers digital in dB angezeigt wird, und zwar absolut das Pegelverhältnis von analog rein zu analog raus. Wenn also die Stellung des Pegelstellers irgendwie digitalisiert wird, könnte man doch für den Digitalzweig den analogen Steller einfach umgehen und die Pegelstellung digital im Sabre-Chip machen (in der Werbung wird zwar das Gegenteil behauptet, nämlich dass der Digitalzweig auch analog in der LS geregelt wird, aber das muss ja nichts heißen). Also war meine Arbeitshypothese, dass der Analogzweig deshalb schlechter klingt als der Digitalzweig, weil er durch das Poti durch muss. Falsch! Ich habe mir das genau angeschaut auf der Platine:

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Das ist ein recht mühsames Geschäft. Man verfolgt Lötpunkt für Lötpunkt, wohin er überall Verbindungen hat, und gleicht dabei die Schaltung, die man beim Betrachten des Layouts ahnt, im Kopf ab mit der Realität. Irgendwann hat man dann die Schaltung begriffen.

Sehr gut gefällt mir, dass die Signalführung intern komplett symmetrisch gehalten ist. Auch die Analogeingänge gehen auf die symmetrischen OPA1632, und das asymmetrische Signal vom Cincheingang wird als erstes symmetriert. Dann geht es auf eine Batterie von sechs kleinen Relais mit je zwei Ebenen, mit denen XLR, Cinch und Digital auf's Poti geschaltet wird - oder auch nicht, dafür sind zwei weitere Relais da, mit denen man das Poti umgehen kann (Ausgang fix). Aber was findet sich da direkt nach den Eingangsbuchsen? Elkos mit 10µF ohne Vorspannung, die deshalb bipolar betrieben werden. Elkos sind inzwischen sehr gut geworden, wenn man die richtigen nimmt, aber nur dann, wenn sie eine gewisse Vorspannung haben, so dass auch bei Vollaussteuerung immer eine Spannung anliegt in der Richtung, für die der Elko gebaut ist. In Gegenrichtung funktioniert so ein Elko zwar noch bis 0,5 oder max. 1V einigermaßen als Kondensator, drüber wird's aber schnell ziemlich nichtlinear. Lege ich nun ein ordentlich ausgesteuertes Analogsignal an, denken wir uns einen Sinus mit ca. 2,1Veff, was der üblich HiFi-Pegel an einem Cinch-Analogausgang ist, beträgt die Amplitude 2,1 mal Wurzel 2, also rund 3V. Man muss kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, dass das negative Auswirkungen auf den Klang hat, wenn man dem Eingangselko 3V in Gegenpolrichtung gibt. Raus damit.

Das Potentiometer hat sechs Ebenen (solche werden in größeren Stückzahlen für 5.1 Anwendungen gebaut). Davon verwendet Oppo vier Ebenen für die symmetrische analoge Lautstärkeeinstellung. An eine weitere Wicklung werden 3,3V Gleichspannung gelegt und die Spannung am Schleifer digitalisiert in einem kleinen AD-Wandler. So wird der Wert für die Anzeige in dB gewonnen. Aber nach dem Poti das gleiche Spiel wie am Eingang, diesmal nicht vorgespannte 100µF-Elkos:

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Die sind zwar nicht so schlimm wie am Eingang, weil man meist nicht voll aufdreht, sondern mit dem LS-Steller eine Abschwächung vornimmt, so dass die Verpolspannung deutlich geringer ausfallen wird. Dennoch, wenn man die Cs brauchen sollte wegen kleiner Offsets, dann sollten hier Folien-Cs rein. Diese Elkos sind nun auch schon im Digitalzweig im Signalweg, denn der bis dahin ohne Koppelelkos aufgebaute Analogweg nach dem DAC wird ja mit den Relais auf's Poti geschaltet.

Aber ist das nicht alles vergebliche Liebesmüh', wenn sich nachher rausstellen sollte, dass kein Platz mehr ist für die G-Oppo-Platine, die eine bessere Clock plus Versorgung, dicke Ausgangsbuffer plus ebenfalls passende Versorgung und den Superreg für die Analogspannung des DAC mitbringt?

Ich gehe mal auf Suche.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon qwe » 20.11.2014, 12:05

Hallo Gert,

Dein Bericht ist wie immer voll interessanter Prosa und schöner Fotos. Bin auf den Vorher-Nachher-Unterschied gespannt. Vor allem auch, weil Du den G-Sonos mit einbeziehst. Das ist für mich nach wie vor mein Streamer-Liebling. Lediglich die DA-Wandlung finde ich verbesserungswürdig, zumal dann auch für andere Quellen nutzbar (irgendwann PC mit Acourate???). Toll toll toll.

Gruß und weiter so,

Qwe
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Beitragvon Fortepianus » 28.11.2014, 07:06

Hallo Karl Uwe,

danke für die aufmunternden Worte, die ich zwischenzeitlich gut gebrauchen konnte. Warum ging's denn hier zwei Wochen lang nicht weiter? Nun, die üblichen kleinen Missgeschicke beim Re-Engineering. Zuerst finde ich also raus, dass meine Stereo-Platine vom 105er zwar nicht gerade üppigen, aber doch genügend Platz unter der Haube finden könnte - 1mm Luft nach oben zum Deckel reicht doch. Ungefähr so:

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Ich schleife die Ausgangsstufen ein und stelle fest, dass das Mutingsignal im HA-1 im Vergleich zum Oppo 105 invertiert ist. Was soll's, für einen ersten Test schalte ich dann meine Ausgangsstufen halt mit einer Spannung von einem Labornetzteil frei - funktioniert aber noch nicht ganz, wie es soll - der ganze Kram schwingt erstmal wie ein HF-Sender auf ca. 60MHz. Stecker vom Labornetzteil wieder abgezogen und da passiert es, er rutscht mir aus der Hand und aus dem Augenwinkel sehe ich einen Funken. Das war ins Schwarze, denn ab jetzt möchte der HA-1 nicht mehr mit mir sprechen. Er reagiert auf den Einschaltknopf, aber das Display bleibt schwarz und der übliche Relais-Orchesterklang nach dem Booten bleibt aus.

Diagnose: Da bin ich wohl mit den 12V an der Clockleitung zum DAC-Chip vorbeigeschrammt. 12V auf Clockleitung -> Kernspannung des ES9018 wird auf 12V gezogen (1,2V hat's dort eigentlich) -> ES9018 zerstört mit Auswirkung satter Kurzschluss der Digitalversorgungspins nach Masse. Bevor ich weitermache, bestelle ich als erstes einen neuen DAC-Chip. Ich stelle fest, dass es den nicht einfach beim Conrad, Reichelt, Farnell, RS und wie die üblichen Verdächtigen auch alle heißen zu bestellen gibt. Ich finde ihn in England und stelle fest, dass das winzige Teilchen (10x10 mm Kantenlänge) doch immerhin 75€ mit Versand plus Steuer kostet. Während er also in den Versand geht, kümmere ich mich drum, wie ich den alten möglichst umgebungsschonend rauskriege. So einen winzigen Chip mit 64 Pins rauslöten ist ein bisschen schwieriger als bei einem bedrahteten Widerstand. In meinem Fundus ist zwar eine passende Heißluftdüse:

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Das geht aus Erfahrung aber gerne schief, denn man räumt damit einiges in der Umgebung ebenfalls ab, das sog. Hühnerfutter. Das sind all die winzigen kleinen Kondensatörchen zur Stützung der Versorgungspins, ohne die ein komplexes Schaltwerk wie ein Prozessor oder DA-Wandler nicht arbeiten möchte.

Also hebe ich mit einer 0,4mm-Lötspitze jeden Pin einzeln unter der Lupe vorsichtig nach oben. Das gibt dann zwar einen häßlichen Klumpen, aber die Leiche und im Idealfall nur sie ist draußen (die folgenden Aufnahmen sind alle mit einem USB-Mikroskop gemacht):

Bild

Nun mit Entlötlitze Lötzinn entfernen und mit Waschbenzin säubern:

Bild

Leider fehlt oben rechts nun ein Lötpad, das hat es abgelöst bei dem Manöver.

Dank Expressversand ist der Chip am nächsten Tag da.

Neuen Chip in Position bringen und oben links und unten rechts vorsichtig mit Lötzinn anheften. Macht Euch bitte klar: Der Abstand von Beinchen zu Beinchen beträgt 0,5mm. Das ist nichts für Opas alten 100W-Lötkolben, mit dem man auch schon mal kleinere Dachrinnenreparaturen hinkriegt. In meinem Alter braucht man dafür neben geeignetem Werkzeug eine große Lupe mit guter Beleuchtung. Nun mal schnell alle Pins angelötet - das ist nichts für schwache Nerven:

Bild

Das fehlende Pad wird durch ein Käbelchen ersetzt, das ich mit bloßem Auge gerade noch so erahnen kann:

Bild

Rechts hat's beim Saubermachen leider zwei Cs entfernt - die beiden 1,5mm langen Cs, die ich als Ersatz reinlöte, wirken geradezu grobschlächtig:

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Nun habe ich jeden einzelnen der 64 Pins durchgemessen, ob er Kontakt hat, ob er keinen Kontakt zum Nachbarn hat etc.

Alles wieder zusammengebaut und etwas nervös eingeschaltet.

Immer noch tot :cry: . Anschließend durchgeatmet und neuen HA-1 bestellt.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon Fortepianus » 28.11.2014, 07:29

Bis der neue HA-1 kam, hat's ein bisschen gedauert. In der Zwischenzeit fand ich raus, dass eigentlich alle Versorgungsspannungen noch da sind und auch der Hauptprozessor nach dem Einschalten munter auf dem I²C-Bus vor sich hin quasselt. Ich lerne nun, welche Chips es gibt, mit denen er reden möchte, vertiefe mich in ihre Datenblätter, lerne ihre Vornamen auswendig (die Adressen, auf denen sie angesprochen werden) und lerne so ganz nebenher, wie die Kiste genau aufgebaut ist. Ich hege die Hoffnung, dass ich am neuen, funktionierenden HA-1 dann sehen kann, wer alles wie antwortet und was mein Patient nicht sagt. Denn sein Prozessor stellt sich bockig und macht nicht weiter, weil irgend jemand nicht das Richtige auf seine Ansprache antwortet.

Der Neue ist da. Wie das Gerätchen aufgeht, weiß ich ja mittlerweile. Ich höre gespannt zu, was auf dem Bus geredet wird. Es dauert keine Stunde und ich habe dank nun möglicher Vergleichsmessung noch zwei Zenerdioden und einen Widerstand ausfindig gemacht, die mit dem DAC-Chip gemeinsam über den Jordan gesprungen sind - und das Schätzchen spricht wieder mit mir! Welche Freude! Alles funktioniert wieder. Nun ja, jetzt habe ich halt zwei HA-1, was soll's. Den neuen mache ich wieder zu, den kann ich dann als Vergleichsobjekt benutzen. Um festzustellen, was sich geändert hat am Klang.

Also wird der HA-1, der erste, jetzt nach allen Regeln der Kunst frisiert. Aber ohne 12V in der Hand bei Operationen am offenen Herzen :wink: .

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon frmu » 28.11.2014, 07:49

Moin Gert,

ich hatte schon überlegt, ob ich dich mal anfrage, zwecks "Frisur" meines Pioneer N50 , aber wenn
ich lese, dass dir solche Fehler unterlaufen, neee da habe ich ja Angst um mein "teures" Gerätchen ... :mrgreen:

Scherz beiseite, ich bin immer wieder beeindruckt ... jetzt redest du schon mit den Bauteilen ... ich versuche seit 17 Jahren vergeblich meine Katze zu verstehen. Und wenn ich die winzigen Teilchen so sehe und mir einen Lötkolben dazu vorstelle..., aber wahrscheinlich hätte ich den Oppo ja nicht mal aufbekommen.

Diese Art von Berichten lese ich immer wieder gern - Hut ab.


Gruß
Frank
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frmu
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Beitragvon Fortepianus » 28.11.2014, 10:56

Hallo Frank,

frmu hat geschrieben:Scherz beiseite, ich bin immer wieder beeindruckt ... jetzt redest du schon mit den Bauteilen ... ich versuche seit 17 Jahren vergeblich meine Katze zu verstehen.

und ich dachte immer, Katzen wären einfach zu verstehen, wenn man gewillt ist, sich in die schlichte Rolle eines Dosenöffners hineinzuversetzen :mrgreen: .

Hier der Arbeitsplatz eines schlichten Bauteilverstehers:

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Erstmal allerlei Elkos und Spannungsregler für den DAC raus. Oszillator stilllegen. Dann Schnittstellen schaffen:

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Eingangsplatine reinpfriemeln:

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Prozessorplatine drauf, mein Hauptgesprächspartner der letzten Tage:

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G-Board oben drauf:

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Nach ausführlichen Funktionstests Deckel drauf. Die Zwillinge von hinten:

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Was fehlt dem?

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Das Schildchen hier:

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Jetzt steht der Vergleichstest an.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon h0e » 28.11.2014, 11:01

Hallo Gert ("der mit dem Chip spricht"),

na das nenn ich doch mal echtes Voodoo! :mrgreen:

Wir leiden mit Dir und hoffen auf ein gutes Ende nach dem Motto: ...und wenn der G-HA-1 nicht gestorben ist, dann überzeugt er auch och heute... :cheers:

Wir drücken die Daumen und wünschen allzeit eine ruhige Hand.

Grüße Jürgen
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Beitragvon TheJoker » 28.11.2014, 13:54

Tolle Arbeit, immer wieder begeisternd.
Nehme gerne beide für eine Woche zum Vergleichen...
:-)

Joachim
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Beitragvon cantusfirmus » 28.11.2014, 16:20

Lieber Gert,

auch von meiner Seite ein Kompliment an Deine Hifi-Foren-Krimis. Wirklich spannend.

Sorgen, dass Du auf einem unfrisierten HA1 sitzen bleiben könntest, die habe ich allerdings beileibe nicht. :)

Herzliche Grüße, Horst
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Beitragvon aktivator » 28.11.2014, 17:24

Hallo Gert

Wenn ich nicht immer nur das atmen bei deinen Thrillern vergessen würde. Chaka, du schaffst die OP am offenen Herzen.

Gruss Andreas
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Beitragvon Roli » 28.11.2014, 19:47

Hallo Gert,

G-HA Nr. 1 - Erinnerungen werden wach :D . Aber nein, einen Oppo brauch ich aktuell nicht.
Mit meinem G-Akurate DAC Nr. 1 bin ich noch absolut glücklich und zufrieden :cheers: !

Aber es ist wieder richtig spannend, deine Modifikation "live" mitzuerleben! Danke!

Herzliche Grüsse nach Vaihingen :cheers:
Roli
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Beitragvon Fortepianus » 28.11.2014, 20:23

Liebe Friseursalonbeobachter,

freut mich, dass Ihr regen Anteil nehmt. Ich habe nun erste Hörtests gemacht. Die Zwillinge dürfen im Hörraum Platz nehmen:

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Im Detail:

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Über den Kabelverhau will ich mal hinwegsehen, auch wenn mir sowas normalerweise ein Dorn im Auge ist, das wird dann nach dem Test wieder geordnet. Unten rechts im Bild das HA-1 Pärchen, im Regal unten der G-Oppo und drüber der Linn G-ADS1 DAC.

Um zu hören, was maximal geht, kriegen die beiden Jungs bestes Futter vom G-ADS1 DAC, wahlweise analog oder digital, und dürfen das über die kleine Umschaltanlage, die jedes Signal nur über einen kleinen Goldkontakt in den Weg legt, direkt an die AGM 7.4 liefern. Kurzer Pegelabgleich mit 1kHz-Sinus, und man kann folgende Setups vergleichen:

G-Linn digital -> (G)-HA-1 coax in -> AGM
G-Linn analog -> (G)-HA-1 analog in -> AGM
G-Linn analog -> AGM

Der Analogeingang des G-HA

Am meisten gespannt ich auf den Analogeingang, weil der doch ein bisschen auffällig geklungen hatte beim ersten Test des O-HA (O=Original). Zu hell, etwas blechern, zu weich und doch fast schrill dabei. Ich nehme wieder den Lortie, da ist es zumindest für Klavierliebhaber offensichtlich. Umstecken auf den G-HA, ebenfalls am Analogeingang. Was für ein Unterschied! Ok, die kurze Kette G-Linn -> AGM gewinnt trotzdem, der G-DAC alleine zeigt noch mehr Autorität und Durchzeichnungsvermögen. Das wundert aber wahrscheinlich niemanden so richtig, weniger ist im Signalweg bekanntlich mehr. Aber beim G-HA analog packt mich die kalte Hand Liszts, wenn Lortie die Bassoktaven reinhämmert, beim O-HA dagegen würde ich den Brei im Bass lieber ausmachen.

Was doch drei entfernte Elkos in jedem der vier Signalpfade (je zwei pro Kanal wegen symmetrischer Signalführung) bewirken können. Der erste wird durch einen Folien-Kondensator ersetzt, er sitzt direkt nach dem Eingang. Könnte man sich auch sparen und ein Stück Draht einlöten, aber falls DC-Offset von der Quelle kommen sollte, geht das dann durch die Eingangsstufe bis zum Poti und da gibt es dann hässliche Kratzgeräusche, wenn DC im Spiel ist. Der zweite Elko kommt hinter dem Potischleifer und ist für die Katz', um im Bild zu bleiben:

frmu hat geschrieben:...ich versuche seit 17 Jahren vergeblich meine Katze zu verstehen...

Ich versuche seit mehr als 17 Jahren so manchen Schaltungs-Entwickler zu verstehen, was mir aber nicht immer gelingt. Ein Kondensator beim Poti macht Sinn VOR der Widerstandsbahn, nicht dahinter. Davor wegen oben erwähntem Problem mit DC, das eben Kratzgeräusche verursacht. Aber dahinter? Wenn man schon vor dem Poti dafür gesorgt hat, dass die Gleichspannung Null ist? Woher soll dann die Gleichspannung kommen? Ok, von der Schaltung dahinter, aber wenn das der Fall wäre, müsste man die Schaltung eben ändern, weil sie nichts taugt. Muss man aber gar nicht im HA-1. Vier Brücken unten reinlöten geht schneller als vier Elkos auslöten und durch Brücken ersetzen:

Bild

Der dritte Elko sorgt für DC-Freiheit am Ausgang und kommt deshalb direkt vor diesem. Anstelle der Elkos schleife ich meine dicken Ausgangsstufen mit passender Stromversorgung und elektronischem DC-Ausgleich ein - genau wie im G-Oppo 105. Hier sieht man, wie ich die Elkos durch Lötstifte ersetzt habe, an die dann die Kabel zur G-Platine kommen:

Bild

Es ist immer wieder bemerkenswert, wie solche vorspannungslosen Elkos im Signalweg dem Klang ihre Signatur aufprägen - siehe oben. Ich will noch ein bisschen mit dem Eingangs-Kondensator experimentieren - Kondensatoren im Signalweg haben ihren eigenen Klang. Am liebsten ist mir eigentlich immer der Klang ohne Kondensator. Ich finde übrigens, dass diese winzigen Keramik-Vielschicht-Cs in SMD-Bauweise viel besser klingen als ihr Ruf:

Bild

Ich werde da noch ein bisschen rumprobieren, bevor ich mich dem Klang des Digitalpfads zuwende. Ich denke, ich überbrücke die Eingangs-Cs einfach mal. ich habe nämlich das unbestimmte Gefühl, dass da noch mehr geht im Analogpfad.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon RPWG » 28.11.2014, 22:04

Hallo Gert,

Als Elektroniker muss ich natürlich mitlesen :mrgreen: . Habe beim DAC-Aus- und -einbau mitgelitten und mich erinnert, wie ich die ersten DSPs mit 0,4er Pitch noch per Hand mit der Hohlkehle eingelötet habe. Das macht definitiv keinen Spaß! :?

Kleine Frage:

Fortepianus hat geschrieben: Ich finde übrigens, dass diese winzigen Keramik-Vielschicht-Cs in SMD-Bauweise viel besser klingen als ihr Ruf [...]


Was für ein Werkstoff ist das? Könnte mir vorstellen, dass es für C0G in dem Kapazitätsbereich eng wird.

Viele Grüße,
Roman
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Beitragvon Fortepianus » 28.11.2014, 22:53

Hallo Roman,

die Cs sind die hier. Aber ich habe eben den Versuch gemacht, sie einfach wegzulassen. Denn eigentlich schließe doch weder ich noch sonst jemand eine Quelle mit DC-Offset an, die würde ich nämlich schlicht als fehlerhaft bezeichnen. Die kleinen oben verlinkten Cs sind aber auch in der Spannungsversorgung manchmal recht gut einzusetzen, die nehme ich z. B. gerne zum Ruhigstellen der Regelpins der LM317/337. Diese uralten, aber immer noch brauchbaren Standardregler sind auch im Oppo 105 drin, aber irgendwie ist der einfachste Trick bei diesen Bauteilen nicht bis zu den Entwicklern des 105 durchgesickert: 10µF vom Regelpin nach Masse verringern den Restripple massiv. Und diese kleinen Cs kriegt man in einer fertigen SMD-Schaltung noch ohne Probleme parallel zu dem R gelegt, der vom Regelpin nach Masse geht - wenn's sein muss, oben drauf.

Aber noch eine kleine Randnotiz zu der von mir favorisierten DC-Kopplung ohne Kondensatoren im Signalweg. Wenn mir jemand sagt, ich habe keinen Kondensator im Signalweg, sage ich ihm immer, spätestens im Netzteil hast du einen Kondensator im Signalweg. Meist macht man sich nämlich nicht klar, dass der Strom nicht nur aus der tollen DC-gekoppelten Schaltung rausfließt, sondern irgendwo muss er ja hin. Strom fließt immer im Kreis rum, und wo fließt er hin? Ok, über die Last zur Masse, aber da ist es noch nicht zu Ende, denn irgendwo muss der Strom ja herkommen, damit er über die Verstärkerstufe zur Masse fließen kann. Und zwar aus dem Netzteil, das den Kreis von der Masse über einen Netzteilkondensator zur Versorgung der Verstärkerstufe wieder schließt. Damit ist der Netzteilkondensator genau betrachtet Teil des Signalweges. Dass sich gute Netzteile auszahlen, wissen wir alle, und das ist der Grund dafür.

RPWG hat geschrieben:Als Elektroniker muss ich natürlich mitlesen :mrgreen: . Habe beim DAC-Aus- und -einbau mitgelitten und mich erinnert, wie ich die ersten DSPs mit 0,4er Pitch noch per Hand mit der Hohlkehle eingelötet habe. Das macht definitiv keinen Spaß! :?

Klar, wenn ich dem Bestückungsautomaten zuschaue, der das winzige Zeug in Windeseile mit kleiner einem halben Zehntel mm Toleranz auf die Lötpaste knallt, die über eine Edelstahlschablone exakt an die Stelle aufgetragen wurde, wo sie hin soll, komme ich mir schon ein bisschen grobschlächtig vor mit meinem 0,4mm-Lötkolben. Aber bevor ich das Gerät zum Elektronikschrott trage, ist's die Mühe schon wert. Und wenn's dann wieder spielt: Schwamm drüber und freuen. Und unabhängig vom finanziellen Aspekt weckt es bei mir einfach den Ehrgeiz, etwas wieder hinzukriegen, wenn es defekt ist. Das haben schon früher unsere Nachbarn schamlos ausgenutzt, wenn sie mir als 14jährigem erzählten, der Fernseher sei defekt :) .

Viele Grüße
Gert
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