Studiotonbandmaschine AEG Telefunken M15A G-tuned

Gerts Modifikationen

Beitragvon nemu » 16.12.2015, 11:52

Hallo Gert und Harald,

tolles Projekt und toller Bericht!

Ich warte auch schon ganz gespannt, wie sich die elektronische Überarbeitung im Ergebnis auswirken wird. Ich fiebere mit Euch ...

Gruß Stephan
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nemu
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Beitragvon Hans-Martin » 16.12.2015, 12:13

Hallo Gert,

danke für diesen ausführlichen Bericht.

Dann hat Harald ja die Chancen auf eine Telefunkelnde Weihnacht.
Mögen ♫♫♫süßer die Glocken nie klingen als von der Hinterband!♫♫♫

Grüße Hans-Martin

P.S. ich hätte R64 10M verdächtigt: Widerstände über 1M haben gelegentlich die Tendenz, unerwartet ihren Wert zu vervielfachen. Das habe ich schon mehrfach erlebt, in unterschiedlichsten Applikationen.
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Beitragvon nihil.sine.causa » 16.12.2015, 20:23

Hallo Gert,

Fortepianus hat geschrieben:Tatsächlich also irgendwo ein Wackelkontakt, nicht gerade mein Lieblingsfehler. Ich wackle erst mal an allen Kondensatoren rum, die ich kürzlich eingelötet hatte, denn irgendwie hat man ja immer ein schlechtes Gewissen, wenn so ein Fehler plötzlich auftaucht, und sucht den Fehler zunächst bei sich selbst. Nichts. Der Pegel bleibt unten, und diesen Zustand muss man schnell nutzen, den Fehler einzugrenzen. Schnell am OP gemessen - Eingänge alle gut, Ausgänge in der 19er-Hälfte gut, in der 38er zu niedrig. Ich lege daraufhin die Schaltspannung vom Pin Nr. 20 (für 38cm/s) auf Pin Nr. 18 (für 19cm/s) - und siehe da, bei 19 funktioniert die Karte einwandfrei. Es muss also im Gegenkopplungszweig von der 38er-Hälfte des OPs liegen.

[...]

Das Poti darf, nun ausgelötet, ein Bad in moderner Kontaktchemie nehmen, wird dann hin und her gekurbelt, bis der letzte Dreck draußen ist, wird wieder getrocknet und, siehe da, es hat jetzt ganz brav und ganz dauerhaft 4,92kOhm zwischen den äußeren Anschlüssen.

[...]

Nun, das war eine etwas härtere Nuss, als ich gehofft hatte.

Wow das war schon ein ungewolltes Abenteuer. Herzlichen Dank, dass Du Dich da so reingekniet hast. 20dB mehr oder weniger im Frequenzgang ist ja keine Kleinigkeit und mit diesem Wackelkontakt hätte ich diese Maschine für Aufnahmezwecke vergessen können.

Fortepianus hat geschrieben:Nun hoffe ich, dass uns die reife Lady M15A nun erst mal keine weiteren Zipperlein auftischt - sonst hätte "Haralds Tonband" durchaus noch Chancen auf den Titel "Unwort des Jahres" bei uns daheim, wenn uns ihre Steckkarten über die Weihnachtszeit wieder besuchen kämen. So hoffe ich, dass die Lady Weihnachten im Kreis ihrer Lieben feiern kann und ich bin gespannt auf den Bericht, wie sie nun bei Stimme ist.

Oh ich bezweifle, dass meine Frau mit der Tonbandmaschine wird Weihnachten feiern wollen, aber dass die Lady funktioniert, hoffe ich natürlich auch sehr. Ach das wird jetz eh alles klappen und ansonsten hilft uns DHL bestimmt gern, die Karten im Zweifel lange genug zwischenzulagern, damit Weihnachten auch sicher vorbei ist, sollten sie tatsächlich nochmals nach Stuttgart müssen. Immerhin habe ich die Bestätigung, dass Deine Sendung von Montag (= die AV-Karten nach dem Kurbad) noch in dieser Woche bei mir ankommen werden. Es konvergiert also... :mrgreen:

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon nihil.sine.causa » 16.12.2015, 20:44

Hallo Hans-Martin,

Hans-Martin hat geschrieben:Dann hat Harald ja die Chancen auf eine Telefunkelnde Weihnacht.

Ich freue mich auf das BildTele-Funkeln :wink: und werde natürlich berichten.

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon Bernd Peter » 17.12.2015, 08:47

Hallo Harald,

für dein Engagement und die Ausdauer bei der Suche nach hoher Aufnahmequalität möchten dir die Franken ein Weihnachtsgeschenk unterbreiten.

Anstatt der wiederkehrenden Klavieraufnahmen, die deine Frau sicher über Gebühr beanspruchen, wären wir gegen ein noch auszuhandelndes Entgelt gerne bereit, als ungeübter, aber lauter und nebenbei auch trinkfester Männerchor bei dir vorbeizukommen.

Wenn du dich kurzfristig entscheiden könnest, gibt es lt. unserem Agenten auch 20% Weihnachtsrabatt. :cheers:

Gruß

Bernd Peter
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Beitragvon Fortepianus » 21.12.2015, 09:53

Liebe Vintagefans, lieber nordbayrischer Männerchor,

damit der Chor nicht unnötig heißer oder dumpfer klingt als nach dieser Selbsteinschätzung

Bernd Peter hat geschrieben:... als ungeübter, aber lauter und nebenbei auch trinkfester Männerchor ...

sowieso zu erwarten, habe ich mich noch ein bisschen ins Zeug gelegt.

Es wurde ja an anderer Stelle bereits ein wenig über den leichten Badewannen-Frequenzgang von Haralds M15A diskutiert:

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Peter hat ja auch schon bedauert, dass er den Frequenzgang zwar eigentlich recht gut hinkriegt, aber dennoch Steigerungsmöglichkeiten vorhanden sind:

Peter hat geschrieben:Die notorische "CCIR-Senke" bei 3 kHz ist bei der M15A nicht mit den Höhen-Einstellreglern zu beseitigen, da "Höhen I" erst bei etwa 5...6 kHz wirksam einsetzt. Bei stärkerer Kompensation für 3 kHz würde der Frequenzgang bei 9-10 kHz um 2 dB oder mehr überhöht werden. Die gezeigte Einstellung ist ein Kompromiss, der die Frequenzgangabweichungen "über alles" am geringsten hält.

Nun, in der Disziplin "Frequenzgang glattbügeln mit rein analogen Mitteln" habe ich etwas Übung, und so dachte ich mir, da probier' ich doch mal was.

Zunächst habe ich den Eingangsteil der Schaltung mit den beiden OPs im Signalzweig in mein Simulationstool eingegeben. Dabei zeigt sich, dass der Frequenzgang (kurz: FG) im Wesentlichen der eines Intergrierers über 3 Dekaden ist, mit etwas Ausgleich der Höhenverluste nach oben hin.

Peter per Mail hat geschrieben:Für den Wiedergabeverstärker ist eine negative Steigung von 20 dB / Dekade notwendig, um die Übertragungsfunktion des Wiedergabekopfes (Omegagang) zu kompensieren, plus der Gegenentzerrung des Bandflussfrequenzganges und der unvermeidlichen Abtastverluste an den Grenzen des Übertragungsbereichs. Ohne die letztgenannten Korrekturen bräuchten wir im Übertragungsbereich 20...20.000 Hz eine Korrektur von insgesamt 60 dB.

In meiner Simulation sieht der FG des Wiedergabeverstärkers WV1 dann so aus:

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Wenn man an einer Schaltung, die 50dB Schwankungen im FG zur Korrektur der Tonkopfphysik hat, eine Senke in der Größe von 1-2dB korrigieren will, sind die Änderungen etwas schwierig am Gesamtfrequenzgang zu sehen. Ich habe deshalb die Schaltung zweimal eingegeben und lasse den Computer nun die Differenz der beiden Zweige berechnen. Sind beide Zweige genau gleich, muss ein Strich bei 0dB rauskommen:

Bild

Im Bodeplotter unten rechts im Bild sieht man nun, was rauskommen muss, wenn man alles richtig gemacht hat: Ein roter Strich bei 0dB über der Frequenz. Da das Bildchen etwas klein ist: Die x-Achse ist die logarithmische Frequenzachse, links ist 10Hz, rechts 100kHz, die drei senkrechten gestrichelten Linien dazwischen sind bei 100Hz, 1kHz und 10kHz. Die y-Achse stellt den Pegel in dB dar, in der Mitte 0dB, oben +5dB, unten -5dB, die waagrechten Linien dazwischen sind bei +2,5dB und -2,5dB.

Nun habe ich mal an einer Stelle, die mir am Vielversprechendsten erschien, mit Rs und Cs rumgespielt. Die Gegenkopplungszweige der beiden OPs sind nicht so gut geeignet für diese Spielchen, denn da dreht man immer an mehr, als man eigentlich will. Ganz perfekt geeignet ist der Punkt zwischen den beiden OPs:

Bild

Ich habe drei passive Bauteile eingefügt, zwei C und einen R, im Bild rot eingerahmt. Die Änderungen sind nur im unteren Zweig gemacht, und so sieht man die Änderung im Vergleich zu vorher, nämlich dem oberen Zweig. Nochmal den Bodeplotter mit dem FG rausvergrößert:

Bild

Der C im oberen roten Kreis lässt den FG ab einer berechenbaren Einsatzfrequenz steigen. Der Widerstand in Reihe dazu begrenzt die Wirkung auf ein einstellbares Maß, und der FG verläuft ab einer zweiten Frequenz parallel zum ursrpünglichen, aber durch den R einstellbar höher. Der C im unteren roten Kreis sorgt nun dafür, dass die Anhebung zu höheren Frequenzen hin wieder rückgängig gemacht wird.

Ohje, höre ich da so manchen murmeln, das verbiegt doch sicher katastrophal den Phasengang. Schauen wir uns also mal den Frequenzgang der Phase an:

Bild

Das ist glücklicherweise nicht der Rede wert.

Welchen Effekt wird diese kleine Korrektur vermutlich haben? Um das abzuschätzen, habe ich den von Harald oben gemessenen Frequengang in Excel eingegeben, immer an eine paar Stützstellen in jeder Dekade. Das Ergebnis sieht dann natürlich etwas eckig aus, aber für eine Abschätzung ist das egal. Genauso habe ich den FG der Korrektur eingegeben und dann die Summe gebildet (eigentlich das Produkt, aber da die Daten logarithmisch in dB vorliegen, muss man sie addieren):

Bild

Die y-Achse ist nun stark vergrößert, deshalb sieht das alles dramatischer aus als es ist. Blau ist ungefähr der bisherige FG, rot die Korrektur und grün das zu erwartende Ergebnis, um 1dB nach unten verschoben für bessere Betrachtbarkeit. In der Theorie sieht das ziemlich gut aus, oder?

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon nihil.sine.causa » 07.01.2016, 16:22

Hallo zusammen,

die M15A habe ich in den letzten Tagen und Wochen nach dem G-Tuning ausführlich getestet. Hier findet Ihr den Bericht:

viewtopic.php?p=112017#p112017

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon nihil.sine.causa » 14.07.2016, 23:55

Liebe Analogfans,

die letzten Entwicklungen bei meinem Projekt Masterbandmaschine habe ich Euch bisher vorenthalten. Ich werde hoffentlich mal Zeit haben, das Setup ausführlicher zu beschreiben und ggf. auch auf unserem Forumstreffen vorzuführen. Hier mache ich es kurz: Mittlerweile habe ich zwei M15A am Start. Eine Maschine mit den von Gert optimierten Wiedergabeverstärkern ist meine Wiedergabemaschine und die andere – mit den gertifizierten Aufnahmeverstärkern – ist meine Aufnahmemaschine. Die Frequenzgänge beider Maschinen wurden von dem befreundeten Tonmeister penibel optimiert – in engem Austausch mit Gert und entsprechend der oben beschriebenen Simulation der M15A-Aufnahmeverstärkerschaltung. Mit der resultierenden Qualität bin ich sehr zufrieden - Suchtgefahr!

Mit diesem Setup ist es möglich, nicht nur adäquate Analogaufnahmen anzufertigen und diese wiederzugeben, sondern man kann damit auch Masterbänder kopieren. Der Teufel steckt aber im Detail. So hatte es einige Monate gedauert, um überhaupt hochwertiges Bandmaterial zu beschaffen. Der einzige hier noch aktive Hersteller in Europa hatte das eine oder andere Qualitätsproblem. Aber mit vereinten Kräften (Qualitätsprüfung durch den Tonmeister sowie durch mich, der super freundliche und qualitätsbewusste Vertriebsprofi Berthold auf der einen und der einsichtige Hersteller auf der anderen Seite) ist es gelungen, adäquates Material zu beschaffen.

Ein anderer Haken ist das Thema Rauschunterdrückung. Das muss ich etwas erläutern. Wenn ich selbst Aufnahmen mache, höre ich bei adäquater Abhörlautstärke keinerlei Rauschen. Aber bei Mehrkanalmischungen und/oder mehrfachem Umkopieren käme man sicher leicht an die Grenze und würde das Bandrauschen hören. So gab es seit 1966 hierzu ein – insbesondere unter Plattenproduzenten weit verbreitetes – Gegenmittel: Dolby A (siehe hier – bitte etwas nach unten scrollen). Mit diesem Verfahren wurden die meisten Plattenaufnahmen in den Ende 60er und in den 70er Jahren gemacht. Bei der ARD hatte man das später entwickelte Telcom-c4 und zum krönenden Abschluss kam die Rauschunterdrückung für professionelle Magnetbandaufzeichnung im Jahr 1987 durch Dolby SR (siehe wieder hier - noch etwas weiter nach unten gescrollt). Das war dann allerdings schon in jener Phase als die CD ihren Siegeszug angetreten war und die Magentbandtechnik nicht mehr weiterentwickelt wurde.

Da mich nun das Bandrauschen bei meinen eigenen Aufnahmen überhaupt nicht stört, hätte mir das Thema Rauschunterdrückung eigentlich egal sein können. Nun kam ich aber durch einige glückliche Umstände an entsprechende Dolby-A kodierte Masterbänder, die mit meinen gertifizierten Maschinen in Top-Qualität kopiert werden konnten. In der Analogtechnik gibt es keine Kopiermöglichkeit ohne Qualitätsverlust. Dieser ist dann am geringsten, wenn man die Bänder 1:1 kopiert und die Dolby-Dekodierung erst unmittelbar vor dem Abhören vornimmt. Wenn man sich also für adäquate analoge Kopien von Dolby-A kodierten Masterbänder interessiert, braucht man konsquenterweise auch einen Dolby-A-Dekoder.

Einen solchen habe ich mir zugelegt in Form einer Dolby 363 Einheit mit zwei Cat. No. 300 Karten.

Bild
Bildquelle: http://www.springair.de

Mit dieser Einheit bin ich in der Lage, Dolby-A aber auch Dolby-SR für zwei Kanäle zu dekodieren (und auch zu kodieren). Die Qualität war aber leider recht bescheiden für meine Ohren. Vor allem war das Resultat verhangen, es fehlte die feindynamische und räumliche Finesse – kein Vergleich zu Bandaufnahmen ohne Dolby. Klar, man kann nun im Nachhinein nicht mehr verhindern, dass eine Aufnahme mit Dolby gemacht wurde. Aber es muss doch möglich sein, aus einer solchen Aufnahme durch bessere Dekodierung ein gewisses Optimum herauszuholen!

Und so kam ich – wieder einmal – auf das schmale Brett, ein Paket nach Stuttgart zu schicken, damit sich der gute Gert die Sache einmal ansehen könnte.

Gert hat sich mittlerweile intensiv mit meinem Dolby-System beschäftigt und wird sicher etwas dazu schreiben …

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon Fortepianus » 15.07.2016, 07:25

Liebe Freunde der Vintage-Analogtechnik,

nihil.sine.causa hat geschrieben:Gert hat sich mittlerweile intensiv mit meinem Dolby-System beschäftigt und wird sicher etwas dazu schreiben …

hier die offene Dolby 363 ohne Einschübe:

Bild

Die Einschübe sind mit Blechen abgeschirmte, kompakte Einheiten. Zerlegt und die beiden Platinen aufgeklappt sehen die so aus:

Bild

Haralds Klangeinstufung

nihil.sine.causa hat geschrieben:Die Qualität war aber leider recht bescheiden für meine Ohren. Vor allem war das Resultat verhangen, es fehlte die feindynamische und räumliche Finesse – kein Vergleich zu Bandaufnahmen ohne Dolby.

wundert wenig, wenn man sich die verwendeten OPs anschaut: 4556 als Ausgangstreiber, 4558 im Basisgerät, und in den Cat300 finden sich TL062, TL070, TL072 und LF442. Wenn man die vielen Doppel- und teilweise sogar Vierfach-OPs (TL074) mal einzeln rechnet, kommen da 400-500 OPs zusammen, wenn man die 363 mit zwei Cat. No. 300 betrachtet. Die liegen zwar nicht alle im Signalweg, aber dennoch viele davon. Und die Spannungsversorgung geht sicher auch besser.

Kein Problem, möchte manch einer sagen, am Netzteil kann man immer was machen und dann alle relevanten OPs durch z. B. LME49710 bzw. 49720 ersetzen und gut ist's. Nach etwas Nachdenken ist dann allerdings gar nichts mehr gut, weil man ein bisschen den Wärmehaushalt der Kiste im Auge behalten muss. 200x 10mA Ruhestrom eines LME49720 macht 2A. Bei einer ungesiebten Spannung vorne nach dem Gleichrichter von 2x22V macht das 2A mal 44V gleich 88W, die irgendwo in Form von Wärme hinwollen, abgesehen davon, dass weder der vorhandene Trafo noch das Netzteil dahinter das liefern könnten. Das ist in der engen Kiste nicht machbar, und vor allem im Inneren der Cat300 würde die extrem eng gepackte Elektronik den Hitzetod sterben.

Die verwendeten 4558 und TL072 wollen gerne 3-4mA Ruhestrom, die LF442 0,4mA und die TL062 nur 0,2mA.

Leider ist in den Service-Unterlagen zwar der Schaltplan des Basisgeräts komplett enthalten, aber die Schaltung der Cat No. 300 ist nur teilweise abgedruckt. Über das Herzstück, nämlich die A- und SR-Kompressoren, deckt Dolby das Mäntelchen der Black Box. Denkt man aber über die Schaltung ein wenig nach und schaut sich die vorhandenen Pläne genauer an, liegt folgender Schluss nahe:

In den Cat. No. 300 sind die OPs im direkten Signalweg als TL072 ausgeführt. Sowohl der TL062 wie der LF422 sind nicht wirklich HiFi-Signal-tauglich und werden dazu verwendet, die Signalhöhen in den einzelnen Frequenzbereichen zu bestimmen und die Verstärkungsfaktoren einzustellen. Also gibt es keinen Grund, die TL062 und LF442 zu tauschen, das bringt klanglich genau nichts.

Es gibt inzwischen durchaus OPs, die ähnlich wenig Ruhestrom brauchen wie der TL072 und tolle Performance im HiFi-Bereich abliefern, z. B. der OPA 1642, ein Doppel-OP und wie der TL072 mit FET-Eingang. Er braucht nur 1,8mA pro OP. Also, warum nicht einfach die vielen TL072 und auch 4558 alle durch OPA 1642 ersetzen? Ganz einfach, dagegen spricht, dass es die OPAs nur noch in SMD gibt - das bedrahtete DIP-Gehäuse verwendet eh niemand mehr bei einer Neuentwicklung.

Wo ein Wille, da ein Weg. Viele Stunden später:

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Das sind unzählige OPA 1642 auf winzigen Adaptern. Damit müsste der Stromverbrauch insgesamt ungefähr so sein wie vorher.

Zunächst habe ich mir das Basisgerät vorgenommen, zu Beginn das Netzteil. Hier die rausoperierte Platine, links unten das Netzteil mit einer Standardschaltung aus vier Gleichrichterdioden, 2x 2.200µF Siebelkos und die übliche Regelung mit LM317/337:

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Folgende Maßnahmen:

1. Alte Gleichrichterdioden raus, durch gute Schottkydioden ersetzt.
2. Die beiden Siebelkos mit 2,2mF/25V raus und durch Panasonic FC 3,9mF/35V ersetzt.
3. Vor den beiden Reglern Lastwiderstände 4,7Ohm/2W eingebaut. Misst man den Spannungsabfall daran, kann man so einfach den Gesamtstrom bestimmen, und die Regler müssen ca. 2V weniger Spannung wegheizen, vorher 7V, jetzt 5V, was immer noch üppig reicht zum Regeln (und zum Heizen :) .
4. Nach den 4,7Ohm nochmal 2x3,9mF/35V Pana FC. Dieses RC-Glied siebt die Spannung vor den Reglern enorm und hält die HF vom Netz fern.
5. Nach den Reglern 2x 3,3mF/35V Panasonic FR. Beseitigt vom Regler selbst erzeugten Dreck.

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6. Die +-15V-Leitung zur Elektronik wurde aufgetrennt und jeweils ein Widerstand mit 1 Ohm eingesetzt.
7. Danach nochmal 4x 3,3mF/25V Pana FC zur weiteren Entkopplung der OP-Versorgungen. Gesamtansicht:

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Den Lüfter habe ich weggelassen, denn der funktioniert eh nicht mehr und Harald will auch ganz sicher keinen Lüfter-Lärm im Hörraum. Thermisch bleibt das bisher laut Harald im Rahmen, wenn man das Gerät nicht länger als 2h am Stück betreibt.

Dann die OPs im Signalweg auf der Hauptplatine. Zuerst die vier Ausgangstreiber-OPs, im Original 4x 4556, ersetzt durch je einen LME49720. Man muss höllisch aufpassen, weil der Lötstopplack damals noch nicht die Qualität hatte wie heute. Wenn man mit dem Entlötsauger auf eine lackierte Leiterbahn kommt, verdampft durch die Hitze der alte Lack sofort und die Leiterbahn ist blank. Da muss man ziemlich aufpassen, dass keine Brücken und Kurzschlüsse entstehen.

Weiter sollten die 18 im Signalweg liegenden 4558 durch OPA 1642 auf den Adaptern ersetzt werden. Ich hatte die benötigten OPA1642 ja schon vorher alle auf Adapter gelötet und mit Lötstiftleisten versehen, siehe oben. Und nun der Schock: Die Bohrungen für die OP-Füßchen sind in der 363 so knapp bemessen, dass die OP-Füßchen gerade durchpassen, aber die Stiftleisten nicht :-(. Bei den OPs, die nach oben üppig Platz haben, war das kein Problem, da habe ich die Adapter einfach von oben aufgesetzt, eben nicht durchgesteckt und von oben aufgelötet:

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Bei den restlichen OPs, die unter den Cat300 sitzen, war das zu hoch. Da musste ich erst die Kunststoffabstandshalter der Stiftleisten rausmachen, die Stifte kürzen und dann eben auch wieder von oben aufsetzen. Ist zwar ungeschickt zum Anlöten, hat dann aber ebenfalls gepasst:

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Bild

Mir dämmerte aber bereits, dass ich das Problem mit den zu kleinen Bohrungen vor allem bei den Cat. No. 300 kriegen würde. Zum Glück sind das pro Cat300 nur 16 TL072 und ein TL070, der ersetzt werden muss. 16 Doppel- und ein Single-OP hört sich vielleicht zunächst nach gar nicht so wenig an, aber auf einer Cat300 sind insgesamt 80 Doppel-OPs drauf, das relativiert die Sache etwas. Der eine Single-OP TL070 war kein Problem, der wich einem LME49710. Dieser OP, der IC702, ist die zentrale Addier- und Verteilstelle in den Cat300, der sollte von möglichst guter Qualität sein, egal, ob er ein paar mA mehr oder weniger braucht. Bei den anderen 16 kam jetzt aber das Sockel-Durchmesser-Problem. Ich habe in den sauren Apfel gebissen und das so gelöst: Erstmal von jedem OP-Adapter die Stiftleisten wieder runtergelötet. Dann durch jede der acht Bohrungen ein Stück Silberdraht mit 0,6mm Durchmesser gesteckt und verlötet. Das dauert. Dann die TL072 von den beiden Cat300-Platinen runtergelötet (das ist ein ziemlicher Terz bei der Enge auf der Platine), die Löcher alle von Lötzinn befreit und dann die Adapterplatinchen mit ihren rausstehenden Silberdrähtchen durchgesteckt. Das Verlöten muss dann schnell und präzise erfolgen - etwas zu lange an einem Lötpunkt verharrt, und der Silberdraht hat die Hitze bereits zum Lötpunkt auf dem Adapter weitergeleitet und der Draht fällt raus.

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Wenn die beiden Platinen der Cat300 zusammengesteckt sind, bleiben nur ca. 10mm Luft zwischen den beiden. Deshalb mussten die Adapter möglich tief eingebaut werden, damit die Platinen wieder zusammenpassen. Sie passen:

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Das ist nun der Stand - ich habe also das Basisgerät und eine Cat300 überarbeitet. Bevor ich mich aber an die andere Cat. No. 300 mache, will ich erstmal in Ruhe messen, ob das Ding überhaupt noch funktioniert. Da ist es hifreich, noch einen Original-Einschub zum Vergleich zu haben. Interessant ist, dass die Kiste nach dem Upgrade des Basisgeräts 10mA weniger Strom in jeder Spannungshälfte verbraucht als vorher, und mit dem Upgrade der ersten Cat300 nochmal 20mA pro Hälfte weniger. Mit der zweiten Cat300 sind das dann insgesamt 50mA, die weniger fließen als vorher. Macht bei einer Basisspannung nach dem Gleichrichter von 2x22V immerhin 2,2W, die weniger als vorher verheizt werden. Insgesamt waren das immerhin gut 18W, die die Kiste erwärmt haben, nachher sind's dann noch rund 16W. Das Konzept zum Wärmehaushalt geht also auf.

Die spannende Sache ist jetzt aber erstmal, ob das Signal nach all den Maßnahmen überhaupt noch hinten rauskommt - ich werde berichten.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon Hans-Martin » 15.07.2016, 12:39

Wow, Gert, das sieht richtig nach Fleissarbeit aus.

Beim Betrachten der Bilder habe ich spontan 2 Gedanken: Leiterplattendesign von 1987, wie alt mögen dann die vielen braunen Tantal-Cs sein? In den 1970er Jahren waren sie häufig problematisch, sie mögen nicht nach langer Zeit wieder aktiviert werden, ohne Probleme zu bereiten, gut, wenn das Gerät immer wieder regelmäßig im Gebrauch war. Wenn das Gerät schon zerlegt ist, würde ich trotz der guten Spannungsnennwerte (35V) vorsorglich über einen Austausch nachdenken. In meinem alten Cambridge Multi TDA1541 DAC habe ich 1995 die Tantal-Cs erneuert, kürzlich beim Einschalten: Rauchzeichen. (Die grünen und roten WIMA-Folien Cs waren in den späten 1980ern angesagte Bauteile mit bester Reputation, da hat sich bis heute nicht viel getan, was zum Austausch raten ließe.)

2. Der Ringkerntrafo ist so gedreht eingebaut, dass das magnetische Leck, dort wo die Kabel austreten, in Richtung Leiterplatte weist. Es kostet nichts, den Trafo um 90°-180° zu drehen.

Ich halte es für noch etwas besser, bei Geräten zwecks großem Störabstand den Trafo in ein separates Gehäuse auszulagern, Streufeld und Vibration von der Anwendung trennen. Damit kehrt im Gerät mehr Symmetrie ein, das Handling wird allerdings umständlicher, der Wiederverkauf erschwert. Trotzdem eine Überlegung wert, Beschreibung hier. Ein kleiner Schritt in Richtung der von Harald vermissten Qualitäten.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Fortepianus » 15.07.2016, 22:30

Hallo Hans-Martin,

Hans-Martin hat geschrieben:Wow, Gert, das sieht richtig nach Fleissarbeit aus.

das ist es, ja. Aber macht auch Spaß, die alte auf die Spitze getriebene Studio-Analogtechnik.

Beim Betrachten der Bilder habe ich spontan 2 Gedanken: Leiterplattendesign von 1987, wie alt mögen dann die vielen braunen Tantal-Cs sein? In den 1970er Jahren waren sie häufig problematisch, sie mögen nicht nach langer Zeit wieder aktiviert werden, ohne Probleme zu bereiten, gut, wenn das Gerät immer wieder regelmäßig im Gebrauch war. Wenn das Gerät schon zerlegt ist, würde ich trotz der guten Spannungsnennwerte (35V) vorsorglich über einen Austausch nachdenken.

Ich habe sie dringelassen. Es war genau ein Tantal im direkten Signalweg, den ich überbrückt habe, weil jetzt die OP-Offsets so gering sind, dass man ihn nicht mehr braucht. Die anderen sind alle in irgendwelchen Zeitgliedern der Kompressoren drin. Sollte sich da einer verabschieden, funktioniert's halt nicht mehr, raucht aber nicht.

In meinem alten Cambridge Multi TDA1541 DAC habe ich 1995 die Tantal-Cs erneuert, kürzlich beim Einschalten: Rauchzeichen.

Jaja, die Tantals verabschieden sich meist im Fehlermode "Kurzschluss", das unterscheidet sie unter anderem von normalen Elkos. Das raucht dann eventuell :cheers: .

2. Der Ringkerntrafo ist so gedreht eingebaut, dass das magnetische Leck, dort wo die Kabel austreten, in Richtung Leiterplatte weist. Es kostet nichts, den Trafo um 90°-180° zu drehen.

Danke für den Tipp, hab's probiert. Auch wenn man die Schraube am Boden löst, ist der Trafo so auf das Bodenblech festgebacken, dass er sich auch unter Gewaltanwendung keinen mm rührt. Bevor ich ihn zerstöre, lass ich ihn lieber so, wie er ist.


Liebe Threadverfolger,

nun habe ich also die 363 durchgetestet. Das Basisgerät läuft einwandfrei, und mit dem noch originalen Dolby-Einschub läuft auch alles, wie es soll (habe das eben mal so Pi mal Auge mit einem Signalgenerator ausprobiert, indem ich diverse Frequenzen angelegt habe und geschaut habe, ob die Kompression bzw. Expansion pegelabhängig erfolgt. Das Basisgerät läuft also schon mal. Dann die umgebaute Cat. No. 300 eingeschoben, und bei Dolby A funktioniert das ebenfalls wie beim Originaleinschub, bis auf den Schönheitsfehler, dass da ein bisschen HF zu finden ist, die da nicht hingehört. Umgeschaltet auf Dolby SR - und jetzt gibt die G-Cat so richtig den Mittelwellensender :mrgreen: . Wie zum Teufel soll man denn innerhalb dieses Einschubes irgendwas messen können, wenn der zusammengebaut und eingeschoben ist? Es geht mit einem einfachen Trick. Die obere Platine der beiden hat die Dolby-A-Kompressoren drauf, die untere die Grundschaltung und die Dolby-SR-Schaltkreise. Steckt man die obere Platine ab und schaltet auf Dolby SR, funktioniert alles klaglos. Und jetzt kommt man im Betrieb an die Schaltung dran.

Der schwingende OP ist der einzige Single-OP in der Cat. No. 300, der TL070, den ich durch einen LME49710 erstsetzt hatte. Er ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt in der Schaltung, er liefert das Eingangssignal für alle Kompressoren und hier werden mit FETs die Kompressoren entweder dazugeschaltet oder in seinen Gegenkopplungszweig gelegt, je nachdem, ob encodiert oder dekodiert werden soll. Und genau der schwingt eifrig vor sich hin. Das ist erstmal nichts Neues, das kommt öfter vor, wenn man OPs gegen schnellere tauscht. Deshalb immer mit dem Oszi nachschauen, ob irgendwas schwingt. Ein paar wenige gezielte pf an der richtigen Stelle und es kehrt Ruhe in die Schaltung ein. Ich habe nachträglich aber die Schaltung um diesen OP auch noch in mein Simulationstool (Multisim) eingegeben, und siehe da, auch schon beim Original war bei 1,6MHz schon ein deutlicher Peak im Frequenzgang bei zugleich 180° Phasenumkehr. Nur war der Original-OP lahm genug, dass der Pegel da schon soweit abgefallen war, dass er nicht mehr anschwingt. In der Simulation zeigte sich dann, dass die aus dem Ärmel gewählten 22pF in der Gegenkopplung den Frequenzgang perfekt glattbügeln da oben.

Eine andere Sache machte mir aber Kopfzerbrechen. Bei Dolby SR kam bei Stellung "Play", also in Dekodierstellung, wenn die Kompressoren in der Gegenkopplung eben dieses OP liegen, ein DC-Offset von ca. 100mV aus der Schaltung, der sich dann bis zum Ausgang hielt. In Kodierstellung (rec) immer noch ca. 10mV. Ich stellte fest, dass das vermutlich wieder aus diesem zentralen OP, dem durch den LME ersetzten TL kam. Der TL hat einen FET-Eingang, der LME ist durchgängig bipolar und hat deshalb Prinzip bedingt einen etwas höheren Eingangsstrom. Er ist aber dennoch extrem hochohmig am Eingang - ob sich das aber in der Schaltung dennoch auswirken sollte? Ich löte ihn wieder raus und ersetze ihn zum Test durch einen 8poligen IC-Sockel. Ich stecke alles, was sich in meinem Arsenal an audiophilen OPs mit FET-Eingang gerade so findet, nacheinander in den Sockel. OPA134, OPA604, OPA627, AD811 und wie sie alle heißen. Immer der gleiche grobe DC-Offset von ca. 100mV, nur beim TL070 ist der Offset weg. Das kann doch nicht sein - diese Superchips, die ich da reinstecke, haben doch alle einen fast vernachlässigbaren DC-Offset? Etwas ratlos beschließe ich, die Schaltung zu simulieren, um ein Gefühl dafür zu kriegen, wo denn dieser Offset herkommen könnte - so kam quasi als Abfallprodukt auch die Bestätigung raus, dass die 22pF zur Kompensation richtig waren, siehe oben. Während ich die Schaltung nach Schaltplan in den Serviceunterlagen eingebe, stutze ich plötzlich. Da ist ein Widerstand ohne Wert, sonst sind alle angegeben. Ich schaue genauer hin - und endlich dämmert's. Da ist eine Offset-Korrekturschaltung für den Dolby-SR-Kreis und der Widerstand wird bei der Produktion eingemessen. Das korrigiert die Offsets all der miesen alten OPs im Signalweg bei Dolby SR, das ist nämlich fast alles DC-gekoppelt. Und wenn ich da meine neuen Superchips reinmache, gibt's eben keinen nennenswerten Offset mehr. Dennoch will die Schaltung den nicht mehr vorhandenen korrigieren - also gibt's jetzt Offset in die andere Richtung.

Ich mache die Offsetkorrektur raus, löte den LME wieder direkt ein und jetzt ist alles gut. Bleibt die Fleißarbeit am vor mir liegenden Wochenende, die zweite Cat. No. 300 genauso umzubauen. Aber ich weiß ja jetzt immerhin schon, wie. Und anschließend steht dann ein echter Funktionstest an, mit passend kodierter Musik.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon Fortepianus » 18.07.2016, 07:44

Das Wochenende ist vorüber und die zweite Cat. No. 300 ebenfalls umgebaut. Übrig blieben u. a. ein paar alte Operationsverstärker:

Bild

Ich war ziemlich gespannt auf den Hörtest. Der Hörtest ging so: Harald hat mir kurze Ausschnitte aus Masterbandkopien mit seinem AD-Wandler der Superklasse digitalisiert (Schubert Tod und das Mädchen, Ravel Streichquartett, Schwarzkopf Winterreise). Einmal direkt vom Band noch Dolby-A-kodiert, einmal mit der noch originalen 363 plus Cat. 300 dekodiert. Die erste Version (A) lief dann bei mir durch die frisierte Dolby 363, bei der zweiten habe ich beide Kanäle der 363 auf bypass gestellt (B). So kann man elegant die modifizierte Version (A) mit der unmodifizierten (B) vergleichen. Das war eine perfekte Idee von Harald, wie ich direkt bei mir einen Vergleich machen kann, ohne dass man die schwere Studiotonbandmaschine von Bonn nach Stuttgart transportieren muss.

Hier die am Test beteiligte Elektronik:

Bild

Unten links der G-HA als Vorverstärker, daneben sieht man noch einen G-Sonos (beim Test unbeteiligt) und darüber meinen G-ADS1 DAC als Zuspieler. Oben drauf steht die umgebaute Dolby-363-Einheit mit den beiden frisierten Cat. 300.

Zunächst muss man den richtigen Pegel haben, damit die Dolby-Einheit richtig arbeitet. Dazu hat mir Harald einen speziellen Dolby-Kalibrierfile mit Einstellanleitung geschickt. Man bringt die Lautstärke des Streamers mit dem Kalibrierfile auf einen definierten Pegel (hier -2,87dBu), schickt dann das Kalibriersignal mit diesem Pegel in die 363 und dreht an den Eingangs-Pegelpotis (kleine 20Gang-Spindeltrimmer), bis die mittleren zwei grünen LEDs der Pegelanzeige gleich hell leuchten. Anschließend sorgt man mit den Ausgangs-Pegelpotis dafür, dass am Ausgang der 363 wieder der gleiche Pegel herrscht wie am Eingang. Die Lautstärke muss dann nach der 363 geregelt werden, was hier mit dem G-HA erfolgt. Die Signalkette ist also:

Linn G-ADS1 DAC, analoger XLR-Ausgang als Quelle
Dolby 363, analog XLR rein bei "from record", XLR raus bei "to console"
Oppo G-HA XLR in, XLR out als analoger Vorverstärker
AGM 7.4, XLR in

Das sind tolle Aufnahmen! Die Schwarzkopf klingt zwar in beiden Fällen etwas aus der Ferne, ist aber dennoch bei A besser (Stimme natürlicher). Richtig deutlich wird es aber bei den Streichern. Beim Ravel klingt die erste Geige im zweiten Satz geradezu lästig bei B, das ist bei A viel besser. Aber vor allem gleich am Anfang des ersten Satzes vom Schubert-Quartett ist der Unterschied sehr deutlich, was die Durchhörbarkeit anbelangt. B ist vergleichsweise ein Streicherbrei, wenn alle forte zusammenspielen, A trennt die Instrumente sauber. Also, aus meiner Sicht hat sich der Umbau gelohnt. Ich bin gespannt, was Harald sagt, wenn er die frisierte 363 direkt an der M15A hören kann, ohne jeden Digitalisierungsschritt dazwischen.

Ich habe dann noch einen Test gemacht: Unkodiertes Material aus der Forums-Bestenliste, nämlich die Misa Criolla mit Mercedes Sosa, einmal mit gedrückten Bypass-Tasten (da ist gar keine Elektronik dazwischen, nur jeweils ein Ruhekontakt eines Relais zwischen Ein- und Ausgängen) und einmal mit aktiven Dolby-Karten auf play, aber Mittelstellung des jeweils rechten Kippschalters (SR-A). Da sind nur die Kompressoren nicht an den zentralen Addier-OP IC702 geschaltet, sonst ist die gesamte Signalkette aktiv, und die ist schon recht umfangreich. Man kann den Unterschied ausmachen, aber er ist klein, finde ich. Bei den unzähligen OPs, die da vergraben sind, ist eine völlige Transparenz nicht machbar, denke ich, aber das kommt dem schon recht nahe.

Das Gerät geht nun zurück zu Harald - ich bin gespannt, wie es sich direkt an der Studiomaschine M15A macht.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon nihil.sine.causa » 18.07.2016, 19:49

Hallo Gert,

Fortepianus hat geschrieben:Richtig deutlich wird es aber bei den Streichern. Beim Ravel klingt die erste Geige im zweiten Satz geradezu lästig bei B, das ist bei A viel besser. Aber vor allem gleich am Anfang des ersten Satzes vom Schubert-Quartett ist der Unterschied sehr deutlich, was die Durchhörbarkeit anbelangt. B ist vergleichsweise ein Streicherbrei, wenn alle forte zusammenspielen, A trennt die Instrumente sauber. Also, aus meiner Sicht hat sich der Umbau gelohnt. Ich bin gespannt, was Harald sagt, wenn er die frisierte 363 direkt an der M15A hören kann, ohne jeden Digitalisierungsschritt dazwischen.


Dass dieser Test so gut funktioniert hat, erstaunt mich. Denn nach wie vor ist der Verlust bei der Digitalisierung deutlich hörbar, wenn ich solche Bänder und die von Dir frisierte M15A als Quelle verwende. Je besser die Analogquelle umso deutlicher scheint dieser Verlust ja zu sein. Umso mehr freut es mich, dass Du zwischen A und B so klare Differenzen ausmachen konntest. Das spricht - trotz des heftigen Aufwands - für Deine Optimierungsmaßnahmen am 363.

Ich bin super gespannt auf das Resultat. Zwar kann ich in diesem Fall nicht direkt vergleichen, da die 363 Einheit ja (erfreulicherweise) umgebaut ist. Aber ich habe ja noch die Digitalisierung ausgewählter Stücke sowie natürlich die betreffenden Dolby-A kodierten Tonbänder und kann damit das Gegenstück zu dem Test, den Du bei Dir gemacht hast, nachvollziehen. Hierzu kann ich die G-363-Dekodierung unter identischen Bedingungen digitalisieren und das Resultat vergleichen mit derjenigen vor der G'fizierung.

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon nihil.sine.causa » 21.07.2016, 21:55

Liebe Analogfreunde,

heute Abend kam ich von einer Geschäftsreise zurück und habe erst jetzt kurz mit dem G-Dolby 363 abgehört. Das ist eine beeindruckende Qualität, die durch das G-Tuning entstanden ist. Chapeau, lieber Gert! Am Wochenende werde ich ausführlicher hören, genießen und berichten können.

Viele Grüße
Harald
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Beitragvon nihil.sine.causa » 24.07.2016, 12:46

Hallo zusammen,

nun habe ich die gertifizierte Dolby 363 Einheit mit den Cat No. 300 Karten ausführlich gehört. Wenn ich Bänder, die mit Dolby-A behandelt wurden, damit abhöre, habe ich eine beeindruckende analoge Qualität. (Die Wiedergabekarten meiner M15A sind dabei ja auch gertifiziert.) Besonders Streichquartett-Aufnahmen sind von einer überbordenden Klangfülle und Körperhaftigkeit.

Nun kann ich das vorher / nachher der Gertifizierung der Dolby-Einheit nicht direkt hören. Ich habe aber Digitalisierungen vor dem Upgrade gemacht und diese nun nach dem Upgrade wiederholt. Digitalisierungskette: AFAD → SPDIF-Adapter mit Übertrager → SPDIF-Toslink-Umsetzer → Fireface UC → Notebook → DigiCheck Global Record als Aufnahme-Software. Die Aufnahmequalität mit 24Bit und 192 kHz. Anschließend habe ich auf digitaler Ebene mit WaveLab den Pegel normalisiert.

Wenn ich damit die Dolby-Aufnahmen vorher / nacher vergleiche, so sind die Unterschiede vor allem in der besseren Raumabbildung und der entspannter hörbaren Einbindung der Instrumente. Feinheiten werden klarer hörbar und die Aufnahmen sind deutlich weniger verhangen. Trotz Verlust bei der Digitalisierung ist das ein sehr deutlicher, substanzieller Unterschied – kein Ohrenbrechen notwendig.

Insgesamt ist meine Tonbandmaschine damit auf einem verdammt hohen Niveau. Ja, es handelt sich um Vintage-Technik aber ich kenne keine bessere Analogquelle. Zumindest habe ich keine in meiner Anlage.

Nochmals vielen Dank an Gert, das war eine Menge Arbeit – aber es ist sehr, sehr gut gelungen!

Viele Grüße
Harald
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