G-Upgrade möglich beim Oppo UDP-205?

Gerts Modifikationen

G-Upgrade möglich beim Oppo UDP-205?

Beitragvon Fortepianus » 13.06.2017, 08:11

Liebe Gertifizierungs-Freunde,

wie im Thread über den Oppo UDP-205 ja schon festgestellt, hat dieses Gerät ziemlich gute Audiogene. Oppo hat die Abstufung der Lautstärkeeinstellung mit dem letzten FW-Update wieder auf 0,5dB pro Schritt gesetzt wie schon beim Oppo BDP-105. Hier ein Bildchen von meinen Pegelmessungen:

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Jetzt wird es Zeit für eine Bestandsaufnahme innen. Die mechanische Konstruktion ist ein bisschen verändert und massiver als früher ausgeführt, so muss man auch nicht mehr die ganze Haube runtermachen, wenn man an die Innereien will, sondern hebt nur einen Deckel oben ab:

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Übersicht innen:

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Was fällt auf? Die Anordnung ist fast genauso wie schon vom 105 bekannt, unten die Videoabteilung, links hinten die Netzteile, wieder ein Ringkerntrafo für die Audiofraktion links vorne, in der Mitte vorne das Laufwerk und oben drauf die beiden Audioboards. Da muss man schon genau hinsehen, um die Unterschiede zum Vorgänger überhaupt zu erkennen. Stereo-Board im Detail:

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Die analoge Ausgangsstufe sieht zumindest auf den ersten Blick exakt so aus wie beim 105, die dicken Masseschienen, die I/V-Wandler mit LM4562 und ein symmetrischer Ausgangstreiber. Der hat allerdings das Etikett gewechselt. Vorher kam ein LME49724 zum Einsatz, jetzt ein Burr Brown OPA1632:

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Der BB kann locker den doppelten Strom treiben im Vergleich zum LME, nämlich 150mA, und ich bilde mir ein, das auch rauszuhören:

Fortepianus hat geschrieben:Noch etwas ist besser als beim originalen 105, zumindest an dem von mir getesteten XLR-Ausgang: Seine Ausgangsstufen sind kräftiger als die des 105. Dessen Ausgangstreiber verhungern bei mir im Hörraum an den ziemlich langen Kabeln zu den Boxen. Das ist deutlich besser beim 205.

Leider werden die Ausgangstreiber wieder durch nicht vorgespannte Elkos im Ausgang und recht üppigen 100 Ohm ausgebremst.

Der Hauptunterschied liegt aber im verwendeten DAC-Chip samt Clock. Schauen wir uns das mal näher an:

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Wie man sieht, sieht man nichts, denn der DAC ist mit einem Schaumstoffwürfelchen bedeckt. Wegen Mikrofonie? Oder vielleicht, damit es ihn nicht friert, wenn's zieht? Lacht nur, was ich da so salopp dahin schreibe, habe ich tatsächlich beim Vorgänger erlebt, auch wenn weniger beim DAC-Chip als vielmehr bei der Clock: Wenn man dort bei geöffnetem Gerät den Quarzschwinger leicht anpustet oder den Finger drauflegt, ändert der geringfügig seine Temperatur, damit genauso geringgfügig seine Frequenz und das bringt tatsächlich den ES9018 ganz kurz aus dem Tritt, sprich, die Musik setzt für den Bruchteil einer Sekunde aus. Ich habe dem Quarz deshalb dort auch so ein Schaumstoffhäubchen aufgesetzt, nachdem ich das bemerkt hatte. Wer weiß, vielleicht hat das ja einen ähnlichen Grund hier. Der DAC ist jedenfalls die neueste Generation von ESS, nämlich der ES9038PRO.

Interessant, denkt man da, lade ich doch mal schnell das Datenblatt runter und schaue mir den genauer an. Nix Datenblatt, das gibt's nicht frei verteilt! Ich wollte mir das schon im Vorfeld anschauen, bevor der 205 rauskam, und stellte fest, dass man dazu eine Anfrage bei ESS machen muss. Dann kriegt man aber das Datenblatt immer noch nicht, sondern eine Geheimhaltungserklärung zugeschickt, nicht als Privatperson, nur als Firma. Die habe ich dann unterschrieben, und irgendwann kam dann das Datenblatt mit Wasserzeichen auf jeder Seite mit meinem Firmennamen, damit ich das ja nicht so einfach weitergeben kann. Hat wohl irgendwelche patentrechtlichen Gründe, wurde mir erläutert.

Ich schaue mir also dieses Datenblatt genauer an, liest sich alles exzellent. Interessant ist für mich, welche Taktfrequenz der ES9038 gerne hätte. Es ist so: Gibt man am Mainclockeingang das synchrone 128fache der LR-Clock rein, wird der Sampleratenkonverter abgeschaltet. Ist die Taktfrequenz >128fs, wird der ASRC aktiv. Ich messe also zunächst die Taktfrequenz:

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Genau 100MHz, das maximal Erlaubte. Das hat Oppo offensichtlich auch gelernt, dass 54MHz beim Vorgänger ein unglückliche Wahl war und mehr in dem Fall besser ist. Damit ist klar, dass der interne ASRC des ES9038 verwendet wird. Der im Vorgänger ES9018 hatte nicht den allerbesten Ruf, aber vielleicht ist der hier ja besser. Es kommt neben den verwendetem Algorithmen auf die Rechentiefe des dazu notwendigen FIR-Filters an, und dazu braucht es Rechenpower.

Der Quarz selbst sitzt unter einer Blechhaube. Das schirmt ihn elektrisch und thermisch gut ab. Die Haube wäre wahrscheinlich nicht zerstörungsfrei runter zu kriegen, da müsste man vermutlich recht lange mit Heißluft drauf rumbraten, und dann ginge alles mögliche in der Peripherie auch mit runter. Ich beschränke mich deshalb auf Schlüsse, die man von außen ziehen kann.

1. Es kommt kein Quarzoszillator (XO) zum Einsatz, sondern ein schlichter Schwingquarz, und den Oszillator bringt der ES9038 mit. Man sieht nämlich keine Versorgung reingehen in die Blechdose, und Pin 25 des Chips, nämlich die Versorgung des Chip-internen Oszillators, ist mit 3,3V versorgt.

2. Der Quarz ist, was man aus dem Hörtest schließen kann, von sehr guter Qualität (jitterarm).

Die Güte der Versorgungsspannung des internen Quarzschwingers ist ebenso wichtig wie die der analogen Referenzspannung des DA-Wandlers. Ich messe beide mit meinem rauscharmen x1000-Differenzmessverstärker (danke nochmal für die Platine dafür, Daniel!). Zunächst die DAC-Analogspannung, die links und rechts aufwändig getrennt geregelt wird mit einem OPA1642:

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Das ist exzellent und liegt in der Gegend meiner Messgrenze, die bei ein paar µV liegt. Man beachte, dass ein Kästchen in vertikaler Richtung nur 50µV sind. Die Clockspannung:

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Also da hätte ich den gleichen Aufwand erwartet wie oben - ist aber offensichtlich nicht so. Dennoch, 250µV Spitze-Spitze als Ripple ist nicht so schlecht.

Was auch auffällt: Der Kopfhörerverstärker hat eine dicke diskrete Ausgangsstufe spendiert gekriegt:

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Auch die Spannungsversorgung für's Analogteil sieht besser aus als beim Vorgänger, gute Regler, dicke Elna-Elkos.

Auf dem Surroundboard das gleiche in grün. Der DAC, auch ein ES9038PRO, anders als beim 105 jetzt auch auf dem Surroundboard mit eigener Clock, auch wieder in der Blechdose. Als OPs kommen aber keine LM4562 zum Einsatz, sondern OPA1642.

Surround-Board:

Bild

Auch gut: Es kommen jetzt in allen Kanälen Mutingrelais zum Einsatz, die vier weißen Klötzchen oben im Bild. Früher hat man sich das nur bei den Frontkanälen gegönnt, jetzt auf allen.

Mal überlegen, was man da noch alles machen könnte.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon RS.schanksaudio » 13.06.2017, 09:04

Fortepianus hat geschrieben: Der im Vorgänger ES9018 hatte nicht den allerbesten Ruf, aber vielleicht ist der hier ja besser.

Naja, technisch hat der einen sehr guten Ruf! ESS hat mit 9008/9018 im Grunde die ganze HighEnd-Branche in den letzten 10 Jahren damit umgekrempelt und konnte damit auch ein neues Preisniveau (> 50 USD pro IC, Mitbewerber min. Faktor 2 darunter) durchsetzen.

Es ist aber auch eine Frage der Alternativen, Cirrus/Wolfson und TI/BurrBrown haben im Grunde kaum noch Interesse an HighEnd und die Entwicklung stark zurückgefahren (zu kleiner Markt). Einzig AKM hält mit ESS in der Weiterentwicklung und Neuproduktausstoß noch Schritt, ich denke die beiden werden den Markt die nächsten Jahre dominieren.

Der bisweilen polarisierende Ruf kommt eher von der suboptimalen Implementierung und die ist eben wichtiger als der DAC-IC selbst. Die Implementierung hängt wiederum an der Dokumentation, die wie schon erwähnt NDA-geschützt nicht frei verfügbar ist. Daher ist bei ESS die Anzahl der Designs, insbesondere im nicht- oder semi-professionellen Kontext, die eher "aus dem Bauch heraus" als nach genauen Spezifikationen des ICs gebaut sind, relativ hoch und damit oftmals weit unterhalb des möglichen Potenzials. Wie eine nahe des Optimums aussehende Implementierung der ESS-ICs aussehen, zeigen beispielsweise Weiss oder Merging Technologies.

Aufgrund der nicht zugänglichen Infos zum Verhalten des ES9038 wäre es mE kaum möglich hier Verbesserungen einzubringen, weil eben im Detail nicht bekannt ist wie der IC darauf reagiert. Selbst wenn man die gesamte Schaltung reverse-engineerit, neu-durchsimuliert und zig neue Bauteile ausprobiert würden, bräuchte man einen Messgerätefuhrpark vom Schlage eines APx555 (> 50T €) um den Fortschritt der eigenen Modifikationen substantiiert validieren zu können (immer vorausgesetzt man arbeitet auf Basis der Korrelation von Messergebnissen zu Klang). Im Grunde wäre der Aufwand ähnlich hoch wie eine Neukonstruktion, in die OPPO sicherlich Mannjahre an Ingenieuren gesteckt hat (wobei sich dann die Frage stellt, lieber Gert, ob wir mal einen DAC o.ä. komplett von Dir konstruiert sehen?).

Das soll keine Entmutigung oder Kritik darstellen, aber ein "reality check" zum Aufwand wenn man professionelle Designs auf dem hier vorliegenden Niveau verbessern will.


Viele Grüße
Roland
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Beitragvon Fortepianus » 13.06.2017, 13:44

Hallo Roland,

RS.schanksaudio hat geschrieben:Der bisweilen polarisierende Ruf kommt eher von der suboptimalen Implementierung und die ist eben wichtiger als der DAC-IC selbst.

das stimmt schon. Dennoch interessant, dass bei den vielen DAC-Vergleichstests hier im Forum wie z. B. bei Fujak auch die besten DAC-Aufbauten mit ESS nicht ganz an die Geräte herankamen, die mit ähnlicher Akribie aufgebaut waren, aber mit BB PCM1704 oder PCM1794A bestückt wurden. Der DAC im Oppo scheint mir auch recht gut gemacht. Deshalb bin ich gespannt, ob er mit den besten BurrBrown-DACs wird mithalten können, auch wenn man da vielleicht noch ein bisschen Hand anlegen muss. Es ist ja nicht so, dass die Entwicklungsingenieure der DACs alle keine Ahnung hätten, sondern sie haben eben finanzielle Rahmenbedingungen, die sie einhalten müssen. Wenn da einer vorschlägt, für jeden DAC-Kanal (es gibt 14 im Oppo 205) eine passive I/V-Lösung mit einem Lundahlübertrager für jeweils einen dreistelligen Nettobetrag (im Einkauf) reinzumachen, schicken sie ihn zum Psychiater auf die Couch. Da würden die Kosten für diesen Schaltungsteil bereits den Verkaufspreis im Handel übersteigen.

Fortepianus hat geschrieben:Damit ist klar, dass der interne ASRC des ES9038 verwendet wird. Der im Vorgänger ES9018 hatte nicht den allerbesten Ruf, aber vielleicht ist der hier ja besser. Es kommt neben den verwendetem Algorithmen auf die Rechentiefe des dazu notwendigen FIR-Filters an, und dazu braucht es Rechenpower.

Ich hatte hier aber nicht von den Wandlereigenschaften des DACs gesprochen, sondern von seiner eingebauten Sampleraten-Konvertierung. Die ist in eigentlich allen mir bekannten DAC-Chips suboptimal. Linn löst das beispielsweise so, dass ein dicker Prozessor das Upsampling rechnen darf und im DAC-Chip dahinter das Upsampling abgeschaltet wird. In die relativ kleinen DAC-Chips passt einfach nicht so viel Rechenpower rein.

RS.schanksaudio hat geschrieben:Aufgrund der nicht zugänglichen Infos zum Verhalten des ES9038 wäre es mE kaum möglich hier Verbesserungen einzubringen, weil eben im Detail nicht bekannt ist wie der IC darauf reagiert.

Nun, das Datenblatt habe ich ja wie schon gesagt. Wenn man eine gute Analogstufe dahinter baut, ist das dem Chip rückwirkend egal, solange die Last stimmt, die er am Ausgang sieht.

Bin schon eifrig am Löten - bald mehr auf diesem Kanal.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon Fortepianus » 15.06.2017, 20:54

Liebe G-Oppo-Fans,

halten wir mal fest, wo es offensichtlich noch was zu tun gibt beim 205:

1. Versorgung des Clockoszillators im ES9038 verbessern
2. Ausgangselkos raus und dicke Ausgangsstufen rein

Zunächst habe ich die Audioboards rausgeschraubt. Sie sind massiver befestigt als beim 105 mit zusätzlichen geschraubten Masseverbindungen zum Gehäuse, das wiederum eine Masseklemme für eine zusätzliche Erdung spendiert gekriegt hat. Das schätze ich sehr, denn ich habe bei mir alle Geräte zusätzlich zu der Schutzerdeverbindung im Netzkabel mit 6mm²-Erdkabel an einer gemeinsamen Erdungsschiene angeschlossen - das macht zumindest bei meiner Anlage einen klaren Schritt nach vorn und Unterschiede zwischen verschiedenen Netzkabeln zunichte.

Das Stereo-Board ausgebaut. Man erkennt in der Mitte zwei silberne Polymerelkos (die mit 7mOhm Innenwiderstand) am ES9038 angeflanscht von mir für die Stütze der Analogspannung:

Bild

Auf dem Stereoboard sind jetzt auch die Audio-Digitaleingänge beheimatet, dafür ist die Erweiterung oben rechts.

Ich halte mal eine Stereo-Up1-Platine hin und stelle fest, dass die dicken Elnas im Weg sind:

Bild

Nun, was soll's, die Stereo Up1-Platine zurechtgeschnitten:

Bild

Oben rechts im Bild war mal die Clockversorgung für die 80MHz-Clock auf dem Up1-Board. Die Clock ist ja ok jetzt im 205, da braucht es die Clockversorgung für das Stereoboard nicht mehr. Nun den Oppo vorbereitet für das Up1. Man sieht oben im Bild, vor den analogen Stereo-Ausgangsbuchsen, die entfernten Ausgangselkos. Unten auf der Platine, nicht sichtbar im Bild, sind die 100 Ohm Ausgangswiderstände mit Silberdraht überbrückt.

Bild

Stereo Up1 eingebaut:

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Das passt fast im Lochabstand! Wenn man die Löcher mit einer Rundschlüsselfeile nur ein klein wenig bearbeitet, passt das perfekt.

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Antreten zum Hörtest:

Bild

Das brachte mehr Punch im Klang. Bass straffer, Instrumente klarer. Ich probiere noch was aus: Ich klemme die nur mittelmäßige Versorgung des internen Clockgenerators des ES9038 ab und versorge das mit der bisher arbeitslosen 3,3V-Vorsorgung auf dem Up1-Stereoboard. Da sitzt eine fünfstufige exzellente Reglereinheit, die mit diversen Längs-Querreglern auf einen Restripple im einstelligen uV-Bereich kommt:

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Damit gewinnt die Wiedergabe noch etwas an Präzision, was für weiter verringerten Jitter spricht.

Verglichen mit meiner Stereo-Referenz G-ADS DAC ist er aber etwas grobkantiger und die Klangfarben nicht so schön ausgeprägt. Also werde ich als nächstes noch das Stereo-Up2 reinmachen.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon RS.schanksaudio » 17.06.2017, 08:58

Hallo Gert,

vielleicht etwas Input wie stark hier die Einfluss der Software hier wiegt kann – anbei ein paar Messungen des sehr artverwandten Oppo Sonica DAC (ebenfalls ESS 9038PRO) von Archimago, der sich mit dem Thema mE recht substanziiert auseinandersetzt:

Alter Softwarestand:
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Neuer Softwarestand:
Bild

Der erste Verdacht:
"My suspicion is that Oppo is not utilizing the standard filters for the ESS DAC chip and instead is doing some kind of low quality upsampling itself. "
Quelle: http://archimago.blogspot.de/2017/05/pr ... o-for.html

Möglicherweise (mE sehr wahrscheinlich) driften die Performance-Unterschiede auch beim Oppo UDP-205 je nach Softwarestand messtechnisch ebenfalls weiter auseinander.

Siehst Du selbst in diesem Fall eine Korrelation zwischen (diesen oder anderen) Messwerten und dem subjektiven Klangempfinden? Und falls ja, wird es eine solche messtechnische Validierung der Hardware-Modifikationen geben?

Viele Grüße
Roland
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Beitragvon Fortepianus » 19.06.2017, 08:41

Hallo Roland,

danke für die gezeigten Messkurven. Sie zeigen den typischen Unterschied zwischen verschiedenen Digitalfiltern.

RS.schanksaudio hat geschrieben:Der erste Verdacht:
"My suspicion is that Oppo is not utilizing the standard filters for the ESS DAC chip and instead is doing some kind of low quality upsampling itself. "
Quelle: http://archimago.blogspot.de/2017/05/pr ... o-for.html

Das kann ich für den Oppo 205 ausschließen. Er verwendet das Chip-interne Upsampling. Das ist einfach daraus zu schließen, dass die Clockfrequenz konstant bei 100MHz liegt, egal, welche Samplingrate man dem DAC gibt. Will man das interne Upsampling nämlich ausschalten, muss die Clockfrequenz auf einen festen Wert synchron zur Wordclock gesetzt werden. Detektiert der Chip diese Frequenz, schaltet er das interne Upsampling aus. Das ist hier nicht der Fall. Dazu bräuchte er eine programmierbare Clock, was er nicht hat. Auch ein Upsampling mit ASRC davor mit fester Ausgangsfrequenz kann man ausschließen - denn mit 100MHz läuft der Chip nur, wenn seine internen Digitalfilter und der ASRC laufen. Den Oppo Sonica DAC hatte ich noch nicht bei mir, aber was ich auf Bildern der Platine gesehen habe, lässt auf eine ähnliche Beschaltung des ES9038 schließen wie im Oppo 205. Ich habe vielmehr einen anderen Verdacht: Beim ES9038 kann man per Software verschiedene Digitalfilter wählen und bei der anderen Firmware kam eben ein anderes zum Einsatz. Beim Oppo 205 kann man die Filter im Setup einstellen, und alle einstellbaren Filter habe ich im Datenblatt des ES9038 gefunden. Sie unterscheiden sich tatsächlich beträchtlich in der Dämpfung im Sperrbereich zwischen <-120dB bis <-82dB.

RS.schanksaudio hat geschrieben:Siehst Du selbst in diesem Fall eine Korrelation zwischen (diesen oder anderen) Messwerten und dem subjektiven Klangempfinden?

Ich habe die Filter alle durchprobiert. Es gibt im Wesentlichen fast oder slow (was die Flankensteilheit betrifft), brick wall, min-Phase und lin-Phase und allerlei Kombinationen davon. Standard ist min-Phase fast. Slow klingt ein bisschen weicher, aber auch blasser im Hochtonbereich, "lin-Phase fast" gefällt mir an meiner Anlage am besten. Aber die klanglichen Unterschiede sind klein - viel kleiner als der Unterschied, den ich beispielsweise bei einer besseren Analogstufe empfinde.

Viele Grüße
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Beitragvon Fortepianus » 20.06.2017, 09:01

Liebe Thread-Verfolger,

inzwischen habe ich auf Anregung eines Mitforisten mal in den Thread geschaut, der gerade im DIY-Forum läuft über den Oppo 205. Bzgl. der Klangeinstufung kamen die dort zu einem ähnlichen Ergebnis: Besser als der 105 mit vor allem viel besserer Bühne und Präzision, aber mit recht kühler digitaler Note. Nett zu lesen, wie einer der Herren dort mühsam den Abschirmdeckel über dem Oszillator zerschnitten hat, um die Frequenz auf dem Quarz ablesen zu können (100MHz). Hätte er einen Oszi an Pin 24 des Chips gehalten und dort die Frequenz abgelesen, hätte er sich diese Arbeit ersparen können. Ansonsten sind dort die üblichen Aktivitäten zu sehen: Netzteile frisieren oder ersetzen, Elkos mit Folien-Cs parallel schalten und seitenlang darüber diskutieren, welche Clock man ersetzen könne. Mein Tipp, falls jemand von dort sich hierher verirren sollte (was aufgrund des Deutschen hier aber nicht sehr wahrscheinlich ist): Lasst die Clocks drin, Jungs, die sind gut. Was ebenfalls diskutiert wird: Die I/U-Wandlung mit LM4562 ist nicht optimal. Es hat sich bisher dort aber keiner über den theoretischen Disput hinaus gewagt.

Ich schon. Ich habe nun auf dem Stereoboard beherzt die Analogleitungen, die aus dem Stereo-DAC-Chip kommen, frei gelegt und mit einem superfeinen Fräseraufsatz für meinen kleinen Dremel durchgeschnitten. Im 105 waren diese Leitungen so dünn, dass ich das unter dem USB-Mikroskop machen musste. Das anschließende Kontaktieren dieser ultradünnen Bähnchen unterscheidet dann den geübten vom weniger geübten Lötkolbenhalter. Im 205 sind diese Leiterbahnen etwas breiter als früher im 105, was die Arbeit daran deutlich komfortabler macht.

Der Aufbau der Stereo-Analogabteilung ist ähnlich wie schon im Vorgänger:

Je ein Kanal pro Stereohälfte beliefert den XLR-Ausgang, je einer den Cinchausgang und je zwei den KH-Ausgang, der übrigens deutlich zugelegt hat (wie schon erwähnt mit kräftiger diskreter Ausgangsstufe). Jeder dieser acht Kanäle ist symmetrisch ausgeführt. Dafür sind sechs OPs der Sorte LM4562 im Einsatz. Sechs, nicht acht, weil ja zwei Kanäle schon vorher parallel geschaltet wurden. Das sind Doppel-OPs - es sind also 12 sog. Stromsümpfe für die I/U-Wandlung (Strom nach Spannung) im Einsatz. Damit sind die vorhandenen 8 (symmetrischen) Kanäle verteilt. Und wie schon beim 105 frage ich mich, warum die Kanäle für Cinch und XLR nicht wie beim Kopfhörerausgang paarweise gebündelt werden und der Cinchausgang dann aus dem symmetrischen Kanal gewonnen wird. So mache ich das im Up2 für den 105.

Der Plan: I/U-Wandler-OPs der Cinchabteilung rauslöten. Die I/U-Wandler der symmetrischen Ausgänge komplett anders beschalten, so dass aus denen ein Umkehrverstärker wird und die vorhandenen Filter-Cs entfernen. Cinch-Ausgang aus dem symmetrischen desymmetrieren mit den vorhandenen OPs für den Cinchausgang. Die aufgetrennten Leiterbähnchen vom DAC-Chip an die Lundahlübertrager des Up2-Boards führen, das die passive Filterung, I/U-Wandlung und Dopplung der DAC-Kanäle macht. Dann aus dem Up2-Board wieder raus auf den neuen Umkehrverstärker auf dem vorhandenen Stereobaord, nach dem wie schon in einem Beitrag weiter oben beschrieben die Ausgangsstufen mit Netzteilen des Up1-Boards folgen.

Wie immer liegt die Tücke im Detail. Passt die passive Beschaltung, die ich ausgeklügelt hatte für den ES9018, auch für den ES9038? Letzterer liefert ungefähr den doppelten Ausgangsstrom, aber das lässt sich durch passende Dimensionierung angleichen. Aber es bleiben Fragezeichen: Darf man die Ausgänge vor den Lundahl-Übertragern mit passend gewählten Widerständen nach Masse ziehen? Mancher DAC-Chip verübelt eine solche Maßnahme, der ES9018 läuft damit erst zur vollen Performance auf. Geht das auch beim ES9038?

Also erstmal alle Audioplatinen wieder raus. Unten sieht man das Video-Board. Die Prozessoreinheit sitzt unter einem dicken Kühlkörper:

Bild

Oben links im Bild ist ein Up2-Board, das ich zunächst nur für die beiden Stereokanäle bestückt habe. Warum nur Stereo und nicht gleich auch Surround? Wenn das beim Stereobaord klappt, klappt das auch beim Surroundboard, das ist genauso aufgebaut. Und zum Experimentieren sind zwei Kanäle deutlich einfacher in den Griff zu kriegen als gleich alle Kanäle. Die Up2-Platine passt genau wie beim 105 perfekt auf das Laufwerk! Es wird mit kräftigen Klettbändern darauf befestigt, das entkoppelt das Up2-Board sehr gut mechanisch vom Rest.

Hier nun das Ergebnis meiner Bemühungen, noch ohne eingebautes Surroundboard. Das kann man zum ersten Messtest nämlich ganz weglassen, der Oppo spielt auch ohne. So kann ich messen und bei Bedarf schneller wieder an die Stereo-Platinen drankommen:

Bild

Klar, dass das erstmal nicht so läuft wie gedacht - links kommt Signal, rechts nicht. Weil ein Pfad invertiert ist im Vergleich zum 105, wie sich rausstellt. Bei der Bündelung der Kanäle gilt normalerweise 1+1=2, aber 1-1 ist eben 0. Einmal umpolen und es läuft. Aber wie im Sinus-Burst-Test zu sehen natürlich jetzt insgesamt invertiert etc., ich erspare Euch den Bericht über die üblichen Tiefschläge bei Erstinstallationen. Und natürlich stimmen die Pegel vorne und hinten nicht, aber das ist einfach hinzukriegen. Wichtig: Das Runterziehen der Ausgänge Richtung Masse klappt genau wie beim ES9018!

Alles eingemessen und der Vollständigkeit halber das Surroundboard auch wieder reingeschraubt:

Bild

Hörtest folgt!

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon rolodex » 20.06.2017, 11:46

Jetzt weiß ich was mir in diesem Forum lange gefehlt hat. Gert's Upgrade-Berichte, die sich für mich lesen wie ein spannender Krimi. Mit einem Unterschied - während der Krimi langsam in Vergessenheit gerät, kann mit Gert's Upgrades lange Zeit Spaß haben. :cheers:

Schöne Grüße
Gerd

PS.: Ich hoffe, der G-Oppo 205 wird nicht entscheidend besser als der (mein) G-Oppo 105 :wink:
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Beitragvon DSchlappohr » 20.06.2017, 15:01

Die spannenden Upgrade-Forschungen gehen weiter, danke daß du uns daran teilhaben läßt.

Mein G-oppo 105 zittert schon um seinen Platz im Scheibendreher-Olymp :wink:

Habe den thread mal verlinkt und lasse die virtuellen Piloten im EDDE-Forum mitfiebern...da bin ich ja schon als Audioverrückter bekannt:
EDDE-Forum

Schöne Grüße,
Reinhard
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Beitragvon Fortepianus » 21.06.2017, 11:48

Hallo Gerd und Reinhard,

danke für die nette Aufmunterung. Also ein erster Hörtest. Der G-Oppo 205 mit Stereo Up1+2 hat mit noch geöffnetem Deckel auf dem kleinen Holzregälchen links unter dem 80"-Monitor Platz genommen:

Bild

Sorry für die schiefen fliehenden Kanten, hab' gerade kein Bearbeitungsprogramm zur Hand:

Bild

Darunter im Holzregal steht mein G-ADS1 DAC und mein Oppo G-HA 1. Links davon im Wandregal, hier durch die linke AGM 7.4 verdeckt, steht der G-Oppo 105 und der G-ADS2 DAC. Für den Hörtest vorgesehen sind:

1. G-Oppo 105 Up 1+2, XLR-Ausgang
2. G-Oppo 205 Up 1+2, XLR-Ausgang
3. G-ADS2 DAC, XLR-Ausgang, Stellung -12dB, kein MS

Es geht hier zunächst nur um Stereo-Streaming mit verschiedenen flac-Dateien. Alle drei Geräte gehen mit meinen selbstgestrickten Standard-XLR-Kabeln an die Umschaltanlage, alle drei sind an der zentralen Masseschiene über ein 6mm²-Erdkabel zusätzlich zum Netzkabel geerdet. Gleiche Bedingungen für alle also.

Das Bild mit der Gesamtansicht zeige ich aber aus einem speziellen Grund. Vielleicht hat sich mancher gefragt, was denn das für Messgerätchen sind, die am Fuße der AGM vor den Blumentöpfen zu sehen sind. Nein, damit wird nicht die Feuchtigkeit der Blumenerde gemessen, es sind Multimeter mit einem true-RMS-Messbereich, ein Wechselspannungsmessbereich zur Pegelmessung also. Alle Lautsprecher im Raum haben über die Umschaltanlage ansteuerbare Wandbuchsen (XLR, Schaltleitung, VBA-Hin- und Rückleitung). Vorne gibt es zwei solcher Wandbuchsen, sie rahmen die im Bild zu sehenden Doppelsteckdosen neben den Lautsprechern bzw. Blumentöpfen ein. An diese zweiten Wandanschlüsse könnte man nun ein zweites Lautsprecherpaar zu Vergleichszwecken anschließen, oder, wie standardmäßig in meinem Hörraum, eben diese Multimeter mit einem dafür konfektionierten XLR-Messkabel. Das erlaubt ein ganz schnelles Abgleichen der Pegel bei unterschiedlichen Quellgeräten: 1kHz-Sinus mit 0dBFS abspielen und Pegel ablesen. Die Pace gibt der G-DAC vor, weil ich Stereomaterial fast immer mit ihm höre und für meine Teststücke genau die passende Lautstärkeeinstellung kenne. Bei Stellung 83 und geschaltetem -12dB-Abschwächer liefert er 1518mV auf beiden Kanälen an die Messgeräte. Bei den Oppos kann man die Lautstärke in 0,5dB-Schritten einstellen und muss eben den dazu am nächsten liegenden Wert nehmen. Beim G-105 sind das dann 1523mV, beim G-205 1480mV. In dB:

1. G-105 +0,028dB (Stellung 87)
2. G-205 -0,22dB (Stellung 86)
3. G-DAC 0dB als Referenz (Stellung 83)

Ausgehend von dieser Einstellung ist ein Schritt beim G-DAC 1dB, bei den Oppos 0,5dB. Ob der etwas niedriger eingestellte Pegel sich beim 205 sich gehörmäßig auswirkt, wird sich zeigen. Wenn ja, könnte ich den Pegel noch mit den Trimmpotis innen anpassen.

Ich habe nun in den letzten Tagen immer wieder mit dem G-205 gehört. Natürlich hängt viel von der Wahl der geeigneten Testmusik ab. Da der 205 schon im Original eine erheblich größere Bühne aufbaut als der 105, habe ich zunächst zwei Musikstücke ausgewählt, die besondere Ansprüche an die Anlage stellen, was räumliches Auflösungsvermögen betrifft:

Jazz at the Pawnshop, Lady Be Good, 88,2kHz/24bit:

Bild

Sitzt man drin oder an der Tür, ist die immer gleiche Frage. Wie groß ist der Jazzclub. Tanzt das Klavier vor mir hin und her, oder steht es stabil auf dem Boden. Strahlen die Becken hell und klar. Sind die Nebengeräusche natürlich, laden sie zum reinhören in die Atmosphäre ein, oder sind sie lästig. Klingt das Sax natürlich, ist die links-rechts-Bewegung von Arne Domnerus beim Spiel flüssig und natürlich, strahlt das Vibraphon energiereich und sauber usw.

Chabrier, España, 192kHz/24bit:

Bild

Diese exzellente Aufnahme von Ralf Koschnicke, die direkt mit 192/24 aufgezeichnet wurde, zeigt schon bei den ersten Tönen (Geigen-Pizzicati) die Breite der Raumausdehnung. Setzen dann die Bläser hinten halb rechts ein, hat man die Tiefenausdehnung des Orchesters.

Zunächst also "Lady Be Good" über den G-105. Gewohnt sauber, schöner homogener Raumeindruck. So kenne ich das Gerät.

Nun der G-205: Der Raum ist deutlich angewachsen in jeder Dimension. Der Klang ist heller, dabei selbstverständlicher. Die Becken strahlen heller, die Klavieranschläge klingen praller. Interessant: Gemessen hatte ich, dass der G-205 ca. 0,25dB leiser ist ist der G-105. Gewettet hätte ich ohne dieses Wissen, dass sein Pegel höher ist und hätte ihn wahrscheinlich eine Stufe, also 0,5db runtergedreht. Was falsch gewesen wäre. Es geht eben nichts über eine saubere Pegelmessung vorher.

Zum Schluss der G-Linn: Naja, das ist meine persönliche Referenz, auf die ich geeicht bin, deshalb bin ich wahrscheinlich da nicht wirklich neutral in der Beurteilung. Zunächst kommt der Raumeindruck aber nur knapp an den des G-205 ran, was mich etwas überrascht. Aber die Mischung aus Selbstverständlichkeit, Lockerheit und Präzision beim G-ADS2 DAC ist schon bemerkenswert.

Die España. Es gibt nichts zu meckern beim G-105, wenn man vorher nicht die zwei anderen Kandidaten gehört hat, ganz klar. Aber der G-205 spannt sofort eine ganz andere Raumbreite und -tiefe auf als der 105, und das macht er auch noch besser als der G-DAC, bei dem das Orchester kompakter zusammensitzt. Aber die wichtigste Stelle in der Partitur für Streamervergleiche kommt für meine Ohren erst nach den Bläsern, die aus der Tiefe hinten rechts kommen: Es ist eine Harfe halb links im Bild. Zur Einordnung der gehörten Unterschiede kann vielleicht der folgende Vergleich dienen: Bei einem sicher nicht schlechten Streamer wie einem originalen Linn Akurate DS1 lehnt man sich beim Harfeneinsatz unwillkürlich etwas nach vorn, weil man wissen möchte, was das denn für ein Instrument ist, das jetzt das Thema spielen darf. Ist es eine mittelalterliche Laute? Möglich. Eine Harfe eher nicht, denn der zugehörige Klangkörper fehlt. Hört man das auf einem originalen Oppo 105, tritt dieses Instrument so verwaschen in den Hintergrund, dass man eigentlich gar nicht richtig drauf achtet. Ganz anders bei allen drei Kandidaten hier: Es ist klar und deutlich eine Harfe, und ich muss mich dazu auch nicht vorbeugen, bei keinem der drei. Aber der G-205 stellt sie plastischer hin als der G-105. Und wenn danach alle Orchestermitglieder mitmachen dürfen beim Tutti, bleibt die Ordnung deutlich besser erhalten als beim G-105. Hier hört man den Fortschritt des ES9038 gegenüber seines Vorgängers ES9018 deutlich. In dieser Disziplin (Ordnung halten bei Fortissimo-Einsatz eines Großorchesters) aber hängt der G-Linn die beiden anderen nochmal ein Stück ab: Völlig unspektakulär blasen halt alle ins Rohr oder spielen auf welchem Instrument auch immer in voller Lautstärke, aber das tendiert niemals in Lästige oder Angestrengte. Die Bläser sind ähnlich tief lokalisiert wie beim G-205. Der spielt gegenüber dem G-105 neben den räumlichen Aspekten vor allem hörbar frischer und klarer.

Soweit mal eine erste Einschätzung. Ich werde in den nächsten Tagen weitere Vergleiche anstellen. Nach den hier gehörten komplexen Sachen, die eigentlich die Königsdisziplin eines DACs oder Streamers darstellen, will ich noch ein bisschen in kleinere Ensembles reinhören, Jazztrios, kleine Streicherbesetzungen, Klavier solo, Stimmen. Da geht es dann eher um Klangfarben als um das letzte Auflösungsvermögen wie hier.

Viele Grüße
Gert
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Surround-Upgrade

Beitragvon Fortepianus » 23.06.2017, 16:44

Liebe G-Oppo-Liebhaber,

die weiteren Hörtests brachten eigentlich nichts Neues zu Tage: Der G-Oppo 205, den ich der Einfachkeit halber G-Oppo2 nenne, profitiert vom Stereo Up1+2 ebenso deutlich wie der G-Oppo auf Basis des BDP-105 - aber eben mit höherem Startniveau.

Nun mag man sich fragen, warum ich mich so mit dem Stereo-Upgrade 1+2 beim 205er abmühe, wenn ich doch hier schon eine ganz prachtvolle Stereomaschine stehen habe, nämlich meinen Linn G-ADS2 DAC. Nun, mein bisheriger G-Oppo durfte ja deshalb an der Anlage im Hörraum spielen, weil er noch so einiges mehr kann als der Linn:

1. Er spielt allerlei Silberscheiben ab
2. Er hat ein sehr gute Videoabteilung
3. Er kann Multikanal-Streaming, sogar Multikanal DSD
4. Er hat diverse Eingänge, so dass er als AV-Schaltzentrale taugt

Das heißt, ran an den Speck und auch die Surroundkanäle frisieren.

Schild habe ich zuversichtlich schon mal eins draufgeklebt, der Prototyp trägt bei mir immer die Seriennummer 0:

Bild

Als nächstes habe ich das Surround-Up1-Board mit den Spannungsreglern und Ausgangsstufen draufgehalten - passt vom Lochabstand her natürlich auch nicht wie schon beim Stereoboard, aber immerhin, so grob passt es drauf. Zwei Elkos sind noch im Weg, die ersetze ich durch zwei flach gelegte:

Bild

Die rot-braunen vorne sind die ausgelöteten, die schwarzen hinten sind die neuen (Panasonic FR, die nehme ich gerne wegen ihres niedrigen ESR).

Na also, jetzt passt's:

Bild

Das Befestigungsloch rechts hinten habe ich ein bisschen ausgefeilt und das links vorne neu gebohrt. Auf dem Oppo-Surroundboard unter meiner provisorisch aufgelegten Up1-Platine sieht man, dass ich bereits diese unsäglichen Ausgangselkos rausgelötet habe. So, und nun geht die Arbeit los, Up2-Platine auf 6 Kanäle bestücken, Surroundboard komplett umbauen an den DA-Wandler-Ausgängen, Leiterbähnchen auffräsen und kontaktieren, viele Bauteile raus, andere rein, und dann sieht das so aus:

Bild

Wer genau hinschaut, mag sich fragen, was die kleine Lochrasterplatine mit den vielen Widerständen und den zwei kleinen Schalterchen soll. Das ist eine Schaltung speziell für meinen Anwendungsfall. Erstens habe ich keinen Subwoofer und zweitens keinen Center. Einen Subwoofer vermisse ich bei 4 AGM mit insgesamt 12 geregelten Basstöpfen und zusammen 2,4kW Sinusleistung, die sie antreiben, nicht wirklich. Und einen Center habe ich zwar vorgesehen, was die Verkabelung anbelangt, aber eben keinen installiert. In so einem Fall kann man im Lautsprecher-Setup C und SW einfach auf "kein" setzen im Oppo, und die Signale werden auf die Fronts gemischt. ABER: Es klingt nun mal besser, wenn man diese Kanäle zuerst mit einem eigenen DA-Kanal wandelt und anschließend erst analog dazumischt. Und es hat noch einen Vorteil: Bei SACDs oder DSD-Multikanal-Streaming kann man im Setup einstellen, dass DSD ungeändert direkt gewandelt wird (das unterstützt der ES9038PRO). Andernfalls muss man die Wandlung nach PCM in Kauf nehmen, weil erst dann das Lautsprechermanagement aktiv wird. Ist ein ziemlicher Aufwand, aber ich wollte eben die Stereo- und Surround-Vollversion zu Testzwecken bauen. Deshalb werden also die komplett mit Up1+2 ausgebauten Kanäle C und SW auf die XLR-Ausgänge, die ich für die Hauptlautsprecher verwende, analog draufgemischt.

Noch ein zwei Impressionen des Umbaus aus der Nähe:

Bild

Bild

Man erkennt neben den Übertragern die vielen blauen Glimmerkondensatoren für die passive Filterung und die blauen 20Gang-Cermet-Trimmer für den kanalgetrennten genauen Pegelabgleich. Nun das Surround-Up1-Board angeschlossen:

Bild

Bild

Bild

Die beiden Zellkautschuk-Klötzchen dienen dazu, den Gerätedeckel, der nachher direkt über der Surround-Up1-Platine sitzt, etwas zu beruhigen. Oppo macht das serienmäßig ebenfalls mit kleinen Gummipuffern, die aber den Befestigungsbolzen für das G-Board weichen müssen.

Wenn der Deckel drauf ist, sieht nur noch der Kenner durch die Lüftungsschlitze, dass die Maschine nicht mehr serienmäßig ist:

Bild

Messtechnisch funktioniert alles, wie es soll. Die Ausgangsspannungen habe ich nun alle auf genau gleichen Wert abgeglichen. Ich bin nun ziemlich gespannt, wie Mehrkanal-Streaming auf dieser Kiste klingt und natürlich: Bisher hatte ich noch keine Gelegenheit, das Videobild des Oppo UDP-205 zu sehen. Dazu muss jetzt mein alter G-Oppo seinen Platz rausrücken und der neue darf dorthin. Das ist aber nicht in fünf Minuten umgesteckt - das steht jetzt am Wochenende auf dem Plan.

Viele Grüße und Euch allen ein schönes Wochenende
Gert
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Beitragvon makai » 25.06.2017, 01:54

Auf der Suche nach einem gescheiten KH-Amp bin ich auf den HA-1 gestoßen. Nach den ganzen Umbauten von dir hier, (auch den G-HA1 hab ich verfolgt), wäre es da nicht am besten (für mich), den 205er mit den upgrades zu bestücken Und DIESEN KH-Ausgang zu verwenden?

Wollte eigentlich einen KH-AMP, wg der balanced Anschlüsse, da diese im Klang besser sein sollen.

Auch könnte ich meinen Accuphase DP-510 CDP verkaufen. Nen Klangvergleich gegen den G-205 würd mich echt interessieren, denn es sind halt noch die älteren BurrBrauns im DP510 drin.

Als KH dienen HD 650 und HD 800S. Die wollt ich richtig zum Leben erwecken. Hatte damals nen Violectric 200 KH-Amp, aber habe keinen nennenswerten Unterschied zu meiner Accuphase Vorstufe gehört. Dann hab ich ihn wieder verkauft.

Viele Grüße
Sascha
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Beitragvon Fortepianus » 25.06.2017, 11:53

Hallo Sascha,

zunächst ein paar technische Details:

1. Der HA-1 hat einen sehr potenten KH-Verstärker drin, vollsymmetrisch bis zur 4pol. XLR-Ausgangsbuchse in voller ClassA-Verstärkertechnik. Das ist eine ganz andere Liga als der KH-Amp im 205.

2. Der UDP-205 hat zwar jetzt diskrete Leistungsverstärker am KH-Ausgang, die sind aber nicht symmetrisch. Scheidet also schon deshalb wahrscheinlich aus bei Dir.

3. Der Umbau von mir, sowohl Up1 wie Up2, betrifft im Wesentlichen die XLR- und Cinchausgänge. Der KH-Ausgang profitiert nur in sofern vom G-Upgrade, als die DAC-Chips bessere Versorgungsspannungen kriegen. Dafür lohnt sich der ganze Aufwand nicht.

4. Der Vorteil des 205 gegenüber HA-1 liegt in der DAC-Abteilung. Der HA-1 verwendet den ES9018, der beim G-HA besser versorgt wird und eine neue Clock kriegt, der 205 hat den neueren ES9038PRO. Was aber den Einsatz des G-HA als KH-Amp nicht schmälert - nutzt man seine Analogeingänge, ist er als KH-Amp für mich Referenz. Ich habe nie vorher einen KH-Amp gesehen, der so ungerührt meinen alten AKG K-1000 (symmetrisch) treibt. Da brechen die KH-Amps normalerweise alle ein. Das wäre sicher auch für Deinen HD800S fein.

Fazit: Das G-Upgrade bringt für den KH-Ausgang des Oppo 205 wenig. Der G-HA ist da ein anderes Kaliber.

@alle - es ist Wochenende:

Fortepianus hat geschrieben:Dazu muss jetzt mein alter G-Oppo seinen Platz rausrücken und der neue darf dorthin. Das ist aber nicht in fünf Minuten umgesteckt - das steht jetzt am Wochenende auf dem Plan.

Jaja, ich weiß, heul doch, stell dich nicht so an etc., aber wenn man einen als AV-Zentrale konfigurierten G-Oppo aus dem Regal zieht, sieht das halt so aus:

Bild

Einige Zeit später, nachdem der G-Oppo2 Platz genommen hat, sieht das schon wieder etwas bessser aus:

Bild

Wenn man nun noch die Pflanze, deren Ausleger ganz rechts im Bild zu ahnen sind, wieder davor stellt, sozusagen das Öko-Deckmäntelchen vor die bei Bedarf stromhungrige Anlage platziert, erstahlt das Anlagenregal wieder im grünen Licht der Aufgeräumtheit. Auch die AGM 7.4 links im Bild mit ihren 1400W sinus hat ja eine solche Öko-Deko :) .

Ich bin sehr auf das Bild des 205 gespannt. Ich fange also mit der aus meiner Sicht einfachsten Übung an, Fernsehen. Ich drücke auf meiner Logitech Harmony 950 (ausgerüstet mit Hub an der Anlage) die Schaltfläche Fernsehen. Funktioniert teilweise, aber der Oppo geht nicht auf den Eingang HDMI back. Klar, merke ich, ich muss die ganzen Harmony-Befehle nachher noch umprogrammieren von Oppo 105 auf 205. Ich schalte sozusagen zu Fuß, also per Oppo-Fernbedienung auf den HDMI back um, an dem mein SAT>IP-Tuner hängt. Nichts. Kein Bild, kein Ton, wir kommen schon, war doch mal vor Jahrzehnten ein beliebter Werbeslogan, den sich inzwischen auch die Intensivmediziner gerne zu eigen machen. Nichts außer einer weiß eingerahmten Box, in der mir der Oppo mitteilt, dass das HDMI-Signal inkompatibel sei. Geht das Theater wieder los, ich liebe HDMI mit seinem ganzen Kopierschutzgedöns. Aber sicher ist nur die Eingangsfrequenz irgendwie falsch. Stell das mal um im Menü der "Volksbox", wie mein SAT>IP-Tuner passend heißt, ohne das Bild zu sehen. Also HDMI-Kabel direkt an den letzten freien HDMI-Eingang des TV gesteckt, alles mögliche im Setup der Volksbox verändert und immer wieder umgesteckt auf den Oppo. Ich mach's kurz, es geht nicht. Der Oppo möchte das HDMI-Signal der Inverto Volksbox nicht, warum auch immer. Der 105 hat das ohne Gezicke genommen. Au Backe, das ist jetzt aber das KO-Kriterium für den 205, denke ich. Aber vielleicht ist ja der HDMI-Eingang schlicht defekt bei meinem Gerät. Ich stöpsle den Amazon Prime-Stick rein, da geht das 1a. Ebenso geht das Signal von AppleTV. Vielleicht das Kabel? Das hatte ich auch schon mal, dass es mit dem einen Kabel ging und mit dem anderen nicht. Vier verschiedene HDMI-Kabel zwischen Volksbox und Oppo 205 probiert. Immer der gleiche Text, inkompatibel.

Was mach ich denn jetzt? Wenn ich den 205 behalten will in der Anlage, muss ich mir was einfallen lassen. Direkt am Fernseher hat die Volksbox ja einwandfrei gespielt. Aber der Ton? Es gibt einen S/PDIF Koax-Ausgang am Inverto und der Koax-Eingang am Oppo ist noch frei. Also wird jetzt so verkabelt:

Oppo (Disks, Streaming): Ton raus an die AGM, Bild auf HDMI 1 am TV
AppleTV: Ton digital optisch an Oppo, Bild auf HDMI 2 am TV
MacMini: Ton USB an Oppo, Bild HDMI 3 am TV
Firestick: Bild+Ton an HDMI back Oppo
Sat>IP (TV): Ton digital koax an Oppo, Bild HDMI 4 am TV

Die Eingänge sind damit im Wesentlichen alle belegt. So, jetzt noch die Universal-Fernbedienung Harmony umprogrammieren. FB mit Mini-USB-Kabel an den Laptop, My Harmony aufrufen und die sog. Aktivitäten ändern, nämlich Oppo 105 raus und Oppo 205 dafür rein. Das geht ziemlich komfortabel. Alle 10 programmierten Aktivitäten durchprobiert und nach ein bisschen Feintuning (Delays etc.) läuft jetzt alles.

Ich mache es mir im Hörraum bequem und will jetzt endlich sehen, wie gut das Bild jetzt ist, nachdem einige Foristen schon begeistert davon berichtet haben. Allerdings kann mein TV kein 4K - aber was ist mit Bluray? Ich lege das Karajan-Gedächtniskonzert mit den Berlinern, Ozawa und Anne-Sophie Mutter ein. Gleich zu Beginn der Schwenk über den großen Saal des Wiener Musikvereins - wow. Bombenstabil, feinste Details und eine Tiefe, obwohl nur 2D. Wie ein superscharfes Foto. Das beeindruckt und das ist klar besser als beim 105, dessen Darbee-Schaltung genau an diesen Wand- und Deckendetails, über die die Kamera langsam schwenkt, gescheitert ist und weshalb man beim 105 genauso gut die erste 105EU-Version nehmen konnte wie die nachfolgende Version 105D - weil man das "D" eh ausschalten musste nach meiner Meinung. Der 205 zeigt kräftigere Farben und das Bild wirkt klar und plastisch wie eine hochaufgelöste Fotografie, ohne Zappeln an bewegten Kanten. Das ist ganz klar eine Steigerung gegenüber dem 105 - auch wenn ich 4K gar nicht testen kann, weil mein Bildschirm das nicht kann. Aber deshalb schleppe ich das 80-Zoll-Gerät jetzt noch nicht zum Elektroschrott.

Ok, das Bild ist klasse, aber das hat ja noch Zeit bis zum nächsten Kinoabend mit der Familie, um das genauer zu begutachten. Ich will jetzt endlich Mehrkanal-Musik hören und werde gleich darüber berichten, wenn ich das ausführlich getestet habe.

Viele Grüße
Gert
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Beitragvon makai » 25.06.2017, 12:56

Fortepianus hat geschrieben:4. Der Vorteil des 205 gegenüber HA-1 liegt in der DAC-Abteilung. Der HA-1 verwendet den ES9018, der beim G-HA besser versorgt wird und eine neue Clock kriegt, der 205 hat den neueren ES9038PRO. Was aber den Einsatz des G-HA als KH-Amp nicht schmälert - nutzt man seine Analogeingänge, ist er als KH-Amp für mich Referenz. Ich habe nie vorher einen KH-Amp gesehen, der so ungerührt meinen alten AKG K-1000 (symmetrisch) treibt. Da brechen die KH-Amps normalerweise alle ein. Das wäre sicher auch für Deinen HD800S fein.

Dann wäre das perfekte Duo, Musik über den G-205er analog über den G-HA zu hören.
Ansonsten, danke Gert, für die ausführliche Ergänzung. :cheers:
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Beitragvon Fortepianus » 26.06.2017, 09:15

Hallo Sascha,

makai hat geschrieben:Dann wäre das perpekte Duo, Musik über den G-205er analog über den G-HA zu hören.
Ansonsten, danke Gert, für die ausführliche Ergänzung. :cheers:

das wäre dann die ich-gönn-mir-ja-sonst-nix-Kombi :-).

Aber nun zu meinem Surround-Hörtest am Wochenende. Ich beginne den Samstagvormittag mit Olatundis Morgendämmerung:

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Das dritte Stück, Dawn (Idaji), ist perfekt für Mehrkanal. Circle of Drums, der Name ist Programm. Babatunde Olatunji mit seiner Truppe trommelt sich in Trance. Das klingt unglaublich gut und realistisch, die Jungs sitzen mit ihren "Buschtrommeln" im Kreis um mich rum. Eine dieser Buschtrommeln ist so eine Art Riesen-Tombak, nehme ich mal an, und sie hat einen so tiefen Bass, dass er mir direkt in den Magen fährt. Ohne Ansatz, trocken, ultratief. Das ist nur was für Anlagen, die bei 20Hz noch nicht einbrechen und dort auch kein Raummoden-Nachgewaber den Spaß verdirbt - Stichwort virtuelles Bassarray. Der G-Oppo2 liefert diesen Surround-Bass so satt und raumfüllend, wie ich das bisher nicht kannte in meinem Hörraum. Das perkussive Geklöppel und Geklingel, das auf diesem satten Bassteppich die erwachende Tierwelt in der Morgendämmerung hören lässt, ist ultrapräzise und exakt zu orten. Ich bin begeistert - das verspricht ein langes Surround-Wochenende zu werden.

Weiter mit leichter Kost. Elton John, Captain Fantastic And The Brown Dirt Cowboy:

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Das erste Stück auf der SACD ist sehr nett in Sourround, und der Sound ist spitze. Eltons Stimme ist so kompakt und hingenagelt in die Mitte - schließe ich die Augen, würde ich wetten, dass da ein Center steht, aus dem die Stimme kommt. Wenn ich nicht wüsste, dass da keiner steht. Die Raumabbildung und Fokussierung des G-Oppo2 ist spitze.

Mal Richtung Jazz driften. 4 Generations of Miles. Ihr kennt doch alle den Jazz at the Pawnshop. Da macht es Spaß, die Clubatmo zu hören, und man hat bei guten Anlagen das Gefühl, da drin zu sitzen. Diesen Atmosphärenklang kann man in Surround aber lässig toppen. Ron Carter, Jimmy Cobb, George Coleman & Mike Stern - There Is No Greater Love:

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Die Bühne vor mir, aber das Tassengeklapper und Geplauder rings um mich rum, bevor's losgeht, oder auch so mancher Zwischenapplaus in Surround vermittelt einen Sitzplatz ca. vierte Reihe Mitte.

Ich bleibe im Genre und wechsle zu Ray Brown, Monty Alexander, Russell Malone - Django:

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Der Flügel, der die Einleitung spielt, hat einen schönen Körper, dieses Warme, Satte in den unteren Mitten, das einen sofort unterscheiden lässt, ob da ein Klavier oder ein Flügel spielt. Und dann Ray Brown mit seinem akustischen Kontrabass! Das ist einfach ein Freude, wie der knarzt und knallt, bebt und lebt. Ich höre die ganze SACD zu Ende.

Kaffeepäuschen, dann Diana Krall - Temptation:

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Ja, kommt gut, aber mich nervt an der Aufnahme immer so ein bisschen das verzischte "sch" bei dem Wort "Temptation". Und da kann der G-Oppo2 gar nix dafür, das ist in Stereo auf dem Linn genauso. Diana Krall nagt da ein bisschen zu nah am Mikro. Ich gehe zu nordisch-ernsthafterem Jazz, Esbjörn Svensson Trio (EST) - Fading Maid Preludium:

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Musikalisch gewöhnungsbedürftig, wie die verklirrte E-Gitarre in die sanften Klavierklänge platzt, neben denen man gerade noch den Pianisten leise mitsummen hörte. Der G-Oppo2 liefert das gnadenlos, die E-Gitarre wird zu den eigenen blankgelegten Nervensträngen. Der G-Oppo2 bemüht sich erst gar nicht, das irgendwie zu beschönigen.

Das hier darf ja bei vielen Audiophilen nicht in der Liste fehlen, Allan Taylor:

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Genauso Steve Strauss - just like love:

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Ich höre in beide Scheiben nur kurz rein. immer wieder erheiternd, die Stockfisch-Aufnahmen. Günter Pauler mischt auf B&W ab, und in den Aufnahmen ist der Tiefbassabfall dieser Lautsprecher sozusagen vorentzerrt. Hört man das auf einer Anlage mit geregelten Aktiven, die zur Linearität bis runter zu 16Hz erzogen wurden, ist das einfach zu dick aufgetragen. Jetzt will ich eine Surroundaufnahme mit richtig gutem Bass hören, ich nehme das Jacques Loussier Trio, die Pastorale in c-moll:

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Das absolute Schmankerl auf dieser Aufnahme ist das Kontrabass-Solo. Der Bass steigt so tief runter und steht dabei so stabil da vorne - man kriegt das Grinsen nicht aus dem Gesicht.

Ich bekenne, ich bin alter Pink Floyd Fan. Von der Dark Side und Wish You kenne ich jeden Ton seit 1975 auswendig, und was war das damals für ein Fest, als diese schon in Stereo beeindruckenden Aufnahmen neu abgemischt wurden in 5.1. Ich höre die Wish You Were Here:

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Die kenne ich nun ganz genau von meinem G-Oppo, und das klang spitze. Aber das hier ist nochmal klar besser! Ich höre die ganze Scheibe durch. Die Synthi-Klänge ganz am Anfang, die aus dem Nichts kommen, sind so sauber und klar, und wenn bei "Welcome To the Machine" die Gitarre reinfetzt, sitze ich da und kriege Gänsehaut. Ich höre das ziemlich laut, das muss einfach sein. Das temperaturgesteuerte Oberlicht in meinem Hörraum ist geöffnet, und Annette sagte mir später, sie sei heute vormittag draußen gewesen und hätte dort Pink Floyd gehört :-). Grandios, wie mit einem Wisch das komplexe Klangbild von "Machine" weggewischt wird und das Rumgesuche im Radio losgeht, wo dann schließlich "Wish You Were Here" gefunden wird. Bei Surround ist das nicht wie von Stereo gewohnt rechts vorne, sondern rechts hinten, und der derbe Huster vorn mittig kündigt die akustische Gitarre an, die gleich einsetzen wird. Die steht dann plastisch da vorn im Raum und Du weißt in diesem Moment, dass sich für sowas der ganze Aufwand gelohnt hat, einen Hörraum bauen, Lautsprecher entwickeln und solche Upgrades. Ich finde es den ergreifendsten Moment in der nicht-klassischen Musikwelt, wenn aus diesem Wunsch, Syd Barrett so zurück haben zu wollen, wie er vor seinen LSD-Überdosen war, die Musik den Kreis schließt zum Anfang, zu Shine On You Crazy Diamond, und das zu einer Art Requiem gerät, obwohl er erst 2006 wirklich sterben sollte. Und ich weiß nun genau, was ich nach der Mittagspause am Nachmittag hören möchte: Das Mozart-Requiem. Die Surround-Aufnahme von Nikolaus Harnoncourt begleitet mich schon lange:

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Ich versinke in der Musik. Ich sitze in einer Kirche, aber zum Glück nur akustisch, denn Kirchenbänke bieten nicht gerade die Bequemlichkeit meines Hörsofas. Diese Tiefenstaffelung! So kannte ich das bisher nicht. Wenn dann nach dem zornigen Dies Irae die Tuba spielt, kommt die von so tief hinten rechts und ist dabei so klar fokussiert, dass es eine Freude ist. Ich höre das Requiem vom Anfang, vom "Introitus" bis zum "Recardare", dann geht mir eine gewisse Lahmheit dieser Einspielung auf die Nerven.

Davon träumt wohl so mancher Fußballtrainer, wenn es nicht so richtig laufen will auf dem Feld: Einfach mal die ganze Mannschaft auswechseln. Ich mache das:

07 - Enoch zu Guttenberg, KlangVerwaltung, Chorgemeinschaft Neubeuern - ab Confutatis bis zum Lacrimosa:

Bild

Diese Einspielung ist musikalisch so ziemlich das Gegenteil, fetzig, schnell, aber natürlich wird dadurch auch über so manche musikalische Feinheit hinweggebügelt. Aber die Aufnahme ist von der Klangqualität her ähnlich gut wie die erste, und der G-Oppo2 stellt die vielen Musiker, den großen Raum und das komplexe Zusammenspiel von beidem grandios dar.

Ich bin sehr zufrieden mit der neuen Maschine und mache mir gerade Gedanken über die musikalische Agenda des Abends, als eines meiner Söhnchen reinplatzt und mir mitteilt, dass man am Abend das Fußballspiel in der U21-EM anschauen werde, und zwar im Hörraum auf dem großen Schirm. Auf meinen Einwand, dass man gegen Italien selten was zu lachen habe, hätten sie mal besser gehört, 0:1 verloren, garniert mit einer kleinen Schlägerei auf dem Spielfeld.

Ich veranstalte deshalb am Sonntag eine Matinée mit der "Neuen Welt":

01 - Iván Fischer Budapest Festival Orchestra - Dvorák, Symphonie Nr.9 e-moll, op.95:

Bild

Die Pauken hauen mit ungeheurer Wucht rein. Das erinnert mich, nachdem ich die Neunte zu Ende gehört habe, an eine andere Surround-Aufnahme:

Richard Strauss, Also sprach Zaratustra, OP. 30

Bild

Normalerweise hört man sich da nur die Einleitung, diesen Sonnenaufgang an, weil das eben beeindruckt. Hier besonders, wie der G-Oppo2 die 16Hz der tiefsten Orgelpfeife in den Raum spült und da eine derart knackige Performance mit eben den besagten knallharten Pauken oben drauf setzt. Ich höre mir heute von I. Einleitung IX. Nachtwanderlied mal das ganze Stück an. Es ist sehr effektvoll und macht einfach Spaß.

Den musikalischen Ausklang macht dann "Till Eulenspiegel" am Ende dieser Aufnahme.

Als Schwabe sage ich zum neuen G-Oppo2: Man kann's lassen. Oder auch: Ich musste schon Schlechteres hören.

Viele Grüße
Gert
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