AcourateNAS mit AcourateFLOW

Ulis Mess- und Korrekturprogramm

Beitragvon uli.brueggemann » 03.09.2012, 09:57

Hallo Simon,

bin noch nicht ganz soweit.

Trotzdem eine erste Aussage: AcourateConvolver ist keine eierlegende Wollmilchsau, war auch nie so angedacht. Das gilt speziell für ein beliebiges Routing innerhalb des Programms. Es gibt also nicht die Möglichkeit für ein beliebige Verketten von Filtern und beliebige Überkreuzverquerschaltungen.
(Anmerkung: mit dem RME Totalmix lässt sich trotzdem einiges bewerkstelligen, man braucht dazu dann aber eine entsprechende Soundkarte).

Man kann Frequenzweichen laden oder Korrekturfilter oder FIR-Filter, die sowohl die Korrektur- als auch die Weichenfunktion beinhalten (Acourate erstellt ja genau solche Filter). Ebenfalls ist es auch prinzipiell möglich, gewünschte Delays oder Polaritäten bereits in den Filtern vorzusehen.

Für AcourateFLOW ist die Wahl von zwei Eingangskanälen vorgesehen, die i.a. den Front-L/R-Lautsprechern entsprechen werden. Derzeit sind die FLOW-Filter festgelegt (aber parametrisiert wie bei AcourateNAS), Deine Anmerkung wird zumindest bewirken, dass per ini-Datei die Möglichkeit gegeben sein wird, irgendwelche Filter zu laden. Diese Filter müsstest Du dann selbst beisteuern. Generell besteht die Notwendigkeit, die Programmoberfläche so einfach wie möglich zu gestalten, ich hab da gefühlt so ca. 100 Entwürfe hinter mir.

Grüsse
Uli

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Beitragvon Daihedz » 03.09.2012, 19:29

Hallo Uli

Danke für Deine Erläuterungen.

uli.brueggemann hat geschrieben:AcourateConvolver ist keine eierlegende Wollmilchsau, war auch nie so angedacht ...
Grüsse

KISS - Keep It Simple Stupid

Ist mir auch ganz recht so. Eierlegende Wollmilchsäue sind bekanntermassen komplex in der Pflege und kompliziert in der Bewirtschaftung; das weiss ein jeder Halter eines solchen Haustierchens. Mit einem übersichtlichen, einfach zu bedienenden, schnörkellosen aber präzisen Convolver hingegen, wie Du ihn vorschlägst, wird sich die Technik der Faltung wesentlich breiter durchsetzen können als bis anhin. Die meisten Convolver-Aspiranten scheiterten ja bis anhin wohl an der bisherigen relativen Komplexität des Convolvings. Ein einfach zu bedienender Convolver wird all jenen wieder Mut machen, welche bisher kapitulieren mussten. Und das ist der Sache dienlich.

Jeder Audiophile wird nun demnächst und mit gutem Grund einen Laptop mit schmuckem Windows, mit einer Streaming-Software, einer Lautstärkeregelung, einer schönen 2in-2out Soundkarte und AcourateConvolver für die Impuls-/Raumkorrektur und FLOW im Hörzimmer stehen haben wollen. Und am Ausgang dieses Convolverchen würden wie bis anhin im Normalfall die Amps/Passivlautsprecher oder die Aktivlautsprecher von der Stange angeschlossen.

Für unverdrossene Selbstaktivierer würde ganz einfach ein zweiter (Acourate)Convolver an den wie oben beschriebenen, ersten Convolver angeschlossen. Dieser zweite Convolver würde dann dediziert nur die Frequenzweichen der Lautsprecher rechnen und diese z.B. mit einer oder zwei 8-out Soundkarte(n) ansteuern.

Letztgenannte Convolver-2-er-Combo hätte Vor- und sicherlich auch Nachteile; nach meinem Ermessen würden die Vorteile jedoch bei weitem überwiegen. Ich jedenfalls werde die Entflechtung der Komplexität eines Gesamtsystems und die einfache Bedienung schätzen, obschon ich mit Brutefir einigermassen per Du bin.

Prophetische Grüsse
Simon

Und ein PS noch als Geschäftsidee:
Stell doch eine abgespeckte Version (kein Flow, Filter max. 4-16kByte lang, max. 2 In- und 2 Outputs, SR 44.1/48kHz) als Shareware und Appetitizer ins Netz; es wird all jene nicht allzu anspruchsvollen Laptop-Besitzer hell begeistern, welche bloss mal ihren Onboard-Sound etwas aufpimpen möchten.
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Beitragvon RC23 » 03.09.2012, 21:20

Daihedz hat geschrieben:... Ein einfach zu bedienender Convolver wird all jenen wieder Mut machen, welche bisher kapitulieren mussten. Und das ist der Sache dienlich.

... Für unverdrossene Selbstaktivierer würde ganz einfach ein zweiter (Acourate)Convolver an den wie oben beschriebenen, ersten Convolver angeschlossen. Dieser zweite Convolver würde dann dediziert nur die Frequenzweichen der Lautsprecher rechnen und diese z.B. mit einer oder zwei 8-out Soundkarte(n) ansteuern. ...

So ein unverdrossener Selbstaktivierer bin ich, der einen Mehrwegelautsprecher mit Acourate als Online-Falter incl. Flow unter Windows 7 zum Klingen bringen möchte. Ich denke, das wird kommen.

Grüße

Rüdiger
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Beitragvon Querkopf » 06.09.2012, 07:13

Hallo Uli,
hallo Forenten,

das wäre ziemlich genau die Kombi, die ich nach derzeitigem Stand favorisieren würde - gertifizierter Wandler und die passenden Weichen 'aus einem Guss'. Ich werde das über den Umweg der RME UC(X) testen, sobald mein Raum das zulässt - und dann ggfs. einen richtigen Wandler ergänzen.

Mit besten Grüßen
Marc
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Beitragvon frankl » 30.01.2013, 17:55

Hallo,

ich bin durch Hans-Martin auf diese sehr interessante Diskussion aufmerksam gemacht worden. Ich habe von ihm auch einige Beispiele bekommen, die ich sehr eindrucksvoll fand.

Ich möchte gerne eine weitere Verbesserung der durch FLOW bewirkten Korrektur diskutieren. Da das nicht direkt mit AcourateFLOW zu tun hat, mache ich das aber in einem separaten Thread "LoCo" im Bereich "Korrektursysteme". Falls Bedarf besteht, könnte ich übrigens auch Nicht-Windows Nutzern helfen, das von FLOW behandelte Problem anzugehen.

Hier sind aber auch drei Fragen, die in diesen Thread gehören:

(1) Wenn ich es richtig verstanden habe, wird AcourateFLOW durch zwei Parameter a/-b mit nicht-negativen Zahlen a, b gesteuert. Kann jemand präzise beschreiben, wie AcourateFLOW abhängig von a und b das Stereosignal verändert?

(2) Wäre es möglich, den (FIR?-)Filter zu bekommen, den Acourate etwa für die gelegentlich empfohlenen Parameter 1/-4 benutzt?

(3) Was für Testtöne benutzt AcourateFLOW zum Finden der Parameter? Kann man die leicht selbst generieren, oder gibt es Sounddateien dafür?

(Ich akzeptiere natürlich auch, wenn Uli diese Details als "Geschäftsgeheimnisse" betrachtet.)

Die Antwort zu (1) habe ich mir erstmal so vorgestellt, das hier das Stereo-Shuffler Konzept benutzt wird: Die Input-Signale l und r für links und rechts werden in Summenkanal m = r+l und Differenzkanal s = l-r kodiert (l und r bekommt man mit (m+s)/2 und (m-s)/2 zurück). Dann wird der Differenzkanal zu s' geändert, indem tiefe Frequenzen um a dB verstärkt und hohe Frequenzen um b dB abgesenkt werden (wo ist der Übergangsbereich?). Die Ausgabe ist dann l' = (m+s')/2 und r' = (m-s')/2 für links und rechts.

Ist das so richtig?

Viele Grüße,
Frank
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Beitragvon frankl » 30.01.2013, 18:01

Hallo,

beim Stöbern durch diesen Thread war ich verwundert, dass das Problem, das mit AcourateFLOW behandelt werden soll, eigentlich erst auf Seite 15 von Uli (sehr schön!) erklärt wird.

Vorher war nur etwas vage von der Nachahmung des Übersprechens bei der Wiedergabe von Vinyl-Platten die Rede, etwa:

uli.brueggemann hat geschrieben:Und bei dieser Überlegung klingelt es mit Riesenglocken: bei der guten alten Analogwiedergabe von einer Schallplatte, vielfach besser als die Digitaltechnik gepriesen, gibt es einen dicken Fehler. Die Kanaltrennung ist schlecht, bestenfalls -30 dB ! Ein dickes Übersprechen der Kanäle. Bewirkt das nicht zufällig genau das, was nun die Aufgabe ist?

...

Ich bin mittlerweile überzeugt, dass die Vinylfraktion mit dem besseren Klang Recht hat. Dies aber nur zufällig, eben weil die Rille als auch die Tonabnehmer ein mehr oder weniger günstiges Übersprechverhalten (je nach verwendetem Material) bewirken.

...

Und damit die Erkenntnis, dass das Manko der digitalen Wiedergabe eben schlichtweg die bessere Kanaltrennung ist. Es braucht auch keinen Doppel-Mono-Aufbau von Endstufen in getrennten Räumen um eine Kanaltrennung von 250 dB zu erreichen, welche letztendlich kontraproduktiv ist.

Mit diesen Aussagen bin ich nicht einverstanden.

Zunächst einmal ist die Kanaltrennung von 100 dB und mehr bei modernen digitalen Wiedergabeketten eine tolle und wünschenswerte Sache. Dies ermöglicht es ja gerade, gezielt gewünschte Signale mit dem linken und rechten Kanal wiederzugeben (was zum Beispiel die Grundlage einer guten Raum-/Systemkorrektur oder von FLOW ist).

Was ist der Effekt beim Übersprechen der Kanäle beim Plattenspieler? Nehmen wir mal vereinfacht an, dass das Verhalten symmetrisch ist. Dann wird auf den linken Kanal das abgeschwächte Signal des rechten aufaddiert und umgekehrt. Wir hören also statt l und r auf dem linken und rechten Kanal l+c*r und r+c*l mit einer kleinen frequenzabhängigen Konstante c. Die Abschwächung liegt realistisch vielleicht im Bereich 30dB bis 20dB, die Konstante c also im Bereich 0.03 .. 0.1.

Für den Summenkanal bekommen wir also (1+c)*(r+l), d.h. das Signal wird etwas lauter als ohne Übersprechen. Beim Differenzkanal bekommen wir (1-c)*(l-r), das ist im ganzen Frequenzbereich also um 0.25 .. 0.83dB kleiner als ohne Übersprechen, und das führt zu einem etwas engeren Stereobild. Der Graph des Faktors c als Funktion der Frequenz ist keine schöne glatte Kurve, sondern wird sehr stark schwanken. Da in Wirklichkeit das Übersprechen auch noch unsymmetrisch ist, kann ich mir nicht recht vorstellen, dass der Klang durch dieses Übersprechen verbessert wird. Die einzige Gemeinsamkeit, die ich mit der Manipulation durch FLOW sehe, ist das engere Stereobild.

Eine konkrete Messung eines Übersprechverhaltens ist zum Beispiel hier: http://dnispari.piranho.de/crosstalk.htm . (Man könnte spaßeshalber mal einen Filter ausrechnen, der dieses Übersprechen simuliert ...)

Viele Grüße,
Frank
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Beitragvon uli.brueggemann » 31.01.2013, 09:16

Hallo Frank,

siehe auch Antwort zu LoCo mit viewtopic.php?f=28&t=3819&p=61957#p61957

Gruss,
Uli
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Beitragvon Hans-Martin » 28.08.2014, 12:25

Die nachfolgende Diskussion entstand im Anschluss an diesen Beitrag [Rudolf].

Flow ist kein Merkmal analogen Klangs. Flow kompensiert Ortungsschwächen des Stereosystems, nähert den Klangeindruck einer Phantomschallquelle aus 2 LS dem Eindruck einer realen Quelle an, speziell unter dem Aspekt gleiche Lokalisation von Grund- und dazugehörenden Obertönen.

Dadurch, dass die Obertöne nicht mehr wie freigestellt hervorstechen, fallen sie weniger auf, sie integrieren sich besser mit dem Grundton und werden in der Wahrnehmung eher verdeckt (nicht zu verwechseln mit "Verdeckungseffekt"benachbarter Frequenzen). Die Folge ist ein natürlicherer Klangeindruck bei Stereo, auch bei Analogtechnik, der sofern bei Digital verjittert, dennoch digital wirken kann, wenn auch weniger auffällig. Bei Mono allerdings völlig witzlos, analog wie digital.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Bernd Peter » 28.08.2014, 13:11

Hallo Hans-Martin,

Hans-Martin hat geschrieben:Flow ist kein Merkmal analogen Klangs.

ich zitiere mal querbeet aus dem Flow-Thread:

AcourateNAS mit AcourateFLOW hat geschrieben:
Bei der guten alten Analogwiedergabe von einer Schallplatte, vielfach besser als die Digitaltechnik gepriesen, gibt es einen Fehler, ein dickes Übersprechen der Kanäle.

Für mich ist der Hammer die Erkenntnis, dass hier der Grund für die bevorzugte analoge LP-Wiedergabe steckt.

Dass Tonabnehmer zum Teil Übersprechkurven aufweisen, die bei höheren Frequenzen mehr Übersprechen bewirken.

Und damit die Erkenntnis, dass das Manko der digitalen Wiedergabe eben schlichtweg die bessere Kanaltrennung ist.

Mit AcourateFLOW erfolgt nun ein wohldefiniertes Übersprechen, das zu einer verbesserten Feinauflösung führt, die bisher der analogen Wiedergabe vorbehalten war.

Reden wir irgendwo aneinander vorbei oder versteh ich was falsch?

Gruß

Bernd Peter
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Beitragvon Hans-Martin » 28.08.2014, 21:37

Hallo Bernd Peter

Weil die Tonabnehmer eine große Variation im Übersprechen bieten, ist das Argument eigentlich schwach mangels Generalisierbarkeit, jedenfalls hat man Tonabnehmer nicht wissentlich für diesen Zweck so konstruiert, dass sie die Kanaltrennung sinnvoll herabsetzen. Die "schlechte" Kanaltrennung im Hochton ist eher als Manko gesehen worden, und man hat mit mehr Präzision darauf hingearbeitet, dies zu verbessern.

Dennoch ist das zitierte Argument gut genug, die Bevorzugung mancher Vinylfreunde für die Abtastung der Platte mittels mechanischem Tonabnehmersystems vor der CD zu erklären, nicht aber um Flow daraus herzuleiten. Ich denke, das hat Uli nicht gemeint, zumindest habe ich das nicht in unserem 4-stündigen Telefonat (bevor Flow aus der Taufe gehoben wurde) dahingehend konkretisiert, sondern nur als Argument eingesetzt, warum nicht schon vorher Bedarf dafür bestand.

In der Anfangszeit der Stereo-LP und der dazu hergestellten Tonabnehmer war manches sicherlich um einiges "schlechter", also besser, was den FLOW-ähnlichen Effekt betrifft. Ich würde auch nur diesen Aspekt heranziehen um für folgende 2 Aspekte zu argumentieren:

1. Stereo war ein neues Erlebnis und die Problematik mit der Lokalisation geriet nicht ins Bewusstsein, weil man einerseits staunte, und andererseits das System mit schlechter Kanaltrennung in den Höhen einen Effekt hatte, der die Hörer nicht weniger zufriedenstellte. Vergleichsmöglichkeit hatte er nicht, mangels Alternativen.

2. Auch beim Rundfunk wurde überwiegend Schallplatte aufgelegt, denn der Künstler hatte seinen Vertrag mit einer der Plattenfirmen. Auch hier staunte das Volk über die Erweiterung auf 2 Kanäle, die Verblüffung war groß über den spektakulären Effekt, und es gab keinen Anlass zum Meckern.
Der Klirrfaktor beim Stereodekoder war schon Thema genug.

Die Schwäche der Tonabnehmer hat mE eher bewirkt, dass sich niemand mit dem Thema ernsthaft auseinandersetzen musste, sieht man von z.B. Wendt, Blauert, Simonsen, Griesinger, Sengpiel ab, die nach Einführung der Stereophonie das Thema nichtlineare Projektion von Phantomschallquellen wissenschaftlich fundiert weiter erforscht haben, ohne dass konsequente Maßnahmen der Tonträgerindustrie erkennbar wurden, wozu auch, man hatte dort wichtigere Probleme.

Erst mit der CD kam ein Medium für die Massen, das mit seiner real extremen Kanaltrennung einen Bedarf für das erzeugte, was seit Blumlein (1932) und DeBoer (näher erforscht 1940) bekannt war, nämlich eine Kompensation für die fehlenden Laufzeitunterschiede zur Lokalisation des Grundtonbereichs, die Methode dazu wurde nach Blumlein posthum benannt. Jetzt, wo wir seit Einführung der CD die volle Kanaltrennung des Masterbandes nach Hause geliefert bekommen, können wir auf hohem Niveau jammern. Früher haben wir uns mit weniger zufrieden gegeben.

Zum Vergleich
Digitaltechnik CD, Download: besser 80dB
Tonband Revox A77: 45dB bei Stereo, zwischen Mono-Spuren bei Halbspur 60dB
Stereodecoder im Tuner: 40dB
Plattenspieler: besser 25dB @1kHz, überwiegend schlechter 20dB@10kHz

Der reale Bedarf besteht im Grundton (phasengleiches Material) bei ca. 20dB Kanaldifferenz, bis der Klang nur noch aus einer Box kommt, während im Hochtonbereich 16dB ausreichen, dass man die leisere Box nicht mehr hört. Größere Kanaldifferenzen gleichphasiger Signale werden nicht als mehr Breite wahrgenommen. Sobald man mit gegenphasigen Signalen tricksen muss, wird es schwierig, zur Beibehaltung der originären Basisbreite (definiert vom Hochtonbereich) müsste der Bass auf dem jeweils lauteren Kanal erhöht werden, was gleichzeitig die Übersteuerungsgrenze nicht überschreiten darf (der entsprechend abgeschwächte andere Kanal ist digital betrachtet nicht das Problem. Es erscheint sinnvoll, an dieser Stelle auf 24Bit hochzusampeln, um das Nützliche mit dem Notwendigen zu kombinieren.

Grüße Hans-Martin


P.S.
Zu meiner ersten Demoschallplatten, die ich kennenlernte, gehört eine Szene am Bahnübergang. Der Zug kam von der rechten Box, erst leise, dann lauter, rauschte durch die Mitte zur linken Box und wurde dort leiser. Das war eine deutsche Schallplatte, für Stereo werbend. 40 Jahre später fiel mir eine englische Platte in die Hände, mindestens ähnlich alt, ebenfalls ein Zug, der aber aus der Entfernung (Hintergrund) kommend auf den Zuhörer zu fährt, eine Bahnhofsszene, wo dann nach dem Stillstand die in England üblichen nach außen führenden vielen Abteiltüren vorn bis hinten aufklappen. Welch ein Unterschied! 1-dimensionales PingPong-Stereo bei der einen, 2-dimensionale Wiedergabe mit Raumtiefe bei der anderen Aufnahme. Kein Wunder, dass englische Lautsprecher schon früher räumliche Abbildung beherrschten, wo die deutschen noch flach und breit projizierten.
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Beitragvon Bernd Peter » 29.08.2014, 09:30

Hallo Hans-Martin,

dann mal so formuliert:

Die Wirkweise von Flow erzielt einen Effekt, der stark an den analogen Schallplattenklang erinnert.

Und wir verstehen, woran das liegt.

Gruß

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Beitragvon uli.brueggemann » 29.08.2014, 10:56

Meines Erachtens ist es eine paradoxe Situation. Die Erzeugung von Phantomschallquellen per Stereowiedergabe hat einen "Defekt", nämlich

Hans-Martin hat geschrieben:Ortungsschwächen des Stereosystems

Nun hat die Analogwiedergabe mit der Schwäche hinsichtlich Kanaltrennung dem entgegengewirkt, OHNE diese Wirkung beabsichtigt zu erzielen. Und da es passte, hat man sich auch nicht weiter damit auseinandergesetzt. Ausser dass man sich der schlechten Kanaltrennung bewusst war und wir somit seit Generatoren gelehrt bekommen, dass eine bessere Kanaltrennung eben "besser" ist. Ist das z.B. nicht auch ein prima Argument für die aktiven LS? :wink:

Mit der digitalen Wiedergabe inkl. Raumkorrektur wurde die Kanaltrennung tatsächlich besser. Und damit kommt eben der Stereo-"Defekt" zum Vorschein. Um die Kompensation dessen geht es, diesmal aber beabsichtigt, beim Thema Flow.

Wobei die Kompensation natürlich dem mehr oder weniger zufällig gegebenen Verhalten analoger Wiedergabesystem entgegenkommt. Allerdings sollte das Ziel sein, es richtiger zu machen und nur das zu kompensieren, was nötig ist.

Die Beschreibung des Defekts durch frühere Arbeiten ist aber m.E. nur oberflächlich erfolgt.

Hans-Martin hat geschrieben: sieht man von z.B. Wendt, Blauert, Simonsen, Griesinger, Sengpiel ab, die nach Einführung der Stereophonie das Thema nichtlineare Projektion von Phantomschallquellen wissenschaftlich fundiert weiter erforscht haben

Leider gibt es auch bei diesen Herren nicht wirklich Material. Es gibt nur veranschaulichende Kurven. Keine konkrete Aussage, mit welchen Mitteln man den Defekt vernünftig erfassen kann. Z.B. gefallen mir Ergebnisse mit Terzrauschen nicht wirklich. Bin da immer noch auf der Suche, mit welchen geeigneten Testsignalen man dies gezielt feststellen kann.

Grüsse
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Beitragvon Hans-Martin » 29.08.2014, 12:39

Hallo Bernd Peter

Gib's zu, du hast das schon vorher gewusst ... :cheers:

Die Ähnlichkeit ist ohne direkten Vergleich so ausgeprägt, dass man sich stark daran erinnert fühlt.
Vergleicht man dann einen Vinylrip mit geFLOWtem CD-Rip bleibt trotzdem ein Unterschied, der genug Stoff zum Denken lässt. Z.B. welche Rolle spielt die Unlinearität der Abtastung, wenn L mit Druck auf die Nadel ein positives Ausgangssignal liefert, R dagegen ein negatives, während die jeweilige Gegenrichtung von der Elastizität der Nadelaufhängung bestimmt wird. Der Schweizer Andreoli hat den Vorgang beschrieben und ich leite daraus ab, dass k2 Anteile entstehen, die den wärmeren Klang erklären, auch bekannt von den Kennlinien der Röhrenverstärker.

Das Ohr nimmt aber positiv anders als negativ wahr. Das sollte kein Problem bei reinen L (oder R) Signalen darstellen, aber nach meiner Vermutung erzeugt das Übersprechen ein korreliertes Signal zu dem anderen Kanal R (oder alternativ L), welches mit einem Anteil Diffusität die Losgelöstheit vom linken Lautsprecher (oder alternativ R) bewirkt. Sobald Phantomschallquellen zwischen den Boxen stehen, fällt der Unterschied besonders auf, bei Vinyl ist alles etwas aufgeblähter, gibt Instrumenten eine Aura. Es gibt in der Summe eine Menge Fehler, die als angenehm empfunden werden. Beim Vinylabtasten kommt davon eine Menge zusammen. Bei Digitalübertragung fehlen viele dieser Fehler der Analogtechnik, wie sie auch Fujak hier namentlich genannt und aufgelistet hat:

Fujak hat geschrieben:Rauschen, Kanalübersprechen, komprimierter Dynamikumfang, Verzerrungen, Bandsättigung, Rumpeln etc.

FLOW ist kein Muss, sondern ein Kann. Man kann auch geFLOWte Vinylrips gut anhören. Und es gibt auch CDs wie von den Beatles vor dem weißen Album, da ist FLOW schon drin, produziert in den 1960ern mit Röhrenmischpult.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Bernd Peter » 30.09.2014, 09:43

Hallo,

uli.brueggemann hat geschrieben:Mit AcourateFLOW erfolgt eine verbesserte Feinauflösung,...

das kann ich aus jüngster Erfahrung bestätigen.

Bei unserem letzten PC-Audio Hörtest hab ich festgestellt, daß mein SD-Cardplayer bei den Feindetails noch etwas drauflegen könnte.

Einige Testfiles mit Flow angelegt und wiederum war die schon früher verwendete Einstellung mit 1,5/3,5 bei mir zuhause genau richtig. Durch das Beschäftigen mit JPlay und später MQn war Flow in den Hintergrund getreten, da es wenig Sinn macht, durch die permanenten Änderungen der Playersoftware (Gordon hat eine nicht enden wollende Testphase) eine feste Floweinstellung zu bestimmen.

Zwischenzeitlich hab ich einen Großteil meiner Original 16/44.1 Files mit Flow auf einer gesonderten Festplatte abgespeichert. Bitte an Uli: ein Suffix wäre gut, damit man die Flowfiles immer schön von den Originalen auseinanderhalten kann.

Das für mich Beste an Flow ist die Tatsache, daß dadurch Feindetails kräftiger und damit erhörbarer werden, ohne daß die Qualität des Tones leidet, wie es gerne bei den wechselnden MQn play.exes auftritt. Dort wird verbesserte Genauigkeit in der Regel mit einer Verschlankung des Tones erkauft. Das kann auch bis ins leicht Nervöse gehen, wenn es mit der Genauigkeit übertrieben wird.

Das alles ist bei Flow nicht der Fall. Das Klangbild bleibt in sich ruhig und stimmig, leise Töne bekommen durch die Überlappung der Kanäle etwas mehr Saft und Kraft und treten dadurch besser hervor.

Was ich hierbei glaube zu erkennen:

Das Quellgerät muss hochwertig anliefern.

Ein zu starker Rauschteppich im Signal schmälert die Wirkung von Flow bzw. läßt sie kaum zur Geltung kommen. Ein etwas unruhiges Klangbild wird durch Flow auch nicht ruhiger.

Gruß

Bernd Peter
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Beitragvon Hans-Martin » 30.09.2014, 11:00

Was mir aufällt, ist bei invertiertem Material ein noch deutlicherer Unterschied zugunsten der korrekten Polarität. Fällt der Vergleich bei ungeflowtem Material noch schwer, ist es leichter, sich bei geflowter Musik zwischen invers und positiv zu entscheiden.

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