Kopfhörer-Korrektur mit Acourate

Ulis Mess- und Korrekturprogramm

Beitragvon chriss0212 » 28.07.2016, 07:11

Hallo Peter

Wie hast du denn den Frequenzgang gemessen? Das ist bei einem Kopfhörer ja nicht so trivial oder?

Grüße

Christian
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Beitragvon pschelbert » 28.07.2016, 19:56

Hallo Christian

ich habe Messkurven übernommen, nicht selber gemessen.

Peter
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Beitragvon planetti » 09.08.2016, 21:30

Das Thema Kopfhörer-Korrektur hat mich auch schon beschäftigt. Bei meinen Recherchen bin ich auf Dr.Sean Olive gestoßen, der bei Harmann in den letzten Jahren dem idealen Kopfhörerklang hinterher forscht und einige Ergebnisse in mehreren AES-Papers veröffentlichte.
Es ist für mich als kleiner Wohnzimmerwurschtler nicht ohne immensen Kapitaleinsatz möglich, eine akkurate Messung wie den speziellen Messkopf mit Ohrgang und Supermikro hinzubekommen, und dann ist der gemessene Frequenzgang ohnehin gemäß Olives Messungen nicht linear.
In einem Paper war ein sehr interessantes Zwischenergebnis beschrieben: jeder Kopfhörer wurde eine Klasse besser bewertet, als deren Frequenzgangkurven geglättet wurden, d.h. die kleinen Spitzen/Wellen wurden wegkorrigiert. Das habe ich bei meinem AKG ausprobiert, und tatsächlich klingt es irgendwie ausgewogener.
Den zweiten Schritt, nämlich die Formung der absoluten Frequenzgangkurve, die Olive aus einer idealen raumakustischen Frequenzkurve aus seinem JBL-Hörraum abgeleitet und auf seine Messanordnung übertragen hat, kann ich leider aus oben genannten Gründen nicht nachbilden. Er übertrifft damit aber in Hörtests alle bisherigen Kopfhörer.
Hat jemand eine Idee, ob man so etwas mit einer entsprechenden Zielkurve in Acourate mit einem einfachen Minimikrofon, d.h. ohne Messkopf und Spezialmikrofon ungefähr nachbilden könnte?
Gruß
auch Uli
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Beitragvon Hornguru » 09.08.2016, 21:44

Moin Planetti

Das mit der Glättung hatte ich auch schon ins Auge gefasst.
Der Ursprung meiner Messkurven ist aus relativ professionellem Umfeld und sicherlich an einem kalibrierten Kunstkopf gemessen.
Außerdem sind es Mittelwerte aus einem Dutzend gleicher Modelle der Serie.
Daher mittelt man schon Serienstreuung und Messfehler aus, was wiederum gut ist.
Trotzdem erscheint mir die detaillierte Korrektur jedes schmalbandigen Fitzelchen im Hochton etwas fehl am Platz. Zumal die Kopfmessung und Ohrmuschelresonanzen prinzipbedingt ein zerklüftes Gebirge hinterlassen dass man so nicht raushören wird.
Hier mal die Kurve meines Beyer DT 990:

Unten fett die Original Kurve. Erscheint mir auf 1/3 geglättet.
Darüber dünn in blau mein neuer Test mit doppelt 1/2 Oktav Mittelung. Das sieht mir viel mehr nach Gesamtenergie-Bewertung aus.

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Dagegen spricht jedoch das der hörpsychologische Verdeckungseffekt erst unterhalb einer drittel Oktave eintritt. Insofern bin ich schon Fan der 1/3 Oktav Glättung.


Wenn du jetzt noch genauer beschreiben könntest was du nachbilden möchtest, könnte man das auch beantworten :D

Gruß
Josh
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Beitragvon pschelbert » 09.08.2016, 22:16

Hallo

was ich mal propieren werde ist das hier von Linkwitz:
http://www.linkwitzlab.com/reference_earphones.htm

Rein gehörmässig sehen, dass der Pegel nicht zu stark variiert. Bzw. nachregeln und notieren wie der Pegel war.
Dann mit acourate den Filter (Amplitude) invers nachbilden und mal hören.

Grudsätzlich sind eben noch mehr Phänomene beteiligt:
-Loudness (mit acourateconvolver lässt sich das korrigieren)
-Richtungsabhängigkeit : mit HearV3 (Ircam) VST-plugin mach ich das.

Die Korrektur mit den Messkurven (inverse) mit einen HD800 und einem AKG K702 ist noch nicht ganz das Wahre.

Peter
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Beitragvon planetti » 09.08.2016, 22:36

Es ist richtig, das Glätten ist im zerklüfteten oberen Frequenzbereich etwas schwierig, deshalb habe ich die höchsten Buckel (die nicht nach Reflexion aussahen) nur geringfügig (ca.3dB) zurückgenommen, ich glaube das war mit ca.1/12 Glättung (mit REW gemessen). Ich gebe zu, dass diese Vorgehensweise etwas Gefühl, Zeit und Erfahrung erfordert und nicht besonders professionell ist. Vielleicht kann jemand etwas mehr noch zum oberen Bereich beitragen.
Für den unteren und mittleren Frequenzbereich war das Erkennen von störenden Frequenzüberhöhungen einfach.

Nachbilden würde ich gerne die Kurve, die Dr. Sean Olive als die ideale Frequenzgangkurve für Kopfhörer bestimmen konnte, übertragen von seinem superduper Messsystem auf eine Messwürfel-Primitivanordnung mit unserem einfachen, auf 0 Grad, 1m kalibrierten Messmikrofon eingesteckt. (Die Sean-Kurve hat eine leichte Anhöhe im Tiefton, eine Senke bei ca. 3kHz und dann eine Überhöhung bei ca.6kHz, ähnlich der besseren Kopfhörer, aber dann doch ein wenig anders.) Dazu bräuchte man also einen Idealkopfhörer und seine Kurve am Primitivmessystem, die dann unsere Acourate-Standard-Zielkurve darstellen würde.
Oder wir haben einen Eichkopfhörer, mit dem man an einem Messwürfel eine Gesamtkorrekturkurve für Acourate erstellt.
Hm, leider viele Schritte mit vielen unbekannten, aber letztendlich die einzige Möglichkeit. Das gilt nicht für Ohrstöpsel.
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Beitragvon Hornguru » 10.08.2016, 07:57

Ah OK. Ja die Linkwitz Idee in Acourate nachzubilden ist kinderleicht. Minutensache.

Aber basierend auf was? :)
Nehme an du meinst on top auf einen linearen KH gemessen im Kistchen?
Wie sieht diese Primitivkonstruktion konkret aus?

Gruß
Josh
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Beitragvon pschelbert » 10.08.2016, 08:14

Hallo

Linkwitz hat offenbar einfach gehört mit einem Sinusgenerator und auf gleichen gehörten Pegel eingestellt. Dann am Sinusgenerator abgelesen.
Das ist dann direkt die Korrektur.
Wobei eben die Loudness ja auch noch drin steckt. So würde man ja die Loudness auch mitkorrigieren, die pegelabhängig ist.

hier von Linkwitz
http://www.linkwitzlab.com/reference_earphones.htm

I find two observations remarkable:
1 - It is possible to discern relative loudness changes using swept sinewave tones and to develop an equalizer that removes these to a large degree.
2 - Earphones that have been equalized in this way provide a significant improvement in apparent accuracy of sound reproduction compared to the un-equalized phones. This is most certainly the case for the HD414 and the ER-4S.

I encourage you to experiment and to draw your own conclusions. Realize that you need to find your own, individualized equalization, which also may be different for left and right ears. Take my filter as a starting point.
Realize also that if there are listener specific frequency response differences for a given pair of headphones, then you must take another person's assessment of those headphones with a grain of salt.


Eine interessante Sache ist der Smyth Realiser A16, habe den alten A8 berichtet bekommen und den neuen Prototypen mal gehört (HighEnd2016 in München). Sehr gute Räumlichkeit, natürlich.
http://www.smyth-research.com/index.html
Da wird der Kopfhörer gemessen inklusive der HRTF deines Kopfes.

Peter
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Beitragvon Hornguru » 10.08.2016, 10:18

Ach ja. Irgendwie ist das Thema Kopfhörer Entzerrung sehr müßig.
Alles Betrachtungsfrage.
Da tendiere ich doch langsam zum resignieren.

Jedenfalls klingt meine Kurve ganz gut, wesentlich besser als ohne und ähnlicher zu den Lautsprechern.
Deswegen bleibt sie erst mal drin.

Wenn ich ganz viel Langeweile habe, kann ich mir vorstellen dass ich mit Sinus und Rauschen mal selbst die Kurve noch etwas verfeinere.

Mit linearem -6dB Tilt zu den Höhen passt meiner Meinung nach die Wahrgenommene Lautstärke beim Sinussweep ganz gut. Und für Rauschen muss der Lautsprecher+ Raum erstmal fertig werden, zwecks Referenz.

Gruß
Josh
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Beitragvon pschelbert » 10.08.2016, 10:36

Hallo

eine Korrektur ist jedenfalls besser als ohne Korrektur. Ich bin da noch am rumprobieren was optimal klingt.
Stimme ist oft das heikelste, darum soll di Abstimmung Stimmen gut wiedergeben.
Wobei auch da ist die Frage kennt man die Stimme (persönlich) und was wurde bei der Aufnahme geschraubt daran?

Gruss

Peter
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Beitragvon planetti » 12.08.2016, 14:12

Wenn jemand gesteigertes Interesse an dem Vortrag (30MB) oder den Papers zu der Idee der "besten Kopfhörerkurve" von Dr. Sean Olive von Harman hat, auf die Bob Katz referenziert, kann er sich bei mir per PN melden.
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grau sind viele gemessene Kopfhörer, schwarz die JBL Targetkurve, grün ist linear flat.

Nun zurück zum Ausgangsthema Acourate und Kopfhörerkorrektur. Ich glaube, dass wir mit Acourate / AcourateDRC ein mächtiges Werkzeug haben, das über das EQ-ing hinausgeht, weil auch die kleinen akustischen Störungen/Resonanzen, R/L-Ungleichheiten und die Phase korrigiert werden können, was insbesondere für Midclass-Kopfhörer eine riesige Verbesserung bedeutet. Warum nicht auch für Kopfhörer nutzen?

Mein Ansatz für die individuelle Optimierung mit Acourate /Acourate DRC wäre, dass man mit einer einfachen Messanordnung eine weite Annäherung an ein "Ideal" erreichen könnte, indem man die einfache Messanordnung auf eine Referenz, d.h. bereits optimierten Kopfhörer kalibriert, bei möglichst praxisnahen Bedingungen wie z.B. einer gerade so erträglichen Lautstärke eines Referenzsongs, Anpressdruck=Ohrabstand etc. Acourate /AcourateDRC bringt dann aufgrund der Messung mit der Spezialkalibierung seine Korrektur/Glättung annähernd auf die 0-Kurve, bis ca. 8kHz, darüber vielleicht nur sanfte Glättung/Korrektur. Jeder kann darauf seine persönliche Targetkurve anpassen.
Dazu bräuchten wir einen superabgestimmten, korrigierten Referenzkopfhörer und jemanden, der die einfachen Messanordnungen auf diese Referenz kalibrieren kann- ein Geschäftsmodell wie z.B. Hifi-Selbstbau http://shop.hifi-selbstbau.de/produkt-k ... tleistung/ , nur eben für Kopfhörermesswürfel und basierend auf den Referenzkopfhörer.
Und Uli Brüggemann könnte Acourate /AcourateDRC für Einzelmessungen und Korrektureinstellungen anpassen.

Was haltet Ihr davon? (Bitte zerpflückt jetzt nicht jede Messungenauigkeit, sondern ob das Prozedere jemand praktizierte oder Erfahrungen mit Kopfhörerkalibrierungen hat.)

Im Anhang ein Beispiel eines einfachen Messwürfels mit kleinem Elektretmikro (z.B. von Hifi-Selbstbau kalibriertes Technika TKM110), Kartonwürfel ca. 13 cm "Ohrabstand", Filzauflage zur Reflexionsdämpfung und Mikrohalterung.
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Beitragvon Hornguru » 12.08.2016, 14:24

Na genau das hatte ich auch mal vor :D
Dann hat Hans Martin mich zerpflückt ;)

Im Prinzip habe ich alles um die Kiste an einem Abend aufzubauen, inkl kalibriertem Mikro.
Die Frage ist jetzt nur was man damit misst.

Laut Experten Mist, weil kein Kopf.
Die Logik verstehe ich noch nicht ganz.
Es wäre logischer die Gehörbedingten Resonanzen in den Frequenzgang einzubeziehen wenn man InEar Stöpsel misst. Für mein Verständnis sollte sich ein Kopfhörer unter genau solcher Messbox Bedingung linear messen.
Die Ohrmuschel ist ja immer noch da, sie wird ja vom normalen Kopfhörer nicht plattgewalzt.
Insofern sind alle humanen Fehler noch da wo sie sollten wenn man später hört.
Nur dass der Lautsprecher selbst linear im Nahfeld spielt.
Lediglich die Kopf und Nacken-Bäugung fehlt.
Die sind aber wenier dramatisch und einfacher nachzuempfinden, dazu gibts auch Kurven von Bob Katz.

Ein typischer großer offener KH sollte nicht anders sein als ein Lautsprecher der etwas näher steht.
Ich würde die filzauflage aber flauschiger machen, das absorbiert so noch nicht genug :)
Oder besser, um dem Kopf gerecht zu werden, in dem der Schall ja reflektiert und dann zwischen KH und Kopf hin und her resoniert und nicht weg kann.... Die Bedämpfung als Teil des KH integrieren. Sprich KH Muschel bedämpfen bis schön linear, dann Rest über Acourate.

Diese Kiste da liegt bei wem so vor???

Gruß
Josh
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Beitragvon pschelbert » 12.08.2016, 14:29

Hallo

ja sehr gut.

ich glaube auch dass der FG linear sein sollte in dieser Anordnung.
Wieso meinst Du soll man mit Referenzhörer vergleichen?

Wenn das Mikro kalibiiert ist, was misst man bei verschiedenen Hörern? Am besten die bei denen man schon sonstwoher Kurven hat. z.B. HD800, AKG k702.

Gruss

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Beitragvon Hornguru » 12.08.2016, 14:32

Die Kurven anderer KH als Vergleich ranzuziehen wäre jetzt Äpfel mit Birnen...
Die sind ja alle am Kunstkopf kaibriert
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Beitragvon planetti » 12.08.2016, 15:43

Ja, Ihr und Hans-Martin habt recht, wenn Ihr sämtliche Messschriebe anzweifelt, weil sie eben nicht eindeutig oder vergleichbar sind.

Aber genau da setzt die Lösung an:
Zuerst kalibrieren wir einen Messwürfel (einschließlich Mikrofon) auf einen gewünschten super-duper Referenzkopfhörer. Wir erhalten die Werte, die das Messsystem abgibt für den Referenzkopfhörer. Im zweiten Schritt bringen wir den zu optimierenden Kopfhörer auf die annähernd gleichen Messwerte (plus weitere Optimierungen für Störungen und Phase etc.). Dann ist es nämlich total egal, wie der Gehörgang reflektiert, die Ohrmuschel geformt ist und ob das Mikrofon schon vorher kalibriert ist, solange die erzeugte Frequenzkurve an der gleichen Stelle (nämlich an der Messstelle) des zu optimierenden Kopfhörers wieder annähernd identisch dem Referenzkopfhörer sind.

Das müsste ausreichend reproduzierbar funktionieren, wenn das Mikrofon ein kleine Kapsel hat und ungefähr bündig mit der Filzwand (wie der Eintritt in den Gehörgang) mit eher omnidirektionaler Richtcharakteristik ist, und relativ wenig Reflexionen von der Würfelfläche kommen, sowie der Anpressdruck der Kopfhörer und die Lautstärke der Messung ungefähr gleich ist.
Und man braucht einen gewünschten super-duper optimalen Kopfhörer als Referenz, um das System einmal darauf zu kalibrieren. Hat jemand so einen?

Die Kalibrierung wäre nicht "linear" machen oder "absolut richtige Messwerte" erzeugen. Ziel ist das Angleichen eines Kopfhörers auf die Referenz.

Leider habe ich nur AcourateDRC, mit dem ich keine Inverse errechnen kann posting.php?f=40&t=7648&mode=reply&d=3525# und auch keinen super-top Kopfhörer posting.php?f=40&t=7648&mode=reply&d=3525# ...
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