Lohnt ein besseres Messmikro?

Ulis Mess- und Korrekturprogramm

Lohnt ein besseres Messmikro?

Beitragvon chriss0212 » 02.11.2016, 21:35

Hallo Uli,

Ich hab da mal eine Frage. ;)

Wie die meisten nutze ich das ECM8000 mit Kalibrierung von Dir. jetzt stelle ich mir die Frage: der Umstieg auf ein besseres Mikro ... bringt das was?

Earthworks M30 oder M50 (das hast Du glaube ich?!) stünden zur Diskussion. Wie ist denn Deine Einschätzung? Kann man bessere Ergebnisse erwarten? Wir investieren ja schon alle nen Haufen Geld in unser Hobby und messen am Ende mit einem Mikrofon was noch nicht einmal den Preis eines guten Kabels erreicht ...

Viele Grüße

Christian
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Beitragvon uli.brueggemann » 03.11.2016, 08:25

Earthworks hatte mal eine Demo-CD bei der Aufnahmen mit diversen Mikros verglichen wurden. Ziel war es (neben der Werbung, logisch), zu zeigen, dass das M50 zeitlich besser aufnimmt, da es aufgrund des größeren Frequenzbereichs weniger "verschmiert" = kürzere Abklingzeiten. Was man dann auch trotz Begrenzung auf 44.1 kHz Abtastrate hört.

Das M50 ist ok, heute würde ich mich dann aber doch eher bei den richtig professionellen Mikros umschauen, z.B. G.R.A.S. Was aber wiederum nicht billig ist.

Dennoch biete ich das ECM8000 guten Gewissens an, es braucht aber eine Kalibrierung (wie generell andere Mikros auch).

Grüsse
Uli
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Beitragvon FoLLgoTT » 03.11.2016, 09:01

Hallo Christian,

Auch wenn ich nicht Uli bin, kann ich doch etwas Sinnvolles beitragen. :)

chriss0212 hat geschrieben:Wie die meisten nutze ich das ECM8000 mit Kalibrierung von Dir. jetzt stelle ich mir die Frage: der Umstieg auf ein besseres Mikro ... bringt das was?

Das kommt darauf an, was du messen willst. ;)

Für die Messung des Freifeldfrequenzganges reicht ein kalibriertes ECM8000 völlig aus.

Für Messungen im Raum gibt es dagegen bessere. Bessere deswegen, weil das ECM8000 eine relativ große Kapsel besitzt und damit zu den Höhen hin bündelt. Das heißt, es gewichtet die Reflexionen je nach Ausrichtung unterschiedlich. Das gilt natürlich grundsätzlich für jedes Mikrofon. Es gibt aber Mikrofone mit kleineren Kapseln, bei denen die Bündelung im Frequenzbereich später einsetzt. Ein bezahlbarer Vertreter ist z.B. das Audix TM 1.

Wobei das ECM8000 komplett versagt sind Messungen der nichtlinearen Verzerrungen. Willst du also Klirr messen, kauf dir lieber ein besseres Modell, denn das ECM8000 verzerrt selbst relativ stark. Das oben genannte Audix TM 1 unterscheidet sich dagegen kaum zu einem Klasse-1-Mikrofon und ist ist in der Lage, 144 dB bei 1% Eigenklirr zu messen. Hohe Pegel sollte man nicht unterschätzen, wenn man z.B. Nahfeldmessungen durchführt.

Dass viele Billigmikrofone selbst stark klirren, ist übrigens einer der Gründe, warum man Klirrmessungen im Internet grundsätzlich sehr skeptisch gegenüberstehen sollte. Gerade K2 liegt oft um Faktoren über dem eigentlichen Wert. Das kann man z.B. bei vielen Messungen von Hifi-Selbstbau beobachten. Vergleich einfach mal die Messungen mit denen der Klang + Ton oder Hobby Hifi.

Referenzen:
- Mikrofonvergleich im STEPS-Handbuch ab Seite 11

Gruß
Nils
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Beitragvon Rudolf » 03.11.2016, 10:01

Hallo Nils,

FoLLgoTT hat geschrieben:Für die Messung des Freifeldfrequenzganges reicht ein kalibriertes ECM8000 völlig aus.

Für Messungen im Raum gibt es dagegen bessere. Bessere deswegen, weil das ECM8000 eine relativ große Kapsel besitzt und damit zu den Höhen hin bündelt. Das heißt, es gewichtet die Reflexionen je nach Ausrichtung unterschiedlich.

gibt es denn für das ECM-8000 eine "optimale" Ausrichtung, also eine, die am wenigsten bündelt?

Viele Grüße
Rudolf
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Beitragvon FoLLgoTT » 03.11.2016, 10:26

Hallo Rudolf,

Rudolf hat geschrieben:gibt es denn für das ECM-8000 eine "optimale" Ausrichtung, also eine, die am wenigsten bündelt?

Die Bündelung ist eine Funktion der Kapselgröße und somit hardwarebedingt. Eine andere Ausrichtung kann die Bündelung also nicht verändern.

Sie kann aber die Reflexionen anders gewichten. Wird das Mikrofon direkt auf den Lautsprecher gerichtet, werden Reflexionen in der hinteren Hemisphäre zunehmend frequenzselektiv erfasst. Das heißt, die Höhen fallen von diesen Reflexionen ab (je nach Größe der Kapsel). Wird das Mikrofon nach oben gerichtet, gilt das für Reflexionen, die von unten eintreffen. Wie man es dreht und wendet, es gibt immer Reflexionen, die "benachteiligt" werden.

Die einzige Lösung ist, eine Kapsel zu benutzen, die so klein ist, dass sie selbst bei 20 kHz noch keine signifikante Bündelung aufweist. Es gibt Messmikrofone mit sehr kleiner Kapsel. Das wird dann aber eben auch schnell teuer.

Gruß
Nils
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Beitragvon Hans-Martin » 03.11.2016, 13:25

Uli liefert nach eigener Aussage 2 Kalibrierungen mit: auf Achse und unter 90°. Die Vorteile, die sich daraus ergeben, haben wir bereits in einem Thread diskutiert. Kurzfassung: Senkrecht aufgestellt erfasst das Mikro damit beide Boxen "richtig" während sonst bei Ausrichtung auf der Stereoachse immer die 30° Abweichung mit ungewissen Eigenschaften im Spiel sind.

Man sollte bedenken, dass bei allen Mikrofonen die Qualität der Kalibrierung mindestens genauso entscheidend ist wie das Mikro selbst. Vielfach wird ein anderweitig kalibriertes Mikrofon als Referenz genommen und die Kalibrierung entsteht durch Vergleich und Korrektur, enthält also auch die Korrektur des Referenzmikrofons. Dabei multiplizieren sich die Fehler. Meine Versuche haben mir gezeigt, dass der FG des verwendeten LS in seinen Frequenzgrenzbereichen unten wie oben die Kalibrierung dort ungenau werden lässt.

Der Knall durch Lichtbogen/Entladung ist eine seit über 50 Jahren bewährte Signalquelle zum Kalibrieren, solche Einrichtungen hat z.B. Neumann. Ich denke, dass bei einem hochwertigen Mikrofon eine solche Methode angemessen ist, als primäre Kalibrierung, und nicht auf dem Umweg über ein anderes Mikrofon.

Letztlich ist dieses Werkzeug auch nicht besser als die Hand, die es einsetzt, am Ende hängt das Ergebnis von vielen weiteren Faktoren ab. Schließlich kommt es darauf an, was man aus der rohen Messung macht (Glättung, Fensterung, usw).

Wenn ein besseres Mikrofon sich im FG-Verlauf jenseits 10kHz zeigt, wo die Wellenlängen schon kürzer als 3,43cm werden, spielen frühe Reflexionen und Interferenzen schon eine größere Rolle, und es kommt die von mir gern gestellte Frage, wie man mit einer Einpunkt-Messung eine verlässliche Aussage für beide Ohrpositionen macht, deren Abstand von der Mitte jeweils mehr als das doppelte Wellenlänge ausmacht.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon chriss0212 » 03.11.2016, 14:50

Na da kommen ja schon einige Antworten zusammen. ;)

Ich habe Uli direkt angesprochen, da ich annahm, dass er mit seinem großen Erfahrungsschatz einiges gerade in Verbindung zu Acourate DRC sagen kann. Natürlich ist auch jede andere Antwort willkommen ... also schon einmal Danke.

Bei hochwertigeren Mikrofonen werden in der Regel ja Kalibrierdateien mitgeliefert. Sind die kompatibel zu Acourate oder kocht da jeder sein eigenes Süppchen?

Was ich aus den bisherigen Antworten als Fazit ziehe:
- kalibriertes ECM-8000 ist OK aber ich verstehe das so: es geht besser
- Oberer FG sollte möglichst hoch liegen, auch wenn man "nur" bis 22 KHz mißt
- Die Kapsel sollte möglichst klein sein, damit das Mikrofon möglichst wenig bündelt.

Viele Grüße

Christian
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Beitragvon Joerghag » 03.11.2016, 15:45

Hans-Martin hat geschrieben:Uli liefert nach eigener Aussage 2 Kalibrierungen mit: auf Achse und unter 90°. Die Vorteile, die sich daraus ergeben, haben wir bereits in einem Thread diskutiert. Kurzfassung: Senkrecht aufgestellt erfasst das Mikro damit beide Boxen "richtig" während sonst bei Ausrichtung auf der Stereoachse immer die 30° Abweichung mit ungewissen Eigenschaften im Spiel sind. ...

... wobei Uli die Messung wohl aber waagerecht präferiert. Wenn ich das richtig verstanden habe und das bestätigt ja auch deine Aussage ( es erfaßt nämlich nicht nur beide Läutsprecher "richtig", sondern auch alle Wandreflexionen) wird hier schon etwas mehr der Direktschall gewichtet und die seitlichen Reflexionen etwas weniger, da sie in einem steilen Winkel, deulich größer 30Grad, auf die Kapsel treffen.

Bei sehr schmal abstrahlenden, nicht eingewinkelten Lautsprechern mag die senkrechte Aufstellung aber bessere Ergebnisse liefern.

Wenn ich den Raum messen möchte, dann natürlich senkrecht. Kommt also immer darauf an, was ich messen möchte.

Gruß Jörg
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Beitragvon engineer » 25.12.2016, 19:29

Haun MBC 550. Bestes mir bekanntes Preisleistungsverhältnis.
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Beitragvon chriss0212 » 25.12.2016, 19:38

Hallo Engineer,

Wird denn eine kalibrierdatei mitgeliefert? Ich habe einige mess Messschriebe des Mikrofons gesehen und das hat auch recht starke Abweichungen. Der F Gang variiert dort bei 8 gemessenen Mikrofonen um knapp 5db im Hochton!

Bei Uli bekommt man ja zu jedem Behringer auch eine entsprechende kalibrierdatei dazu wodurch es sicherlich erst einmal besser ist als das Haun ohne.

Grüßle

Christian
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Beitragvon Hans-Martin » 25.12.2016, 22:50

Hallo,
als ich das Haun MBC550 hatte, lag ein Messchrieb bei, der recht linear bis 20kHz verlief, anders als die +6dB beim Behringer oberhalb 10kHz, die von Exemplar zu Exemplar variierten. Das Haun konnte man so betrachtet auch ohne Kalibrierdatei einsetzen, weil eine Korrektur nicht zwingend erforderlich erschien.
Preiswerte Mikrofone haben eine große Streuung und sind auf eine Kalibrierdatei angewiesen, in einem Format, welches die Messoftware akzeptiert.
Je mehr man über das Mikrofon weiß, auch dessen Polardiagramm oder mehrere Kalibrierungen unter Nennung des Messwinkels, umso besser.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon chriss0212 » 25.12.2016, 23:30

Hier wurden verschiedenste Mikrofone vermessen. Eben auch das Haun. Jetzt stellt sich die Frage: Welche Angaben sind nun richtig?

https://hifi-selbstbau.de/grundlagen-mainmenu-35/softwaremesstechnik-mainmenu-66/480-1000-mikrofonkalibrierungen-eine-uebersicht

Was mich stutzig macht ist: selbst wenn der absolut gemessene Frequenzgang von Hifi Selbstbau evtl. nicht stimmt, so sollte man doch davon ausgehen, dass sie die Abweichungen wirklich gemessen haben oder?
Es waren auch nicht wie oben angegeben 8 Mikrofone sondern anscheinend nur 5.

Sollte es also solche Unterschiede geben, würde ich das nicht ohne Datei einsetzen wollen.

Grüße

Christian
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Beitragvon Rudolf » 25.12.2016, 23:37

Liebe Messfreaks,

soweit ich weiß, bietet hifi-selbstbau.de Kalibriermessungen für jedes Mikro an. Damit wäre doch alles im Lot, oder?

Viele Grüße
Rudolf
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Beitragvon pschelbert » 25.12.2016, 23:45

Hallo

hier zwei meiner ECM8000, bei Hifishop kalibirieren lassen.
Ich habe später mal mit einem amtlich kalibrierten BK nachgemessen, allerdings nur 8 Frequenzen kann der BK.

Was man sagen kann, Hifishop Kalibrierung ist sehr gut relativ!
Aber absolut SPL um ca. 7dB falsch!

Peter

___________________
Behringer ECM8000
zwei Exemplare: OP, OO
_____________________________
Kalibrator
Kalibrator Brüel&Kjaer 4226 Kalibration: 2014 Metas
Frequenz Abweichung bei dB
Hz 94dB 104dB 114dB
31.5 0.14 0.13 0.11
63 0.17 0.17 0.14
125 0.14 0.13 0.11
250 0.12 0.11 0.09
500 0.09 0.09 0.07
1000 0.09 0.09 0.06
2000 0.1 0.1 0.08
4000 0.15 0.11 0.09
8000 0.12 0.09 0.06
12500 0.13 -0.03 -0.06
16000 -0.09 -0.32 -0.37
____________________________
Messung
Mic Exemplar Behringer ECM8000 bei 94dB SPL
OP OO
Abweichung Frequenzgang
Hz dB dB
31.2 -1.2 -2
63 0.1 -0.2
125 0.4 0.4
250 0.3 0.4
500 0 0.1
1000 0 0
2000 0.1 0.1
4000 0.4 0.4
8000 0.1 0.2
12500 1.1 0.8
16000 1.5 1.3
Bild
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Beitragvon chriss0212 » 26.12.2016, 08:04

Hallo Rudolf

soweit ich weiß, bietet hifi-selbstbau.de Kalibriermessungen für jedes Mikro an. Damit wäre doch alles im Lot, oder?


Im Prinzip schon. In meiner Ursprungsfrage ging es mir eigentlich darum, ob ich dann die Kalibrierung noch einmal on Top rechnen muss.

Aber nachdem Hans-Martin berichtet, dass er ein Haun gekauft hat bei dem ein Mikrofon mit nahezu linearem Frequenzschrieb ausgeliefert wurde (und auf deren Webseite ist es auch nahez linear) stellt sich die Frage auf was kann man sich verlassen: auf den nahezu linearen Frequenzschrieb der mit dem Haun ausgeliefert wird oder auf die Messungen von HiFi Selbstbau?

Hat da jemand Erfahrungen?

Gruß

Christian
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