Wie bestimme ich eine Target Curve?

Ulis Mess- und Korrekturprogramm

Wie bestimme ich eine Target Curve?

Beitragvon Mister Cool » 22.01.2018, 17:13

Hallo,

ich bin gerade dabei meine bevorzugten Target Curves zu definieren. Dazu habe ich das Forum nach geeigneten Themen durchsucht und gemerkt (mein persönliches Empfinden), dass diesem Thema nicht so viel Aufmerksamkeit wie anderen klangbeeinflussenden Parametern geschenkt wird. Ich meine damit nicht wie ich mit dem Macro 2 handwerklich umgehe, sondern für welchen Kurvenverlauf ich mich entscheide -> was nehme ich als Basis, was passt zu meinen Abhörbedingungen und klanglichen Vorlieben am besten.
Ich habe einen interessanten Thread von Josh gefunden (Bruel und Kjaer 1974), aber nicht viel mehr. Da gerade Target Curve - meiner Meinung nach - maßgeblich das klangliche Endergebnis bestimmt und über alles zwischen "Super/Knackig" und "Langweilig/eigeschlaffene Füße" entscheidet, habe ich mich auf die Suche nach ein paar weiteren "Referenzen" gemacht. Hier ist eine kleine Zusammenstellung dessen, was ich gefunden habe:

1. Die von Josh bereits genannte Bruel and Kjaer house curve (allerdings ich habe sie mit einem etwas anderen Verlauf gesehen)
2. European Broadcast Union EBU3276 curve
3. Sean Olive (Harmon) curve
4. Mitch Barnett curve (aus seinem Buch zu Acourate)
5. Uli's Kurve abgeleitet aus seinem Testbeispiel
6. Harman International curve

Ich habe sie alle als TXT Dateien nachgebildet, in Acourate als Target importiert und zum Vergleich gegeneinander gestellt - siehe beigefügtes Bild.

Bild

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Kurven sind deutlich, auch wenn der zum Hochton fallender Trend gemeinsam ist. Die Harman International Kurve fällt durch den ausgepegten Bass aus dem Rahmen. Ich habe mir gestern alle diese Kurven angehört, und gebe offen zu, dass mir die Harman Kurve als besonders spaßig sehr gut gefallen hat und bestimmt als Basis für ein "Zwischending" zwischen Harman und Ulis Kurve dienen wird (ich sehe schon die die TD-Addition der beiden Kurven nachbearbeitet mit TD-Gain Faktor 1/2 :D )

Ich würde mich freuen, wenn hier weitere interessante Ansätze zu Bestimmung von Target Curve publiziert wären.

Für Experimetierfreudige habe ich die Target TXT Dateien zum Abtippen oder Runterladen bereitgestellt
(ich habe als Eckpunkte 16Hz und 32kHz angenomen, aber das könnt Ihr ggf. anpassen, entscheidend sind 20Hz-20kHz)

Target_Bruel&Kjaer.txt

* Freq(Hz) SPL(dB) Phase(degrees)
16 0.000 0
20 0.000 0
125 0.000 0
20000 -6.000 0
32000 -6.000 0

Target_EBU3276.txt

* Freq(Hz) SPL(dB) Phase(degrees)
16 0.000 0
20 0.000 0
2000 0.000 0
20000 -6.000 0
32000 -6.000 0

Target_Barnett.txt

* Freq(Hz) SPL(dB) Phase(degrees)
16 0.000 0
20 0.000 0
1000 0.000 0
20000 -6.000 0
32000 -6.000 0

Target_SeanOlive.txt

* Freq(Hz) SPL(dB) Phase(degrees)
16 2.000 0
20 2.000 0
20000 -8.000 0
32000 -8.000 0

Target_Uli.txt

* Freq(Hz) SPL(dB) Phase(degrees)
16 0.000 0
20 0.000 0
300 0.000 0
20000 -4.000 0
32000 -6.000 0

Target_HarmanI.txt

* Freq(Hz) SPL(dB) Phase(degrees)
16 9.000 0
20 9.000 0
25 9.000 0
32 9.000 0
40 9.000 0
50 8.750 0
63 7.750 0
80 5.500 0
100 3.500 0
125 1.500 0
160 0.250 0
200 0.000 0
250 0.000 0
315 0.000 0
400 0.000 0
500 0.000 0
630 0.000 0
800 0.000 0
1000 0.000 0
1250 0.000 0
1600 0.000 0
2000 0.000 0
2500 -0.100 0
3150 -0.300 0
4000 -0.650 0
5000 -1.050 0
6300 -1.600 0
8000 -2.200 0
10000 -2.850 0
12500 -3.650 0
16000 -4.700 0
20000 -5.900 0
32000 -9.100 0

Sollte etwas nicht stimmen, lasst mich es wissen und ich werde es korrigieren

Grüsse,
Alwin

PS. Viel Spass beim Eperimentieren!
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Beitragvon chriss0212 » 22.01.2018, 17:54

Hallo Alfred,

mit meinen letzten Experimenten mit verschiedenen Lautsprechertypen (gerichtet / weniger gerichtet) als auch mit dem Dämpfen des Hörraumes gepaart mit unterschiedlichen Vorlieben kann man meiner Meinung nach keine allgemein gültige Aussage zu Zielkurven machen.

Grundsätzlich scheint es den meisten mehr zu gefallen eine ab 1kHz abfallende Kurve zu haben. Aber die Stärke des Abfalls ist neben dem persönlichen Geschmack auch noch abhängig davon wie stark der Hörraum gedämpft ist als auch wie stark die Lautsprecher im Hochton richten.

Stark gedämpfter Hörraum wird dazu führen, dass Du den Hochton nicht so weit abfallen lässt. Ebenso ein stark gerichteter Lautsprecher.

Warum ist das meiner Meinung nach so:
Ein stark richtender Lautsprecher sorgt dafür, dass weniger Hochtonanteile über Reflektionen an Deinem Ohr ankommen. Gleiches gilt für einen stark gedämpfte Räume.

Dann gibt es noch einige (ich bedingt auch), die gerne ein wärmeres Klangbild bevorzugen und dadurch entweder den Bass oder die unteren Mitten (ich eher die unteren Mitten) etwas anheben, weil das für meinen Geschmack etwas mehr "Schmelz" in die Musik bringt.

Also aus meiner Sicht ist die target curve sehr individuell zu betrachten ... allgemeingültige Aussagen finde ich hier eher schwierig.

Ansonsten gibt es schon einige Treffer zur Target Curve:

search.php?keywords=%22target+curve%22&terms=all&author=&sc=1&sf=all&sr=posts&sk=t&sd=d&st=0&ch=300&t=0&submit=Suche

Viele Grüße

Christian
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Beitragvon Auriga » 22.01.2018, 18:04

Hallo Alwin,

das ist ja lustig! Ich sitze gerade bei mir im Studio und experimentiere auch mit Targetkurven.
Danke für die Links zu den Textdateien. Ich probiere die alle mal aus. :cheers:

Herzliche Grüße,

Andreas
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Beitragvon Mister Cool » 22.01.2018, 18:15

@Christian

I couldn't agree more :)

deshalb würde ich jeden dazu ermutigen ein Bisschen zu experimentieren, um eigene Kurve zu finden

@Andreas

ich habe gerade noch das "Zwischending" aus HarmanI + Ulis Kurve erzeugt und als .dbl Datei zum Download abgelegt

https://www.dropbox.com/s/5q0nnrh8omhce ... i.dbl?dl=0

Grüsse,
Alwin
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Beitragvon Diskus_GL » 22.01.2018, 20:10

Hallo,

auch wenn ich nicht mit einem anderen DRC-Programm als Acourate arbeite, ist das Thema Targetkurve natürlich wichtig und in starkem Maße klangbestimmend. Aber auch ich hab die Erfahrung gemacht, das es eine allgemeingültige Kurve nicht gibt.

Wie Christian schon aufführte hängt das auch sehr von den Abstrahleigenschaften der Boxen bzw. vom Anteil an Reflexionen am Hörplatz/Hörbereich ab.

Experimentieren lohnt sich hier sehr - ist ja schnell gemacht (ich hab meinen Targetkurveneditor immer offen um schnell mal einen Veränderung auszuprobieren). Und dann ist ausgiebiges Hören mit verschiedenster Musik an verschiedenen Hörplätzen angesagt ... und ggf. wieder eine leichte Korrektur ... so nähert man sich "seinen" Targetkurven an ...

Ich hab als Basis eine linear von ca. 30Hz bis ca.15kHz um 7db abfallende Kurve genommen (passt bei mir recht gut). Davon ausgehend, kann man dann mal mit Anhebungen/Absenkungen z. B. +2 dB bei 80Hz experimentieren (bringt etwas mehr Punch) oder z. B. den Bereich von 200Hz bis ca. 7kHz "abflachen" (etwa wie die Harman-Targetkurve), oder den Bereich um 3kHz etwas anheben so um die 1dB (gibt meist etwas mehr Transparenz) oder mal die KEF-Senke ausprobieren usw. ... aber wie gesagt ... das kann je nach Boxen-Raum-Hörplatzkombination etwas anders ausfallen ...

Grüße Joachim
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Beitragvon Auriga » 22.01.2018, 20:42

Mister Cool hat geschrieben:ich habe gerade noch das "Zwischending" aus HarmanI + Ulis Kurve erzeugt und als .dbl Datei zum Download abgelegt

https://www.dropbox.com/s/5q0nnrh8omhce ... i.dbl?dl=0

Hallo Alwin,
fein! Lade ich mir morgen herunter und höre mal rein.

Natürlich gibt es -wie hier schon reichlich gesagt- keine allgemeingültige Targetkurve, aber ich halte solche Kurven von Leuten, die sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt haben, immer für ein gute Basis bzw. Inspiration.

Schönen Abend allerseits, Andreas
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Beitragvon Hironimus_23 » 22.01.2018, 21:53

Hallo Zusammen,

auch ich bin immer noch auf der Suche nach der für mich besten Zielkurve, wahrscheinlich ein ewiger Pfad.

Zur Zeit sind das hier meine verwendeten Kurven. Sie alle haben ab ca. 250Hz einen kontanten Verlauf zu den Höhen und einen Roll-off zu 24kHz. Abwärts von den ca.250 Hz steigen die Kurven um unterschiedlich zu den tiefen Frequenzen unterschiedlich an und haben bei ca.20Hz ihr Maximum von +3dB , +6dB bzw. +9dB.

Obwohl das in den Grafiken recht krass aussieht, höre ich zwischen den ersten beiden Kurven (Maximum bei +3dB / +6dB) fast keinen Unterschied. Bei der mit dem Maximum bei +9dB ist Bass jedoch schon sehr heftig – das macht nur kurzweilig Spaß.

Meine aktuelle Dauer-Hörkurve ist die mittlere mit dem Maximum bei +6dB

Bild

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Aber ich probiere und teste weiter ..
Grüße,
Hironimus
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Beitragvon Hans-Martin » 22.01.2018, 22:23

Mister Cool hat geschrieben:Ich würde mich freuen, wenn hier weitere interessante Ansätze zu Bestimmung von Target Curve publiziert wären.

Hallo Alwin,

interessant wäre ein FG des LS im Freifeld, damit man eine gesunde Ausgangsbasis für die Diskussion hat, schließlich möchte man einen linearen FG im Freifeld sehen, und das, was der Raum hinzufügt, im sinnvollen Rahmen zurückstutzen.

Ich würde mich erst einmal mit Floyd E. Toole auseinandersetzen, der erklärt, was am Hörer ankommt als Folge von Direktschall und reflektiertem Schall und Nachhall, von einem LS, der sich im Freifeld linear misst.

Ich teile die Zielkurve in verschiedenen Bereiche auf:

1. Unterhalb der -3dB untere Grenzfrequenz des LS lasse ich die Zielkurve mit der Messung des LS abfallen, um vom LS nicht eine Erweiterung des Übertragungsbereichs zu erzwingen. Ein Anstieg des Klirr (vermutlich vorrangig k2) ist auf jeden Fall im hörbaren Bereich. Da die untere Grenzfrequenz überhaupt von den Möglichkeiten des Raums abhängt, wähle ich LS, die die erste Mode nicht mehr voll anregen. Da ich mit körperlichem Unwohlsein auf überbvetonte Bässe unterhalb 30 Hz reagiere, mag dieser Punkt von jedem individuell gehandhabt werden.

2. Bis 150Hz liegen meist die ersten 3-4 Moden, die mit hohem Gütefaktor den FG verderben, aber auch das Timing durcheinanderbringen und mit dem langen Nachklingen Details maskieren. Mit einer Zielkurve kann man diese Auswüchse gut beschneiden, am Timing ändert das allerdings nichts. Ein linearer FG ist nicht alles, ein bisschen natürliches Abklingen darf schon sein ... Da Raumresonanzen den Bass aufblähen, im Masteringstudio vorausschauend solche Effekte vereinfachend mit ins Kalkül gezogen werden, finde ich es legitim, den Bass etwas aufzufüllen. Der Anfänger wählt zwischen 50-80 Hk etwa +5dB Anhebung, nach einer Gewöhnungsphase kann man auch auf +3dB heruntergehen.

3. Die Lücke, auf die ich später zurückkomme.

4. Die Messung zeigt vielleicht ab einer irgendeiner (ich vermute aufstellungsbedingt) Frequenz zwischen 500Hz -1500Hz aufwärts eine größere Gleichmäßigkeit zwischen den Kanälen. Das könnte auf die erforderlichen Glättungsalgorithmen zurückzuführen sein, damit man von dem Gezacke nicht erschlagen wird, sondern eine manierliche Linie zum Anfassen und Interpretieren bekommt. Wenn man dafür keine plausible Erklärung hat, zeichne ich hier die Zielkurve der Messung nach, kann allerdings die aus der Freifeldmessung gewonnene Information über die Abweichung vom linearen FG nun hier kompensierend einfließen lassen. An dieser Stelle muss man sich mit dem Mikrofon und der Kalibrierung auseinandersetzen. In der Regel setzt man dieses in Diffusfeldbedingungen ein, obwohl es für Freifeldmessungen konzipiert wurde. Ein heftiger Roll-Off oberhalb 10kHz ist zu erwarten und in der Messung meist bestätigt.

Zurück zu 3., der Lücke zwischen 2 und 4: unsymmetrische LS-Aufstellung im Raum rächt sich hier, die Divergenzen zwischen den Kanälen lassen sich nicht 100% ausgleichen, denn Auslöschungen lassen sich nicht mit mehr Leistung (Anhebung) kompensieren, da dies ebenfalls durch Reflexionen zur Auslöschung kommt. Was als Glättung auf der einen Seite geht, kann auf dem anderen Kanal bei dieser Frequenz evtl. versagen, eine Annäherung ist aber sehr gut möglich. Dummerweise ist dieses Frequenzband in dem Bereich, indem das Ohr mit Phasenunterschieden ortet, mit unvermeidbaren frühen Reflexionen verbunden, das später eintreffende reflektierte Signal greift in den Pegel ein, aber auch die Phase dreht sich. Dummerweise ist der Bereich zwischen 150 bis 750Hz der wichtige Bereich menschlicher Stimme (Grundtonbereich), und nirgendwo haben wir mehr Erfahrung als mit diesem.

Ohne vorausgehende Messungen und Kenntnis der Eigenheiten eines Mess- (oder Korrektur-) Systems scheint mir ein gutes Ergebnis kaum möglich. Ein linealgerader Frequenzgang als Ziel ist eine Anfängerdummheit, deren Ergebnis einen sofort zum Denken zwingt.

Warum ist die oben gezeigte Harman-Kurve die einzige mit dem Roll-Off in den Höhen und einer Bassanhebung unterhalb 150Hz? Ich gehe mit ihr allerdings in punkto +9dB Anhebung nicht konform, 3-5 wären eher mein Ding, und wie geschrieben, ohne das gerade Auslaufen herunter zu 19Hz.

Grüsse Hans-Martin
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Beitragvon Mister Cool » 22.01.2018, 22:42

In Musiker Foren gibt es weitere interessante Tips zum Thema einzelne Frequenzbereiche und deren Auswirkung auf die Tonalität. Hier nur zwei Beispiele:

  • 40-60 Hz dröhnend. Hier wird viel Luft bewegt. Kleine Lautsprecher haben in diesem Bereich Probleme. Daher muss man hier vorsichtig sein.
  • 60-150 Hz fetter Sound. Eine Oktave über dem dröhnenden Sound. Hier kann man Fülle im Bassbereich erzeugen, ohne dass die Wände wackeln.
  • 125-250 Hz hört sich an, als ob eine Decke drüber liegt. Wird durch die tieferen Bassbereiche maskiert. Ist meistens ein Problembereich.
  • 250-500 Hz fast wie der obige Bereich. Als ob eine Wolke den Klang dämpft. Allerdings nicht mehr so schlimm.
  • 500-1kHz tiefe Mitten. EQ Erhöhungen in diesem Bereich sorgen für den "kleinen Raum" Effekt. Badezimmer-Sound ohne die damit verbundenen Reverbs.
  • 500-5kHz Mitten. Enthalten die 1. und 2. Harmonischen der meisten Instrumente.
  • 3-6 kHz Presence oder obere Mitten. Macht den Sound präsent.
  • 7-10 kHz Zisch-Sounds des Silben.
  • 10-12 kHz beißende aber durchaus angenehme Höhen .
  • 12-20 kHz funkelnde brilliante transparente Höhen. Sehr hohe Harmonische der Instrumente bzw. die Becken des Drummers.

Und noch eins, das den Stimmenbereich betrachtet:

  1. Tieffrequentes Material – 100 Hz
    Der wichtigste Teil menschlicher Stimmen befindt sich (in Frequenzen gesprochen) hauptsächlich zwischen 100 und 800 Hz. Durch die Nutzung eines Low-Cut-Filters können alle für den Klang unwichtigen Frequenzen im Bass entfernt werden. Bei männlichen Stimmen kann man diesen Filter bei etwa 80 Hz, bei weiblichen Stimmen so ab 100 Hz einsetzen. Um den optimalen Punkt für den EQ-Filter zu finden, drehst Du ihn langsam immer höher bis die Stimme anfängt, “dünn” zu klingen. Dann drehst Du den Filter wieder ein gutes Stück zurück.

  2. Mehr Wärme – 150 Hz
    Um eine Stimme etwas runder zu machen bzw. ihr mehr “Körper” und Wärme zu geben, kannst Du bei männlichen Stimmen zwischen 100 Hz und 150 Hz respektive bei weiblichen Stimmen zwischen 150 Hz und 200 Hz etwas anheben. Das Q darf ruhig etwas breiter angelegt sein, damit der Eingriff nicht zu offensichtlich wird und am Ende nach Filter klingt. Insbesondere SängerInnen, die zu dünn oder zu nasal klingen, können von einer Anhebung in dieser Region profitieren. Manchmal hilft eine Anhebung hier dabei, dem Gesang mehr Punch zu geben.

  3. Mehr Definition – 400-500 Hz
    Wenn Du mehr Definition für die Gesangsspur wünschst, dann kannst Du in diesem Bereich um die 500 Hz etwas absenken. Beim Absenken von Frequenzen empfiehlt es sich, ein schmales Q zu nehmen. Es geht hierbei um Verbesserungen an der Gesangsspur, die unauffällig bleiben sollten. Wählst Du das Q zu breit, wird das den natürlichen Klang der Stimme verfremden. Du kannst in einigen Fällen das “nasale” an einer Stimme so um die 800 Hz finden und dem mit einer schmalen Absenkung entgegenwirken.

  4. In your face – 3 kHz
    Die Frequenz schlechthin für gut klingende Vocals: Wenn sich der Gesang nicht so recht im Mix durchsetzen kann, dann versuch doch mal eine großzügige Anhebung im Bereich um 3-5kHz. Bei 3 kHz scheint der Gesang sich etwas mehr auf den Zuhörer zu bewegen und in Richtung 5 kHz erhöhst Du die Präsenz des Gesangs.

  5. Sibilanzen entfernen – 7 kHz
    Konsonanten wie “s” und “p” tragen mehr Energie in sich als die meisten anderen. Was man gegen plosive Laute machen kann, soll heute nicht Teil dieses Artikels sein. Vielmehr wollen wir uns um störende und zu laute Zischlaute beim Sprechen / Singen kümmern. Einerseits reicht oftmals eine leichte Absenkung der Frequenzen um 7 kHz herum. Diese Absenkung kann schon dafür sorgen, dass die SSS-Laute nicht zu sehr aus dem Gesang oder der Sprache herausspringen und den Zuhörer ermüden.
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Beitragvon chriss0212 » 22.01.2018, 23:17

Hallo Alwin,

so höre ich gerade:

[TargetDesign]
Targetsamplerate=48000
Date=22.01.2018 22:51:51
basic0x48=100
basic0y48=0,9
basic1x48=1023,6
basic1y48=0
basic2x48=24000
basic2y48=-1,3
lprollx48=41,7
lprolly48=-1,6
hprollx48=17536,1
hprolly48=-3
shelfx48=200
shelfy48=0
peak1x48=42,2
peak1y48=2,2
peak1q48=-6
peak2x48=419,9
peak2y48=3
peak2q48=-6
peak3x48=5000
peak3y48=0
peak3q48=0
LeftAxisMax=40
LeftAxisMin=-40

Kopieren und eine Datei Target.tgt erstellen und einfügen.

Gruß

Christian
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Beitragvon Mister Cool » 22.01.2018, 23:59

Ich habe es übernommen, das sieht genau andersrum als meine Vorlieben (bei mir eine Senke bei 500Hz und bei Dir ein Buckel), aber ich werde es mir morgen anhören.

Grüsse,
Alwin
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Beitragvon chriss0212 » 23.01.2018, 00:11

Hi Alwin,

Wie gesagt: die Geschmäcker sind verschieden ;)

Was ist schon richtig und falsch... oder anders: was hilft es, wenn es richtig ist aber nicht gefällt

Mir ist schon klar, dass meine Kurve nix mit neutral zu tun hat... aber sie macht mir gerade tierisch Spaß ;)

Ich mag so nen Jazz Keller Sound.

Vielleicht liegt es auch an den kleinen Treibern. 2 Wege Koax mit Horn Hochtöner und 6" Bass.

Vielleicht hab ich in 2 Wochen aber auch schon wieder Genug von dieser Kurve :cheers:

Gecurvte Grüße

Christian


Viele Grüße

Christian
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Beitragvon chriss0212 » 23.01.2018, 00:18

Man könnte meine Kurve übrigens auch anders interpretieren...

Wenn ich mir Deine oben gepostete Grafik anschaue, ist es zwischen Uli und Barnett aber mit leichtem Dipp im Bass ;)

Grüße

Christian
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Beitragvon Mister Cool » 23.01.2018, 06:51

chriss0212 hat geschrieben:Was ist schon richtig und falsch...

Ich sehe es ganz ganz einfach und "unorthodox": richtig ist das, was MIR gefällt!!!

Wir reden hier über ein wunderschönes Hobby, das uns Spaß bereiten soll. Wir unterliegen keinen Zwängen irgendwelche Vorgaben einzuhalten oder irgendwelche Messsystem zu befriedigen. So toll und wichtig die ganzen Komponenten, Werkzeuge und Methoden auch sind, das einzige und das wichtigste, das am Ende zählt ist: es soll MIR gefallen und Freude bereiten. Und ob dass am Ende eine "Zisch-Bums" Badewanenkurve oder eine Mitten-Buckel Kurve wird ist sekundär.

Nicht desto Trotz, ich weiss das gebalte Wissen und Erfahrung dazu (z.B. hier in Forum) zu schätzen, denn das hilft einem die Zusammenhänge zu verstehen und darauf basierend eigene Vorstellungen optimal umzusetzen.

Also in dem Sinne: erlaubt ist was gefällt :cheers:

Grüsse,
Alwin
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Beitragvon wgh52 » 23.01.2018, 13:40

Hallo Freunde,

ich war auch schon einige Male Richtung "Zielkurve" unterwegs :wink: und habe für mich in meinem Raum, meine 3-4 Weg Lautsprecher an ihrer Position und für meine Hörpositionen folgende Erfahrungen gemacht:

Meine LS-Geschmackskurve (so nenne ich sie weil sie meine Präferenz widerspiegelt), mit ihrer ab ca. 700 Hz zu den Höhen hin langsam, mehr oder weniger logarithmisch-linear abfallenden Charakteristik, musste, nachdem sie durch Abstimmung mit verschiedenster Musik über einige Zeit gefunden war, auch bei Lautsprecherwechsel bisher nur wenig verändert werden.

Bild

Es könnte sein, dass bisher wenig Änderung nötig war weil meine LS (einigermaßen) gutmütige bzw. ähnliche "off-axis" Frequenzgänge haben, aber das habe ich nicht ausgemessen.

Die LS Einmessung mit DEQX erfolgt in zwei Schritten:
1. FIR Linearisierung (ab ca. 300 Hz) auf lineares Pegel u. Phasenverhalten (nach zeitgefensterter Messung)
2. Raum/Modenanpassung mit IIR PEQ Filtern, sie sind während Musik spielt (ohne neue Filter zu rechnen, also unverzüglich!) verstellbar und anhörbar; daraus resultiert die Geschmackskurve.

Ich bin so vorgegangen, dass ich als Erstes 2-3 Raummoden EQs gesetzt, dann eine (ich glaube es war eine B&K Wohnraum-) Zielkurve als Anfangswerte genommen habe und diese dann nach meinem Gusto während Musik spielte abänderte.

Die "Zielkurve" ist bei mir also weniger ein Ziel, sondern mehr ein Resultat, eine "Geschmackskurve" halt :mrgreen:

Grüße,
Winfried

4384
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