Analoge Hörer - Is there anybody out there?

Plattendreher und Bandmaschinen

Beitragvon Melomane » 17.10.2014, 21:00

Ludger,

jede Platte ist ein Unikat - auch wenn jeweils einige Tausend von einem Presstempel gefertigt werden. Und die werden weder automatisch noch im Reinraum gefertigt. Da hat jede die Chance auf ein Staubkörnchen. ;) Und dann wäre da noch das Abkühlen - je weniger Zeit, desto größere Chancen darauf, sich zu verziehen und einen Höhenschlag mitzunehmen. Und nun steigt auch noch die Nachfrage, die Zeitspanne zum Abkühlen wird sich nicht gerade vergrößern. Dass das ein Thema ist, kann man daran erkennen, dass manchmal extra darauf hingewiesen wird, dass die Platte meinetwegen 48 Std. Zeit zum Abkühlen hatte. Staubkörner kann sie sich immer noch einpressen lassen. Und dann ab damit in oft ungefütterte Innenhüllen (selbst bei den ehemals Großen wie bei der DGG). Du siehst, Chancen, sich ein schlechtes Exemplar einzufangen, sind durchaus gegeben... Aber dafür gibt's ja heute vielfach 180g Kampfgewicht. ;)

Gruß

Jochen
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Melomane
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Beitragvon Funky » 18.10.2014, 19:08

Hallo Hans-Martin,

bin immer wieder beindruckt wie tief deine Betrachtungen gehen. (Dein Wissen scheint mandelbrotartig zu sein, hinter jeder Tür die man mit Dir betritt, eröffnet sich ein Raum mit einer selbstähnlich gleichen Wissenstiefe ...)

Erst mal herzlichen Dank, dass wir alle daran teilhaben dürfen. Als (technisch nicht überzeugter, aber bisher klanglich nicht widerlegter) Vinylist dachte ich schon vieles über Systemaufbau / Geometrie / Abschlußwiderstände / nichtkonforme Entzerrungskennlinien älterer Aufnahmen, etc, etc. zu kennen, aber du lehrst mich eine andere Ebene.

Die Digis unter uns, müssen (sofern die sich überhaupt hier noch tummeln) ja nur noch den Kopf schütteln und sich wundern, dass aus einem PhonoPre überhaupt noch etwas rauskommt, dass mit Musik Ähnlichkeiten aufweisst, vor allem wenn man die Möglichkeiten aufzeigt, was alles bei der analogen Abtastung schief gehen kann (und sicher teilweise eben auch schiefgeht). Von der Aufzeichnung selbst (wie hier ebenfalls von Dir beschrieben) mal abgesehen.

In der Summe scheinen die Effekte sich aber gehörmässig nicht so stark auszuwirken. Selbst der vieldiskutierte Spurfehlerwinkel bei radialen Tonarmen lässt sich von erfahrenden Toningenieuren bei Fehlerwinkeln bis zu 5 Grad nicht heraushören (und da gibt es Jungs, die genau deshalb 12 Zöller auf Ihren PS draufschrauben - da habe ich dann auch meine Probleme :-))

Was ich schon in meinem letzten Beitrag geschrieben habe, hat sich heute wieder bestätigt. Gestern hörte ich die Zauberflöte zur 2/3 durch (Böhms Einspielung mit Dieskau und Wunderlich, also eine schon wirklich ältere Aufnahme) - heute besorgte ich mir eine Einspielung von Abbado von 2007 aus der Bücherei - gerippted und aufs NAS - ich konnte die Overtüre keine 2 Minuten anhören, - beim Vogelhändler Papageno reichten 10 Sekunden um die Zeit fürs Ausleihen und rippen als vertan zu erkennen. Gleiches bei Bach und Kuijken von 2013 - Langeweile, fehlender Ausdruck, flacher Raum, soweit das Ohr hört - nichts, was zum weiterhören animiert.

Was lernen wir daraus - alle vornehmlich überlegenen Parameter der digitalen Technik nutzen nichts, wenn es nicht gelingt sie umzusetzen.

Dann doch lieber alle Unzulänglichkeiten der analogen Aufzeichnung, Abtastung, Tonabnehmeranpassung, RIAA Rückentzerrung, Verstärkung - da bleibt sehr häufig viel weniger auf der Strecke als bei der Zerhackung des analogen Signals mit anschliessender Rekonstruktion

Ist halt immer wieder erstaunlich, dass es einfach so ist

Schönen Abend von mir an alle Musikliebhaber, der die letzte Seite von der Zauberflöte gerade hörte - natuerlich mit Wundlich und Dieskau und einem Booklet in beiden Händen, bevor er dann hier gepostet hat

funky
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Beitragvon llucki » 19.10.2014, 10:28

Hallo Hans-Martin,

ich schließe mich Funkys Anerkennung an, dass Du uns so umfangreich an Deinem wirklich faszinierenden Wissen teilhaben läßt.

Für mich, der sich erst seit gut einem Jahr tiefer mit der Materie befasst, sind Deine Beiträge regelmäßig eine Herausforderung, weil mir oft die Basics fehlen und ich mir erarbeiten muss, so viel wie möglich überhauft zu verstehen. Dabei bleibt aber so viel hängen (und wird ggf. später klar), dass ich, seit Du mir Hintergrundinformationen zu meinen ALR-Lautsprechern gegeben hattest, immer schaue, was Du schreibt, oder in Diskussionen, was Deine Gedanken zum Thema sind und dabei enorm profitiere.

Danke!

Viele Grüße
Ludger
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Beitragvon Hans-Martin » 19.10.2014, 11:53

Funky hat geschrieben: Gestern hörte ich die Zauberflöte zur 2/3 durch (Böhms Einspielung mit Dieskau und Wunderlich, also eine schon wirklich ältere Aufnahme) - heute besorgte ich mir eine Einspielung von Abbado von 2007 aus der Bücherei - gerippted und aufs NAS - ich konnte die Overtüre keine 2 Minuten anhören, - beim Vogelhändler Papageno reichten 10 Sekunden um die Zeit fürs Ausleihen und rippen als vertan zu erkennen. Gleiches bei Bach und Kuijken von 2013 - Langeweile, fehlender Ausdruck, flacher Raum, soweit das Ohr hört - nichts, was zum weiterhören animiert.

Was lernen wir daraus - alle vornehmlich überlegenen Parameter der digitalen Technik nutzen nichts, wenn es nicht gelingt sie umzusetzen.

Dann doch lieber alle Unzulänglichkeiten der analogen Aufzeichnung, Abtastung, Tonabnehmeranpassung, RIAA Rückentzerrung, Verstärkung - da bleibt sehr häufig viel weniger auf der Strecke als bei der Zerhackung des analogen Signals mit anschliessender Rekonstruktion

Hallo Funky
Von der Zauberflöte bin ich auch begeistert, trotz des Alters der Aufnahme.

John Atkinson hat geschrieben: Consider a typical CD player. Yes, it has vanishingly low distortion at full level, and in any case that distortion will be very effectively masked by the high fundamental level. But for lower midrange tones at -60dB, this is certainly not the case. By Fielder's criteria, even if the player's distortion lies 40dB below the fundamental, which is typical, as it is comprised of predominantly high-order harmonics, it will be audible nevertheless and the player is inadequate.
If you have ever wondered why a tube amplifier with relatively high amounts of distortion at high levels sounds less distorted than a CD player with no distortion at high levels, then there is the reason why. The amplifier distortion is both masked through most of its dynamic range window and drops with level, while the CD player introduces more and more of the most audible, least masked type of distortion as the level drops to regions where, traditionally, it is held that such distortion is inconsequential.


Das Problem der traditionellen Klirrfaktormessung und auch der Rauschabstandsbestimmung liegt in der Art und Weise, wie ein Bezug zwischen Störsignal und der Originalsignalamplitude hergestellt wird. Der Rauschabstand wird sich auf die Maximalamplitude beziehen, beim Klirr auf eine angegebene Leistung/Signalamplitude, sinnvollerweise mittels einer Kurve in einer Grafik. Da Musik nicht ständig die Maximalamplitude liefert, und nicht alle Töne gleichzeitig gespielt werden, wird schnell klar, wo die Begrenztheit der Methode in der Übertragung auf das praktische Musikhören liegt. Die eventuell geklippten Pieks sind zu schnell vorbei, dauern keine 200ms, um als Ton wahrgenommen zu werden, dann ist es schon vorbei mit Verzerrt und das Wesentliche bleibt klirrarm.

Keith Howard hat geschrieben: If nothing else, the rate-of-change findings for the DVD-As and SACDs analyzed here is of historical significance because of the flurry of interest in amplifier slew rate that occurred during the late 1970s. As readers who were audiophiles at the time will probably not need to be reminded, slew-rate limitations were offered, principally by Walter Jung [and Matti Otala—Ed.], as one of a variety of explanations for "amplifier sound."
This was a balloon that, with characteristic pragmatism, Peter Baxandall in the UK set out to burst by the simple expedient of measuring the signal rate of change actually delivered by music LPs (this was before domestic digital audio). Using a simple analog measurement technique of an RC differentiator circuit connected to an oscilloscope, Baxandall was unable to measure a slew rate higher than 0.14V/µs, equivalent under the measurement conditions to an equivalent full-scale frequency (Baxandall referred to it as a critical frequency) of about 2.2kHz. Even allowing for a safety margin, any amplifier with a power bandwidth of 20kHz or more—which any amplifier worthy of the description "hi-fi" would be expected to achieve—should cope comfortably.

Keith Howard zeigt anhand von vielen Grafiken Unterschiede zwischen SACD, DVD-A, Vinyl auf.

In seinem Artikel Euphonic Distortion: Naughty but Nice? zeigt er auf, dass die Erhöhung bestimmter Klirrstrukturen zwar Hiragas These annähert, die besagt, dass die Anteile von k2, k3, k4, k5 usw mit steigender Ordnung einen fallenden Wert haben sollten, um einen bestmöglichen Klang zu ermöglichen, aber Howards Resümee fasst klar zusammen, dass weniger Klirr als besser empfunden wird. Demnach ist die Erhöhung von k2, wie beim Hinzufügen einer Röhrenstufe, um es mit Hiraga zu betrachten, ein Erfüllen des Schemas fallender k(n+1)-Werte, aber der Verdacht liegt nahe, dass es nicht Hiraga, sondern der weiter oben zitierter (Atkinson) Zusammenhang sein könnte.

Ganz anders ausgedrückt: Die Kombination anerkannt einwandfreier Gerätschaften könnte -vorsichtig formuliert- dazu führen, dass das, was herauskommt, nicht mehr so wahrgenommen wird, wie natürliche Musik klingt.
Eine intensive Erfahrung dieser Art habe ich mit meinem allerersten Versuch digitaler Raumkorrektur gemacht: Die lineare Zielkurve und das gut kalibrierte Messmikrofon führten zu einem Klang "wie Arsch auf Blecheimer". Das war der Beginn einer steilen Lernkurve...
Keith Howard schreibt für verschiedene Magazine, auf seiner Homepage hat er einiges interessantes Material.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Funky » 08.01.2015, 15:30

analoge Hörer - is there anybody out there ?

das war vor längerer Zeit meine Frage - und es gibt Euch, vielleicht inzwischen mehr als noch vor 5 Jahren. Wäre auf jeden Fall für alle digitalisten die Empfehlung für 2015. Einmal ein gutes Laufwerk sich anhören oder eine Masterband Maschine.

Auch ich bevorzuge weiterhin das analoge Medium als Quelle - ABER und dafür musste ich in der zweiten Hälfte letzten Jahres erst mal über meinen eigenen sehr grossen Schatten springen - in einer digitalisierten Form.

Noch vor 2 Jahren hätte ich allen eine lange Nase gezeigt, die behauptet hätten ich würde mal zum digitalen Lager schwenken. Und ich kann gleich die wieder einfangen die jetzt kommen und sagen - siehste der funky ist endlich auch "heimgekehrt" ins digitale Reich.

Ich habe wohl als eine der wenigen die Möglichkeiten von einem rein analogen aktiven System auf eines umzusteigen, dass die analoge Quelle zunächst digitalisiert - um dann den Datenstrom in der Box wieder 10 cm vor den Chassis zu wandeln zu verstärken und dann eben an die Chassis weiterzugeben - klingt nicht besonders - Doch ist es - denn sowol die eigentliche Elektronik mit den Eingängen als auch der LS mit den passiven Chassis ist gleich geblieben - damit ergibt sich ein direkter Vergleich vorher rein analog zu nachher ADDA - bei gleicher Eingangselektronik und gleichem LS (besser gesagt gleich Chassis, die Elektronik musste natuerlich getauscht werden) :

Aber da der Raum ja auch der gleiche ist kann ich folgendes klar nachvollziehen:

Verluste durch die AD DA Wandlung kontra Verluste durch alles was im analogen Signalweg bis zum Chassis passieren kann (und da gibt es eine Menge wie ich sehr schnell hören durfte - dielektrische Absorption von Kabel , Resonzanzen derselben, Verluste durch Fehlanpassungen und Phasendrehungen durch Kabel, Weichen, Kontakte sei es auch XLR, Toleranzen der Chassis etc. etc.).

Bis auf die Grobdynamik und einen Teil der Feindynamik (das System muss noch eingespielt werden) ist der von Linn eingeschlagene AD DA Pfad ganz klar mit weniger Verlusten behaftet (ich gehe davon aus, dass sich Grob- und Feindynamik an den rein analogen Pfad zunächst annähern und dann in ca. 3 Monaten diesen überholen - zumindest ist das die Erfahrung mit bisherigen Linn Equipment) - wenn dem nicht so sein sollte - aehmm - dann habe ich ein Problem !

Klingt erst mal seltsam, dass es Dynamikeinbussen geben kann und trotzdessen Transparenz, Orientierung der Musiker / Räumlichkeit, Sprachverständlichkeit, Textur, Kohärhenz (eben durch die exakte Phasengenauigkeit) gesteigert sind und zwar beträchtlich. Ist halt erst mal so.

Insofern nutze ich das beste aus 2 Welten - Das beste an Quellgerät - denn gute Platten sind den digitalen Medien weiterhin voraus - auch wenn diese nun bei gutem Mastering durchaus anhörbar sind - digital klingt weiterhin sehr glatt - dynamisch immer noch nicht voll auf dem Punkt (ok, dass merke ich bei den Platten in einem viel größeren Masstab, dass da beim jetzigen Sytem in diesem Bereich eben noch viel fehlt gegenüber dem rein analogen ) - bzw. es klingt bei digitalen Quellen dynamisch genau so wie vor dem Upgrade - nur eben um die ganzen Fehler des analogen Transports bereinigt - das macht es dadurch zunächst hörenswerter als zuvor.

Wenn man also digital Technik optimal nutzt, kann man wirklich was draus machen, was nicht in meine Birne geht, ist das es Aufnahmetechnisch so schwer ist, diese Vorteile auch wirklich voll zur Geltung zu bekommen. (Ok Linn sampelt erst mal alle Quellsignale intern im FPGA mit 35 bit und 382 kHz - kann dadurch alle DAC Limitierungen umgehen und hat ziemlich lange an den Algorythmen gefeilt - dazu gibt es einen eigenen Link mit genaueren Erklärungen)

Nun, aktuell beschiesse ich mein System mit rosa Rauschen um die Einspielzeit zu verkürzen.

Ich lass von mir hören !

funky
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Beitragvon gregor » 08.01.2015, 18:48

Hallo Rainer,

schön, dass Du mich mit Deinem Beitrag daran erinnert hast, dass ich in diesem Thread auf die (noch) aktuelle Ausgabe der Professainal Audio 1/2015 hinweisen wollte, die neben vielen Rechtschreibfehlern auch eine interessante Titelstory zum Thema Vinyl enthält.

Erwähnenswert fand ich auch die Aussage von Björn Bieber, dem Vinylschnitt-Ingenieur bei Flight13: "Vinyl kann nie so gut klingen wie die CD, weil so viele physikalische Grenze(n) existieren." Die pa schlussfolgert also: "Wenn diese Limitierung von einigen Konsumenten und Produzenten als angenehm empfunden wird, schließt sich eine interessante Frage an. Nämlich die, ob die eigene Produktion grundsätzlich geglückt ist, wenn erst die Viny-Klangverfärbung zum ästhetisch gewünschten Ergebnis führt".

Hier noch ein paar Bildchen vom Arbeitsplatz dieses Herrn, der legendären Neumann VMS 80 (die übrigens auch digital schummelt): http://www.flight13-duplication.com/privates/fotoalbum/neumann-vms-80/

Beste Grüße
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Beitragvon Funky » 08.01.2015, 22:29

Hallo Gregor,

juups, ich kenne sie alle, die Limitierungen die sich auf Vinylseite ergeben - Nachechos, Flatter durch nicht genaue Zentrierung, Verzerrungen durch Spurfehlerwinkel, Anpassungsprobleme beim Abschluss der Tonabnehmer, Entzerrerfehlanpassungen etc. etc.

Die Liste ist lang, nur die Liste was bei der Produktion und Reproduktion einer digitalen Aufnahme entstehen kann ist leider noch viel länger und im Gegensatz zum analogen Mastering teils noch nicht komplett verstanden (ich denke nur das das mit Sigma Delta Wandlern bekannte PreRinging, die Jitterfehler die so gross werden können das sich Tonhöhen verschieben, von Phasenproblemen ganz zu schweigen ......)

Ich löse mich aber einfach davon, denn Diskussionen auf dieser Ebene bringen doch letztendlich nichts - beim Arzt sagt man wer heilt hat Recht - und so sollten wir auch hier verfahren.

Was die intensivere Möglichkeit bietet Musik zu geniesen, das sollte man nehmen, Format hin oder her

Und warum ist das imho so, weil die Musik analog wesentlich mehr Rhythmik, mehr Drive, mehr Dynamik und vor allem greifbare Textur hat (die menschliche Stimme ist einfach viel realer auf Platte, biegsamer beim Gesang und microdynamisch wesentlich besser aufgefächert. Selbst hochauflösende Formate (ich habe ein paar Opern vorliegen) kommen nicht ansatzweise an die Intensität guten Vinyls heran.

Es ist ja nicht so, dass ich mich nicht liebend gern von Vinyl trennen möchte. Wer trägt schon gern 300 kg Schallplatten beim Umzug mit rum und zahlt für rare Sachen 100 Euro +, die es per CD oder Download für 8 Euro gibt. Wäre doch alles Schwachsinn wenn die digitalen Medien vergleichbar wären.

Also, lass stecken, ich kann Dir nur empfehlen, was ich Anfangs schon meinte.

Selbst mal hören - aber bitte keinen Schwergewichtsdreher alla Acoustic Solid, oder Fat Bob - besser einen von Funk Firm, den Rega10 , einen AudioNote oder einen kompletten Kuzma , es gibt auch ein paar Projects die PRT drauf haben. Nur Vorsicht, einmal was richtig gutes gehört und der Weg zurück wird schwer.

Also nichts für ungut,

funky
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Beitragvon gregor » 08.01.2015, 22:54

Hallo Rainer,

die von mir zitierte Stelle kann Deine Hörmempfindungen nicht in Frage stellen und soll es auch nicht. Vielmehr finde ich den Artikel interessant, gerade für diejenigen, die sich bisher nicht so sehr mit Vinyl beschäftigt haben.
Ich sehe das pragmatisch, ich höre, was ich da habe und was gerade gefällt, meist digital, mal analog. Schmerzlich werde ich die Revox B77 MK2 vermissen, die ich demnächst abgeben muss. Sicher ist mein Dreher nicht auf dem Niveau meiner Digitalkette, doch gut genug um herauszufinden, ob für Vinyl und Digitalmedium unterschiedlich gemastert wurde oder eben nicht. Und ich habe auch ein paar Schätzchen, die auf Vinyl eindeutig besser klingen. Ich führe das aber nicht unbedingt auf ein besseres Medium, sondern auf optimiertes Mastering zurück. Am Ende zählt für mich immer die Musik, bei den Medien bin ich nicht dogmatisch.
Übrigens durchläuft die Analogkette auch bei mir am Ende eine ADDA-Strecke. Die Mikrofon-Preamps der Fireface sind nebenbei sehr hochwertige MC-Phono-Preamps. RIAA korrigiert dann der Rechner (mit anpassbaren Kurven).

Beste Grüße
gregor
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Beitragvon jackelsson » 12.01.2015, 11:31

Hallo Gregor und Funky,

als - aus der Historie gewachsener - reiner Analoghörer finde ich Eure Ausführungen ziemlich interessant. Könntet Ihr beide vielleicht einmal näher euer Setup beschreiben?

Gruß,
Swen

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Beitragvon Funky » 12.01.2015, 22:13

Hallo Sven,

wird interessant für Dich, da wir beide analoge Quellen haben (ich diese fast nur höre und Gregor zumindest ab und zu) und diese erst mal digitaliseren um sie dann "möglichst verlustfrei" an die LS zu bringen wo dann die DA Wandlung erfolgt mit anschliessender Verstärkung.

Bei mir ist das Set Up folgender. Im PS (Klimax LP12) steckt schon die Phonostufe drin (Linn Urika) - d.h. ich führe das vollsymmetrische Signal schon als Hochpegel und entzerrt aus dem PS - so geht es per XLR Verbinder in einen Linn Klimax VV - der wandelt das ankommende Signal dann in einen digitalen Datenstrom - dies ist allerdings ein proprietäres Format - genannt Linn Exakt Protokoll. Per Ethernet Kabel geht es dann an die beiden Boxen (per Exakt Link) - in den Boxen erfolgt auf digialer Ebene die Zerlegung für die einzelnen Chassis - vollkommen zeitrichtig - da die Chassis zuvor bei Linn ausgemessen werden kann ich die Korrekturen für jedes Chassis gegenüber dem Linn Referenzsystem runterladen und in die Filter der Boxen reinladen. Somit habe ich ein extrem sauberes, kaum mit Jitter behaftetes Signal das dann dann den DA Wandler durchläuft und danach in die jeweilige Endstufe für das jeweilige Chassis verstärkt wird. (Insgesamt sind es pro Box 6 Endstufen)

Hoffe das ist einigermassen einleuchtend.

Schönen Abend von funky
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Beitragvon gregor » 13.01.2015, 17:33

Hallo Swen und Rainer,

die Fireface UC hat zwei Mikrofon-Preamps, die von ihren elektrischen Werten her sehr gute MC-Preamps darstellen. Das Signal meines MC-Systems AT-OC7 wird also symmetrisch vom PS bis zu diesen Preamps geführt, dann linear gewandelt und erst im PC nach RIAA entzerrt. Bei der AD-Wandlung wird die Karte von der Mutec MC3+ getaktet, DA macht dann der DAC8 mit dem von der MC3+ neu getakteten Signal.
Forenmitglied Thias hat das alles allein mit der Fireface UC realisiert und mich erst auf diese Idee gebracht. Es gibt auch Karten, die die RIAA-Funktionalität bereits on board haben, z. B. von Prism Sound. Sinnvoll ist dieses Vorgehen v. a. bei MC-Systemen und man sollte bereit sein, die Verkabelung des Plattenspielers umzurüsten.
Die RIAA-Entzerrung kann auch eine Software machen, bei mir ist es LOGIC. Ich erinnere mich, dass Pure Vinyl das auch kann, letztlich jede DAW, die Plugins einbinden kann. Dadurch lassen sich verschiedene RIAA-Kurven verwenden. Auch Raumkorrektur ist so möglich. M. E. sollte man Wortlänge und Abtastfrequenz möglichst im optimalen Arbeitsbereich des ADC/DAC wählen; bei mir höre ich allerdings keinen bis sehr wenig Unterschied zwischen 24/88, 24/96 bzw. 24/176 und 24/192. 16/44 ist eindeutig schlechter. Mein Dreher ist auch "nur" ein Technics SL-1200.
Die Revox B77 MK2 lief bisher ebenso über die ADDA-Strecke, auch hier ist eine Raumkorrektur möglich und durch die Line-Ins der Fireface muss auch nichts umgestöpselt werden. Die Bedienung erfolgt allerdings hauptsächlich über den PC, was sicher nicht jedermanns Sache ist. Ein echter Vorteil ist, dass man ganz leicht Schallplatten und Bänder nebenbei digitalisieren kann.

Beste Grüße
gregor
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Beitragvon jackelsson » 14.01.2015, 14:28

Hallo Reiner und Gregor,

vielen Dank für die ausführliche Darstellung Eurer beiden Lösungsansätze.

@Reiner: der „Linn Way“ ist sehr spannend und wahrlich konsequent, aber andererseits natürlich höchst proprietär und nur in genau diesem Biotop umzusetzen. Hast Du gegen den LP12 denn mal eine höchstwertige digitale Quelle von Linn ausprobiert, oder kommt digital als Quelle bei Dir – ähnlich wie z.Zt. bei mir - gar nicht vor?

@Gregor: die Idee, einfach einen hochempfindlichen, linearen Mikrofoneingang zu benutzen und dann nach der A/D-Wandlung digital zu entzerren finde ich hochspannend. Wenn ich Deine Ausführungen richtig interpretiere, dann ist Dein Hauptanliegen dabei aber nicht, digital bis in die Lautsprecher zu gehen, sondern eher, vor dem eigentlichen Line-Vorverstärker eine Raumentzerrung einschleifen zu können, richtig?

Die RIAA-Entzerrung über eine DAW finde ich auch sehr interessant, mindestens für erste Versuche, vielleicht sogar als Dauerlösung. Wo genau bekommt man denn RIAA-Plugins für DAWs her? Und hast Du mal verschiedene DAWs ausprobiert? Ich meinte bei Vergleichen mal, leichte Unterschiede in der Wiedergabe zwischen Logic und Live auszumachen. Sowas müsste dann ja theoretisch auch bei der Plattenentzerrung zum Tragen kommen. Und wie genau routest Du das Signal in der DAW? Fragen über Fragen…

Ich bin mir noch nicht sicher, ob diese digitale Herangehensweise für mich alten Analogi wirklich das richtige ist, aber es ist definitiv spannend, das mal durchzuspielen und wohl auch mal auszuprobieren.

Viele Grüße,
Swen

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Beitragvon gregor » 14.01.2015, 20:07

jackelsson hat geschrieben:Wenn ich Deine Ausführungen richtig interpretiere, dann ist Dein Hauptanliegen dabei aber nicht, digital bis in die Lautsprecher zu gehen, sondern eher, vor dem eigentlichen Line-Vorverstärker eine Raumentzerrung einschleifen zu können, richtig?

Die RIAA-Entzerrung über eine DAW finde ich auch sehr interessant, mindestens für erste Versuche, vielleicht sogar als Dauerlösung. Wo genau bekommt man denn RIAA-Plugins für DAWs her? Und hast Du mal verschiedene DAWs ausprobiert? Ich meinte bei Vergleichen mal, leichte Unterschiede in der Wiedergabe zwischen Logic und Live auszumachen. Sowas müsste dann ja theoretisch auch bei der Plattenentzerrung zum Tragen kommen. Und wie genau routest Du das Signal in der DAW? Fragen über Fragen…

Hallo Swen,

anfangs habe ich es exakt so gemacht, wie Thias das beschreibt: http://www.aktives-hoeren.de/viewtopic.php?p=44380#p44380.
Mittlerweile habe ich die Studio-Clock und den T+A DAC8 als digitale Mitspieler und es funktioniert noch besser. Sowohl Fireface in Thias Konfiguration als auch mein DAC8 reichen ein Analogsignal direkt an die Aktivlautsprecher weiter. Der Zauber der Fireface-macht-alles-Lösung besteht darin, dass man nur ein kleines Gerät braucht, mit der neuen Kette werden AD und DA-Abteilung durch die MC3+ im Takt gehalten.
LOGIC verwende ich weniger aus klanglichen Gründen, sondern weil ich damit gut vertraut bin (und damit meine Samples bearbeite). Ableton Live habe ich nur als "Lite"-Version. Klangliche Unterschiede bei DAWs konnte ich auch schon nachvollziehen, wer wirklich High-End will sollte das mal probieren. Das Routing ist einfach, die beiden MicPreamps der Fireface auf eine Stereo-Spur gelegt und als Effekt das RIAA-Plugin eingebunden, wahlweise noch das Convolver-Plugin. Dann "Main" auf die Ausgänge der Karte bzw. bei mir auf den DDC, "Record" drücken und "Pause", schon klappts. Für einen ersten Versuch würde ich das kostenlose RIAA-Plugin von http://www.vacuumsound.de/plugins.html verwenden, wenn Du einen Mac hast (klingt so, denn Du hast LOGIC erwähnt).
Allerdings ist schnell mal probieren nicht so einfach, der Plattenspieler muss ja erst ein symmetrisches Signal liefern...

Beste Grüße
gregor
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Beitragvon Funky » 14.01.2015, 20:44

Grüß Dich Swen,

wenn Du meine Beiträge in diesem Forum etwas heraussotierst wirst Du feststellen, dass ich ein technisch nicht überzeugter aber klanglich nicht widerleger Analogie bin.

Ich bin im Besitz eines Linn Klimax Streamers - imho eines der besten digitalen Quellgeräte die ich kenne (und ich hatte bei mir so ziemlich alles was Rang und Namen hat stehen - war immer anders aber nie wirklich musikalisch zwingender also der Linn (Weiss, Nagra, ...).
Angesteuert wird der Streamer über ein SSD NAS mit extra kurzen Kabelwegen inklusive galvanischer Trennung und eigenem Switch. Der Streamer transportiert seine Daten direkt über den digitalen Link an die LS - somit eigentlich mit hochauflösendem Material näher als jede andere Form am Master.

So weit die Theorie, gutes Vinyl ist leider eine Klasse für sich. Deshalb ist der Streamer meist arbeitslos.

Schönen Abend

funky
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Beitragvon Funky » 14.01.2015, 21:28

Noch ein Nachtrag Swen,

der Linn KDSM-1 hat neben den proprietären Exakt Links auch parallel normale XLR Outputs.
Insofern ist man dann nicht in der Linn Welt - sozusagen Vendor Locked - gefangen.

Nur wer einmal den Unterschied von Exakt zu normalem analogen Output mit Aktiv oder gar passiven Boxen gehört hat, der geht den Weg nicht mehr zurück, zu gross ist der Gewinn an Feinzeichnung, Transparenz, Struktur, Dynamik und Rythmus -

Dies nur mal zum neugierig werden und sich mal bei einem Linn Händler das System anhören (am besten zuvor fragen ob er auch einen PS dran hängen kann)

Wie auch immer, hoffe, du findest den Dir passenden Weg

funky
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