Vinylfreunde: Bitte um Tonabnehmer-Empfehlung!

Plattendreher und Bandmaschinen

Beitragvon Siriuslux » 26.11.2017, 14:57

uli.brueggemann hat geschrieben:
Hans-Martin hat geschrieben:Und Rohre sind erstaunlich biegesteif, Vollmaterial überlegen.

Hans-Martin,

warum?
Im Hinblick auf leichterer Masse bestimmt. Nicht jedoch hinsichtlich der Biegesteifigkeit.
Das Widerstandsmoment gegen Biegung ist bei Vollmaterial größer als bei Rohren und zwar genau um Pi*d^4/(16*D) (d=Innendurchmesser Rohr, D=Aussendurchmesser).

Grüsse
Uli

Hallo Uli,
Du hast das vollkommen richtig erfasst, dass das Wiederstandsmoment bei Vollmaterial höher ist als bei einem Rohr.
Das ist in der Praxis jedoch nicht relevant, da muss man nämlich das Gewicht oder besser das Flächenträgheitsmoment in Richung des Rohres in die Rechnung mit einbeziehen, dann hat man gewissermassen einen Quotienten wie (Steifigkeit/Gewicht), da ist dann ein (gerades) Rohr unschlagbar und um Längen besser als Rundmaterial. Man würde ja sonst auch Fahrräder nicht mit Rohren bauen sondern aus Vollmaterial.

Ist das verständlich?

Gruß, Jörg
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Beitragvon uli.brueggemann » 26.11.2017, 15:44

Jörg,

das ist mir schon klar. Ich hab ja auch schon auf die geringere Masse hingewiesen.
Was mir eigentlich immer fehlt sind klare Aussagen zur optimalen Resonanzfrequenz und Dämpfung. Und wie man das denn genau erreicht.

Grüsse
Uli
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Beitragvon Hans-Martin » 26.11.2017, 19:16

Hallo Uli,
in stereoplay 12/1982 wies Siegfried Benn auf die in der Nadelaufhängung und evtl im Tonarmlager eingebaute Dämpfung hin, die bei der Berechnung der Resonanzfrequenz mitwirken.
Tabellen mit Dämpfungswerten der Nadelaufhängungen gibt es nur im Ausnahmefall (wie in diesem seltenen Artikel), bei den technischen Daten der Hersteller findet man sie nicht.
Dann doch lieber selbst erfassen, wie in diesem Thread beschrieben
Hier ein alternativer Link zu dem Poul Ladegaard Paper :http://www.laudioexperience.fr/wp-content/uploads/2017/04/Bruel-Kjaer-Audible-Effects-of-Mechanical-Resonances-in-Turntables-AN17-233-1977-1.pdf Auf S.5 ist eine Grafik, die die von Shure ermittelten Warp-Auslenkungen in Frequenz umgerechnet zeigt, das Maximum ist bei 4Hz, zu 10Hz fallend.
Je näher man den 10Hz kommt, umso sicherer kann die Welligkeit bewältigt werden, sprich, der TA springt nicht aus der Rille.
Ladegaard hat einen vertikalen Sprung von 0,2mm in eine Platte eingebaut, bei 10Hz Resonanzfrequenz dauert jede Periode 100ms, 5 Nachschwinger würde ich als ordentlich ansehen, aber das dauert schon 500ms, also 1/4 Umdrehung der Platte, sprich, nur 75% der Platte werden bestenfalls ohne signifikante Störung abgespielt, dann kommt die nächste Störung der nächsten Runde.
Bei 5Hz und gleicher Dämpfung wird sogar eine halbe Plattenumdrehung mitbeeinflusst.
Wenn man mit der DHFI Testschallplatte bei 300Hz 50/60/70/80um Antiskating mit einem 2-Kanal Oszilloskop einstellt, sieht man bei vertikalen Erschütterungen, wie die Phasen sich verdrehen, d.h. eine laterale Komponente im Nachschwingen sich noch zur Vorwärts/Rückwärtskomponente der Nadel addiert, ausgelöst durch eine vertikale Störung. Das zeigt auch Bild 20.
Bild 28 zeigt, dass der Auflagedruck sogar periodisch negativ werden kann, die Nadel verliert den Rillenkontakt. Ladegaard hat hier aber die Stufe benutzt, bei Warps gibt es keine so hohe Steilheit der Anregung.
Ein spannendes Thema, und schon 40 Jahre alt...
Grüße Hans-Martin
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