Uli (Quadral Aurum Orkan VIII passiv)

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Bei Vorstellungen steht die persönliche, subjektive Erfahrungswelt des Verfassers im Vordergrund. Insbesondere soll die Vorstellung als "Visitenkarte" des Mitglieds gewürdigt bzw. respektiert werden. Dialoge sollten hier vorrangig mit dem Verfasser und nicht mit Dritten geführt werden. Siehe auch die Forumsregeln.

Beitragvon planetti » 18.06.2017, 23:11

Vielen Dank für Euer Feedback.
Winfried hat recht. Doch die Absenkung der Zielkurve ist auch Geschmacksache.
Jürgen, eins auf die Ohren können wir gerne unter PN oder Stammtisch ausmachen.
Wie es klingt mit Fazit gibt's in Kapitel 5, doch soweit ist es noch nicht ganz ...


Kapitel 4: Nebenerkenntnisse - oder oha, was ist denn das?

- Könnt Ihr nachvollziehen, wie man an sich selbst zweifelt, wenn man ein Gerät in der Kette hat, das einfach mal die Polung invertiert? Man sitzt vor seinen Messungen, und rätselt, was da nicht stimmt, und die Ohren schreien ständig, wie sch.... sich das Ganze anhört, um dann später mal im Forum von miniDSP zu lesen, dass einer rausgefunden hat, dass der damalige OpenDRC-DA ab Werk ein invertiertes Signal produziert. :shock:

- Mein Raum ist ja aufgrund der Beschaffenheit ein Paradies für Raummoden. Bei meinen Testsweeps hatte ich den Eindruck, dass das Zustopfen des Bassreflexrohrs (unabhängig von der Lautstärke) ein etwas kürzeres Ausschwingen der tiefen Moden bewirkt bei gleichzeitig besseren Ortung insbesondere der hohen Bassfrequenzen. Aber ohne elektronische Klangkorrektur klingt es unbrauchbar "dünn" und "topfig". Aber in Verbindung mit der automatischen IIR-Korrektur durch AcourateDRC und der steilen FIR-Weiche mit der manuellen FIR-Korrektur erhält man einen "klareren" und erweiterten Tiefton mit einem besseren Zeit- und gleichmäßigerem Ausschwingverhalten. Hier mal der Vergleich des Ausschwingens im Tieftonbereich im Original und nach Optimierung:
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oder mal mit Wellenfront Original und nach Optimierung:
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- Aus vorigen Erfahrungen hatte sich gezeigt, dass die Mess-Software REW in Verbindung mit der FIR-Filtererstellsoftware Rephase manuell und halbautomatisch kleine Verbesserungen bringen. Zuerst ist es eine Verschlimmbesserung, und erst nach viel Erfahrung und Mühe kommt man winzige Schrittchen weiter. Im Gegensatz dazu bringt das für den OpenDRC zugeschneiderte AcourateDRC gleich beim ersten mal einen riesigen Satz in die richtige Richtung. Nach etwas Einlesen, Optimieren und viel Probehören kommt man immer näher an das von dieser Software Machbare hin.

- AcourateDRC ist nur eine Korrektur über Alles, ohne FIR-Rechen- oder -Weichenfunktionen. Allerdings ist durch die beschränkte Rechenleistung des OpenDRC auf 6144Taps/Kanal die Auflösung im Tieftonbereich so grob, dass bis ca. 200Hz für die Korrektur vor allem IIR-Filter zum Einsatz kommen (siehe auch "Einstellungen" im Thread AcourateDRC). Schätzungsweise dürfte auch die Phasenkorrektur durch AcourateDRC in diesem Frequenzbereich eine untergeordnete Rolle spielen, so dass im TT-Bereich die AcourateDRC-FIR-Filter problemlos durch ein manuell erstelltes Rephase-FIR-Filter ersetzen kann und die FIR-Weiche usw. nutzen kann. Weiterhin kann AcourateDRC wahlweise 14, 10 oder 6 IIR-Biquads belegen. Eine IIR-Weichenflanke verbraucht jeweils 4 IIR-Biquads, so dass man die Anzahl an Korrektur-Biquads für den MT/HT-Bereich maximieren kann, wenn man "10IIR" auswählt, und dann manuell die 4IIR Biquads für den Hochpass in die OpenDRC.xml an der richtigen Stelle hineinpfriemelt. Noch besser wäre natürlich eine FIR-Weiche auch für den HT/MT, oder zumindest die FIR-Filter von Rephase mit einer Rechenfunktion in seinen FIR-Filter mit aufnehmen könnte. Das ist der Acourate Vollversion vorbehalten, den TT und MT/HT-Bereich separat vorher mit FIR-Weichen, PRC und weitere Parametern zu linearisieren. Wie dann gut das Optimum noch wäre, kann ich leider nicht abschätzen.

- Bei meinen ersten Versuchen mit AcourateDRC erhielt ich sonderbare künstliche Vorpumpgeräusche vor tieferen Percussivtönen, z.B. Basedrum. Dieses Preringing ließ sich nur beseitigen, indem ich in der AcourateDRC.ini den Wert FDW auf 2 runterschraubte. Ich weiß allerdings den Grund nicht genau, ob es der hallende Raum ist oder der Versuch von AcourateDRC, die Phasenprobleme an der Trennfrequenz auszugleichen.

- Die Orkane stehen standardmäßig auf einer über 4 Metallringe beabstandeten Platte. Als ich den Tiefbass mal richtig austestete, bemerkte ich, dass die ganze Kiste mächtig auf dem Holzboden rappelt. Nach kurzer Recherche war klar, dass da eine mechanische Entkopplung her muss. Nachträglich kann man sich die Spikes von Quadral schicken lassen, die aber nach jedem veränderten Standort 8 neue Löcher im Edelholzboden bedeuten. Also kamen 12 hochwertige Ringfilzgleiter an die Unterseite der schwarzen Platte, wobei deren Schrauben einen 1cm dicken, sehr weichen Moosgummi zusätzlich zwischen Ring und Platte leicht einspannen, so dass das Gehäuse über die Spikes und Metallgegenstücke auf der Platte abgestützt ist, die wiederum über das Zwei-Stoffsystem Moosgummi und Filz sehr weich zum Boden abgedämpft ist. Ich meine, der Bass schwingt dadurch bisserl "freier" und "gefasster" zugleich. Diese Lösung fand ich praktischer und eleganter als z.B. eine Schieferplatte.
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Beitragvon planetti » 19.06.2017, 00:23

- In Kapitel 3, 3a) ist für die IIR-Weiche eine Sprungantwort zu sehen, bei der durch das Delay des MT/HT von 1,08ms der TT vor dem HT beginnt. Das sieht zwar seltsam aus, klingt aber ordentlich. AES Paper 6885 ("Linear Phase Crossover Filters Advantages in Concert Sound Reinforcement Systems: a practical approach") gab mir dazu wertvolle Hinweise, welche Auswirkung welche Weiche und das Delay hat. Auch hilfreich bei der Auslegung der Weichen ist die Arbeit "Perceptual Study of Loudspeaker Crossover Filters" von Henri Korhola, Helsinki, wobei in Hörtests festgestellt wurde, dass IIR-Weichen bei wesentlich niedrigeren Ordnungen negativ hörbar sind als FIR-Weichen.
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Beitragvon planetti » 19.06.2017, 00:41

Kapitel 5: Fazit - oder was bringt's, wie klingt's?

Wenn man eine Konfiguration aus bereits geeigneten Komponenten hat, so ist eine enorme Klangsteigerung durch eine gemeinsame Optimierung aus Aufstellung und individuelle elektronische Abstimmung mit einer Teilaktivierung und elektronische Raumkorrektur (wie Acourate), sowie etwas Mühe möglich.
Die Gesamtheit bringt enorm viel: Durch die Aktivierung arbeiten der obere Tonbereich vollkommen frei vom unteren, mit einer gewissen "Lässigkeit", hier durch die Verschiebung der Trennfrequenz auch mit einer klareren Stimmenreproduktion. Durch die elektronische Korrektur werden alle Details gleichmäßig von den höchsten Höhen bis zu den tiefsten Tiefen mit einem sauberen Impulsverhalten dargestellt in einer gewünschten Klangausprägung, und das auch in einem schwierigen Raum ohne zu nerven. Nun kann ich die Instrumente auch bei geringer Lautstärke eindeutiger wahrnehmen, sie stehen im Raum. Ich höre die Musik. :mrgreen:
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Beitragvon planetti » 19.06.2017, 00:48

Abspann - oder was kost' jetz' der Spaß?

Investitionen:
515€ Yamaha A-S 1000 (gebraucht ebay)
(Anmerkung: für noch sparsamere wäre z.B. das Modell Yamaha R-S700 empfohlen - auf "CD DIRECT AMP" betrieben bietet er ein exzellentes Preis-Klangverhältnis)
390€ MiniDSP OpenDRC-DA (preiswertester FIR-Convolver als externes Gerät)
350€ MiniDSP OpenDRC-DI
10€ MiniDSP OpenDRC-Plugin2x2
96€ Audiovero AcourateDRC
45€ Messmikrofon kalibriert (HIFI-Selbstbau)
- Rephase (Software)
- REW (Software)
100€ Kabel
80€ Behringer Ultramatch pro SRC2496 (gebraucht ebay)
290€ Beresford Caiman MKII (mit SFW3)
viel Zeit und Geduld

d.h. weniger als der Zuschlag auf die Orkan VIII aktiv (bei guter Abstimmung auf die Raumverhältnisse) - Ziel erreicht! :mrgreen:

Sooooo, das waren jetzt viele Buchstaben. Jetzt könnt Ihr kommentieren, diskutieren, ergänzen, verbessern ...
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Beitragvon wgh52 » 19.06.2017, 09:36

Hallo Uli,

ich bin erstmal baff, mit welcher Akribie und Geduld Du dieses Projekt durchgezogen hast und gratuliere Dir herzlich zum so toll geglückten Ergebnis!

Danke auch für die ausführliche und strukturierte Darstellung der Vorgehensweise und Erkenntnisse! Davon könen sicher auch andere, nicht-Orkan Aktivierungsprojekte (ich eingeschlossen) profitieren.

Ich habe Einiges lernen können und werde Dich für meine Projekte konsultieren, speziell mit REW möchte ich die DEQX Sachen "nachmessen" und kenne mich da gar nicht aus. Weiteres dazu per Mail.

Ansonsten wäre ich gerne bei einem AH Mini-Treffen bei Dir dabei und bitte bescheiden um Vormerkung :cheers:

Viel Spaß mit Deinen "neuen" Lautsprechern!
Winfried

PS: Einen Hinweis habe ich doch noch. Hast Du's mal mit drei statt vier "Untersetzern" versucht? Vier sind ja statisch überbestimmt und neigen zum wackeln/kippeln. Meine LS stehen auf je drei "Antispikes" (zwei vorn, einer hinten mittig).

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Beitragvon Hans-Martin » 19.06.2017, 11:30

wgh52 hat geschrieben:Hast Du's mal mit drei statt vier "Untersetzern" versucht? Vier sind ja statisch überbestimmt und neigen zum wackeln/kippeln. Meine LS stehen auf je drei "Antispikes" (zwei vorn, einer hinten mittig).

Hallo Uli,
Winfrieds Rat, auf 3 Ankopplungspunte zu reduzieren, ist bei schon geringen Unebenheiten sehr hifreich.
Es könnte sich lohnen, 2 Antispikes nach hinten (Eckbereich) und den dritten unter der Mitte der Vorderkante zu platzieren, und beide Varianten zu vergleichen.
Statisch betrachtet ist mit 2 vorn prinzipiell zwar günstiger, weil der Masseschwerpunkt durch die Chassis etwas weiter vorn liegt, aber dynamisch betrachtet ist die Hinterkante größerem Druck ausgesetzt, wenn unter der stärkeren Bewertung positiver Membranauslenkungen gemäß menschlicher Wahrnehmung einwärts und auswärts gerichtete Bewegungen unterschiedliche Eindrücke hinterlassen. Quadral hat das bei der Formgebung der Aurum Orkan VIII schon mit der schrägen Rückwand angedeutet, die eine längere Bodenplatte bewirkt.
Das An oder Entkoppeln des Bass ist der eine Aspekt, die Ruhe der Hochtönerposition ohne Überlagerung von Schallwand- und Gehäuseschwingungen. Audio Physics hat den Hochtöner in Filz geklemmt, wer sich traut, packt oben auf die Box einen schweren Gegenstand, Stein oder Stahl.
Die schlanke Orkan könnte bei 3 Bodenkontaktpunkten kippen, das verhindern unter den beiden freien Ecken Gummi- oder Filzfüße, die Vibrationen ganz anders übertragen als harte Füße.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon wgh52 » 19.06.2017, 16:02

Hallo Hans-Martin,

Hans-Martin hat geschrieben:...könnte bei 3 Bodenkontaktpunkten kippen, das verhindern unter den beiden freien Ecken Gummi- oder Filzfüße...
Was für ein eigentlich naheliegender und genial einfacher Rat! Mal sehen ob ich Gummifüße finde, die zur Antispikehöhe passen. Ich denke, falls die "Stützfüße" etwas zu kurz wären (so um 0,5mm), also gerade nicht den Boden berühren, sollte das doch eigentlich optimal sein, oder?

Danke jedenfalls!
Grüße,
Winfried

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Beitragvon Hans-Martin » 19.06.2017, 16:11

Hallo Winfried,
wenn man ein Blatt Papier noch darunter durchziehen kann, ist man auf der sicheren Seite.
Grüße Hans-Martin
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