Cay-Uwe (Sonus Natura)

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Bei Vorstellungen steht die persönliche, subjektive Erfahrungswelt des Verfassers im Vordergrund. Insbesondere soll die Vorstellung als "Visitenkarte" des Mitglieds gewürdigt bzw. respektiert werden. Dialoge sollten hier vorrangig mit dem Verfasser und nicht mit Dritten geführt werden. Siehe auch die Forumsregeln.

Beitragvon cay-uwe » 16.09.2014, 11:11

Ich wollte mich mal wieder melden, denn letztens rief mich der Chefredakteur unserer Regionalzeitung an, weil sie Berichte über Firmen der Region schreiben. Er fand mein Gewerbe sehr interessant, da es etwas anderes ist als das sonst üblich hier in Rheinhessen, wo man es meistens irgendwie mit Wein zu tun hat. :mrgreen:

Während des Telefongesprächs stellte sich heraus, dass der Chefredakteur selber in einer Band musiziert und dementsprechend war er auch gespannt was ihn so erwartet.

Ende August ist der Artikel erschienen und auch im Internet publiziert worden:

http://www.allgemeine-zeitung.de/lokale ... 427004.htm
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Beitragvon LordHelmchen » 16.09.2014, 19:01

Hallo Du Costa Ricaianer Du :wink:,

prima Bericht, Gratulation (so erfährt man auch mal was Neues über Dich) ...

Die Stella kenne ich ja, die mittlere silberne auch, aber welche Box ist das ganz links auf dem Foto?

Viele Grüße

Markus
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Beitragvon cay-uwe » 16.09.2014, 20:03

LordHelmchen hat geschrieben:Die Stella kenne ich ja, die mittlere silberne auch, aber welche Box ist das ganz links auf dem Foto?

Hallo Markus,

die Boxen links sind meine 331 -> viewtopic.php?f=16&t=777
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Beitragvon cay-uwe » 29.07.2015, 12:04

Als sich vor kurzem Bruno hier vorstellte, machte ich den Kommentar, dass ich im Moment für mich eine Erfahrung gemacht habe, die mich wieder zu Passivlautsprechern bringt.

Darauf hin bekam ich prompt PNs von Usern, die gerne wissen wollten was denn da so los ist bei mir. Besonders hat mich die PN von Noel, alias „NNEU“ bewegt, der gerade für sich die Erfahrung macht, dass seine aktivierte B&W 805, einfach das „Bessere“ ist.

In seinem Alter begann ich mit meinen ersten Entwicklungen von Lautsprechern.

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Für 1977 / 1978 vom Design eigentlich schon sehr fortschrittlich, aber seit der Zeit begleitet mich eine Art innere Rastlosigkeit. Immer wieder ging es mir darum, wie kann man das noch besser machen. Allein bei dem Lautsprecher habe ich mehrere Hochtöner und Mitteltöner ausprobiert und nicht minder war der Aufwand an Spulen die ich für die Filter gebraucht habe, denn sie wurden nicht gekauft, ich habe sie selber berechnet und gewickelt und immer nur wegen den Einen, wie geht es besser.

Prinzipiell ist es richtig, das man als Entwickler immer auf der Suche nach den „Besseren“ ist, denn nur so kann sicher gestellt werden, dass durchdachte Produkte entstehen.

Nichts desto trotz, sollte man vor Augen haben, dass es um Musik hören geht, um Kunst, und nicht zu sehr um Technik und das bleibt in vielen Fällen aus meiner Sicht außen vor.

Da werden beim Netzteil Welligkeiten von Microvolt in Nanovolt geglättet, da wird im Hochton 0,23dB angepasst, die Grenzfrequenz wird auf 34,67 Hz gebracht, da es besser ist als die vorherigen 38,23Hz, der Jitter wird von 145,35 ps auf 141,23 ps gesenkt, 16bit / 44.kHz Auflösung wird auf 24bit / 384kHz gebracht, und, und und, und wo bleibt das Musik hören ?

Das alles erinnert mich an den Film „Und ewig grüßt das Murmeltier“, jeder Tag wiederholt sich, immer wieder das Gleiche, immer wieder diese Ratlosigkeit, diese Suche …

Und was soll ich sagen: It's alive, the Sonus Natura Extremi

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Einige von Euch kennen den Lautsprecher – hier einmal mehr als Prototyp bei einen acourate Workshop in München - zu dem ich immer wieder Feedback bekommen habe, diesen auch versucht habe umzusetzen um das „besser“ hin zu bekommen.

Ziel war unter Anderen ein Lautsprecher für Röhrenverstärker auf die Beine zu stellen und so kam es auch, dass ich dafür extra einen Röhrenverstärker gekauft habe, aber nicht einen neueren Datums, sondern einen über 50 Jahre alten The Fisher x-100, denn meiner Ansicht nach hat er mir das vermittelt was einer Röhrenverstärkern nachgesagt wird.

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Einige Interessenten der Extremi waren sogar mit ihren Röhrenverstärker bei mir und sehr beeindruckt hat mal ein MFE 845 TA ( Single Ended Röhrenendstufe ).

Nichts desto trotz, es gab immer wieder Rückschläge, und ich nahm mir der Kritik an und führte viele Detailverbesserungen durch. Eine der aufwendigsten war die Optimierung des Horn im Coaxchassis, dass sich sehr unruhig überhalb von 10kHz zeigte. Was die Optimierung von mir gebracht hat, zeigt folgende Messung „vorher – naher“:

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Die blaue Messung zeigt den Frequenzgang im Original und die Rote mit meiner Modifikation. Deutlich ist der ruhigere Verlauf des Frequenzgangs zu sehen.

Letztes Jahr habe ich den Lautsprecher Thorsten Bartolomäus ( freier Autor bei HiFi Stars, der auch den Erfahrungsbericht über meine Stella geschrieben hat ) geliehen, denn er ist ein Röhrenfan und war auch sehr begeistert von dem Gehörten, so sehr, dass er mich zusammen mit seinen Chefredakteur bekniet hat den Lautsprecher weiter im Programm zu behalten, weil sie ihn so gut fanden.

Als er ihn mir zurück brachte, wollte ich ihn zerlegen und die Einzelteile verkaufen, aber ich brachte es nicht über das Herz das zu tun, denn in einen der wenigen Male, die meine Frau mal in meine Entwicklungen gehört hat sagte sie zu mir:

„Du bist wahrlich ein Künstler“,

ein Kompliment das bis dahin keiner über meine Lautsprecher machte ...

Und so kam es, dass ich ihn bei mir nochmals anschloss, ich kaufte mir sogar eine Class-A Endstufe und begann zu hören, aber es wollte bei mir nicht so richtig mehr funken, bis zu einem Zeitpunkt, bei dem einmal mehr ein Interessent sein Röhrenverstärker mitbrachte und ich für mich das eigentliche Potential der Extremi erkannte. Zum Glück entschied der Interessent nicht dafür, weil er den Prototypen MDF roh hätte nehmen müssen.

Ich ließ daraufhin von meinen Schreiner auch Gehäuse anfertigen, für alle von Euch, die glauben ich handhabe nur mit Prototypen rum, dies sind Bilder von dem aktuellen Produkt ;-)

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Ich machte mich wieder auf die Suche nach einer Röhrenendstufe um die letzten Feinheiten der Abstimmung durchzuführen und ich stieß dabei auf eine Endstufe des Herstellers Tubeguru aus Ungarn, die Tubeguru 211SE.

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Kurzentschlossen wurde der Händler angerufen, der sogar noch in meiner Nähe ist, um zu fragen ob es denn möglich sei die Endstufe mal auszuleihen. Gesagt getan und seit Freitag den 15. Mai 2015 stand abends das Gerät bei mir.

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Angeschlossen, eingeschaltet und gewartet, dass die Betriebstemperatur erreicht wird …

Und los ging es wie immer bei mir mit „Cielito Lindo“ gesungen von Maria Gomez; die ersten Akkorde der Gitarre legten los, sie fängt an zu singen und bei mir hat es „Klick“ gemacht …

Ich habe einen Freund, der bei diesen Lied sagt, man sieht die Sängerin förmlich lachen, ja aber diesmal schaut sie mich an, als ob sie nur für mich singen würde …

Bei einen Mozart Klavierkonzert, sehe ich förmlich meine Mutter und Schwester, so wie ich sie in Erinnerung habe als sie an unseren Konzertklavier übten …

Oder bei Marla Glenns Stück „Personal“ sehe ich bei den Akkordeineinsätzen meinen Vater, der dieses Instrument so gerne gespielt hat …

Bei Yim Hok-Man „Poem of Chinese Drums“ verstehe ich nun das Gedicht, das in dem Stück steht, was er uns damit vermitteln möchte und nicht weshalb ich das Stück mal zu meiner Testreihe hinzugefügt habe.

Kurz gesagt sind dies die Eigenschaften, die mir nach einer langen Hörnacht einfielen:

Reinheit, Ehrlichkeit und Dynamik im Klang

Reinheit, weil man das Gefühl hat, das jegliche Schärfe, oder harsches im Klang auf digitalen Material wie verschwunden ist, ohne jedoch bekannte Details zu kaschieren oder gar zu unterdrücken. Alles ist da wie ich es gewohnt bin und deswegen sage ich auch Ehrlichkeit, denn das Gehörte wird sehr natürlich und realistisch wiedergegeben. Dazu paart sich eine bis dato nicht bekannte Dynamik, die das Musik hören zum Erlebnis werden lässt.

Ich weiß nun, so möchte ich hören, ich vergesse die Technik – das muss man sich mal vorstellen – und genieße einfach eine CD nach der anderen, ich habe das Gefühl von Entspannung, die Rastlosigkeit scheint wie verschwunden und das auch nach mehreren Tagen des Hörens ....

… und als alter Rocker lasse ich es nun angehen wie Metallica: „Nothing else Matters“
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Beitragvon NNEU » 29.07.2015, 14:03

Hallo Cay-Uwe,

Danke dass du mich per PM über den Beitrag benachrichtigt hast :)

Wenn ich dich richtig verstehe, bist du also gar nicht auf Grund eines Prinz-/Bauart bedingten Vorteil auf Passiv gewechselt, sondern weil du Lautsprecher-technisch zur ruhe kommen willst ?

Leider finde ich in deinem Beitrag zwar reichlich information zum Passivwechsel jedoch weniger zu dem Lautsprecher der dich offenbar dazu gebracht hat.

Zum Beispiel geht nicht klar hervor ob das obere Chassis ein Coax-Treiber ist. Steht zwar indirekt im text, die Dustcap lässt jedoch anderes vermuten .

Vielleicht könntest du uns ja noch ein Paar infos zu der Sonus Natura Extremi geben.



Viele Grüsse,

Noel
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Beitragvon Schöngeist » 29.07.2015, 14:17

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Beitragvon cay-uwe » 30.07.2015, 07:09

Noel,

Alfons hatte dankenswerterweise einen Thread verlinked, den ich schon gar nicht mehr in Erinnerung hatte, der einiges über die Entstehung des Lautsprechers beschreibt. :cheers:

Ich habe mich entschieden, die Beiträge hier in meinen Vorstellungsthread zu stellen, weil es mir persönlich auch um recht subjektive Erlebnisse geht.

In dieser Kombination wie vorgestellt, gefällt mir das Musik hören extrem gut, es gibt mir diese gewisse innere Ruhe und Entspannung die auch damit verbunden sein soll.

Das heißt aber nicht, dass ich mich meinen anderen Entwicklungen abgewendet habe. Es gibt auch Besucher, die mit meinen Empfindungen gar nichts anfangen können. Zum Glück, denn sonst könnte ich meine anderen Entwicklungen nicht an den Mann / Frau bringen. :wink:

Aber zurück zu Deinen Fragen:

Das obere Chassis ist ein 12" Coax, das ich wie beschrieben im Hochtonbereich optimiert habe. Im unteren Abteil unterstützt ein 12" Tieftöner den Coax im Bass.

Ursprünglich wie im verlinketen Thread zu lesen ist, war ich auch auf der Weg die Lautsprecher in einer teilaktiven und vollaktiven Version anzubieten. Wenn gleich damals vielen Workshopbesuchern eine auf die Schnelle erstellte Weiche von Ulli mit acourate gut gefallen hat, war das nicht ganz mein Ding, da mir der Hochton nicht sehr gefallen hat. Das hat sich mit Versuchen, die ich bereits schon im Vorfeld zum Workshop durchgeführt hatte gedeckt. Das liegt meiner Meinung daran, dass der Hochtontreiber wenn er direkt an einer Endstufe angeschlossen ist, recht "harsch" und "nervig" klingt. Des weiteren kommt hinzu, dass er bedingt durch sein hohen Wirkungsgrad ( 105dB dB / 1 Watt / 1 Meter ) praktisch an jeder Endstufe stark rauscht.

Wenn überhaupt, dann käme für mich die teilaktive Lösung noch in Frage, denn da bleibt die Coax-Weiche passiv und es wird nur der Tief- und Tief-Mitteltöner aktiv getrennt. Das würde recht einfach gehen.

Aber wie gesagt, das habe ich verworfen und werde den Lautsprecher speziell für Interessenten anbieten, die etwas für ihre Röhrenverstärker oder kleinen Class-A suchen. Das soll nicht heißen, dass auch andere Endstufen daran gehen, aber das Entwicklungsziel ist nun mal hoher Wirkungsgrad, was man an folgender Terzmessung mit Mittelwertbildung sehen kann:

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Um diese Messung zu machen habe ich ein altes Messsystem von mir wieder aktiviert, das man sehr genau kalibrieren kann. 95.15 dB SPL / 1 Watt / 1 Meter sind schon eine Hausnummer, vor allen Dingen weil man mit diesen Lautsprecher diesen Pegel bis unter 50Hz erreicht. Das ist ja oft ein Manko dieser hoch empfindlichen Lautsprecher, sie sind zwar "laut" aber es fehlt an Bassfundament.

Auch der Klirr der Extremi lässt sich sehen und liegt bei 105dB in weiten Bereichen unter 1% wie an der folgenden Messung zu sehen ist:

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Dies Messung wurde in 36cm Entfernung durchgeführt, daher zeigt die Skala 114dB an. Auf einen Meter bezogen liegt der Pegel 10dB niedriger. Zu erkennen ist, dass der Klirr im Wesentlichen durch harmonische Komponenten ( D2 bzw. K2 ) bestimmt wird. Im übrigen, der Abfall von nicht harmonischen Verzerrungen oberhalb von 1 kHz ist auch meiner Optimierung des Hochtontreibers zu verdanken. Das sah im Bereich von 3 - 7 kHz ganz anders aus :wink:

Ein paar weitere technische Daten wären noch:

Bauart: 2,5 Wege Bassreflex
Frequenzgang (-6dB): 35 – 20.000Hz
Trennfrequenzen: 100Hz, 1.2kHz, 6dB mit Laufzeitkorrektur im Mittel- Hochton
Maximalpegel > 50Hz: > 116 dB SPL
ca. Masse: 35 x 107 x 40 cm (B x H x T)
Gewicht ca. 40 kg

Ansonsten, wen es interessiert kann gerne bei mir vorbeikommen und wir hören etwas Musik, trinken dabei Kaffee und lassen es uns gut gehen. :cheers:
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Beitragvon Schöngeist » 30.07.2015, 08:51

Hallo Cay-Uwe,

ich würde diesen Lautsprecher als "Exoten" in Deinem Programm lassen. Ich weiß zwar nicht, wie er klingt, aber das Prinzip kenne ich aus anderer Hörerfahrung. Vor vielen Jahren konnte ich eine Tannoy Westminster in einem Eindhovener Studio hören, ebenso wie ein paar Jahre später eine Altec 604. Beide passiv an Röhrenverstärkern. Beide Vorführungen waren beeindruckend. Solche großen Breitbänder mit Coax Hochtöner haben, wenn der Entwickler alles richtig gemacht hat, einen starken emotionalen Faktor in der Darbietung. Den Mangel an Bass unterhalb von 60 Hz kann man verschmerzen. Ein hart aufgehängter 15" er klingt halt anders als ein 8" oder 10"er Langhubchassis, geregelt oder nicht. Aber wer es nicht anders kennt...

Gruß Alfons
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Beitragvon cay-uwe » 30.07.2015, 09:38

Hallo Alfons,

ich habe mal gerade in dein Vorstellungsthread geschaut und kann Deine ermunternde Worte nun viel besser einordnen :cheers:

Natürlich wird dieser Exot bei mir im Programm weiter geführt. Wie gesagt ich habe es nur hier eingestellt weil es mit einigen persönlichen Eindrücken zu tun hat.

Ich habe mal in den Fundus meiner vielen Messungen geschaut und eine alte Freifeldmessung, die ich bei mir im Garten gemacht habe, des Frequenzgangs der Extremi gefunden.

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Diese Messung habe ich durchgeführt um zu überprüfen ob sich der Bassfrequenzgang wie von mir berechnet ergeben hat. Die blaue Kurve zeigt den Coax alleine und die Rote im Zusammnespiel mit dem Tieftöner. Es hat sich zwar in der Abstimmung einiges geändert seit 2011 als ich diese Messung machte, aber schon damals konnte ich sehen, dass der Pegel von ca. 95dB bis unterhalb von 40Hz gehalten wird. Geändert hat sich die leichte Überhöhung bei ca. 100Hz und die Resonanzen bei ca. 300Hz und 700Hz sind auch angegangen worden.

Das es 40Hz wurden hat mich sehr gefreut, denn meine Berechnungen gingen von ca. 50Hz aus. Somit habe ich mehr geschafft Tiefgang als vorhergesehen, was für mich wichtig ist :wink:
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Beitragvon Zwodoppelvier » 30.07.2015, 10:34

Hallo Cay-Uwe,

Deine Begeisterung und große Zufriedenheit kann ich bestens nachvollziehen. Mein erstes Hörerlebnis mit einem Paar Altec VOTT an kleinen 2Watt-Triodenendstufen liegt jetzt genau 18 Jahre zurück - und bleibt unvergessen 8)

Leider sind solche Aufstellungen eher noch weniger kompatibel zu normalen Wohnzimmern als die "Durchschnitts-Standbox" (die i.a.R. auch schon nicht Wand-/Eckennah aufgestellt werden darf, soll es ansatzweise ordentlich klingen :( ). Damit meine ich nicht einmal den "WAF" - mir selbst gefallen zwar diese Vintage-Männerboxen, aber Tag für Tag dagegen gucken und drumherum laufen müssen... :?

Für den Hörraum (Keller?) aber GERNE doch :cheers:

Bis dahin könnte man versuchen, etwas von der tonalen Balance, Homogenität, Klangfarbenreichtum,... ins kleinere Wohnzimmersystem zu portieren. Sei es durch eine passende Röhrenvorstufe und/oder Endstufe; Trioden-Eintakter passen m.E. sehr gut zu geschlossenen(!) Kompaktboxen mittleren Wirkungsgrades :wink:

Beste Grüße
Eberhard
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Beitragvon Schöngeist » 30.07.2015, 11:12

Hallo Eberhard,

es gibt sicher nicht viele, die eine original Altec A7 VOTT hören konnten. Ich hätte mir auch um ein Haar diesen Lautsprecher aus den Staaten liefern lassen
http://www.alteclansing.net.pl/pliki/user_manual/A7_Manual.pdf

...aber 900 Hz Übergangsfrequenz waren mir dann doch etwas zu viel. Ich habe deshalb den Bass original nachbauen lassen und ein Orishorn dazu kombiniert.

Im Übrigen passt dieser Lautsprecher (gilt auch für eine Tannoy Westminster und ähnliche Kaliber) nicht in durchschnittliche Wohnzimmer. Der von Cay-Uwe schon eher, womit wir wieder beim eigentlichen Thema wären.

Gruß Alfons
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Beitragvon Daihedz » 30.07.2015, 19:23

Hallo Cay-Uwe

cay-uwe hat geschrieben: ... Lautsprecher in einer teilaktiven und vollaktiven Version anzubieten. Wenn gleich damals vielen Workshopbesuchern eine auf die Schnelle erstellte Weiche von Ulli mit acourate gut gefallen hat, war das nicht ganz mein Ding, da mir der Hochton nicht sehr gefallen hat. Das hat sich mit Versuchen, die ich bereits schon im Vorfeld zum Workshop durchgeführt hatte gedeckt. Das liegt meiner Meinung daran, dass der Hochtontreiber wenn er direkt an einer Endstufe angeschlossen ist, recht "harsch" und "nervig" klingt. Des weiteren kommt hinzu, dass er bedingt durch sein hohen Wirkungsgrad ( 105dB dB / 1 Watt / 1 Meter ) praktisch an jeder Endstufe stark rauscht.

Ich habe keinen Zweifel daran, dass der Hochtonbereich mit Deinem Setup hinter einer passiven Weiche angenehmer wirkt, als direkt von einer Endstufe angesteuert. Aber hast Du eine Hypothese, weshalb der HT weniger harsch klingt, wenn er hinter einer passiven Weiche verschaltet ist? Kann doch nicht das blosse Rauschen sein, denn im Hochtonbereich wird er, hinter einem Hochpass verschaltet, munter vor sich weiterrauschen, ex tieferfrequente Anteile des Rauschens, natürlich.

Ich lese auch immer wieder, dass eigentlich gute Kalotten zu spitz, zu harsch, zu gläsern etc. wirken sollen, z.B. neuerdings in einem anderen Thread:

NNEU hat geschrieben:... Ich konnte bei Herr Oberhage nur den Beryllium Hochtöner hören. Hat soweit ganz gut geklungen, jedoch empfand ich ihn grade bei hohen Pegeln etwas scharf und "giftig" ...

Da wird doch in ähnlicher Weise auch den Beryllium-Tweetern Unrecht getan? Denn diese HT von Scan-Speak sind mit vom allerbesten, was der aktuelle Hochöner-Markt hergibt. Und dann kann doch was nicht stimmen bei der Idee, dass es der Hochtöner ist, welcher schräg klingt. Der Mörder ist immer der Gärtner ... Auch meine gewiss nicht billigen Excel-Seas-Kalotten klingen praktisch unerträglich, je nachdem wie sie angesteuert werden. An einem unmodifizierten RME-Multiface ist kein Zuhören, an einer angejahrten, aber sorgfältig überarbeiteten M-Audio Delta 1010 (Stromversorgung, Clock) geben sie das Klanggeschehen jedoch sehr angenehm und dabei überaus akribisch genau wieder.

Ich habe deshalb vielmehr den Verdacht, dass gewisse Kalotten etwas analytischer zur Sache gehen können als andere, und dass diese eben nichts angenehm-maskieren, was möglicherweise an Schmarrn geliefert wird. Deshalb interessiert mich die Frage, ob mit einer passiven Weiche nicht sowas wie ein angenehmer Weichzeichner vorgeschaltet wird, welche das Ganze subjektiv etwas mit einem hochfloorigen Flausch umgibt... der sicherlich subjektiv angenehm klingt. Der jedoch mit dem Eingangssignal herzlich wenig zu tun hat.

Musik mit zwei Glas Champagner im Kopf klingt schliesslich auch schöner als Naturbelassen, im Sinne eines "Weichzeichners" angedacht.

Fragende Grüsse
Simon
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Beitragvon Daihedz » 30.07.2015, 21:09

Hallo und Nachtrag zum vorhergehenden Post:

Wäre ja spannend, den Ansatz des harsch-mindernden passiven Filters weiterzudenken: Ein passives Hochpassfilter entfernt die niederfrequenten Anteile des Rauschens. Und damit tönt ein Hochtöner besser. Als Konsequenz müsste man deshalb fragen, ob es denn sein könnte, dass die niederfrequenten Signalanteile des Rauschens die Nutzinformation dergestalt modulieren, sodass besagtes harsche Hochtonverhalten resultiert? Mit dem Wegfiltern der niederfrequenten Rauschanteile würde diese störende Modulation konsequenterweise nicht mehr stattfinden, und das "Harsche" wäre weg ??

Dass ein passives Filter vor einem Hochtöner anderweitig auch sinnvoll sein könnte, beweisen bei mir eine zwischenzeitlich zu einem ganzen Stapel angewachsene Menge an verbrannten Hochtonmembranen...

Grüsse
Simon
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Beitragvon Hans-Martin » 30.07.2015, 22:53

Hallo Simon
Wenn (Aktivkonzept vorausgesetzt) du ein Filter vor den Hochtöner schaltest, um den HT vor Überlastung, vor größeren Amplituden der Frequenzen unterhalb der üblichen Übergangsfrequenz, vor Intermodulation zu schützen, aber andererseits, auch höherfrequente Rauschkomponenten der Endstufe fernzuhalten, die über das zu übertragende Nutzspektrum hinausgehen, bleiben nur wenige Möglichkeiten.
Alle Bauteile bringen Nebenwirkungen mit.
Speziell Hochtöner:
Kondensatoren müssen so groß sein, dass sie die Übergangsfrequenz nicht beeinflussen, dann haben sie mit ihrer dielektrischen Absorption und der Wicklungsinduktivität, weniger auch mit dem Innenwiderstand, einen Einfluss auf die Abstimmung.
Wenn ich den Hochtöner schützen will, ziehe ich eine mittelträge Sicherung vor, sie fügt einen Widerstand ein (größer als 0,1Ohm), der zusammen mit der Impedanzkurve des Chassis den Frequenzgang beeinflusst, wenn auch nur geringfügig, aber immerhin. Einen solchen Widerstand findet man auch in ähnlicher Größenordnung bei Folienkondensatoren. Nur bei einem geraden Schmelzdraht ist die Induktivität auf ein unvermeidbares Minimum begrenzt, das schafft nicht jeder Kondensator. Eine Sicherung hat keine dielektrische Absorption, die Impulse verschmiert. Nebn den vergleichsweise niedrigen Kosten spricht das besonders für die Sicherung.

Speziell Tieftöner:
Manche TT haben einen Peak im Mitteltonbereich und übertragen das Rauschen des Verstärkers, besonders bei wirkungsgradstarken Chassis. Ehe ich hier mit einer Induktivität dagegen wirke, deren Ohmscher Anteil die Kopplung verschlechtert, würde ich doch lieber eine rauschärmere Endstufe wählen.

Wenn ich an frühere Vergleiche denke, fallen mir gleich die Unterschiede ein, die die Vorverstärker einbrachten, sie erhöhten das Rauschen signifikant, dagegen rauschten die Endstufen eher wenig. Deshalb würde ich hier auf geschickte Pegelanpassung setzen, bei der die Eingangsempfindlichkeit der Endstufen so herabgesetzt wird, dass das Rauschen der vorausgehenden Stufen erst bei der in Hörraum praktisch gewünschten Maximallautstärke erreicht wird.

Ich mag Class-D Verstärker, weil alle, die ich bisher gehört habe, extrem wenig gerauscht haben. Den Innenwiderstand der Ausgangsfilter muss man hinnehmen und berücksichtigen. Und wenn sie ohne Gegenkopplung arbeiten, sollte der Hochtöner ggf. mit Kompensation seines Impedanzanstiegs bei 20kHz auf den richtigen Wert gebracht werden. Bei den Zobelgliedern stellt sich dann die Frage ob R oder C an + oder - anliegt. Und bei Wickelkondensatoren kann man die Frage stellen, wie herum sie eingesetzt werden, obwohl doch ungepolte Bauteile...

Ich habe mich gewundert, dass Phonosophie mit dem Bi-Amping und der BiButt-Filterung einen überraschend anderen Weg ging: die Filterung des Basskanals nach unten, des Hochtonkanals nach oben. Bi-Amping setzt die passive Weiche der Box voraus und begrenzt das Spektrum der jeweiligen Verstärker auf der jeweils anderen Seite, die sonst offen blieb. Das erstaunliche Ergebnis war für meine Ohren mehr Lebendigkeit und Prägnanz.
Es ist egal, wo man hinhört, die Audiowelt steckt voller Überraschungen, man muss sie nur entdecken :wink:
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon cay-uwe » 31.07.2015, 07:39

Simon, Hans-Martin,

ich denke wir sollten das Thema Hochtöner Anbindung, Problematiken, Ideen, Theorie, usw. in eine getrennten Thread weiter diskutieren :wink:

Ich kann nur sagen, dass beim Workshop mit meiner Extremi und acourate nach der Aktivierung damals auch Teilnehmer zu mir kamen und meinten, der Hochton müsste noch etwas im Pegel gesenkt werden und dann passt es. Dabei hat Uli sehr akurat ( passt irgendwie zu acourate ) gemessen, denn wir haben die Chassis erst im Nahfeld vermessen um die dazugehörige FIR Filter zu gestalten. Ich habe sogar absichtlich einen kleinen "Dip" im Bereich von 4kHz einfließen lassen, denn da "keult" der Hochtontreiber des Coax auch im Winkel sehr stark aus, um so zu starke Einwirkungen von indirekten Schall zu minimieren, die sich klanglich eventuell vordergründig auswirken könnten.

Genau so mache ich das mit der Passivversion der Extremi auch, sie besitzt bei 4kHz einen Frequenzgangeinbruch, den ich anfangs versucht habe zu glätten. Erst beim Hören stellt man fest, dass man das getrost so lassen kann, wenn gleich es auf dem Papier nicht so schön auschaut :wink:

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Gut zu sehen ist, dass auf Achse ( 0 Grad ) der Frequenzgang im Hochton im Bereich ab von 4 - 6 kHz eine Senke hat, dieser jedoch sich unter Winkel im Pegel nicht ändert. Mit dieser Abstimmung bin ich letztendlich sehr zufrieden, denn insgesamt gesehen vermittelt sie mir den ausgewogensten Klang.
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