Uli (Aurum Orkan VIII teilaktiviert)

audiophile Biografien unserer Mitglieder
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Bei Vorstellungen steht die persönliche, subjektive Erfahrungswelt des Verfassers im Vordergrund. Insbesondere soll die Vorstellung als "Visitenkarte" des Mitglieds gewürdigt bzw. respektiert werden. Dialoge sollten hier vorrangig mit dem Verfasser und nicht mit Dritten geführt werden. Siehe auch die Forumsregeln.

Beitragvon planetti » 18.06.2017, 23:11

Vielen Dank für Euer Feedback.
Winfried hat recht. Doch die Absenkung der Zielkurve ist auch Geschmacksache.
Jürgen, eins auf die Ohren können wir gerne unter PN oder Stammtisch ausmachen.
Wie es klingt mit Fazit gibt's in Kapitel 5, doch soweit ist es noch nicht ganz ...


Kapitel 4: Nebenerkenntnisse - oder oha, was ist denn das?

- Könnt Ihr nachvollziehen, wie man an sich selbst zweifelt, wenn man ein Gerät in der Kette hat, das einfach mal die Polung invertiert? Man sitzt vor seinen Messungen, und rätselt, was da nicht stimmt, und die Ohren schreien ständig, wie sch.... sich das Ganze anhört, um dann später mal im Forum von miniDSP zu lesen, dass einer rausgefunden hat, dass der damalige OpenDRC-DA ab Werk ein invertiertes Signal produziert. :shock:

- Mein Raum ist ja aufgrund der Beschaffenheit ein Paradies für Raummoden. Bei meinen Testsweeps hatte ich den Eindruck, dass das Zustopfen des Bassreflexrohrs (unabhängig von der Lautstärke) ein etwas kürzeres Ausschwingen der tiefen Moden bewirkt bei gleichzeitig besseren Ortung insbesondere der hohen Bassfrequenzen. Aber ohne elektronische Klangkorrektur klingt es unbrauchbar "dünn" und "topfig". Aber in Verbindung mit der automatischen IIR-Korrektur durch AcourateDRC und der steilen FIR-Weiche mit der manuellen FIR-Korrektur erhält man einen "klareren" und erweiterten Tiefton mit einem besseren Zeit- und gleichmäßigerem Ausschwingverhalten. Hier mal der Vergleich des Ausschwingens im Tieftonbereich im Original und nach Optimierung:
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oder mal mit Wellenfront Original und nach Optimierung:
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- Aus vorigen Erfahrungen hatte sich gezeigt, dass die Mess-Software REW in Verbindung mit der FIR-Filtererstellsoftware Rephase manuell und halbautomatisch kleine Verbesserungen bringen. Zuerst ist es eine Verschlimmbesserung, und erst nach viel Erfahrung und Mühe kommt man winzige Schrittchen weiter. Im Gegensatz dazu bringt das für den OpenDRC zugeschneiderte AcourateDRC gleich beim ersten mal einen riesigen Satz in die richtige Richtung. Nach etwas Einlesen, Optimieren und viel Probehören kommt man immer näher an das von dieser Software Machbare hin.

- AcourateDRC ist nur eine Korrektur über Alles, ohne FIR-Rechen- oder -Weichenfunktionen. Allerdings ist durch die beschränkte Rechenleistung des OpenDRC auf 6144Taps/Kanal die Auflösung im Tieftonbereich so grob, dass bis ca. 200Hz für die Korrektur vor allem IIR-Filter zum Einsatz kommen (siehe auch "Einstellungen" im Thread AcourateDRC). Schätzungsweise dürfte auch die Phasenkorrektur durch AcourateDRC in diesem Frequenzbereich eine untergeordnete Rolle spielen, so dass im TT-Bereich die AcourateDRC-FIR-Filter problemlos durch ein manuell erstelltes Rephase-FIR-Filter ersetzen kann und die FIR-Weiche usw. nutzen kann. Weiterhin kann AcourateDRC wahlweise 14, 10 oder 6 IIR-Biquads belegen. Eine IIR-Weichenflanke verbraucht jeweils 4 IIR-Biquads, so dass man die Anzahl an Korrektur-Biquads für den MT/HT-Bereich maximieren kann, wenn man "10IIR" auswählt, und dann manuell die 4IIR Biquads für den Hochpass in die OpenDRC.xml an der richtigen Stelle hineinpfriemelt. Noch besser wäre natürlich eine FIR-Weiche auch für den HT/MT, oder zumindest die FIR-Filter von Rephase mit einer Rechenfunktion in seinen FIR-Filter mit aufnehmen könnte. Das ist der Acourate Vollversion vorbehalten, den TT und MT/HT-Bereich separat vorher mit FIR-Weichen, PRC und weitere Parametern zu linearisieren. Wie dann gut das Optimum noch wäre, kann ich leider nicht abschätzen.

- Bei meinen ersten Versuchen mit AcourateDRC erhielt ich sonderbare künstliche Vorpumpgeräusche vor tieferen Percussivtönen, z.B. Basedrum. Dieses Preringing ließ sich nur beseitigen, indem ich in der AcourateDRC.ini den Wert FDW auf 2 runterschraubte. Ich weiß allerdings den Grund nicht genau, ob es der hallende Raum ist oder der Versuch von AcourateDRC, die Phasenprobleme an der Trennfrequenz auszugleichen.

- Die Orkane stehen standardmäßig auf einer über 4 Metallringe beabstandeten Platte. Als ich den Tiefbass mal richtig austestete, bemerkte ich, dass die ganze Kiste mächtig auf dem Holzboden rappelt. Nach kurzer Recherche war klar, dass da eine mechanische Entkopplung her muss. Nachträglich kann man sich die Spikes von Quadral schicken lassen, die aber nach jedem veränderten Standort 8 neue Löcher im Edelholzboden bedeuten. Also kamen 12 hochwertige Ringfilzgleiter an die Unterseite der schwarzen Platte, wobei deren Schrauben einen 1cm dicken, sehr weichen Moosgummi zusätzlich zwischen Ring und Platte leicht einspannen, so dass das Gehäuse über die Spikes und Metallgegenstücke auf der Platte abgestützt ist, die wiederum über das Zwei-Stoffsystem Moosgummi und Filz sehr weich zum Boden abgedämpft ist. Ich meine, der Bass schwingt dadurch bisserl "freier" und "gefasster" zugleich. Diese Lösung fand ich praktischer und eleganter als z.B. eine Schieferplatte.
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Beitragvon planetti » 19.06.2017, 00:23

- In Kapitel 3, 3a) ist für die IIR-Weiche eine Sprungantwort zu sehen, bei der durch das Delay des MT/HT von 1,08ms der TT vor dem HT beginnt. Das sieht zwar seltsam aus, klingt aber ordentlich. AES Paper 6885 ("Linear Phase Crossover Filters Advantages in Concert Sound Reinforcement Systems: a practical approach") gab mir dazu wertvolle Hinweise, welche Auswirkung welche Weiche und das Delay hat. Auch hilfreich bei der Auslegung der Weichen ist die Arbeit "Perceptual Study of Loudspeaker Crossover Filters" von Henri Korhola, Helsinki, wobei in Hörtests festgestellt wurde, dass IIR-Weichen bei wesentlich niedrigeren Ordnungen negativ hörbar sind als FIR-Weichen.
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Beitragvon planetti » 19.06.2017, 00:41

Kapitel 5: Fazit - oder was bringt's, wie klingt's?

Wenn man eine Konfiguration aus bereits geeigneten Komponenten hat, so ist eine enorme Klangsteigerung durch eine gemeinsame Optimierung aus Aufstellung und individuelle elektronische Abstimmung mit einer Teilaktivierung und elektronische Raumkorrektur (wie Acourate), sowie etwas Mühe möglich.
Die Gesamtheit bringt enorm viel: Durch die Aktivierung arbeiten der obere Tonbereich vollkommen frei vom unteren, mit einer gewissen "Lässigkeit", hier durch die Verschiebung der Trennfrequenz auch mit einer klareren Stimmenreproduktion. Durch die elektronische Korrektur werden alle Details gleichmäßig von den höchsten Höhen bis zu den tiefsten Tiefen mit einem sauberen Impulsverhalten dargestellt in einer gewünschten Klangausprägung, und das auch in einem schwierigen Raum ohne zu nerven. Nun kann ich die Instrumente auch bei geringer Lautstärke eindeutiger wahrnehmen, sie stehen im Raum. Ich höre die Musik. :mrgreen:
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Beitragvon planetti » 19.06.2017, 00:48

Abspann - oder was kost' jetz' der Spaß?

Investitionen:
515€ Yamaha A-S 1000 (gebraucht ebay)
(Anmerkung: für noch sparsamere wäre z.B. das Modell Yamaha R-S700 empfohlen - auf "CD DIRECT AMP" betrieben bietet er ein exzellentes Preis-Klangverhältnis)
390€ MiniDSP OpenDRC-DA (preiswertester FIR-Convolver als externes Gerät)
350€ MiniDSP OpenDRC-DI
10€ MiniDSP OpenDRC-Plugin2x2
96€ Audiovero AcourateDRC
45€ Messmikrofon kalibriert (HIFI-Selbstbau)
- Rephase (Software)
- REW (Software)
100€ Kabel
80€ Behringer Ultramatch pro SRC2496 (gebraucht ebay)
290€ Beresford Caiman MKII (mit SFW3)
viel Zeit und Geduld

d.h. weniger als der Zuschlag auf die Orkan VIII aktiv (bei guter Abstimmung auf die Raumverhältnisse) - Ziel erreicht! :mrgreen:

Sooooo, das waren jetzt viele Buchstaben. Jetzt könnt Ihr kommentieren, diskutieren, ergänzen, verbessern ...
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Beitragvon wgh52 » 19.06.2017, 09:36

Hallo Uli,

ich bin erstmal baff, mit welcher Akribie und Geduld Du dieses Projekt durchgezogen hast und gratuliere Dir herzlich zum so toll geglückten Ergebnis!

Danke auch für die ausführliche und strukturierte Darstellung der Vorgehensweise und Erkenntnisse! Davon könen sicher auch andere, nicht-Orkan Aktivierungsprojekte (ich eingeschlossen) profitieren.

Ich habe Einiges lernen können und werde Dich für meine Projekte konsultieren, speziell mit REW möchte ich die DEQX Sachen "nachmessen" und kenne mich da gar nicht aus. Weiteres dazu per Mail.

Ansonsten wäre ich gerne bei einem AH Mini-Treffen bei Dir dabei und bitte bescheiden um Vormerkung :cheers:

Viel Spaß mit Deinen "neuen" Lautsprechern!
Winfried

PS: Einen Hinweis habe ich doch noch. Hast Du's mal mit drei statt vier "Untersetzern" versucht? Vier sind ja statisch überbestimmt und neigen zum wackeln/kippeln. Meine LS stehen auf je drei "Antispikes" (zwei vorn, einer hinten mittig).

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Beitragvon Hans-Martin » 19.06.2017, 11:30

wgh52 hat geschrieben:Hast Du's mal mit drei statt vier "Untersetzern" versucht? Vier sind ja statisch überbestimmt und neigen zum wackeln/kippeln. Meine LS stehen auf je drei "Antispikes" (zwei vorn, einer hinten mittig).

Hallo Uli,
Winfrieds Rat, auf 3 Ankopplungspunte zu reduzieren, ist bei schon geringen Unebenheiten sehr hifreich.
Es könnte sich lohnen, 2 Antispikes nach hinten (Eckbereich) und den dritten unter der Mitte der Vorderkante zu platzieren, und beide Varianten zu vergleichen.
Statisch betrachtet ist mit 2 vorn prinzipiell zwar günstiger, weil der Masseschwerpunkt durch die Chassis etwas weiter vorn liegt, aber dynamisch betrachtet ist die Hinterkante größerem Druck ausgesetzt, wenn unter der stärkeren Bewertung positiver Membranauslenkungen gemäß menschlicher Wahrnehmung einwärts und auswärts gerichtete Bewegungen unterschiedliche Eindrücke hinterlassen. Quadral hat das bei der Formgebung der Aurum Orkan VIII schon mit der schrägen Rückwand angedeutet, die eine längere Bodenplatte bewirkt.
Das An oder Entkoppeln des Bass ist der eine Aspekt, die Ruhe der Hochtönerposition ohne Überlagerung von Schallwand- und Gehäuseschwingungen. Audio Physics hat den Hochtöner in Filz geklemmt, wer sich traut, packt oben auf die Box einen schweren Gegenstand, Stein oder Stahl.
Die schlanke Orkan könnte bei 3 Bodenkontaktpunkten kippen, das verhindern unter den beiden freien Ecken Gummi- oder Filzfüße, die Vibrationen ganz anders übertragen als harte Füße.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon wgh52 » 19.06.2017, 16:02

Hallo Hans-Martin,

Hans-Martin hat geschrieben:...könnte bei 3 Bodenkontaktpunkten kippen, das verhindern unter den beiden freien Ecken Gummi- oder Filzfüße...
Was für ein eigentlich naheliegender und genial einfacher Rat! Mal sehen ob ich Gummifüße finde, die zur Antispikehöhe passen. Ich denke, falls die "Stützfüße" etwas zu kurz wären (so um 0,5mm), also gerade nicht den Boden berühren, sollte das doch eigentlich optimal sein, oder?

Danke jedenfalls!
Grüße,
Winfried

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Beitragvon Hans-Martin » 19.06.2017, 16:11

Hallo Winfried,
wenn man ein Blatt Papier noch darunter durchziehen kann, ist man auf der sicheren Seite.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon planetti » 03.09.2017, 21:02

Endlich komme ich Fujaks Wahlwunsch nach, über eine Hör-Aktivierung einer Infrarotsauna zu erzählen, bei der zahlreiche alte Komponenten recycled wurden, als Erfahrungssammlung vor dem oben beschriebenen wohnzimmerlichen Aufbau ... und das mit einem geradezu erstaunlichen Ergebnis ...

Resteverwertung, oder 4D-Overkill in der Infrarotsauna

Motivation:
Es gibt nicht nur Studios, Hörzimmer, Wohnzimmer, Garagen, Kinos oder Autos, die wir aktiv pimpen können: Es gibt auch warme Wellnesswürfel, meist Saunas genannt. Gerade die Einsamkeit in dem kleinen, Infrarot durchstrahlten Einzelzimmerchen verdient musikalische Aufmerksamkeit, zumal man ca. 45min absolut ungestört (und unstörend) Musik genießen kann! Dabei bietet der kleine Raum akustisch Holzwände in Lamellenform, Handtücher auf dem Holz dienen als Absorber für eine kurze Nachhallzeit. Ohrstöpsel oder Kopfhörer sind ja wegen des Schwitzens unbrauchbar.
Natürlich hätte man anstatt den ursprünglichen Einbaulautsprechern in die Deckenaussparung passende Autolautsprecher reinklatschen können, jedoch fand ich keinen überzeugenden Kandidaten, der in meiner Budgetvorstellung und in der Größe bis in den Tiefbass spielt. Die oben hinten angebrachten Lautsprecher sind akustisch auch irgendwie nicht ganz authentisch. Außerdem packte mich der Ehrgeiz, aus schon vorhandenen Komponenten rauszuholen, was möglich ist.

Komponenten und Ansteuerung:
Im Namen der Nachhaltigkeit kommen vor allem gebrauchte low-Budget und vor der Entsorgung gerettete Gerätschaften zum Einsatz:
- ein uraltes handliches Paar Canton Satelliten (ca. 30 Jahre alt), die einen total überbetonten Hochtonbereich ab 1000Hz, wenig Bass und überhaupt keinen Tiefbass aufweisen
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- betrieben über einen uralten Budget-Verstärker Onkyo (ca. 30 Jahre alt), der ein Signal gerade mal brumm- und fast rauschfrei verstärkt
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- ein Paar 25€-Mini-Subwoofer-Chassis Tangband w5-1138smf, die so weich aufgehängt sind, dass sie bei einem Minivolumen von wenigen Litern bis 30Hz runtergehen
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- direkt betrieben (ohne Weiche) über einen uralten Verstärker Grundig V20 (ca. 40 Jahre alt), der als nennenswerte Eigenschaften nur hat, dass er funktioniert und einen Bass- und Höhenregler aufweist, ansonsten lediglich Materialwert.
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- und ein OpenDRC-AN (analog in - analog out) von MiniDSP vornedran - das neueste und wertvollste Gerät, das dafür verantwortlich ist, alle Unzulänglichkeiten soweit möglich elektronisch zu korrigieren.
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Das analoge, lineare Eingangssignal in den OpenDRC-AN kommt von einem schwitzsicheren, von meiner Tochter seit langem ausrangierten mobilen MP3-Player, optional auch Handy, Tab, etc.

Einbau:
Die Canton-Satteliten sind frontseitig in ungefähr Ohrhöhe in den Ecken über eine in alle Richtungen schwenkbare Wandhalterung befestigt, darunter sind Ablagebretter eingezogen, um die Lautsprecher etwas vor der heißen, zirkulierenden Luft eines jeweils direkt darunter befindlichen Infrarotstrahlers zu schützen. Da der Kalotten-Hochtöner viel zu laut gegenüber dem Membran-Mitteltieftöner spielt, bekam er 6db pegelabsenkende Widerstände verpasst, die Frequenzweiche blieb sonst unverändert.
Die Subwoofer-Chassis passen in die Deckenausschnitte der orginalen Einbaulautsprecher, brauchen auf der Decken-Oberseite wegen der großen Tiefe des Magneten aber ebenfalls Ausschnitte, die dann mit einem fertigen Kunststoff-Mitteltongehäuse abgedeckt sind. Das Zwischenvolumen in der Decke und das Mitteltongehäuse ergeben zusammen knapp das Mindestvolumen für den Subwoofer, vollgestopft mit Dämmstoff. Um das etwas knappe Volumen des Subwoofers zu erweitern und einen Luftwechsel (Kühlung) an der Hinterseite der Membran zu ermöglichen, habe ich eine Luftöffnung in das Gehäuse gebohrt, was sich nachträglich als nicht unbedingt nötig erwiesen hat.
Hinter dem Kopf ein Frotte-Handtuch als Absorber mindert die hochfrequenten Rückreflexionen. Die alten Komponenten, die das Auge heutzutage mehr Schmerzen als Wohlgefallen erzeugen, haben ihren Platz unauffällig auf dem Flachdach des Würfels und werden nur durch den Ein-Schalter der Mehrfachsteckdosenleiste bedient, und durch ein Belüftungsloch in der Türe führt das NF-Kleinklinkenkabel ins Innere für die mobilen Zuspieler.

Hier mal ein paar Bildchen dazu:
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Abstimmung:
Die Aktivierungs-Experten und Profis hier springen zwar gleich im Stereo-Dreieck :roll: , aber letztendlich entscheidet ja das Endergebnis. Jetzt erst mal die Pegel der beiden Lautsprechergruppen ungefähr angleichen. Dann mit der Software REW und dem kalibrierten Messmikrofon messen, gesamt und jede Lautsprechergruppe für sich. Dabei sieht man sich den Überlappungsbereich genauer an. Iterativ die Pegel kann man nachkorrigieren, die Polung der Chassis am Hörplatz mal testweise umdrehen, und die Klangeinstellungen der Verstärker anpassen: Bei den Satteliten kommt der Bass und vor allem der Tiefbass sehr schwach und teilweise verzerrt, also wurde der Bassregler der Satteliten etwas zurückgedreht, dafür am Verstärker für die Subwoofer der Bassregler auf 4 von 5 ins Plus, so dass der Bass kräftig ist, aber noch sauber klingt und nicht verzerrt und den Trebleregler auf maximal minus, damit die Subwoofer-Chassis nicht quäken. Das Zwischenergebnis ist zwar um Welten kräftiger und klarer auflösender als die Einbaulautsprecher, jedoch mit Dröhnen und etwas nervigen Frequenzanteilen.
Das Dröhnen waren Tieftonresonanzen, die durch gezielte Gewichtsdämpfung der wild schwingenden Leichtkonstruktion der Holzwürfeldecke einerseits, und elektronische Absenkung der Modenfrequenzanregung im OpenDRC gebändigt wurden. Aus den ersten Messungen ging hervor, dass in den Canton-Satelliten der Kalotten-Hochtöner viel zu laut gegenüber dem Konuslautsprecher tönte :roll: , also gab es mit jeweils zwei 5W-Widerständen eine Pegelabsenkung. Der Unterschied (ca.20dB) war zu groß zur elektronischen Korrektur mit dem OpenDRC allein, ohne dass dieser in irgendeine IIR-Instabilität verfiel und immer wieder ausstieg und neu programmiert werden musste.

Und es geht noch viel besser. Denn nun kommt der OpenDRC-AN von MiniDSP zum Einsatz, der eigentlich für ein hochwertigeres Setup vorgesehen war. Als Software zum Erstellen der Korrekturfilter habe ich zunächst den automatischen Korrekturvorschlag von REW ausprobiert. Das erste Ergebnis war zwar etwas besser als nichts, aber keinesfalls berauschend. Dann versuchte ich die Software Rephase, also eine manuelle Korrektur mit Hilfe der eingelesenen Messdaten von REW. Ein Stückchen besser, aber leider noch weit weg vom Ziel, schon allein weil man nicht unendlich viele Korrekturpunkte erzeugen möchte und es ist auch nur die Korrektur irgendeines Frequenzgangs und Phase ohne Einbeziehen der Raumeigenschaften.

Schließlich verwendete ich einen von AcourateDRC erzeugten Filter über alles. Am Eingang bzw. Ausgang habe ich jeweils +6dB bzw. +10dB eingestellt, da die Kopfhörerausgänge der Mobilgeräte schwach sind, die alten Verstärker noch mehr rauschen als der OpenDRC-AN und dieser durch die starke Korrektur auch viel Amplitude einbüßt. Nach ein paar iterativen Optimierungsdurchgängen bin ich selbst überrascht :shock: , wie man aus einer langweiligen Schwitzkiste mit Hilfe von uraltem, für die Entsorgung vorgesehenem Equipment, einem billigen Subwooferpaar und einem OpenDRC/AcourateDRC einen wirklich top klingenden Musikwürfel zaubern kann. (Wenn Interesse besteht, kann ein paar Messungen nachliefern.)
Die Musik kommt nun direkt, klar, ausgewogen, trocken am Ohr an (das Saxophon bei Henry Mancinis "Pink Panther" bläst einen direkt von vorne an). Durch die baulich bedingte Holzkistenkonstruktion schaffen die spürbaren, tiefen Bassvibrationen (relativ gleichmäßig über das gesamte Bassspektrum!) zusätzlich noch mehr Erlebnisatmosphäre, also wie 4D-Kino, besonders bei Expressivtiteln wie Hans Zimmers "Sherlock Holmes" - absolut suchtgefährdend! :D Bühne, Feinheiten, Stimmung - es fehlt nichts, sogar mit ausreichender Mächtigkeit inkl. dem "Erlebnisbass". Klar, es ist nicht die Perfektion des Wohnzimmersetups, aber es macht unheimlich Spaß, zu hören. Kommt es letztendlich nicht genau darauf an? :mrgreen:

Weitere Aspekte:
Die Lautsprecher werden in einer Infrarotsauna natürlich ganz schön warm. Es lief bisher um die 100 Betriebsstunden, bei einer Lufttemperatur von max ca. 50°C Hitze. Die Membranen und deren Verklebungen sind bisher ohne sichtbare Veränderung. Die Satelliten stehen oberhalb und gegenüber von Infrarotstrahlern und bekommen eine gemessene Oberflächentemperatur von etwas über 45°C, die vorgesetzte Lochblechabdeckung der Satelliten sogar knappe 50°C. Ähnlich auch die zwei Subwoofer-Lautsprecher in der Decke. Autolautsprecher sollen bis 60°C ausgelegt sein und eine IR-Sauna auf jeden Fall überstehen. Auch den MP3-Player sollte man der langfristigen Akkulebensdauer zuliebe entweder in der Hand behalten oder auf den relativ kalten Boden legen.

Fazit:
Auch in einer IR-Sauna kann man einen klanglichen Musikgenuss erzielen, sogar mit uralten, billigen Komponenten, die in einer Art Aktivierung, softwarebasierter elektronischer Korrektur und ein wenig Bastelei ein wirklich erstaunliches Ergebnis bringen. Das i-Tüpfelchen für die heimische Erholungsstätte. Das ist neue Lebensqualität in zweifacher Hinsicht: für mich und für die schrottgeweihten Altgeräte. Recycling in Idealform.

So genug geschrieben, ich möcht' jetzt in meine Sauna zum Erholen... :wink:
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Beitragvon h0e » 03.10.2017, 21:31

Hallo Uli,

vielen Dank insbesondere an Deine Frau für die gute Verpflegung.
Wir Stoffel haben uns noch nicht einmal standesgemäß bei Ihr bedankt und verabschiedet.

Heute durften wir uns von der wohl bestbeschallten Infrarotsauna Deutschlands überzeugen.
"Coole" Sache, das. Schon klasse, was man mit Hifiresten so anstellen kann.
Schnell war die Zeit rum, intensive Gespräche und Austausch von Ideen.
Sicher werden wir noch die ein oder andere Idee umsetzten und schauen,
was noch geht.

Grüsse Jürgen
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Beitragvon john » 04.10.2017, 07:29

Lieber Uli,

vielen Dank auch von mir für die kurzfristige Einladung und die Gastfreundschaft.
Es war auch das richtige in-door-Wetter.

Auch für mich als echtes Holzohr ist es immer wieder interessant mal andere setups zu hören.
Du hast ja einiges an Geräten und Zeit investiert.

Ich hoffe, auch Du hast auch einen Nutzen von unserem Feedback.

Grüße Alfons
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Beitragvon Rainair » 04.10.2017, 12:30

Hallo Uli (und Frau),

auch von mir erst mal herzlichen Dank für den überaus freundlichen Empfang und die tolle Kaffe-Bewirtung in eurem tollen Haus ! Der Espresso macciato und der Kuchen wird mir noch lange in Erinnerung bleiben.
Es war sehr schön, wieder mal andere Setups und Lautsprecher zu hören. Und dein Equipment empfand ich als schön rund und recht angenehm klingend. Ich bin allerdings immer noch der Meinung, ein rein aktives Setup ohne Passiv-Weichen wär sicherlich einen Versuch wert. Denn da kannst du mit Acourate die Phasen jedes einzelnen Chassis beeinflussen, was ja mit Passiv-Weichen nur sehr begrenzt geht.
Leider musste ich etwas überstürzt wieder aufbrechen, da ich ja noch einen Termin hatte. So kam ich leider nicht mehr in den Genuß der "DSP-Sauna", schade.

LG, Rainer
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Beitragvon planetti » 05.10.2017, 08:32

Vielen Dank für Euer Kommen, den netten Nachmittag, Eure Mitbringsel und Euer wertvolles Feedback mit Anregungen, die ich mir für zukünftige Schritte gerne zu Herzen nehme.

Vielleicht als direkte Erkenntnisse:
- Acourate Vollversion unterstützt scheinbar den OpenDRC nur in der 2x2Plugin Ausführung mit 6144 Taps. (Die 1024 oder 2048 Taps, die der miniSharc-Prozessor mit dem 4x8Plugin48k gebrauchen könnte, werden scheinbar nicht unterstützt. AcourateDRC liefert zumindest verwendbare minimalphasige Filter, die man in die das 4x8Plugin48k einfügen könnte). Rephase-erstellte Dateien werden eingelesen, die sinvolle Verwendbarkeit haben wir bei den 6144tap-Dateien noch nicht vollständig geklärt.

- es geht noch besser, weil keiner auf dem Hörplatz blieb und sagte "ich weile hier, es ist so schön, werd nimmermehr weg von hier gehn".

Mal sehen, wie es weitergeht...
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