Uli (Quadral Aurum Orkan VIII passiv)

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Beitragvon planetti » 06.06.2017, 21:30

Teilaktivierung von passiven Quadral Orkan VIII mit 2 OpenDRC und AcourateDRC/REW/Rephase

Prolog: Die Motivation - oder wo soll die Reise hingehen?

Die Orkan VIII meiner Hauptanlage klingen bereits in der passiven Version nicht schlecht, sie haben feine Elektrostaten und einen schnellen, tiefreichenden Bass. Aber was mir abgeht, ist die Lebendigkeit und die klare Abbildung, insbesondere im unteren Mitteltonbereich. Wohl deshalb gibt es auch die aktive Ausführung der Orkan VIII, die nach Testberichten etwas besser abgestimmt sein soll - allerdings zu einem mächtigen Aufschlag (fast x2). Das definiert auch das Budget zum Hauptziel: Innerhalb der €-Differenz von ca. 2500€ zu der aktiven Ausführung der Orkan VIII soll es besser klingen, aber zusätzlich unter Einbeziehung der vorhandenen Räumlichkeiten und diese PC-frei!

Wie die Beiträge oben andeuten und der Name unseres Forums legt natürlich nahe, dass jetzt etwas aktiviert werden kann, aufbauend auf bisherigen Erfahrungen (vielen Dank an Winfried mit seiner damaligen Teilaktivierung). So nahm ich Eure Ratschläge auf und (teil-)aktivierte die Orkan VIII, weil ich den Eingriff so gering wie möglich halten wollte, falls ich es zurückbaue. Somit steht das Projekt auch für die Frage: Was geht für Budget?

Als Ausgangsbasis gibt es einen kleinen Cocktail Audio X10 als digitale Signalquelle, in einen Beresford DAC und einen Yamaha Vollverstärker an den Orkanen.
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Beitragvon planetti » 06.06.2017, 21:48

Kapitel 1: Die Raumakustik - oder wo stell ich die Dinger hin?

In einem Wohnzimmer lässt sich manchmal durch die eingeschränkten Gegebenheiten, den Wohnstil und den WAF nicht viel bis nichts baulich hinzusetzen. Dazu ein stylisches Wohnen in Loftatmosphäre kommt natürlich dem akustischen Supergau "leere Fabrikhalle" recht nahe. Der Nachhall beträgt über das gesamte Frequenzspektrum über 1 Sekunde (!), knochentrockene Songs erhalten dadurch sogar einen "Live-Charakter" :roll: . Der Raum hat eine Breite von 5,40m und hat glatte, schallharte Wandflächen/Decke und "Baguette"-Boden mit der Länge von 11,40m. Flatterechos haben bei der mageren Raumausstattung das ewige Leben, und Raummoden sind alle vorbildlich präsent. Und das ist auch leider nicht änderbar ohne bestehende Familienbande zu riskieren. Um Musik zu hören, erfordert solch ein Raum somit den Fokus auf einen sauberen, direkten Schall. Die Lautsprecher Orkan VIII bündeln zumindest vertikal den Schall schonmal stärker als z.B. die vorigen Monitor Audio GS-60, und generieren somit weniger Reflexionen an der Decke.

Die Bestimmung des Hörplatzes und die Aufstellung der Lautsprecher haben ja erheblich positiven Einfluss auf den direkten Schall, so dass die Reflexionen von der Rück- und Seitenwand zeitlich spät genug sind, um die wichtige erste Schallinformation psychakustisch nicht mehr so stark zu stören. Verschiedene Reflexionsberechnungen geben eine Vorstellung, wie der Schall im Raum steht oder sich bewegt. Doch die für mich praktizierbarste Methode für die Lautsprecherposition war die "Klatsch- und Singmethode", bei der man nach ein wenig Übung hören kann, ab welchem mindesten Wandabständen die Reflexionen nicht mehr mit den Wandflächen stark "interagieren" und sich anfangen "abzulösen". Die Profis können das bestimmt besser erklären.

Damit hat sich ein gleichseitiges Stereodreieck mit einer Seitenlänge von 3 Schritten (ca.2,80m) ergeben, dabei sind die (Bassreflex)-Lautsprecher mit einem Abstand von 0,85m der Schallfront zur Frontalwand entfernt. Damit sie optisch nicht so weit exponiert in den Raum hinein stehen, steht eine Couch dazwischen. Dadurch, dass der Raum hinter dem Hörplatz noch ca. 11,40m lang ist, gibts von hinten her wenig Schwierigkeiten mit Reflexionen, die den direkten Schalleindruck beeinflussen (gilt natürlich nicht für die tiefrequenten Raummoden). Zur Seitenwand sind es ca. 1,30m Abstand. Ein orientalischer Teppich im Stereodreieck reduziert die Bodenreflexion. Die Deckenreflexion bleibt leider, ein irgendwie gearteter Deckenabsorber ist nicht durchsetzbar. Für die Bildchenschauer:
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Beitragvon planetti » 07.06.2017, 22:41

Kapitel 2: Die Investitionen - oder wofür gebe ich aktiv das bisserl Geld aus?

Das Konzept ist also eine Aktivierung und (elektronische) Anpassungsmöglichkeiten an den Raum.
Da der Hochtonbereich und der Übergang zum Mitteltonbereich eigentlich ohne Makel klingt, ist die Grundüberlegung dahingehend, dass die Abtrennung der Tieftöner zu der Mittel-/Hochtongruppe, wie es der Hersteller durch das Anschlusspanel an der Rückseite bereits vorschlägt, übernommen wird. Also braucht man noch einmal zwei Kanäle, und so wurde ein baugleicher Vollverstärker A-S1000 erstanden (dadurch kann man mit einer Fernsteuerung beide gleichzeitig und identisch regeln).

Für die Weichen-Trennung sowie zur Anpassung und FIR-Korrektur kommen 2 Kästchen des OpenDRC mit dem Plugin2x2 (siehe "OpenDRC von Minidsp: Ein Hardwareportrait" viewtopic.php?f=28&t=6708) zum Einsatz. Sie versprechen pro Kanal mit 14 IIR-Parametern (auch für Weichen) und als 6144Tap-FIR-Convolver eine ausreichende Flexibilität. FIR-Filter können u.a. von der Software AcourateDRC (siehe viewtopic.php?f=40&t=2900) und der FIR-Freeware Rephase erstellt werden.

Ein alter Windows-Notebook mit einer externen Soundkarte Creative Audigy 2 NX, der Mess-Software REW und einem Elektretmikrofon mit individueller Kalibrierdatei von HIFI-Selbstbau dienen zur Analyse. Da noch etwas Budget übrig war, habe ich mir noch einen neuen DAC Beresford Caiman MK2 gegönnt, der auch einen brauchbaren Kopfhöreranschluss aufweist. Dieser steuert auch die Mittel-/Hochtongruppe an und wird digital über den einen OpenDRC-DI versorgt, der andere OpenDRC-DA hat einen internen DAC und übernimmt den Tieftonbereich.

Hier mal die Konfiguration:
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Beitragvon wgh52 » 09.06.2017, 08:26

Hallo Uli,

danke für die ausführliche Aufbereitung der Beschreibung Deines Aktivierungsprojektes!

Eine Zusatzfrage habe ich noch, die sich vielleicht im nächsten Kapitel mitbehandeln ließe, denn mir ist die Konzeption der AD und DD Wandlung im Ultramatch noch nicht ganz eingängig.

Der Ultramatch ist auf 96 kHz Ausganssamplerate eingestellt, die openDRCs laufen ja standardmäßig 48 kHz. Im schlimmsten Falle, also z.B. wenn (CD) Tracks mit 16/44,1 oder 24/48 vom X-10 abgespielt werden, wird im Ultramatch erstmal auf 96 und im open DRC wieder auf 48 kHz gewandelt. Also zwei Mal SRC hintereinander.

- Warum läuft der Ultramatch nicht auch mit 48 kHz wenn die openDRCs das sowieso "brauchen"? Mit 48 kHz würde bei Digitalquellen nur eine SRC gemacht und die AD Wandlung der Analogquellen gleich und ohne SRC auf die von den openDRCs verarbeitbare Rate stattfinden. Das könnte...sollte sich (häufiger Erfahrung nach) klanglich auswirken.

Ich lese weiter gespant mit und freue mich auf die Implemenierungsdetails :cheers:

Grüße,
Winfried

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Beitragvon Hans-Martin » 09.06.2017, 10:29

wgh52 hat geschrieben:Warum läuft der Ultramatch nicht auch mit 48 kHz wenn die openDRCs das sowieso "brauchen"? Mit 48 kHz würde bei Digitalquellen nur eine SRC gemacht und die AD Wandlung der Analogquellen gleich und ohne SRC auf die von den openDRCs verarbeitbare Rate stattfinden. Das könnte...sollte sich (häufiger Erfahrung nach) klanglich auswirken.
Hallo Uli,
Winfrieds Einwand kann ich aus eigener Erfahrung nur unterstreichen.
Ich schreibe jedem Echtzeit-SRC einen Auflösungsverlust zu, und es könnte sich lohnen, offline die Dateien auf der Festplatte mit geeigneter Software von 44,1/16 auf 48/24 oder sogar 96/24 umzurechnen und die neuen dateien zum Spielen zu bringen. Dann wäre der Ultramatch überflüssig.
Der vergleichsweise grässliche Klang, den man von einem Windows Computer beim Abspielen von CDs über den internen Kernel-Mixer bekommt, war mein erster Anstoß, über die 44,1>48kHz Konvertierung und ihre Schwächen nachzudenken.
Da MiniDSP Open DRC mit einem ASRC Abtastraten von 20-216kHz am Eingang verarbeitet und intern mit 32Bit float rechnet, halte ich den Ultramatch für völlig überflüssig und gar kontraproduktiv, außer, man möchte Analogsignale einspeisen, da würde ich auch auf 96/24 oder 192/24 konvertieren.
Ich halte eine Offline Konvertierung der Abtastrate für besser als die getaktete Chiplösung. Über den Daumen (also sehr grob) setze ich die Wahrnehmbarkeit von 8 Bit mit der doppelten Abtastrate gleich, bei interner Arbeitsweise mit 48/32 float im MiniDSP wäre mMn 96/24 ein angemessenes Eingangsformat, das es möglichst hochwertig von 44,1/16 hochzurechnen gilt.
Von einem Studiomaster mit 192/24 kann man alle niedrigeren Abtastraten und Bitraten rechnerisch herstellen (SoX, Audacity, Adobe Audition, etc.), das halte ich für die beste Herangehensweise, aber wenn CD-Formate die Grundlage der Musiksammlung bilden, führt es andersherum natürlich auch.
Damit würde ich alle Versionsmöglichkeiten vergleichend durchhören, um die Grenzen der Hardware gegenüber Grenzen der Software auszuloten.
Dabei kann die Diffusität zweier Abtastratenwandler hintereinander (1) auch gefallen, ich habe mich allerdings mehr auf die Musik und den Fokus der Instrumente (2) als auf "Räumlichkeit" konzentriert. Die anfängliche Begeisterung mit dem Wow-Effekt (1) wich bald einer nüchtern-sachlichen Konzentration auf das Wesen der Musik, die Greifbarkeit und das gewisse Etwas, wo die Musik (2) einem eher unter die Haut geht.
Grüße Hans-Martin
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Beitragvon planetti » 10.06.2017, 13:03

Danke für Euer Feedback.

Das Thema "Behringer Ultramatch" war eigentlich ein Teil von Kapitel 4, aber ich ziehe das jetzt nach vorn:

Ursprünglich war ein elektrischer TOSlink-Splitter Marmitek 14 zu den beiden OpendDRC im Einsatz. Dabei gab es zwei elementare Probleme:
1. In einem Vergleich desselben Musikstücks auf 44,1kHz und 96kHz fiel eindeutig auf, dass das "Timing" und die Räumlichkeit auf 44,1kHz hörbar schlechter war als auf 96kHz. Damit war klar, dass mein Musikmaterial auf 44,1kHz oder Internetradio aus dem X10 durch den ASRC am Eingang des OpenDRC (http://www.ti.com/lit/ds/sbfs030c/sbfs030c.pdf), der jedes Sigal auf die internen, fixen 48kHz bringt, alles andere als exakt verarbeitet und keine akkurate Zeitzuordnung auf 48kHz aufweist.
2. Das optische SPDIF-TOSlink-Signal des X10 "eiert" offensichtlich. Alle TOSlink-Splitter knacksten jede halbe Minute mehrmals, weil sie nicht mehr das vereierte Signal ausgleichen konnten. Der X10 hätte auch die Möglichkeit, die Signale auf fix 48kHz oder 96kHz auszugeben, aber dieser Upsample-Algorithmus erzeugt unschöne digitale Artefakte (ein Sinus hört sich so an wie manche hier aussehen http://src.infinitewave.ca/) und ist somit vollkommen unbrauchbar!

Also habe ich einen Signalgeber X10, der ein unsauberes Signal ausgibt, und zwei Empfänger OpenDRC, deren ASRC die Signale nicht exakt verarbeiten. Eine Lösung für beide Probleme bietet eben so etwas wie der Behringer Ultramatch SRC2496, der eine sehr hohe Toleranz für schlecht getaktete Digitalsignale aufweist, ein Eingangssignal auf wahlweise 32/44,1/48/88,2/96kHz und 16/20/24bit umrechnet, zeitgleich das aufbereitete Signal auf die 3 Digital-Ausgänge splittet, eine stabile interne Clock hat und obendrauf sogar noch einen brauchbaren, rauschfreien AD-Wandler mit an Board hat. Somit hat dieses Gerät also Vieles auf einmal gelöst.

Natürlich habt Ihr recht, zwei Umrechnungen im Signalweg sind suboptimal. In meiner Kette aber scheint es, dass der Ultramatch beim Upsampling vieles richtig macht, was der ASRC im OpenDRC "vernudelt", so dass der OpenDRC das Signal durch die vorige Aufbereitung auf 96kHz/24bit exakter und im Timing stimmiger auf seine internen 48kHz reduziert, die Instrumente stehen "stabil" im Raum ohne "Diffusität". Auch wenn es nicht logisch erscheint, so klingt es auf den eingestellten 96kHz/24bit subjektiv "freier", "lässiger" und "echter" als die theoretisch passenden 48kHz, möglicherweise macht sich das Filtern beim Resamplingprozess auf 96kHz weniger bemerkbar. (Die Einstellungen auf 44,1 oder 88,2 kHz präsentieren dagegen eine unbrauchbare "verwaschene" Bühnenabbildung. Lobestext unter http://lampizator.eu/LAMPIZATOR/TRANSPO ... inger.html).

Eine Offline Konvertierung macht bei Internetradio keinen Sinn, der X10 rippt CDs nur auf 44,1kHz und verhält sich beim Verwalten fremder Dateien äußerst umständlich bis willkürlich. Und einen Splitter brauche ich auch...
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Beitragvon wgh52 » 10.06.2017, 16:33

Hallo Uli,

danke für das vorgezogene Kapitel :cheers: ! Diese Sache war halt auffällig und Du hast nun eine vorerst schlüssige, nachvollziehbare Erklärung in Deine Kapitel "eingeschoben". Ich könnte mir vorstellen, dass es noch andere, technisch günstigere, Lösungsmöglichkeiten gibt, welche das doppelte Resampling unnötig machen oder zumindest die SPDIF Taktung(en) insgesamt auf ein Besseres Jitter- bzw. Frequenzsynchronitätsniveau bringen würden, denke aber das verschieben wir erstmal bis Du fertig berichtest hast :D .

Lass Dich also von dem angeschnittenen Thema bitte nicht aus dem Konzept bringen und berichte Deiner Gliederung folgend einfach weiter! :cheers:

Grüße,
Winfried

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Beitragvon planetti » 13.06.2017, 21:16

sooo, jetzt gehts weiter...

Kapitel 3: Der Weg - oder wie kriege ich das Ganze jetzt gebacken?

Architektur:
Ich habe mich dazu entschieden, die eine Stereo-Kette mit einem OpenDRC-DI/DAC/A-S1000 für den HT/MT-Bereich aufzubauen, den Bassbereich mit einem OpenDRC-DA/A-S1000 abzudecken. Das gibt mir die Sicherheit, dass die für die wichtigen stereo Hörparameter (z.B.Bühne, Lokalisation) notwendige exakte Zeitbeziehung symmetrisch exakt denselben Prozessweg durchläuft. Ein nicht 1000%er Zeitbezug zwischen HT/MT- und Bass-Bereich erscheint mir nicht so kritisch.

Ausgangslage:
Hier mal die eingebauten Weichen in der Fotomontage (die hellen Flächen sind die Leiter) für HT/MT und für TT:
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und die Messung der Weichen im Grundzustand:
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und die dazugehörigen Zeitdiagramme ImpulsResponse und Groupdelay:
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Überlegungen:
Obwohl die Messungen gute Ergebnisse liefern, sehe ich den Übergangsbereich 250-400Hz nicht gerade als ideal an. Nach vielen Hörtests war die wichtige Erkenntnis mit den passiven Weichen, dass die Trennfrequenz zwischen TT und MT (Werkangabe 330Hz) etwas niedriger werden soll, da Männerstimmen im Bereich der Trennfrequenz unsauber an meinen Ohren ankommt. Ich hatte den Eindruck, dass der eine Mitteltöner das sauberer könnte als mit den beiden Tieftönern.

Jetzt ist es so, dass die passiven Weichen, wobei zumindest die MT/HT-Weiche (siehe Bildchen) unverändert eingebaut bleibt (gemäß Entwickler Sascha Reckert darf man den Hochpass im MT zum Schutz des Elektrostaten ohnehin nicht rausnehmen), zur Trennfrequenz hin durch die IIR-Weiche eine Phasenverzerrung aufweisen, so dass man diese bei der Abstimmung berücksichtigen muss, insbesondere wenn man eine zusätzliche elektronische Weichenabsenkung überlagert. Um nun durch die überlagerte elektronische Weiche an der (evtl. leicht versetzten) Trennfrequenz keinen zu starken Amplitudeneinbruch zu bekommen, setze ich die Filter-Grenzfrequenzen weit überlappend an, also im MT/HT sind es 260Hz bzw. 270Hz, im TT 330Hz für IIR-RL-24dB bzw. FIR-96dB. Ich habe einige Versuche gebraucht, um die beste Weicheneinstellung und Trennfrequenz zu finden.

Anfangs versuchte ich, Werte für eine passende Weiche und das dazugehörige Delay theoretisch abzuschätzen, doch die Messungen und die Ohren ergaben in der Praxis ganz andere Werte, so dass die Theorien nur als Grundlage zum Verständnis dienten...
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Beitragvon planetti » 13.06.2017, 22:53

...nun gehts ans Eingemachte

Vorgehen:

1) Zunächst stimmte ich die Lautstärken der Bereiche des TT und MT/HT grob zueinander ab mit einem zum HT-Bereich leicht absinkenden Amplitudenverlauf, in Annäherung an die später gewünschte Zielkurve. Die Lautstärken am Verstärker/DAC kennzeichnen/fixieren.

2) Mit dem Plugin2x2 stellt man in beiden OpenDRC die gewünschten Weichen ein, sowie das nötige Delay. Das Delay des HT/MT-Bereichs wird angepasst, indem man einen Sinuston an der (echten) Trennfrequenz in REW erzeugt, den Ton für z.B den MT/HT-Bereich im Plugin invertiert, und das Delay zu dem einfach herauszuhörenden Amplituden-Minimum bestimmt. Wenn dann die Signalinvertierung wieder deaktiviert wird, hat man an der Trennfrequenz das gewollte Maximum und somit das korrekte Delay mit der geringsten Pegel-Absenkung. Es kann auch sein, dass sich die passende Polung durch die Weichenfunktion und das Delay für den TT bzw. MT/HT umgedreht hat. Doch das muss man ausprobieren. Bei leichtem Anheben oder Absenken der Trennfrequenz erhält man immer einen leichten Amplitudeneinbruch, wenn die passiven Weichen gleichzeitig wirksam bleiben, weil sich ja die elektronische Weichenabsenkung überlagert.

3a) IIR-Weichen für TT und MT/HT:
Im 2x2 Plugin des OpenDRC wurden von TT>MT eine Butterworth BW 24dB-Weiche bei ihrer theoretischen Trennfrequenz mit 330Hz, von MT>TT eine BW 24dB-Weiche mit 270Hz eingegeben, die jeweils bei der theoretischen Trennfrequenz von 300Hz (gegenüber der werkseitig angegeben passiven bei 330Hz eine theoretische Absenkung von -1 und -2dB anzeigen. Bei der Flankensteilheit der IIR-Weichen muss man im Hinterkopf behalten, dass je steiler die Flanke, desto besser ist die Trennung aber desto stärker wird auch die Phasenverzerrung. Eine überlagernde 6dB-Weiche schafft kaum Trennungsgewinn, eine 48dB-Weiche bringt hörbare Verzerrungen, siehe auch Kapitel 4. Es ergibt sich ein Delay des HT/MT gegenüber dem TT von 1,08ms.

So sieht dann die Einstellung für die Weichen im OpenDRC Plugin2x2 aus:

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Dann erhält man folgende Ergebnisse für die Frequenzmessung im Vergleich zur Ausgangslage:
(rot, grün ist ursprünglicher Zustand, orange, türkis ist mit den elektronisch Weichen, lila ist die neue Summe)

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mit den Ergebnissen für die Zeitdiagramme (Kommentar siehe Kapitel 4)

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wobei die ImpulseResponse ohne Delay im Vergleich so ausgesehen hätte:

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Beitragvon wgh52 » 14.06.2017, 08:57

Hallo Uli,

auf die Gefahr hin, dass ich mal wieder "voreilig" bin, eine Zwischenfrage:

Mit dem 2x2 Plug-In habe ich auch schon gearbeitet und es gibt da die Möglichkeit die Hochpasscharakteristik des MT mit in die gewünschte Weiche einzubeziehen (siehe auch Linkwitzkompensation), das nennt sich Bi-Quad Filtgerung. Dazu mißt man das MT Hochpassverhalten ohne Weiche und bestimmt aus der Messung der Thiele-Small Parameter (Grenzfrequenz und Güte Qts) im Einbauzustand die nötigen Einstellungen für das Plug-In, wofür es eine Excel Tabellenkalkulation gibt. Das führt zu besser amplituden und phasenkontrolliertem Gesamtverhalten im Übergangsbereich, gerade wenn man Linkwitzweichen benutzt. Falls Du das nicht implementiert hast (wonach es momentan aussieht), aber interessiert wärest, können wir das gerne on-line oder off-line behandeln, ich hab das schon einige Male mit dem 2x2 Plug-In gemacht.

Grüße,
Winfried

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Beitragvon planetti » 15.06.2017, 19:48

Vielen Dank Winfried, für den Hinweis.

Bisher hatte ich die Erweiterung der unteren MT-Weichenflanke durch eine "Linkwitzkompensation" (https://www.minidsp.com/applications/ad ... -transform, durch Eingabe von geeigneten IIR-Biquads im Weichenfenster "Advanced") nicht auf dem Schirm. Diese Vorgehensweise hätte den Vorteil, dass die IIR-Absenkung der passiven Weiche bis zu einer tieferen Frequenz (z.B. 290Hz) kompensiert werden könnte, um darunter dafür viel steiler abzufallen, was allerdings auch eine entsprechende Auswirkung auf die Phase hat. Ist das Phasenverhalten dann nicht ähnlich einer steilen Weichenflanke (wie z.B. -48dB/Okt)? (Auch sollte man im Hinterkopf haben, dass der DSP aussteigen kann, wenn die IIR-Parameter in der Gesamtheit zu hoch aussteuern.)

Der Plan ist bisher, dass ich mit der elektronischen Weiche den TT weit genug gegenüber dem MT absenke, und das entstehende Amplitudendefizit in der zum Schluss ganz einfach und phasenneutral über die FIR-Korrektur ausgeglichen wird....
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Beitragvon planetti » 17.06.2017, 14:00

... nun wird es verzwickt ...

3b) TT mit FIR (mit Rephase), MT/HT mit der IIR-Weiche:

Anstelle der IIR-Weiche im TT-Bereich bietet sich auch eine lineare FIR-Weiche an*. Diese hat den Vorteil, dass sie sehr steil gewählt werden kann, ohne Einfluss auf die Phase. Eine 96dB-Weiche hat mit Pre-Ringing noch kein Problem. Nachteilig am FIR-Filter ist, dass er eine Zeitverzögerung verursacht, allerdings ist diese genauso lang wie durch die FIR-Phasenkorrektur-Filter von AcourateDRC.

Die lineare FIR-Weiche für den TT-Bereich kann man in Rephase erstellen. Zusätzlich habe ich in Rephase manuell aus der TT-Messung aus REW auch die Phase für den TT korrigiert, insbesondere am Übergang zum MT. Speziell an diesem Schritt musste ich lane optimieren, da die Messung und Korrektur etwas mit Vorsicht zu behandeln sind. Die Anzahl der wenigen gleichverteilten FIR-Taps spielt dabei mit hinein, so dass man die Korrektur der Raummoden besser den IIR-Filtern (von AcourateDRC) überlässt.

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Das erzeugte FIR-Weichenfilter lädt man in das Plugin vom OpenDRC und sendet es an diesen.
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*(die FIR-Weiche wird anstelle des von AcourateDRC erstellten Über-Alles-Korrektur-FIR geladen. Nachdem AcourateDRC im TT-Bereich nicht viele FIR-Korrekturen setzt, verliert man nicht viel. Besser wäre natürlich die Überlagerung A*B ...)

Für den MT/HT-Bereich erzeugt man in Rephase noch ein "Leer"-Filter ohne Weichenabsenkung und Korrekturen (oder alternativ das Delay ca.64ms eingeben), um für die Gesamtmessung wieder zeitgleich mit dem TT-Bereich zu sein.

Ergebnisse des TT-Bereiches im Orginalzustand gegenüber der FIR-Weiche und Optimierung (=Korrektur und verschlossenes Bassreflexrohr, siehe Kapitel 4):
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FIR-Weiche und Optimierung
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Groupdelay original
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FIR-Weiche und Optimierung
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[Vielleicht mal in der Zukunft ...
3c) FIR-Weichen für TT und MT/HT:
Das aber kann in vernünftiger Weise derzeit nur Acourate (Vollversion). So wie ich das verstanden habe, müsste man zuerst passende FIR-Weichen erstellen, damit jeweils den MT/HT bzw. TT-Bereich einzeln linearisieren (Amplitude und Phase) und Vor-Filter A (incl. Weiche) erstellen, die Zeitverschiebung zwischen MT/HT und TT messen und ausgleichen, dann ein Korrekturfilter B über alles mit Zielkurve erstellen, und dies schließlich mit den vorherigen Filtern convolven (A*B). Gibt es jemanden, der das mal bei mir durchexerzieren möchte?]
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Beitragvon planetti » 17.06.2017, 23:41

(Wenn die OpenDRC.xml mit den Weichen für den TT und MT/HT-Bereich in die OpenDRC geladen sind, kann man sicherheitshalber eine Delayüberprüfung (siehe 2) durchführen.)

4) Nun kann man AcourateDRC verwenden für eine Korrektur über Alles, d.h. Amplitudeneinbruch an der Trennfrequenz, gegen Raummoden, Verbesserung der Gruppenlaufzeit und Annäherung an eine gewünschte Zielkurve*. Die Vorgehensweise bis zu der OpenDRC-XML-Datei ist im Thread "AcourateDRC" viewtopic.php?f=40&t=2900&start=15 beschrieben.
Für 3a) kann man eine Phasenkorrektur mit "6IIR" auswählen,
für 3b) sollte man für den TT-Bereich mit "14IIR" erstellen, weil man ja keine IIR-Weiche belegen muss. Die IIR-Korrekturen sind dann maximal exakt.
Hier mal die Korrekturen zu den oben konfigurierten Weichen:
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*Tip: Es ist zu empfehlen, die AcourateDRC-Prozedur mit der Bestimmung der gewünschten Zielkurve und die Überprüfung des Pre-Ringings (mit Anpassung des FDW-Wertes) schon vor der Weichenbestimmung durchgespielt zu haben, da später jede Optimierungsrunde wegen jedesmal Eingabe der Weichenparameter (siehe 5.) sehr aufwendig ist.

5) Die von AcourateDRC berechneten OpendDRC.xml-Dateien werden dann in das Plugin geladen, aber man muss die Weichen wie zur AcourateDRC-Messung wieder konfigurieren.
Bei 3a) müssen die jeweiligen Weichenparameter und das Delay für den MT/HT-Bereich erneut eingegeben werden, dann zu den jeweiligen OpenDRC senden.
Bei 3b) für den MT/HT die Hochpass-Weichenparameter erneut eingeben, für den TT überschreibt man das FIR-Filter mit den Rephase-FIR-Filter-Daten (mit der FIR-Weiche) aus 3b). Obwohl die Zeitzuordnung aus AcourateDRC und Rephase eine Verzögerung von theoretisch 64ms erzeugen, sollte der Zeitbezug nochmal überprüft und ggf. über ein Delay angepasst werden. Dann zu den jeweiligen OpenDRC senden.

6) So, erstmal geschafft :cheers: . Dann entweder Parameter anpassen und optimieren :? , oder bereits zufrieden Musik genießen :mrgreen: .
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Beitragvon h0e » 18.06.2017, 06:43

Hallo Uli,

und? Hörst Du jetzt Musik? Wie klingt es?

Du hast, wenn ich das richtig sehe eine Zielkurve mit -9dB ab 100 Hz gewählt.
Ich könnte mir vorstellen, dass es etwas leblos klingen könnte,
mir pers. war immer schon ein Abfall ab 1kHz schon zu viel.
Ich hoffe der nächste Mikrostammtisch ist dann bei Dir, damit wir Deine Mühen mal zu Ohren bekommen.

Grüsse Jürgen
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Beitragvon wgh52 » 18.06.2017, 10:46

Hallo Jürgen,

vor längerer Zeit war ich bei Uli zugast und bemerkte auch wie schallhart dieser grosse Wohnraum ohne akustische Maßnahmen war.

planetti hat geschrieben:...Der Nachhall beträgt über das gesamte Frequenzspektrum über 1 Sekunde (!) ... Der Raum ... hat glatte, schallharte Wandflächen/Decke und "Baguette"-Boden ... Flatterechos haben bei der mageren Raumausstattung das ewige Leben, und Raummoden sind alle vorbildlich präsent. Und das ist auch leider nicht änderbar ohne bestehende Familienbande zu riskieren...

Aus dieser Situation heraus kann ich die gewählte Zielkurve schon verstehen, der Nachhall in den Höhen wird halt etwas "kaschiert", das Klangbild angenehmer.

Grüße,
Winfried

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