Rainer (ME Geithain RL 901K + 2x Basis 14K)

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Beitragvon Hans-Martin » 17.08.2017, 22:12

Eusebius hat geschrieben:Auch wenn einige das hier anders sehen: Ich halte den kleinen Funk für dramatisch unterschätzt.

Hallo Rainer,

deine Präferenzen bezüglich Musik hast du hier ja schon deutlich dargestellt, demnach ist dein Schwerpunkt Klassik - und eine Ernst zu nehmende Konzerterfahrung. Da ist das Invertieren des Funk LAP2V3 ja geradezu eine Korrektur der Aufnahmen (bei mir wären das an 90%, die nach Invertieren besser klingen). Das Preis-Leistungs-Verhältnis des LAP ist auch unbestreitbar sehr gut.

So, wie es eine selektive Wahrnehmung gibt, gibt es wohl auch eine selektive Penibilität, zumindest kann ich sie bei mir und meinem Hören feststellen. Wenn ich die Zusammenhänge kenne, kann ich mich beim Hören bewusst und versöhnlich über bestimmte Schwächen der Aufnahme hinwegsetzen, dasselbe gilt für Abhörbedingungen nach einer Eingewöhnungsphase.

Man kann das Thema Neutralität des VV sachlich angehen, indem man den Vergleich mit einem Stück Draht wählt. Man kann das Thema Polarität relativ einfach messtechnisch angehen, indem man mit einem digitalen Voltmeter im Messbereich 2V~ (oder empfindlicher) je eine Prüfspitze auf Eingang und Ausgang hält, dreht man nun die Lautstärke auf, bis das Ausgangssignal dieselbe Spannung wie der Eingang hat, sollte bis dorthin der Messwert stetig sinken (gleichphasig = null Differenz). Steigt er jedoch stetig an, zeigt das die inverse Polarität des Ausgangs. Ein einzelner Sinuston unter 200Hz von einer Test-CD (oder mit Audacity selbst generiert) vereinfacht die Übersichtlichkeit der Messung.

Wenn bei einem 3-Wege LS der Mitteltöner invers angesteuert wird, kann die absolute Polarität gehörmäßig mit Musik meist nicht mehr wahrgenommen werden, mal ist das eine Chassis richtig angesteuert, mal (invertiertes Signal) das andere. Bei Neumann ist mir bekannt, dass alle Chassis positiv angesteuert werden, wie ist das bei Geithain? Darüber konnte ich bisher kaum Angaben finden, und wenn es hier anders ist, erklärt das manches - speziell die Haltung zur absoluten Polarität.

Die Sprungantwort deiner 901 hast du hier gezeigt:

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Es bestätigt meine Befürchtung, dass Mittelton und Hochton gegenüber dem Bass verpolt sind, aber ich mag mich da täuschen, weil auch der Raum mit hereinspielt, und ich der Carma-Software mit etwas Skepsis gegenüberstehe.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Eusebius » 17.08.2017, 22:42

Hallo Hans-Martin!

Danke für deine Erläuterungen!

Wenn es die unterschiedlichen Polungen der 901-Chassis tatsächlich gibt (ich weiß es nicht) ist das für mich nur ein Beleg dafür, dass das klanglich keine wesentliche Relevanz haben kann. Denn ich ziehe eine 901k jedem anderen mir bekannten Lautsprecher vor. Das sehen viele Profis wohl ähnlich, denn das Renommee dieses LS rund um die Welt kommt sicher nicht von ungefähr.

Bei mir würde ein solcher Verdacht also keinerlei "Befürchtung" auslösen. Die 901k ist wie sie ist und darf es gerne bleiben. Ich habe wirklich viele Anlagen in meinem Leben gehört. Keine davon möchte ich gegen meine eintauschen. (Nun gut: Das ist sicher ein Gemeinplatz. Sei's drum!) Wenn ich nur an den dramatischen Qualitätsunterschied zu meiner alten passiven Kette (Isophon Vertigo GS plus ASR Emitter 2 im Vollausbau) denke, bin ich noch im Nachhinein verblüfft. Will tatsächlich jemand den Stab über eine 901k brechen? Wohl kaum.

Oft beschleicht mich aber der Verdacht, dass einzelne technische Aspekte über Gebühr seziert, analysiert, hinterfragt und mit immer mehr Bedeutung aufgeladen werden. Für meinen Geschmack verschieben sich da bisweilen die Maßstäbe dafür, ob und wie stark das auch hörbar ist. Mir fallen da neben der zitierten absoluten Polarität z.B. noch Zeitrichtigkeit oder Dopplereffekt ein. (Ich traue mich kaum es in diesem Forum auszusprechen. Aber auch der Begriff "geregelter" Bass oder LS gehört für mich dazu. So lese ich bisweilen: "Dies oder jenes können nur geregelte Bässe leisten." Ich halte solche Aussagen für Quatsch.)
Viel wichtiger erscheint mir das Gesamtkonzept eines LS - und da hat die 901k - ebenso wie die Aktiven anderer Hersteller - wirklich einiges zu bieten.

Gruß - und nichts für ungut!
Rainer

PS: Meine Messungen beziehen sich übrigens immer auf das Tandem 901k plus Basis 14k
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Beitragvon Eusebius » 18.08.2017, 05:19

Nachtrag zur Polarität:
Mit der Verpolung von Einzelchassis liegt der Hörer immer zumindest halb richtig - auch dann, wenn schon die Aufnahme invertiert ist, was ja nicht selten vorkommt. Was machen dann Hörer gleichgepolter Chassis? Nur noch Geräte mit Phasenumkehrschalter benutzen? Mühsam die "falsche" Aufnahme wieder umpolen? Kabel umlöten? Die Phasenlage einer Aufnahme muss aber zunächst einmal bekannt sein, was bei so geringen Klangunterschieden nicht leicht herauszufinden sein dürfte. Da bin ich eigentlich ganz froh, dass ich das nicht höre.

Von Hersteller- oder Produzentenseite aus betrachtet: Auf die "Polarität von Einzelchassis oder die absolute Phase einer Musikproduktion zu achten, sind so banale Basics, dass sie sofort korrigiert werden würden, wenn es sich wirklich um "Fehler" handeln würde. Der Aufwand für die daraus resultierende Klangverbesserung wäre nachgerade lächerlich gering. Wenn LS-Entwickler und Musikproduzenten es dennoch mal so herum oder anders herum machen, und das schon seit Jahrzehnten, kann das m.E. eigentlich nur zwei Gründe haben: Entweder es bringt Vorteile oder es ist schlicht egal.

Gruß!
Rainer
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Beitragvon h0e » 18.08.2017, 06:40

Eusebius hat geschrieben:Oft beschleicht mich aber der Verdacht, dass einzelne technische Aspekte über Gebühr seziert, analysiert, hinterfragt und mit immer mehr Bedeutung aufgeladen werden.

Hallo,

hattest Du nicht gerade den Funk in Deine Kette integriert, vor allem wegen der technischen Aspekte? Da beschleicht mich der Verdacht, dass dieser sich schön geredet wird. Hattest Du gegen andere Kandidaten außer Deiner Rosita verglichen?

Grüsss Jürgen
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Beitragvon frmu » 18.08.2017, 07:04

Moin,

ganz ehrlich, ich hätte an Rainers Stelle auch keine Lust, meine Anlage (in diesem Fall die Integration des Funk) hier gegen "alles mögliche" an Einwendungen verteidigen zu müssen ... :roll:

Da schüttel ich mich doch eher, wenn ich lese, wie dramatische Klangverbesserungen mit einem 500,-EUR teuren Netzteil an einer Fritzbox gehört werden ... :mrgreen:

Nichts für ungut ...

Schönes Wochenende
Frank
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Beitragvon Eusebius » 18.08.2017, 07:06

Hallo Jürgen!

Bei Franz habe ich mehrfach die Tessendorf gehört. Eine 901k an Einstein kenne ich auch. Geithain an anderen VVs auch bei Claus Bücher. Hinzu kommen die üblichen Messe-Eindrücke sauteurer Anlagen. Obwohl sie mich alle nicht beeindruckt haben, messe ich dem wegen der Umstände keine Relevanz zu. Zu Hause hatte ich vor längerer Zeit BMC, Primare und eine dritte, deren Namen ich vergessen habe. Sie alle waren teurer als die Funk.

Meine Wertschätzung für die Funk resultiert aus dem Hörerlebnis und der SUMME hervorragender technischer Daten. Wogegen ich argumentiere, ist die übergebührliche Beanspruchung EINZELNER technischer Aspekte. Das sollte man auseinander halten können.

@ Frank: Ich habe damit gerechnet und habe es trotzdem geschrieben. Also alles ok.

Gruß!
Rainer
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Beitragvon h0e » 18.08.2017, 07:19

Hallo Rainer,

teurer als die Funk ist nicht schwer und genauso wenig ein Kriterium. Ich kenne nur die große Funk, die spielt schon recht gut, aber nach meiner Empfindung macht mit anderen, wenn auch deutlich teureren VVs mehr Spass. Allerdings muss es zum Rest der Kette passen.

Wenn es für Dich an den MEGs passt, ist alles gut.
Viel Spass.

Grüsse Jürgen
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Beitragvon music is my escape » 18.08.2017, 11:16

Hallo an alle,

Ich behaupte einfach mal ganz dreist, dass es durchaus von Vorteil sein kann, nach einer LaRosita als Quelle nicht auch noch einen Vorverstärker zu benutzen, welcher schön klingt... ;)

Insofern glaube ich gern, dass der konsequent aufgebaute (soviel wie nötig, so wenig wie möglich) kleine Funk im Vergleich zu x-mal so teuren Bauteilegräbern, welche oftmals eine bestimmte Klangphilosophie verfolgen, einfach nur "richtig" klingt.

Wenn das Teil zudem noch automatisch 90% aller Klassikscheiben in die richtige Polarität bringt, hat man schon eine Menge nicht mehr falsch gemacht. :D

Viel Freude mit dem Neuerwerb!

Thomas

(der sich freut, dass der Trend zum Downgrading mit Qualitätsgewinn in diesem Forum weiterhin anhält und nach Zuspielern und Kabeln auch den Bereich der VVs erreicht. Fehlen nur noch DACs (eine Frage von Monaten) und LSPs auf der Liste, aber auch da bin ich zuversichtlich... :))
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Beitragvon Pittiplatsch » 18.08.2017, 18:53

Hallo Rainer,

nach dem ich die technischen Daten des Funk gesehen habe komme ich fast in Versuchung den mal probeweise in meine Kette zu haengen.
Wenn es eine Anlage gibt die ich irgendwann noch mal hoeren muss ist es Deine!

In diesem Sinne viel Spass beim Hoeren! Mit Optimierungen solltest du ja durch sein :). Aus reiner Neugier: gibt es einen Grund warum du auf Raumkorrektur kategorisch verzichtest? Mein Ansatz ist auch: im Raum optimieren was geht hat Prioritaet und den Rest noch per DRC.

Viele Gruesse,
Tobias
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Beitragvon Hans-Martin » 18.08.2017, 22:38

Eusebius hat geschrieben:Ich kenne aber auch niemanden, der seine 901k (plus Basis 14k) so penibel eingemessen, justiert und mit dem Raum "verheiratet" hat, wie ich das über die Jahre getan habe. Das geht weit über die fünf Ortsanpassungsfilter hinaus.

Hallo Rainer,

Hans-Martin hat geschrieben:So, wie es eine selektive Wahrnehmung gibt, gibt es wohl auch eine selektive Penibilität

damit meinte ich, dass man nicht an allen Baustellen zugleich tätig sein wird, sondern sich der dringlichsten und offensichtlichsten Probleme annimmt. Dabei vertieft man sich in die Problematik, wird zum Experten, sensibilisiert durch intensive Beschäftigung mit einem Teilbereich. Denkbar ist, dass man die Abstände zu anderen ebenfalls hörbaren (D)efekten anders gewichtet. Wohlwissend um die eingesetzte Penibilität und die darauf einsetzende Entspannung, kommt eine Phase der Zufriedenheit, bis die eigene Penibilität die nächste Baustelle erkennt. Ich gehe davon aus, dass wer sich einmal als penibel geoutet hat, es auch bleibt.

Eusebius hat geschrieben:Nachtrag zur Polarität:
Mit der Verpolung von Einzelchassis liegt der Hörer immer zumindest halb richtig - auch dann, wenn schon die Aufnahme invertiert ist, was ja nicht selten vorkommt. Was machen dann Hörer gleichgepolter Chassis? Nur noch Geräte mit Phasenumkehrschalter benutzen? Mühsam die "falsche" Aufnahme wieder umpolen? Kabel umlöten? Die Phasenlage einer Aufnahme muss aber zunächst einmal bekannt sein, was bei so geringen Klangunterschieden nicht leicht herauszufinden sein dürfte. Da bin ich eigentlich ganz froh, dass ich das nicht höre.

Da dein jetziger VV die meisten Aufnahmen deines bevorzugten Musikgenres kompensiert, und der Tiefton der 901 korrekt gepolt ist, besteht bei dir wenig Handlungsbedarf, diesbezüglich etwas zu ändern, um nicht zu sagen, die 901 unterstützen nach meinem Eindruck diesen (Polaritäts-)Aspekt nicht sonderlich. Ich will das nicht als Schwäche der 901 auslegen, der Erfolg der MEG in den Studios hat seinen eigenen Wert, trifft den (positiven) Nerv der Entscheider und Macher, die damit arbeiten müssen und in Shootouts sich mit diesem Konzept eher anfreunden konnten als mit anderen.

Deine Hauptquelle ist offenbar der Musikserver, die Musik ist auf der Festplatte und man könnte bei Bedarf die als verpolt erkannten Dateien (idR ganze Alben, meist auch durchgängig ganze Labels) mit WAV-Editor in Stapelverarbeitung invertieren und so wegspeichern. Ich habe bei Mitforenten auch schon in Musikordnern eine Markierung mit einer Datei oder einem leeren Ordner (benannt invers oder ähnlich) gesehen. Dann gibt es entweder die Invertiertaste am DAC (hatten viele DACs bereits 1990), oder am VV, mein Amp hat es auf der Fernbedienung, digitale Aktivweichen und Equalizer haben eine entsprechende Funktion. Wie gesagt, es ist eine Frage der Penibilität, ob man es wahrnimmt und konsequent umsetzt.

Von Hersteller- oder Produzentenseite aus betrachtet: Auf die "Polarität von Einzelchassis oder die absolute Phase einer Musikproduktion zu achten, sind so banale Basics, dass sie sofort korrigiert werden würden, wenn es sich wirklich um "Fehler" handeln würde.

Bei Mehrwegweichen ist die Gruppenlaufzeit und eine Phasendrehung im Übergangsbereich abhängig vom verwendeten Filter. Die Steilflankigkeit wählt man nach verschiedenen Kriterien, Belastbarkeit des Chassis, hinreichende Unterdrückung von Fehlern am Rande seines Übertragungsbereichs. Dummerweise ordnet man die Hochtöner vorn an, und das Zentrum des TTs oder MTs liegt in der Ebene dahinter, bei Kondensatoren eilt der Strom vor, bei Spulen der Strom nach, auch Aktivweichen haben ähnliche Charakteristik, was zur mechanischen Abstandsdifferenz zum Ohr noch eine elektrische Laufzeitdifferenz gleicher Orientierung hinzufügt. Da ist es nicht möglich, Zeitkoinzidenz für ein ideales Zeitverhalten zu erreichen, man bemüht sich um Zeitkohärenz, einen homogenen Übergang vom vorauseilenden Hochton im Ausschwingen mit dem Anschwingen des zeitlich folgenden Mitteltons, dessen Ausschwingen mit dem späten Anschwingen des TTs. Da "opfert" man die Polung, ordnet sie einem fließenden Übergang unter, daraus resultiert eine gut gemachte Weiche, die einen gut klingenden LS ermöglicht.

Der Aufwand für die daraus resultierende Klangverbesserung wäre nachgerade lächerlich gering. Wenn LS-Entwickler und Musikproduzenten es dennoch mal so herum oder anders herum machen, und das schon seit Jahrzehnten, kann das m.E. eigentlich nur zwei Gründe haben: Entweder es bringt Vorteile oder es ist schlicht egal.

Diese Einschätzung teile ich im einen Sinne der Bedeutung nicht, im anderen Sinne schon:
Ich teile LS-Entwickler von Musikproduzenten; wie man Weichen macht, ist eine ganz andere Problematik als die Musikproduktion. In der Musikproduktion gibt es eine lange Tradition, betrachtet angefangen bei der elektrischen Aufnahme und Mono-LS. Ich habe keine Belege (Quellennachweise) dafür, denn der Effekt wurde erst in den frühen 1980er Jahren als Wood Effect publiziert, aber die Klangänderung beim Verpolen, selbst bei bei Rosa Rauschen, ist mir nochaus den 1970er Jahren im Ohr, und die Erklärung fand ich erst 4 Jahrzehnte später. Verpolt erscheint diffuser, löst sich scheinbar seitlich mehr vom LS, dabei ist es nur eine Frage der Härchenzellen auf der Hörschnecke, die eine Art Dioden (Einweggleichrichter) Effekt haben. Richtig gepolt, also Kesselpauke macht zuerst eine Einwärtsbewegung der TT-Membran, ist der einzelne Mono-Lautsprecher deutlich abgegrenzt erkennbar. "Raumfüllender" wirkt das invertierte Signal. Mit Stereo besteht dafür eigentlich kein Bedarf, zumal die Lokalisationsschärfe der Phantomschallquellen, nennen wir es genaue Abbildung, ein Merkmal guter Stereoreproduktion ist.

Bedenkt man in der historischen Entwicklung, dass die Stereo-LP erst 1959 kam, Stereo-UKW-Radio erst 1964, und dass weit bis in die 1970er Monoradios in den Haushalten, im Auto, in der Freizeit dominierten, so darf man annehmen, dass alle Mixe auch den Mono-Hörer als Zielgruppe berücksichtigen mussten. Es gab also keinen Grund, zur korrekten Polarität zurückzukehren, nur weil sie bei Stereo angemessen wäre.

Unter musikalischen Aspekten eines Konzertgängers, der die Umhüllung mit Musik schätzt, dessen Einzelinstrumente-Lokalisation sich zugunsten des großen Ganzen auflöst - mit zunehmend mehr Hörabstand als von der ersten Reihe - ist verständlich, dass ein Mehr an Diffusität bei der Wiedergabe nicht zwangsläufig negativ aufstößt. Bose hat das über Jahrzehnte gut vermarktet.

Ich kenne Musikhörer, die sich bewusst hinten im Raum direkt vor die Wand setzen, ich selbst höre oft hinter der offenen Tür im Nebenraum, wo von den Stereoqualitäten wenig bis nichts übrigbleibt. Wenn ich ein unscharfes Photo mit natürlichen Farben gegen ein scharfes Photo mit unnatürlichen Farben vergleiche, bin ich geneigt, beide zu entsorgen, ich will natürlich ein scharfes Photo mit natürlichen Farben. Manchmal bleibt nur die Melodie und die Erinnerung an ein reales Konzerterlebnis.

Man braucht doch nur einen einzelnen neutral klingenden LS duplizieren und wähnt sich bei Stereo bestens bedient, aber das ist gewiss nicht der richtige Weg, unsere HRTF machen einen Strich durch die Rechnung, denn der Klangéindruck eines LS, den wir anschauen und der Klang von 2 LS unter den üblichen +/- 30° ist doch sehr unterschiedlich, von einem Monosignal ausgegangen, sonst wäre es ja nicht vergleichbar.

Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Verlegung deines Hörplatzes knapp 1m weiter zurück tonal einen Vorteil bringt, auch wenn naheliegenderweise etwas Breite verloren geht, weil das klassische Stereodreieck spitzwinkliger wird. Sicherlich eine Frage der Präferenzen ...

Penibel angehängte Grüße
Hans-Martin

P.S. Ein VV, der invertiert, kann meiner Meinung nach nicht im Sinne von Thomas "richtig" klingen. Niemals - außer, die gespielten Aufnahmen sind schon unrichtig. Und weil das im Bereich der Klassik-Aufnahmen überprüfbar-nachweislich zu erschreckend hohem Prozentsatz der Fall ist, hat der Funk eine unerwartet begünstigte Chance, sein ohnehin schon gutes Preis-Leistungs-Verhältnis auszuspielen. Es ist aus meiner Sicht legitim, solche Mittel in einer Kette einzusetzen, wenn das Ergebnis verständlicherweise noch besser gefällt. Meine Beweggründe sind eher, die Zusammenhänge transparent zu machen.
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Beitragvon Kawumm » 19.08.2017, 07:55

Start Rahmenbedingungen:

Das von mir erwähnte Paar 901k wurde erst in Betrieb genommen. als mit dem Geithain Home Einmessservice , die Nachhallzeiten in dem 0,3 ms Sekunden Korridor waren .Dazu wurden die Absorber & Diffusions Massnahmen des Raumes in unterschiedlichen Positionen bzw. Menge gemessen . Aus jeweils 5 Messserien wurde der Mittelwert als Referenzwert definiert.

* der nächste Schtritt war die Aufarbeitung der kompletten Stromversorgung der Geithain 901k
danach wurde ein neuer Ständer konstruiert , der die Geithain in diesem Raum vom Boden bei 5 Hz entkoppelt.

* Alle externe Stromkabel Kabel in diesem Set up sind identisch ( Dope Sound AC Power Mica)
Die Geräte interne Stromkabel wurden ebenfalls mit der damaligen DIY Serie von Dope Sounds Silver Mica bestückt


Die Ag NF Kabel ( Kabelmaterial von Silvercore ) sind in gegensätzlicher Verdrillungs /Verseiltechnik mit Teflon / Baumwollummantelung angefertigt worden. Wer einmal Baumwollschläuche über Baumwollschläuche gezogen hat , weiss wie Zeitaufwändig dies ist .Und soweit möglich sind die Signal führende Kabel in den Geräten auch in Ag gemacht worden .
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Beitragvon Eusebius » 21.08.2017, 05:12

Ert einmal danke für eure z.T. sehr ausführlichen Stellungnahmen!

Nach dreitägiger Abwesenheit dazu noch einige kurze Erwiderungen:

Ich den vergangenen Jahren hat sich meine Hörpräferenz zunehmend in die Richtung entwickelt, dass ich möglichst genau den Inhalt der Konserve wiedergegeben haben möchte. Deshalb höre ich mittlerweile im nahezu idealen Stereodreieck (2,70m Basisbreite, 2,85 m Hörabstand zu jedem LS). Dabei habe ich durch meine akustischen Maßnahmen die Raumeinflüsse so weit wie möglich ausgeblendet und erreiche so eine Differenzierung und Ortungsschärfe, die die "Wanderung" durch das musikalische Geschehen für mich zu einem "Abenteuerurlaub" macht. Um dieser Direktheit der Wiedergabe die Schärfe zu nehmen und um den KLangeindruck (Stichwort: Höhendämpfung durch die Luft) eher dem einer üblichen Live-Entfernung anzugleichen, habe ich mir einen gleichmäßig abfallenden FG eingestellt. Nur auf diese Weise erreiche ich die Klarheit der Wiedergabe, die ich für beglückenden Musikgenuss brauche.

Früher habe ich weiter entfernt gesessen und damit zwangsläfuig mehr Raumreflexionen gehabt. Es hat mir nicht so gut gefallen. Ich bin also ganz und gar nicht der typische Klassikhörer, der die "Umhüllung durch die Musik" schätzt. Ich suche die Präzision in der Reproduktion der Quelle. Bei guten Aufnahmen kann das für mich eindrucksvoller sein als live. Gleichzeitig komme ich auf diesem Wege aber auch zu der Klangeinschätzung: So genau muss eine Stimme, eine Violine, ein Streichquartett oder ein Orchester klingen!

Vor diesem Hintergrund wird die Wahl meines neuen VV vielleicht etwas verständlicher. Je klarer ein VV das reine Signal durchleitet, desto besser. Je weniger Steine er dem Signal in den Weg legt und je weniger er das Signal kosmetisch behandelt, desto besser. Darum möchte ich z.B. auch kein Röhrenklirrspektrum im Signal haben.

Und @ Tobias: Bist herzlich eingeladen!

Gruß!
Rainer
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Beitragvon wgh52 » 21.08.2017, 11:40

Hallo Rainer,

ich teile Deine Hörpräferenz sehr weitgehend, höre auch im Nahfeld mit zu den Höhen leicht abfallender Frequenzgangtendenz (wenn auch bei Weitem nicht auf Deinem Anlagen-/Raumqualitätsniveau :cheers: ). Es ist auch für mich so (unter kräftiger Mithilfe des DEQX PDC) durchaus eine bessere Live-Anmutung bzw. Aufnahmeraumillusion erreichbar als bei weiterem Hörabstand. Komischerweise ist mit dieser Abstimmung (inkl. Modendämpfung) aber auch im gesamten Wohnraum eine sehr angenehm und natürlich klingende Wiedergabe möglich.

Grüße,
Winfried

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Beitragvon Hans-Martin » 21.08.2017, 12:28

Hallo Rainer, Winfried,

auch bei mir ist die Zielkurve fallend, auf -4dB bei 10kHz. Mit der Höhenabsenkung sind wir weltweit nicht allein, ich kenne dazu genügend internationale Mitforenten, denen es genauso geht. Im nicht-reflexionsfreien Raum fallen die Höhen ab und man (hier spreche ich von mir) weiß sowieso nicht so genau, was man da misst, wenn man sich nur auf sein Mikrofon verlässt. Wenn man auf einen Mono-LS schaut, klingt er anders, als wenn man den Kopf zur Seite dreht, ebenso bei Wiedergabe von 2 LS, Stichwort HRTF.

Mit zuviel Höhen gerät das Klangbild (von digitaler Aufzeichnung und Quelle) noch mehr aus dem Fokus, fällt breit auseinander. Seitdem ich die Musik mit FLOW bearbeite, hat sich mein Bedarf nach Höhenabsenkung spürbar reduziert. Da geht es um Unterschiede im Bereich von 1 dB zwischen der Empfindung von zuviel gegenüber zuwenig.

Grüße Hans-Martin
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Beitragvon Mainhattener » 25.08.2017, 22:02

Hallo in die Runde,

am Mittwoch war ich nach fast drei Jahren wieder bei Eusebius alias Rainer zum Musikhören zu Besuch.

Bei meinem ersten Besuch war ich absolut begeistert gewesen, auf welchem Niveau man Musik über Lautsprecher hören kann, wenn man es wie Rainer geschafft hat, den Raum zu extrahieren. Dazu hatte ich mich damals in einem anderen Forum geäußert:

http://www.hoerspass.net/forum/showthre ... #post66526

Bei meinem zweiten Besuch vorgestern wusste ich also was mich diesbezüglich erwarten würde und freute mich entsprechend, dass es mit dem Besuch so schnell geklappt hatte. Außerdem freute ich mich Rainer wieder einmal zu treffen, der ein unheimlich angenehmer Zeitgenosse ist und mit dem man sich prima über unser eigentliches Hobby, die Musik, insbesondere klassische Musik unterhalten kann.

Rainer zeigte mir zunächst einmal, was er seit meinem letzten Besuch weiter an seiner Anlage und an seinem Raum optimiert hat. Dabei sind natürlich sein Funk und die Fuhrmänner zu erwähnen. Musikalisch starteten wir mit einem kurzen Rundflug durch die Klassik, angefangen von Händel über Beethoven, Brahms und Bruckner bis hin zu Mahler. Ich habe alle Musikstücke förmlich aufgesogen, live, etwas anderes fällt mir dazu nicht ein. Mit ein wenig weiterer Musik, unter anderem einem Vergleich fünf verschiedener Interpretationen eines Streichquartetts von Beethoven, vielen Dank für die neuen Einsichten, vergingen dann im Nu vier Stunden.

Lieber Rainer, toll, was Du Dir hier über die Jahre aufgebaut hast. Ob der Funk jetzt ein guter oder ein exzellenter Pre ist, kann ich nicht sagen. Deine ganze Anlage spielt für mein Hörempfinden an der Grenze zur Perfektion, wenn es in Richtung authentischer Wiedergabe eines Tonträgers oder Tondokuments geht.

Wieder einmal wurde ich daran erinnert, dass die wichtigste Komponente einer Musikanlage der Raum ist, in dem sie spielt.

Vielen Dank noch einmal für die Einladung, ich hoffe ich habe Dich nicht zu lange belästigt. Liebe Grüße auch an Deine Frau.

Matthias
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Mainhattener
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